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Full text of "Germania: Vierteljahrsschrift für deutsche Alterthumskunde.."

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GEEMANIA. 



VIERTKLJAIIKSS(!Iil{lFT 



fOk 



DEUTSCHE ALTEllTHUMSKUNDE. 



HEGKÜNDKT VON FRANZ PFEIFFER. 



IIKRAUS(ii:<iKKEN 



VON 



KARL BARTSCH. 



DKKirNPZWANZICiSTKK ./AHR«AN(J. 
NEUE REIHE EILFTKR JAHRGAN». 



WIKX. 

VERLAO VON CARl. H KROLDS SOIIX. 

187«. 



ZUR TAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. 

VON 

ALBERT IIOEFER*). 



XLII. Scban^ Scchan, Jehan. 

Diese drei Zeitwörter, deren zwei letzte leieht zu den schwierigsten 
der deutschen Sprache gehören, berühren sich schon in den wichtigsten 
hochdeutschen Formen möglichst nahe, sie zeigen aber auch in den 
niederdeutschen Abweichungen und Besonderheiten eine auffallende 
Übereinstimmung, die mitunter wol bemerkt, aber noch immer nicht 
ganz erklärt ist. Man vergleiche unter anderem mhd. 

sihc; schihc; gihe. siht, schiht, gibt, 

sach, schach, jach. sahen, schtihen, jähen 

sen, sehen, jen, und wieder mnd. 
süt, schüt, ghüt, suet, sehnet, ghuet. 

*8Üde, schüde, ghüde. s^n, sch^n, ghdn, 

wozu noch geschede (mhd. auch geschide) und geghSde, gede, ghiede, 
das part. geschet, geschiet (mhd. auch geschit) u. a. hinzukommen^ 
während das bekannte alts. ik giuhu und juhu ganz vereinzelt steht 

Die meisten dieser Formen sind so häufig und so bekannt, daß 
sie keines Nachweises bedürfen, zu einzelnen derselben dagegen ist 
Folgendes zu bemerken: 

1. Die 3. prs. sg. ghüt, ghuet ist bisher gänzlich tibersehen, 
obgleich Grimm sie schon 1840 vermutete: er sagt Gr. 1*" 261 'auch 
mnd. jttt oder gut fatctur wird sich wol aufweisen laßen'. Und es 
findet sich in der Tat gar nicht selten. So bieten die Varianten zu 
jet im Sspiegel 60, 1 S. 86 u. a. guth, gehet, geit; zu 3, 14, 1 S. 191 
ghuet; das Glossar zum Lehnrecht 2* S. 587 guet, ghut, goit; und in 
Lappenb. Hamb. Rechtsalt. S. 59 und S. 103 steht mehrmals gut, 
gud, ghut. 

*) Fortnetiung von Germania XVIII, 309. 
QERMANU. N«ae iUUie U. (XXUI. Jakrg.) 1 



ZUR LAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. 3 

Übergangs in andere Conjugation, oder^ nach J. R. Könes unglücklichem 
Vorgange, durch Assimilation des u, oder durch freilich sehr 'merk- 
würdigen Einfluli des h' schwerlich schon erklärt hat. Daß dieses u 
jenem u in süd, ghüde entspricht, nahm auch Grimm l*" 261 an. Steht 
dies aber fest, wie ich nicht zweifle, so liegt die Schwierigkeit nicht 
in u, das dem w entsprungen, sondern lediglich in dem h des hv nach 
dem w, u, und hier ist dann nur eins möglich, h, wenn es echt 
und organisch, hat seine Stelle verändert, d. h. u = w ist vorge- 
drungen. Zu vergleichen englisch wh für altes hw, genauer ßaiva: 
ßavi(o. — Daß man in gisewan, farliwi mitunter s. g. Spiranten- 
wcchsel angenommen, ist bekannt, doch sah schon Grimm 1, 147 in 
ihrem w Spur des alten w, vgl. M. Heyne §. 73, 4 gegen 44. 

XLIII. Mnd. Dam. 

J. Grimm hat bekanntlich im J. 1849 in Haupts Z. 7, 454 wo er 
von darf handelt, einiger nd. Formen gedacht, die in der Grammatik 
wegen Unergiebigkeit der Quellen vernachlässigt seien. Es sind dies, 
von allbekannten oder bloß vermuteten abgesehen, zumal dam audet, 
dürne audeat. dam und cj. dorne erwähnt in demselben Jahre Ett- 
müller zu Theoph. 446. Obgleich beides aus Hom. GL zum Ssp. und 
aus Bruns' Zeno 412 längst bekannt sein muste, ist es beider Männer 
Verdienst, die Aufmerksamkeit darauf gelenkt zu haben; erklärt oder 
auch nur weiter verfolgt wurden sie nicht. Beide beschränken sich auf 
die ungenaue Vergleich ung von sterne : sterre, aber Grimm, der das 
prt zu dam ' als dorste, kaum dornste' ansetzt, nennt jenes seltsam und 
meint, man würde wol noch yndere abweichende Formen dieser ano- 
malen Verba sammeln können. 

Die Form darn^ um zunächst den Bestand festzustellen, findet 
sich immer in demselben Sinne wagen, sich getrauen bisher 1. nie- 
derdeutsch etwa 9 mal, nämlich im Ssp. Hom. ed. 2. S. 54. 75. 118. 
123 160; sodann Hom. II a im Lehnrecht 39, 1 S. 215; ferner in der 
Magd. Schöppenchronik S. 14, 8. S. 15, 8; endlich in der Sassenchr. 
S. 236: dal ek et wol darn spreken nä : geschä (?Sch. nag : geschag), 
wo nun auch der Hamb. Codex bei Weiland darn hat. Dazu kommen 
die beiden Conjunctive d o r n e : vortorne Zeno 412 = Lübben 433 und 
dürne Ssp. S. 138, 5, und 2. noch vier hochdeutsche Stellen a) tarn 
in dem Quedlb^ Ssp., s. die Var. bei Hom. S. 1 18 und in dem Görl. Lehn- 
recht 3, 18, Hom. 2 b S. 156: ob er iz uf den heiligin tarn volbringin; 
b) dam im Quedl. Lehnrecht 222, Hom. 2a S. 215: darn her da sin 
unschult zu tun, imd im Görl. Landrecht 47, 20 Hom. 2 b S. 225: ob 

1* 



4 A. HOEFER 

en — bewcrin dam. Einiges andere, z. B. aus v. Daniels Rechtsb. wird 
sich noch beibringen laUen. Im Leipz. Ssp. ed. Weiske*Hild. nur 
tar, kein tarn. 

Die Schwestersprachen bieten hiezu nichts von Belang, das altn. 
)>ania bedürfen, fflr (larfna, wozu das aus dem sog. Ormulum bekannte, 
weiter von Stratmann nachgewiesene altengl. |iamen egere, kommt nur 
mittelbar in Betracht. Wichtig ist allein altenglisch dam und durne, 
beide to dare, bei Halliwell aus dem Prompt Parv. verzeichnet. 

Woher nun aber das aninilligc r-n? das Ettmttllcr aus rr •= rs, 
Grimm gar nicht deutete, während es ohne Zweifel einen vereinzelten, 
kostbaren Rest uralter Stammbildung enthält, dem sich nicht sowol 
fullnan. fullni'ida oder }>rafna, })rafnada vergleichen als vielleicht 
fraihnan, frah. Bekanntlich bildet das Indogermanische ftlr gewisse 
Verba der 5. und 9. Conj. eigene s. g. Präseusstänunc mit nu, nu oder 
mit n!, nä, daher im Skr. su, su-uAmi oder ju, ju-nA-mi wie gr. öiiK- 
w^ii, dttfivfißi. Die Wurzel der nun dars, tar, nd. dar zufallt, lautet 
im Skr. dhrisch für ursprünglicheres dhars d. h. mutig sein, wagen 
und eben sie bildet ihr Präsens dhrischnomi (neben Perf. dadharscha) 
aus dem Stamme dhrischnu, der sich mit nd. dam = W. dars -|- nu 
vollkommen decken würde. Unser dam wäre also eigentliches Präsens 
und von dem urspr. präteritalen dar, dor, der, dore zu trennen. 

Die übrigen zu dar und darf, dOrv gehörigen Formen bieten Grimms 
E^artung entgegen nichts Bemerkenswertes. Die bekannten dochte, 
dechte, selbst: der se bedachten : brachten aus Marina 107 (lies be- 
drochten : brochten) sind entstellt aus dorchte flir dorfte wie jetzt 
ddscb : dresche, dö8t:durst. Das von Diefenbach dem Dähnert ent- 
nommene inf dorsten beruht lediglich auf Misverständnis, obgleich es, 
wenn es vorkäme, nicht auflUliger sein wtlrde als der bei Weigand 
verzeichnete bd. Inf däuchtan. — Beiläufig bemerke ich, dal> in der 
Aachener Mundart neben dem prät dorsch durfte fUr dorste? noch ein 
präs. dasch, darsch darf und auch ein infin. dosche dürfen vor- 
kommen soll, beides doch wol nur Neubildung. Bei J. Spee V'olkst 
vom Kdrrh. beißt eck dAr ich darf, dorsch dou durftest du. 

XLIV. Nd. schTike Hure. 

Das nicht grade seltene, doch offenbar Ortlich beschränkte Wort 

« spricht dem altn. skoekja bei Fritzner, skioekja bei Grimm 1' 485. 

» das sich im schwcd. skiika, dän. skttge erhalten hat. In seinem 

i sa. Belg. verseichnet Hoflmano aas Plantioa Thet. aobeacke, eeo 



ZUR LAUT-, WORT- UND NABiENFORSCHÜNG. 5 

stuck hoerS; scortum, meretrix, im Teuthon. scheint es zu fehlen, im 
jetzigen Holländischen heißt es schenk die Gaßendime. Das gesammte 
Hochdeutsche scheint das Wort gar nicht zu kennen, ich habe es nur 
einmal bei Eantzow S. 263 gefunden: sie vor eine sc hu che halten, 
also in einer Zeit und Örtlichkeit da sehr viel niederdeutsches Sprach- 
gut in das Hochdeutsche übertragen ward. Desgleichen wird es im 
Ags. , Alt- und Neuenglischen, Altfriesischen und Altsächsischen viel- 
leicht völlig vermist. Grimm Or. 2, 11 no. 92 hat zwar alts. skök 
adultera, — allein woher? Schmeller^ Eoene, Heyne kennen es nicht. 
Dennoch wäre es hier nach dem Stande des Mnd. wol vorauszusetzen. 
Vielleicht gehört hiezu der um 1280 in Strals. Urkunden häufige 
Name Scoke? 

In meiner Ausgabe des Cl. Bür findet unser Wort sich dreimal 
V. 08. 157. 260, an der zweiten Stelle liest der Druck B hören fllr 
schoken A, — schokenkint aus der Dortm. Wilkür ist schon Germ. 
13, 160 erwähnt, schocken sone, altn. skoekjusonr, steht in den Gosl. 
Stat. 333, beide sind in manchen Rechtsbüchern nebst ähnlichen Aus- 
drücken als strafbare Beleidigung bezeichnet 

Indem ich anderes übergehe» bemerke ich noch, daß bei L. Die- 
fenbach Suppl. ein altes Glossar s. v. meretrix : pute, cute, stoke gibt, 
was natürlich scoke meint, und daß unter neueren Glossaren nur 
noch Strodtmann und das Brem. Wb. das Wort kennen. Letzteres 
hat sich nach dem Vorgange von Wicht zum Ostfrs. Landrecht S. 252 
Anm. auch schon mit dem Ursprünge des schoke, scheuke beschäftigt, 
0» vergleicht neben Falschem nd. schechten laufen, fries. schecken davon 
laufen. Grimm 2^ 11 denkt an ags. scacan, altn. skekja; deutlicher 
wiesen vielleicht alts. skakan, altengl. to shake auf den Begriff 'die 
Weggelaufene, die Herumstreicherin?' 

XLV. Wan in Zusammensetzung. 

Das allbekannte Wort das sich noch heute hie und da im Sinne 
von 'nicht voll, 1er, kühn, toll' findet, ward von jeher am häufigsten 
in Compositis verwendet Nur aus dem Gotischen ist nichts, aus dem 
Ahd. neben wanwäfan inermis, wanwesan deesse wenig erhalten, desto 
mehr aus dem Altn., Angels., Friesischen, Mndl. und HoU. — Vom 
Nhd. werden im Ganzen nicht viel über ein Dutzend Beispiele aufzu- 
bringen sein, bemerkenswert ist allein wan sauer (vgl. ndl. wansl&- 
perich, wansout) bei Stieler subacidus, schwäbisch dagegen 'sehr sauer , 
also hier mit einem gleich un verstärkenden wan. 



6 A. HOEFEK 

Niederdeutsche Beispiele, die bei Grimm ganz fehlen, sind in 
Menge vorhanden, obgleich der Heliand nur einmal wan c. g., einmal 
wanskefti Elend hat, dazu in den Gl.L. bei M. Heyne wangiscot Mangel? 

Allein Stürenburg bringt an 30 ostfriesische Wörter dieser Art, 
von denen ich die wichtigsten mit einigen anderen hier übersichtlich 
kurz auflführe. Vor b imd m zeigt sich dabei zuweilen wam, wie bei 
in, un, das a ist oft lang^ meist wie in den ostfr. noch kurz, doch 
schreibt Hofiinann im Reinke wän, ohne Not. Das einfache wan 1er : 
quam, findet sich z. B. Uhland 2, 695: ach möller, wo is min sak so 
wan, du hefst mi half gestalen; der Strals. Vocab. hat: wan, nicht al 
vul, semiplenus, semivacuus, dann nach 3 comp. : wan, simpliciter, semis ; 
dazu gött. wänich schlecht, fehlerhaft, vgl. holl. wannigheit, während 
clev. wän albern, unklug ist, ähnlich im Wal deck, bei Curtze. 

Von Zusammensetzungen mit wan führe ich nun auf: 

wanandort; wonondward altfr. falsche Antwort. 

wanbak ostfr. ein Hagerer, ohne breiten Rücken, vgl. he het 
nich buk oder bak. 

wanbandich, auch mit mb und nn, ostfr. und D. Munda. 4, 
126, wie unbannich, sehr, gewaltig, noch mehr verstärkt sogar ostfr. 
unwanbandich ungeheuer, Germ. 14, 204. 

wanbär ostfr. mangelhaft, e. wansom(3 bei Hall, inefficient. 

wahnbett, nhd., bei Grimm unerklärter Jägerausdruck, ist nach 
Frisch und dem Brem. Wb. das lere Lager des Hirsches, zu trennen 
von dem wunderlich gedeuteten gc'Ut. n. wambct Wildheit der Kühe, 
das vielmehr, wie hier bCikbct, Bauchgrimmen des Viehes, zu wamme, 
wampc gehören wird. 

w anbort, -bordicb, osnbr. , pommersch und sonst oft nachweis- 
lich, z. B. bei Seibertz, im nds. Archiv f. 1841,408, steht nicht von 
geringer, sondern von unehelicher Geburt, hie und da auch nhd. 
wahnbtirtig. 

wan dicht ostfr. undicht, wobei ich bemerke, daß das Brera. Wb. 
Wandel Mangel als wan-del erklären möchte. 

wanfet ostfr. nicht fett genug zum Schlachten. 

wan füll rasend, bei Ficker Münst. Chron. 125, ist unsicher^ da 
es zu wän gehörend vielleicht wahnvoll sein mag? Ebenso ist auch 
altfr. wanfel, -Uich blutrünstig nach v. Richthofen nicht auf unser wan, 
sondern auf ags. wan, won lividus , ater zu beziehen, also eigentlich 
mit dunkler, blutunterlaufener Haut. 

wängär gött. nicht recht oder schlecht gar. — Davon ganz ver- 
schieden altfr. wongare zerri (Jenes Gewand, zu gero, gere gehörig. 



ZUR LAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. 7 

wangelüd ostfr. Miston, holl. wangeluid; -luidend. 

wanglove ostfr. Unglaube, -glovich, holl. wangeloof, vgl. im 
Br. Wb. wanloevisk und holst, wandelloevisch mistrauisch. Die holl. 
wan-gebruik, -gedrocht Misgeburt, Unding, -gelaat, -gunnen^ -gunst sind 
im Nd. nicht nachweislich. 

wanhäl, nicht ganz, mancus, scheint nicht mit dem Brem. Wb. 
altfr., sondern ags. wanahäl ungesund^ ahd. wanaheil. 

wanhebbich ostfr. id. q. unhebbich plump, holl. wanhebbelijk 
unsauber. 

wanhode u. c. ü, ue, Unachtsamkeit, pomm. bei Dähncrt und 
sonst oft, bes. lübeckisch. Dazu verwanhöden verwahrlosen, bei Hach 
und Wehrmann, und verwanholen im Br. Wb. verdruckt, oder mit 1 
fär d, was manchmal vorkommt. 

wanhope, -pich Verzweiflung, wie im Engl, und Holl. wo auch 
Verb, wanhopen. Im RV. wanhopeninge. 

wankantich ohne scharfe Ecken, hier und fast tiberall. Das 
ostfr. Vcrbum soll bedeuten: widerspenstig sein. 

wanklör ostfr. Misfarbe, -klörich, holl. kleur, couleur. 

wanlüstich ostfr. unlustig, holl. wanlust. 

wanmacht bei Dähnert wol ungenau Ermächtigung, Unrecht, 
altn. vanmattr ist Machtlosigkeit, Krankheit. 

wanmäte, im Strls. Voc. c. mm, unrichtiges Mali, Seib. 540, 
ostfr. ebenso, altfr. wanmete. 

wanraoedich unmutig, unsinnig, im Brem. Wtb. aus Stade. 

wanorder, -örde ostfr. Verwirrung, Unordnung wie im Holl. 

w anrät schlechte Wirthschaft, dazu -rädich, ostfr. und holl. 

wanrip ostfr. unreif. 

wansad, beßer -sat, semiebrius, doch nur aus dem Strls. Vocab. 
bekannt, wo sad drunken, sad maken inebriare. 

wanschapen, auch wän-, wand-, überall gebräuchlich, verkehrt, 
ungestaltet, albern u. s. w., in der pomm. KAgende: wi wannschapenen 
hilligen, ags. wansceaft ist Mangel, Elend, holl. wanschepsel Untier, 
Ungetüm. 

wanschepel der letzte nicht volle Scheffel eines Komhaufens, 
im Brem. Wtb. 

wanschicht brem., holst, wand- Zufall, Unfall, Misgeschick, z. B. 
bei Graut. 2, 430. Dorow 1, 37; vgl. unschicht. 

wanschick ostfr. Ungeschick, holl. Unordnung. 

wansedich, im Strals. Vocab. gleich unsedich indisciplinatus, 
immoderatus, ebenso das Subst. -dicheit, dorperheit, rusticitas, im 
Teuthonista. 



8 A. HOEFER 

wanBprftk und -ke ostfr. und bei v. Wicht Landr. 748, fehler- 
hafte , Obele Sprache. Altfr. wanspn'ke ist bei v. Richth. depravatio 
loquelae, vgl. holt, wantaal Sprachbarbarismus. 

wanstalt ich ostfr. ungestaltet, holl. wanstal Misgcstalt, -lüg. 

wanstucrich ostfr. unbändig, gleich balstuerich. 

wansQchtig wahnsinnig, Sastrow 1,91. 

wantic ostfr., wantij holl., zu tie, engl, tide, unregclm. Ebbe 
und Flut. 

wantfdich, tieg ostfr. unzeitig oder gar nicht trächtig. 

wantoge oi*tfr. verfehlt© Züge, Streiche. 

wantroestich ostfr. untnitftlich, vgl. mistrostich verzweifelt, mis- 
mutig. Beiden Wörtern ist es bekanntlich schlecht ergangen, denn 
wie dieses öfter verschrieben ist, so steht ftlr jenes Mar. Klage 271 
wanteistich. 

wantrüwe in der Gl. zu RV. Verdacht, Mistrauen, ähnlich ostfr. 
und holl. wantrouw neb^t Verb, wantrouwen; vgl. »chwed. wantro, alt- 
engl. wantriste, mistrust. 

w anwäre ostfr. fehlerhafte Ware, ebenso altfr. nach dem Urem. 
Wtb.. während bei v. R wanwara unvollständige Uewährleistung. 

wanwetisch im StrU. Voc, semifatuus, Hemiprudt^ns, da/u bei 
P irker .'>(K'i wanwitt ich wahnuitzig, vgl. Altfr. wanwitseip unvollbtän- 
dige Kun«ie. 

w an wicht uhtfr. und altfr. m;utgr|liaft«*h (t(>wicht. 

wanwis brem. u. pnmro. wahnsinnig, unklug; altfr. wanwisingi» 
ist unvolUtd. o<l. falsche IJnterwrisung. 

Ich hatte diese Sammlung Anfangs auf sämmtliche Zusammen- 
Setzungen der Verwanten ausgedehnt, da dieselbe aber cim>n zu groüen 
Umfang gewann, habe ich mich sodann auf einzeln«*M Wichtigere be 
schränkt und denke auch so den mannigfaltigen (tebraueh unseres 
wan, daa sieh so oft mit un völlig deckt, hinlänglich klar gelegt zu 
haben. Nach (irammatik 2, 672 entspräche waiia, zur rartik<*l ge- 
worden, ganz dem lateinischen ab-« d^-, wiihri*nd hie und da, z. B. in 
wanbär, engl. wan.<omr da» alt«* Substantiv noch deutlieh vorzuliegen 
•eheint 

XLVl. Wa u dages. 

Daa Glied dieser Zusammensetzung tritt aus der Reihe 

). * bandelten Wörii*r so entschieden heraus , daß es mit 

Sliede gar keine BerObrung haben kann. Es heiüt ganz. 

f wie Schatze im Holst Id. will, läKlieh, gewöhnlich von 



ZUR LAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. 9 

ditm. wandag, Wochentag? sondern stets: ehedem, vor Zeiten, weiland, 
und begegnet so häufig, daß es keiner Belege bedarf, doch vgl. z. B. 
bei Lisch Mekl. Jahrb. 4, 217 van wandages T. Bocholtes boden, oder 
Germ. 9, 271 dar de heidene wandages plögen umme t6 danzende^ Pf. 
wand. Man könnte versucht sein, an e. to wane, ags. wanjan, abnebmen, 
zu denken, das im Nd. nicht ganz fehlt (van deme wanne: manne fdr 
mune, wie engl, the wane of the moon) , allein die Bedeutung Ver- 
gangen' ist kaum nachzuweisen und so bleibt wol nur übrig, mit dem 
Brem. Wtb. auf wanne zurückzugehen, das das. 5, 179 zweimal in 
alter Urkunde vom J. 1390 unmittelbar dem wandages entspricht: 
Cordes de wanne min bröder was, und: Ilsabe die wanne mine 
rechte hüsfroue was, — unter Hinweis auf Schilter, p. 835. Dieses 
wanne ist nun aber natürlich nicht jenes wan, Mangel, sondern das 
pronominale hwanne, aliquando, von Vergangenheit und Zukunft, vgl. 
noh hwanne, mhd. eteswenne, Graflf 4, 1202 und W. Müller 3, 503. 

In gleicherweise wird für^weiland' im Mnd. sonst auch ichtes-, 
gichteswanne, sogar et wan verwendet, wofür das Wtb. einige Bei- 
spiele gibt. — Wenn in Volger's Lüneb. Urk. neben unserem wän- 
daghes sich gelegentlich auch wansdaghes findet, z. B. pag. 345, so 
mag dessen erstes s leicht aus dem zweiten herüber genommen sein. 

XLVII. Ekel-, Oekelname. 

Die verschiedenen neben einander laufenden Formen dieses 
Wortes sind: Ekel- auch Eckelname bei Stieler, Adelung und Gcethe, 
ekername im Brem. Wb. , oekel-n. bei Richey und Schütze, auch 
Danneil, oeker-n. im Br. Wb. »3, 261, sodann älter okelnam, bei 
Lauremberg und aus Korner im Mnd. Wb. — Dazu hat schon Grimm 
im D. Wb. altn. auknefni, schwed. öknamn^ dän. ögenavn beigebracht, 
indem er hinzufügt: 'unser ekelname schiene also aus diesen nordi- 
schen Formen entstellt, oder beide Benennungen hätten nur zufällige 
Aehnlichkeit.' Nein, eins so wenig wie das andere. Grimm übersieht 
die ganz richtige Form oeker, darum meint er, 'Schütze schreibt 
oekeln. für ekeln., eker könnte umgesetztes erke sein', während sich 
ockel : oeker verhält, wie ^kel : ^ker. Letztere sind offenbar (ekel mit 
falscher Anlehnung an Ekel) aus den ersten beiden entstanden; diese 
aber, ökel und oker, den nordischen verwant, sind ohne Zweifel alte 
echte Bildungen zu dem Verbum oken, alts. ökan, okian. 

Auf aukan hat übrigens nach Adelung schon Ihre unser Ekel- 
name richtig zurückgeführt, und was hätte dies denn auch mit Ekel 



10 A. HOEFER 

BO schaffen , wenn aUBnahmsweiBc mach einmal ein schmutziger, in der 
Regel gewis nur komisch wirkender Beiname mitunterlUuft Ekel- 
name, nach Stieler appellatio ignominiosa, nach Qrimm co^u. infame, 
ist wie die ganze Sippe nicht einmal notwendig ein Schimpf-, Spott- 
oder Spitzname, eine Schelte, sondern einfach ein Mehr-, ein Zu- 
satzname, ein Bei- oder Zuname, wofür es eine ganze Schar von 
Bezeichnungen gab und gibt. Ich finde z. B. mhd. änamc, bei Grimm 
auch nhd? oname, abemame Tobler 213, anname Kriegk N. Folge 208, 
btname, miltinamo Oraff 2, 1081 cognomcn, mhd. auch Kosename; 
dann mite-, nach-. Ubcmame, s. Fr. Beckers Baseler Progr., Z. f. d. 
M. 4, 15S; endlich un% und(T-, wandet-, zuoname im Mhd. Wtb. Dazu 
(tagt (irimm im Wtbuch I. I. kurz und dunkel *nd. torncitsname* 
so! ein wunderlich Ding, das wie i*in holl. tomeysnaam aussieht, 
sicher aber nicht ei;(entlicli , noch weniger allgemein nd. sein kann, 
wenn Iloffmann es auch in der Z. f. d. INI. T), 299 als *ter- ueitsname 
m. SpitK' oder Scheltnamc' aus seiner Heimat anführt, Schambach aber 
aus der Dransf. Hasenjagd v. .1. lt><)0 torncisnome, daneben ter- 
neizname und das Verbum ternciren beibringt, indem er zugleich 
unser »Spitzname als aus nd. spitsuame hervorgegangen ansieht.'^; 

Indem ich die ganze mnd. Sippschaft des vcrb. oken als be- 
kannter übergehe, erwähne ich hier schlieülich noch 1. aut« Outzen 
friesisch ukennam, 2. aus Boysen van Nienkarkon Ditmarsch«; Lrd<*r 
p. 311 nökelnoam gl. Bi'fl , 3. aus dem Strals. Voc. also als alt das 
Wort nkelse, *dat lo ok«Ue in dfnic dake eddrr in audenrn din^heiu 
adaucta, <>rtim', wozu jetzt hier de uketi )»l. oder de «*>kunf;eii, breuiiscli 
oker, okeni, der scharfe Winkel de» untersten Daches und de« Ho- 
dens, dtT Itaum, der auch wol 'ab^ekleidet* zu sein ptle;;t, hinzu- 
kommen. Iliezu als Beispiel: gladde katten pit nich unner de okern ; 
bei Mi heiÜt es sogar: de okeu an d«*n heven, tief unten am Ilimrat*!. 
— 4. ockeluch ditni. bei Schütze i>l ein zur Verlängerimg an einen 
Unterrock angesetztes Stück Leinen. 



*) Das Berkwllrdiit« Wort kt. «i« ich narhtrJiirlirh |;ew«hr werde . nenlich 
Aoeb in Jalirbocb des Nd V«r«aAft, II. H. 41 t. r. tUeUfretor , SpoUiiAin« der Draiit- 
fdder. (leickfallt ohne tUklSrunf . doch mit Verweuuufr *uf Spao^enberf N Vaterl. 
ArcbiT Aogefuhrt worden. l>AiiAch lautete die Hraun*chweifri«ehe Fi«nn bei HofTmanii 
McaMO Urendioaae. wa» mir unbekannt int: narb S|Minf;<*nber|^ aber «Ire* wieder 
m BrmnaftcbwMficbffn tarntidtname tlbbcb. wtMlurcb. wit* er meint, daa Dran^fel 
4tf torBtitnoB« ▼itUetckt erkllrlirb würde. 



ZUR LAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. H 

XLVIII. Zu Korner, Germ. 9, 257. 

Indem ich über Pfeiffers Abdruck Kornerscher Erzählungen 
Ausführlicheres für eine spätere Zeit aufspare, will ich hier nur ein 
par sprachlich wichtige Wörter herausheben, kurze Auszüge aus einer 
vollständigen Erklärung, die ich gleich nach dem Erscheinen des 
Textes begonnen hatte, ehe ich noch die Hannoversche Handschrift 
kannte. 

1. weteren 262, 13 schweifen, sich umher treiben, steht auch 
Ludolf 31 und in dem Strals. Vocab. als: sweken, vagare, divagare. 
Bei Diefenbach im Suppl. habe ich es nicht gefunden , dagegen steht 
s. V. vagari u. a. wefern. Es entspricht dem schon von Dähnert, 
VViggers, Mi aufgeführten, oft von Fr. Reuter u. A. benutzten dwä- 
tern, das hier noch sehr üblich ist. Vielleicht dazu auch duotern 
sich bewegen (zittern) bei Woeste. Ob zwischen jenen beiden aber 
wirklicher Zusammenhang, ist so unsicher wie ihr Ursprung. 

2. bi hüselanghc 264, 7 Haus bei Haus, an den Häusern ent- 
lang, ebenso in H 154 bi mer langh, bei Ludolf 55 bi wegelank, 
welches letztere sich manchmal auch bei Fr. Reuter findet, doch im 
Sinne von nebenher, beiläufig. 

3. drovich das. Z. 26, tristis, mestus im Strals. Voc, im Daniel 
147 fälschlich dräuend übersetzt, es steht auch Sassenkr. 298 und 
sonst. Dazu drövichcit und drove (mhd. trüebe), verb. droven. Das 
Nd ist reich an solchen Adjectiven, zu denen halvich, endich, auch 
wol düsendich ~ thusundig gehören. 

4. staffele 268, 21, Stiefel, ebenso in H, wieder ein seltenes, 
eigentlich wol unrichtiges, doch mehrfach begegnendes Wort ; im Strals. 
Vocab. stavele ocrea, stavelen ocreare (anders den tt, ede stavelen 
vom bodel, im Berliner Statbuch), bei Diefenbach im Suppl. 392 sta- 
vel ein lederen hose. In der Strals. Chron. 3, 498 schon stevelen, bei 
Chytraeus 243 stevel etc. Doch a. 1378 in Brem. Stavele als npr. 

5. untset — wart he van den reden 269, 21, ob etwa entsetzt, 
wo dann h falsch wäre? In H ebenso untset, sonst auch untsed. 
Außerdem finde ich in H, zum Teil mehrmals, untsettet, aber auch 
untseed^ untseet und auch in demselben Sinne untseen 196*' gleich 
mhd. pass. entsehen. Aus untsette't kann untset, nicht aber unt- 
seet entstanden sein. Es bleibt also wol nur übrig, neben untsen 
ein schwaches pari untset anzunehmen, was Pfeiffer auch wol ver- 
mutet haben wird. Vgl. oben No. 42^ 4. 



12 A. HOEFER 

6. lüder stempne rupen 271 , 14, vgl. lautes Halses schreien 
etc. Qenau derselbe Ausdruck begegnet z. B. Lappenb. Br. Gqu. 1(^ 
und Ludolf 64 ed. Partz, wogegen Kosegarten, vielleicht eigenmächtig, 
sicher ohne Not mit hinzufügt. Und freilich kann ja auch mit stehen, 
wie II in einem Zusätze zu W 275, 22: sprak mit lüder stempne hat, 
was immerhin gewöhnlicher sein mag. 

7. storment unde sttmeut 282,29, etwa Liirmen, Poltern, 
kaum Streiten, Zanken, vgl. Z. 33 desses bulderendes, in H für st im 
fast 8 tun, wie das. 197 nohen spalken vom Feuer stunen wirk- 
lich zu stehen scheint. Nach allem was über das schwierige Wort 
und seine Form und verschiedene Bedeutung schon gesagt ist, bedarf 
es einer eingehenderen Untersuchung aU ich ibni hier widmen kann. 
Ich begnüge mich daher, wieder aus dem vortrefliichen StrU. Vocab. 
zu verzeichnen: stym congressus, stymen congredi (dies bei Diefenb. 
tn stride gan) und außerdem auf eine sehr ähnliche Stelle bei Urau- 
toflr2. 4>^1 hinzuweisen: he horde uppe deme bedde, dar he lach, den 
styni unde dat bulderent der vyendc. Dieses stim neben stuem u. a. 
ist aber noch mannigfach in deutscher Zunge nachzuweisen. 

8. In Betreff des Geschlechts ist Korners Work ganz beson- 
ders lehrnMch, wenngleich die bei ihm sich darbietenden Abweichungen 
fast alle auch sonst im Nd. wie im Ild. nachweislich sind, denn — 
wer da» genus genauer verfolgt hat, weilS welche unglaublicli<* Mannig- 
faltigkeit gerad<* in diesem Kapitel der deutschen (trammatik b4'stciit, 
mag auch (trimmn schöne Arln^it immer bewundernswert bleiben. 

IfitT nur ein Hüehtige* Verzeichni.s, wie eu mir eben zur Hand 
ist: den und dat aekcr, den und dat alUir, dat ambolt, dat anlx^gliin. 
den anxt, den armot, de bfke, de dechtnisM*, den dael, d(*n ende, dat 
enkel (des Fuües), dat vlet FlulS , dat g(»rdel, de grünt, in der und 
den honie Winkel, de und den munt, de plr»ch, den und dat rep, de 
und den n'»ke Acht, dat schichte, de und den s<^, den sede, dat spf^t, 
dat spök und dat spAkniMe, den tal, dat verseh, dat werder. Was 
endlich wölke, wölken angeht, so ist dies im Ahd., Alt^. und Ags. 
bekanntlich neutral, ahd. wolka auch fem. Ein mase. den wölken 
kennt Grimm nicht und doch ist es wie aus Körner so auch sonnt 
sicher zu lielegen, obgleich in manchen Stellen das Uesehleeht neutral, 
in anderen auch weiblich sein könnte. Ms. II schreibt 172* dn swart 
wölke, das. omme den klenen wölken, «»fter iite deme wölken. V^'gl. 
Eikef>37; 4 B. der Kön. lt>4 ik se enen kltoen wölken, de sticht up, 
und so in manchen BibeUtellen , wo die Magdeb. , Kolner und Basler 
Bibel das Femin. zeigen. Merkwürdig ist auch Sassenkr. p. 101: nk 



ZUR LAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. 13 

ener drßven wolkeliD komct dicke en sunnenschin. Im Glossar zu Wei- 
lands Ausgabe: wölken stm. 

9. Und nun zum Schlüsse ein kleines Rätsel. Die Hs. H hat 
statt 275, 14 fl. einen etwas abweichenden Text, unter anderem liest sie 
für Z. 18: unde de ghantse stad beclägheden den sy losen unde 
snellen dot des ridders. Man könnte hier einen Fehler vermuten, da 
H von Versehen und Flüchtigkeiten keineswegs frei ist, allein das 
bisher wol nirgends erwähnte Wort, das ich auch bei Komer nicht 
weiter gefunden habe^ ist glücklicher Weise abermals im Stralsunder 
Vocab. vorhanden, wo es also heißt: Silosen, unvorsichtighen, causa, 
causaliter, ex abrupto, improvise, periculose, casu, casualiter; und: 
Silosen, also: he starf silosen, subitanee. Stünde hier s für z, ts, 
wie man siren, sierat, sege u. dgl. findet, so möchte man, an sich, auf 
hd. zillos raten, allein, wenn dies überhaupt schon nachweislich wäre, 
so würde es so wenig in den Zusammenhang wie zu der lat. Ueber- 
setzung passen. Auch hat der genannte Vocab. eine ganze Reihe mit 
z anlautender Wörter. 



Die Namen , auf die ich es bei den vorstehenden Aufsätzen An- 
fangs hauptsächlich abgesehen, sind doch durch anderweiten, zumal 
niederdeutschen Stofi* bedrängt im Ganzen etwas zu kurz gekommen. 
Ich lasse deshalb hier noch zwei kleine Arbeiten folgen, die ihren 
grösten Wert vielleicht eben als Sammlungen haben , auf die es denn 
doch zunächst ankommt. Vollständigkeit ist freilich nicht erreicht, 
ebenso wird auch die hie und da wol versuchte, doch nur zu oft un- 
sichere oder ganz unmögliche Erklärung vieles vermissen lassen, — 
Mängel, die wie alle Arbeiten dieser Art zeigen, leider noch unver- 
meidlich scheinen. 

XLIX. Familiennamen auf ding, ting. 

Ich sehe in dem folgenden Verzeichnisse gänzlich ab von der 
Unzahl der zweisilbigen Namen wie: Baiding, Harding, Mieding, die 
meist, aber keineswegs ausschließlich auf einfache Koseformen zurück- 
gehen, z. B. Nölting : Nolte, aber schon alt Pröbsting. Ob dem ing, 
ink ein d oder t vorausgeht, Nölding und Nölting, was nicht einmal 
sicher hoch- oder niederdeutschen Ursprung beweist, unterscheide ich 
auch bei den von mir allein verfolgten mehrsilbigen nicht. Das Alter 
dieser Namen, welches zu kennen wichtig wäre, habe ich nur hie und 
da angeben können. Die Mehrzahl scheint mir jedoch alt zu sein 
und für sie wird nicht wie ftlr die jüngeren, als Vornamen sogar noch 



14 A. HOEFER 

heute gebildeten Formen deminutive Bedeutung angenommen werden 
dürfen. Auch Urimm 2, .'»(54 nimmt an, daÜ die ing-form an sich keine 
Verkh'inerun;; ausdrückt . vorwaltend liegt ihm darin der Begriff dvr 
Abstammung oder liebt-r Verwantsehaft, die am 8chl:ig«»nfl8ten im An- 
gelsächsischen zu Tage tritt, wenn der Klius Elisa; nach S. IViO Elising 
heiüt oder im Beowulf Wulf Wonn'ding mit suiiu Wcmredos wechselt. 
Ganz dasselbe beweisen noch späte deutsche Urkunden, ein Ludeke 
Rygherdinght^ heilU a. VM'A auch Lud. Kyeharcles und ähnliches läßt 
sich mehifuch aufweisen. Diearr urs|>rünglich<Mi patronvmischen B^ 
deutung tut es keinen Abbruch, wenn diese Namen 84» überaus häufig, 
zumal in Baiern , als Ortsnamen auf treten , «»ft nur als solche nach- 
weislich sind. Viele derselben habe ich unten mit aufgenommen , da 
sie zugleich den Personennamen so sicher erweisen, wie die daneben 
bestehenden, noch zahlreicheren Ortsnamen auf ingun, in gen. Denn 
es unterlit»gt keinem Zweifrl, daÜ jene On. tbt'n n'ir eine An- oder 
Verwendung der Pn. sind, wiu dies besonders Schmeller B. Wtb. 1, 81 
eingehend erklärt hat. Der Ort ist eben unmittelbar nach der Person 
benannt ohne alle Aendcrung der Form^ ebenso wie umgekehrt die 
aus Ort8> und Stätenamen gebildeten Personennamen gewis nicht alle 
erst ein von, aus verloren haben, z. B. Bamberg neben Baniberger. 
Tnd in gleicher Weise entsteht ja ilaiin aus der ing-form der On. ein 
neuer Pn. auf inger. Auf jeden Fall ist es nicht wahrscheinlich, daÜ 
dies inger abermals patronymisch auf ing als Pn. zurückgehe, ob- 
gleich man den Namen Conräder, (lantzer, Ilertzer, Köuiger. Nitzscher, 
Valentiner u. a. oft betre;:net, über die hin und her gestritten ist. 

Die folgenden Namen unterscheiden sich natürlich in nichts We* 
sentUchem von der ganz«-n Art der Namen auf ing, ingen. inger, nur 
daß ich mir hier die willkürliehe Beschränkung auf den vorhergehen- 
den Laut oder Auslaut auferlegt habe. Viele dcrH^lben sind an sich 
klar und bedurften daher keiner Kriäuterung. Andere freilich, denen 
keine klare Grundform gegentlber steht, bleiben oft nur zu unbestimmt 
und dunkel. Die verglichenen einfachen Namen habe ich zum Teil 
aus Förstemann , einige auch auf^ Pütt oder Andresen altd. Pn. ent- 
nommen. Namentlich den beiden letzten verdanke ich manchen Bei- 
trag, obgleich meine Sammlung sehi»n verjähren begonnen war. Ein 
genauerer Nachweis schien in der Keg<*l nieht erforderlich. 

Alhartinger und Arnoltinger in Mon. Bo. — Allerding, zu Allard, 
Alenl, Adalhard. - Armerding, zu Arn-, Annbt*rt F. 117, odrr t^r 
Arperding? F. 121. Walirtcheinlicher ist aber eine genauer entspre- 
chende mhd. Form vorauszusetzen. 



ZUR LAUT , WORT- UND NAMENFORSCHUNG. 15 

von Beroldin^^en, zu Berold, Beroald F. 227. — Borcherding, bei 
Schmeller On. Burkarding. 

Conredinck, älteres Conrading On. bei Sehmeiler. 

Detharding, jünger Deterding, Dederding. 

Eberding; Everding bei Goethe-Knebel. — Egberding, schon 1361 
Egbertiuge, daneben Egbert, F. 13. — Eggerding. — Ehlerding, Eiler- 
ding (nebst On. Ellerdinck) beide zu Agil-, Eilhard F. 27. — Ecke- 
harting, Ainharting, Emerting (Emhart F. 373), Engelbrechting, Er- 
harting, alle bei Schm. On. — Elperting, zu Alphart F. 58, wogegen 
On. Elfer-, Eiverdingen zu Alfrid F. 144. — Erpelding, zu Erpold A. 26. 

Geberding, zu Gebhard. — Gerbeding, offenbar mit Verlust eines r 
(wie Gerderut u. Gedornt) nebst Gerberding zu Gerbert. — Gamer- 
dinger, so dunkel es bleibt, gehört zu altem Gamard, neu Gammert, 
F. 466. — Gesterding, ein hier bekannter, oft -ling gesprochener, fälsch- 
lich auf gestern und auf ding bezogener Name, ist von A. 43 füglich 
aus Gastart, -rad F. 492 erklärt, anders Pott 174. Doch ist zu be- 
achten, daß noch jetzt z. B. in Braunschweig ein Geisthardt nachweis- 
lich ist. — Gotfriding On. bei Schmeller. 

Haberding, wenn nicht etwa ohne r zu dem folgenden, zu Ha- 
bert, Habbraht F. 572. — Harberding, zu Harbert F. 619, vgl. Hart- 
bert 607. — Heimerdinger und Hemerdinger, zu Heimert, Heimard, 
F. 590. — Heimerding, zu Helmhart F. 656. — Hemmerding, wahr- 
scheinlicher mit dem obigen zu heim, als gleich dem vorigen. — 
Hilferding, mit Helfert zu Helfrid, doch bietet sich auch Hildifrid dar, 
A. 53. Der On. Hilperdingeu zu Hilbert, Hiltepert F. 668. — Hum- 
perdinck, zu Humpert, Hunbraht F. 759. — Hunoldinck. 

Koner-, Kmmerding. 

Lammerding^ wol zu Lambert, Lantbert F. 832. — Landfriding, 
On. bei Schm. — Leiterding, zu Liudhard, Lietard F. 869, Leitert bei 
Andr. — Leoprechting, auch On. bei Schm., zu Liutpreht. 

Maferding, wol mit Andr. zu Maginfrid F. 890. — Meyerding, was 
oft als Name begegnet, könnte allenfalls aus Meinhard entstellt sein, 
wie das n vielleicht in Meyhold geschwunden ist. Anders Pott 59, 
der Zusammensetzung mit subst. ding annimmt, doch sieh unten zu 
Wilkending und S. 17 Peterding. 

Nellhartinger ist dunkel, ohne sicheren Stamm. F. 959 hat zwar 
Nilo, Nihlhart, doch denke ich lieber an Nagalhard 948, was verkürzt 
sein mag, vgl. e. nail, altfr. neil, nil. — Nieberding, nebst Niebert zu 
Nidbert F. 957. 



16 A- IlOFFKR 

Oftcrdingcn , OrUnainc im Schwarzwald , dazu PerHononname 
Orterdinpcr in Ulm und mit ff in Stuttpjart. 

Iloinerdin^C, -dynrk. — RtMnohlinck. — Remperding , nebst Rem- 
mert, Ramport^ Reimport zu Reginpert F. Iül4. - Rygherdinghe a. l.'UVt« 
8. oben S. 14. Richerdink a. li}*Ml 

Souerdinek a. 1449 und IL •dinclius lutin.y zu Sigiwart, Siwart, 
mit Sieverding und -dingen On. — »Schwerlich gehr»rt zum vorigen, mit 
unorganiHchem m für v, Siemerding, eher vielleicht, wenn man nicht ao 
Sirmer, Sigimar d(*nki*n darf, zu Simp«Tt, Sindpcrht, F. 1105. also ftlr 
Simmerding, so in Wioh. Zweifelhaft scheint auch Simendinger, wenn 
es nicht auf Simund. »Sigimund zurück geht. — Schwieriger noch ist 
Singolding On. mit Singoldinger hei Schmeller a. a. O. und 3. 27.*S, 
um-rklärt und hei F. fehlend, ilas vielleicht nt'ben Singevert, Singulph 
F. 1107 «in altes Singwald erwarten laut. — Nicht minder unsicher ist 
Sitterding, obwol mir nicht alt, S(»nden) nur in Zürich nachweislich, 
doch finde ich den < hi. Sittard schon hei Houterweck Wiedertiiufer 
S. r» erwähnt und noch heute im Limburgischen und < leveschcn. Der 
NauK* dUrAc also wol schon alt sein, aber soll man nun an Sindard, 
fem. Sintiardis, Sinlwart bt»i F. 11(H> denken, oder darf man nach Si- 
tipi»to, Situwit etwa ein Siti-, Situhard als verhireii voraussetzen? 

Tangerding, vgl. Tanchard, I >ankert. — Tebeding, das wie entstellt 
aussieht, ist mir völlig dunkel, wenn nicht mit ausgestoürnem r zu 
Tcopcrt, Theobert, TietlnTt gehörig; anders, aber unsicher Pott 250. 

Vollbeding, gleich diinkfd, k('»nnte danach zu Volbert gehören, 
wir .Andr. auch annimmt. Abi-r INitt S. 50 sieht darin das juridische 
Subst. ding. - V«i*geding, wol jung, mag Deminutiv zu dem Namen 
Vogt sein, oder es steht für Vo^^ft ding, s. i»ben Meyerding, nach I\»tt, 

Wenneldinck, zu \V;»rmbold. W«'rembo|d? ander» Stark 17H. Wib- 
boldinck. wahrscheinlich zu Wigibald. Wibold F. \2*Xy Daneben zu 
demselben Namen mit wald On. Wicaldinghus. — Wilberding, zu 
Willibert und dgl. F. V^^iK -- Willerding, wenn nicht Assimilation des 
vorigen, zu Willihard, Willert A. l»**. — Wilkending, nfb«-n Wilk«-hing 
in Hannover, ebens*» Wilmerdini^er in Nürnberg, seheinen mir beide 
mundartliches d zu haben, d. h. si«» setzen vermutlich Wilken-d und 
Wilm«T-d Voraus, wie d. t noch heutt» nehr gewt"»hnlich au^laut<*ndem n. 
r der Nam<-n hinzutritt. Diec^i* Krkhirung durfte auch bei einigen obigen 
anzuwenden sein. - Wulfi-nling, mit Wolfert zu Wulflianl, oder Woll- 
frid F. l.'W*»? Dan«'b4n <>n. Wulfi-rdin^', aiieh Wilfrrdingen mit i für ü? 
— Wolperding. mit Wolp^-rt /n W aldobert F. 124<». ih\. Woltcnlingen 
scheint mit WnUert auf Waldhard F. 1214 zu weinen. 



ZUR LAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. 17 

Hiebei habe ich manche nicht unwichtige Namen einstweilen ab- 
sichtlich ganz übergangen, wie Allmendinger neben Subst. allmend-, 
-de, Geistinger, Handkretinger, Peter-d-ing in Bonn, On. wie Toraer- 
dingen u. a. Aber schon die hier gebotene beschränkte Auswahl weist, 
wie ich annehme, mit Wahrscheinlichkeit auf einzelne; sonst nicht nach- 
gewiesene alte Namen ; deren Zahl sich gewis erheblich vergrößern 
würde, wenn man die Sammlung fortsetzte und auf die ganze Art der 
zahlreichen Ableitungen mit ing, ung, ling und die ihnen entsprechenden 
Ortsnamen ausdehnen wollte. Ebenso würde sich auch die vollstän- 
digere Untersuchung der gesammten Deminutivbildung der Namen ver- 
mutlich sehr lehrreich erweisen. 

L. Vornamen in Zusammensetzung. 

Auch diese oft mehr interessante als grade lehrreiche ^ immer 
aber beachtenswerte Namenclasse erfreut sich eines so gewaltigen 
UmfangeS; daß wiederum manche Beschränkung geboten war. So sind 
denn innerhalb der vier wichtigsten Abteilungen in die ich die ganze 
Schar zerlege, nicht bloß sehr viele zweifelhafte übergangen, sondern 
ich habe ftir diesmal die zu No. 2 oder 3 und 4 gehörige Unmenge 
der allbekannten, in Wahrheit unerschöpflichen^ selbst heute teilweise 
noch fortgesetzten Zusammensetzungen mit jan, Jahn, ian, mit -mann, 
-manns, mit söhn, son^ sen absichtlich fast ganz ausgelaßen. Gleichwol 
schien es geraten, manches Unsichere einstweilen noch beizubehalten, 
wie z. B. Volpenhenn oder Hannwacker mehrfach zweifelhaft sind. 
^Und wie in diesen Beispielen Manche Hann (daneben auch Hanna, 
Haue) und henn gar nicht als Name gelten laßen, so ist es anderer- 
seits nur zu oft fraglich, was überhaupt als Vorname anzusehen sei. 

Diese ganze Art von Namen ist mehr oder minder ausführlich 
manchmal besprochen, aber meines Wißens kaum schon im Zusammen- 
hange erörtert ; ich habe auch sie seit Jahren aufmerksam in Urkunden, 
Chroniken, Wohnungsanzeigem und sonst verfolgt, bekenne indef^sen 
gern, außer Pott und Vilmar namentlich dem Mülheimer Programm 
von Andresen, dem Basler von Fr. Becker, dem Marburger von R. 
Reichet, dem Jeverscheu von Strackerjan, dem D. Bürgertum von 
Eriegk, den Germ. Kleinigkeiten von Ad. Bacmeister manchen wert- 
vollen Beitrag zu verdanken. 

1. Zwei Vornamen in Verbindung. 

Namen dieser Art sind natürlich sehr selten und außerdem ist 
das Verhältnis der beiden Glieder zu einander in der Regel nicht mehr 

GERMANIA. Nene B«ihe XI. (XXIII.) Jahrg. 2 



18 A. HOEFER 

ZU bestimmen. An sich ist es wol als ein zwiefaches, entweder copu- 
latives oder Abhängigkeitsverhältnis anzusehen, so daß einer nochheute 
hie und da, besonders auf dem Lande Qblichen Sitte gemäß zwei Vor- 
namen zu einem verbunden waren, oder daß eins der beiden Glieder, 
sei es das erste oder zweite, den Vater, das andere den Sohn be- 
zeichnete. Weil viele Leute z. B. Marieck (Mariechen) oder Johann 
heißen, so unterscheidet mau Mariekdürtich und Annmariek, oder 
Johannjochen und etwa Johannkrischan. So mag, wo mehrere Hans 
hießen, der eine nach dem Vater Fritzhans, der andere vielleicht Hans* 
adam genannt sein. Daß letzteres nach Vilmar S. 7 A. Sohn des H. 
sein mQße, scheint nicht erweislich. 

Ein sicheres Beispiel der ersten Art bietet gleich der erste aus 
Grimms Weisttlmem entnommene Name meines Verzeichnisses: An- 
thengfaans, denn hinzufügt ist: Volzmartins son. Weiter halte ich fUr 
sicher, gleichviel welcher Art : Dietzhein. Fritzhans, Fritsch- und Frisch- 
bans. Qiljohann, vgl, Gille, unter no. 2 Schöngilig, nebst anderen zu 
Aegidius. Hannickel und umgekehrt Nickelhans. Hansadam, bei Bacm. 
Hannsadam Rodder 16. Jh., nach Kchrein in NaÜau auch Doppelvor- 
name , daneben ebenda die Abkürzung Hansam. Hansgirg , -girgl, 
•jQrgen (vgl. Hansgörgenstadt). Hansjakob, auch noch Vom., abgekOrzt 
Hansjof K. Heypeter, vgl Heyluth bei Str., zu Heine, anders P. 57. 
Hingenitz, -nietz, auch umgekehrt Nitheinz. Uinzpeter. Hupeter, erklärt 
sich durch Pierhugues. Loderkort und Lutterkorth, Luttercord. Tile- 
wile? alt Utzwil a. 1366. — Daran schließen sich nach der Mutter 
benannt Elsenhans und Elspeter, nach Vilmar Ilkenhans und Josen- 
hans, eher vielleicht Gundelkarl und Volpenhenn. — Obglech miinder 
sicher, sind doch noch zu nennen Berclaa und Bemeklaa. Hansjaasel. 
Harmjanz, cf Harms, Str. Henkensiefken. Volzmartin. — Merkwtlrdig 
und schwierig bleibt noch Adamsam, auch Adamsaam, allein da an 
im oben für Adam, auch an im ftlr Ohm (Hansohm s. no. 2) nicht 
zu denken, wie in Meyersahm vielmehr vor sam zu trennen ist, ao 
bin ich geneigt, Sam, das auch allein vorkommt und Saam, gleich 
engl. Sam, Sammy auf Samuel zurückzußihren. Ein sehr altes Lange- 
rame gibt keinen Aufschluß, ebenso wenig neueres Lieberam, Libcrara. 

2. Der Vorname steht voran, ein Substantiv oder Familienname folgt 

Auch bei dieser Classe ist die Ikdeutung des zweiten Gliedes 
nicht mehr zu entscheiden, denn dieses enthält in der Regel Wörter, 
die den Stand oder das Gewerbe, auch wol Oertlichketten beseiclmen, 
zugleich al>er als Familiennamen allgebrftuchlich sind. Natttriieh bildet 



ZUR LAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. 19 

es immer eine Ausnahme, daß eins oder das ändere, mit Vornamen 
verbunden, zu einem neuen Namen verschmolzen wird und so darf 
man auch bei dieser im Ganzen deutlichen Art nur spärliche Beispiele 
erwarten. Dennoch finde ich die folgenden. 

Bartelfuss. Hannekomes a. 1506, Johann Oraf? Hannotel, 
dunkel; doch ist Nötel Pn. bei Steub; ebenso dunkel Hanshud. Hans- 
ohni. Hannwacker, bei Vilmar S. 40 auch Hanewacker, auf 
den Hahn bezogen, sonst Joh. Wacker? Bannwald. Heinekamp. Heine-, 
Hennemeyer, s. no. 4. Heinekind, wie Dedekind, Wöbbekind. Hein- 
richmeyer. Jacobskötter. Johannknecht, vgl. unter no. 4 die Zu- 
sammensetzungen mit Knaben, Knape. Carlhoff. Carlschulz. Carls- 
jude. Karlbauer. Karlbaum. Karlskind. Kunze müller. Lotz- und 
Lutzbaier. Lotzbeck. Lotzgesell. Lutikebeker^ doch vgl. ähn- 
liche 8. no. 3 unter Eiein. Michel trawt, ein Jude, das zweite Glied 
kann lieb oder Liebling meinen. Ottomeier, vgl. no. 4 Meierotto. Paul- 
auke? Pauldrach. Paulmann. Paul- und Paulsmeyer. Paulsieck, zu jener 
zahlreichen Klasse von Namen gehörig, die meist und wie es scheint 
zuerst Oertlichkeiten , dann aber häufig genug Personen bezeichnen, 
wie Boden-, Erd-, Ger-, Heid-, Klinck-, Krum-, Laden-, Meyer-, Nord-, 
Wiebe-siek, denn siek, sieck soll bekanntlich Sumpf, Morast, sumpfiger 
Boden ausdrücken, s. Pott S. 171 Anm. — Paulweber. — Seiferheld 
1793 in Nrnbg. , jetzt Seufferheld in Regensb. u. Frankfurt nach Pott 
S. 210 Erinnerung an Held Siegfried. — Thiel epape, Thiele wahr- 
scheinlich zu Dietrich, vgl. Tiede oder Thietle udgl. s. oben Tilewile. 
Utzschneider, vgl. 5, 4. Ludelvinch a. 1372 für Ludolfing? anders 
freilich V. Leublfing in Augsburg, vgl. Leubolf F. 856. 

3. Dem Vornamen geht ein Adjecüv voraus. 

Die Beispiele dieser meist durchsichtigen Art die sich noch jetzt 
im Volke fortgesetzt, fließen viel reichlicher und viele derselben sind 
unmittelbar oder in ähnlicher Form, oft so^ daß das hier voranstehende 
Adjectiv hinten als Beiname hinzutritt, zuweilen auch lateinisch in der 
mittleren Zeit nachweisbar. Ich laße den hochdeutschen gleich die 
hier bestimmter gesonderten niederdeutschen folgen und spare so viel 
als möglich alle weitere meist überflüssige Erklärung. 

Altenbern dt. Althainz, -heinz. Althans, -el. Althenn, -n. 
Altpeter. Oldehans. Oldejans. Vgl. Bmsw. Chr. a. 1384 Oldo 
Razehorn, junge R. und Jan de middel R. 

Böswillibald in Ntlmberg, ganz vereinzelt, denn Boisrobert ist 
französisch, mithin zu trennen. Aehnlich hieß hier ein Mann scherz- 

2* 



20 A. HOEFER 

haft ganz frewöhnlich Korliwrich. Braunbehrens, -berns. Braunegger? 
Braunhahu? Brünhuber? Brunotte; Brunotto, und schon 1448 in 
Hoyer Urk. Gerhard Bründidcrkes. Brüngerdes, doch nach Strac- 
kerjan 15. 27 zu Bruno, brUnne? 

Dicke bereut und Berendt Dickeborendes, in den Mfinster. 
Cbron. 3, 229. Doch begegnet das. S. 78 a 1581 auch ein Berendt 
zum Dikc. Domgörgen? Dümmatzen. Dttrrhansli. 

Fettenhennen? S. oben no. 1 Frischhans. Vüle Vricko, 
a. im) Br. Chr. — Veillodter? 

Gramhans V Guldenhans? Groblehner, cf. unten Hoch, Zach, 
doch gehört lehner in vielen anderen wie Kirch-, Kohlmannslehnor udgl. 
sicher zu lehn, Pott i)G, Gross- oder Gros-, Groos- bemd, dt, -hans, 
-hai, -heinrich, -hennig, -herrig, -klaus, -kurth, -curt, -cors, -pcter, -pietsch. 
— Grot- Johann, -Jahn, Grotejan, Grotrian. Grote- hen, -henne, 
-henke, -jan, -loschen? in Oldenburg, vgl. Storjohann. Sturhahn? Gut- 
heizo a. 1207. Gutberiet Guthans. Godejohann. 

Cort de harde 1380 Brsw. Chron. 

Hochclasen, -ssen. Hochdanz? Hodann? Hochlchnert. Hochuli. 
Hohenner? Dazu vielleicht das vieldeutige Horadam in Karlsruhe, 
Hoher Adam, da die Adjective in dieser Composition ja mitunter flectirt 
auftreten. Sonst könnte man etwa an horo, nd. hör, har Kot, Unrat 
denken und zB. unter 4 Kothenke vergleichen. Sicherlich wird aber 
Niemand geneigt sein, mit Frühner S. 23 in hör oder gar in Langer udgl. 
Imperativ und V'ocativ zu suchen. 

yserne clawsse, 1*^9 in hies. Urkunden. Aehnlich hier als Bei- 
name Isemhinrich. Itelfricz a. 1419. 

Jungandres, -endres und Jungeandres. Junghändel, -bann, 
•hans, -hahn, -henn, Johann, -das, daneben sogar JunggUs, -klaass, 
•klaus, kuna, -kurt, -michel. (Jungminkel). Jungnickel. 

Kleinfritz, -gilnther, -bans, -henn, -heinz (ai), -michel, -paul, 
-ulrieh 1413. — Lattjohann, lutteke Diderio 1345, Ltittekehenke. 
Vgl. Schmajohann. Klugkist? — Crummegerart. Hennen Krumme 
13^. Vgl. Kromscfaröder. Crusehemke (hein?) Krusemark, vgl. 
SchönermarkV Kurzkurt. Kurz nicke 1. Kurten Wemere als Dativ 
1351 in LOneb. Urk. 

Langfrits. Langbans, -heinrich, -heinz , Lanckhenke 1530, 

•kunts, -lotz, >clotb? nickel. -peter, -thiro. Lange-bartels, -hanck^ -heine, 

•loth, -lotje? -lüddeke. -luder. -matthiea, -matz, -nickel. Langenapel, 

baitela, -han, «heinz, -bennig, -hennigs. alt langen Aleken sone. 



ZUR LAUT-, WORT- UND NABfENFORSCHüNG. 21 

Langerhans. Leckerhennslin 1446 Bacmeister; das. ist auch ein 
Jos. Lecker v. J. 1363 verzeichnet 

Minderjahn. — Nahlentz , vgl. unten Schelenz, beide sehr 
zweifelhaft. Doch Muelenz u. Mülhens in Bonn. — Oberconz. 

Rodeberndes 1371. — Ropeter. Reinheinz^ -henz, nach Steub 
gleich H. Sohn des Reino! 

Scholo Hans 1386. Vgl. Schelenz? Schylhans. Schyregerwen 
a. 1408. Schyreniarckward a. 1462. — Schöngilig. (Schönhans ein Teu- 
felsname). Smale Jan 1368 (Sraaljan). Snode Heyne 1380. — Starck- 
johann (Strackeijan). Stoltereimarus, -rutgher, -tymmo um 1300 im 
Strals. Statbuch. Bei Bacm. F. cogn. Stolz und Stolze schon 1160. 1225. 

— Suberhans 1504. — Swarzfricz 15. Jahrh. Schwarzhans 
schon 1380. Schwarz Reinhard 1400. Burchard der swarze 12. Jahrh. 
B. swartehenneke 15. Jahrh. bei Niesert. 

Wildhans. Withans. olt witte Qhevert in Br. Chr. Dazu merk- 
würdig in Erfurt Wittnebert^ dessen n nicht bedenklich ist; aber in 
Kiel Wittneben: in der Hamb. Chronik auch ein Witteneve, so daß 
vielleicht das zweite entstellt ist, vgl. md. nebe. Endlich Wysspeter. 

— Zachlchner? 

4. Vornamen mit vorausgehendem Substantiv, selten Namen. 

Die Beispiele dieser Klasse sind so zahlreich, daß man sich nicht 
wundem wird, unter ihnen viele ganz unverständliche und manche 
offenbar verderbte anzutreffen. Ich habe dergleichen indessen nicht 
übergehen wollen, da was jetzt noch dunkel ist sich doch wol durch 
Vergleichung anderer, leicht aufzufindender Namen, besonders aber 
durch tieferes Eindringen in die Dialecte noch erhellen laßen wird' 
Mein Ziel war, wie schon bemerkt, für diesmal mehr die Sammlung 
als die Erklärung, die zum Teil auf bloße Vermutungen hinauslaufen, 
überdies einen viel zu großen Raum beanspruchen würde. Aus dem- 
selben Grunde habe ich meist auch nicht einmal versuchen können, 
die ursprüngliche Bedeutung, d. h. die Beziehung des Namens zu dem 
ersten, wennschon an sich völlig klaren Worte oder Qliede aufzudecken, 
denn hier läßt sieh eben nur raten, oder wer will den Sinn von Sam- 
stagspeter udgl. noch bestimmen? Man sieht nur im Allgemeinen, wie 
bei no. 2, daß ein Mann nach Beschäftigung, Stand und Gewerbe, 
nach Laune, Neigung und Eigentümlichkeit, nach Abstammung und 
Herkommen usw. bezeichnet und unterschieden werden sollte. Meine, 
leicht noch zu ergänzende Sammlung umfaßt folgende. 



22 A. HOEFER 

Ackerkurt. AneshänseL — Bartheinz, -hencke. Barheine. Bor-, Bür-, 
Bauer-henne. Bauemheinz. Beekerhans. Beinhans. Binheinz, binnen opp. 
hüten? Brackhann. Brinkfranz. Brücken thomas. Buobhans. Burzhan 
a. 1680. — Cioserhans. Unsicher Cresehenne , Crockelhenne. — Damm- 
henn. Domgörgen s. ob. 3. Dopjans. Drabhans. Drenckhan? — Eiten-, 
Eide-, Entenbenz. Emmelheintz. Engeljohann. — Feldotto. Fergenhans. 
Fidelanz? Frowenhans. Fuhrhans. Funkelhans. Funkhänel-, anders Vil- 
mar 40. — Gaissheintz. Garnjobst. Gevatterhans a. 1450. Gram-, Gul- 
denhans s. 8. 3. — Habernick und Habernickel, doch ist jenes unsicher 
wie alle auf nick. Harnickel. Haushans. Hetzehenn. Hoflfritz, -henner- 
-kunz. Hofeditz und Hafkurd. Dazu nach Vilmar Höbelheinrich, doch 
beßer zu Hobel, sonst HQbel. Hobbiejanssen und Holjesiefken bei Str. 
Hülzenhenn. Hummerjohann. — Iferheinz, nach einem Orte? Ilgenfritz 
und Ilkenhans s. s. no. 1. Jungfrawenhenne a. 1454 bei Kricgk (vgl. 
oben Frowenhans und noch heute Jul. Frauenzimmer). Judenheinz 
a. 1388. 

A. Eackhenke und Henncko Kothcncke, beide um 1530 in 
Hoy er Urkunden. Man möchte bei jenem an käk, Kochhann, Kokemüller 
in no. 5 denken, bei diesem an das Koth, der Kote, Katen, allein wie 
ist in denselben Urkunden zu gleicher Zeit, von anderem hier abzu- 
sehen, z. B. Cord Dunnekacke zu erklären? — Kalbhenn. Kalbhein tz. 
Kampfhenkel. Kaspaul. Kellenbeuz in Ulm. Kindhans. Knabenhans in 
Zürich^ dazu hier schon 1389 Knapejohann. Kompcnhans, nach Vilmar 
zu Kom-, Kumpan. Konyngpeter a. 1347 in Lüb. Urk. (a. 1374 O. Ma- 
kckonig magister, Hoya). Kuehans 1450 Straßburg. 

Laethink zu no. 3? Landerkasper in Bremen. Lübbersjohanns 
bei Strackerjan. 

Machhans in Kiel oder zu 3? Mancordes, Mandavid Marahrens. 
Marcurth, und kurth. Marcordes (also Mancordes falsch?), Marhenkc. 
Marheineke, alle zu mar, Mähre, vgl. Marzagel Pferdeschwanz und 
besonders Bartolt Rfikepcrdt a. 1530 in Hoy er Urk., einer der die 
Pferde *roekt\ fllr sie sorgt. — Mattelhans, vielleicht nur Wort. — Maul- 
betsch? Mehlgott. Möhlheinrich. Mühlfränzel und -nickel. — Meierdirks, 
-dierks, Meyerhain, -heine, -hein, Meyerkort, -kord. Meierotto (s. ob. 
Ottomeier, Heinemeyer, Paulmeier und Meiersahm). — Meisterberndt. 
Meisterhans. Mesterhermens a. 1405. — Mischpeter. Mohrlüder? Mund- 
henk, -ke. Morian und Murjahn. 

Statt Napfhans 1375 Hans der Napf Bacm. (Näpflein in Nrbg.) 

Ocbsenkun und -kunz. — Oehlclaus. Oelenheinz. Opperhenne. — 
Papotte Br. Chr. Pfaffenhenel a. 1360. Priesterjahn. — Piepjohn. Pinkerr 



ZUR LAUT-, WORl'- UND NAMENFORSCHUNO. 23 

nelle, vgl Pinkerpank der Schmied, was ohne r noch Name in Brschw. 
Pophanken (vgl. Marz-^ Zig-, Zir-anke). Portheine. 

Reienheinz? Rönnpagel (Paul). Rörenheintz. Rosenmerkel^ Rosen- 
egger? 

Salbeulrich a. 1447. Samstags Peter 15. Jahrh. Bacm. Scharrhans, 
vielleicht nur Wort Sibenhanz 1451 Bacm. das. Sibenchint 1294^ vgl. 
V. Sovenbroderen in Lüb. Urk. — Schmitthenne, -er. Schmithermen^ in 
Müüst. Chron. Schmidtkonz. Schmidtpeter, Schmidtill. Schmiduz^ vgl 
Schmidschneider; Nrnbg. — Schneiderhans, vgl. Schneiderhahn s. n. 5. 
Schrammhans. Dazu 1381 einMid der scrammen. — Schwabenhans. Speck-, 
Speerhans. Stallhans, anders Stahlhantsch 1632. Stammerjohann. Stoch- 
han? Steinmatz. Strothank. Stuhrhahn? Stutenbemt, ein Mttnsterscher 
Pfaffe im 15. Jahrh. 

Tebbenjohanns, noch gebräuchlich, auch bei Strackerj. 27, der 
Vor- und Familienn. Tebben hat. Trompaul. Tumelheintz. — Usenbenz. 
— Veitshans. Viperkunz, dazu H. der nater 1297 u. a. dict Nater, 
Seidnatter 1468 Mrbg. ib. H. der Otter. Verhein, Vorstoffcl. Volpen- 
henu; s. no. 1. Wagenhans. Wallheineke. Wapen- und Wappenhensch? 
Weborhenne. Wehefritz in Nürnberg, nach Andr. zu Wigfrid, doch 
auch Wehrfritz. Weicrhensel. Wiesenhenne. Wordehenke. 

Ziesenhenne. Zimmerheckel? in Nürnberg, doch scheint dies so 
wenig wie Wolfshäkcl hieher zu gehören. 



5. Anhang. Verwantes. 

An das bisher Abgehandelte schließt sich eine Reihe ähnlicher, 
aber wieder verschiedener Zusammensetzungen, in denen es sich nicht 
um Vornamen, sondern um Wörter handelt, die jedoch einesteils 
wahrscheinlich schon als Personennamen gelten. Auch diese Arten 
bieten manches Lehrreiche dar, doch will ich sie hier nicht weitläufig 
verfolgen^ sondern begnüge mich zur Erläuterung einige Beispiele mit- 
zuteilen. 

1. Zwei Adjective sind mit einander verbunden, von denen das 
erste dem zweiten schon zu einem Namen gewordenen zu näherer Be- 
stimmung vorgesetzt ist. Man vergleiche Altjung. Eieinjung. Cortelange 
im 13. Jahrh. und Kortelang a. 1327. So ward unlängst von zwei 
Leuten Namens Witte der eine stehend der Schwarze oder Swartwitt 
genannt 

2. Somit stünden jenen ganz gleich: Grotemeier. Hochgräff. Jung- 
becker. Jungschulz. Clenkoke. Langhocoo, s. no. 3. Langsohwager. 
Korteswagher. Lüttebrand. Lüttekefent. Grotefend , -wend. Schone 



34 R- KÖHLER 

■ehaUe. Schon um 1300 im StraU. Sutbuch Heidenricos and Hey- 
deko Sconeioncherre. Nach Steub wQrde freilich s. B. Dürrachmidt 
nebst Thorecbmidt zu uraltem Thorismut gehören und allerdings läßt 
sich DUrr als Adj. nicht erweisen. 

3. Das erste Wort bezeichnet Stand und Beschäftigung , das 
zweite enthält den Namen: Arztmttller. Bauerschubert Kokemüller. 
Papemeyer. Schmidbom. Schneiderhahn, wie oben -hans. Schneider* 
höhn*). Weberbauer. Weberruss, 

4. Uroeekehrt, der Name steht voran: Bachschuster. Schach- 
schneider. Vossschulte. Winterschmidt. 

GREIF8WALD. September 1877. 



ZU EINER STELLE IN ULRICHS VON ESCHEN- 
BACH WILHELM VON WENDEN. 



Die Verse 279Ö-2825 und 2911—2973 in Ulrichs Ton Rschen- 
bach Wilhelm von Wenden sind, wie jeder Leser bemerkt haben wird, 
eine Umschreibung des Evangelium Lucae 1, 26 — 29 und 3<J — «)8. Da- 
zwischen sind eingeschaltet: 1) eine kurze ErklArung der Bcd(*utQng 
von Nazareth (V. 2826—2835), 2) eine ausführliche Erörtening, warum 
Maria vom Engel Gabriel gnadenvoll (gratia plena) genannt wird 
(V. 2836 — 2910). Die ersteren Verse sind die Wiedergabe folgender 
Worte aus dem 51. Capitel (de annuntiatione dominies) der I^gcnda 
aurea des Jacobus a Vnragine : 

Nasaretb interprctatur Aus. Undc dicit Bernardus. quod flos nasci 
volttit de flore, in flore et floris tempore. 

Die Verse 2836—2910 aber sind eine zum Theil sehr erweiterte 
Paraphrase der in demselben Capitel der Legenda aurea einige Zeilen 
apitar stehenden Worte: 

Dixit ergo angelus: ave gratia plena. Bernardus: in ventre gratia 
deitatii, in corde gratia earitatis, in ore gratia affabilitatis, in manibus 
graüa miaericordiae et largitatis. Idem : verc plena, quia de plenitu- 

^ leli bsb« aacli d«i Ksai«a 8chD«iderreit TWMtrluiM, Ti«U«iclil b«nilU 
Jtdoc fc aar auf ▼•rw^ebahmf nit d«« Etfnrim Selmaidafiil, -tli, der fsas 



zu EINER STELLE IN ULRICHS V. ESCHENBACH WILHELM V. WENDEN. 25 

dine ejus capiunt universi captivi redemptionero , aegri curationem, 
tristes consolationem, peccatores veniamy justi gratiam, angeli laetitiam, 
denique tota trinitas gloriam , filius hominis humanae carnis sub- 
stantiam. 

Es wird nicht überflüssig sein^ die Verse des deutsehen Gedichts 
mit Gegenüberstellung der entsprechenden lateinischen Worte hier folgen 
zu lassen. 



6 wol dir, werdiu Nazardt! 2826 

din name ze diute ein blaoroe 8t§t. Nasareth interpretartur flos. 

d& von sprichet sant Bernhart, Unde dicit Bernardus, 

daz von BÜezer höher art 

an rehter clftrheit ruome 2830 

in der bluomen wolt ein bluome quod flos na^ci voluit de flore, in flore 

uns ze heil werden geborn, 

und von einer rdse äne dorn, 

und in der bluomelichen zit, et floris tempore. 

so der bluomen glänz vil wünnen git. 

2835 
als6 der engel ir seitc die msre, Dixit ergo angelus: 

daz sie vol genäden wsere. ave gratia plena. 

sant Bernhart der cl&ren capelftn ' Bernardus: 

daz aber s6 bewseren kan: 
durch unser saelden lust 2840 

nihen in ir brüst, 

in ir lip het sich geleit in ventre 

volliu gn&de der wären gotheit. gratia deitatis, 

er bare sich d& an enger stat 
der himel and erde ze gewait hftt, 2845 
der kristen Juden beiden hftt gegeben, 
daz sie von stnen genäden leben, 
über grdz siner genftden mäht 
ist allem sinne nnvolaht. 
swaz der bimel bev&t, 2850 

und allez daz diu erde hat, 
und die bdwen daz abgründe, 
ob ein ieglich sterne künde 
im sprechen lobelichiu wort: 
sin genäde doch niemer würd volhdrt. 

2855 
Seht, die gen&dfe besloz ein maget. 
von diu nieman des verzaget, 
sie si gen&den noch d& wer 
den der genftde von ir ger, 
die sie noch überflüzzic treit 2860 
genftden ist sie^Vbt bereit, 



26 



R KÖHLER 



•tio wir an ir trdtte viist. 

ir hene trooe den süesen Uit 

und noch, diu keiterinne^ 

das Ut die genAde wArer minne, 

diu uns ie tfienen künde. 

rie iruoe ouch in ir munde 

der genAdeo Tolle kraft, 

daz sie stete redebaft 

wil ttn mit Tl^helicher gcdult 2870 

umb alle stintUche tcbult, 

das ein ieglicb tunder rinde 

genAde an ir kinde. 

in ir banden sie ouch tnioc, 

und noch der m^rc iBt dennc genuoc, 

2875 
dee die hoben nie beTilte, 
die genAde der wAren milte 
und die tiiezen barmekeit, 
die sie noch Qbenrlttazie treit. 
der itt sie mnoter gar genant, 2880 
die giuzet sie üz milter haut, 
der rede mögen wir uns fron wen wol. 
a]«d iit sie genAden toI, 
▼on der genAden ubcrYluctc 
und der Tolkomener gücte 2885 

(wen wil der rede belangen?) 
nement frihcit die gegangen * 
in swelcben banden tio »in, 
in bilfet diu herv köncgin, 
dai sie werdent erloiit. 289(» 

ftie git ouch fröudc undc trott 
trürigen herzen, 

die Ten^rent der leide tmerzcn. 
De« himeb getellescbaft, 
allen engein hoher fruudcn kraft 

2895 
git ein werdez antchouwcu 
der mcit und ouch der frouwcn. 
diu trinität geboret 
itt gelobet und ge^ret. 
der tunden fürt getibtrt 2900 

äu underlAz gelibtet 
Wirt Ton ir gnAden vollrn 
den die mit «Süden tint bewollen 
von der maget wol getAu. 
die gerebtea von ir gnAden hAn 2905 
genAden volkomenbeit. 
Got nam von ir die men«cheit 



in corde 

2865 gratia cariUti«, 

in ore 
gratia 
afTabilitatis, 



in mauibu« 



gratia misericordiao et largitati«. 



Idrm: vere plena^ 
quia de plenitudine ejn« 



rapiunt univer«i captivi rcdemptionoBt 



[aegrt curationem,) tristes consolatioBOM, 



angeli lactitiam, 



tota trinitas 
gloriam, 

pcccatore« veniam, 



juftti 

gratiam, 

filios hominis eamis 



zu EINER STELLE IN ULRICHS V. ESCHENBACH WILHELM V.WENDEN. 27 

Nur von einer der drei von Jacobus aus S. Bernhard angeführten 
Stellen kann ich nachweisen, wo sie sich in S. Bernhards Werken 
findet, nämlich von der dritten *Vere plena, quia de plenitudine ejus 
etc.', welche in dem Scrmo in dominica infra octavam assumtionis B. 
V. Mariae, § 2 (S. Bernardi Opera, cd J. Mabillon, Paris 1719, T. I, 
pg. 1013) steht*), dort aber so lautet: 

Omnibus (Maria) misericordiae sinum aperit, ut de plenitudine 
ejus accipiant universi, captivus redemtioncm, aeger curationem, tristis 
consolatiouem, peccator veniam, justus gratiam, angelus laetitiam, deni- 
que tota Trinitas gloriam, Filii persona carnis humanac substantiam, ut 
non sit qui se abscondat a calore ejus. 

Man sieht, der Wortlaut bei S. Bernhard selbst und bei Jacobus 
ist nicht durchaus derselbe.**) Dieser Umstand und die Wiedergabe 
der den beiden andern Citaten aus S. Bernhard in der Legenda aurea 
unmittelbar vorausgehenden Worte im Wilhelm von Wenden zeigen, 
daß Ulrich von Eschenbach nicht unmittelbar aus S. Bernhard ge- 
schöpft hat, sondern aus der Legenda aurea oder — was bei deren 
compilatorischem Charakter freilich auch sein könnte — aus einem 
älteren von Jacobus im 51. Cap. ausgeschriebenen Werke. Wir wissen 
leider über die Abfassungszeit der Legenda aurea nur, daß Jacobus 
sie in seiner 1293 verfassten Chronik von Genua unter den von ihm 
bis dahin geschriebencnWcrken mit aufzählt. Jacobus ist bekanntlich 
um 1230 geboren, trat 1244 in den Predigerorden und wurde 1292 
Erzbischof von Genua. Es ist hiemach sehr wohl möglich, daß die 
Legende früh genug von ihm vcrfasst worden ist, um, als Ulrich den 
Wilhelm von Wenden dichtete, bereits in Böhmen bekannt gewesen 
zu sein. 

Nach vorstehender Mittheilung ist das, was der Herausgeber des 
Wilhelm von Wenden S. XXX flF. sagt theilweise zu berichtigen. 

WEIMAR, December 1877. REINHOLD KÖHLER. 



*) In dem 51. Capitel der Legenda aurea begegnen uns noch viele Citate aus 
8. Beruhard, von denen ich ein paar nicht nachweisen kann, während ich die übrigen 
in dem eben genannten Scrmo, in den Sermones de assnmtione B. V. Mariae (Opera I, 
1001 ff.) und in den Homiliae super Missus est Angelus (Op. I, 739 ff) gefunden habe. 
**) Ebenso ist es bei manchen der anderen Citate ans 8. Bernhard im 61. Cap. 
der Legenda aurea. 



28 J V. ZmOERLE 



zu DEN BILDERN IN RUNKELSTEIN. 



Bei der Änfnahme dieser Qcroälde, welche im Auftrage der k. k. 
Central-CominisBion zor Erhaltunfc der alten Baudenkmale im Sommer 
1876 stattfand, war es mir gegönnt, die Inschriften bei den Triaden 
ganz nahe zn sehen und zu lesen. Ich bin deshalb in der ange- 
nehmen Lage, einige Berichtigungen und Ergänzungen zu geben zu 
meiner Notiz ^^Dic Fresken des Schlosses Runkelstein^ (in dieser Zeit- 
schrift Ily 4^>7j und zu der Schrift: ^Runkelstein und seine Fresken^ 
Innsbruck, ISÖ?."^ In üeriu. II, 468 bemerkte ich von den darge- 
stellten drei stärksten Kiesen: vermuthlich Asprian, Ortnit, Strut- 
han. Dieselbe Ansicht sprach ich im Werke „Runkelstein und seine 
Fresken^ (S. 2) ans. — Dazu kann ich nun berichtigend und ergän- 
zend nachtragen. Über den drei Riesen ist geschrieben: „Es waren 
dHS die drey risen groz und allzeit die sterchsten vnder iren gnos.^ 
Cber den einzelnen Figuren (1) ^her Waltram treit aburil^ (2) „Kinig 
Orthneit*" ... (3^ „schranmann treit furunz.^ — Waltram und KOnig 
Ortnit stehen sicher. Ob hinter Schranmann nicht doch Schrutan 
steckt? — Auf jeden Fall ist J. Zupitza's sichere Annahme, daß 
Faaold. Ecke und Ebenrot dargestellt sind, (D. Heldenbuch, V. Ein!. 
XLV) unrichtig. Das Wappen des ersten Riesen ist nicht mehr zn 
erkennen, Ortnit führt ein schweinähnliches Thior in demselben, Schran 
mann ein Wickelkind. 

Die Riesenweiber ftlhren die Überschrift: „Undcr allen ungeheum 
undcr allen mag man sy fir die ungchcirigisten schreiben*;.^ Bei Figur 1 
liest man: ^Fraw riel nagolringen*', die Beischrift zur 2. ist unlesbar, 
bei der dritten steht „Fraw rauck", auf dem ursprtlnglicht*n Farben- 
grtind liest man: ^Fraw rachyn rauck.^ Bei Fraw Riel ist wohl an 
die Ri<*8in Ruel im Wigalois (6287— 6355) zu denken, da sogar ein 
Saal den Namen dieses Helden trug. \Atn sumerhaws in Vigeles sal*^ 
f^chönherr, das Schluü Runkelstein S. 52). Ruel steht aber mit dem 
^Nagelring^ in keiner Bezi *hung. Der Xamc des zweiten Weibes ist 
nicht mehr zu enträthseln, da bei einer dreimaligen übermaluug die 
Züge der einzelnen Buchstaben ganz verwirrt und theilweise verwittert 
sind. Doch könnte es, da dies Weib hier neben R^chin (Rütze) steht, 
IJodelgard sein. Ich nahm (Uerm. II« 4Ö8) als die dargestellten Rie- 
sinnen Hilde, (Jodeigart und Rutze <'Rachim) an, Zupitza (I. c) sab in 

*f UrtprÜAflicIi sUnd wohl : Undtr alltn «Bf^htuni w«tb«o nsf man ■jr «te. 



zu DEN BILDERN VON RUNKELSTEIN. 29 

diesen Bildern: Hilde, Birkhild und Uodelgard. Ruel und Räch im 
stehen in dieser Reihe fest. Da aber Ruel mit Nagelrin^ hier in Ver- 
bindung gebracht ist, war ursprünglich wohl die Riesin Hilde gemeint, 
wie ich früher annahm, und die auch J. Zupitza festhielt. 

Germ. H, 468 bemerkte ich: „Ob einer Thüre am Ende des 
Söllers sind drei Reiter dargestellt, deren mittelster gekrönt ist und 
auf einem Hirschen sitzt. Ich deute ihn auf Artus und seine Beglei- 
tung auf Gawan und Iwein." Dies muß nun berichtigt werden. Wir 
konnten nun die Unterschrift lesen. Sie lautet: Under allen twer[gen.] 
waren das die drei besten g[etwerg]. Das Weitere ist mit Tünche über- 
strichen. Wir haben es also hier mit Zwergen zu thun. Der erste Zwerg 
reitet auf einem kleinen Pferde und führt zwei Panther oder Leo- 
parden im Schilde. Das vorstehende G könnte auf Goldemar deuten*). 
Laurin führte nur einen Leoparden im Schilde. (M. 225.) Der zweite 
reitet auf einem Hirschen und hat einen goldenen Löwen auf schwar- 
zem (?) Felde im Wappen, der dritte sitzt auf einer Hirschkuh und 
führt ein RuderschiflF im Schilde. Dieser könnte Alberich sein , er allein 
trägt einen langen weißen Bart und das Schiff könnte auf seine Meer- 
fahrt mit Ortnit deuten. Die zwei ersten Zwerge sind durch die Krone 
als Könige bezeichnet. Ist unter dem zweiten Bibunc gemeint, der ein 
hirschhohes Pferd hatte? Virginal 142, 11. 

In der reichgeschmückten Bogenhalle sind Bilder aus einem Artus- 
romane^ nach den noch kenntlichen Resten scheinen sie Wigalois' 
Abenteuer darzustellen. Zu dieser Annahme stimmt auch die Stelle 
im Inventar: „Im sumerhaws in Vigeles saP (Schönherr's Runkelstein 
52) und die Aufnahme der Ruel unter die Riesenweiber. Dies meine 
Nachträge zu den vor zwanzig Jahren geschriebenen Berichten. Die 
Bilder und Schildereien sind nun von tüchtigen Meistern mustergiltig 
gezeichnet. Möchten sie bald in würdiger, doch nicht zu kostspieliger 
Weise veröflFent licht werden. Für die grosse Zahl der Leser würde 
eine Ausgabe in Quart am besten dienen. Unserer tirolischen Wart- 
burg aber^ die ich am 7. October 1847 zuerst betreten habe und die 
sich seitdem wie ein rother Schicksalsfaden durch mein Leben ge- 
sponnen^ möchte ich neue Ehre und frohe Urständ wünschen. 

Zum Schlüsse halte ich es auch ftir meine Pflicht, die Aufmerk- 
samkeit neuerdings auf die verschollenen Laurinbilder im Schlosse 
Lichtenberg im Vinstgau zu lenken. Im Jahre 1859 drückte ich den 
Wunsch aus , daß diese Gemälde abgezeichnet und veröffentlicht wer- 



*) Zwei Panther führte Garel. Meraner Fragmente, 8. 89. VI, 251. 



30 •'• ^' ZINOERLE 

den möchten, — aber vergebens. Erbarmt sich kein Herz des tiro- 
tischen Zwergkönigs? — Jeder Schund wird aufgenommen und Ter- 
öffeutlichty — müssen diese interessanten Wandbilder allein spurlos za 
Grunde gehen? 

WILTEN. _ J. V. ZINüERLE. 

MÖNCH VON SALZBURG. 

Ich habe in meinem Berichte über die Sterzinger Miscellaneeu- 
handschrift (Wien 1867) auf mehrere Lieder des Mönches, die sich in 
diesem Codex befinden, aufmerksam gemacht. Heute kann ich mit- 
theilen, daß einige Uebersetzungen des Mönches sich in Friaul befin- 
den. Herr Professor Ä. Wolf in Udine theilte mir mit^ daß er im dor- 
tigen Stiftsarchive in einem deutsch-lateinischen Glossar des 14. (?) Jahr- 
hunderts einige anonyme geistliche Gedichte gefunden habe und er- 
gänzte seinen Bericht dahin: ^I)ie Gedichte befinden sich in einem 
MS. -Band in groQ-4., dessen Schrift den letzten Jahrzehnten des 14. (?) 
Jahrhunderts angehört. Die ersten 112Blfttter enthalten ein lateinisch- 
deutsches, in zwei Colonnen geschriebenes Glossar, dann folgt auf 
weiteren 21 Blättern eine von derselben Hand in lateinischer Sprache 
geschriebene Grammatik, die mit den Worten schließt: Et hie est finis 
hujus libri per manum Oswaldi anno 19^ sabato post assumptionis 
beat«; Blari» virginis. Deo gracias. Oswaldus. Dann folgen drei leere 
Seiten und nach diesen auf drei Seiten die Gedichte, auf den letzten 
Blättern des Bandes stehen lateinische Kirchenlieder mit Noten. ^ Die 
genannten Gedichte gehören dem Mönche von Salzburg an. Ich gebe 
das erste vollständig nach Pr. Wolfs Abschrift: 

Christe, du pist liccht vnd der tag, ^ 

du deckest ab dy finster nacht, 

des liechtes liecht yee in dier lag, 

der seiden liecht hat aus dier pracht 
precamur sancte domine. 

Wir pitten dich, heiliger beer, 
pewar uns heint zu disser nacht, 
gib mg in dier, das uns icht weer 
eyn rugsam nacht in unser acht« 
ne gravius sompnum. 

*; V(l. AltdrQUche BUtter II, 539. Ampfrrer, Qber drti MOncb too Sabburf. 
($UUbiir( 1864.) 8 8. Wackenuigtl, KircbetiU^a U. 430. 



MÖNCH VON SALZBURG. 31 

Uns val kein sweres slafen zue, 
daz feint uns nicht pekeer (1. bekor), 
daz fleisch ym kein vorhengen tue^ 
davon wir sten dier schuldig vor. 
Oculi sompnum. 

Dy äugen slafen sein pegrejrft, 
daz herze dier wacht zu aller stund, 
deyn zesem zu schirmen icht entsleyft, 
die dich lieb han in herze grünt 
Defensor noster. 

Amplick uns unseres heyles kemphf 
und Widder treyb der sunden fluet^ 
hilf uns, daz er die nicht vortemphf^ 
dy da erloset hat deyn pluet. 
Memento nostri domine. 

Gedechtig pis, o hen*e myld, 
an uns in dissem sweren leyb. 
du pist alleine der sele schilt, 
nun wan uns pey^ von dier nicht treyb. 
Deo patri sit. 

Got vater ummer ere sey 
und auch seym eyngeporen sun, 
darzue dem geist, des trost uns pey 
sey ewicliche in allem tuen. Amen. 

Es folgen eine Bearbeitung des Salve regina: „Gegrust pist du 
muter^ aller engel fraid^ und die Lieder: 

1. Des menschen libhaber 
sant zu der meyde her. 

Altd. Blätter II, 885. Ampferer 8. 19. Wackemagel n, 438.) 

2. Wir loben alle dy vil reyne, 
dy got hat erweit alleyne. 

(Altd. Blitter II, 836. Ampfsrer 8. 19. Wackemagel H, 439.) 

Wir danken Herrn Wolf ftlr die freundliche Mittheilung und 
wünschen ihm noch recht viele deutsche Funde in den dortigen 
Archiven. 

WILTEN, 12. December 1877. J. V. ZINGERLE. 



S2 O. BEHAOH£L 

EINIGE FÄLLE VON DISSIMILATION. 

F. Becbtold bat in einer Göttinger Inauguraldissertation Zusam- 
menstellungen gegeben von gegenseitiger „Assimilation und Dissimi- 
lation der beiden Zitterlaute (nämlicb r und 1) in den ältesten Phasen 
des Indogermanischen.^ Dabei bat er einige eigentbUmlicbe Fälle 
übergangen, die zwar nacb dem Buchstaben »eines Titels nicht unter 
die gestellte Aufgabe fielen, allein da er auch das Mhd. und Nhd. 
hereingezogen hat, die nicht gerade zu den „ältesten Phasen des Indo- 
germanischen^ gehören, so hätte er auch noch etwas weiter geben 
können. Ich meine einige Beispiele der gründlichsten Art von Dissi* 
milation, die es geben kann, wenn nämlich der eine der beiden Con* 
sonanten gänzlich verschwindet: 

mhd. querdnr := nhd. KVtder, 

fordern hat seit dem 14. Jahrhundert die besonders im 18. Jahr- 
hundert gebräuchliche Nebenform fodem, die auch jetzt noch im Volks- 
mund gehört wird. 

fordern bietet die Nebenform fodem, • 

marder erscheint im Mhd. auch als mader. 

Fenu»r 

mhd. allererst, alrerst =: alrest. 

tcidarcrt kann ich zweimal in der Form mit ausgestossenem zweiten 
r belegen, während üraff kein Beispiel hat. Es steht Otfr. I, 11, 21 
widanyt in der Wiener Handschrift (wo es Kelle Otfr. II, 379 aln Schreib- 
fehler ansieht) und in Hatteroer's Denkmalen des Mittelalters I, 77 
teidarei tragan =: reportare. 

Die letztere Gleichung gibt willkommenen Aufschluss über die 
Adverbien hervt , tharot , J trnrot , dir Grimm (Gr. III, 202) mit goU 
hva))ru, ))a})rö, ^hidru identificieren wollte. Das ist lautlich offenbar 
unmöglich, ganz abgesehen von der Bedeutungsänderung, die vorge* 
nommen werden mU^st«^ Auch die Zusammenstellung des -o/ mit -a|> 
in got alja|>, dala)) macht Schwierigkeiten. Zwar der Auslaut ist in 
Ordnung, mi|> =r mit, aber der Vocal erregt Bedenken. Ferner spricht 
dagegen und (Ür eine jüngere, emt in den Kinzeldiaiekten vollzogene 
Bildung der Umstand, daü die besprochenen Formen nur im Mhd. and 
im As. erscheinen. So ist also wohl herot, tharot hwarot == herort — 
herawert, tliarort — tharawert. hwarort — hwarawert Tharawert ist 
übrigens in mehr*'ren Beispielen belegt Ganz auülog mit diesen Bil- 
dungen ist frammort, heimort, hintarort, nidarort, ostert, üfort 



EINIGE FÄLLE VON DISSIMILATION. 33 

Im Ahd. ist herot^ hwarot, tharot selten, im Alts, dagegen häufig. 
Der Heliand allein bietet herot 19mal, hwarod 4mal , tharod 22mal. 
Dies Verhältniss erklärt sich sehr leicht : im As. ist her = hie und httc, 
hwar =: uhi und quo, thar = /6t und eo , während im Ahd. hiar — hera, 
hwär — hwara, thär — thara noch klar geschieden sind; es war also 
im As. bei der eingerissenen Zweideutigkeit weit mehr Anlass für die 
Anwendung der Composita gegeben. Lautlich ist zu bemerken, daß 
in den aufgeführten Beispielen der Schwund des r stets vor einer Den- 
tale stattfindet: d. h. das Dissimilationsbestreben wurde dadurch, daß 
ein ganz hinten im Ansatzrohr zu bildender Laut vor einem ganz vom 
zu bildenden stand, bestimmt, sich durch Auswerfen des r zu helfen. 
Ein anderer Weg wäre gewesen , das zweite r in 1 übergehen zu lassen, 
und er ist auch wirklich eingeschlagen worden: neben marder und 
mader, querder und köder findet sich ganz vereinzelt auch mardel und 
querdel (beide Beispiele bei Bechtel fehlend), wobei natürlich die Ana- 
logie des Suffixes -el massgebend gewesen. 

Durch die Wahrnehmung, daß das r stets vor der Dentale aus- 
fällt, erklärt sich dann ganz einfach, warum einmal das erste, einmal 
das zweite V ausfällt. Auch im Romanischen erscheint eine ähnliche 
Dissimilation, aber ohne die eben festgestellte Beschränkung und auch 
bei andern Consonanten: 

frater = ital. frate (aber padre und madre). 

granre (prov.) = ganre. 

herberga, herberge =: heberge. 

proprius ^= ital. propio. 

prenre = penre. 

albioculus = aveugle (so Eccard und W. Grimm). 

flebilis = faible. 

halsadara, halsterel = hasterei. 

bombantia = bobance. 

Noch ein deutsches Wort scheint mir ein Beispiel von Dissimi- 
lation, allerdings ohne Ausfall eines der betheiligten Consonanten, zu 
bieten, das alem. chilihha. Betreffs der Etymologie von kirihha, as. 
kirika, ist wenigstens das eine wohl jetzt allgemein anerkannt, daß 
das Wort nicht ursprünglich deutsch ist. Schade in seinem ad. Wörterb. 
(2. Aufl., p. 491) nimmt Leo's Erklärung aus wälsch cylch oder 
cyrch, gal. cuirc, bret. kilc'h wieder auf (Ferienschriften L 54. Anm.) 
Dagegen wie gegen Wackernagels Herlcitung aus circus spricht das 
in der altem Sprache durchaus festhaftende i nach r, das bei Isidor 

OEBMANU. NMf R«Uif XI. (XXm.) Jahrf . 3 



34 J FASCHING 

sogar als lang erscheint: chiriihha und danach vielleicht überhaupt ur- 
sprünglich als Länge anzusehen ist. Chiriihha als chirjihha aufzufassen, 
wie Hildebrand im DWB fftr möglich hält, geht nicht an, da j vor i 
im Ahd. sich nicht erhalten kann. Doch wenn i auch kurz wäre, so 
Hesse es sich zwar allenfalls vor der Spirans des Ahd. aber nicht vor 
der Tennis k des As. und Ags. als Svarabhakti auffassen. Es bleibt 
noch xvgiaxov als Ausgangspunkt, das lautlich keine Schwierigkeit 
macht, bei dem aber die historische Vermittelung zwischen Griechisch 
und Deutsch unklar ist. Indessen liegt das gleiche Dunkel über einem 
anderen Worte, das wir ganz unzweifelhaft griechischem Einfluss ver- 
danken : das ai im got. ahd. kaisar kann nur auf griecb. xataag zu- 
rückgehen, und zwar nicht einmal auf das gesprochene Wort, da at 
lange vor Christus schon wie ae gesprochen wurde, sondern auf die 
gelesenen Buchstaben , also auf gelehrte Einwirkung. Es fragt sich 
nur noch, wie aus kirihha kilihha werden konnte , während Uebergang 
von r in 1 im Germanischen sonst unerhört ist. Ganz einfach, wenn 
man annimmt, dass die Alemannen uvulares r gesprochen (Sievers 
Grundz. d. Lautph. p. 54). Dieses r und gutturale Spirans liegen sich 
aber ausserordentlich nahe — r geht geradezu in die tönende gutturale 
Spirans über (Sievers p. 54 u. p. 73) — sie sind vollständig homorgan, 
und so trat das Bestreben nach Dissimilation ein, dem zwar nicht die 
Spirans, wohl aber das r nachgeben konnte , indem es in l auswich. 

HEIDELBERG, den 27. Juni 1877. OTTO BEHAGHEL. 



BEITRÄGE ZUR ERKTÄRUNG DER RELIGIÖSEN 
DICHTUNGEN WALTHERS VON DER VOGEL- 

WEIDE. 

(Schluß.) 



(Walthers Leich.) In den Versen 10 flF. wird als Grund, warum 
besonders göttlicher Beistand uns nöthig ist^ die Tücke des bösen Feindes 
angegeben. Ebenso beginnt ein alter lateinischer „Hymnus de Christo" 
(M. I, 2C) mit dem Bekenntnisse der heiligsten Deifaltigkeit, wendet sich 
sodann zum Menschen als Geschöpf Gottes und fUhrt liierauf fort : 

Hunc serpentis invidia 

heu decipit prava etc. (v. 17 f.) 



zu DEN RELIGIÖSEN DICHTUNGEN WALTHERS. 35 

An die Darlegung des eigenen Unvermögens dem bösen Feinde zu 
widerstehen reiht sich die Bitte: 

So tuo daz dinem namen ze lobe 
und hilf uns etc. (v. 17 £F.) 

Ahnlich: Pro tuo sancto nomine 

emimda nos a crimine. (M. I, 18, 7 f.) 

Ne des honorem nominis 

tili, precamur, alteri. (M. I, 73, 27 f.) 

Ad nominis laudem tui 

confer medelam languidis. (M. I, 74, 11 f.) 

Nachdem der Dichter sich (seit v. 28) an die Muttergottes gewandt, 
beschäftigt sich ein großer Theil des Leiches mit dem Lobe dieser 
^reinen süezen maget", indem verschiedene Ehrentitel und Vorbilder 
Mariae aus dem alten Bunde angeführt werden. 

V. 31. ^Magt unde muoter** ein in der Kirchensprache sehr be- 
liebter Titel der Muttergottes, in dem die wunderbare Mutterschaft bei 
unversehrter Jungfräulichkeit hervorgehoben wird. 

„schouwe^; mitbegriffen: damit du uns helfest; weil nach mensch- 
lich natürlicher Anschauung beim Ausbleiben höherer Hilfe ein nicht 
Bemerktwerden von Seite Gottes oder seiner Heiligen vorausgesetzt 
wird. Durch die nun folgenden Ehrentitel soll Maria noch mehr zur 
Hilfe bewogen werden. 

V. 32. |,blüende gerte Arönes". Der Stab Aarons, welcher, ob- 
wohl dürr, Blüthen und Früchte trieb (4 Mos. 17) wird als Vorbild 
Mariae betrachtet, welche als Jungfrau Mutter wurde, vgl. M. II, 
326, 23 ff : 

Virga Aaron fructifera 

Mariae typum gesserat, 

quae nobis fructum attulit etc. 

„üf g§nder morgenröt^; vgl. cant. cant. 6, 9: nQ^^e est ista, quae 
progreditur quasi aurora consurgens?^ Maria wird so genannt, weil aus 
ihr, wie die Sonne aus der Morgenröthe, Christus y,die Sonne der Ge- 
rechtigkeit** hervorgegangen ist. 

V. 33. 34 bezieht sich auf Ezech. 44, 2. 3 : „Porta haec clausa 
erit: non aperietur, et vir non transibit per eam: quoniam dominus 
deus Israel ingressus est per eam, eritque clausa principi^. 

Hiemach wird Maria auch M. II, 420, 9 f. genannt : 

Tu regis alti ianua 
et porta lucis fulgida. 

3* 



36 J FA8CHINQ 

Daß Christus y|Licht^ odor wie im folgenden Beleg „Sonne^ ge- 
nannt wird, leitet ganz natürlich auf das schöne Bild vom Qlas, dareli 
das die Sonne dringt, hinüber. 

M. II, 555, 4 tf. wird nämlich Maria folgendermaßen begrüßt: 

Euge dei porta, 
quae non aperta 
veritatis lumcn, 
ipsum solem iustitiao 
indutmn carne, 
ducis in orbem. 

T. 35. nSAQ^ geworhtez glas^ nach Pfeifler unverletztes Glas; 
nach Wilmanns zu Fensterscheiben verarbeitetes ülas, also Fenster- 
glas, worauf ihn wohl der Ausdruck „glasevinitter" im Amsteiner 
Marienieich geführt. Doch lassen sich beide Krklärungen gans gut 
vereinigen. Jedenfalls ist unter dem Glas, durch das die Sonne scheint, 
kein anderes gemeint, als Fensterglas; jedoch soll auch, damit das 
Bild zutreflend ist, ausgedrückt sein, daß das Glas durch das Ein- 
dringen der Sonnenstrahlen nicht verletzt winl, und das geschieht durch 
das Kpitheton ^g^QZ geworhtez^. Daß «geworhtez glas'^ gerade ein 
SU Fensterscheiben verarbeitetes sein soll, dürfte wohl eine ziemlich 
willkürliche Annahme sein. 

Dieses trefl<'nde Bild ist schOn ausgeführt im Arnsteiner Marien- 
leifh (MSI). XXXVIII, v. 12fl'.); darum, und weil die ersten Verse 
(12 — Iti) auch rhw Parallelstello zu v. 40 41 unseres Leiehes blld«'n, 
»ei der betrefTrnde Passus vollstKncIig angeführt: 

Sint du daz kint gebere 

bit alle du wrre 

luter und«» reine 

van mannes gemeine. 

sweneu hC* daz dunkent unmugelich, 

der merke daz ;;laj<, daz dir is gilig 

daz sunnen liet sehiUft durg mittlen daz glas: 

iz is alinr ui*d luter sint alsiz e was. 

durg daz alinge glas grit iz in das hüs, 

daz vinesteniisse iz venlrivel daruz. 

Du bis daz alinge glas da dur^ quam, 

duz vin»»hterniH.He der worlde b<Miam. 

Vau dir M*lifiii daz g^idcs liet in alle «li«* laut, 

do van dir geboren warth ouse heilaut. 



zu DEN REMGIÖSEN DICHTUNGEN WALTHERS. 37 

iz bclühto dich und alle Christenheit, 
du in den angelouven was vcrre vcrleit. 
iz vant dich, iz liz dich bit alle lütor, 
alse dil sunne deit daz glasevinster. 

Auch in einem lateinischen Hymnus, der bezeichnet wird als 
„vctus et vulgaris", heißt es (M. I^ 47, 41 ff.): 

Ut vitrum non laeditur 
sole penetrante, 
sie illaesa creditur 
virgo post et ante; 

welche Stelle unverkennbar grosse Ähnlichkeit mit v. 35 und 36 unseres 
Leiches hat. 

V. 37 — 39 bringt ein neues Bild der Jungfräulichkeit Mariens trotz 
ihrer Mutterschaft, nämlich den brennenden und doch nicht verbren- 
nenden Dornbusch. Die Stelle (2 Mos. 3, 2): ^Apparuitque ei (Moysi) 
dominus in flamma ignis de medio rubi : et videbat^ quod rubus arderet 
et non combureretur" gilt nämlich dem Dichter zugleich als Vorbild 
Mariac als ^maget und muoter": 

Namque rubus incombustus, 
Moysen qui terruit, 
haec est virgo, quae pudore 
salvo deum genuit (M. II, 326, 10 ff). 
Ferner: Flagrare cemens et Moyses rubum, 
nnllis adustum viribus ignium, 
partum notavit virginis inclitum, 
nullo virili germine conditum (M. II, 573, 29 ff.). 

V. 38 hat Lachmann und nach ihm mehrere andere Herausgeber : 
„breit unde ganz"; und Wilmanns sucht den etwas aufiUlligen Aus- 
druck „breit" folgendermaßen zu erklären: „Breit ist im Mhd. über- 
haupt groß. Man spricht von breiter werdekeit, breiter tugent, breiter 
gewalt u. 8. w." Der Sinn unserer Stelle würde also sein: „Ausge- 
dehnt (weithin leuchtend) und unversehrt war sein Glanz." Für diese 
Leseart spricht eine ähnliche Stelle im Melker Marienlied (MSD. 
XXXIX, Strophe 2), die jedoch Wilmanns entgangen zu sein scheint: 

Jü in deme gespreidach 
Möyses ein fiur gesach, 
daz daz holz niene bran. 
den louch sab er oben an: 
der was lanch unde breit. 



38 J. FASCHING 

Mir »chciot aber doch dio LeBeart Pfeiflbrs Dach k ^grilen nnde 
ganz" ciDcn passenderen Sinn zu fi^ben. Es soll ja unter dem Bilde 
des brennenden Dombusches die Empfängnis dos Sohnes Oottcs un- 
beschadet der Jungfirauschafl Mari« versinnbildet worden, und dieses 
geschieht am besten dadurch, daÜ hervorgehoben wird, das frische 
glänzende üriln des Busches (Sinnbild der Jungfrauschaft) habe durch 
das Feuer (Ueberscliattung durch den hl. Geist) nicht gelitten. Für 
diese Auffassung spricht eine hieher bezügliche Stelle im Amsiciner 
klarienleich (MSI). XXXVIII, 56 ff.): 

gruoncde daz louf in deme fiire, 
bluode dtn mageduom in der geburte. 
der busch behielt die sine sconecheit, 
din heilig lif die sine reinichoit 

Zu V. 40 ff vgl. M. II, :MiO, 13 ff : 

Ave domina eoelorum, 
inexperta viri thorum, 
parons maris nescia; 
Focundata sine viro 
genuisti modo miro 
gonitorem filia. 

In V. 45 scheint mir die Leseart ^wol ir", welcho Lachmann, Bartsch 
und Wilmanns haben, besser zu passen, als ^wol uns^, wie Pfeiffer 
mit k liest Im Vorausgehenden und Nachfolgenden sind ja Lob- 
sprUche auf Maria enthalten, so daß sieh ein Segenswunsch auf Maris, 
mit nwol ir** eingeleitet (vgl. .beatus venter, qui te portavit, et ubers, 
qu« suxisti." Luc. 11,27), besser in den Context fUgt, als die Be- 
merkung, daü die Erlösung flir uns etwas Segensreiches war. 

V. 46. Die Überwindung dos Todes durch Christus ist in Ticleo 
Stellen der hl. Schrift betont, z. B. 2. Tim. 1, 10: Christus „destnuut 
quidem mortem.'' Demnach heben dieses auch viele Osterlieder henror 
und verwenden dabei gerne Wortspiele. So hat z. B. die Sequenlia 
der Ostermcsse, allerdings in etwas verschiedener Weise von unsorem 
Leich: ^klors et vita duello conflizere mirando: duz vitsB mortmis 
regnat vivus.** 

In V. 4^ hat man bei „ungefuoc^ nicht an eine „Übermenge* 
von Sünden zu denken. Denn wie aus dem folgenden Verse hervor- 
geht ist hier zunächst die Erbsünde gemeint, mit der unsere Stamm- 
ehern uns belastt*ten. Zu vergleichen wäre zu v. 47—49 das pr»oo* 
nium paschale (missale Romanum), das bei der Weihung der Oster* 



zu DEN REUGIÖSEN DICHTUNGEN WALTHERS. 39 

kerze gesungen wird: ;,Qui pro nobis Adae debitum solvit; et veteris 
piaculi caulionem pio cruorc dctcrsit." 

Der Sinn des Verses 50 ist : Du bist eine hehre Wohnung^ in 
welcher der wahre Salomon (= Friedensftlrst d. i. Christus) seinen 
hohen Thron würdiger Weise aufsehlagen konnte , und vermagst als 
dessen (Salomons) Mutter alles über ihn. Es ist angespielt auf 3 Reg. 
10, 18: „Fecit etiam rex Salomon thronum de ebore grandem: et vesti- 
vit eum auro fulvo nimis.** Da der weise König Salomon als Friedens- 
fürst stets als Vorbild Christi gegolten, hat man obige Schriftstellc im 
mystischen Sinne auf Maria gedeutet. — „gebictcrinnc" bezieht sich 
auf 3 Reg. 2, 19. 20: „Venit ergo Bethsabee ad regem Salomonem, ut 
loqueretur ei pro Adonia: et surrexit rex in occursum eins, adoravitque 
cam, et sedit super thronum suum : positusque est thronus matri regis, 
quae sedit ad dexteram eius . . . Dixitque ei rex: Pete mater mca: 
neque enim fas est, ut avertam faciem tuam.^ 

Wie man in Salomon Christus vorgebildet sah , so betrachtet die 
katholische Kirche in der Mutter Salomons Bethsabee ein Vorbild 
Marias, der auch ihr Sohn nichts abschlägt, so daß sie in gewissem 
Sinne seine Gebieterin ist. Anklänge an unsere Stelle finden sich 
M. U, 524;37fi*.: 

Tu es thronus Salomonis, 
cui nuUus par in thronis 
arte vel matoria; 
und M. II, 508, 216: 

Salve throni o sedile.*) 

V. 51. Zu „balsamtte^ vgl. Eccl. 24, 20: „Sicut cinamomum et 
balsamum aromatizans odorem dedi^, welche Worte in der katholischen 
Liturgie auf Maria bezogen werden. Mit demselben Namen wird Maria 
begrüßt M. II, 508, 66: 

Salve oder balsamorum. 

Zu „margaiite" vgl. M. II, 508, 72: 
Salve mira margarita. 

Hiezu bemerkt Mone: ;,Da Christus mit einem Kaufmanne ver- 
glichen wurde (No. 25, 85)^ so hat man die Stelle bei Matth. 13,45,46 
auf Christum bezogen, und Maria die Perle genannt^ Die angezogene 
Stelle lautet: „Iterum simile est regnum coelorum homini negotiatori^ 



^) [Dieses Citat macht J. Grimmas Vermuthun^, es sei statt ntHt hlhrty wie Hss. 
und Ausgaben haben, sa lesen »ecMtterej sehr wahrscheinlich. Vgl. noch eu dieser 
Stelle die Ton mir bei Pfeiffer angeführte Abhandlang von Piper. K. B.) 



40 J' FABCHING 

quacrcnti bonas margariias. Inventa autem ona preiiosa margarita, 
abiity et vendidit omnia, quao habuit, et emit cam.* 

f,<)b allen inagden bist du, maget, ein magot, ein kttuiginno^: 
Tgl. die Titel Mariae in der ältesten kirchlichen Litanei, derAllorhei- 
ligen-Litanci; ,,Virgo virginum^ und „regina virginum*^ in der Laure- 
tanischen Litanei. 

V. 52. Zu „gotes amme" vgl. M. 11, 420, 3 f. : 

Qui te creavit provide, 
lactas sacrato ubcre. 

Ebenso aus der Sequentia de sancta Maria (M8D. XLII, 44 f.) : 

daz was got, der selbe 

den sinen niunt zuo dinen brüsten bot. 

Der Uedanke: |,e3C was din wammc ein palas etc.'' kehrt in dem 
▼on Venantius Fortunatus stammenden Hymnus in purificatione s. Ma- 
riae dreimal, allerdings etwas modificiert, wieder (M. II, 41U): 

Trinam regentem roachinam 

claustrum Mariae baiulat (v. 3. 4.). 

Cui luna, sol et omnia 

descrviuut per tempora, 

perfusa codi gratia 

gcstant puellae viscera (Strophe 2). 

Beata mater munere 

cuius supemus artifex 

mundum pugillo contineus 

ventris sub arca clausus est. (Strophe 4.) 

Auch in der Prosa do b. virgine (M. II, 4<>2, 40) wird Maria ge- 
nannt: „verbi dei cella*'. 

Die Iteinheit des Lammes (tottes, das in v. 52 erwähnt wurde, 
gibt dem Dichter Veranlassung zu einer gelegentlichen Bemerkung, 
daü die reinen Jungfrauen, deren en<te ja Maria ist (▼.51), sein näch- 
stes (tefolge bilden, im AnschluÜ an Apoc. 14, 4: ,,Hi sunt, qui cum 
mulieribus non sunt coinquinati: Virgines enim sunt. Hi sequuntur 
agnum, quocunqne iorit*^ Dieselbe Sehriftstello wird ansgeftlhrt in 
einem dem hl. Ambrosins zugeschriebenen Hymnus „Jesu conma vir- 
ginum** (Pauly III, S. 3()): 

Qui pergis inter lilia 

•eptus choreis virginum. (v. 5. 6.) 

Quocunqne tcndis, virgioet 

seqaontiir etc. (v. 9. 10.) 



zu DEN RELIGIÖSEN DICHTUNGEN WALTHERS. 41 

pinaget^ ist jedoch hier^ wie in den obigen Stellen das lateinische 
„virgo^ in biblischem Sinne von unvermählt und keusch Lebenden 
überhaupt gebraucht, nicht blos von solchen weiblichen Geschlechtes. 
V. 68—70 bezieht sich auf die Begebenheit, welche Jud. 6, 36 — 
38 erzählt wird^ daß nämlich ein auf der Erde ausgebreitetes Fell 
allein vom Thaue benetzt wurde, während die Erde ringsherum trocken 
blieb, als Vorbild auf Maria, welche allein durch himmlische Einwir- 
kung (himeltou) einen Sohn empfieng. Denselben Vorgang wenden 
auf Maria an die Hymnen (M. II, 372, 11 f.): 

Gedeonis vellera 

ros infudit. 
(M.II. 360, 22ff.): 

Fusa coeli rore tcllus, 

fusum Gedeonis vellus 

deitatis pluvia. 
Melker MarienUed (MSD. XXXIX): 

Gedeon dux Israel 

nider spreite ein lamphcl : 

daz himeltou die wolle 

betouwete almitalle. 
V. 71. „Ein wort ob allen werten", vgl. v. 51 „ob allen magden" 
= ein Wort, erhaben über alle Worte, gemeint ist das göttliche Wort 
{X6yog)y die zweite göttliche Person. 

Zu V. 71. 72 vgl. Walther 89, 9 «.: 

Durch die hoechsten freudo din, 

die dir der heilig engel z' oren br&hte, 

do er dir den ze tragenne kunte etc. 
Als weitere Belege für die mittelalterliche Anschauung, daß 
Maria Christum durch das Thor ihres Ohres empfangen, mögen dienen : 
M. II, 419, Strophe 3: 

Mirantur ergo saecula, 

quod angelus fert semina, 

quod aure virgo concipit 

et corde crcdens parturit. 
MSD. XLII. Sequentia de Sta. Maria: 

dir kam ein kint, 

frouwe, dur din 6re. (v. 35 f.) 
V. 77 hat C ^ze werte", k „von kinde"; Lachmann vcrmuthet, 
es sollte heissen „ze gote" und vergleicht hiezu Sunburg (HMS.3. 75**): 
,,Uz einem werte wuchs ein got, der doch ie wesende was: er wart 



42 J FA8CHIMG 

menMche sunder spot, do Bin diu reine ma|);et genas. ^ Jedoch f^bl 
AUch i^ze worte^ einen guten Sinn. Es liegt nämlich ein Wortspiel 
vor: V. 75 bedeutet y^wurt^ das Wort der Verkündigung, v. 77 das gött- 
liehe Wort (Ao'^'og). Der Sinn dieser Stelle ist demnach: Das, was aus 
dem Worte (der Verkündigung) hervorgieng, wuchs so heran, daß es 
sieh auch Äußerlich, nämlich durch das Lehren, als Wort (zweite göU- 
liehe Person, Xoyos) zeigte. 

V. 79. 80 i^naeh menneschlfeher art'^ soll hier wohl zunächst be- 
deuten : in der Zeit geboren und mit der Zeit sich allmähUch ent- 
wickelnd, im Gegensatze zum vorausgehenden „ie gewesende^; vgL: 
yjDeus ettt ex substantia patris ante saecula genitus, et homo est ex 
substantia niatris in saeculo natus^ (Symbolum Athanas. v. 29); auch 
WalthcrH8, 9: rj^nger mensch und alter got^; ferner M. I, 33, 1 ff.: 

Verbum supcmum prodiens, 

a patre olim cxiens, 

qui natu» orbi subvcnis 

cursu dcclivi temporis. 
Zu V. H4. 85 vgl. den Weihnachthymnus ^ A solis ortus cardino ** 
(bei Pauly II, 15): 

Donius pudici pectoris 

templum repente tit dei. (Strophe 4.) 
Nachdem im Vorausgehenden der Erlöser und die Muttergottes 
als die vorzüglichsten Quellen bezeichnet wurden, durch die uns das 
Heil zuili('i:t, kommt der Dichter (von v. 95 an) auf die erste Vorbe- 
dingung, ohne welche es überhaupt kein Heil gibt, zu sprechen, näm- 
lich auf die wahre Iteue über die begangenen Sünden. 

v. 101 (9(i) losen Pfeiffer, Bartsch und Wilmanns: „uns ist das 
allen vil wol kunt"; so kl. Lachmann hingegen hat nach C: »den 
wisen ist das allez kunt.*^ Wilmanns bemerkt hiezu: nGieng die 
Aenderung in C vielleicht von einem Manne aus, der sieh als Ucisl* 
lichcT dem Laienstande gegenüber fllhlte?'^ Die Möglichkeit dessen 
nicht in Abrede gestellt , ergibt sich auch sonst ein ganz befriedigen- 
der Sinn: „wise*' nämlich gefaüt als wohlunterrichtet, klug, gegenüber 
jenen .tumben**, welche meinen durch blotte äaOeriiche Marienver- 
ekning, ohne wahre Herzeusreue die Uesundheit der Seele erlangen 
so können. 

v. 107 ^103) ,.minueiiur*' Liebesfeuer = der hl« (leist Im 
Hj ffVeni Creator spiritus"* (M. I, 184) heißt es Strophe 2 vom 

C »: 

«Qui diceris. . . isnis, ohsritss^. 



zu DEN REUGIÖSEN DICHTUNGEN WALTHERS. 43 

V. 108 (104) ^gehiure" = vertraut, woran nichts unheimliches 
ist, lieblich, angenehm. Ahnlich wird in der Sequentia de s. spiritu 
(M. I, 186, 8) der hl. Geist genannt: 

„dulcis hospes anima^." 
V. 110 (105) lesen Lachmann, Wilmanns, Bartsch „lihtez leben". 
Wilmanns bringt hiezu nach Zacher verschiedene Belegstellen und 
folgert dann: „ein Mihtez leben ist also ein durch Reue, Beicht und 
Busse von der Sündenschuld erleichtertes und befreites Leben. ^ Diese 
Leseart bietet k. C hat nreinoz". PfeiflEer sucht nun nach k'l beide 
Lesearten zu vereinigen, indem er setzt „liehtez" = helles, reines. 
Es wird schwer zu entscheiden sein, welche Leseart vorzuziehen ist. 
In den von Wilmanns angeftlhrten Parallelstellen findet sich keine, in 
der „leben"* mit „lihte" verbunden wäre; aber auch „lichtez leben" im 
Sinne von: helles, reines Leben befremdet; ob nicht violleicht „liehtez 
leben" = erleuchtetes, vor Irrwegen gesichertes Leben gefaßt werden 
könnte? Zumal der hl. Geist in den kirchlichen Hymnen besonders 
als Erleuchter gefeiert wird; vgl. Sequentia de s. spiritu (M. I, 186): 

Veni sancte spiritus, 

et emitte coelitus 

lucis tu» radium. (1. Strophe.) 

Veni iumen cordium! (v. 6.) 

O lux beatissima! (v. 13.) 
Im Hymnus: „Veni creator spiritus!" (M. I, 184). 

Accende Iumen sensibus (v. 13) 

ductore sie te prsßvio 

vitemus omne noxium. (v. 19 f.) 
V. 112 (107) schließt sich ganz natürlich an den vorausgehenden 
Vers an. Dem Gnadeneinflusse des hl. Geistes sollte niemand wider- 
streben (v. 111), denn nur einem bereitwilligen, nach ihm verlangen- 
den Herzen spendet er die Grundbedingung geistlichen Lebens, wahre 
Reue. (v. 112 f.) 

V. 116 (112). Lachmann, Wilmanns, Bartsch: „den rehten"; 
Pfeifler nach k: „denselben". Erstere Leseart dürfte den Vorzug ver- 
dienen, da sie sich an einen in der Liturgie sehr häufig gebrauchten 
Psalmvers anschließt: „Spiritum rectum innova in visceribus meis." 
Ps. 50, 12. Vater und Sohn werden um den hl. Geist gebeten, weil 
dieser nach katholischer Lehre vom Vater und Sohne gesendet wird; 
vgl. Johan. 14, 26: „Spiritus sanctus, quem mittet pater in nomine meo." 
V. 117 (113) zu „fiuhte" vgl. in der Sequentia de spiritu sancto 
(M. 1,186): 

„Dulce refrigerium!" (v. 9.) ^Riga, quod est aridum" (v. 20). 



•U J. FA8('IIIN<i 

Die Vrrs*» 11>^ uiiri UM (IM f.) istolion vicllciclit im VorhiiUiiisao 
drs Ciop'iisatzrH zu rinaiider: Zwar ist die it/au'av Cll^i^tc'nhoit voll 
iiiicliri>tlirlM'i' I)iiii:i*. alxT si'lhst dort, wo das Cliristontlium ^i^nnx hr- 
tiomliTs daruicdt'rlic^'t. niilrrläüt mim rs, diosf^n Krunkni zu i)tl«-;^i-ii 
und zu heilen. Der Dichter denkt wohl an die traurif^cn reii;;i(».si;ii 
Zudtänd«' in Deutschland. 

V. 124 (12«»'. liaehnninn. Wilnianns, Hartseh: ^und ist er ila so 
friundf bar**. PfeitFiT änderte aus k in: „nfi int er als«*i friundc bar**. 
Narh h'tztiTor I-eseart tritt da» Verhältnis der FoI|;c aus dem im vor- 
herj^ehenden Vers (icsa^^ten deutlicher her\*or. Der Sinn ist: Nun, in 
Kol^je der Simonie (weleh»? keine wahren Freunde der Kirche zu kirch- 
liehen Amtern p^elan^en lüüt) ist das Christenthum so von Freunden 
entbhtüt. 

Zu V. l.V>— 1*57 \\2^) ist zu vergleichen Jac. 2, M: „<^uid iirod- 
erit, fratres mei , si tidem quis r/iVvi^ se habere, o/nnt autem non 
habeat?'' 

V. 1'»^ (l.'itM ^daz i>t iniser meiste nöt*^ so lesen Lachmann und 
Wilmann>, was sich j<'tl<>eli iiielit recht in den Zusammenhan;^ t*<iK^. 
lYeiflTer und HartAeh haben datur nach kl: .,nu ii*i ab uns ir beider 
UMf*, nun bedtlrfen wir ab< r bi'i.lrr Din;^«', näudich daü wir uns mit 
dem Mundf un<'rschrockeii als Christen bekennen, und flieses aueb 
dunli un>eri* Werkt- zeiiren. 

Zu V. 131* l.'l^M vud. .lac. 2, 17: .Fides, bi non habeat o|»era, 
mortua «-^t in semetinsa." 

Zu V. 112 — 114 l.»4 iV. . /u ver;:h'ichen aul.'cr jenen Steihn, wo 
(ii)tt tibrrbau|it davon spricht <l«n Men-«i*lM*n ir«'macbt zu haben (z. H. 
I. Moft. 1. 2ii: .raeiamuft boiiiiiirm**!. U 2l^22, 2<i: „Non eonl'undetur 
.laeob... esim \i«l'it tiü-i'* >u«»>. ofn-iui Mumniui mrariim,*^ Jer. IS, t»: 
.F.eee .•«icut lutuni ni manu ti^tdi. sie vos in manu niea.*' Ps. 1 1><, i.'i: 
^.Maniis tua»* tt-teruni in«* t i |i|.i>mav<TUut nii* ** Ferner im t*astc«n- 
b\mnus: .Kx m'-p* dneii nn^tie«»"* ^^l. 1, 7."». 2.» I : 

.N|t:mi*nl«>, (juod .««umua tiii 
licet caduci |tla^^latiH. 

Vii'b' Ahidiehkeit mit unserer Siflle h:it auch in der Seqiieatia 
dr Su. Maria iMSD. XIJI. »;i t1. : 

^«•t --»'Im* an m«»nniselieh«' n«'»!; 
und daz er dar du* namen dri 
sincr chri:«t*'ii*-n hant^ftat 
gnaedic in den BUndeu »f.* 



zu DEN RELIGIÖSEN DICHTUNGEN WALTHERS. 45 

Desgleichen (M. I, 47. 81 f.) : 

Christe qui nos propriis 

mauibus fecisti. 
Der Dichter wendet sich nun v. 145 ff. (135 ff.) noch an die 
Oottesmutter, deren Lob er besingt und die er um Fürsprache bittet. 
Anklänge an v. 145 (M. II, 574, 5 ff.}: 

Fac tuum nobis ühum 

pia prece propitium, 

quem graviter offendimus, 

tu mitem redde, quaesumus. 
(M. II, 356, 30 f.) : 

Ergo omnium domina 

fihum placa. 
V. 147 (137). Die von Pfeiffer und Wilmanns angezogene Stelle 
eant. cant. 2, 2 paßt nicht hieher. Denn nach dem lateinischen Text der 
Vulgata lautet diese Stelle: „Sicut lilium inter spinas, sie amica mea 
inter filias.'^ Wenn auch Einige nach dem Hebräischen an unserer 
Stelle übersetzen: ^Sicut rosa inter spinas^, so hat das auf unsern 
Dichter keinen Bezug, der ja nur jenen Schrifttext kannte, der im 
kirchlichen Cultus gebraucht und in der Kirche erklärt wurde, und 
das war schon seit den Zeiten des hl. Hieronymus die Vulgata. Und 
selbst wenn die Leseart „rosa inter spinas^ angenommen würde, so 
wäre durchaus nicht ausgemacht, daß eine Rose ohne Dornen ver- 
standen wäre, sondern dem Context nach nur eine schöne Blume, eine 
Kose, unter Dorngestrüppe. In der hl. Schrift findet sich dieser Aus- 
druck überhaupt nirgends, wohl aber ist er später beliebt worden, 
die trotz der Mutterschaft unbefleckte JungfräiUichkeit Marions zu be- 
zeichnen; z. B. (M. II, 402, 28 f.): 

virginum regina, 

rosa sine spina. 
Denselben Titel, mit einem ähnlichen verbunden, welcher sonst 
nur der hl. Jungfrau beigelegt wird, ertheilt der Dichter auch der Ge- 
mahlin Philipps Irene, da er ihre Krönung besingt (100,8.9): 

„im sleich ein hochgeborniu küniginne ndch, 
ros änc dorn, ein tübe sunder gallen." 
V. 148 (138) zu „sunnenvarwiu kläre" vgl. cant. cant. 6, 9: „Quae 
est ista, quao progreditur quasi aurora consurgens, pulchra ut luna, 
eleeta ut sol?" und Sequentia de sancta Maria (MSD. XLI v. 10 f.): 

Maget aller magede 

schoene als diu sunne. 



4ti J. FASCfllNO, ZU DEN RRLIQIÖSEN DICIITITNOEN WALTHRRS 

V. 149 (139). Aehnlicli wie in unserem Verse (M. II, 352, 9 f.): 

Te uostra sonant carmina, 

te angelorum agmina. 
und M. II, 579, 5: 

Te canat prinium chorus angelorum. 
V. 153 (143) .in stimmen oder von zungen^. Wenn hier nicht 
eine pleonastische Zusammenstellung zweier Synonyma vorliegt, so 
versteht der Dichter unter «stimmen** vielleicht die Kngel, welche nicht 
wie die Menschen (äner Zunge als Werkzeuges ihres Qesanges bedürfen : 
und dann würden diese zwei Ausdrücke der Unterscheidung in v. Ifxi 
entsprechen: ,ze himel und uf der erde.** 

V. 154 (144) .uz allen ordenungen*" bezieht sich nicht auf die 
Kugel allein wegen des folgenden Verses: „ze himel und üf dtT erde;** 
es sind hier überhaupt alle Uattungen jener Wesen, welche Maria loben, 
gemeint. Das Subject f,Hie^ nämlich in v. 15<), welches sieh dort nur 
auf die Kngel bezieht, wird hier durch eine kleine Ungi^nauigkeit im 
Gedanken erweitert, so dalS auch die übrigen Maria preisenden <Je- 
sehöpfe inbegriiTen sind. 

v. hiO (150) ^der bannunge urspringe** bezieht sieh vielleicht auf 
2 Cur. 1,3: .Pater domini nostri Jesu Christi, ^Mihr #iiiVr/rr#iy/fVirf#M.* 
An v. ir>4 und 1(15 «154 f.) anklingend M. 11, :U4. 2M ff.: 

OramuB, doniina, 

reorum beatrix, 

absterge crimina, 

inclita salvatrix, 

not ad cor contritum 

ac deo unitum 

perduc reos et miseros. 
(tanz ähnlich wie unser Leieli schließt ein altes troparium de 
8. Maria (M. II, 3.%, :)ll ff.): 

Krgo omnium domina 

filium placa, 

supplices tuos adiuva. 

Per quam tolam 

Holus omnibos vitam 

dat »alvandis. 
8ALZRrK0, im HrpiriulK-r |H7n. JOHKF KAS<'|||N(S 



K. BARTSCH, BBUCHSTOCKB MITTELHOCHDEUTSCHER GEDICHTE. 47 

BRUCHSTÜCKE MITTELHOCHDEUTSCHER GE- 
DICHTE. 



Bei meinem diesjährigen Aufenthalte in Engelberg, von dessen 
handschriftlichen Schätzen, so weit sie altdeutsches enthalten, ich früher 
(XVIII, 45 — 72) Nachricht gegeben habe , theilte mir der freundliche 
Bibliothekar des Klosters, Pater Benedictus, mit, daß er sämmtliche 
Pergamentdeckel von den Büchereinbänden abgelöst habe, und wies 
mir als einen auf diese Weise gemachten Fund zwei Pergamentblätt- 
chen in Octav, auf welchen mittelhochdeutsche Verse standen. Beide, 
nur auf einer Seite beschrieben, waren mit der Schrift aufgeklebt ge- 
wesen, auf demselben Bücherdeckel; beide sind von einer Hand des 
14. Jahrhunderts geschrieben. Das eine enthält den Schluß des Ge- 
dichtes von den neun Rittern und neun Frauen, welches nach einer 
Leipziger und Straßburger Handschrift v. d. Hagen in seinen Minne- 
singern III, 441—443 mitgetheilt hat; das andere gewährt den Anfang 
von Frauenlobs Kreuzleich. Ich lasse sie in treuem Abdruck hier folgen. 

HEIDELBERQ, 21. December 1877. K. BARTSCH. 

I. 

siner eilenthaften witze 
mich tfint sine spehen hitze 
dike miner sorgen buz 
ich bin ime glicher wise 
holt als enea^) parise 
bi dem ich bliben müz 
XVU Ir lat mir des lobes deine 

sprach di ahte dem liebe sten man 
nie bi zarten wiben reine 
slief ein kunec so lobesan 
er mehte tugende von im shriben 
er hat lop von reinen wiben 
lobeliche mange stunt 
doch vor allen iungen iuten 
wil er niemant für mich truten 
lobete mir sin zarter munt 

*) 1. elena. 



48 K. BARTSCH 

XVIII zuht mit reiner tagende Horden 
kan er wol min leitvertrip 
sprach di nunde ritters orden 
zieret wol sin*) werder lip 
ich wart nie so tump einvaltic 
wer ich aller der werlde gewaltic 
ich fürte in in minre shar 
selic si di müter sin 
di gehure sviger min 
di mir in ze heile gebar. 

II**). 

Wo wnnenbemder suz ursprinc. 

hoch swebendes fluzes name so volleclich begin. 

Der ersten Sachen sechec dinc. 

ir wesn ir ewic und ir immer wemder sin. 

Wie tirmec Spiegel sehender kunft. 

grunsippec blic. der zit gewegenre hin geshiht 

Mit nu (1. im) wart pundic sigenuft. 

in dir din griftec sihtec innen gebndez ibt. 

Wie vor der zit geselle. 

din indir unspart 

drate gienc ze rate. 

nä Wesen in dir din ewic hört. 

sust din untirmec stell i. 

von din ungewach 

wachet nvr gesachet. 

ershcin noch purt din partic wort. 

sam von der sunnen tut ir shin. 

auh sam von dem brunnen shuzet 

duzet***) 

*) nach sin ist ausradiert leit, 

**) Die Verse sind nicht abgesetzt, sondern nur durch einen Punkt von ein- 
ander getrennt. 

***) Der Rest des Blattes abgeschnitten; zu lesen ist nur noch uier de von 
der folgenden Zeile, woraus sich ergibt, daß dieser Text rivier = Hs. £ bei Ett- 
niüller las. 



MITTELALTERLICHER SATTEL MIT INSCHRIFT. 49 

MITTELALTERLICHER SATTEL MIT INSCHRIFT. 



In der Ausstellung von Werken älterer Meister^ die im Sommer 
1876 in München stattgefunden hat-, befand sich unter anderem ein 
'Elfenbeinsattel aus dem vierzehnten Jahrhundert mit bildlichen Darstel- 
lungen von Liebespaaren und Inschriften'. So ist er in dem gedruckten 
Kataloge von Dr. Kuhn S. 186 unter Nr. 1354 aufgeführt. Er ist im Be- 
sitze des Grafen von Enzenberg auf Schloß Tratzberg in Tirol. Die In- 
schriften habe ich mir abgeschrieben , sie befinden sich auf Spruchbän- 
dern, drei auf jeder Seite, wovon das mittlere in horizontaler^ die beiden 
zur Seite in vertikaler Richtung laufen. Auf der einen Seite steht: 
links, vertikal laufend wol mich wart 
Mitte, horizontal ich Jiof der Üben somerzeit 

rechts^ vertikal lach Ivb lach 

Auf der andern Seite 

links, vertikal wol mich nv wart 

Mitte, horizontal in dem ars is vinster 

rechts, vertikal frei dich mit gantzem willen. 

Ein ähnlicher Sattel aus dem Besitze des herzoglichen Museums 
in Braunschweig findet sich unter Nr. 1421, S. 192 des Kataloges: 
Elfenbeinsattel des Herzogs Magnus II Torquatus (f 1373J mit figür- 
lichen und anderen Verzierungen, Resten farbiger Bemalung, dem Mo- 
nogramme des Herzogs [mehrmals wiederholt] und der Schrift: Trev 
yst aeltz [wohl Abkürzung von selten] in der Weld\ 

Ein dritter Elfenbeinsattel, aber ohne Inschrift, aus ungefähr der- 
selben Zeit findet sich Nr. 1422. Er gehört dem Prinzen Karl von 
Preußen. 'Das Ornament bildet Rankenwerk mit Rosen . 

K. BARTSCH. 

DREI MEISTERLTEDER. 



Die nachfolgenden drei Lieder wurden mir von Herrn Bibliotheks« 
custos Obrist in Innsbruck niitgetheilt. Sie stammen aus einer Hand- 
schrift des Archivs in Sterzing. Das erste, in Regenbogens goldnem 
Ton, steht auch in der Kolmarcr Handschrift*) und ist danach in 

*) Was die Schicksale dieser Handschrift vor ihrer Wiederaofifindong betrifft, 
so mache ich auf Mone, Hymnen 2, 830 aufmerksam. Dort ist ein lateinisches Ge- 
OEAMAMU. Neue Reihe. XI. (XXm. Jahrg.) 4 



50 



K. BARTSCH 



meinen Meisterliedem Nr. 92 gedruckt. Da der Sterzinger Text sehr 
abweicht, gebe ich lieber einen Abdruck als die Varianten. Die dritte 
Strophe fehlt. Die beiden andern Lieder, in Mamers goldnem Tone 
(Meisterlieder S. 161, bei Strauch Nr. I) verfaßt, begegnen meines 
Wissens in anderen Handschriften nicht. Die vorletzte Zeile jeder 
Strophe ist hier um zwei Hebungen kürzer, ausserdem sind innere 
Keime eingefügt. Unter dem rothen Kaiser, der bei seinem Barte 
schwur, ist entweder Otto I oder II zu verstehen. 

K. BARTSCH. 



I. Ein dem gülden 



(1) Got grues euch ziclitigckleichen all 
die singer und die mercker guett 
gesanges hört das soll wier uit ver- 
gessen 
Jer singet hie mit reichen schall 
vud seid mit kunsten gar wolpehuet 
zall vnde mas solt ir gar eben messen 
Es wart ein kräntzelein gemacht 
wolt got das ich den selben krantz 

solt tragen 
das kräntzelein ist gar woU pesacht 
mit gold so rott ist es schon peschlagen 
vnd ist mit rosen woll pehaet 
das merckh ein ieder singer guet 
wer es gewinnet man wirt es von im 

sagen. 



(2) 



regnpogen. 

Gesanges hört fuert hochen preis 
wer mich das vnderrichten kan 
dem will ich han für ainen maister 

guete 
Das merckht ier werden singer weis 
kund ier den rechten grund verstan 
so muest ier sein mit musica pehuete 
Musica fürt der ere ein krön 
gesanges hört leit pei ier yerschloßen 
si loben auch die maister schan 
von ir so ist schan melodei ent- 

sproßen 
si pringt gesang mit vntersehaid 
als vns die war geschriffte sait 
der siben kunsten haben wier wol 

genoßen. 



II. Ein dem gülden 

(1) Ichrait kurtzweilen durch ainen wald 
ich fand ein freilein wolgestalt 
ich sprach du seiden reicher funt 

was tuest alhie alaine 
Ich grueß die edl frau so rain 
tuestu intreuen warten mein 
so tliue mir deiner freuntschatft kunt 
in treuen ich das maine 
Got grues dich lieb got grues dich 

zart 



mar n er thon. 

got grues dich ausserweltes weib 

vnd las mich nit verderben 
got grues dich frau von hoher art 
vnd wirt mir nit dein stoltzer leib 

vor laid so mues ich sterben 
o frau dein lieb die macht mich 

kranckh 
zu dier stet aller mein gedanckh 
das ich dein nie vergessen kund 
kain äugen plickh so klaine 



(liclit des Mönchs von Salzburg *an8 einer Hs. des 15. Jahrb. die Herr Domdeohant 
Greith in St. Gallen besitzt* mitgetheilt, und weiter bemerkt, der Mönch habe es dem 
Peter von Sax zugeschickt, der ihm ein deutsches Marieulied in demselben Versmaß 
gesandt hatte. Diese Notiz findet sich aber nur in der Kolniarer Hs. (s. meine Mei- 
sterlieder 8. G f.); es geht also daraus hervor, daß Herr Greith zeitweise Besitxer der 
Kolmarer Hs. war. 



DREI MEISTERLIEDER. 



51 



(2) edels weib und pliender ast 
ich lob (dich) für der sunen glast 
ich lob dich für den Hechten morgen 
▼nd auch für alle stem 
Got grues das zarte freyelein 
du leichst für alles edel gestain, 
du hulffst yns allen sorgen 

darumb soll man dich eeren 
Ich lob dich für der vogl gsang 
vnd auch für alle saiten spil 

für harpfen vnd für geigen 
weib aller freiden ein anefang 
du machst vns aller freiden vil 

gegen dier sol man sich naigen 
daran gedenckht icr werden man 
rad eert die zarten frauen schon 
ich reds g&nzlich vnuerporgen 

man mag ier nit emperen. 

Das 



(3) weib du pliens mandel reis 
ich lob dich für das paradeis 
kain heiling nie so heilig wart 

er sei von frauen kumen 
Mit recht tregst du ein güldene krön 
du hast yileicht den höchsten tron 
von ainer maid got porn wart 

das hab wier all vemumen 
All heiling vnd zwelffpotn guet 
all marterer vnd all peichtiger 

von frauen seind geporen 
des freit sich mein sin vnd muet 
ich wil sie allzeit loben her 

die frauen auserkoren 
daran gedenckht ier werden weib 
wier kumen all von eurm leib 
habt all eur eer in huet 

es pringt euch ewigen frumeu 

ist aus. 



III. £im gülden 

(1) Zu rom ein kaiser was pekant 
der rott kaiser war er genannt 
der schwuer albeg pey seinem part 

das hielt er als peim aide 
Ein pabst lebt pei im in der zeit 
der trueg dem kaiser has vnd neit 
darumb macht er ein hcrefart 

vnd schickht in an die haiden 
Der kaiser im gehorsam was 
vnd samet gar ein grosses her 

zuch an die haidenschefilte 
der pabst schrib den haiden (das) 
sj sollen sich stellen zu wer 

der kaiser kam mit krefften 
vnd wellan sj fiid von in han 
sy sollen in nit leben lan 
wolten si änderst sein pewart 

mit frid vnd mir paide 

(2) Der haiden sterckhet sich mit krafffc 
da mit er da wart sygenthafft 
den kaiser fieng er vnd sein her 

wart im gar uill erschlagen 
Der haiden zu dem kaiser sprach 
zu rom hiestu gueten gemach 
soldestu hir sterben sunder war 

das tue wir dir ietz sagen 
Dein pabst vnns selb verschriben hat 



marner thon. 

wir sollen dich nit leben lan 

du weist vns gar vorderben 
er schrib vns selb disen rat 
well wier hin für frit von im han 
so soll wier dich tuen toden (1. sterben) 
wildu vns deinen pabst thuen geben 
so well wir dich noch laßen leben 
pei deinem part thue uns da schwern 
so las wir dich pei tagen 
(3) Die prieff zaigtens dem kaiser do 
de kaiser sprach ist im also 
ich schwere auch das pey meinem part 
das ich euch das will haiden 
Ich schickh euch den vntreuu man 
als pald sich das üegen gkan 
an mir hat er nit woll pewart 

sein treu die mus got walden 
Der kaiser stelt wider genn rom 
mit seinem her was sein noch lebt 
so gar in großen zom 
als pald nun der pabst das vemam 
wie pald er gen Venedig strebt 

dauon er was geporn 
der pabst sicher peleiben wolt 
der kaiser pot aus reichen solt 
das er het ein groß here fart 

von iungen vnd von alden 

4* 



52 



H. FISCHER 



(4) Mit zwelff mall hundert tausent 

man 
schifft er gen Venedig hin an 
vnd vmblegt die gantze stat 
mit pixen vnd mit kechen (durch- 
strichen) knechten 
Das niemant mocht kamen daruon 
vnd auch kain speis mocht in zuegan 
von hunger lidens große not 

des warn sy erschrockhn 



Der kaiser yor der State lag 
zwai monat vnd ain gantzes iar 

er wolt nit abelaßen 
der ratt io der stat weishait pflag 
vnd würben an den kayser klar 

ob ein frid wurd gestoßen 

der kaiser sparach ynd weit ir leben 

so tiet vns den pabst heraus geben 

diet ir das nit euch mueß der todt 

als in sein hafen kochen 



(Schluß fehlt). 



KLEINE MITTHEILUNGEN 



VON 



HERMANN FISCHER. 



I. Friedhof — Freudhof. 

In einem Schriftchen des Titels: „Kurtzbündige Erörterung der 
Frage ob einem Cathol. Exercitio in einem Ev. Territorio — die Be- 
erdigung ihrer Cörper auf denen dazu gewidmeten Gottes- Acker v)er- 
wehret werden könne. Anno 1703" findet sich (Seite 7) die Form „auf 
Evangelischen Freudhöffen^. Ist diese etwas ans Sentimentale 
streifende Etymologie sonst irgendwo nachweisbar? Die Wörterbücher 
bieten nichts. Über die Herkunft des betr. Schriftchens habe ich^ da 
das mir vorliegende Exemplar keinen Schluß hat, nicht feststellen 
können; jedenfalls muss es oberdeutsch sein, da die gebrauchte Form 
auf freithofy nicht auf ein niederdeutsches frtdhof zurückweist 

IL Fragment eines mnd. Arzneibuches. 

Von einem Bücherdeckel habe ich unlängst ein mankes Quart- 
oder Großoctav-Blatt abgelöst. Dasselbe hat schon Jemand versucht 
abzulösen y dabei aber ein Stück weggerissen^ weches nunmehr fehlt 
Doch ist auf der Seite, welche aufgeklebt war, mehr zu lesen, weil 
hier die Schrift grossentheils am Deckel des Buches hangen geblieben 
ist. Das Blatt ist Pergament und enthält in Schrift des 14. oder aus- 
gehenden 13. Jahrhunderts einige Recepte in niederdeutscher Sprache, 
die ich hier mit Auflösung der Abbreviaturen mittheile. Es ist mir 
trotz genauen Suchens nicht gelungen, die Zugehörigkeit des Frag- 
ments zu einem früher bekannten Stücke zu ermitteln. 



KLEINK MITTHEILUNGEN. 53 

[I] Sweme de bladere in deme antlate ap lopet nnde werden de 
roven de sede salvien beverizzen. hintberen unde drinc de. gifte it en 
wives name is. de salve de roven mit der Witten salven. unde wasche 
se af. des morgenes mit coltgoten. dat de asche si van haverstro ge- 
brant. dit mögen och de man don ofte se bedorven. 

[II] Gifte di dat lif beneden bestoppet si. So nim scir solt. also 
grot also en bone stec et neden an dinem sete. so du vernest mocht 
ga denne unde rore die. so dunket di wo du die to hant losen scolest. 
so untholt die. so du lengest mocht. Leges du an euer suke so do 
it doch. 

[III] Dit is aver en ander. Nim musehor tostot it alle clene. 
Nim honich hold it over dat vur. dat it warm werde unde scumit. So 
scado dat musehor darin. lat it seden to samne. dat it dicke werde, 
so set et af. Also it beginnen colden. so nim des also grot also en 
nut. walc et under dinen vingeren dat it en luttich langlachtich werde, 
make des also vele also du mocht. wanne du des bedorves so stec 
neden an din sete. dat loset di dat lif. 

[IVJ [D]\t i L de dar solt in.l 

so nim des geren . a so losed 

[V] Is di dat lif hart so nim p iiolen. snid dar clene 

spec alle vct . imde et dat nuch [tern] .... 

y% 

[Diese Seite war an den Deckel geklebt.] 

[VI] is so loset et din lif. 

[VII] [Ä«7]em dat buc ovel werde, de neme weten mele unde 
eyes doderen. so knede dat to samne. make dar af coken. unde et 
de. wanne du de etest. so drinc dar to cegen melc. de mit glogindigen 
stale gewellet si. 

[Vm] [D]it is en ander. Nim wegebreden sat unde rirapen sat. 
wrif et an ener peper molen. werp et to den eyeren. unde backe enen 
eyer vladen. unde et gegen dat buc ovel. 

[IX] [/S]we dat buc ovel hevet. de ne scal vor etene vette spise 
cten wanne to lesten et der vetten spise de bestoppet dat lif. bistu 
also cranc dat du nicht mögest, so et bradene holtappele, mocht du 
der nicht eten. so scal men de holtappele seden. stot se unde do se 
an twe budele de io also grot sin. dat er en dat lif beneden deme 
navele bedeke. lege enen up dat lif. so du it warmeste dogen macht, 
also it beginnet colden so nim den budel af. unde lege weder in dat 



H. FISCHER 

sot wanne Hc onc colt is. so lep^c den anderen weder het up. do also 
vaHtc. dar van so iintsteit di dat lif. 

|X| \A\\ dus scalt du blut sucht Nim ekcn lof 

de de doppc d^.^^^^^ ckelcn ino wa^,«. wo^iAD eoe 

kru 10 dat v^^^lene. |;;et dar up w^^^. w^^^ tet soro 

p;el ^an one du it wol dat watcr ouer 

macht scalt du ade . sitte des 



Der erste Buchstabe j(*deR AbschnittB steht weit von den andern 
ab, am Uaude des Blattes; tarbip^e Initialen^ welche wohl in die LQcke 
(die 1. und 2. Zolle sind jedesmal eingerückt) gemalt worden »oUten, 
fehlen. So kommt es, dal5 der erste Huclmtabe in Abschnitt 4. 7. X. 9 
entweder überhaupt gefehlt hat oder unlesbar geworden, in 10 nicht 
m<*hr sicher zu bestimmen ist Die erste Zeile jedes Abschuittos ist 
nur schwach halb so lang als die Übrigen. 

I. werden de iot<ni| hs. %c\len de rotte. Ich habe n und v stets 
nach ihrem Lautwertlie eingesetzt (ausser in Abschnitt 10, s. a.). rtm^ 
kann nichts anderes sein als roven , pl. von ruf = Kruste über einer 
Wunde; s. Schiller-Lubbeu, mnd. WB. 111, 515 f. (Ich sehe bei dieser 
<felegonheit y daü das entsprechende schwilbit>che Wort „diV rü/e^ 
^cf. Schmeller, bayer. WB.' II, G7 f.), obwohl ganz allgemein im 
(lobrauch, bei Schmidt, Schwab. WB. fehlt) Nicht klar ist aber die 
Construction : „und werden die (hUuhTvn) Kufrn" oder „und wenleu 
(entstehen) die (dabei gewöhnlich entstehenden) Rufen"? — ftrverizzen] 
hs. fwuerizzen] s. Kegel, (rothner Arzneibuch s. v. ; auffallen mag die 
hd. Form, da scuist ausser etwa bliit (Abschnitt 11) nichts hd. erscheint 
— 1*1 vor is stand «, int aber durch untrrgesetzte Punkte getilgt. — 
rttfi*ftfi4ni\ eine andere, iiiinlirhr Verwendung dieses Mittels s. Schiller- 
Ltlbl>en II, 520f. in. v. hAUf»tr). 

II. Mtr^ it\ hs. sfrfkft; s. u. dhittn srU\ hs. dinc »eie. Was ist 
jW/*? Kin anderer Sinn ist nicht mö;;lich nU dieser: stecke das Sals 
in deinen After, so weit du kannst; und nrir kann kaum etwas anderes 
sein als .«Gesüss'^. Masr. kann es nicht sein, da weiter unten nn dtm 
$ete steht: also n utr. m*^^ = hd. ü/it^. liimpl. für gestrxe (das Bn*mcr 
W. B. IV. 776, hat wenigstens ein u^st^e). Ks muß also rfinr =r dinem, 
nieht ?= dinm S4*in. I><t Pativ aber ist leicht zu erklären: soweit du 
mn (in) deinem sr/r kannst. - rvr^ die] kann kaum etwas anderes be- 
deuten als mhd. rUere dich, rühre dich, mache dir Bewegung, obwohl 
SefaiUer- Lttbben HI, 507 unter r^n-^n 3 k«*inen refl. Uebraoch ang*»ben. 
-» Dmmhei di kc, «dünkt dir, wie**, d. h. wohl «scheint dir, als ob*", 



KLEINE MITTHEILUNGEN. 55 

ist auffallend. — losen] von der Lösung einer Verstopfung, fehlt bei 
Schiller-Lübben. 

III. musehor] Mäusekoth gegen Verstopfung verwendet, s. auch 
Schiller-Lübben III, 140 s. v. musekotel, — sciimit] vgl. Schiller-Lübben 
II, 295 s. V. honnich, — scade] =? verschrieben ffXr scabef Doch s. u. 

— set et] hs. settet ; ich habe die zusammengeschriebene 2. sing, imper. 
mit dem Pron. et stets getrennt, mit den nöthigen Änderungen der Ortho- 
graphie. — heginnen] hs. heginen ; verschrieben für beginnet (s. Abschn. 9). 

— vor nim stand n/, durch Punkte getilgt. — nut] die Form mit u statt o 
fehlt merkwtlrdigerweise bei Schiller-Lübben. — wcdc et] hs. walket — 
langlachtich] fehlt bei Schiller-Lübben. — stec] das Object fehlt, wie unten 
Abschn. 8 : unde et gegen dat buc ovel] beide Male ist (bei der Ähnlichkeit 
von t und c) die graphische Erklärung, daß ein et ausgefallen, wohl 
möglich, doch nicht noth wendig; vgl. Abschnitt 9 lege weder. 

IV. Jedenfalls wieder ein Mittel gegen Verstopfung, wie aus dem 
Anfang Dit f . . . . (= Da is (aver) en ander^ s. Abschn. 3 und 8) und 
den Worten so losed (= so losedet din lif, Abschn. 6) hervorgeht. Aber 
was filr ein Mittel? Die Buchstaben ^eren, wohl ein Rest von vingeren, 
wie Abschnitt 3^ könnten auf ein dem daselbst angegebenen in der An- 
wendung gleiches Mittel schliessen lassen; daraufweist auch das Wort 
soU (cf. Abschnitt 2) hin; die Worte vor soü könnten^ nach den er- 
haltenen Spuren, gelautet haben: (so) scade dar; und nach soU in 
könnte wieder gestanden haben : lat it seden to samne dat it dicke werde, 
was die Lücke gerade ausfüllen würde. Die Lücke zwischen L • . . 
imd den Worten so scade dar würde etwa 23 Buchstaben betragen, die 
folgenden Lücken dieses Abschnittes je etwa 33. Nach [D]it i. , , fehlt 
wohl nur — s (aver) en ander] da diese Zeile (s. oben) kürzer gewesen 
sein wird. 

V. Ich beginne hier einen neuen Abschnitt, weil der erste Buch- 
stabe / vorgesetzt ist; dagegen ist die erste und zweite Zeile nicht 
eingerückt; die erste Zeile wird also — und auch deswegen, weil ent- 
schieden ein oder ein paar Worte fehlen — ebenso lang gewesen sein 
als die andern. Es sind in dieser und den folgenden zwei Zeilen, den 
letzten der Seite, je etwa 12 Buchstaben abgerissen. — P-*J ^^^ 
halb abgerissene Buchstabe nach p scheint ein e gewesen zu sein. — 
fioUn] cf. Regel, Qoth. Arzneibuch s. v. vyole : ffiole is kolt ende vuchtich ; 
se vordriß den bösen colre van deme maghen ; — etpien syrop van fiolen 
ged/ininken vuchtiget dat lyff. — vet] hs. uet. 

VI. Wie viele Zeilen auf der Vorderseite abgerissen oder abge- 
schnitten sind, ist nicht zu ermitteln; daß ausser dem Rest der letzten 



56 II. FISCHKK 

Zeile nichts fehle^ ist kaum möglich; viol fehlt aber nicht. — lamt M] 
h». Icaedet; v^l. oben, Abschnitt 4. 

VII. iSweni dat hnc ovel werde] auffallend; sollte buc neutrum sein? 
Andererseits wäre der Ausdruck streme dat hnkovel trerde z= nee dai 
huhovel hevet (Abschnitt \)) sonderbar; jedenfalls ist buc ovel an den 
zwei nndem Stellen, Abschnitt 8 und 9, zusammenzunehmen = bukottl, 
Ruhr. — getcelbft] über ge ein Vcrweisungszoichen ; bei demselben am 
Rande vor; vencell4in = sieden (trans.) s. Brem. WB. V, 225; Diefeii- 
bach, Uloss. 1S57) S. 150 s. v. ccquere; Schniid, Schwab. WB. 515 i. 
V. ver%rnHen\ Schmeller, Bayer. WB. II, H84 s. v. toaUen\ daa simples 
^ctfUm als trans. s. Brom. WB. a. a. O. ; Schmeller a. a. ().; als intr. 
Schmeller a. a. O.; Diri'enbach a. a. O. Auffallen muÜ aber die Ver- 
wendung von glühendem Stahl zu diesem Zwecke. 

VIII. ri*ra/>^| = V neben rnpt, rübc (Mhd. WB. 11,555, Lcxer 
II, .'(29, Diefenbach, Gloss. 375 s. v. naffn, 484 s. v. ra/>n; vgl. rap- 
Mat, Br. WB. III, 437) finde ich ein nd. rt/x; bei Diefenbach, Qlosa. 
375, H. V. napti. irrif et\ hs. trrineJ, — el\ ohne Object, s. o. 

IX. Swv — bi'sto^fjH't dnt lif\ di<» Stolle ist nicht ganz klar. Zwt- 
Hchen fpitu' und Wr/« sind vier ßuchstahon durchstrichon und nicht mehr 
sicher zu crki*nn<n (walirschoinlich eleu, aus einem andern Worte corri- 
giert). Aus «irm handArhrittliehen dfne. tioretent, nette habe ich de fie, 
vor ftfut'^ vrttf horgestollt. Dor einzige möglich«* Sinn scheint mir: 
^Wor dio Ruhr hat, d<T soll nicht vor dem Kssen frtto Speisr essen, 
Miiiilt-rn zulotxt iss (v«ni d«T) W Sp.** u. s. w. Dorselbe Wechsel der 
3. iiiid 2. ps. im AI>M*hiiitt 7. — hnltitpiMl»] Srhiller-Lubben II, 21K) ». 
V. hnhikftffjte! [hnflnpp»'f frhit I gilit fast «hiNSi Ibo Kecept, gogen das Blut- 
harn«*ii. - - »tttt h*\ kann Ixi •:i*h<>tt«'n«ii Apft'ln nicht.*« andcn*s bedeuten 
als: /.erdrücke hie. — »um] hs. m» \ der Strich iht nicht ganz sicher. 
— Irije v'rd*r\ Ohject fehlt: vgl nbrn. iiHtBtfit\ „bh*ibt stehen**; filr 
daü Auniönii einer Blutung verwciiijrt, aU«» ganz kludich wie hier, s. 
Schiller Lfkbb(!n I. ••t«5 h. v. »ututAn 2. 

X. So Itkckeiih.'ift . dal-' jfdrr IIer^tellunghversuch scheitern muÜ. 
Ich hab«' daher die Ilr». hier buchstäblich wieder;;cgeben. Sicher ist 
nur. daü ein Mitte] gegen die Bluthucht ange;;rben ibt, und tlnil dasu 
Kichenlaub und Kich«'ln vernendi-t werden »ollen. Auffüllen nuiü (s. o.) 
die hd. Fonn Uuf, Pas .1 den «-rnti-n Wortes iKt (h. o.) nicht ganz sicher. 

Am Kücken dc>»elben Band«*», von dem ich das mitgetheiltc 
Fragment abgelütit hal»f , Mnd n«ieh andere StUcke dcKscIben Arznei- 
buches ven\«iidet, sänimtlich mi klein, daü nur unzuNaromüiihln^«*nde 
Buchstaben und kleine Wort'.'r zu lei^eii waren; ich habe aurAblonuni; 
derselben verzichtet. 



KLEINE MITTHEILUNGEN. 57 

III. Ein historisches Lied des XVI. Jahrhunderts. 

In einem Druck des Jahres 1509: „Venediger Chronica, Mit an- 
gezoigtc vrsache des schädliche KryegSy do mit sye bitzhar vö Romischer 
Key. Maiestat so schwarlich gestrafft seind^ ,*) einem ziemlich werth- 
losen Pamphlet gegen Venedigs findet sich ein kurzes Gedicht, das 
ich in Liliencrons hist. Volksl. nicht finde. Das Btlchlein selbst gibt 
sich als von „Nicolaus Mengin von Nanzey, Secretarien etc." aus dem 
Französischen übersetzt. Ich halte diese Angabe für richtig, wegen des 
Schlusses der Schrift^ welcher lautet: „Darumb zi beschlufßs dißes 
Büchlins — wil ich dißen Reymen der muter Gottes^ vnd frawen Mar- 
garethen von Flanderen zö eeren geschriben haben. Erstlich in Frantz6- 
sischer Sproch also. 

Pour mectre aifni [sie, 1. afiin] mainte discorde et guerre^ 

Vnc. M. on [1. ou] ciel, et vne sur la terre. 

Zö Teütsch: 
Zu hjnlegung vil kryegs vnd guerden, 
Ein. M. in hynieln, vnd eins vfi* erden"; 
sowie auch wegen des französischen Druckortes. Dennoch könnte das 
erwähnte Gedicht erst von dem deutschen Übersetzer hinzugefügt sein, 
was mir wahrscheinlicher erscheint; es fehlt mir aber die Möglichkeit, 
sicher zu entscheiden, da ich das französische Original nirgends er- 
wähnt finden kann. 

Das Gedicht ist hinter dem Text auf eine besondere Seite gedruckt; 
die vier letzten Zeilen, welche hier cursiv gedruckt sind, hat eine 
Hand des 16. Jhs. beigefügt, sie sind aber keinesfalls fUr echt zu 
halten. Ich gebe alles buchstäblich wieder. 

Ein frcüntliche wamung an die Venediger. 

Venedig, sych dich eben fiir 

Dein hochmut würt gestilt, glaub mir 
Dein geyt, vn üppig eytel eer 

Mag nit vertragen hüben meer, 
Auch ander dein vnredlich that, 

Wiewol die bitzhJlr gduldet hat 
Der gyetig Gott nun lange zyt, 

Danocht kein befürüg bey dir lyt 

*) o. O. u. J. Trägt das Buchdruckerzeichen von GauUier Lud zn Saint- Di^ 
(1491—1609, cf. Silvestre, Marques typographiques Part. I. 8. 99, Nr. 202 ; Brunet, Ma- 
nuel du libraire II, 316), nach gfltiger Auskunft des Herrn Hofraths Petsholdt, und 
scheint von der bei Panzer, Zusätze S. 15, erwähnten Ausgabe verschieden. 



58 K. BARTSCH 

Bapst; Keyser darzu achtest klein, 

In eygnem gwalt vertröft allein. 
Venedig, sych dich eben flir. 

Dan dir die straff ligt vor der thür. 
Durch Keyser Maximilian. 

Dein Chronick würt dz schribe an^ 
Vnd spreche mancher. Wer het das 

Vermeint: etvvan Venedig was 
Besitzen land, leüt, wassers flut, 

Nun ligt es nider vnbehut, 
Ein fischer hüttlin ellendklich. 

Venedig, des versych du dich. 

Venedig du hi^auched vil dilkh 
Am höchsten ist geioest dein glilkh 
Vnd h'auchest auch vnd seind dein freind 
Vnd sonst aller Christenn feinnd. 

Daß das echte Gedicht mit der zwanzigsten Zeile schliesst, ist 
ausser durch die offenbare Schlussformel „ Venedig^ des versych du dich^ 
auch durch die Anlage des Ganzen klar, welches, obwohl bloss in Reim- 
paaren^ deutlich eine strophische Gliederung zeigt: Str. 1 = Zeile 1—10, 
Str. 2 = Zeile 11 — 20; beide beginnen mit denselben Eingangsworten. 
Zeile 21 — 24 sind nur ein elender, halb sinnloser Versuch eines ganz 
unberufenen Reimers, der (Z. 23 f.) Venedigs Freundschaft mit der Ttlrkei 
erwähnen wollte, von der in dem Buche selbst öfters die Rede war. 



BRUCHSTÜCKE ZWEIER PSALMENUBER- 

SETZUNGEN. 



I. 

Von dein Eiubanddcckcl der Mainzer Ausgabe des Livius von 1518, welche 
sich auf der Bibliothek des Gymnasiums zu Brieg findet, löste Herr Dr. Gatt- 
mann vier Pergamentstreifen ab, und veröffentlichte deren Inhalt, so weit sie 
ihm lesbar waren, in dem Programm des Hirschberger Gjmnasiums von 1875. 
Sie enthalten Bruchstücke einer Psalmenübersetzung aus althochdeutscher Zeit. 
Die Schrift gehört dem 12. Jahrhundert an. Die Wichtigkeit des Fundes er- 
weckte in mir den Wunsch, die Fragmente selbst zu sehen; die Güte des 
Herrn Gymnasialdirectors Gnttmann iu Brieg, der sie mir zusandte, setst mich 
in Stand, einen vollständigeren und berichtigten Abdruck so geben, zugleich 



BRUCHSTÜCKE EINER PSALMENÜBERSETZUNG. 59 

mit Hinzufügung des vom Herausgeber weggelaßcnen lateinischen Textes. 
Da CS eine Interlinearversion ist, welche sich in der Wortstellung genau ans 
Lateinische anschließt, kann das Original nicht wohl entbehrt werden. 

Die zwei größeren Pergamentstreifen gehören zusammen und bilden das 
mittlere Stück eines Doppelblattes; wie viel an dem Blatte oben und unten 
fehlt läßt sich nicht bestimmen. Die erste Hälfte des Doppelblattes enthält 
auf der Vorderseite Psalm 39, 10 — 40, 1, auf der Rückseite 40, 10 — 14; die 
andere Hälfte auf der Vorderseite Psalm 49, 19 — 50, 4, auf der Rückseite 
50, 16 — 51, 1. Zwei Doppelblätter lagen zwischen den beiden Hälften dieses 
Doppel blattes. Von dem ersten in die Lücke fallenden Doppelblatte hat sich 
in dem einen kleinen Pergamentstreifen ein Theil der vorderen Hälfte erhalten, 
auf der Vorderseite Psalm 41, 7 — 14, auf der Itückseite Psalm 42, 6 — 11. 
Da dieses Blatt der Länge nach durchschnitten ist, und das erhaltene Stück 
dem Rande angehört, so bietet es nur wenig Text, und dies wenige ist durch 
Abreiben der Schrift und durch den Leim fast unleserlich geworden. Auch 
die Anwendung von Schwefelammonium fruchtete wenig. 

Das vierte Pergamenstückchen ist mir nicht zugegangen; es scheint daß 
dasselbe abhanden gekommen ist. 

Ich bezeichne die vordere Hälfte des Doppelblattes mit I, das kleinere 
Pergamentstück, das dem nächsten Doppelblatte angehört, mit II , die hintere 
Hälfte des Doppelblattes mit III. 

Bei I und II habe ich den abgeschnittenen Theil des Lateinischen er- 
gänzt, des Zusammenhanges wegen. K. BARTSCH. 

I' 

39, 10 tu feciBti. amoue ame plagas tuas. A toHitudine manns tue ego \ 

zegienc fun den rafsungan durech unrecht 

defeci increpationibus. propter iniquitateni a/iTipuisii hortiimm 

i. swine teti also spinna sela sina 

et iabes- \ cere fccisti sicut araneam aDimam civs. uei'unüamea 

ciniegclich mennisco erhöre gepet min hero 

itaneconturbatur | omDis homo. Exaudi oratioDem mcam domine 

enfahe cehera mina nieh ne suwges 
et depi'ecationeni meiim auribus | pcrcipe lacrimas meas. Ne siieas 

e 

wanta zu cnilenti aIo(!) alla forderen 

c 

quo (iduetia eyo snm npud te et \ pcregrinus. sicut oranes patres 

mine u edannaich hinefare unta nietmero 

mei. licmüte mihi titrefrigerer \ priusquam abeam. et amplius 

nicht ncw 
non ero. | 

enpeitenter enpeita got unta erhorta 

Expeetans expeetaui dominum, et intendit mu et | exaudinit 

diga mina unta galeita m 
40, 1 precea meas et eduxit me 



60 



K. BARTSCH 



P 

40, 10 non prohibebo. domine tu scisti. lusticiä | tuam non abscon- 

en minemo warheit dina unta heila 
dl in corde meo ueritatem tuam et salutare | 4uum dixt 

rc genada dine unta warheit dina won 

non abscondi miäm tuam et ueritatem tuam | a concilio 

t hero nieht aerro tuost erbarmanga 
muüo Tu atUe domine ne elonge facias miseratio | nem tv/ira a 

din unta warheit din ientie enphiengen 
7716 miä toa et ueritas tua semper susceperunt | me quoniam 

h diaubil dero nieht nist zala 
circumdederunt me mala quorum non est numerus. | comprehende- 

miniv unta nieht ne mohta daz ich gesehi 
runt me iniquÜBiGQ mee et non potui ut uide | rem. MuÜiplicale 

ie fahse houbites mines unta herza min 
Stint super capillos capitis mei. et cor meum 

dir hero daz du erlosest mich 
domine ut eruas me. 



me. Complaceat tibi 

helphanne 
40, 14 iuu^andum. \ 

daz er gesehi 
(II') Ps. 41, 7 tur ut uide 

imo 

sibi Egredie 

h runatan 
me susurrabät 



dereliquü 

hero ze- 
domine ad 



begihe h 
(U^) Ps. 42, 6 confitebor il 

sela min 
anima mea 

iordanis et 



V . . bum 

fit 
ormit. non 

8 in demo 
mee. in quo spe 

biscran 
supplantati 

ta 

et retribu 



m uoce ca 



et iluctus 



miam suam 

gote libes m 
dco uitc m 



oblitvs es 



non 



ocentia sus 



aifligit m 
. . . brau . 



41, 14 Benedictus 



42,11 ...m 



BRUCHSTÜCKE EINER PSALMENOBERSETZUNO. 61 



49; 19 tur tibi cum benefeceris ei. Introibit usque in progeni- 

fordoron sinero unzen iemer niebt Degisihit daz lieht 

es pa j trum suorum usque in etemum non uidebit lumen. 

der mennisco do er in dero era wera Diebt neaerstuont gegaganmezzet 
Homo cum in ho | nore esset non intellexit. comparatus 

ist den fihon unwison unta geliker getan ist den 

est iumentis insipien | tibus et similis factus est Ulis. 

Psalmiis D^D t""*"^" ^'♦1^'*'' ^""^ ^*^'^^' '''^" 

deus deorum^) 

got allero gota chosota ist unta geladatadieerdandessun- 
Deus deorum dominus locutus est et uocauit terram. A 

nen fon ufferronsti unzen an den sedelganc fonexsyon dazpilidi zerida 
solis I ortu usque ad occasum ex syon species decoris 

sinero got offeno cbumet got anser unta niebt nesiwigit 
eivs. I Deus manifeste ueniet. deus noster et non silebit 

dazfiur in ant | wart sinero enperinnit unta alnmbe sin 
Ignis in con | spectu eins exardescet. et in circuitu eius 

ungewiteri | michila er geladata denbimil bin uf unta die erdan 
tempestas | ualida, Aduocabit celum desursum et terram 

geuntersceiden | 
50, 4 discernere 

UT 

50, 16 mentum meum per os tuum. Tu uero odisti disciplinam. et pro* 

zerucke oba dugesebi dendiep liephi mit imo unta mit 
iecisti | retrorsum. Si uidebas furem currebas cum eo. et cum 

denhuorerin teil din gelegitest mant din genuhsamata in dero ubile 
adulterisportionem tuamjponebas. Os tuum habundauit malicia. 

unta znnga din sanc die honcbust sizenter wider peruder dinen 
et lingua tua concinnabat dolos. | Sedens aduersus fratrem tuum 

chosotast unta wider densun mnoterdinero gcsaztastdiezarewerida 
loquebaris. et aduersus filium matris tue | ponebas scandalum. 

disiu teta unta ich suwicta du wantest unrechto daz ich weri din gelicbo 
hec fecisti et tacui. Existimasti inique quod | ero tui simiiis. 

ich refsa dich unta gesezzA wider antluzze din uerstet disiv 

arguam te et statuam contra faciem tuam. Intellegite | hec 

ir der uergezzet got suwanne pecrife unta niebt ne si der 

qui obliuiscimini deum. ne quando rapiat. et non sit qui 



*) Auribns bis deonun von jüngerer Hand 



62 H. SCHULTS 

uwicherlofli daz opfer deslobes geerta micbanta dadivfart daz 
eripiat. | Sacrificium laudis honorificauit me. et illic iter quod 

icherrougaimodieheila gotes genada mingot nach michilen 
ostendam illi salu | tare dei. Jltiserere mei deus secundum magnam 

dina unta 
51, 1 miäm*) tuam et 

II. 

Die folgenden Bruchstücke einer älteren deutschen Psalmenübersetzung 
fand ich auf verschiedenen Pergamentblättern , bez. Stücken von solchen, in 
den beiden Einbanddecken eines in der Schleizer Gymnasialbibliothek befind- 
lichen Druckes vom Jahre 1509 („Aelij Antonij Nebrissensis ars noua gram- 
matices etc. Lugdun. ''j. Erhalten sind im ganzen 1 vollständiges Blatt (unten 
von mir mit VI bezeichnet) und 4 Blätter (darunter eines aus zwei nicht ganz 
an einander passenden Hälften bestehend (l), von denen theils oben, theils 
unten, einige Zeilen, theils am Anfang bez. am Ende der Zeilen einige Wörter 
oder Silben (bez. Buchstaben) abgeschnitten sind (die Blätter I, III, V, VII). 
Außerdem finden sich noch 2 größere und 5 kleinere Stüeke und Stückchen, 
von denen einige freilich nur einzelne Wörter bieten. 

Das vollständig erhaltene Blatt (VI) hat auf jeder Seite 24 Zeilen; auf 
der einen, ebenfalls oben und unten unbeschnittenen, Hälfte des Blattes I stehen 
22 Zeilen. Volbtändige Regelmäßigkeit betreffs der Zeilenzahl bot demnach 
die Hdschr. nicht* Das Format war, wie das unverletzte Blatt zeigt, in 4® 
(etwa 20 Centim. hoch, 15 Centim. breit). 

Die Schrift ist durchweg klar und fast überall leicht zu lesen. Die 
Versanfänge sind durch rothe Initialen angedeutet; der Anfang eines neuen 
Psalmes ist stets durch das 'Psalmus dauid und die gleich diesem mit rother 
Tinte oder Farbe geschriebenen ersten Worte des latein. Textes der Vulgata 
bezeichnet. 

Hinsichtlich des Alters der Bruchstücke wird sich schwerlich etwas Sicheres 
bestimmen lassen. Deuten die zahlreichen alterthümlichen Formen neben den 
jüngeren auf eine Übergangsperiode oder auf eine durchweg in älterer Sprache 
abgefaßte Vorlage hin? 

8CHLEIZ, März 1877. HERMANN SCHULTS. 

(P **) ken. nach iren menichf . . n unrehte vertrib se. wende Ps. 5, v. 11 ff. 
se zümeten dich herro. . . ch sulen frowen alle de dir 
getruwet. se sulen irae..o sin v..de du salt buwen 
an in. Vnde de werdint .. eret an dir de dinen namen 

5 minnet. wende du sege . de rehten. Ilerro mit dinen 

gvotin willen also mit e. .me seiide has du gecronet uns. 

*) miäm (d. h. misericordiam) scheint entweder gefehlt zu haben oder idt vom 
Übersetzer übersehen. 

**) Zwischen den beiden Hälften dieses Blattei fehlt ein schmaler Streifen. 



d; 



BRUCHSTÜCKE EINER PdALMENDBERSETZATNG. 63 

De ne in furore. H . . rro in dineme P*8 dauid Ps. 6, v. 1 if. 
'heizen mute ne be. .se mich niht. noch in dine 
me zome ne sculdige . . ch niht. Genade mir her 

10 ro wende ich uncrefti . . in. heile mich herro wende 

al min gebeine getrob . . Vnde min sele harte is be 
trouet. un du herro w . . ange ? Bikere dich herro 
un irlose mine sele. heiL.nich dur dine genade. Wen 
de din negedenket in. . .no dode nieman. un in der 

15 helle wer bekennet 8...dir da? Ich suftede arbeit 

same. un ich wasche al . . nahtilich min bette, ufi 
mit minen threnen f. . t ich min leger. Von zor 
ne is min ouge getro. . .ich bin veraldit under 
allen minen vianden . . . aret uon mir alle de un 

20 reht wirken, wende . . . d hat gehört mines wei 

t gehört min gebet un 

t. Nu scamen sich un wer 

(P) din betrouet alle mine. nde. se mozen sich sca 
men unde bekeren sich.. harte snelliche. P's dd. 

ne d's ms in te spaui. Herro min god dir ge Ps. 7, 1 

'truwe ich. genere m . . uor allen den de mich 
5 ahten un irlose mich. D. .nieman ne begrife mi 

ne sele also ein lewe. de wi . . az nieman nist de mich 
irlose oder mich behalte . . . erro min god hau ich 
diz getan, oder ist segei . . irecht an minen lian 
din. Oder lonit ich mit. .uele den de mir uuel 

10 datin. so sal ich uon reht.. allen uor minen uian 

den. Vnde min viant ia .mine sele un nahe se. 
un trete minen Hb in de . . den. un leite min ere 
an ein gestuppe. Stant i . . herro in dineme zome. 
un hohe dich in deme la. .e miner viande. Vnde 

15 stant uf herro in deme g..de daz du gebude. unde 

div meninge der livteb..ifet dich. Vnde dur de 
80 ganc widir in de hohi . . d vrteilet de livte. Irtei 
le mich herro nach dine . . rehte. un nach miner 

r 

unscult uuer mich. Der..ndere archeit wirt ze 
20 füret, du god rihtes den r. .en du west daz herzo uü 

de lenden. Min helfe ist 

haldit de rehtis herzen si 7^ 1 1 



D 



64 H. SCHULTS 

(II') din ob gemacchet dur dine viande. daz du zestores Ps. 8, 3 
den viant un den rechere. Wende ich scowe dine 
himele daz werc diner vingere. den manin un daz 
gestirne daz du gescofes. Waz is der mennische daz 
5 du sin gedenkes. oder des mannes sun daz du sin wi 

sis. Du hast in geminnerot ein luzzil binidir den 
engelen mit gufticheii un mit eren has du in ge 
cronet. un saztis in ouer din hant geworhte. Alle 8^ 7 



(IP) daz 

ende, un ir bürge zestortes du. Da uerwart u.hugit Ps. 9, 7 
mit eime lute. un god belivet imer. Er machete si 
nen stül in demo gerihte. uö er vrteilete de werlt mit 
5 rehte. un de livte in der rehticheit Vnde god wart 

ein zofluht dem armen, un ein belfere in der vnbe 
quemicheit un in der mowicheit. Vnde nu s . . . en 
hofphen an dich de dinen namen bekanten. wende 
du neuerliezes nie de dich sohten herro. Singet 9, 12 

(III*) mich uon den porten des dodes. daz ich alle dine pre Ps. 9, 14 
digote cundige in den porten ze ierFm. Ich frowe 
mich in dineme heile, de diete sint gescediget in deme 
scaden den se oueten. in deme stricche daz se selue 
5 macheten. so ist ir seines voz geuangin. God wirt be 

kant so er sin vrteil dot. in sineme hantwerche wert 
der sundere geuangin. De sundere wirdent alle 
gekart in de helle, un alle de diete de godes uergez 

r (rotb) 

zent. Wende des armen newit ze ivngist niht uer 
10 gezzen. der armen gedult neuerwirdit niht an daz 

ende. Stant uf herro niht negesterke der mennes 
che. de diete wirden irteilet an diner gesihte. Sez 
ze herro einen rihtere Auer se. daz se wizzen daz se 
menneschen sint. Herro dur waz füre du so uerre. Ps. 10, !*) 
15 du uersmahetis unsich in der ungewarsame des ar 

beites. So der unmilte herschet so wirt enzundet 
der arme, se wirden geuangen in den raten de se ge 
denken. Wende der sundere wirt gelouet in der ge 10, 3 



*) Hier nicht als bcHoiulerer Psalm bezeichnet^ wie auch in der Valgata; daher 
die Abweichung von der Lutherschen Zählung. 



BRUCHSTÜCKE EINER PSALMENÜBER SETZUNG. 65 

(IIP) ten. Din vrteile werden! genomen uon sineme ant Ps. 10, 5 ff. 
iizze. allir siner viande ist er gewaldich. Wende er 
sprach in sineme herzen, ich newirde nimer noch ni 
mer bewegit ane vuel. Sin munt ist fol floche unde 
5 bittimisse un uncuste. undir siner zungin ist arbeit 

un ser. Er sizzet in der läge mit den riehen tovgene. 
daz er den unsculdigen irsla. Sin ougin warden des 
dürftigen, er läget uerholne also ein lewe ouer sine 
me hole. Er läget daz er den armen begrife. un er in 
10 begrife so er in zo^ime zuhit. In sineme stricke so ni 

derot er in. er neiget sich un uallet so er der armen 
wirt geweldich« Wende er sprach in sineme herzen, 
god hat vergezzen er hat sin antlizze uon gekart 
daz er iriz nimer gese. Stant uf herro god bur di 

15 ne hant uf. daz du niht neuergetes der armen. 

Dur waz reizet der unmilte gode. er quit in sineme 
herzen god ne uorderot niht. Sivs du daz du de ar 
beit un daz ser bedenkes. daz du se gives in dine hende. 10^ 14 

(IV') . . .eiligen hus. der herro in deme himele is sin Ps. 11^ 4 

. . . ovgen sehent an den armen, sin oucbra fra 
...livte kint. God fraget den rehten un den 
. . . n . der daz unreht minnet der hazzet sine 

5 ... e de sundigen regenot der stric. daz fivr un 

...el un der geist des ungewiteres der ist ein 
. . .rankes. Wende god der is reht. uö er min 
. . . heit. sin antlizze sehet de rehtheit. Ende von Ps. 1 1 . 



(IV**) seme gesiebte. De ubelen gent umbe. nach. . . . Ps. 12, 8 

scaf has du gemenicfaldigot de livte. P's d . . . 

Vsque quo dne. W\e lange herro uergizz. ... Ps. 13, 1 

wie lange keres du din antlizze uon mir .... 
3 ge sezze ich den rat an mine sele. un daz ser. . . . 

ze allin dach. Wie lange irheuet sich min.... 

mich, sich mich an un höre mich min herr 

god. Irluhte min ougen daz se nimer ents 13^ 4 



(V*) du bist der der min erue wider sezzest. De seil fillen Ps. 16, 5 
mir an den scinberigen dingen, idoch is min erue sein 
haft mir. Ich spricche wol mineme drehtine der 

«BRMANIA. Nene Ruhe. XL (XXm. Jahrg.) 5 



66 H. SCHÜLT8 

mir gab uernunft. uver daz biz an de naht berefsi 
5 tin mich mine lenden. Ich gesach an miner gesihte 

got imer. wende er ist ze miner zesuwin daz ich ne 
werde niht beweget. Durch daz was min herce fro 
ufi mendite min zunge. ubir daz rowet min fleisc 
in der hoffenunge. Wende du nelazes niht mine se 
10 le in der helle, noch du nelazes niht dinen helgen 

gesehen de zebrohenisse. Du tete mir cundich de 
wege des lives. du salt mich eruuUen mit der frowe 
de dines antlizzes. imer an diner zesuwin ist div reh 

Exaudi dne. Herro Fs david te lust. Ps. 17, 1 

gehöre min reht. un gedenke an min gebet, 
mit dinen oren höre min gebet, niht mit uncustigen 
leffesen. Von dineme antlizze cume min yrteil füre, 
din ougen sehent de rehtheit. Du has min herce be 
soht« un wisites sin des nahtes. du besohtes mich in 17^ 3 



(V**) ge an dinen phadin daz mine spor niht beweget ne Ps. 17, 5 
werden. Ich rief uö du god gehortis mich, neige din 
ore zo mir uö gehöre mine wort. Mache wunder 
lieh din erbarmicheit. du da beheldes de dir getruwent 

5 Behote mich uor den de diner zesuwin wider sten. also 

den sen des ougen. Vnder deme scaten diner fetige 
bescirme mich uon der bösen antlizze de mich beduun 
gen hauent. Mine viande umbe stonden mine seie 
ir march besluzzen se. ir munt sprach ouermot. Se 

10' würfen mich un umberingeten mich, ir ougen neige 

ten se nider in de erden, Se entfengen mich also der 
lewe der gereit is zo deme roufe. un also des lewen 
welph daz da wonit uerborgen. Stant uf herro für 
ganc in uü verdring in. irlose mine sele uon deme un 

15 guoten. un din suert uon den vianden diner hant. 

Herro uon unmenigen uon der erden teile se in ir live, 
uon dinen uerborgenen dingen ist ir vuUit ir buc. 
Se sint der kiude gesadit. uü se liezen ir alebe ireu 
luzzelin. Auer ich irschine diner gesivne mit der 
(VI*) rehtheit. ich wirde gesadit so uns irschinet din guot 

iligam te dße. ich min P^h dauid. iichheit Ps. 18, l 

'ne dich herro min sterke. unsir herro is min 



D, 



BRUCHSTÜCKE EINER PSALMEN ÜBERSETZUNG. 67 

uestine un min zofluLt un min belfere. Min god 
5 is min helfere. u£L ich getruwe ime. Er is min bescir 

mere un ein bom miner heile, un er sal mich entfan. 
Ich loue god un ich rof in ane. un wirde behalden uon 
minen vianden. Mich begriffen de sere des dodes. 
un de becke der ubilcheit de betruouiten mich. 

10 De helle ser umbefiengen mich, un de stricke des do 

des de uerdructin mich. In miner not rief ich 
ze unsirme herren. un rief ze mineme gode. 
Do gehorte er mine stimme uon sineme heiligen 
hus. un min rouf in siner gesihte ginc in sin 

15 oren. Div erde wart beweget un irbivete. un de 

fidlemunt der berge sint getrouet un beweget, wen 
de er ist in irbolgen. In sineme zome so steg uf der 
rouch. un daz fivr entbran uon sineme andizze. de 
kolin wurden enzundit uon ime. Er neigete de 

20 himeie un steig nider. div finstemisse was under 

sinen fuozen. Do steig er ubir cherubin un flouch. 
er flouch ubir de uederen der winde. Vnde er saz 
te d finstemisse ze siner losgunge. un al umbe in sin 
gezelt. dister was daz wazzer in den wölken der iufte. 

(VP) in siner gesihte vergingen de wölken, bei Ps. 18, 13 

de hagil unde glote des fivres. Da donriti god uon 
deme himeie un der oberste dete sine stimme, hagil 
un de glote des fivres. Do sante er sin gescuzze un ze 
5 forte se. er menichfaldigote de blicke un getrouete se. 

Do irbarwitin sich de brunen der wazzere. un wurdin 
iroffenot de fuUemunt des ringes der erden. Von di 
ner berefsunge herre. uon der anblasunge des gestes 
dines zomis. Er sante uon der hohe un nam mich. 

10 er nam mich uon menigen wazzeren. Er irloste 

mich uon minen starchen uianden un uon den de 
mich hazzetin. wende se waren harte gesterchet 
ubir mich. Se füre foren mich in deme dage miner 
not. un god wart min scirmethe. Vnde er leite 

15 mich in einen rum. un behelt mich wende er wolde 

mich. Vnde god sal mir lonin nach miner rehtheit. 
un nach der reinicheit miner hende so sal er mir lo 
nin. Wende ich bewarete godes wege. noch ine dete 
uvele uon mineme gode. Wende alli sin urteile de 

5* 



68 fl. SCHULTS 

20 sint uor miner gesihte. uü sin reht ne dreif ich uon 

mir niht. Vnde sal unbewollin sin mit imo. ufi ich 
sal mich bewaren uon mineme unrehte. Vnde god 
sal mir lonin nach miner rehtheit. uü na der reinich 
heit miner hende in der gesihte siner ougen. Mit 18^ 26 

(VII') M Serie dno. Godis kinder. bringet gode de kint Ps. 29, 1 
Ader wedere. Bringet gode guUiheit vn ere brin 
get godis namen guUiheit. ane bedet gode in sineme 
heiligen frithoue. Godis stimme ist ouer de wazzer. 
5 god der megincrefte der donrite. god ist ouer menige 

wazzer. Godis stimme siv ist in der duginde. godis stim 
me di ist in einer michilcheite. Godis stimme zebricchit 
de cederboume. uü god zebricchet de boume libani des 
berges. Vnde er geminnerot se also di caluer des bergis. 

10 un er ist lieb also des einhurnin sun. Godes stimme div 

scheidet di lohin des fivres. godes stimme di de wostine 
zescuddit. ufi god bewegit di wostine cades. Godis 
stimme di da gereiteget de hirze. ufi iroffenet di dicke, 
un in sineme hus sulin in alli livte louen. Vnsir herro 

15 heizit in buwin daz gewezzere. ufi sizzet ein herre 

imer. God gibit di duget sineme livte. god gesege 
not sineme livte in derae fride. P's david. 

xaltabo te dne. Ich heue dich herro wende Ps. 30, 1 

idu entfenge mih. noch du nefrowetis mine vi 

20 ande obir mih niht. Herro min god ich rief zo dir 
ufi du helitis mih. Herro du leitis mine sele uz von 
der helle, du beheldis mich uor den di da nider stigent 
u ^ 30, 4 

g ;••; 

(VIP) zorn. ufi in sinen willen ist lib. Zö dem auende w . ft Ps. 30, 6 

ufi an dem morgin frowede. Ich sprach do ich genoch 

hate. ich ne werde nimer bewegit. Ilerro mit diu. 

willen uerluhis du dugit miner scone. Du kartis din 

5 antlize uone mir. ufi ich wart betrouit. Herro ich 

ruofe zo dir. ufi zo mineme*) dinge ich. Welich nuz ist 

an minen blute, so ich falle nider in de (hier hat die Hs. das 

durchstrichene uerwutnisse!) 

uerwurdinisse? Wergot begehet dir de melm herr.. 

odir cundet er dine warheit. Do gehorte unsir her 

*) Hier ist wohl aus Versehen des Schreibers ausgefallen ^gode**. 



E. 



BRUCHSTÜCKE EINER PSALMENÜKERSETZUNO. 



69 



10 



t6 



15 



20 



ro god un genade, mir. un wart min belfere. Du be 
kartis minen woft mir ze froweden. du ze slizze mi 
nen sac un umbefenge mib mit frowedeu. Daz dir 
siDge min tiurdi un newerde niht geruwicbet m 

dir ^ 

ner sunde. berro min god icb begibe dich imer P'a dd 

In te dne spaui. In dir boffete icb berro nimer newer Ps. 31, 1 
de icb gescbendit. in diner rebtbeit irlose micb. Neige 
din ore zo mir — zowe din daz du — micb irlosist 
Wis mir ein bescirmendir god un ein bus der zoflubte 
daz du micb bebaldis. Wende du bist min sterke unde 
min zoflubt un dur dinen namen leites du mib un 
uolzubes mib. Du leites mib uz uon deme stricke de 
se mir uerborgin beten, wende du bist min bescirmere 

er 

te 31, 6? 



Die kleineren Brucbsttlcke. 



a) iriubtun 
/////////st ein 
e wile 
se min 
iurden siecb 
jerce ne 
jicb getru 
ordere 
|mines li 
////////se Bi 
seliden 
ougini 
n nu bat 
cb for 
des ruo 
'stimme 
'nicb. 
icb. din 
ze uone 
e scalke 
ocb ne 
Wobl aus Psalm 27, 1 ff. 



b) Herro sezz 
in den 
an m 

uffe m///// 
icb gese 

Ad te d 
ru 
icb nibt 
gruoue 
icb uf 

Negif //////// 
nibt m 
cbent 
cen. 
dünge 
de se ne 
baut w 
si gesege 
tis. Go 
getru 
auer m 
27, Scbluß, Anfang von Psalm 28. 



70 



P. ZIMMERMANN 



r. du planzitis ir wurzilin i 
r scate bedacte de berge, uli 
ne. Se deneten uz ir sumilati 
z gertin biz zo deme wazzere 



irenzun.uHse lesint alli de du 
z in walde der wostit se un e 
se. God der duginde bekere d 
ele un wise disis wingartin. V 



ir weg gent. 
in sunderlich. 
ich. sih uon de 
olmache di din 



Vorder- 
. Seite a) 



Ps. 80, 
V. 10 flF. 



Rückseite b) 



ante. Er karte sinen rucken 
hende dieneten ie deme corbe 
ih ane un ich irloste dich, ich g 
rborginen des ungewiteres. ie 



dich bi deme wa 

un ich besuere 

dir nehein god 

fremeden god 



zzere der wider rede. Höre m 
dichisr} gehoris du mich so ue 
nuwe noch du nebetis an ne 
Ich bin god din herre der dich 



Ps. 81, 
V. 7 flF. 



a) .ndes stimme. God b) st:on gode. der da., 

hat entfangen min God ist reht vrteile. . 

Diese Worte weiß ich nicht unterzubringen. 



zu BRUNS ALTPLATTDEUTSCIIEN GEDICHTEN. 



Seit Bruns 'Romantische und andere Gedichte in altplattdeutscher 
Sprache' (Berlin und Stettin 1798) erschienen, ist die Wolfenbüttler 
Hs., der sie entnommen wurden (Helm. 1203), nur für einige Stücke 
neu verglichen worden*). Eine Collation auch der übrigen Stücke ist 
bei der Fehlerhaftigkeit des Abdruckes daher wohl nicht überflüssig. 

Nicht erwähnt ist^ wo y statt ijj statt z, / oder u statt v, g statt gh, d 
am Ende der Wörter statt t und umgekehrt gedruckt ist. Wörter wie 
ansach, V(yi*war, vorraden, darnach y hirumme etc. sind in der Hs. stets 
getrennt an sa^ch vor war etc. geschrieben; ebenso auch ghe nanty ge 
nas, be kanty ja auch zuweilen Blank flosj do gentliken. 

Wie sorglos der Schreiber der Hs. seine Vorlage wiedergab, 
geht daraus hervor, daß er den Vers 1032 Bruns S. 267 vom Ende 

*) Vgl. über die Handschrift ausser Bruns Einleitong noch Hofimanii Ton Fal- 
lersleben 'Theophilos' S. 77, Karl Schröder *Sanet Brandan 8. 153. 



zu HRÜNS ALTPLATTDEUTSCHEN GEDICHTEN. 71 

des Bl. 130, b auf dem folgenden Blatte 131, a mit einigen Abweichungen 

wiederholte : 

dat alle de sorghe de ek han 

dat alle de sor^e de ik han. 

WOLFEN BÜTTEL. P. ZIMMERMANN. 

Der Baumgarten Bl. 37, b-41, b (Bruns S. 107 ff). 
yh, so meistens. 11. cne. 35. konnigklikcr. 38. dor leit. 
57. suluen. 69 erkenden. 70. gik dat. 108. denke. 122. vordenet. 
126. seueden. 132. koset. 146. gast dar. 155. bekent (beket). 159. orlef. 
163 bekant (bekät). 

Rathsversammlung der Thiere Bl. 44, b — 46, b (Bruns S. 131). 
S. 135, V. 4 di ere. V. 7 koninges. V. 8 loser lüde. S. 137, 
V. 13 van. S. 134, V. 6 neuen. S. 139, v. 9 Sperlink. 

Flos und BlankfiosBl. 108, a 142, b (Bruns S. 217 ff.). 

l.tiid. 2. dit. 3. konig, so fast immer. 4 here kraft. 13. were. 
14. Jegen. 17. eyn (ey) — kraf. 18. groter. 19. pelgerinne (pelgine) 
here seolden. 19. pelgerinne (pelgine), so V. 30. 22. wölk. 24. 8r. 
25. vrowen, so auch 34, 35, 39. 27. d6t. 30. eyne, so auch (resp. 
n^e) 107, 113, 115, 286, 581, 618, 642, 886, 896, 982, 1003, 1054, 
1077. 38. vrawen, so auch 46. 47. entffenk. 54. juncwrowen. 
55 samende. 61. jume. 63. D in Do fehlt, wie überhaupt die Ini- 
tialen in folgenden Versen 75, 105, 129, 143, 144, 165, 262, 344, 379, 389, 
397, 449, 462, 486, 487, 527, 536, 571, 583, 593, 607, 668, 680, 690, 
708, 754, 834, 862, 886, 902. 934, 935, 948, 949, 968, 1019, 1035, 1115, 
1127, 1187, 1199, 1238, 1244, 1340, 1341, 1368, 1396, 1397, 1416, 1465, 
1478. 70. jwe. 79. spark. 84. mynen. 92. doghe. 101. wunich- 
liken. 105. junghere. 107. neyne rechter. 112. ik. 113 eyne blomen. 
115. eyne witte blome, 154. ander. 160. willen. 163. Blakflos. 170. m8t. 
173. ander. 184. beide. 185. anderen vor de. 187. sere. 197. dÄt. 
198. nSt. 204 vrawen. 212. d6t. 213. duchten. 214. vrowen m8t. 
220.Neynman. 223. bodeschop. 225.jamer. 238.juncvrowen. 249.koning 
rike. 250. ort. 253.weren. 265.vorkoft. 294.Wltu. 302.Wltu— vorlan. 
303. wederstan. 305. swere. 307. wlt. 308. wlt. 332. suluen. 365. neppe. 
372. wur. 409. clen8d:d8t. 424.gemaket(so436) — eyn. 425. Neme. 
439. ghewert. 443. lef nu. 456. inniclikeu — vor de. 461. leuendech. 
483. scloch — ander. 494. gode. 504. Flosse. 509. dancke. 545. de. 
552. gülden. 555. Da. 566. werdyune. 572. houeslikem. 581. eyne nacht. 
588.duncket. 603. danckede. 625. mochte. 646.dat. 6ö5.vmme. 657. dan- 



72 P. ZIMMERMANN, ZU BRUNS ALTPLATTDEUTSCHEN GEDICHTEN. 

ckede. 658. denstaft 659.karft. 666.twor. 684. greuen. 692.dor8te. 
712. anderen. 721. ersten. 723. stey. 724. portenere. 726. sege dem. 
750. portenere. 752. de ersten. 755. krech. 757. borhgüyne. 
761. He sprak. 773. brodere — portenere. 789. He sprak. 
791. Eine jowelke. 792. goUdes. 793. dencket. 794. Also. 
799. jnnchliken. 806. dancken. 809. dancken. 814. queme (qme). 
618. möt : göt. 820. vromdem (vromde). 824. jw. 832 und 862. por- 
tenere. 879.Hudert. 889. denne. 894. eynem (eyne). 901. scher. 902. por- 
tenere. 924. sy. 926. uul sehen. 930. vnmere (vme). 931. danckede. 
940. cledere. 953. leit. 968. juncwrowen. 997. nerne. 1004. Dyner. 
1009. loüen. 1018. syner. 1025. Clarissen, so auch 1035, 1040. 
1039. troren moste sik. 1046. hertem. 1061. dingk, so auch 1067. 
1070. Seit. 1078. Wol. 1083. bot. 1085. danckede. 1111. munde. 
1129. kemerere. 1131. portenere. 1143. juncvrowe. 1155. vromdem. 
1160. portenere. 1162. one. 1164. portenere, so auch 1 165. 1167. vmme 
van. 1171. suuerlik. 1190 eyn ander up. 1193. ghingk. 1194. bede. 
1195. liehen. 1201. my. 1203. koningh. 1214. Wu. 1215. man 
kraft. 1218. kemen. 1223. koningk. 1254. do toch. 127. dar mede 
dat. 1262. lef dy. 1266. wil. 1267. drincken. 1270. sprak. 1271. wal. 
1274. döt. 1280. lif. 1291. döt. 1305. quemestu van. 1341. sloge. 
1344. dorste. 1352. vlechten. 1354. louet. 1360. vntfengk. 1361. jam- 
merliken. 1366.1eten. 1367. sciolde — afsclan. 1371. wi. 1377. noch. 
1378. afsclan. 1380. Ik. 1387. duncket. 1389. sco. 1413. Dar. 
1426. Here her. 1428. Hispanighen. 1429. wäre. 1430. vngheren. 
1448. leue here her. 1452. alzo. 1459. mSd. 1467. gy wor. 
1468. drincken. Nach 1472 : Edder scaden an crem gude. 1482. por^ 
teuere. 1490. drein broderen. 1494. scinden. 1496.krof. 1516. sine mfid. 
1532. ghescach. 1542. den. 1553. duncket. 1554. Blankfflosse. 1571 . cer- 
sten(csten). 1676. Dut. Am Schluß e mit rother Schrift: al af vor willen. 

Fabelhafte Geschichte Alexanders des Grossen Bl. 46, b 

(Bruns S. 331). 

S. 336, Zeile 8 GoUiam (Golliä). S. 337, Z. 3 Allexander, so 
durchgeheod mit 2 1 geschrieben. Z. 16 koninginne. S. 338, Z. 2 ge> 
Seen. Z. 23 husfruwen. Z. 27 do k. Nectanabus. S. 339, Z. 9 warp. 
S. 340, Z. 19 kanstu an. Z. 21 scaitu steruen. S. 341, Z. 8 al. Z. 9 der suluen. 
S. 342, Z. 4 putifal. Z. 20 alto sere. S. 343, Z. 3 phippus. Z. 6 cleo- 
petra, Z. 12 geuen enen. Z. 16 nu nemest Z. 21 d5t. S. 344, 
Z. 5 dorste. S. 345, Z. 7 wrek dy. Z. 9 wrok sek. Z. 11 dages sat 
Z. 19 huldegedem. S. 347, Z. 14 bal dar. S. 348 , Z. 1 also enen 



LITTERATUR: A. RA8ZMANN, DIE NIFLUNQASAQA etc. 73 

Z. 24 wil ot. Z. 27 nen kint. S. 349, Z. 4 komen. Z. 6 midde dre 
dage vn wan. Z. 16 hestu dit — sprak de koningk. S. 351, Z. 7 en- 
but dy. S. 352, Z. 1 hadde ore. Z. 16 vorlos. S. 353, Z. 1 'sine' 
auf neuer Seite (60, b) von der vorigen wiederholt. Z. 23 vor sinen 
(sine) munt. S. 354, Z. 3 bin ek myner. Z. 21 AUexandere. S. 355, 
Z. 21 putifal. S. 356, Z. 5 dage dath dat S. 357, Z. 7 dar vlogen. 
S. 358, Z. 14 AUexanders. Z. 23 AUexandere. Z. 28 alse icht. 
S. 359, Z. 2 sinen husfruweu. Z. 22 van grotem. S. 360, Z. 1 nomede. 
Z. 9 bekenstu (bekestu). S. 361, Z. 22 mi oder nu? Z. 26 dede vele. 
S. 362^ Z. 1 koninge. S. 363, Z. 6 und 7 maget geboren wert. 
Z. 9 vorlikenden. Z. 10 AUexandere. S. 364, Z. 17 de raunt. 
Z. 20 ot kam. Z. 27 wolden. S. 365, Z. 17 weddes. Z. 18 meister. 
S. 366, Z. 3 meister. Z. 4 dem stene. Z. 10 gingk. 



LITTERATUR. 



Die Niflangasaga und das Nibelungenlied. Ein Beitrag zur Geschichte der 
deutschen Heldensage von August Raszmann, Pfarrer zu Holzhausen a. 
d. W. bei Cassel. Heilbronn, Verlag von Gebr. Henninger; 1877 (IV, 
258 S. 8.). 

Bis vor Kurzem glaubte man bekanntlich fast allgemein der Angabe der 
Pidrekssaga (Ps.), daß niederdeutsche Sagen und Lieder, die eine von der 
norddeutschen abweichende Sagengestalt darstellten, ihr zu Grunde liegen. Da- 
gegen hat 1870 Döring (in Z. f . d. Phil. II) die von Zarncke (Litt. Cen- 
tralbl. 1859, S. 316) ausgesprochene Ansicht, daß in der Ps. die uns zum 
großen Theil erhaltenen mhdd. Epen benutzt seien, speciell für das Nibelungen- 
lied (NL.) ausgeführt, und sein anscheinend schlagender Beweis durch die oft 
wörtlichen Übereinstimmungen zwischen NL. und Ps. scheint Viele überzeugt 
zu haben; wenigstens ist eine eingehende Widerlegung bis vor Kurzem nicht 
versucht worden. Daß aber darum doch nicht Alle diese Ansicht theilten, zeigten 
gelegentliche Äusserungen von verschiedenen Seiten, und namentlich im Norden 
scheint sie wenig Anklang gefunden zu haben. So trat G. Storm^) gelegent- 
lich derselben entgegen, ebenso Grundtvig und Bugge im (noch unvollendeten) 
IV. Bande von Danmarks gamle folkeviser (DGF.), S. 580—600 (und 602— 
684). Letztere Abhandlungen kannte Raszmann noch nicht, als er eine längere 
Schrift, die sich ausdrücklich gegen Döring richtet, unter obigem Titel ver- 
öffentlichte. Was den Titel betrifft, so beruht die Benennung Niflungasaga 



*) Sagnkredsene om Karl den itore o^ Didrik af Bern (Cbria. 1874), 8. 104 ff. 
besonders 8. 129. 



74 LITTERATUR: A. RASZMANN, DIE NIFLUNGASAGA etc. 

zwar nicht auf handschriftlicher Überlieferung, und der engere Zusammenhang 
der einzelnen Stücke, die man unter diesem Namen zusammenzufassen pflegt, 
ist keineswegs über allen Zweifel erhaben; da aber, wie wir sehen werden, 
doch gewichtige Gründe für den gleichen Ursprung derselben sprechen, darf 
man den bequemen Gesammtnamen wohl beibehalten, ohne natürlich dabei an 
eine zusammenhängend überlieferte Saga zu denken. 

Ich meinerseits, der ich schon selbst daran gedacht, mit meinen Bedenken 
gegen Döring*s Ansicht in einer kleinen Schrift hervorzutreten^ bin erfreut, nun 
unvermuthet von anderer Seite in der Hauptsache dieselben Bedenken ausspre- 
chen zu hören, die auch ich wiederholt schon mündlich geäussert hatte; ich 
kann also von vornherein R/s Grundansicht nur billigen, wenn ich auch über 
Einzelheiten anderer Ansicht bin. Das auszufuhren ist der Zweck dieser Be- 
sprechung. Doch möge es mir gestattet sein, bei dieser Gelegenheit auch selb- 
ständig der erörterten Frage näher zu treten, auf die Grefahr hin, den üblichen 
Umfang einer Anzeige zu überschreiten: ist doch diese Frage von höchster 
Wichtigkeit für die Geschichte unserer Heldensage, denn es handelt sich um 
nichts Geringeres als um die Frage: haben wir in der rs. eine (vielleicht nicht 
sehr getreue) Wiedergabe einer uns sonst verlorenen, niederdeutschen, von der 
hochdeutschen abweichenden und theilweise älteren Gestalt unserer Heldensage 
erhalten? oder ist die rs. nichts weiter als eine entstellende Wiedergabe der 
uns z. Th. noch erhaltenen mhdd. Epen? so daß sie nur da selbständigen Werth 
hätte, wo die deutschen Originale verloren wären, von denen sie uns aber — 
nach Analogie der controlierbaren Partien — doch nur ein sehr entstelltes Bild 
geben könnte. 

Zu bedauern ist, daß Treu tler's Aufsatz (Germ. 20, 151 ff.) dem Verf. 
erst so spät zugänglich geworden ist, daß er ihn nicht mehr genügend berück- 
sichtigen konnte und sich daher gar zu leicht mit demselben abgefunden hat 
(S. 3 ff.). Treutler*s Untersuchung verdient jedenfalls in höherem Grade Beach- 
tung, und zum wenigsten ist das durch Treutier, im Anschluß an Storm*) als 
festgestellt zu betrachten, daß in unserer Hs. M (der alten norwegischen Mem- 
brane) zwei Theile zu unterscheiden sind: der erste vom Schreiber Nr. II mit 
Hilfe von Nr. I hergestellt, der zweite von Nr. IH mit Hilfe von Nr. IV und 
y. Nach Tr. soll nun der Redactor dieses zweiten Theils (Nr. IH) viel will- 
kürlicher geschaltet und namentlich viel hinzugefügt haben (p. 169 f.), wobei 
er nordische Prosaromane (p. 172) — und zwar mit Vorliebe Entfühnrngsge- 
schichten (p. 171) — benutzte. Der erste Theil (Redactor Nr. H) soll aber 
die Vorlage getreuer wiedergeben; das Verhältniß von M zur Vorlage X, wie 
Tr. es sich denkt, würde sich also etwa durch die Formeln MNr. I — II = X, 
MNr. in — V = X"' ausdrücken lassen. Auch wenn man diese Ansicht Tr.'s 
vom Verhältniß des zweiten Theils zur Vorlage nicht theilt — und sie ist, 
meine ich, keineswegs erwiesen — so wird man doch, falls man sie nicht 
widerlegen will oder kann, mit ihr als mit einer gar nicht unwahrscheinlicheil 
Möglichkeit rechnen müssen.**) Jedenfalls ist zu beachten, daß alle Theile 
der sog. Niflungasaga (NS.) der zweiten Redaction angehören, und zwar ist 
Sigurds Jugend (NS. l,a) auf der von III eingeschobenen Lage (s. n.)^ [8i* 



*) Dessen Schrift Raszmann auch erst zu spät kennen lernte. 
**) Meine Bedenken gegen diese Ansicht werde ich weiter unten vorbriflfeiL 



LITTERATUR: A. RASZMANN, DIE N1FLUNGA8AGA etc. 75 

gurds und] Gunnars VermähluDg (NS. l,b) in dem fortlaufenden '^Texte von III 
enthalten; der Zank der Königinnen und Sigurds Tod (NS. 1, c) aber ist von 
IV und ferner der zweite Haupttheil, = Attilas Werbung (NS. 2, a) und Grim- 
bilds Rache (NS. 2, b) von V geschrieben , doch schrieb IV die Schlußworte 
von Cap. 393 % Niflungalaiid und das Schlußcapitcl 394. Endlich ist Attilas 
Tod durch Aldrian (NS. 3) — soweit in M erhalten — von III geschrieben. 
Da nun, wie wir sehen werden, in einzelnen Sagenzügeu die verschiedenen Ab- 
schnitte von einander abweichen, so wäre zu erwägen gewesen, in wie weit 
dies auf Rechnung der verschiedenen Schreiber zu setzen sein könnte. 

Besondere Beachtung verdient die von III in die Abschrift von II hinein- 
geschobene Lage, auf der u. a. NS. 1, a enthalten ist. Tr. meint (p. 165 f.), 
weil in der Niederschrift des Schreibers II von Sigurd die Rede war, habe III 
dessen Jugendgeschichte vorher einschieben wollen, dann aber in Cap. 172 — 
184 eine Beschreibung der einzelnen Helden gegeben, derselben Cap. 169 und 
die von ihm bei 11 durchstri ebenen Capp. 170 und 171 vorausgeschickt, und, 
um seine Lage zu füllen, in Cap. 185 und 186 Sigurd und Sifka beschrieben, 
in Cap. 187 und 188 aber Nachträge über Hildebrand und Heimir gebracht. 
Die vier letzten Capp. 185 — 188 passen freilich nicht sonderlich in den Zu- 
sammenhang. Unter ihnen stimmt Cap. 185 fast wörtlich mit Völsungasaga 
(VS.) Cap. 22 überein und muß dort aus Ps. entlehnt sein*). Treutier hat 

*) Symons bat freilich (Paul-Braune, Beitr. IH, 263— 271) in seinem übrigens 
vortrefBichen Aufsätze üb^r die Völsongasaga die Ansicht ausgesprochen und zu er- 
weisen gesucht, daß VS. in Ps. benutzt sei, nicht umgekehrt, und daß speciell Cap. 185 
aus VS. Cap. 22 entlehnt sei. Jedenfalls erklärt sich diese Übereinstimmung nur aus 
Entlehnung, zumal die Schilderung Sigurds an beiden Stellen sich nach seinem ersten 
Besuche bei Biynhild findet. In ^s. nun steht das Cap. inmitten einer Reihe soluher 
Capp., die ebenfalls einzelne Helden schildern, und gleicht diesen in Anordnung und 
Stil (z. B. 180, 8 V. u. = 176, 18; 181, 12 — 179, 7 v. u. u. s. w.), während in VS. 
das Cap. die Handlung auffallend unterbricht. Die p. 267 geltend gemachte Umstel- 
lung kann allein nichts beweisen ; wohl aber halte ich für beweisend, daß in dem frag- 
lichen Cap. die für {>s. charakteristische Berufung auf die Vceririgjar (Gr. HS. 178 f., 
Storm S. 91 ff.) sich findet (parm mikla dreka, er Varingjar kalla Fdfni |^s. p. 181, 
10 wörtiich •— VS. 184, 2 bei Bngge) — auch dreki, nicht orwr, entspricht eher der 
auf niederdeutschen Quelle beruhenden {>s. (s. u. p. 94), und kurtein (2 mal), hce- 
fertka u. dgl., mögen sie sich auch in VS. vereinzelt finden (Symons p. 266), ent- 
sprechen durchaus dem Sprachgebrauch der pB, Die Form Orikkland entspricht der 
niederdeutschen grxkkr der ps. (Storm p. 108, Raszmann p. 39); die sieben Spannen 
(Wou tpanna g. pl.) 2^s. 180, 23 = VS. 134, 10 v. u. entsprechen den auch sonst in 
ps. hXufigen (s. u. p. 95) formelhaften Zahlen der deutschen Volksdichtung; fomton- 
gum ps. 181, 18 erscheint gegenüber hUUwm VS. 134, 5 dem Zusammenbange nach 
und im Vergleich mit anderen Stellen der ps. als das richtige. Endlich die Hornhaut 
konnte VS. nicht wohl aufnehmen, sondern mußte sie fortlassen, wenn sie sie in ihrer 
Quelle fand; denn die von Symons geltend gemachte Unverletzlicbkeit durch Gift 
bei SinQötli und den anderen Sigmundssöhnen ist doch etwas anderes als Si- 
gurds Hornhaut. Daß sie aber in ps. als „Sigurds wichtigste Eigenschaft** 
hinzugefügt wurde, ist darum unwahrscheinlich^ weil die Hornhaut erst, und allein in 
NS. 1, c (doch auch p. 183, 16 = 180, 18) ausdrücklich genannt wird, Shnliches 
in NS. 1, a p. 168, 14 — 16. Also einen Grund sie hinzusetzen hatte M (bezw. die 
Vorlage) schwerlich. Auch ps. 301, 22 ff. ist = VS. 168, 17 ff. (Symons p. 267). Ich 
sehe aber hierin wie an andern (unten zu besprechenden) Stellen übereinstimmende 
treue Bewahrung der beiden zu Grunde liegenden Sagengestalt (s. u.). Wäre das nieht 
anzunehmen, so würde vimmd (u. p. 94) und vUligöUr (von Sigurd) verglichen mit 
ps. 801, 9; 302, 13 doch eher fUr die Prioritftt der ps. sprechen. Aus ps. 302, 
19 ff. = VS. 162, 11 (Symons p. 268) scheint mir ein zwingender Beweisgrund für 



76 LITTERATUR: A. RA8ZMANN, DIE NIFLUNGASAGA etc. 

seine Ansicht besonders damit gestützt, daß Cap. 170 und 171, die er erst 
wegen des Einschubs von NS. 1^ a wiederholt glaubt, in der Niederschrift von 
II gestrichen sind ; er folgert daraus , daß III diese Capitel erst nachträglich 
strich, als er sie nach NS. 1, a nochmals brauchte: aber mit Unrecht, denn 
sobald die mit NS. 1, a beginnende Lage eingeschoben war, konnten die bei- 
den Capitel am Ende der vorhergehenden Seite nicht mehr passen, sondern 
mußten gestrichen und — falls sie nicht ganz fortbleiben sollten — als Einlei- 
tung zu 189 ff. oder den der Handlung voraufgehenden, orientierenden Capiteln 
172 — 188 wiederholt werden. Man darf also nicht schliessen, sie seien ge- 
strichen, weil sie wiederholt seien, sondern nur, daß sie wiederholt sind, weil 
sie an erster Stelle gestrichen sind, und es entsteht die Frage, wo sie or- 
sprünglich standen. Die Stellung in AB (und S. = seh wed. Dietrichschronik) 
entspricht der in der eingeschobenen Lage , ebenso folgen in AB (und in der 
Hauptsache auch in S) die Capitel 184 — 189 ebenso aufeinander wie in M jetst^ 
nachEinschub derLage. Ist daher wirklich — wofür Treutier allerdings ge- 
wichtige Gründe vorbringt — die Anordnung dieser Capitel zurückzufahren 
auf das Bedürfniss von lU, seine eingeschobene Lage wohl oder übel auszn- 
füllen, so kann man die gleiche Reihenfolge in AB (und S) nur dadurch er* 
klären, daß beide auf die uns erhaltene Hs. M, nicht auf deren Vorlage« 
zurückgehen; sie hätten also für uns dann nur insofern Werth, als sie die 
Lücken in M ausfallen. — So schwer es auch scheint, sich diesem Schlosse 
zu entziehen, so erheben sich doch gewichtige Bedenken gegen Tr.*s Annahme. 
An' manchen Stellen haben nämlich AB unleugbar bessere und vollständigere 
Lesarten, und an wenigstens drei Stellen*) macht es durchaus den Eindruck, 
als ob AB einige Zeilen erhalten habe, die in M durch Abirren za gleichen 
Worten ausfielen. Zuweilen wird die Echtheit von Piasstellen in AB bestätigt 
durch die Übereinstimmung mit deutschen Dichtungen, z. B. 313^ 3 v. n. Die 
von Tr. versuchte Erklärung aller dieser Stellen als unbedeutender Zusätze 
und Ausführungen läßt sich nicht ohne Zwang durchfuhren und sie wird be- 
sonders bedenklich durch die häufige Übereinstimmung von AB mit S in solchen 
Fällen, z. B. 



oder wider nicht entnommen werden zu können, doch berührt sich die Stelle der 
VS. wörtlich mit VS. 147, 14 ff., wozu ich unten (p. 91) NL. 819 (Bartsch) verglichen 
habe ; und mit den gemeinsamen Worten i ptjdverskri ttmgu ok d NordrUmdum findet sich 
Symons doch wohl zu leicht ab. Endlich soll die Übereinstimmung von ps. und YS. 
in dem Versuche, die Niflun^e durch die Aussicht auf Herrschaft im Honnenlande sur 
Reise zu bewegen, entscheidend sein (Symons p. 269). Aber Ps. zeigt ausser der herr- 
schenden Sagenauffassung, nach der Grimhild gegen Atli's Willen der Brüder Tod 
veranlaßt, noch Sparen von der Übergangsstufe, die sie den Attila durch Erregung 
seiner Habgier als Werkzeug benutzen läßt (s. u. p. 93). Dieser Gestalt kann auch 
der fragliche Zug angehören, daß nämlich die Niflunge geladet werden, um für ihren 
unmündigen Schwestersohn das Hunnenland zu verwalten; in verblaßter Gestalt erscheint 
dieser Zug ja auch noch in der deutschen Sage, wo Etzel seinen Sohn den Schwägern 
zur Erziehung übergehen wollte, vgl. NL. lOlß; Kl. (Edz.) 2120 ff. — Nach all dem 
halte ich die von Symons aufgestellte Ansicht fiir unerwiesen und vielmehr die alte 
Auffassung für die wahrscheinlichere, der zu Folge ps. in VS. benutzt ist. 

*l Namentlich 338, 15 ff. (s. u. p. 77, vgl. Treutlcr p. 164) %6rtyk mUciim oe 
]tar undir hlickia fagrir skildir, zweimal; 313, 3 v. u. (s. u. p. 78), vei verdi mSrßrir 
penna avefii, er nii svaf ek zweimal; 164, Anm. 13 herra — herra, kaum zu entbebreUi 
fehlt aber auch S; vielleicht auch 66, 1 f. kann — ?iann = S, s. u. p. 77. 



UTTERATUR: A. RASZMANN, DIE NIFLUNGASAGA etc. 



77 



Ps.y Seite, Anm. 

56, 3 sA [h^t Nordangr. hann AB] ferr 

at bidja. . . 
117, 1 af [})e88um AB] .IX. jvncfrum 

(M, dröttningum AB) 
160, 5, Z. 18 [oc nü rida })eir aptr, en 

konungr ferr leid sina AB] 
168, 16 Hertnid [konungr AB] 
173, 6 t)etleifr [danski AB] oc Fasold 

[stollzi AB]. Sistram (Sintram af 

Fenidi AB) oc etc. 
211, 13 ))4 maBlltu })eir [.II. broedr AB] 

Bin k milli 
249, 16 er }>in son [Samson AB] gerdi, 

er hann villdi etc 
276, 10 [sagdi t)idrekr konungr AB] 

286, 1 Nd hoggr Hilldibrandr i gegn 
med svsBrde [til eins \ieirr& AB] 
4 hans hals. 

287, 1 M: sfna Iseid at sinni. huart er 
}>i!i ridr eptir bonom eda aeigi, AB: 
fiirir yär huert er hann vill. 

294, 7 oc hertogi Naudung. Villdifer 

[ok Ulfard AB] oc margir adrer 
296, 15 [um \>in& daga ^Z^] oc pinnsL 

bama 
309, 9 \)k mantu eigi [aptr komma AB] 

oc enge sA er p^r fylgir. 
310, 12 t)yrvo [med obbAB] at fara etc. 
312y 10 oc [kallar ok AB] bad hann 

r6a at lande 

312, 12 firir J)vf [sagdi (kallar B) 
hann svA AB] 

313, 3 er II pe»BSL hae bi6 oss til handa 
(^etta roedi (reidi B) bio til AB) 

318, 16 [pB, msllte Hogne AB] 

318, 24 gerom hann (ger hann p^r 
ab] nd svA liufan. . . 

334, 22 hinn g6di [vArr vin AB] mar- 
grseifi R. 

338, 15 Oc nü litr Hilldibrandr aptr. 
hann s^ ioreyk mikinn oc par undir 
hlickia fagrir skildir, [Nu keyrir hann 
hestinn oc rfdr eptir ))idreki ko- 
nungi oc siBgir honom. Herra 
ek si ioreyk mikinn oc par undir 
hlikia fagrir skilldir AB] oc 
huitar brynior. oc rfda huast 
(fast Aj hvatt B) eptir oss. 



S, Gap., Zeile. 

44, 1 han het Nordung. hau bed- 

des. 
103, 21 for the .IX. kouungdoetter. 

149^ 13 sidan red han tili drasollf 

konung. 
159, 13 herding konung. 
162, 10 detzleff danske stolte Fa- 

solt. Sintram af yenedi etc, 

213, 8 £n dag talade broederne sig 

i mellom. 
170, 5 sampson tin son wilde etc. 

266, 13 konung didrik sagde. 
277, 7 hyllebrandh hwgh moth en af 
them opa hans hals. 

279, 16 hwarth hann wil. 



288,15 ok nordungh hertogh wlfardh 

ok vildefer ok mongha andra. 
290, 32 af bodhe tik ok tin barn 

305, 10 taa komber tw aldhrich hem 
ighen ok enghen then tik foelghe. 

305, 37 mz os skolo fara etc. 

309, 2 ropadhe til honum oc sagde 
roo hith 

309, 4 Xy sagde han saa 

310, 7 som arene giordhe 

316, 5 hagen swarede 

316, 16 haff atilius konung kserare 

340, 4 myn gode wen margreff r. 

343, 6 hsdr hillebrandh saa til baka 



ok sagde til didrik konung. 
jach 8 er mongen man mz hvita 
brjnia ok fagra skiÖlla 

ok rida f asth epther os 



78 



LITTERATUR: A. RA8ZMANN, DIE NIFLUNQASAQA etc. 



Zu einer ganz äbnlichen Stelle können wir B leider nicht vergleichen, 
weil dort in S eine Lücke ist; die Stelle lautet (Döring p. 29, Raszmann p. 147): 



ts. 313, 3 V. u. 

Vei verde mer firir penna svefn er 
nü 8vaf ek. [mista ek mins sverds. 
oc illa man t)ikkia minum herra 
gSBtt sins rikis. er 8v4 svaf ek. Oc 
mi 8^r hann hvar lidit er komet. oc 
enn m eilte hann. Vei verde pessvm 
svefne er nü svaf ek AB] nü er ko- 
menn herr i land mins herra Ro- 
dln g ei rs margreifa. Ec hevir nü 
vakat .ni. daga oc .III. nsetr. oc firir 
p&t sama sofhada ek. 



NL. 1632 f., nach Bartsch^ wie immer. 

Er gewan dar nrnbe vil trürigen 
muot, daz er verlds daz wftfen 
Ton der helde vart : die marke Büe- 
degSres fundens übele bewart. 
Owg mir dirre schände , sprach dd 
Ecke wart, 'ja riuwet mich vil sdre 
der Bürgenden vart. sit ich vldf 
Sifriden, stt was min vreude ergftn. 
ouw^^ herre Rüedegdr, wie hftn 
ich wider dich getan! 



Wer diese letzte Stelle ohne Voreingenommenheit liest ^ wird finden: 
1. daß hier eine poetische Quelle*) zu Grunde liegt; 2. daß auch die nur in 
AB erhaltenen Worte aus dieser entnommen^ in M aber durch Abirren zu den 
gleichen Worten ausgefallen sind^ was die auffallende Berührung mit der deut- 
schen Sagenfassung, wie sie im NL sich zeigt, bestätigt; 3. daß die ange- 
führten Strophen des NL's nicht die Quelle der rs. sein können, weil das 
benutzte Lied offenbar mehrere Züge hatte, die NL nicht kennt, andere aber 
das NL anders — und zwar der Sagengestalt des NL*s gemäß — gestaltet hat. 
Daß aber die Fassung des inPs. benutzten Liedes die ältere (und ich meine: 
auch die schönere) ist, wird wohl Niemand bestreiten. Kaum an einer anderen 
Stelle liegt es so auf der Hand, daß das NL trotz wörtlicher Berührungen nicht 
die Quelle der Ps. gewesen sein kann, sondern beide aus derselben Quelle 
schöpften : rs. behielt die Riagerede Eckewart's in directer Rede bei, während NL 
sie in Str. 1632 erzählend wiedergibt (vgl. Raszmann p. 147, Anm.). 

Die angeführten Übereinstimmungen zwischen AB und S bei Abweichungen 
von M sind nur beispielsweise aus einem kleinen Theil der Ps. zusammenge- 
stellt. In manchen dieser Fälle war die Änderung und Ergänzung allerdings 
geboten, und daß sie übereinstimmend geschah, könnte wohl in einseinen Fällen 
auf Zufall beruhen: in so vielen Fällen aber ist Zufall sehr unwahrschein- 
lich , zumal wo die Änderung durchaus nicht nothwendig war und sich anf on- 
bedeutende Nebendinge beschränkte. Mir scheint daher nothwendig, mindestens 
für mehrere dieser Übereinstimmungen eine gemeinsame Quelle von AB and S 
anzunehmen, die nicht unsere Hs. M war, und wenn diese nach Trentler 
nicht hinter M gesucht werden darf, muß sie diesseits M liegen, d. h. 
eine verlorene Abschrift von M müsste von der Grundhandschrift der verlorenen 
Vorlagen von A und B einerseits und andererseits von S abgeschrieben 
(beziehungsweise übersetzt) sein. Wahrscheinlich ist eine solche Terlorene 
Abschrift der erhaltenen Hs. M, die sowohl vom isländischen als vom schwe- 



*) EbeDHolche refrainartige Wiederholungen mit poetischer Färbung kennt die 
l^s. auch sonst, z. B. 368, 15 broiUr, vid hofian 84t margan U6ran tmä^ tidanvidtkü' 
dumz gödir vmir kehrt fast wörtlich 368, 30 und 38 wieder u. s. w. 



LITTERATÜR: A. RASZMANN, DIE NIFLUNGASAGA etc. 79 

dischen Bearbeiter benatzt wäre, freilich nicht. Es fragt sich alao, ob man 
far die thatsächlichen Verhältnisse nicht doch noch eine andere Erklärung fin- 
den kann, als die an sich sehr ansprechende Treutlers. Ist es wirklich un- 
denkbar, daß die Reihenfolge der Capitel 168—189, wie sie M bietet, 
schon in dessen Vorlage sich fand, auf die auch AB (und S?) zurückgingen? 
Wäre es undenkbar, daß der Schreiber 11 die nicht eben glückliche An- 
ordnung seiner Quelle corrigieren und vielleicht die ihm für seinen Zweck*) 
nnnöthig erscheinende Sigurdssage beseitigen wollte , weshalb er Cap. 169 — 
188 ausließ und dafür Cap. 170 und 171 vor 189 einschob? daß aber III, 
als er die von II unvollendete Abschrift fortsetzte, die Vorlage genauer und 
Tollständiger abschrieb und demgemäß durch den Einschub der Lage die aus- 
gelassene Partie wieder einfügte, wobei natürlich Cap. 170 und 171 (am 
Ende der der Lage vorhergehenden Seite von II geschrieben) gestrichen wer- 
den mussten? Die Beantwortung dieser Frage hängt davon ab, ob die An- 
ordnung, wie sie Nr. in in M hergestellt hat und wie sie sich auch in AB 
und S findet, für ein nach der Erzählung deutscher Gewährsmänner entstan- 
denes Original so sehr unwahrscheinlich oder ganz undenkbar ist. Ich halte 
sie nicht für so unsinnig wie Treutier (p. 169) und Symons (p. 264)^ so daß 
sie nur aus der äussern Einrichtung der Hs. M sich erklären Hesse. 

Die beiden letzten Capitel 187 und 188 erzählen von Hiidebrand und 
Heimir, die auch in Cap. 173 und 174 in derselben Reihenfolge nach 
einander besprochen sind, und zwar beide auffallend kurz. Was aber 
Cap. 187 und 188 über beide sagen — wodurch sie ausgezeichnet sind und 
weshalb Dietrich sie bei sich hat — das ist meist auch bei den andern er- 
zählt, so daß der Inhalt von 187, 188 beim Abschreiben ausgefallen*^) und 
hier nachgetragen sein kann. Daß das Capitel von Sigurd in die VS. aufge- 
nommen ist, spricht freilich nicht nothwendig für die Echtheit desselben in 
Ps., denn die Entlehnung kann auf einen späteren Abschreiber der VS. zurück- 
gehen (Sjmons p. 265, Anm. 2). Wohl aber begreift man, wie der Schreiber 
der Ps., da er auch Gunnar und Högni geschildert hatte, an dieser Stelle noch 
Sigurds Schilderung einschob — unpassend freilich — und ebenso unpassend 
die Sifkas, um so die Schilderung der bedeutendsten Helden, von denen im 
Folgenden die Saga handelt *'*''^)^ beisammen zu haben (vgl. Storm, p. 128). Daß 



*) Treutler nimmt an, daß in die nrsprüoglich kürzere Saga erweitert habe. 
Die Frage ist aber wohl erlaubt, ob man nicht mit demselben Rechte II die umge- 
kehrte Tendenz zuschreiben kann, aus einer aasführlicheren, schlecht geordneten Vor- 
lage nur die eigentliche Dietrichssage, und zwar in verkürzter Gestalt, herauszuschreiben, 
[Durch Vergleicbung der beiden Darstellnngen der Geschichte von Osantrix und Melias 
unter einander und mit 'König Rother^ (s. u. p. 100) denke ich der Beantwortung dieser 
Frage nächstens näher zu kommen.] Wenn es mit der im Prolog und Cap. 394 behaupteten 
Niederschrift der Saga nach mündlichen Berichten von Deutschen (doch wohl Kauf- 
leuten) seine Richtigkeit hat, wie ich glaube, so ist eine ursprüngliche Saga, die in 
schlechter Anordnung verschiedene Sagenkreise umfaßte, die wahrscheinlichere. 

•*) Unabsichtlich — abirren ist wenigstens bei Heimir mm mikiUdti — Heimir 
enn mikiUdti sehr möglich [oder absichtlich, indem III vielleicht fürchtete mit dem 
Raum nicht auszureichen, als aber dies Bedenken sich als unbegründet erwies, das 
Ausgelassene nachtrug? Doch haben AB dieselbe Reihenfolge der Capp. 185 — 188]. 

***) Zu Sifka 8. {>s. p. 247, 4. (Wo nichts bemerkt, eitlere ich immer nach Un- 
gers Seitenzahl.) 



8U UTTERATUR: A. RA8ZMANN\ DIK NIFLUNOAHAOA etc. 

ubrigcDi die»c Schilderungen — auch die Si^urds - wenigstens theilweise *af 
deuUche QuelU'U zurtick|;eh(!n, beweiiti^n die Berufungen auf Lieder: faü er mü 
ajttkit I $v*jum liyite^ik-ra manna 180, 1<); wiUya i ollum /omMmyum 181, IS 
(s. üben p. 75, Anni.)< ffruer die Erwähnung (des Löwen (?) 173, 12; 177, 7 ff.]; 
dos unnr^ rr *lani/i «ABS, sanifi M/ heitir 175, 5; fr fi^tltäkir menn kaH^ 
alpandifr^ en vaerin^ar fil^) (Storni p. 108) 177, 3 r. u.; villditjoUry fn^ 
er d pyttrBku Villdiftr 17H, 19; auch drtki (statt ormr^ m«dirmals) ist in 
diesem Zusauinienhungc zu nennen, desgl. langrtrer {"^^ langrafcht) 181,21; 
endlich die 3 »tcint- 175, 2. 4; 3 wintcr alt 182, 8. 18; daß Sigurds Scholtcfra 
M> breit sind wie die dreier Manner, und daß er 7 Spannen hoch ist. 

Ks lässt sich nicht leugnen, daß die hier ron mir angedeutete Möglich- 
keit an sich sehr viel unwahrscheinlicher ist als Treutlera Ansicht; da abtv 
jene, wie ich gezeigt zu haben meine, auch auf schwere Bedenken stösat, »o 
wird man diese — wenigstens nicht undenkbare — Erklärung nicht oho« 
weiteres ron der Hnnd wciitvn dürfen. Ein entschiedenes Urtheil niörhto ich 
mir ohn«} Einsicht der IIs. M nicht erlauben. — Wie man aber auch über 
das Verhaltnitis von AB und S zu M denken mag» so wird man doch TrV 
Ankiiht über die grringe Trcut> der Wiedergabe des Originals in III und über 
di«* Benutzung verlurmer Kin/rlrumane ip. 172) durch diesen Uedactor schwer- 
lich zufetimnifn können. Ich wenigstens glaube im Grossen und itanzen in der 
Sag.-i üIntuII das (Bcpräge eines und dessell»en Werkes zu erkennen, das wohl 
im zw<:iten Theil (ebensowohl aber auch im ersten Theil, s. oben p. 79 Anm. *) 
hier und da t?twas verwischt sein kunn. Eine philologische Untersuchung über 
Spraehgebrauch und Stil tier i s. , die leider noch fehlt, würde das wohl bc* 
•tätikTen. Einige meiner (trünie für die wesentliche Einheit des (tanzen werde 
ich im Folgenden andeuten ( v;;! ii. p. 95, Anm. * und ***. p. 97 Anm. * u. s. w.). 

.*^o viel musute ich vorausM-hicken über die all^emt-inen Fragen, die von 
Tr. in Betreff der Enti»tehung der IV und des Verhältnisses von M zu den an- 
deren ('b(.-ilieti:iungen aufgeworfen sind. L<*ider sind diese, wie gesagt, bei 
Ka»zni4nn zu kurz gekommen. I>oi-h bunerkt er mit Hecht, daß die %ün Tr. 
vorausgesetzte E&isteuz einzelner nordischer Prosuromaue über deutsche Sageu- 
btifffe sich durchaus nicht wahrscheinlich machen lasse. 

Auch darin bin irh geneigt dem Verfasser biriiustimmen , daß er (wie 
auch Storni iU'ix fmlog für erbt halt. I>ie dagegen Tdrzubringenden üus* 

• ereil (iriinile beschrünken sieh eigentlich auf da« Fehlen des l*r<dogs in 8 ; 
denn in M sind nach Treutiers Berechiiungen zwei fragen am Anfange alt 
fehlt nd anzmu-hmen. auf denen der Prolog sehr wohl Platz gehabt hätte. 
I>as Fehlen in S will aber nicht viel nagen, da diese Bearl>eitung überhaupt 
cekürzt und auch sonst ganze Abschnitte an**:«- hissen hat, z. B. einen grotaea 
Theil der sog Iron jarls saga An inneren tSrünlen ist kaum etwas stichhal* 
tigfs gfgen die Echtheit vorgebraiht. Wohl hb*'r hat Storm p 98 auf Beruh* 
runden in Ausdruck und (tedank«*n iles Prolog« mit d*-m Könignspiegel aufmcrk- 

• im gemacht, was Hir d<e Abfassung in Nf»rwe|;eu unter Ilakon liakonsoDs 
Regierung « I217--I2»i3) sfir«el.en könnte. l>a man nun mit Htorm annehmen 
muß, dib P*. um eben di*'»r /fit bild \\XK'\\ 125u in Norwegen verfaßt ist, 
•o «eist obiger ISrund und die Bik.tiiiit«chuft mit schwedischen aod (Untscheu 

•; WiHtlicb -: 3*;&. b v. u 



LITTERATUR: A. RASZBiANN, DIE NIFLUNGA8AGA etc. 81 

Liedern, die Stoffe der Dietrichsage behandeln'^, den Prolog in dieselbe Zeit 
(Storm p. 94. 96) wie die Saga, wodurch die Abfassung des Prologes durch 
den Verf. der Saga wahrscheinlich würde. Zwingend ist dieser Schluß freilich nicht, 
und man könnte immerhin daran denken , daß der Prolog tou dem isländischen 
Schreiber der Grundhandschrift von AB mit Benutzung des Cap. 894**) vor- 
anfgeschickt sei. Denn die Berufung auf die fremden Quellen und die Hervor- 
hebung des d eina leid segja der Gewährsmänner, was sich durch die alten 
deutschen Lieder erkläre, waren besonders am Platze, wo es galt, in den Nor- 
den eine wesentlich von der heimischen abweichende Gestalt der Völsungen- 
Nibelungensage einzuführen (Rassmann p. 4 Anm.), und konnten wohl dann 
▼om Verfasser des Prologes in diesem als auf die ganze Saga bezüglich wieder- 
holt werden*^**). Eine philologische Untersuchung würde auch hier wohl fest- 
stellen können, ob der Sprachgebrauch des Prologes Ton dem der Saga ab- 
weicht und yielleicht dem der abweichenden Lesarten tou AB sich nähert f). 
Vorläufig wage ich nicht zwischen diesen zwei Möglichkeiten zu entscheiden, 
neige aber mehr zur Annahme der Echtheit. 

Nach Erledigung dieser Vorfragen wenden wir uns nun zu dem eigent- 
lichen Gegenstande des Raszmann'schen Buches: hat die Niflungasaga 
nnser NL. oder verlorene niederdeutsche Sagen und Lieder be- 
nutzt? — Die erstere von Döring vertheidigte Ansicht sucht Verf. zurück- 
zuweisen , indem er zunächst in einem allgemein gehaltenen Theil das Verfahren 
•eines Gegners prüft Er tadelt an ihm, daß er es unterlassen habe, einige 
nothwendige Vorfragen zu stellen, von deren Beantwortung es abhänge, ob 
■eine Annahme an sich wahrscheinlich, nothwendig oder auch nur möglich sei. 
So sucht er (a.) nachzuweisen (p. 6 ff.), daß das NL. nie in Norddeutschland 
■o volksthümlich gewesen sein könne, daß es »vom Volke allgemein gesungen 
mid gesagt oder erzählungs weise wiedergegeben*^ worden wäre, da es — nach 
den Fundorten der Hss. zu urtheilen — nur in einem Theile Süddeutsch- 
lands bekannt, und wohl niemals eigentlich populär gewesen sei. Das hat in 
der That sehr viel für sich, denn offenbar bestand neben dem NL. eine viel- 
f^h abweichende Sagengestalt im Volksgesange und den daraus geschöpften 
Liedern der SpieUeute fort, wie das Siegfriedslied und die bekannten Zeug- 



*) So Raszmann p. 43 und Qnmdtvig, DGF. IV, 687** gegen Storm p. 88 ff. 
**) Die Echtheit des Cap. 894 scheint mirTr. mit Unrecht zu bezweifeln: Be- 
rufungen anf noch in Westfalen erhaltene Denkmäler finden sich anch ps. 326, 8. 
19 ; 827, 1 ; 380, 7 [bei Irwigs vegr [besser veggr] hat man, wie Raszmann p. 209 mit 
Recht bemerkt, gar nicht an die Iringstrasse zu denken; übrigens ist veggr hier gar 
nicht = Weg, sondern = Wand : Hemvegfgjr ist die Wand (vgl. 326, 18 f.) der Halle, 
in welcher der Kampf stattfindet (330, 4); an diese lehnt sich der sterbende 
Imng, so daß Högnis Sper ihn an die Wand spießt]. Der Hauptgrund Tr/s gegen die 
Echtheit des Capitels aber ist hinfällig geworden durch Raszmanns Nachweis (p. 4), 
daß die schon von IV geschriebenen Worte i Ni/hmgaland gerade die Hauptsache ent- 
halten, also V hier doch mitten im Satze abbrach. 

*^*) 2, 3 «em segir i pestari togu. Doch ist zu beachten, daß der Prolog spedeller 
und ausfQhrlicher ist in Angaben, die eine Prüfung der Saga selbst als richtig be- 
atSttgt; wie sollte aber der isländische Abschreiber zu so genauer Kunde über die 
Qu^en seiner Vorlage kommen? 

f ) So kehrt z. B. das i fornum Hd 1, 2 in einer von M abweichenden Lesart von 
AB wieder 888, Var. 18. 

OgBMAHU. 8s«s Stihs XL (XXDI.) Jshif . 6 



82 UTTERATUR: A. RA8ZMANN, DIE mFLUMQAfiAQA «la 

Biate aiu dem 13. Jahrhondort Migen. Mao mQiUe abo handsohrift liehe 
Verbreiiang nach NurJdcutochlaiid annehmen; alidann aber konnte daa Lied 
dort eret recht nicht populärer werden ab in teiner iQddeuUchen Heimat. 
(Über das VerhältuiM der h. zu "^B und *J det NL.*t (6.) spreche ich tpiter.J 

Von besonderer Wichtigkeit ist (c), was Kasnninn p. 10 ff. aaaf&hit» 
daß in den übrigen Theilen der Saga Benutsung der erhaltenen mhdd. Cpea 
nicht nur nicht erweislich, sondern geradesa unmöglich ist. So ist die Be» 
nntsung des £ckenliedes zwar einmal von MQllenliof behauptet, aber durch 
Zupitsa genügend widerlegt und dann von Müllenhof selbst surückgenommen 
worden ; auch Zupitsa nimmt (HB. V, p. XLIIl) für das Eckenlied und Ps. mme 
gemeinsame Quelle, «die norddeutsche Spielmannsdichtung des 1 1. und 12. Jahr- 
hunderts'* an. — Auch der Kosengarten, füge ich hinsu, kann nicht in bcb 
benutit sein, da die L bereinstimmungen sich nur auf die allgemeinsten Züge 
beschrinken , alle Einzelheiten aber abweichen. Auch erweist sich die Darstel- 
lung der |>s. mehrfach als die ältere, s. B. in der List Dietrichs in Betreff 
des Schwertes Mimung u. s. w. ^); sie fugt sich auch besser der Oesammtaage 
▼on Dietrich ein und erklärt, wie es scheint, den auch im NL. anftretendea 
Zug, daß Siegfried früher im Hunnenlande gewesen, vgl. Biterolf 9479 tt^ 
besonders 9488 ff. Wenn nämlich t^s. erzählt , daß Dietrich den Sigurd mit 
List bezwungen und zu seinem Manne (p. 206, 7 ▼. u.) gemacht hat, so ent- 
spricht dem im Biterolf, daß Dietrich den Sigfrid mit Gewalt nach Honneo- 
land gebracht hat (was Grimm HS. 74 freilich bezweifelt). £s ist also die An- 
nahme GrundtTigs (DGF. IV, 626 f.) und Kaszmanns (p. 51) die wahrseheia- 
liebere, daß die in Fs. benutzte voicderdeutsche) Sage oder Dichtung eineraetta 
dem ^Rosengarten', andererseits ausser der Ps. der Folkerise Nr. 7 {nm DieC^ 
rieh und seinen Kämpen) zu Grunde liege. — Für den 'üother ist dnreh Kflckest 
(Rother, XVH— XXV) der Nachweis geführt, daß nicht dieses Gedicht, sob- 
dem niederdeutsche Lieder und Sagen die Qoelle des Ps. sind, und für daa 
jüngere Hildebraudslied habe ich (Germ. XIX, 320 ff.) zu zeigen Toraoelil, 
daß nicht unser mhd. Lied, sondern eine ältere, wahrseheinlieh niederdeutsche 
Fasanng in der Ps. benutzt ist. Auch die Klage und die RabeBscblacki 
wird trotz mancher sachlicher Berührungen mit Ps. (s. u.) doch wohl Niemand 
für die Quellen der entsprechenden Stücke der Saga halten. — Da also, ao 
weit wir cuntrolieren können, die erhaltenen mhd. Gedichte nicht der Ps. als 
Quellen gedient haben können, sondern wahrscheinlich überall abweichende 
niederdeutsche Sagen und Lieder, so wird die Benutzung des NL.s von vora- 
herein nach Analogie der anderen Fälle sehr unwahrscheinlich — es müßten 
denn geradezu zwingende Gründe dafür vorgebracht werden. 

Es kommen aber noch andere Gründe hinzu , jene Ansieht von vomhereUi 
als sehr unwahrscheinlich erscheinen zu lassen; über diese handelt R. p. 13 ff. 

^) I>cr'Ri»«eii|rsrt^ii' kst riel« Hag^nzüge anf|peooBB4*n, welche die ^» in ttsns 
sodercm sn«cliriii«!nd jütrrvoi ZiuaminenhanirF kmoL «S» entspricht die Abkulaiig 
IIasiis au* drm Kl<*«tcr durch llildchnuid drr fflrichru Scfue swUchen lleimir und 
IMetrich (Pi. p 3aH ; <lie in dvt llAU|»tMiche vcr»chicdeo4* nJhcblUehe Begegnang Kie- 
n<iIiU mit Sigr»t«b vor d«*iii Kaiii|«fr rriuiicrt doch in manchem £age an die ebmfäUa 
närhtliche liegck^nutig «lrsaell>«n mit Hildebraud vur der Schlacht bei Ufonspgfft (p. 104); 
die Bezwingnnf Sigihd» durch Uietnchf Feueraths» entspricht der CbenrÜtigeag 
Il6guis durch Dietrich q^ a w. 



UTTERATUB: A. RAflZMANN, DIE NIFLUNQAaAQA ete. 88 

Daß man die fornkwBdi des Cap. 894 und des Prologes in keiner Weise auf die 
Ayentiaren des NL/b beziehen kann — denn sie konnten weder um 1250 ab 
fom- noch überhaupt als hxKdi bezeichnet werden (R. p* 14) — ist richtig; 
doch möchte ich darauf kein großes Gewicht legen. Wichtiger ist die Entschei- 
dung der Frage, wo wir das H^inaland der Ps. zu suchen haben, in Westfalen 
oder in Ungarn. Entere Ansicht hat Raszmann hier (p. 14 — 22) wieder ver- 
theidigty wie inzwischen auch Storm, während Döring und etwas unentschie- 
dener Trentler die letztere vertraten. 

Die Annahme, daß SÜ9a vaidiS^ai Ofen bezeichne, hat ihr sehr Bedenk - 
Uehes, und es liegt entschieden sehr viel näher, daß die Formen S4ia (bei I* 
n. IV) und SiSaat (bei III und V, s. R. p. 17) dieselbe Stadt beaeiohneuy 
und zwar das westfälische Soest, welches p. 394 unzweifelhaft gemeint ist und 
ftueh Cap. 41 (weil FrUland benachbart) nur gemeint sein kann (R. p. 18). 
Auch in dem nahegelegenen thdgr er heüir lAruvald (p. 888) oder Lyravald 
(148, 1 V. u.) findet Raszmann wieder den Amsbergerwald, wof&r er noch weitere 
Zeugnisse vorbringt (p. 19). 

Überhaupt macht die Nachbarschaft Frislands, wie mir scheint, die An- 
nähme Hunalands an der Donau unmöglich. Ebenso müssen wir, wie Treutier 
p. 149 zugibt, Cap. 45 Hdnaland in Norddeutschland suchen. Wenn Dietrich 
▼on Susat westlich {hina ve»tri leid) über die Alpen nach Bern reitet (Cap. 3 9 7), 
•o könnte man dabei freilich mindestens so gut den Ausgangspunkt in Ungarn 
wie in Westfalen suchen; wenn aber Grimhild (Cap. 376) dem Dietrich Hilfe 
▼erspricht, fidls er sich zu rächen über den Rhein ziehen wolle (R. p-22), 
•o kann man doch wieder Susat nicht in Ungarn suchen; und C. 397 kommt 
Dietrich ab er hina vetiri leid til Mundiu reitet, nach Bacalar, dann durch den 
Lumvald und tri£Et am Rhein mit Eisung (nicht von Baiem) und Aumlnng zu- 
Munmen; letzterer soll ihn tudr tU feäk weisen (c. 401), und c. 403 reitet 
Dietrich Hna leid tudr um MundufjaU\ Alebrand aber hat von Bern nordr i 
Hiinaiand (c* 404) nach Dietrich gesandt Ich gebe zu, daß an manchen Stellen 
die Beziehung auf Ung^am näher zu liegen scheint, aber ich finde auch gar kein 
Bedenken bei der Annahme^ daß von den bunt zusammengesetzten Quellen der 
Ps« hier und da auch, der süddeutschen Sage entsprechend, Hiinaiand an der 
Donau localisirt sein könnte. Die Fahrt der Niflunge nach Hünaland ist natür- 
lich ursprünglich an der Donau gedacht; als aber die Burgondensage mit 
der Sigfridsage sich verband , localisirte das sächsische oder fränkische Volk be- 
greiflicherweise auch diese in der Heimat der Sigftidsage, d. h. am Rhein und 
in Westfalen, wo auch das skandinavische Alterthum das Hdnaland der Sage 
dachte (R. p. 22). Daher ward auch Bacalar, weil der Aufenthalt beim Mark- 
grafen nicht gut entbehrt werden konnte, an den Rhein verlegt (Ps. 289, 9 
V. u.; Storm p. 112) — wobei vielleicht noch eine uns unbekannte Namens- 
fthnlichkeit mit im Spiele sein mochte. An der bekannten Stelle vom Zusammen- 
flusse des Rheins und der Donau nimmt man doch auch am einfachsten mit 
R p. 20 (und Storm) Verwechselung des Mains mit der Donau an« Übrigens 
will R. p. 21 auch in dem Wasser Meere die Marau bei Castel und in Porta 
den «Wald Dorte zwischen Wetzlar und Dillenburg'' finden. — Bekanntlich 
beruft sich die Saga auf Denkmäler in Soest, welche die Gewährsmänner noch 
gesehen haben wollen. Man darf das doch nicht so ohne weiteres für Erfin- 

6* 



84 LITTERATUB: A. BASZMANN, DIE NIFLUNGA8AQA ete. 

dang erklären*), wie Döring will, dem gegenüber Raszoiann p. 22 Zeugnisse 
vom Ende des 16. Jahrhunderts anführt. 

Seite 24 — 29 sucht Verf. nachzuweisen, daß man die Benutzung einer 
bestimmten Recension des NL.'s nicht anzunehmen brauche, worauf ich zorQck- 
kommen werde. — P. 29 — 35 werden einige Stellen besprochen, an denen 
nach Döring die Saga ohne Vergleichung des Liedes unverständlich sein soll — 
eine Annahme, die als unnöthig erwiesen wird. — P. 35 — 37 werden die Be- 
rührungen der Saga mit angeblich skandinavischen Sitten besprochen, die sich 
aber gar nicht als vornehmlich oder ausschliesslich skandinavisch nachweisen 
lassen, wie schon Storm bemerkte. — P. 38 — 40 wird mit Recht betont, daß 
Saxland in Ps. nicht ganz Deutschland, sondern nur Sachsen meinen kann 
(ebenso Storm), indem auch auf die von Storm (p. 108 ß,) zuBammengestellten 
niederdeutschen Namensformen und Wörter in Ps. hingewiesen wird. 

Ausführlicher wird dann über die Berührungen der Saga mit den däni- 
schen und färöischen Liedern gehandelt (p. 41 — 60). Es ist dies ein auch for 
unsere Frage sehr wichtiger Punkt, denn die Folkeviser zeigen ebenfalls auf- 
fallende Berührungen mit deutschen Dichtungen , speciell mit dem NL. das 
dänische Lied ^Grimilds hsevn' in seinen drei Fassungen und unter den fiüroi- 
schen das Högnilied und der Schluß des Brinhildliedes. Da nun einige dieser 
übereinstimmenden Punkte auch in Ps. sich finden, in anderen Fällen aber 
Ps. = folkev. den hochdeutschen und nordischen Fassungen gegenüberstehen, 
so entsteht die Frage, ob die Folkeviser direct auf (nieder-) deutsche Volks- 
lieder zurückgehen — oder, wie Döring meint, durch Vermittelung der Ps. auf 
NL. ; indessen muß Döring (p. 270) daneben noch directen Einfluß des NL.*s 
annehmen. Es braucht nicht weiter erörtert zu werden , wie unwahrscheinlich 
letztere Annahme ist, namentlich die Einwirkung eines geschriebenen Baches 
(R. p. 42), das wie Ps. kaum jemals in Norwegen und Island (R. p. 43, 4 ff.), 
geschweige denn in Schweden und Dänemark populär war (Storm p. 197 f.), 
auf die Entstehung oder Umwandlung von wirklichen Volksliedern — und als 
echte Volkslieder erweisen sich die dänischen Lieder durch ihre knappe Dar- 
Stellung, unvollständige Form und untereinander abweichende Überlieferung (B. 
p. 42 f.) ; während hingegen die färöischen Lieder ihrer Entstehung nach nicht 
als eigentliche Volkslieder erscheinen, da ihre Quelle die Vs. (s. Literar. Cen- 
tralbl. 1877, Sp. 1447'^''^) und daneben deutsche (wohl durch dänische Bearbei- 
tungen vermittelte) Volkslieder waren — Storm will die Folkeviser auf S su- 
rückführen, eine Annahme, die von Grundtvig und Bugge (DGF. a. a. 0.) mit 
guten Gründen zurückgewiesen ist. Raszmann, der hier die engeren Grensen, 
die er sich sonst gesteckt, überschreitend von den Dietrichsliedem im Allge- 
meinen spricht, hebt p. 47 ff, hervor, daß an einigen Stellen, die Storm fftr 
genauere Übereinstimmung der viser mit S geltend machte, die viser noch 
genauer mit deutschen Dichtungen (Wolfdictrich, Gudrun) zusammentreffen. 
Da nun Grundtvig '*'**) und Buggrf) nachgewiesen haben, daß in den viser 
deutsche Sagenhelden (gegen Ps.) in deutscher (zuweilen deutlich nieder* 
deutscher), nicht selten freilich sehr entstellter Namensform vorkommen , sowie 



♦) Vgl. oben p. 81, Anm. *♦. [*♦) Vgl. jetzt auch Symons, Germ. 2«, 446 i] 
***) Z. B. p. 646 Ulf van Jcurn = Wolhart von Garten, 
t) Z. B. p. 696 Obbe Joam = Büedeger, vielleicht OtU = Ecke (-wart), p. 696. 



LITTERATUB: A. RASZMANN, DIE NIFLUNGA8A.GA. etc. g5 

auch niederdeutsche Wörter*): so kommen sowohl Grundtvig (p. 676) und 
Bugge als auch Raszmann (p. 58), vielfach auch in Einzelheiten übereinstim- 
mend, SU dem gleichen Gesammtergebnisse ^ dem auch ich mich anschliessOf 
daßdieFoIkeviser dir e et auf niederdeutsch e**) Volkslieder zurück- 
gehen, die auch rs. benutzte — daher die Übereinstimmungen — und 
daß diese auch auf die Umgestaltung der faröischen Sage einwirkten (R. p. 59). 
Die Übereinstimmung der Viser mit S erklärt sich aber aus Benutzung der 
Viser in S , worauf ich hier nicht weiter eingehen kann (s. R. p. 50. 54 ; 
Grundtvig a. a. 0.). — Wenn demnach die Folkeviser niederdeutsche Volks- 
lieder voraussetzen, so fällt meines Erachtens jeder Grund fort, gegen solche 
Lieder — auf welche doch die r s. ihrem Inhalte und ihren Namensformen nach 
sowie durch ausdrückliche Berufung hinweist — als Quellen derselben sich fu 
stiauben. 

Im zweiten Haupttheil R.*s ( „ Die Quellen der NS. sind die unserem 
NL. zu Grunde liegenden Sagen und Lieder^ p. 60 ff.) vermag ich zunächst 
im ersten Abschnitte (Alter und Ursprung der Sagen u. s. w. p. 61 — 65) mich 
seinen Ausführungen nicht anzuschliessen , worauf einzugehen mich hier gar zu 
weit führen würde. Im folgenden Abschnitte (p. 65 — 81) führt er aus, daß man 
eine norddeutsche und eine süddeutsche Sage zu unterscheiden habe. 
Auch nach meiner Ansicht gab es zwei verschiedene Hauptgestaltungen der deut- 
schen Sage, und man wird auch die Hauptzüge derselben als norddeutsche und 
süddeutsche Sage bezeichnen dürfen; wie weit man aber berechtigt ist auch in 
Betreff der Einzelzüge scharf zwischen beiden zu scheiden y das ist eine andere 
Frage; wenigstens dürfen das Sigfridslied , der Anhang zum Heldenbuch und 
die Märchen nicht so ohne weiteres der „süddeutschen Formation '^ zugerechnet 
werden. Entschieden aber muß ich die Ansicht zurückweisen, daß schon die 
nordische Sagengestalt eine von der hochdeutschen abweichende 
sächsische Sage darstelle, die als solche noch völlig der alten Sage ent- 
spreche, während in Süddeutschland schon durch den Einfluß der geschicht- 
lichen Ereignisse die Sage umgestaltet worden. Die wie mir scheint festste- 
hende Annahme, daß Attila erst durch die Burgondenschlacht von 437 in die 
Nibelungensage kam — indem in Folge derselben Burgonden und mythische 
Nibelungen zusammengeworfen wurden — verwirft er aus Gründen (p. 68 f.; 
72 Anm.); die mich wenigstens nicht überzeugt haben; dagegen soll schon ein 
mythischer ^ Hunnenkönig Azilo" (p. 72) die Nibelungen in der Sage vernichtet 
haben und später mit dem historischen Attila zusammengeworfen sein. Die Einwan- 
derung der Sage nach dem Norden im 9. oder 10. Jahrh. hält er für er- 
wiesen (p. 69, 76). — Dabei ist mir aber zweierlei undenkbar: 1. Daß min- 
destens drei Jahrhunderte lang, nachdem die Burgondenschlacht und Attila's 
Tod auf die Sage in Süd deutsch land umgestaltend eingewirkt hatten, Nord- 
deutschland sich diesem Einflüsse sollte entzogen haben ; und 2. daß eine Sage 
von einem Hunnenkönig Attila ^ Etzel, der einen Rheinkönig Günther [den 
Bruder seiner Frau] vernichtete und von seiner Frau getödtet wird, sich genau 
so in der Geschichte wiederholt haben sollte , während doch auch ohne mjthi- 



*) Z. B. firdoieny maremtfMl, Bugge p. 600. 

^ Auf deutsche Dichtung als die Quelle der Folkeviser weist bekanntlich 
auch die metrische Form derselben hin. 



dß LITTERATUR: A. RASZIIANN, DIB llIFLUKQAfiAQA et«. 

I 

sehen Attila eine der Getchtebtc entsprechende Umgestsltang und Enrdterang 4cr 
Sap; sich ^nfigend erklärt. — Ich kann aber auch die Voranaaetsungen 
R.*s hier nicht billigen. Zanichst halte ich trots dem bei R. p. 76 Oesaffea 
eine Beeinflussung der Sage dorch die Geschichte der Chrodehild im 6. Jahrk 
(s. Giesebrecht, ▼. d. Hagens Germ. II, 305 ff.) f&r kaum tob der Hnad n 
weiten; sodann ab^^r halte ich die erste Überf&hning der Sage nach d«B 
Norden im 9. oder 1 0. Jahrhundert nicht nur fBr unerwiesen , sondern geradci« 
ftir unmöglich. Dies erfdbt sieh mir — auch abgesehen Ton der Geachicbti 
der Chrodehild und ihren Besiehungen lur Sage — aus folgenden Erwigmigeay 
bei denen ich mich freilich hiufig nur andeutend verhalten kann. 

Die Eddalieder Ton Sigurd und den Niflungen stehen unter sieh nidit 
alle auf derselben Stufe der Sagcnkenntniss , noch weniger mit der Pro«i des 
Sammlers,*) was aus Tcrschiedener Darstellung von Etnselheiten he i fo i ge b t 
Unter den für uns wichtigen Liedern gehören lu den Jflngeren namentlich 
Atlamil und die erhaltene Bearbeitung der Atlak^ida, beide in Stil und Tcn- 
maß (die sich den skaldischen nihem) sehr verwandt, Jedenfalls nicht vor 1000» 
aber auch wohl nicht viel sjAter entstanden**); femer Gndr. III und aeeh 
wohl Gudr. I. Gu<!r. III, die Maurer mit gutem Grunde (Z. f. Phil. II, 444) 
in*8 11. Jahrb. setzt — und wohl nicht gerade an das Ende dieses Jahrhuederts 
— kennt allein den PjMrek und die Krkja^ den Pj6<!rek aoost nur noch der 
Sammler.***) Das Verh&ltniss Chidruns zu Atli ist aber hier ein gani andeMa 
als sonst in der nordischen Sage, viel freundlicher, liebefoller, und 
obfrleich ihre Br6der durch Atli gefallen sind (5, 5—8 —). Hier liegt 
bar Vermischung der älteren nordischen Auffassung mit der jflngeren deutachca 
▼or (so auch Storm p. 87). Wir haben also keinen Gnind, den Dietrich , der 
sonst nicht so völlig Tergeasen sein könnte, als der nordischen Sage ursprüng- 
lich angehörend zu betrachten. Die Form PJÖdrtkr weist f) nur in*s 9. eder 
höchstens 1 0. Jahrhundert hinab, da später, wie thataiehlich In I^s. und HSgni- 
lied, die Form tH^rtkr zu erwarten wäre. Auf ern ee te Berflhnmg mit deel- 
scher Sage weisen nun auch Atlak. und Atlam. mit den Wörtern vMormm (voei 
Rönigspaar) Am. 20, 1 ; kodd Nifimmya = MbeUm^ kort Akv. 97, 8 ff); Btir^ 
y wm d ar Akv. 21,8 (nur hier statt Nißum^r); ebenso scheinen die fnnnilhafteu 
Verbindungen AUi inn Hki (Ktadt der Hekt) Akv. 80, 1 nnd H6^ im fimkmi 
{liagene tUr kUme) Akv. 23, 4 auf Renntniss sp&terer deotseher Volksdiehtngen 
zu weisen. Auch die zweite Gattin Gunnars, Gfn ns mg r, erinnert an die €Kmtm 
der hven'schen Chronik. Das erste Gudranlied spielt bekanntlich auf Peteone» 
und Ereignisse an, von denen die älteren Lieder nichts wissen, und das Eni» 
hfillen der Leiche Sigurds, um Gudruns BchmerB su mildem, er i nnert sehr na 
das nochmalige öffnen de« Sarges auf Krimhilds Verlanges, NL. 1088 f. 



•) Die ansdrUcklicb (hinler d«n Aref «/%.) eich anf disAwsege ven p9^mt^ 

• bsnilt 

••) VfL Bogfe, Z. f. d. Phil. VII. 8«i, wosn aach noch andsre Orflnde ko« 
***) Rswmsnitf Angabe, p. 44, daß auch Gedr. II deo PjAdrek kenne, ist 
1. — i\nAt lil. 6. 7 Mt mit (tnindtvig a. A. kmfikkh» o. JUmU sn lesen. 

t A. Kocb. Tber 4ie Hege von den Nibehu^pcn (Oriaima 1868). p. 88. 
tfi Ahttbch Termullist Bomre (£. f. d. Phil. VU, 888) in «Ir^ (Bamd. 18,8) 
Bewahfung aas rtaea niederdeutschen EnaanrikMede. 



LTTTERATUR: A. RASZKANN, DIE NIFLUNOASAOA eto. 87 

Wir haben also Ghund, in den jQngsten Heldenliedern der Edda erneuerte 
Berührung mit deutscher Sage und Dichtung anzunehmen, die etwa in*8 9. oder 
höchstens 10. Jahrhundert zu setzen wäre*); damals müßte die norddeutsche 
Sage schon die Verbindung der Nibelungen -Burgondensage mit der Dietrichs- 
sage gekannt haben. Es muß aber im Norden noch eine ältere Gkstalt der 
Sage gegeben haben, wie sie in den Liedern sich findet, die von Dietrich noch 
nichts wissen ; diese Gestalt der Sage muß aber wesentlich früher als jene nach 
dem Norden gekommen sein — doch wohl vor dem 9. Jahrhundert — und zwar, 
ehe die Verbindung der Dietrichsage mit der Nibelungensage auch in Nord- 
deutschland sich vollzogen hatte. Andererseit8:zu den Liedern der altem Sagen- 
gestalt gehören auch Atlam^l und Atlakvida, die wohl dem 11. Jahrhundert 
angehören; ihrer Form nach aber stechen sie von anderen, o£Penbar alterthüm- 
licheren, so ab, daß jene mindestens in's 10. Jahrhundert gesetzt werden müssen. 
Da letztere aber wieder mehrfach deutlich (z. B Sigkv. skamma) als Umarbei- 
tungen älterer Lieder sich erweisen, so können sie ihrer ersten Abfassung nach 
z. Th. nicht nach etwa 900 entstanden sein. In allen Liedern aber, auch den 
ältesten, finden wir eine Sagengestalt, die im Norden selbst eine eigenartige 
Entwiekelung (namentlich hinsichtlich der Brynhild, s. u.***) durchgemacht 
haben muß, welche mindestens ein Jahrhundert erfordert haben wird. Wir 
kommen also auch bei der knappesten Zeitberechnung meiner Ansicht nach über 
den von Maurer als wahrscheinlich, von Raszmann aber als sicher hingestellten 
Zeitpunkt der ersten Einwanderung hinauf, und so wird es sich doch empfehlen, 
unter Berücksichtigung der Geschichte der Chrodehild bei dem alten, von Müllen- 
hof angenommenen**) Termin vor 600 zu bleiben. Dafür spricht auch noch fol- 
gende Erwägung: 

Der Hnnnenkönig Atli des zweiten Theiles der Sage ist — wenn man 
nicht zu so gewagten Vermuthungen greifen will, wie R. (s. ob. p. 85 f.) thut — 
unbedingt der geschichtliche Attila; die Einwanderung der Sage muß also nach 
der Verbindung der Burgondensage mit der Nibelungensage geschehen sein, also 
frühestens um 500 etwa. Nun ist aber Atli noch ganz allein eingetreten, ohne 
Helche, Blödel, Dietrich, Rüedeger u. s. w. Das deutet auf eine Zeit, da Attila 
noch nicht der Mittelpunkt eines Sagenkreises geworden und noch nicht mit der 
Dietrichsage in Verbindung getreten war, abo auf die Zeit bald nach seinem 
Tode^^'^); auch daraus, daß die nordische Sagengestalt noch gar nicht die 



*) Vgl. Maurer, Z. f. d. Phil II, 447 ß. und das oben pag. 86 f. über [ifödrekr 
Gesagte. 

**) Den Maurer a. a. O. 447 übrigens gar nicht als unmöglich hinstellt. 
***) Übrigens haben wir auch keinen Grund fCUr den Ersten Theil der Sage in 
Deutschland einen mythischen Atli- Attila anzunehmen. Selbst wenn der Atli Bud- 
laaon, Bruder Brjnhilds, ursprünglich ein anderer gewesen sein sollte, als der Atli 
des zweiten Theils (= Attila), so könnte diese Person doch erst im Norden erfunden 
sein, da nur dort durch die Spaltung in die Valkyrje SigrdHfa und die Königstochter 
Biynhild das Bedürfniss nach einem menschlichen Vater und Bruder der Brynhild her- 
vortreten konnte [das NL. kennt noch keinen Vater der Brjnhild]. Daß in jener Spal- 
tung in zwei, später — ungeschickt genug! — wiedervereinigte Personen die nordische 
8ag^ nicht das Ursprüngliche bewahrt haben kann, scheint mir auf der Hand zu liegen. 
Ebenso meine ich, daß Hagen (nicht Outhorm) ursprünglich der Mörder Siegfrieds war, 
•ehon des zu Grunde liegenden Mythos wegen (s. u. 92 Anm.). Man wird also die 
nordÜBche Sagengestalt doch nur mit manchem Vorbehalte als die &lteste gelten 
lassen dürfen. 



88 LITTERATUB: A. RA8ZMANN, DIE NIFLUNGASAGA etc. 

Conseqnenzen aus der Verbindung mit der Burgondensage gezogen hat*), darf 
man schließen, daß die erste Uberfahmng der Sage nach dem Norden zn einer 
Zeit stattfand, da die Verbindung mit der Bargondensage noch eine sehr neue 
und daher lose war. Auch dies weist auf das 6. Jahrhundert. Damit fallt aber 
eine der wesentlichsten Voraussetzungen Raszmanns. 

Von 81 ab sucht R. nachzuweisen, daß in der Ps. eine Vermi schon g 
der alten sächsischen Sagengestalt mit der süddentschen Sage 
vorliege — was ich gerne zugebe, wegen abweichender Auffiusnng derselben 
Sagenmomente in der Saga — ähnlich wie in den faröischen Liedern eine 
Verbindung nordischer und deutscher Sage (R. p. 82) ; und dies sucht er p. 84 
— 225 im Einzelnen zu zeigen, indem er Capitel für Capitel durchgeht, wie 
es Döring gethan, aber in entgegengesetztem Sinne; dabei kommt leider der 
erste Theil der Sage, weil ihn Döring sehr kurz behandelte, auch hier etwas 
kurz fort. Ich kann dem Verf. hier nicht in allen Einzelheiten folgen, werde 
yielmehr nur Einiges herausgreifen , im Übrigen aber seine Resultate und seine 
Gründe gegen Döring von allgemeineren Gesichtspunkten aus betrachten. 

NS. 1 ' ist, wie erwähnt, auf der eingeschobenen Lage von III geschrieben. 
Man wird aber, da C. 185 nicht aus VS. entlehnt sein kann (s. ob. p. 76 Anm.)» 
auch die auffallende Berührung von C. 166 mit VS. nicht auf Entlehnung ans 
diener Saga zurückführen dürfen, zumal die Worte oc er kann hyggr at 9odü num 
Vera in Fafh.'s Prosa, aber nicht in VS. sich wiederfinden, and die zwei 
Vögel der Sn. Edda entsprechen [in VS. und Reg. (?) sind es sechs] , sowie 
auch die Worte pd man kann hoRfna hrodur eins genauer Fafn. 38, 7 f. als der VS. 
Es muß also hier wie sonst (s. u.) die wörtliche Berührung der Ps. mit den 
nordischen Darstellungen sich erklären aus übereinstimmender Bewahrung des 
(wie unsere Sigfridsmärchen zeigen) sehr wesentlichen Sagenzuges vom Ein- 
tauchen des Fingers. Die Übereinstimmung des Sigfridsliedes und mancher 
Märchenzüge mit NS. 1 *, überhaupt das gleiche Hervortreten deutscher Quellen 
wie in NS. 1 ^ und '^ (s. u. p. 94 f.) beweist, daß auch hier dieselbe Quelle, 
nämlich niederdeutsche Sage, zu Grunde liegt**). Die Darstellung der Ps. von 
Sigurds Geburt halte ich für die verhältnissmässig ursprünglichste^ wofQr ieh 
mich auf Sigfi^^dslied (vgl. R. p. 90) und die Märchen berufe*^. 

Wenn R. p. 94 meint, daß in NS, V zuerst wörtliche Berührangen 
mit NL. sich finden, so ist er im Irrthum, denn schon in NS, 1^ ist 

C. 228: hon teer, sitt bellti ... = NL. 636: dd greif nftch eime 

ocbindr foetrhans oc su4hendr gürtel diu hdrltche meit. . . (637) 

oc nü festir hon hann upp 4 die füeze unt onch diehende 

.1. nagla [med fötum oc hondum Jf] si im zesamne baut, si tmoc in 

oc |)ar er hann ndliga til dags. seinem nagele unt hienc in 



Oc pk er at Hdr deginum, die want. (639, 2) dort mnoat 

er allez hangen die naht nni 
an den tae, uns der liehte 
morgen durch diu venster schein. 



*) Also die Niflunge (ausser einmal in Akv) niemals Burgonden heißen, W( 
niemals genannt wird; Giselher unbekannt ist, u. s. w. 

**) Auch im Stil scheint NS. 1,* mit den übrigen Theilen der NS. (und Ps. flber- 
haupt) wesentlich übereinzustimmen, worauf ich hier aber nicht weiter Jsingehen ~ 
***) Andern Ortes gedenke ich das weiter auszuführen« 



UTTERATUR: A. RASZMANN, DIE NIFLUNOASAGA eto. 89 

pk loBsir hon hann (^^2) ^^ Idste si in balde. . • 

oc ferr hann f sfna hvilu oc wider an daz bette er zuo der 
liggr ))ar, ))ar til er vronwen g i e. er leite sich so verre eie. 

menn bans ganga i gegn bonam (6^3) ^o kom euch ir gesinde. . . 

oc nü er Gnnnarr konungr all6k4tr 647, 4 : man sach in trüreude st&n. 

...oc ))egar er |)W*) er bmgdit^ }>& 681, 4: hei! waz ir von der minne ir 
er hon 89cki stercari en adrar vil grdzen krefte entweich! (682,1) 
konnr. done was ouch si niht sterker 

danne ein ander wip. 

229: pk tekr hann af hennar 679: er zdch ir ab der hende 
hendi .1. fingrgull. ein galdfn vingerlfn. 

Bei NSy 1 * merkt R. p. 97 — 102 die aafifallenden wörtlichen Bertihmngen 
an, weist aber mit Recht darauf hin, daß sie nur Haaptzüge der Sage be- 
treffen, während die Nebenzüge wesentlich abweichen, manches aber in der 
Saga ursprünglicher erscheint. 

Der zweite Theil der Sage (NS. 2) wird nun p. 103 — 220 sehr ein- 
gehend behandelt und mit steter Vergleichung der Ansichten Dörings. Das 
Ergebniss dieser längeren Untersuchung fasse ich, indem ich auch NS. 1 hin- 
suziehe, in Folgendem zusammen: 

In NS. 1 überwiegen die wesentlichen Abweichungen die Über- 
einstimmungen weit. Völlig fehlt der Tiaum Kriemhilds, Sigfrids erstes 
Auftreten in Worms, seine Liebe zu Kriemhild, der Sachsenkrieg und was damit 
zusammenhängt. Was wir über Sigfrids Jngend im NL. erfahren, stimmt in 
der Hauptsache nicht mit Ps. überein , z. B. das Verhältniss zu seinem Vater. 
Sodann fehlt in NS. 1 jegliche Beziehung auf den Hort, der doch am Schlüsse 
des ersten Haupttheils im NL. noch eine so bedeutende Rolle spielt. Sig- 
Irid bleibt [=3 N**)] nach seiner Vermählung in Worms; demnach fehlt 
alles, was NL. Ton Sigfrids Heimkehr nach Santen und seinem Leben dort 
erslhlt, sowie von der Einladung nach Worms, die an ihn ergeht. Die 
Brmutfahrt nach StBgard geschieht zu Lande (= N), nachdem Sigurd mit 
Grimhild rermählt ist; Sigurd selbst hat zur Werbung um Brynhild 
gerathen. Seine erste Begegnung mit Brynhild fehlt dem NL., wenn das- 
selbe auch mehrfach noch eine dunkle Erinnerung an dieselbe verräth. — Da 
bleibt als gemeinsam und einigermassen übereinstimmend erzählt nur übrig: 
die Thatsache der Brautfahrt Günthers mit Sigfrids (und Hagens) Hülfe; die 
Vermählung Günthers mit Brynhild und ihre nächtliche Bezwingung durch Sig- 
frid — diese mit wörtlichen Berührungen; der Zank der Königinnen und Sigfrids 
Tod — beide mit manchen wörtlichen Übereinstimmungen. In der That sehr 
wenig! und von dem wenigen wird noch ein Theil durch die Übereinstimmung 
auch mit N der Beweiskraft beraubt. 

InNS. 2 finden sich verhältnißmässig mehr Übereinstimmungen. 
Dieser Theil bildet in rs. eine zusammenhängende Erzählung und ist in M (mit 
Ausnahme des Schlußcapitels) Ton Nr. V geschrieben. Hier fehlt gegenüber dem 
NL. die Werbung durch Rüedeger, wogegen sie in Ps. durch Osid vollführt, 



^ Es handelt sieh um den mejfdSmt, 
**) So bezeichne ieb Ton jetst ab die nordische Sagengestalt 



90 LTTTERATUB: A. RASZMANN, DIE NIFLUNOASAOA ete. 

aber viel kOrzer nnd vielfach abweichend erzählt wird. *) Attila holt selbst aeine 
Braut und vermahlt sich mit ihr in Worms, wodurch Kriemhilds Braatreise, die 
Vermählung in Wien , der Empfang im Hunnenlande natürlich fortfallen. Das 
Abenteuer mit Gelphrat und Else, sowie der Aufenthalt in Passau fehlen^ ebenso 
Kirchgang und Turnier in Etzelnburc, wogegen Ps. einen Spaziergang der 
Niflunge durch die Stadt bietet. Grimhilds Aufreizung zum Kampfe bleibt auch 
bei Blodlin ohne Erfolg. Vielmehr wird der Kampf durch Grimhilds Aufireianng 
ihres Sohnes veranlaßt, ein Zug, der durch NL. *B und Anh. zu HB als der 
deutschen Sage angehörig bestätigt wird. Der Kampf selbst ist mit Aus- 
nahme des Einzelkampfes zwischen Irnng und Hagen völlig abweichend ge- 
schildert. Rodingeirs Eingreifen wird durch Blodlins Fall herbeigeführt, oicht 
durch Grimhilds Mahnung — von Rüedegers Seelenkampfe keine Spur! Dietrich 
tritt gleich selbst in den Kampf ein — nichts von den EinzelkSmpfen der 
Amelungen **). Giselher (nicht Günther, der gleich im Anfange gefangen wird 
und im Schlangenthurme stirbt = N) überlebt mit Högni die übrigen. Högni 
überlebt selbst Grimhild, die durch Dietrich (nicht Hildebrand) ftUt; 
der Hort spielt auch hier am Schlüsse gar nicht die Bolle wie im NL. = N. 
Grimhilds Grausamkeit gegen ihre gefallenen jungen Brüder entspricht auch gar 
nicht dem NL. — Einigermassen übereinstimmend berichten Ps. und NL. 
also in NS. 2* nur , daß Etzel durch einen Boten um Kriemhild werben läßt 
— dabei einige wenige wörtliche Berührungen — und sich mit ihr vermählt; 
in NS. 2^ : die Einladung der Brüder durch Kriemhild zu dem Zweeke, an ihnen 
ohne Wissen Etzels Rache zu nehmen ; die Verhandlungen darüber in Worms — 
mit wenigen einigermassen wörtlichen Berührungen ; die Fahrt und auf dersdiben 
die Abenteuer mit den Meerfrauen und dem Fährmanne nebst der Begegnung 
mit Eckewart **''^; der Empfang in Bechelaren und Giselhers Verlobung, die doeh 
ganz anders eingeleitet wird; der Empfang von Seiten Etsels und Kriemhilds^ 
und Dietrichs Warnung — beides z. Tb. mit wörtlichen Übereinstimmungen ; 
ferner Kriemhilds Versuche den Kampf zu beginnen; Hagens Kampf mit Lnmg; 
Rüedegers Tod durch das von ihm selbst geschenkte Schwert, sher von Gisel- 
hers Hand in Ps. ; Dietrich tritt in den Kampf <>in, um Rüedeger zu rftdien 
und bezwingt Hagen (durch seinen Fenerathem in Ps., während Giselher dvrek 
Hildebrand fällt). — Das ist in der That nicht viel mehr als die Ghnndsüge 
und einige Haupteinzelzüge der Sage. 

Was aber fehlt, scheint nicht etwa zufällig ausgelassen; denn gerade 
alle jüngeren und ausgeprägt spielmannsmässigen Episoden fehlen : der Saehaen- 
krieg mit dem, was demselben vorangeht und folgt, die Kampfspiele (?), Sig- 
frids Fahrt nach Nibelungenland von Island aus, die Scenen, in denen Volker 
hervortritt und namentlich als Spielmann gepriesen wird, das Auftreten Daae- 
warts,; Geres^ Imvrids; femer wäre es doch merkwürdiger Zufall^ daß der Saga- 
schreiber gerade, wo zwei Scenen in innerem Zusammenhange stehen, beide 
vergessen haben sollte, wie Rüedegers Werbung und Kriemhilds Mahnung an 
seinen Eid (vgl. Wilmanns, Beiträge zur Erklärung etc. des NL.'s, p. 17), des 

*) Högninntersttttzt die Werbung; Grimhild willigt gleich ein n.B,w. 
**) Einige der Ameluqgen wie Wolf hart mid Helferich, die die Saga bei Onmr 
Sport fallen Heß, maßten freilich fehlen. 

***) Hier finden sich viele wörtliche Übereinstimmnngen , aber offedbar siBd 
auch Liedquellen benutzt, wo im NL. nichts entspricht (s. ob. p. 78). 



UTTERATUR: A. RA8ZMANN, DIE NIFLUNGA8AGA «tc 



91 



Sachaenkrieg und die erlogene Kriegserklärnng: Tor Sigfrids Tode. Vielmehr ist 
et höebet wahrscheinlich, daß die Qnelle der Ps. alle jene Episoden nnd Per- 
tonen noch nicht kannte. 

Andererseits betreffen die ÜbereinstimmuDgen swischen rs. and N. Tor- 
lagsweite die offenbar alten und niemals die sicher jnngen, speciell-nordischen 
Sagemfige. Das wäre aber auffallend , wenn der Sagaschreiber wirklich ans 
Edda oder VS. geschöpft hätte: ältere echte nnd jüngere nordische Sagensüge 
konnte man nm 1S50 doch nicht mehr unterscheiden. Daß aber in der That 
▼ieles der Übereinstimmungen zwischen Ps. und N. auf tibereinstimmender Be- 
wahrung der alten Überlieferung beruht, beweisen die Stellen, wo auch NL. 
sur Ps. und N. stimmt, z. B. 



▼8. 147, 12. pk vsorir 
))ii Titrari ef t>ii 
))egdir en lastadir 
mann minn. 

er }>at allra manna m41, 
at engl hafi slfkr komit 
{ Teröldina fyrir 
hrersTetna sa- 
kir*), ok eigi samir 
p^r Tel at lasta 
bann, 

)>Tfat kann er ptnn 
frumverr 

ok 14 hj4 pir ok t6k af 
hendi p^r hrinffinn^ 
Andraranaut 

ok mdUu kann nü kerma. 
Brynhüdr $6r nü penna 
kring ok kennir; pk 
fölnar hon sem hon 
daud mri , , .ok maslH 
tkki ord, 

AkT.3: iÜ/tmikhingat 
wendi • • • at biäja ykkr^ 
Ouimarry at it d bekk 
koemid • . . at scekfa 
keim Ätlcu 



Ps. 



C. 343; p. 298, 9 ff.: 
pui bregdr })ü nu m^r, 
er ek hugdi at m^r 
skylldi at vera TSBgr 
oc s6mi. 

84 madr, er pinn meyddm 
iök fyreta einn hceitir 
Sigurdr syminn . . . })at 

skyt ek her tii pesea 

JingrgtUU er härm tök 
af pir^ er kann hafdi 
tcBthU p%nn nuyddm, 

Oc nd er Brynhüdr $^ 
Petta guU, pd kennir 
Aon, at hon hsefir 4tt . . . 
henner likame er nü 
sy4 raudr sem njdrejri 
bl6d. oc nü ))egir hon 
oe nuelir eckt ord» 

C. 360. AUüa k. eendir 
kvedio Omnari k. V^r 
vilinn ydr bidda heim 
Hl veidu oo Tin4ttu i vdrt 
kmd. 



NL. 

839. kundestu noch 
geswSgen^dazwsBre 
dir guot (849: du 
möhtes wol gedaget hftn, 
unt wasre dir dre liep). 

815. ich h4n einen mann, 
daz elliu disiu rtche 
zuo sinen banden solden 
stin. (819) an vil 
manegen dingen 
ist sin 6re grdz. 839: 
wie mShte mannes 
kebse immer wer- 
den küneges wfp? 
840 : den dtnen eehcenen 
Itp minneie irste SimiL 

847 : ich erziugez 

mit dem golde . . . daz 
brfthte mir min vriedel, 
d6 er drste 6! tti lac. 
850. d6 den geench vrou 
PrVmhiU^ 

weinen si began. 



1440. dir enbiutet .. die- 
nest der herre ndn . • • 
her in ditse lant. 
1447, 3: unt ze Tor* 
derst dem kUmige s€n 



^ Y8. 168, 11 ff. beinahe wMlieh wiederholt = ^n. p. 802, 10 ff, 
••) =: {>s. C. 229 = ML. 679 (s. ob. p. 89). 



92 UTTEKATUH: A. RAKZMANN, UIE NIFLUNQASASA 0U:. 

vir her ifemmi^ d ai i r 

geruocheiriiemimdaM 

Etuelen lami^ 

An. 36: nta ndmn rtki C. «(<»<>. Hoffni nr.r ttfd 1564. mii ttigat körte 

. . . brugdosk heldr rei- mikit, at 1 einam verri mrimdem kfirte ei der 

dir . • . hömlur snil- ^!ffr bann tumär bätfar g^^ uot im dos slarke 

nndu» hiiir brdnmtm, aramar ok af kcipana ruoder in stDer bcnde 

{häe p. 313^ 3). IPTOfl. 

Man könnte nocb arnlcre Stellen, s. R. Akv. 12 =r I^s. C. 868, 6 := 
NL. 1521 (R. p. 131) und Akv. 40 = N. C. 360 = NL, 2025. 2130 
(R. p. 192), herbeilieben; doch x«m(^ schon die Vergleichung der nebenein- 
andergestellten Stellen, daß wir ee hier mit drei selbständigen Fassungen 
derselben Sage sn thun haben. Denn die angeführten und andere Übereinstun« 
mungen von Ps. = N., wo NL. völlig abweicht, sind mehr Anklinge und Beriib- 
mngen, die auf gemeinsame Gmndsagc zurfick weisen, als genaue Übereinstim- 
mungen, die auf Entlehnung zurQckiuführeu würen. — Auch wo die Pt. in 
der Auffassung der Charaktere und in durchgehenden Omndaügen vom NL. 
abweicht, steht häufig N. zur Ps. , so darin, daß die Bheinkönige Niflungar 
heißen (auch im NL. II), daß Ilögni Bruder der Könige iat^), wie auch sein 
Charakter lange nicht so rauh und edler als im NL. erscheint (K. p. 252) 
und demgemäß Grimhilds Rache sich keineswegs nur auf ihn richtet, er ancb 
die Schwester schließlich überlebt. 

Es ist nun noch ein Umstand zu berücksichtigeni den R. erwähnt, aber nicht 
genügend betont hat: die einzelnen Abschuittr, die wir unter dem Namen N8. 
zusammeufasson, weichen in vielen Kinzelheiteu von einander ab, und zwar sind 
diese Widersprüche mindestens ebenso bedeutend wie die im NL., wo man (wie 
ich meine y mit Recht) lUsnutzung verschie<icner Lieder (mit theilweise ab- 
weichender Darstellung) seitens des Dichters daraus folgert. NS. 1 * weiß 
gelegentlich Slgurds ersten Besuches bei Br}-nhild nichts von einer Verlo- 
bung, N8. 1 ^ aber setzt einen Verlobungseid voraus; in 1 * todtet St- 
gurd die Schlange Reg in, ohne daß wir vom Erwerb des Hortes etwas er- 
fahren , den er dadurch gewinnt : in *J, ** weiß Attila aber, daß Sigurd durch 
die Todtung de» Drachen einen großi*n Hort erworben habe; 1 ' enähli 
nichts von der Wegnahme dos Hortes durch lli»gui, gleichwohl weist 2 ^ daranf 
hin (308y 15); 1 * spricht nicht von der Hornhaut (doch vom Bestreichen 
mit Schlangenblat; : 1 ' kennt in Cap. .H42 (das überhaupt wie von nenca 
anhebt und schon erzähltes noch einmal kurz erwähnt) die Homhaot; in 2 ^ 
spricht Hogni für Grimhilds Venuählnng mit Attila und zeigt sich ihr wohl- 
gesinnt: in 2 ^ erscheint er wie im NL., indem er vor der Fahrt ins Honen- 
Und und vor Grimhilds Rache warnt (R p. 110 f.); Giselher tritt erst in 2 ^ 
hervor, aaeh Gemoz erscheint erst dort bedeutender. Diese Widerspruche, 
deren sieh wohl noch mehrere anfuhren ließen, erklären sich schwerlich damnsy 
daß die einzelnen Stücke vcm verschiinlenen Schreibern geschrieben sind; denn 
1 * ond ^ [und 3| sind von 111 , 1 ' und 2 von IV und V im Aoftrage von 



^ Worin ich ouier Bcrücksirktiiruiiff dt% UrthcM, wie tr auch ia den Mirrh«« 
M, Aam. •••), die ältere an 
bsf lanbigte Auffimnnf sehe. 



(s. ob p. 88, Aam. ••*u die ältere auch JUr DenlachUad darch Ogfriedalied 
a. ÜB. 



LITTERATUR: A. RASZMANN, DIE NIFLUN0A8A0A etc. 93 

III geschriebeDy und iwar entweder genau nach der Vorlage, oder (nach Storms 
ansprechender Vermuthung, p. 101) nach UI's Dictate — so daß auch für 
1 * und 2 entweder die alte Vorlage oder III maßgebend gewesen sein muß. 
Von den erwähnten Widersprüchen werden also wenigstens 4 [l ' : 1 ^ (2 mal), 
2^ : 2^ (2 mal) nicht durch die Verschiedenheit der Schreiber erklärt, ebenso 
schwerlich 1 *" : 2^ (l mal) und würde höchstens öiner 1^:1° übrig bleiben. 
Ein Widerspruch ist noch besonders zu erwähnen: in NS. 3 (Attila und Aldrian) 
erscheint Attila begierig nach dem Niflungenhorte , und da ihn deswegen 
die entsprechende Strafe für den Tod der Niflunge trifft, muß die hier zu 
Gkunde liegende Quelle ihren Tod Attila's Habgier zugeschrieben haben. Wir 
werden wohl nicht irren, wenn wir annehmen, daß die speciell-deutsche Gestalt 
der Sage sich aus der älteren (== N.) durch eine Übergangsstufe entwickelte, 
wo Kriemhild zwar schon den Tod der Brüder veranlaßte, aber Etzeln durch 
Erregung seiner Habgier als Werkzeug benutzte, so daß die Rache auch Atli*) 
trifft. Diese Übergangsstufe mag auch noch darin eine Spur'*'*) in Ps. hin- 
terlassen haben, daß in Ps. Grimhild zweimal Attila durch Erregung seines 
Verlangens nach dem Horte zur Vernichtung ihrer Brüder zu bestimmen sucht 
— freilich, der in Ps. herrschenden jüngeren Auffassung gemäß, umsonst. — 
Ober NS. 3 handelt R. p. 220 — 225. Ich bin aber nach dem Gesagten mit 
ihm nicht einverstanden, wenn er die Erzählung Ton Aldrians Rache für „einen 
späteren" [eigen thümlich sächsischen] „Auswuchs der Sago" hält. Der Schluß 
der Klage; verglichen mit Gr. Mjth. 908^ und Gr. HS. 284, sowie das Mär- 
chen Tom Simeliberg (Grimm Nr. 142, wo einer aus Habgier in einen mit Gold 
gefüllten Berg^ den sein Bruder ihm gezeigt, eindringt aber nicht wieder her- 
auskann und darin umkommt) sprechen dafür, daß dieser (auch im Högniliede 
und der Hven^schen Chronik sich findende) Zug'*'^)^ einer alten gemeindeut- 
schen, aber im Süden fast verschollenen Sagengestalt angehörte. 

Die Ansicht, daß in Ps. niederdeutsche Lieder benutzt sind, wird dadurch 
bestätigt, daß manche Stellen sich durch poetische Sprache und Schwung der 
Darstellung merkwürdig von dem trockenen Ton der Saga abheben f) und noch 
die zu Grunde liegenden Verse durchblicken lassen — z. Th. mit ausdrücklicher 
Berufung auf deutsche Lieder — ohne daß das NL. zur Seite stände, so z. B. 
C. 387 Ende, 388 Ende (R. p. 211), C 389, 5 ff. — hier mit Berufung auf 
deutsche Lieder; C. 367 (besonders AB, s. ob. p. 78). Das * Singen der 
Sehwerter geht gewiß auf poetische Quellen — und dann doch wohl auf 
deutsche Lieder — zurück ff); beispielshalber setze ich hierher p. 317, 2 v. u.: 
Drotning QrtmhiUdr stendr i einum Ivm oc iir for brcedra Hnna (formelhaft, 
R. p. 163). 317, 1 V. u. : Nu ser hon par margan nyjan skiolld [oc fagran 
hjcUm AB] oc marga hvtta hrynio, oc margan dgrligan dreng (formelhaft s. u.). 
818; 2: Nu er petta ed grama $vmar fagrt (poetische Quelle), nü fara mtmr 



*) Mit Kriemhild im HögniHed, Kriemhild aUein (da Atli ihr fehlt) in der 
Hven*sehen Chronik. 

•♦) Vgl. auch ob. p. 78, Anm. 
'^**) Vgl. auch den ähnlichen Zag in den jungen Atlamil 54. 

t) In NS., aber auch sonst (z. B. von Rückert, Rother XVIIl) bemerkt, 
ff) Indes kommt die Wendung auch in nordischer Dichtung vor, s. CL-V. — 
Außer der NS. findet sich Berufung auf deutsche Lieder noch C. 362; 488 u. s. Wt 
(s. Storm p. 106 f.). 



04 UTTBRATUR: A. RAaZMANK, DOS HIFLUNQAaAOA «Ic 

bntär med wuargan nyjan MoUd oe marga kviia brfmio (wdrtlieh =s HIs. 
^B 1717, 2 ff.)* <>c ^^ minmvmc db, kvermi wuk hanma em Möro täir Sigmrdmr 
«v«M (formelbAft = 318, 26 = NL. 1523, 4). — Ferner die Bennteoag danft- 
•cher Tom NL. abweichender Quellen (wenn aneh nieht notbvendig poeti e ctie r ) 
beweiten die Übereinftimmongen mit dem SigfrideUede i Anh. i. HB., Mir* 
che» u. s. w.y in einseinen Zügen, wo NL. abweicht: U8gnl ist Brnder d«r 
Könige (Sigfrl., HB., Märchen); Dietrich schlägt Kriemhild in der Mitt« 
durch (HB.; NL., Hs. b); die Aofopferang des eigenen Söhnet dareli KiicM* 
htld (HB.; NL., *B}; die EntgegenMndong des warnenden Boten (C. 871 := 
NL., Hs. by 8. R. p. 160) n- •. w. — Aber aneh, wo wir keinen lufl e in Ab- 
halt haben, tragen ZQge der ra., die NL. nicht kennt oder abweiehend enikl^ 
das Gepräge der Echtheit, indem sie hfibsch und sagenmäflig sind. Ich 
nur beispielsweise, daß Sigurds Tod auf einen Eber statt auf die 
geschoben wird (R. p. 102 = Uoltsmann, Unters, p. 176); abgesehen dnfOBt 
dafl jenes hflbscher ist, hätte Sigfrid, den selbst ein Held wie Hagen nnr mÜ 
Anwendung ärgster Hinteriist t5dten kann« die $Mekt B rt im wildm tmm govii 
nicht sn fürchten gehabt; daß Giselher, den die Mutter snrfickhalten will, er- 
klärt, er wolle nicht daheim bleiben, wenn seine Brfider fiüiren (B. p. 129) 
und daß derselbe, da Hagen um Schonung für ihn bittet, erklärt (R. p* 214 1), 
er wolle nicht allein nach seinen Brfldem leben (vgl. Klage 1804X wid (aa 
derselben Stelle) daran gemahnt, daß er ein kleiner Knabe gew ese n , da Big- 
frid erschlagen*); — daß Bodingeir von der Hand Qiselhers, seines Seh wie* 
gersohnes, fällt, durch das Schwert, welches er ihm selbtt geiohenkt (R. 
p. 156 f.); — daß Grimhild den Dietrich durch das Verspreehen an gowimea 
sucht, ihm wieder in sein Reich su helfen (R. p. 176) u« a. w. Aneh dia 
sieben Jahre swischen Grimhilds Vermihlung mit Attik und dem UnteffguafO 
der Niflunge stimmen besser mit den sonstigen Angaben der Sage iberein alt 
die swölf Jahre des NL.*s^), wie R. p. 116 f. aasführt; ebenso die Bo- 
scbreibang Högnis (R. 174); richtiger ist die Angabe der Saga (J%ni otett 
Aldriam) C. 375 (R. 173). Femer gehSren u. a. anch hierher die von R. 
p. 95, 11 ff.; 152, 12 ffL^; 185, 4; 207, 1—7 t. n., bespfochenen Zigo. 

Auch ist su beachten, was ich meinerseits hinsnf&gan mäehta, daß in den 
Partien, die vom NL. abweichen, die Saga nicht selten deniseho Wärter 
hat, so abges eh en von den ständig wiederkehrenden Beiwörtern «MTfref^ 
mastari (=r Waffenmeister), s. B. ^ikmonm' (Lindwurm) p. 167, 20 t), 
vrmr^ daneben auch dreki (308, 21), was in diesem Znsammenkango 
wohl auf dentsehe Quelle weist; ^^r-pollr (Glas- p Ott), dafür später fiir*äer 
1162, 1 u. ü.); gräia $drlega 316, 9 v. u.; 818, 24; 327, 7 n. 5. ist dM 
deutsche $fre trfimm (wo srrc noch nicht die verblaßte Beden tnng hat); diakr 
(anch sonst suweilen im Nordischen, = disch) 328, 9 v. n.; iassn 827, 21; 
^vismmdr p. 801, 7. 9. v. u. das mehrfache Hervorheben der Strafe des fllngens 
(*161, 9; M68, 2, auch sonst ofl in I^s.); iimilebrwd p. 858, 22; viriaar 
PC gnHr 299, 7 t= 266, 12. 27; 267, 4); tfoUari 299, 22; tmtpm (iintt ä^l^O 



•) Worte, di« das NL 1914, S auf Daaewart ibertr^Mi haL 
•*) Vgl u. p. 96 das Aber die fk*rnielhafl«i Zahlen gesagte. 
•^•} C. M9, 15 ff. s NL 1168 ff. ia aadstem TiümmsakiK^ i C. 8Ü, 9 ff. vgt 
C. 8U| 4 ff (C. 372, 2 ff. u. 6.) oad C. 308 Ende. 

t) Die mü •) besekhneten WMer sishmi te BS. l". 



UTTERATUR: A. RA8ZMANN, DIE NIFLUNOASAGA etc. 96 

— von den üblicheren $tolz, juncherre, juncfru^ riddari n, s. w. gar nicht zu 
reden. Vielleicht gehören noch hind (^'165, 4; 298, 7) und fingrgtdl {=vingerl^ 
210, 5 ▼• Q.; 80 anch in Osvaldssaga) hierher, akarpr, als episches Beiwort des 
Schwertes (vgl. Germ. XIX, 321) n. dgl.*) Ebenso finden sich in der Saga, 
anch wo sie Yom NL. abweicht, die in der deutschen **) Volksdichtung üblichen 
formelhaften Zahlen, z. B. 3 : 3 Tage and Nächte 314, 2; 3 Nächte 210, 3; 
80 hundert *160, 21; — 7:7 Nächte 333, 7; 7 Tage und Nächte 211, 1; 
7 Tage ♦l59, 19; 7 Wächter ♦l69, 13; 7 Winter 308, 8; 7 hundert 328, 1; 
70 hundert *160, 22; — » : 9 Tage »167, 16; 9 Winter *165, 11; *166, 3; 

— 1» : 12 Monate *160, 7; ♦l65, 7; 12 Männer *168, 22; »170, 6. Irung 
und seine Söhne sind zusammen 12 (*170, 12***). 

Dies alles weist darauf hin, daß auch an den vom NL. abweichenden 
Stellen die NS, auf deutschen, und zwar niederdeutschen, Quellen beruht. 
Das Wahrscheinlichste ist also meiner Ansicht nach , daß dies auch Ton den 
andern Stücken gilt, wo Ps. = NL., da ja auch in diesem das Meiste ab- 
weicht und das Übereinstimmende, z. Th. auch mit N. stimmend, Hauptzöge 
oder wichtige Einzelheiten betri£Ft, also sehr wohl aus übereinstimmender Be- 
wahrung des alten Sagenstoffes sich erklären läßt. 

Dem gegenüber leidet Dörings Ansicht an den gißten Unwahrscheinlich- 
keiten. Wie sollte ein Mann , der nach jener Ansicht mit den Mittheilungen 
seiner Gewährsmänner so unglaublich willkürlich Yerfahr, der alles aufs Gröbste 
durcheinandergeworfen und mißverstanden haben müßte, mehrfach doch den 
Text seiner ihm durch mündlichen Bericht übermittelten Quelle so genau be- 
wahrt haben, daß man sogar in den kleinsten Einzelheiten noch die Hand- 
schriftengruppe erkennen könnte, der seine Gewährsmänner folgten? Ein selt- 
sames GMächtniß in der That, das ihm in den gleichgültigsten Kleinigkeiten 
so treu beistand, bei wesentlichen Dingen aber ihn so YÖUig im Stiche ließ, 
daß er s. B. die ganze KampfBcene — auf die es ihm doch besonders ankommen 
mußte — bis zur Unkennlichkeit entstellte ; daß er die schönsten Stellen ohne 



*) Ausser der NS. hat die l^s. z. B. [orlof (urloup) 88, 2 v. u.] L&rueald 
(ob. p. 83); Hormr (= Kampf) p. 283, 20; $kakmadr 858, 10. 18. 18 u. s. w. (vgL 
ob. p. 79). 

**) In nordischer Prosa in diesem Umfange meines Wissens nur da, wo deut- 
sche Qaellen zu Gründe liegen, z. B. in der Osvaldssaga (vgl. Annaler 1864, p. 20). 
♦^) Dagegen 5 : 6 Tage ♦169, 16; 208, 16 (A : 7); 10 : 10 Winter «les, 6. — 
In anderen Theilen der {>8. finden sich ebenso formelhafte Zahlen, z. B. 8:8 Tage und 
Nächte 283, 10; 3 Monate 17, 22; 3 mal 48, 1; 3 Schiffe 249, 12; 3 Könige 17, 24; 
8 tausend B&nber 363, 13; 3 junge Drachen 363,7; 30 Ritter 218, 4 ▼. u. — 1:6 Bitter 
16,21; 70,10 v.u. 248, 16; 6 Wochen 365, 22; 6 tausend Bitter 283,26. 34; 60 Ritter 
116, 26; 236. 9; 263, 6; 266, 14; 60 Maide 16, 26; 60 Habichte und 60 Hunde 16, 
28; 2 mal 6 Mönche 216, 11—7:7 Winter alt 220,4 v. u.; 7 Winter lang 220, 7 v. u.; 

7 Wunden 198, 11; 7 Tage 62, 7; 66, 4; 7 Ritter 840, 16; 7 tausend (daneben aber 

8 und 18) 869, 34; 7 hundert 348, 4 v. u. — t : 9 Winter 860, 8; 9 Ritter 840, 16. 

— 12: 12 Winter alt 24, 2; 26, 8; 21, 1 t. u. 20, 7; 16, 2; 19, 1 v. u.; 220, 7 ▼. u.; 
18 Burgen 16, 6; 219, 23; 220, 7 v. u. ; 238, 7; 268, 18; 12 Grafen 216, 10; 12 Mönche 
816, 11; 12Jarle 216, 14; 12 MXnner 21, 16; 84, 7; 266, 10 v. u.; 196, 18; 221, 28. 

— !• : 16 MXnner 342, 4.— 17: 17 Winter 26, 8; 17 tausend 283, 11. — 84 : 24 Ritter 
814, 6. -- 38:32 Winter 886, 6; 32 Mann 342, 8; 82 Ritter 338, 7. 1 t. u. — 
Andererseits auch 5:6 Tage 207, 13; 6 Uusend 283, 29; 6 Zähne 866, 9. — 
10 : 10 Uusend 17, 7 ▼. u.; 10 oder 12 (224, 4); 10 Mann 227, 7. — 18 : 16 Winter 
alt 86, 1 T. u. ~ M : 80 Winter 877, 16; 884^ 9 t. u.; 16, 7 t. o. 



96 UTTEBATUS: A. RA8ZMANN, DIE NIFLUNOASAGA «Ic 

weiteres fortliest — nod merkwSrdiger Weise gerade die Episode«, 
die wir ffir jüngeres SageDgnt oder gar fflr Eigenthmn d«s 
Nibelungeodichlers halten müssen! Wie konnte er den SeoleakaMpl 
Kficdegersy das Schwanken Kriemhilds bei Etsels Werbang, die Naebtwackt 
Hagens and Volkers, den Fall der Amelnngen nnd Dietrichs Schmers darflbor, 
sowie vieles andere so völlig übergehen? Wie konnte er den feinen Zvg der 
Liebe Kriemhilds zu ihrem jüngsten Bruder — die als letste Begoag der 
Menschlichkeit bei Kriemhild aus Strömen von Blut noch einmal aulUnefat -* 
so völlig vergessen, dafi er sie dem halbtodten Oiselher einen Feaerbraad in 
den Mund siossen läßt? Und solcher verwunderter Fragen könnte man noch 
gar viele thun. — Und wenn er nun wirklich so stumpfsinnig und geickmnck» 
los war, wie können dann alle die hübschen Eintelsüge (■• ob. p. 94) 
von ihm herrühren, die dem NL. fremd sind ? KarS| die Annahme, daß das NL. 
Quelle der NS. war, führt su den größten Widersprüchen und UnwahrecbeiB- 
lichkeiten. 

Und wie soll man sich das Überhaupt denken ? Soll das hochdeotscke NL. 
(s. ob. p. 8 1 f.) in Niederdeutschland so schnell populär geworden sein, daß eine 
uivilerdeutsche Übcrsetiung*), von der wir übrigens keinerlei Spuren habeo, «■ 
1250 nicht nur vorhanden, sondern auch so beliebt und verbreitet war, daß 
münniglich sie beinahe wörtlich auswendig wußte? Das sind Voraussetswif««, 
die nach meiner Ansicht einen viel stärkeren Glauben verlangen als das Vor- 
handensein einer niederdeutschen Volksdichtung, die — weil wohl niemala asf- 
gtfieichnet — sehr wohl spurlos verschwinden konnte. 

Wir wollen nur sehen, was es mit Dörings auf den ersten Bliek blas- 
dendem Beweise, den wörtlichen Berührungen, auf sich hat. 
scheint mir mit vollem Rechte su behaupten (p. 108 f.), daß sie die 
kraft nicht haben, die man ihnen sugesehrieben hat, denn 

1 . Die von Döring snr Vergleichung herangesogenen Worte sind a. Th« ia 
der Saga formelhaft wiederkehrend**) gebraucht (Beispiele bei R. p. 118; lt9, 
11; 161,5 V. u.; S04. 1— 17; S05, 6 f.; 217 Anm.). Man muß also des 
Stil der Saga erst untersuchen, ehe man auf einselne Stellen Schlflsee basi* 
So pHegt die Saga in ihren verschiedenen Theilen über Werbnnges (tkeilwciee 
wörtlich) übereinttimmend su berichten (c. 856 f. ^ 288 f. = 42 & bei E. 
p. 106. 109. 120), ebenso Ctastmähler (R. 153. 170); Aussfige von Heersehaam, 
p. 317 f. (= NI^, s. ob. p. 93 f.) 322, 20: 811, 4 ff.; 815, 18 ff. «. a. w. 
Sonst finden sich bei gleichen Anlässen dieselben Worte nnd Weodaagen ^^ 
1. B. p. 820, 3 V. u. = 321. 8 = 321, 18 = 323, 8; — 840, 20—28 = 
346, 2—1 V. u. 847, 1 — 4 (= j. IlildbrI., vgl. Germ. XIX, 817); — 280, 8 
V. u. = 847, 23B (= j. Hildbri. vgl. ebenda) = 295, 8 = 857, 18; 289, 28 

*) Denn daß n i e d e r deotseh« Kaufleute um 1260 das hoehdeatseke KU te 
Norwe|t«D theilweise w5rtlich vortmacD, kann ieh wenifst^as nur alekt vorstsHea. 
**) Da aber maache dieser sich wiederholenden Stelisa poettschs Pärbuag kabsa 
und an j« r>aer Stell« nch auch wohl mit deutschen DarstslIiiafSQ berQkrsa, so kann 
man aaf die Vemuthunf konunen, «laß die FormelhalUfkeit derQasIlsa (der Volks» 
Ueder) hitria noch dnrchblieke. Üoter d i e • • r Voraassetsnag kOaala man die Cbe^ 
sinsttmaiOD^en de« NL *• mit solcheo fomelhaftea SchilderunMi der Saga ftr nickt 
nflUUg h«lteD, bitte dann aber aach in allen solchen Fällen Usä f usi l sn 

•••) Der Raamnpamie kalber kabe lek dU teilen ailkil 



LITTERATUR: A. RASZMANN, DIE NIFLUNGASAGA etc. 97 

u. o., vgl. 329, 19 f.; — 369, 1 = 371, 5 ; — 354, 9 v, u. = 354, 1 v. n. 
vgl. 382, 18 = 292, 2; — 177, 3 v. u. — 365, 5 v. u. ; — 329, 7 v. u. = 
866, 5 V. u. {ok svd aegja pjjdersk ifcücpf/i); — 308, 7 = 315, 15; — 281, 20 
= 283, 22 u. ö.; — 268,20 — 22 = 292, 11 — 12; — 288, 22 = 290, 
T. u.; — 301, 23 f. = 302, 9; — 336, 2 f . = 337, 1 f . ; — 16, 15—17 = 
279, 31-33; — 16, 20 f. = 34, 18 f. (d. i. im Texte von III); — 17, 1 f. 
= 89, 9 — 11; — 18, 18 f. ~ 286, 1 f. ii. s. w.*) 

2. Dem ähnlich sind die Ubereinbtimmungen in solchen Fallen, wo die 
gleiche Thatsache nothwendig mit gleichen oder ähnlichen Worten berichtet 
werden mußte (Beispiele bei R. p. 142, 9—21 v. u. 158/59. 185/6 und viele 
andere). 

3. Döring zieht vielfach Stellen zar Vergleichung heran^ die das NL. in 
anderem Zusammenhange bietet**). So findet er mehrfach die Quelle der NS. 
in Aventiuren oder Episoden des NL.'s, welche die rs. sonst gar nicht kennt, 
wo dann der Sagascbreiber in Folge seines mangelhaften Gedächtnisses die 
Worte seiner Quelle an unrechter Stelle eingefügt haben soll. So steht es mit 
den bei R. p. 125, 13 flP.; 135, 8—16 v. u. ; 144, 4 ff.***); 154, 13 ff.; 181, 
17 f.; 197, 19 ff.; 183, 13 ff. (verglichen mit 192, 5—7 v. u.) ; 215, 10 be- 
sprochenen Stellen. Nicht selten erscheinen aber die fraglichen Stellen im NL. 
auch im Munde einer ganz anderen Person (z. B. R. 215, 20 ff.; 216, 7 ff.) 
oder auch unter völlig anderen Umstünden oder in anderem Sinne, vgl. R. 
p. 125, 5 V. u.; 163, 22; 167; 168; 180, 5 v. u. ; 194, 10. 24 ff.f). 

4. Alle die Fälle kommen in Abzug, wo NL. == rs., aber auch = N. 
ist; einige dieser Fälle s. oben p. 91 — 92. Wir dürfen aus diesen Fällen 
schliefen Y daß auch da, wo N. nicht zur Seite steht, die Übereinstimmung 
«wischen NL. und Ps, sich oft aus übereinstimmender Bewahrung desselben 
Znges der gemeinsamen Grundsagc erklärt. 

5. Bei wörtlichen Berührungen trägt doch nicht selten die Fassung der 
Saga das Gepräge der Echtheit und grösserer Alterthümlichkeit , sie hat den 
originelleren (bezw. derberen) Ausdruck; so z. B. bei R. 102, 17 (s. ob. p. 94); 
126, 21 ff.; 179, 16 f. v. u. u. s. w. (Vgl. Rieger, H. Z. X, 245 f.). — 

Was nach Abzug aller Stellen, die unter diese Kategorien fallen, an wört- 
lichen Übereinstimmungen übrig bleibt, das betrifft 1. im Wesentlichen bedeu- 
tende Aussprüche der Hauptpersonen, Hauptmomente der Sage, die sich in allen 
Umgestaltungen derselben wesentlich in der gleichen Form erhalten mußten 
oder am leichtesten erhalten konnten; das hat schon Rieger (Z. f. d. Alterth. 
Xy 245) bemerkt und jetzt wieder Raszmann p. 238. — 2. Ist es keineswegs 

*) Jedenfalls sprechen diese bei den verschiedenen Schreibern wiederkehrenden 
Wendungen — auch zwischen dem ersten und zweiten Theil Hessen sich noch viele 
Übereinstimmungen nachweisen — für die wesentliche Einheit der nns erhaltenen 
Darstellung, so daß die Abweichungen von der Vorlage, die sich III (und unter seiner 
Anleitoog IV und V) etwa erlaubt haben sollten, in den Einzelheiten nicht sehr 
groß gewesen sein werden. 

**) Diese Fälle beweisen gerade, daß wir es nicht mit Entlehnung, sondern 
mit zwei Sonderentwickelungen einer gemeinsamen Grundsagre zu thun haben. 

***) Für hvat gaftn honum at sökf erwartet man auch als Quelle etwa toaz 
richtii du an imf Ebenso scheint {^s. p. 291, 27 hvat gaf giid mir <U sökf z=vxiz riehet 
$ot an mirf 

t) Eher könnte man wohl 2096, 3 f. als 2099 f. vergleichen.] 

OKBIUNIA. Nene B«ihe XI. (XIIII.) Jahrg. 7 



98 



LITTERATUR: A. RASZMANN, DIE NIPLUNGASAOA etc. 



gleichmäflsig über die ganze NS. vertheilt^ sondern die wörtlichen BerühruDgen 
stehen einerseits hier und da vereinzelt unter lauter Abweichendem (wo sie eher 
gegen Döring beweisen), andererseits finden sich ihrer verhältnißmäßig Yiele 
dicht neben einander, und zwar in Scenen, die zu den ältesten und wichtigsten 
der Sage gehören und auch im NL. in der Regel von besonderer Bedeutung 
sind und dem alten knappen Stil der Volksdichtung sich besonders nähern. 
3. Lassen sich ähnliche wörtliche Berührungen wie mit dem NL. für die Ps. 
auch mit anderen mhdd. Gedichten, wie Rother, Klage, Rabenschlacht [und Sig- 
fridslied] — um das liildbrl. und Eckenlied hier aus dem Spiele zu lassen — 
nachweisen, wo doch wohl Niemand an Benutzung dieser mittelhochdeutschen 
Gedichte glauben wird; ja selbst andererseits zwischen dem NL. und Edda- 
liedern, beziehungsweise VS-, lassen sich manche wörtliche Übereinstimmungen 
nachweisen; sollen etwa darum auch die Eddalieder oder VS. das NL. be- 
nutzt haben?! 

Ich bringe zunächst für meine letzte Behauptung Belege: ausser den ob. 
p. 92 angeführten Stellen gehören hierher z. B. (wo die Ps. überall nichts Ent- 
sprechendes hat) : 



VS. 139, 18: J^at dreymdi mik, 
at ek s4 einn fagran hauk m^r 
4 h e n d i ; f jadrar hans vdru med 
gulligum lit. 

Zu 139, 11—14 vgl. NL. 14, 1 f. 

139, 20: nökkura konungs son mun bidja 
))fn... 23 S4, er pü fasr, man 
Vera vel mentr. — 141, 24: hann 
mantu eiga ok h ann skjött missa. 

Akv. 27, 4: Er und ein um mdr öll 
um folgin hodd Niflunga. 1 ifira 
nü Högni. . . 28, 1 : Rio skai r4da 
rögmalmi skatna..,, 28, 7 heldr en 
4 höndum gull skmi Hüoa börnum. 

Akv. 21: Fengu ])eirGunnar ok i 
Qötur settu. . . ok bundu fastla. 
fr4gu froeknan, effjör vildi, gotna 
])j6dan, gulli kaupa. 



Zu Akv. 22, 1 -4 vgl. NL. 2368. 

Akv. 24 , 5 — 8 : [8k4ru J)eir hiarta 
Högna or briösti]*) bloitugt J)at 4 
bjöd lögdu ok b4ru fyrGunnar. 

Brot af Sig. 8, 4 : lengi s k u 1 u et n i 6 1 a 
landa oc ])egna, er ör froeknan 



NL. 13: . . .troumte Kriemhilde, 
wie sie züge einen valken starc, 
s choßn und wilde. 

[Kürnb. : unt toas im Hn gemdtrt 
alrot (juldtn\, 

16, 4: waz ob dir got gefüeget 
eins rehte ichosnen ritten lip, — 
1 4, 3 f. der valko den du ziuhest, das 
ist ein edel man: ...du maost 
in schiere vlorcu han. 

NL. 2371, 1: Nü ist von Burgonden 
der edel künec tdt ... den 
schaz weiz ml niemen wan got 
u n d e min: der sol dich yftlandinne 
immer wol verholen sin. 

NL. 2360, 1: stt twanc in der Ton 
Berne. 2361, I: der berre wart 
gebunden. 

2367,3: weit ir mir geben widere, 
daz ir mir habt genomen^ §6 
muget ir noch wol lebende heim 
zcn Burgonden komen. 

2369, 3: man sluoc im abe das honbet: 
bi h4re si ez truoc 
für den helt von Tronege. 

NL. 870: ob Sivrit niht enlebte, 
so wurde im undert&n vil der 



') So nach der Parallelstelle 22, 5 f. herzustellen. 



LITTERATUR: A. BA8ZMANN, DIE NIFLUNQASAOA etc. 



99 



gram falla l^tad . . . Sig. sk. 

1 3, 1 : reidr [hrsBddr] vard G u n n a r r 

ok hnipnadi. 
Sig. sk. 19, 1 : vituma vit & molda 

menn in sselli, n^ in mastri maBgd 4 

foldu. 
Sig. sk. 17: gott er at r&da Rinar 

malmi oc unandi audi styra. 

Brot af Sig. 1 : hvat hefir Sigurdr til 

saka unnit, er pü froeknan vill 

fiörvi nsBma? 
Sig. sk. 20, 7: eru Brynhildar brek 

ofmikil. [Vgl. Brot 3.] 
Sig. sk. 20, 7: ein veldr Bryn hildr öUu 

bölvi. [VgL Brot 3, 1—4.] 
Sig. sk. 28 : en yid Gunnai grand ekki 

▼aunk; t)yrmda ek sifjum, svörnum 

eidum . . . 

Sig. sk. 29: kona varp öndu. . . svd 
slö h6n sv4ran sinni hendi (Gudr. I: 
f)4 grdt Gudrun Giüka döttir), at 
kv4da vid kalkar i vr4. 

Gudr. II, 12: n6tt pötti mer nidmyrkr 
vera^ er ek 84rla satk yfir Sigurdi. 
ulfar ))6ttumk öUu betri, ef peir löti 
mik lifi tyna. 



künege lande, der belt dd trüren 
began. 

872 : er ist uns zen saslden unt se dren 
gebom. 

774: bort der Nibelunge beslozzen b&t 
sin baut: hei [solden wir den teilen 
noeb (so *C) in Burgonden laut! 

866 : warumbe tuot ir daz?janegediende 
Sivrit nie alsolben baz, daz er dar 
umbe solde Verliesen stnen 
lip: j& ist ez barte libte^ dar umbe 
zürnent diu wtp. 

1010: ez b&t geraten Prünbilt, daz ez 
b&t Hagene getan. 

989, 3 : icbwas iu ie getriuwe {dem Wort- 
laute nach genau, aber in anderem Zu- 
sammenhange :) 2102^ 1: icb was dir 
ie getriuwe, nie getet icb dir leit. 

1009: do erschrd si n4cb unkrefte, 
daz al diu kemenäte erdöz. 



1056: drt tage unt dri nabte wil icb 
in läzen 8t4n, unz icb micb geniete 
mins vil lieben man. wac ob daz got 
gebiutet^ daz micb oucb nimet der 
tot? so wsBre wol verendet mtn armer 
Kriembilde n6t. 



Zu Gudr. I, 13 vgl. nocb NL. 1068 f. — Diese Proben mögen zur Be- 
stätigung meiner Behauptung genügen. 

Zwinchen r s. und ^König Rother finden sich beispielsweise folgende wört- 
liche Berührungen: 



Ps. 39, 14 : ec t6c bans .VI. ena beztu 
riddara oc kastada ec i dyflizu. 

41, 10: p^r hafit flutt mikfnn her 
i land v4rt. 

40, 12: \)k er pidrekr konungr er ko- 
minn fyrir bdsaeti Milias konungs. 

41^ 8: ]}k feil l^idrekr til jardar firir 
f6tnm Milias konungi. 

H, n""!: 41, 2 V. u.: ok \)k er Melias 
konungr sör petta lid, pk ottast bann 
miok ok villdi mykklu haelldr 
at seigi bsefdi 8i4 bserr koniet 
ionan borgar. 



Roth. R. 993: sine botin sin hier ge- 

bundin in mime kerkere. 
982: din gcverde daz ist gröz. 

915 f.: Constantin saz üffe sinen st 61. 
Tbiederich gezogeniiche stdnt 
vor ime an den knien. 

954: mir ist leit daz er ie here 

quam 
unde die sinen holden 
dunkint mich harte erbolgen. 
die haben sd uotlicbe site. 

7*- : 



100 



LITTERATITR: A. RASZMANN, DIR NIOLITNGASAOA tte. 



r 

40, 5: pk skiptir <>t. k. nafoi s/no, 

oc k&llar at hdfdiogi hcrsins hciti 

t>i4rekr*). 
370, Sl: tri at eng! fi!l fer haon 

borit. 
43, 17: |>4 brytr hano / saodr alla 

iimreceodr, oc )>r/fr sina iarastong 

oc ... drepr bedi karla ok konor 

oc born oc fdnad oc allt |)at er 

fjrir hoaam vard. 
[') 84, 4: hann 4 nioa jirnitong h^va 

oc ttcrca oc digra.] 
42» 5: )>4 heyra petta sagt ri- 

taroir; oc verdr Vidolfr mittain- 

ttaDgi 8y4 reiftri at hano tüI drcpa 

11 iliaa konong . . . 
ocnüft/gr haon badum futam allt 

t i I ö c 1 a / i o r (t o o a n i it r. ok 

kallaf h4tt . . . 
))ii ert mikla göfgari madr enn 

bann. 
42, 13: oc tT4 gera )>eir| at )iar vard 

baoD bandino med tt6ram i4rD- 

rakendom. 
40, 2v. a.: du bwir hano mik r»cit 

or ttna r/ki, oc eigi ma ek ))ar 

▼era firir honoin. 
Mt n* It 43, 6 ▼. u. : )>ti ert nii i fadoii 



Otanctrix konongt 



*•• 



}. 



35, 1 1 : Milias kooungr tekr Tel Tid 

kvedia f). 
34, 22: V^ vilinm bidja r dar rar 

d<Sttar oat til eiginkono 
86, 7 : M. kallar tinD frbirdi, at hanu 

tkal taka |>efta »eodimenn ok 

katta i d Vflit u. 



818: ich bitüeh alle gelfcha... 
heizet mich Thtdertche. 

654: den ne mochte nichein roa g«- 
tragen ••). 

1G61: die ketenen die x6brmch er 
gare iinde begreif eine •tAltne atange 
vier unt z«6nzic eile lange '). twat 
ime des Volkes wideratiei« 
wie IQtzcl er des genesen liei« 



771: AI M wltc Rüther« den kaninc 
bat, 1000: Also AspriAn diae 
rede Ternam, den »chilt er Taascn 
began . . #r gcligit etteltcher tot, der 
alliT tiirist will sfn. 942: AsprUa 
der rise trat in d6 erden bis 
an das bcin. 

1251: du bist rfoher danne Coa- 
• tantin. 

1732: WiJolt wart gevangin, gab«»* 
din an die lannin. 

929: dö er mir sin riebe verbot, 
du rodstich ix n'imen darch dd D6t. 

2261: jA ttdnt dine rote in Rotberia 

schoxc. 
270: der kuninc ... die helede er alle 

wol intfinc. 
319: der wolde dine tohter seiaer 

kflniginoe hin. 
342: der kuninc heix die bdtin kA- 

ren in einen kerkere. 



Wie schon diese wenigen Stellen leigen , stimiLt xuweilen M n* I ge- 
naoer snm Rother als III ^ AB, meist ist indessen das amgekehrte der Fall; 
ich verweise in dieser Hinsicht auf p. 79, Anm. ^ — Auch die Klage (aacb 
meiner Ausgabe citiert; seigt wörtliche Berührungen mit Ps., so: 



*) Mn'I (f«oaoer =- Kother >: O.i- b^d alla tinarnrnnkatla »ik Friärik 
(sie!) kanw^ 

^*) Beides von einem Kir«rn ^rMfrt. aber in inini auderem Zasammeakaagt. 

Re Wendanf t«t fonnelhaft in der 8{iiriinanntdirhtg , ». (Serm. XVIII, 426 Aakalick 
I. 44. 16 ff. "=- 9069 0.. anck in ander pm ZusammenhAnge. 
***) In 111 t*t die Übcreintümmaaff vcrwisckt. 
t> In der 8aga formelhaA. 



LITTEBATDB: A. BASZMANN, DIE NIFLUNGASAGA eto. 



101 



338, 7 V.U. : Sv4 segja ))yde8kir menn, 
at engl orrosta hevir Yerit frsegri i 
fornsogum heldr en pessi. 

834, 18: vfst er mdr ])at hinn mesti 
harmr, er ck hsßfi 8y4 Isengi 
mist mfns rfkis oc h^r verit i 
Hünalandi. oc du hsefi ek 14tid 
alla mina drengi oc vini oc 
alla mfna soemd. • . 



334, 24: Hvat gerom v^r nü i 

Hünalandi? 
337, 14: oc nü grastr Attila k. oc 

barmar t)at miok, at hann skal t)idrek 

k. 8vä i brott lasysa, at. . . 
336, 13: oc hinn fiörda best befir 

bann klyfiat med gnlli oc silfri 

oc t)eirra k 1 sb d n a d i. 
337,26: \)k er ek bafda lätit mitt 

riki firir mfnam fadurbrödar , . . pk 

kom i gegn m^r margrsßifinn. . . 

331, 2 Y. u.: en ecki hirdi ek (Gisel- 
ber) at liva einn [eptir mfna ') broedr 
(tfi anderem Zusammenhange). 

*) AB: ef drepnir era allir m. 



Kl. 3790: ez ist diu groeziste gescbibt 
diu zer werlde ie gescbacb. 

1958: aller der trdst min der lit nü 
an dem ende . . . der tac st geunSret, 
daz leb ie gescbiet von Berne: 
ir wäret bi mir gerne, mtne m&ge 
und mine man...nü stdn icb 
alterseine . . . 2775 : wie sol icb von 
disen leiden mit 6ren min ge- 
scheiden. 

2754: sit yerweiset ist daz laut, waz 
suln wir nü dar inne? 

4050 : Etzel wandelte den sin von den 
starken leiden^ d6 sie Ton im wolden 
scheiden. 

4594: unt daz ein soumsBre mit in 
dan truoc vrowen Herräten kleit 
(vgl. auch 4505 f.). 

2216: d6 icb den vtanden min maose 
rümen miniu lant, die triwe icb 
ninder ervant, wan an dir einem 
RüedegSr. 

1304: Hagene der küene des vrides 
nibt enwolde. Er sprach, zwiu er im 
solde, sit daz sie beide lasgen tdt, 
Giselbdr und G^möt. 



Ebenso finden sich wörtliche Berührungen zwischen Ps. und Raben- 
scblacbty doch kaum mehr als folgende: 

Zu Str. 12 (noch sin weinen läzen) vgl. rs. 278, 5 f. (fl^r V€Un af haiM 
bädom augum). 



rs. 251, 10: nü Isetr Erminrekr konungr 
bl&sa sin um lüdrum {in ganz anderem 
Zusammenhang)» 

278, 12: oc ))etta bit sama barmar 
mik miok. 

279, 24: ek skal v»ita honom mfun 
mann margraeifa Rodingeir oc 
med honom .XX. hundrad rid- 
dara oc alla vel büna. 

292, 1: at »ngi madr fsBr honom 
fylgt. 

292, 7: oc nü kallar ))idrekr ko- 
nungr 4 Vidga. 

292, 9: ef pu potir at basriaz vid 
einn mann, pk bidmfn (vgl. 268, 



Rab. 589: dö biez der künic Ermricb 
blasen daz berbom. 

24, 6 : daz riuwet mich vil sdre sicher- 
liebe. 

40, 5: [sprach Rüedegdr:] zwei 
tüsent beide guote, die vüere 
icb im. . . 

916, 6: si mobten dem Bernsore 

nibt gevolgen. 
922: ruofen er begunde Witegen 

vaste an. 
925: bista küene soltu min biten. 

926, 1: Ie lenger, ie 86 mdre ber 



102 



LITTERATÜR: A. RASZMANN, DIE NIFLUNGA8AGA etc. 



20 — 22). En Vidga l»tr sem bann 
hseyri »igi oc rfdr nü allra hva- 
tast. Oc enn kallar })idrekr 
anDat sinn oc bad bann bida ef 
bann })orir. oc ssBgir at petta er 
skom at flyja fyrir »inom manni. 
292, 17: en])idrekrernükominn 
n41iga at bonum ... oc nd ridr 
Vidga dt 4 siöinn. 

292, 22: nd ridr })idrekr k. aptr 
pBx sem bariz hafdi verit . . . oc nu 
kemr bann }) a r at er liggr bans 
br6dir })^tber. 

293, 1 : p&t vsBit gud med m^r, bssUdr 
▼illdi ek bafa borit st6r 84r oc \6- 
rit })it bsBÜir. 

293, 15: ek bat Erka drotningo, at 
ek skylldi foera benni b4da sina sonu 
(die Thataache ist in rs, nicht er- 
zählt), 

294, 12 v. u.: bversu vardu sik 
mfnir sjnir b4dir . . . 4 d r p e i r 
fellu? 

Außerdem ist zu ^b. 291, 24 ff. 
V, u. — 292, 1 = Rab. 619^ 4; 293, 



Witege Ton im reit. Er getorste 
nibt gebiten. Dd rief aber ber 
Dietricb bi den ziten. — vgl. 
927, 4; 932, 4. 



961, 6: er was dem starken Wi- 
tege komen sd näben, daz . < • 
962, 6: Witege was dem mere ko- 
men sd naben. 

975: dd kgrte er (Dietricb) wider 
über die beide zuo den kindeo. 



980: Daz wolde got der riebe , and 
solde icb in ir leben . . . wol gesunt 
wider geben. . , icb wold den wer- 
ten iezuo yfir si sterben* 

187, 3: mit gesunde salt irs scbonwen 
scbiere wider im Hiuniscb rieh. 



934: wie werten sieb diu kint, die 
...üf der beide erslagen sint. 

zu vergleicben Rab. 907, 3 f . ; 291, 2 
3 ff. = 1019, 6 — 1020, 1. 



Ahnlicb stebt es endlicb mit dem Sigfridsliede im Verbältnisse rar 
rs. , worauf icb bier aber nicbt mebr eingeben will;*) sogar die Episoden 
des Rosengarten, denen entsprechende die rs. in ganz anderem Zosammen- 
bange kennt (s. ob. p. 82 Anm.), zeigen auffallende, z. Tb. sogar wörtliche**) 
Berührungen. 

Nach allem dorn darf man auf die von Döring nachgewiesenen Überein- 
stimmungen zwischen rs. und NL. nicht so viel Gewicht legen, daß man ihnen 
zu Liebe einer Ansicht zustimmt, die (nach meiner Meinung unmöglich, jeden- 
falls aber) an sich höchst unwahrscheinlich ist. Wohl aber beweisen jene 
Übereinstimmungen von unserem Standpunkte aus, daß das NL. seinen 
Quellen, den benutzten Volksliedern theilweise sehr getreu sich anschloß (vgl. R. 
p. 254 f.). 



♦) Z.B. t>8. 299, 23 f. = Sijrfrl. 175, 2; 168, U f. = 10, 4-11,1 (wÖrtUch); 
166, 2, ff. 8. ff. = 6, 3; 166, 22-24 = 5, 1 (wörtlich); 167, 1 f = 5, 4; 167, 10 f, 
V. u. = 9, a f. ; 169, 7 V. u. = 47, 2; 169, 6 v. u. f. = 48, 2 ff. n. s. w. 

**) Z. B. t>8. 332, 18—20 = Rosg. C. 1980—1920; 364, 4. 19—21 = 472. 479; 
364, 18 = 466 f.; 364, 14 ff. 18 ff. vgl. mit 623 ff.; 366, 2 v. n . — 366, 2 vgl. mit 
^30 f.; 368, 1-6 = 375. 379 f.; 369, 5 f . = 567 f. u. s. w. 



LITTERATUR: A. RASZMANN, DIE NIFLÜNGASAGA etc. 103 

Döring ist aber noch weiter gegangen und hat sogar aas Überein- 
stimmangen mit Lesarten der Onippo *B , bezw. *J auf die Benutzung 
einer zwischen *B und *C die Mitte haltenden Recension schliessen wollen. 
Nach unseren bisherigen Resultaten brauchen wir auf diesen Punkt nicht 
mehr einzugehen ^ zumal Raszmann p. 24 ff. nachgewiesen hat, daß bei ab- 
weichenden Lesarten rs. keineswegs vorwiegend mit *B übereinstimmt*). Hin- 
sichtlich des ntulich gehtt in B 1554 und den sich daran knüpfenden Fragen 
schliesse ich mich R.'s Erklärung (p. 27 und namentlich 140) an. 

Auf Seite 225 — 227 gibt R. eine übersichtliche Zusammenstellung der 
einzelnen Züge, die rs. mit den nordischen Quellen gemein hat, sodann die 
der rs. eigenthümlich sind (228 — 234) und die sie insbesondere mit dem NL. 
gemein hat (236 - 237). Dann folgt eine sehr dankenswerthe Zusammenstellung 
der wörtlichen Berührungen zwischen rs. und NL. (238 — 249) und endlich 
(250 — 258) zieht Raszmann den Schluß, daß im ersten Theil der NS. die nord- 
deutsche , im zweiten die süddeutsche Sagengestalt vorwiege, und daß letztere 
auf einem eigenen Liedercyklus beruhe. Daß es sich mit NS. 2 in mancher 
Hinsicht anders verhält**) als mit NS. 1 muß man zugeben; ob dies aber auf 
grösseren Einfluß süddeutscher Sage zurückzuführen ist, ist doch zweifelhaft, 
da es sich auch im NL. mit dem zweiten Theil in mancher Hinsicht anders 
verhält als mit dem ersten. — Darin aber, daß in Ps. im Ganzen eine ältere 
Gestalt der Sage erhalten ist als im NL. , stimme ich mit R. überein, und es 
sei noch bemerkt, duß Wilmauns'*'^'*^ Herstellungsversuche einer älteren Gestalt 
(des Liedes; wie ich meine:) der Sage (Jen. Lit. Ztg., 1877, p. 346*) vielfach 
durch die rs. bestätigt werden. 

Schließlich fasse ich das Ergebniss dieser, vielleicht allzu ausführlichen 
Erörterung dahin zusammen , daß ich trotz abweichender Auffassung in manchen 
Einzelheiten im Ganzen der Ansicht R.'s nur zustimmen kann, daß die NS. 
nicht das NL., sondern nur niederdeutache, zum Theil in Liedform überlieferte 
Sagen benutzt haben kann, und daß diesen nahe verwandte hochdeutsche Sagen 
und Lieder der Dichter des Nibelungenliedes da benutzte, wo es mit der rs. 
genau übereinstimmt. 

Was endlich die Form des Buches betrifft, so ist diese nicht immer 
zu loben: der Stil ist mehrfach nachlässig (z. B. 42, 12 v. u.; 135, 10 — 13 
▼. u. ; 175, 24; 181, 11 — 13 v. u.; 211, 20 u. s. w.); und Satzungeheuer 
wie p. 103, 7 — 104, 2 oder 29, 7 v. u. — 30, 5 lassen sich nur mit Mühe be- 
wältigen. — Auch Druckfehler sind nicht gerade selten (z. B. p. 40, 4 seiner] 
1. meiner; — 41, 11 v. u. vor] 1. von; — 43, 6 hinter Volkslied fehlt 
hervorgerufen' oder dgl. ; — 145, 24 im] 1. in den; — 202, 6 aus] 1. aus 
den (?); — 213, 5 v. u. dem] den u. s. w.), besonders in den ausgehobenen 
Stellen der nordischen Texte (z. B. p. 130. 157. 166. 207. 240. 243 ff.), 
und an fünf Stellen (p. 43, 7; 52, 18; 57, 9. 30; 58, 12) wird ein Aufsatz 
Kölbings unter meinem Namen citiert. 

*) Daß 1^8. sieh so häufig mit *J berührt, aber nie mit*J allein, erklärt sich 
wohl, Mofern nicht Zufall im Spiele ist, hna dem von Paul bewiesenen Verhältniss von 
•J (und *d) zu B und *C (vgl. Jen. Lit. Ztg. 1877, Sp. 346'). 
**) Auch in Betreff der Berührungen mit NL. 
***) A. a. O. Raszmann stimmt mehrfach mit Wiimanns, dessen Buch er noch 
nicht kannte, überein. 



104 UTTKRATUR: TBKR BUNENHANDSCIIRIFTEN. 

Doch dieM kleinen auUurcn Mangel können den inneren Werth de« Rache« 
nicht beeinträchtigen, und gewiG sind wir dem VerftiMor zu Dank TerpflichtcC, 
daß er die Arbeit, :in die lich aniicheincnd bisher Niemand hat wagen wolle», 
nicht tcheuend die wichtige* Frage wit»der in Erörterung geiogen ond hinticbt- 
lich des Nibelungenliedes, wie mir scheint, cutschieden hat. 

LEIPZIG, im Octuber 1877. A. EDZARDl. 



Über Rnnenhandftchriften. 

Die Commtssion für das amamugra^iinisclie Lecat hat ichon Tor etnigen 
Jahrt'n begonnen unter dem Titel ^Arnamagna^anske Ilaandskrifter i 
fotolitografiske Aftryk" einige der schöneren und wichtigeren Hts. der 
unter ihrer Leitung steht-nden Stiftung in photolithographischem Drucke herana- 
xugeben. Im Jahre 1869 ei schien zuerbt ein 8tUek von Valdemara asl- 
laudake Lov nach AM. 24. in 4'", und »piitcr das älteate Bruchstflek de« 
ialändischi'n Eluridariua na^ h AM. *i71. A. in 1'"; ao<lann aber folgte 
(1877) der Codex Kuniins. AM. *JK in S^ l)i«>i<» Hs. enthält: 1. daa all« 
Mchonischo Landrfcht, L*. ein kleines Stück iili«*r buH»lose Thaten, 3. das acho* 
niffche Kirchenrecht. 4. ein klcinei» Stürk iibfr Wfibeiland, f). und ß. iwei Bruch- 
stücke «Lihitii her Ki>nig^rrihcn , 7. ciiif 4wr«.n..befttnimuni; swischen Dänemark 
und Schwi'dcn, endlirh 8. zwei Zeilrn rincH nltdaiiisrhen Volkiiliedt's mit Noten. 
I>«T ganze Codf\ iftt mit KuntMi ;:eiichriebin ; jnluch rührt dessen iweiter kleinerer 
Thfil, Nr. .'i — H. \uii i-iiitT iUnK-ren Hand hi*r aU dessen t^rnter, wobei dahia- 
gestellt Mi'ihrn m»:; . ob Nr. *J vnn d<*r«rlli«*n Hand wie Nr. 1 und 3, 4, 
oder von finer an<l*Tfti cf^t^ch rieben »*'i , sufern*» Srhlyter das erstere, die vor- 
liegt'udr Au«g:ibe :ibrr diis lrt/.t<'rr behaupti't. TbiT die II«. oder vielmehr 
zuniti-h»t tibiM drren er»tf . dir K<-t litM|iiril«'n «Mithultfude Hälfte war seit ge- 
räumter /rit zwi«rhrn C*. .1. S c h 1 v t f*r i'ineriti'its*) und 1*. ti, Thorsen an* 
drrer^t-ilt **l eim* ziomlirli »rh.irt«* i*t'htko\rr)>i* gi-tulirt wurden, thrils beiüglich 
ihrrs .\ltiii , wrlihtn Krstfrrr rtw:! dei Mitte des 14. Jahrhunderts, LetiCerer 
aber •!• r xw* iicn II ilftt «ii» 1 :». Jahrhundrrt« /uw< is«Mi wollt«*, theils aber b«'- 
BÜ>;ii('h ili-r anörrcii KraLT*-. ob in d<'i .Aiiwrudun^ diT Kunfuschrift nur ein 
eigt'ntliünilirhrr Kint'i'i ein*-i» •-iiiz*'lii*-fi .^« hn'ilifrs, wif Sehlytfr, mler der Aus- 
tlu«!i f iii<r alth<-rL'>iiiiii'i. )ii I, >:\tr zu irk*iiiifn ^«•i, wii' l'hor^e^ annehmen wollte. 
Mag »«'in, d.iL« dit* (* :•!;••«• tm- «lir <Viiiiiiii«9inn zu viiriif;;i*n Iit l'ublication he- 
slimnit hat; iin.'wiii'i I|..itt in lÜv'* bf n«) w »r dief«*'Ibr ji'di-ntalU für «'ine Abhand- 
lung; '1 hör«* n's .Om KiiiM-rn«'» KrUk: tilSkrift iidrufur drt mouumen 
tal«'**. w«:l« hf dit'pf'r I*iibl!rati<«:i btigi'Ci')i«Mi «urde. Ich gvdt'iike hier nur diese 
AMi inilliinc z\i b* »priv )>• fi. M.ilt;i.nl i<.li mit h liiu^iLhtliih der T«*itau«gabe aelbtt 
auf eine il.iiikb.irf .\iit ik'-nti'.i:»:: ihitr tbiMi«*» püiiktlichfn als schönen AiisfBb- 
riinj l"-** l.r lük» . 



*, .Otn >v4t.jt-« .t!>l*t.-i Iii'l« Inii |C i l.ainl'k.ip. ••ili L.uid*kapiilaKarnes l'pkomst*, 
S. 7-.' 1-»H'. -r j :, irjr.» >.. «i .r.riiM .iiiti.iii-. I\. :*. IV-XlII lhS9. und XI. 
S. xr\i |\ iH.v. 

** •lUt.mArk^ i^aiiilc rr>.v:(j l-! .vi--. 111. S. 4 — 1'* ilttASi; .He Dansk« Kuae* 
mind*tir. rrktT*. S. TJ\* :il'» l-»»;! . 



UTTERATUR: ÜBER RÜNENHANDSCHRIFTEN. 105 

Es scheint mir aber Thorsen bezüglich der zweiten der eben bezeichneten 
Fragen seine Aufgabe sich etwas überflüssig weit gesteckt zu haben. Daß 
Buneninschriften, ganz abgesehen yon den eigentlichen Denksteinen, auch noch 
auf gar mancherlei anderen Gegenständen kirchlichen wie weltlichen Gebrauches 
vorkommen, daß femer die Runenzeichen auch sonst bis in sehr späte Zeit herab 
zu mancherlei kurzen Aufzeichnungen und Mittheilnngcn, zu Zauberformeln und 
Kalendern, als Abbreviaturen und als Hausmarken*) gebraucht wurden, darf 
als eine längst bekannte und von Niemand bezweifelte Thatsache betrachtet wer- 
den; gerade derartigen Vorkommnissen ist aber der weitaus größte Theil der 
Darstellung des Verfassers gewidmet. Mancherlei Wunderlichkeiten laufen dabei 
mit unter, wie z. B. wenn der Verf. das gelegentliche Anbringen eines Runen- 
alphabetes auf einem Taufsteine oder an einer Kirchenmauer auf das Bestreben 
des Clerus zurückführen will, die Kenntniss der Runen im Volke zu befestigen 
und zu erhalten (S. 24 — 25, 28 — 29 und 55), ohne zu beachten, daß auch auf 
ganz anderen Gegenständen und aus weit früherer Zeit solche Alphabete sich 
aufgezeichnet finden, wie z. B. auf der bekannten Bracteate von Vadstena, der 
Spange von Charnay, dem in der Themse gefundenen Messer, und daß selbst 
das lateinische Alphabet auf einer Bracteate sich findet;**) oder wenn er von 
MHolzbüchern" als etwas ganz üblichem spricht, während doch der „antiquus 
Trsebok'', auf welchen sich ein Roeskilder Grundbuch aus dem Schlüsse des 
14. Jahrhunderts einmal beruft (S. 67, Anm. 64), augenscheinlich nur ein Kerb- 
holz oder eine Sammlung von Kerbhölzern bedeutet. Auch einzelne positive 
Ungenauigkeiten kommen vor, wie z. B. wenn unsere Frostupingslög (S. 42, 
Anm. 42) auf K. Magnus lagaboctir zurückgeführt werden, während dieselben 
doch bekanntlieh von dessen Vater, K. H4kon gamli herrühren; immerhin aber 
ist die fleissige und durch treffliche Abbildungen illustrirte Zusammenstellung 
sehr zahlreicher zerstreuter Notizen ganz dankenswerth, wenn dieselbe auch im 
Großen und Ganzen keine neuen Gesichtspunkte eröffnet, und zumal bezüglich 
der bestrittenen Frage, ob die Runenzeichen jemals als Bücherschrift allgemein 
im Gebrauche gewesen seien, uns vollständig ohne Aufschluß lasst. — Unser 
Verf. sucht nun freilich in letzterer Richtung sein Ziel auch noch auf einem 
anderen Wege zu erreichen. Er sucht zunächst darzuthun, daß die Runen- 
schrift auf Island zu literarischen Zwecken benützt worden sei, und müssen 
dabei vor Allem die bekannten Verse und Lieder herhalten , welche nach der 
Eigla, Grettla und der einen Recension der Orvar-Oddssaga auf Holzstäbe oder 
Holztafeln eingeritzt worden sein sollen (S. 7 — 8, Anm. 7), während doch bei 
allen diesen Berichten mit Fug und Recht bezweifelt werden mag, ob sie nicht, 
im 13. und 14. Jahrhundert niedergeschrieben, aus den Gewohnheiten einer 
späteren, mit dem Gebrauche der lateinischen Schrift längst vertraut gewordenen 
Zeit heraus Dinge in die Vorzeit hineintragen, welche dieser in alle Weite nicht 
angehören. Weiter soll dann eine eigcnthümliche Auslegung helfen, welche der 
Verf., allerdings den Spuren Anderer folgend, ein paar bekannten Stellen jener 



*) Vgl. indessen Homeyer, Die Haus- und Hofmarken (1870), 8. 140-144; 
der Verf. scheint dieses classische Werk nicht gekannt zu haben. Sopbus Bugge*8 
vortreffliche Abhandlung über die auch hier (S. 41, Anm. 42) besprochene Inschrift 
des Ringes der Kirche zu Forsa konnte dem Verf. noch nicht vorliegen. 

^) Vgl. Wimmer, Runeskriftens Oprindelse ag Udvikling i Norden, in den Aar- 
bOger for Nordisk Oldkyndighed og Historie, 1874, S. 71—72, und 73—74, Anm. 



lOß MTTKKATrR: OBKR KrNKNHANDSOHRItTEN. 

Abhandlang ^Vm Mafrofit* nnßP(l('ih«*n laßt, wriche die jUngrre Edda brinf^t. 
rnriclitif^ int ichon dir Aupihc (S. 10) , daG der VorfaBMT diecer Abhandluni; 
Birh aU den Kniten bezeichne, welcher dui lateinische Alphabet der ialündi^chifii 
Sprache aD|;t-pai8t habe, vielmehr könnte der AuMpruch .|iu hetir ek ok rilad* 
II. ». w. gerade uni^ekelirt d all in verstanden Wfrden, dalS Bvhon älter« ähnliche 
Vertue he sei ei nun de^itelbeii Verfai*!<erM oler Anderer vorher^egauKCU seien. 
Die Worie fmn-r. :iU!i welchen unner Verf. 'S. 12 — Ifi) tTweiHeu will, daß Ari 
hiiin fr6<li uini |iMrfHMi- !riii.ifnci«tari noch mit Kiuifii schrieben, benagen nur, dali 
diene beiilen Männ«T , wnlirentl man für die einheimitche Sprache vurdem nur 
die IB Kunenzeiihi'n gekannt hatte, fiir lie ein neue» Alphabet gevehaflfen und 
al« ein nationali-» dem für die lateinivchu Sprache gfbräiichÜchen Alphabete 
l'riscirin's p*p-nü her genetzt haben, und daß dieiei neue Alphabet da» unmilter 
bar füllende, al»o eben «las lei. detien VerfaMcr die oben angefiÜirleo Wort« 
geiiclirieben hiit; mit andrrn Worten der Verfasbcr der VorriMlf der Abhand- 
lung betrachtet d^n in <I eser mitgrtheilte Alphabrt aU mit demjfnigen identitch, 
welche! Ari und jioroddr, Noi eii nun ^'rniein».im oder Jeder einzeln, aus Imtrini* 
■cheu und Kunt'nbuchat:iben für die iHlätidiaehe Sprache sutammengesetit haben, 
und da der V«.'rta*>ii«T d«T Abhiiiiilhmc den Ali nennt, aNo nicht mit ihm iden* 
tinch lein kann, wird man in ihm eben den |>6rodd suchen mUMfu. Damit ist 
also «hm in t|«>r Abh:indlun(* unM «'rhalit'ni* Alphabet aU d:in von Ari geschaffene 
und von l'Orodd. Wfiiii uui'li viilitirht mit i*inz<-lnrn Mnilifioutiitueu ebeiifails 
:in^i*noninit*ne iM'/.cirhuet, uipI Svciiilijurii K;:ii!«Min*ii Verweisung auf .Küna-ltua- 
narr" vollcnd» ftlrdi;;t. weli-he unser Verf. in «rinem Teite recht anspri'chcnd 
findet, in einer hi-i;:i*fiiirten Anmerkuuir aber aU g4n/ uuntiehhaltig aufgirbt. 
S. 11, vgl. Anni. ^. ■ Endlich ist aber auch de» Verf.'s Behauptung , daß in 
der alten Zeit alle Kenntnis« an dir Kuueu geknüpft cewe<ien »ei iS. lt> , voll* 
kfuimien unerwieM'U . und en deutet vielmehr ci*rade uuiirt'kehit Allen, was wir 
über ilii* Anf.inc** d«-r :'«]:in«liiichrii l.ittet:itur im 1 *.^ .1 liii hundert suwidil :ils über 
iliTen Itffkc-h.ttli iili* it %i'i!>-i :i, djr:iut hin, •l.ili \*»r ib-r in Liteiiiihi'her Schrift je- 
Kchrii bfinii hier kiine iiiit Kun- n auf;r«^eicliiit te l.ittcr.itiir bentandeu habe. 1 »er 
Vert.i9-*'r «ii-r koi beii b^'^prochem n .\bli.ind!iiiii: .l'iii Ht.it'mtii' ei klärt, dali in.in 
zw üriiK-i /.fii eilt II er«t bepuin- ii h]ibe. Iitti-r.irii«chi- Aufztichiiunireii in iler l.an< 
de*«pr.ii-he iii hihi heii, und tti-inliche muOten ileiiti iiut ii li.ii'h An im J.ihri: 
111 I >lie ll.itbd i»l.r.'i in •!• r I.-ijntt.! verh-teu. w.i^ dnrh wohl auch .Ulf tlrreii 
Alif/i-M-hiiuii;: 111 uii'irrt-ii .ilt iCiiin-ii/i ichfii hiiiwii<>t; deij.-ni^t» Tln it über drr 
iik|.iii«li-<-h« II l.itti-r itur. d> ; («[■•rh iii|>( ii itiKii.ilen I 'rupitinj- iiini lueht blu» an* 
der Knniib' einj- f'il.it :»| . .|ii- f i.-ii« I.I.- .li-i. liie S.i::i n iitnl die Iteehlnauf- 
.:i ir)iri>iii.:iii, tvt^t lu »eifi« r 1 *.ir nti ilun j-Wi :^e iin%erkeiiiib.ir i»t'iiie Herkunft aus 
iinii. :!ii ht I I berl.etVruiiir lUiint »iril abi-r am h Aile» hiiif.illii:, was der Vrrl. 
I ** l •'• -ii. i 1** ub>r ib-ii m.i»4''iih «fleti Getiruui h der ICiini-iisrhrifl zu lilteran» 
p-i hl II /««i»'!! .(1.1 Ul.tiid um du* Mitte lies l'J. JAhrhunileit» »agt , und »Irr 

K:iitii;L'. NihfiU i r. ii.it «ulliui 1C< « ^t«'. -leii N'.ili'bm .luf die •»eltll^'e Kulwickr* 
iillij Pii.'ii.iiK- :.:••: I..i'i|! Ul. 1 k il iil>* 4fi-"i l:ir)i1ii->( hli-ilnili.: >a\t.i'ii IU«be»>iU- 
di-|i- e.iiii'iü.C. k tlili (• 'lelif.iii- iilii.t. w:e er .iIiliMlitiit , iii ilcr Mlttheliun^ %|>U 
Si hn:tn< :k« n ;ij K'iiit imi hritt li» «t il; :• :» h »In n ii^'l. S. 1 li — |*.«). L«»»i u un» 
l.tfM. i«h •:• I-l.bli'i<: .111 ^t.il.. ■ • :-t lU« h Ui:t S iln^ Iterufuug «uf ellihei i.iftchc 

Kiiiii II Nül.ti :«i;ru!jn^eii , »Lf<:i Dah:m.tiiii bjt ja in »einen «Korscbuugen* 
i 1. S !•; - *\s\ brneskt. d iC ^•>n d* n eii..-i^->n bi i>i(*n Kuneninscbriften. die 



LITTERATÜR: ÜBER RÜNENHAND8CHR1FTEN. 107 

er nennt, die eine in Bjarmaland stand, wohin er nie kam, die andere in Ble- 
kingen befindliche aber schon zu seiner Zeit nicht mehr lesbar, und fügen wir 
bei; überhaupt keine Inschrift war, wenn dieselbe anders mit der von Runamo 
zusammenfiel*). Ich übergehe also des Yerf/s Erörterungen über „Saxo's Ma- 
terialier og Samlinger" (S. 19 — 22), und übergehe auch dessen Auseinander- 
setzungen über K. Yaldemars II. antiquarische Neigungen und Verdienste um 
die Runenschrift (S. 27 — 33), da diese für die hier vorliegende Frage nicht 
ins Gewicht fallen; wer wollte aus Gregorys von Tours Bericht über die von 
H. Chilperich erfundenen neuen Buchstaben auf die Entwicklung einer reichen 
Litteratur in der durch sie bereicherten Schrift schliessen? — Was haben wir 
nun aber neben unserm Cod. Runicus oder dessen beiden Hälften, die ja, weil 
von verschiedener Hand geschrieben, als zwei verschiedene Codices gelten mögen, 
an Litteraturwerken in Runenschrift? Wir haben zunächst zwei weitere Hss. 
jenes Grenzdocumentes, welches auch unser Cod. Run. enthält, und sind in der 
einen die hieher gehörigen Theile frühestens ira 15., in dem anderen im 16. Jahr- 
hundert geschrieben (S. 49 — 50, Anm. 50), wir haben ferner ein Bruchstück 
einer Marienklage in einer Hs. aus dem 15. Jahrhundert (S. 56 — 59); wir 
haben endlich den Text eines vom Jahre 1328 datierten Kalenders, sammt an- 
gehängten kalendarischen Notizen, dessen Membrane im Jahre 1728 verbrannte, 
und somit nicht mehr palsBOgraphisch geprüft werden kann (S. 61 — 67). Da- 
mit ini Alles aufgezählt, was unser Verf. an litterarischen Runenhandschriften 
beizubringen weiß, denn auf einige sehr unbestimmte Nachrichten über ver- 
schollene Hss. (S. 81 — 83) ist Nichts zu geben, und isländische Yolkssagen 
über mit Runen geschriebene Zauberbücher (S. 83. 84, Anm. 75) gehören 
ebensowenig hieher als etwa des Admirals Mogens Gyldenstieme im Jahre 1543 
in Runenschrift geführtes Tagebuch u. dgl. m. (S. 84 — 98). Also vier weitere 
Runencodices, von denen der den Kalender enthaltende sich seinem Inhalte nach 
eng an jene Runcnkalender auf Stäben anschließt, welche so lange üblich 
blieben, so daß der Gebranch der Runenschrift bei ihm sehr leicht zu erklären 
ist, auch wenn man annimmt, daß diese sonst nicht zu litterarischen Zwecken 
benützt zu werden pflegt; die beiden Hss. des Grenzdocumentes aber enthalten 
einen corruinpierten Text, der nach Schlyter (XI, 8. XCVIII) entweder das 
Erzeugniss eines ungewöhnlichen Grades von Unverstand, oder ein Humbug 
gröbsten Schlages ist, und fallen somit ganz ausser Betracht. So wird es dem- 
nach wohl dabei sein Verbleiben haben, daß sich zwar der volksthümliche Ge- 
branch der Runenzeichen zu einzelnen kurzen Inschriften, Kalendern, Zaubei- 
mittein, Hausmarken u. dgl. m. vielfach erhielt, aber eine Benützung derselben 
zu litterarischen Zwecken immer nur ganz ausnahmsweise von einzelnen Männern 
ausgieng, welche ein Gefallen daran fanden die ihnen aus jener ersteren Ge- 
brauchsweise bekannte Schrift zu solchem Ende zu verwenden, sei es nun weil 
sie dieselbe für schöner, alterthümlicher und ehrwürdiger hielten als die gewöhn- 
liche Lateinschrift , oder weil sie darauf Wcrth legten , daß dieselbe in ihrem 
Lebenskreise minder allgemein bekannt war als diese. 



'*) Ks nimmt sich wunderlich aus, wenn der Verf. (S. 13, Anm. 11) Finn Ma- 
gimsoD*s „stedvauligü Omsigf* preist, und zwar gerade unter Anfübrung jener Abhand- 
long „Runamo Of:^ Runeme**, in welcher dieser* natürliche Risse in einem Felson als 
Runen bezeichnet und deutet! 



108 i.ittkrati:r: Cbkk runenhandsciiriftkn. 

VhoT das Alter unierps Cod. Riiiiicus hat dor Verf. eiue metho* 
disclie Unterttuchutipf rhenfulls nicht uiip'htellt, oder doch nicht niit|;t'thi*ilt. In 
|ia!:i.'u;^ra|ihi«cher Ilezi<-huD{^ ho«chränkt er sich diirauf, einig«: wcnifco Xotizca 
7.U viTzi'ichnrn , wie z. B. daß ilie vrsti* Hälfte dor IIa. für A und «i*« dii*a«lbcn 
Zfichrn brauche, welche itich |;ewöhnlich auf den spÜteren dünischen Kunea- 
denku^älem finden, und daC nie auch einige andere jüngere Runenzuirhen aa* 
wende v^- '*^^'*' Aniu 30); daß femer das punctieitu F in den beiden Konifrt- 
reihen Ufhcn der ^rwühnlichen Rune für U auftrete (3. 43 und 4G;, dm- 
gegrn nicht in dem, übrii^^fuft von «lerrtclbi-n Hand geschriebenen, Grenzdocumeat^y 
wogfgnn hier die durehstrifhene Run«* IT einmal fÜr y oder »• vorkomme (S. 48). 
Aus iliesen diirfti;;rn Anhultspunkten wird sieh , selbst mit Hinzuuabmc der 
etwas reichlichritn Aii^.i1>«-n . welche Sehivter in der Vorrede zu seiner Atta 
gäbe der schonisi-hcn Keehli*<|Uel1en beibringt, kaum ein bestimmtes Kri^cbaias 
gewinnen lassen, da ein für sichere /eitbe!%tinmiungen brauchbares Haudbucb 
der Riinenpalx'Ographie meines Wissens noch fehlt, und ebensowenig scheint 
sieh aus sprachlichen Momenten zu einem sicheren Sehliisse gelaugea zu laasea. 
Schlrter, welcher auch diesem Punkt** gn'pNsere Aufmerksamkeit geschenkt hat 
aU unser V«-rf. , thut zwar dar, daO die gramniaticaliit.-hen Formen im Text« 
d«s sehiiniheht'n Rt-rbte» unserer lls. bereits st*hr zerrüttet seien i aber er bc* 
trachtet dii* Sprarhe dieser H^. doch als weneullit-he gb'icharlig mit der der 
Membran«* li. Tti di i königl. Hiblioth«'k zu Stock Indui, welche er dem Anfange 
dea 14. Jahrhundert» zuweist, und bemerkt uberdi«^s mit vollem Rechte, daß 
man aus d«'r Spracht* «ItT H^. nur schließen könne, wi«* alt aie höcbstent aeta 
künui'. aber nicht wii- alt >i«; wirk lieh «ei. da ja die lieueh äffe nh fit «ler gebrancbtea 
Vorla;:e recht nohi für die in ihr zu Tac«* Irctendi'n Spraehformen maCgcbend 
grw^^t■u (&ein koniii«'. Versucht m.m endlieh au« <!<-ui Inhalte «ler Hs. eine 
/• itbei^lininiuiig in ermittfln. so eruibt sich, daß deren erste Hälfte jedenfalls 
nicht \*'r ibiii Aiitaii.:«' tl«'« 13. Jahrhunderts gf-chiieben sein kann, ^ufrrae 
im »i-l.iiiii-i }ii-n I^-iiidn'cht** V«:rordnungen K. Val l«-mars II. angeführt wenlrn. 
w. I«hi r IT"! im J.ilie l'J'i'J ib'n 'Ihnui br»tii*^, iin<l innbei^tinilfre unsere Hs. schoa 
tili* Ab-i ii.ifVuii;: dl { Iüm iipidbe nirhrfach berörk^iehti^'t zeigt, welche doi*h erst 
n.ich •!• in .laliri* llM5 i-rf«i)^t>'; abtr »elbtttvcii»tandlicb ist damit die Möglich- 
keit iiirl.t aii>/ehrhi«t*MMi« daß tinM*re H^. weit »pitenr Kntatebung s«*i, und da 
»<V ir iiii!*er Vt rf. <. I .' • .".i;:eii|i ht . daß «le trnt ein Ableger d^« iMginales 
au« .:wi'itt r ii<tt r d'iit«! llaiid ^ei. f«i'^t d'-ren »palere Auf'eielinuug sogar mit 
Nothw«ji>li^'ktit. Hi.-ii^'!iih •!• I .'.Wiit'ii Hdfte iNt II*. dagegen folgt daraas, 
•laß bt:d>' K'tiii^^rt i!ii n iiiit K. l'.rik M< nved uipl K<'ni^in lii;;eborg schliesaea, 
unbiiiinjt, daü miv narh di in J «lire l*Jl*<* ^'rM-hri«-ben i^l. aU in welchem dieae 
heir.ith« I'ii ; libi-r-tir» Ijßt «ich daran», «l.iß bt-tdi libeniiiKtiniineiid sagen : pTha 
v;4r l.rik*. i|>>> h wuM Heiter schließt n . daß K. Krik aU bereits versforkwa 
befi ii-l.iii-t Htrd'U ««>llt''. und iltß »i^init •iii»«*r Theii der H». erat nach dem 
Jali-e i:»l*.* ctBi-riri* ii< II -- 1. J< du. h i*t •!: »«• /•■itbt'ttiiunning wider nur eine ein- 
st iti^*«-. lii'biii iie II* r*-i ht w< )il %icl nin^er «ein kann als d.is irenanatc Jahr^ 
uml LiH»t:*M wii- l.-ik .lim iV';* ^t.i ' t.«tt ar^f>|<e in der ertten, oder «Var- 
dtnitr". . I. iriitiii. 1* ! if V.ii i<rn.ir. Jtüi'ind in tlrr zwt itiii K«iiiigsreibe l.«aaea 
ulit-rdi«-* .IT li «ii'<i>r erkMitnn. d.iß uii«rre H«. nur ein«* t*iipie einer kitrrea 
VurUk'e -• i. ••• d:tß dir«u Kntolehung einige Zeit nach 131*J auch wieder angar 
•iihi i;:t«r< i!t jtt. lla siih ukNrnliea nicht mit HrMiniBitheit angebea lüAt, welcher 



LITTERATUR: VOLMAR, DAS STEINBUCH. lOQ 

Zeitabstand zwischen der Entstehung der zwei Theile unseres Cod. liegt, bleibt 
die Frage nach dessen Alter immer noch eine einigermassen zweifelhafte. Auf 
des Yerf.'s Ausführung, daß die Schönheit seiner Runenschrift auf tüchtige 
Übung des Schreibers, und weiterhin auf das Bestehen einer älteren „Schule'' 
▼on Schreibkünstlem schließen lasse, aus welcher derselbe hervorgegangen sei 
(S. 36 — 87, vgl. S. 42), wird man kaum viel Gewicht legen wollen; eher 
mochten die wunderlichen Namen , welche einzelnen Königinnen in der ersten 
Königsreihe beigelegt werden , wie denn z. B. gleich des ersten Königs Dan 
Gemahlin „Grete** and König Vithlef's Gemahlin „Anna^ heißt, gegen das 
dem Codex beigelegte hohe Alter bedenklich machen, und ich wenigstens möchte 
es hiernach bei der auf die Textesgestalten des schonischen Landrechtes be- 
gründeten Altersbestimmung Schlyter's belassen wissen. 

Es wird kaum nÖthig sein, am Schlüsse dieser Anzeige noch ausdrücklich 
auszusprechen, daß die Bemängelung der von dem vielverdienten Verfasser aus 
seinem Materiale gezogenen Schlüsse dem Danke keinen Abbruch thut, welchen 
man seiner fleissigen Forschung schuldet. Nur durch so sorgsame Vereinigung 
und 80 getreue Wiedergabe zahlreicher Notizen und Runenschriften, wie sie der 
vorliegende Band bringt, kann überhaupt zu dem Ziele gelangt werden, welches 
oben als noch nicht erreicht bezeichnet werden mußte ^ zu einer gesicherten 
Geschichte der Runenschrift in ihren verschiedenen Anwendungsweisen, und 
wenn auch noch manches Wasser dem Meere zufliessen mag, ehe jenes Ziel als 
erreicht gelten kann, wird doch der gehaltvollen Werke und ihrer Verfasser 
stets mit Ehren und Dankbarkeit gedacht werden, welche dessen endliche Er- 
reichung je zu ihrem Theile ermöglichten. 

MÜNCHEN, den 24. Oetober 1877. K. MAURER. 



Das Stembnch. Ein altdeutsches Gedicht von Volmar. Mit Einleitung, An- 
merkungen und einem Anhange herausgegeben von Hans Lambel. 8. 
(XXXIU, 138 S.) Heilbronn 1877. Henninger. 

Schon durch die Herausgabe der Erzählungen und Schwanke in Pfeiffers 
Deutschen Classikem des Mittelalters* hatte Dr. Lambel seine Befähigung zum 
Herausgeber bekundet; doch war nach der ganzen Anlage der Sammlung jene 
Veröffentlichung weniger geeignet, die kritische Forschung mit Begründung 
darzulegen, und auch kein kritischer Rechenschaftsbericht hat dies nachträglich 
getban. Die vorliegende Arbeit dagegen, mit Einleitung und kritischen An- 
merkungen ausgestattet^ gewährt den Einblick in die vom Herausgeber befolgte 
kritische Methode. Und diese verdient, wir wollen es gleich hier sagen , alles 
Lob und alle Anerkennung. Erhebliche Ausstellungen wird auch eine scharfe 
Kritik an dem Buche nicht machen können. Sorgsamkeit und Fleiß treten in 
gleichem Maße wie Scharfsinn und Geschick zu Tage. 

Das hier veröffentlichte altdeutsche Gedicht war nicht unbekannt, es ist 
1811 im Museum f. altd. Literatur durch Büsching gedruckt worden, aber 
freilieb nichts weniger als kritisch. Lambels Ausgabe hat alle vorhandenen 
Quellen zum erstenmal verwerthet und benutzt. Das Gedicht ist nicht wenig 
verbreitet gewesen, was sich aus der Beliebtheit des Gegenstandes erklärt. Nicht 
weniger «Is zehn Handschriften, zu denen der alte Druck von 1498 kommt, 



HO LITTERATUR: VOLMAR, DAS STEINBUCH. 

sind ganz oder in Bruchstücken erhalten. Der Herausgeber hat als Siglen för 
die Quellen die Anfangsbuchstaben der betreff. Bibliotheken oder Besitzer ge- 
wählt, und wo, wie in Wien und Dresden mehrere Handschriften waren, durch 
große und kleine Buchstaben unterschieden. Ich halte die von Lachmaun ein- 
geführte Art, die alten Hss. durch große , die jungen durch kleine Buchstaben 
zu bezeichnen und nach dem Werthe für die Kritik die Buchstaben zu wählen, 
immer noch für die beste. Auch scheint mir die Reihenfolge, in der die Hss. 
bei den Lesarten aufgeführt werden, nicht eine consequente zu sein. Die 
Bezeichnung des alten Druckes durch Dr, also zwei Buchstaben, ist deswegen 
unzweckmäßig, weil D außerdem vorkommt, und kleine Buchstaben (wenn auch 
kein r) ebenfalls. Bei der St. Galler Hs. wäre der Verweis auf den gedruckten 
Katalog der Stiftsbibliothek am Platze gewesen. — Die Hss. scheiden sich zu- 
nächst durch die Verschiedenheit dos Namens des Dichters, der in GDr Jo- 
seph, in W Volemar, in H Wo Ick mann heißt. Es konnte die Wahl 
daher nur zwischen Joseph und Volemar schwanken ; L. hat sich mit Becht für 
die den letzteren Namen bildende Klasse entschieden und ist ihr demgemäß 
auch \n den Lesarten gefolgt. Von den die Einleitung, die den Namen ent- 
hält, nicht bietenden Hss. stellt sich nur d zur Klasse WH, die übrigen zu 
der andern Gruppe. — Was das Alter des Gedichtes angeht, so ergibt sich 
schon aus dem Alter des Donaueschinger Bruchstückes (Anfang des 14. Jahr- 
hunderts), das bereits einen mehrfach entstellten Text zeigt, mit Sicherheit die 
Abfassung im 13. Jahrhundert. Damit stimmt durchaus die Behandlung des 
Reimes und des Metrischen; das Sprachliche weist auf alemannische Heimat 
Zu den rührenden Reimen (S. XVI); deren sich der Verf. nur in kunstmäßiger 
Weise bedient, ist nachzutragen sigelos : verlos 531 f. ^ zu den Kürzungen im 
Conjunctiv (S. XVIl) gehört wohl auch halt in dem Verse und halt dar an 
ein Zunder 187 ^ wenn nicht hier wie in dem von L. angeführten V. 311 und 
stöz dar in den diamant die Kürzung vielmehr zu vermeiden ist, indem man 
dran und drin schreibt. Von den Fällen zweisilbigen Auftaktes (S. XVIII t) 
sind manche zweifelhaft; 242 dem sol man in in die hant geben ist ebensowohl 
die Aussprache dem sol man^n denkbar; 179 kann man betonen $6 dht man 

an etlicher 8tdt\ 394 er sol in zno aim (statt sime) tische laden '^ 714 swoe iek 
in nu Seite drabe (statt dar abe). An acht Stellen steht als vierte Silbe des 
Verses eine Artikelform, die sich leicht an das vorausgehende Wort anlehnt: «o 
Idt erz (für er daz) tsen zehant 340; die wUe em (-= er den) stein bt im kdt 
238. .556. 564; die wile erz (= er daz) vingerlm treit 798 (wiewohl hier 
auch anders gebessert werden kann , s. unten) ; die wile erz wahs 6€ tut hat 
986; die wil siz vingerltn hat 332. Näher bestimmt sich die Zeit durch eine 
unleugbare Beziehung auf des Strickers Gedicht von den Edelsteinen, gegen dM 
Volmar polemisiert. Da anderseits die Benutzung durch den Dichter des j. 
Titurel sehr wahrscheinlich ist, so fällt V.'s Gedicht zwischen den Stricker und 
j. Titurel, d. h. um 1250, Die von dem Dichter benutzte Quelle su ermitteln 
ist dem Herausgeber nicht gelungen, wiewohl natürlich manche Übereinstim- 
mung im einzelnen mit den bekannten lateinischen Quellen sich findet. Ich 
will hier aus meinen Collectancen zur mittelalterlichen lateinischen Poesie nodli 
einiges augemerkte nachtragen, wobei ich Dichtungen, die nur die 12 Steine 
der Apokalypse behandeln, übergehe, da sie nicht Quelle sein können. Etneii 
metrischen Lapidarius aus einer Nürnberger Handschrift erwähnt Murr in 



LITTERATUR: VOLMAR, DAS STEINBUCH. Hl 

Memorab. !> 72, mit dem Anfang Annulus ut gemmam digitis aptandus habetur'; 
unter Hildeberta Namen steht in der Hs. Nr. 115 in St. Omer ein Gedicht 
mit dem Anfang 'Cives celeatis , während das ebenfalls unter Hildeberts Namen 
stehende Gedicht, das in Pertz' Archiv 8, 436 erwähnt ist, Marbods Werk ent- 
hält; Tgl. auch die von Hänel, Catalogus p. 24 4, erwähnte Hs. in Montpellier. 

Der Einblick in die in großer Vollständigkeit, für die Übersichtlichkeit 
beinahe zu vollständig mitgetheilten Lesarten bestätigt aufs neue die Thatsache, 
daß theils ganze Handschriften gruppen , theils einzelne Hss. derselben durch 
kleiue Ergänzungen oder Abänderungen die zu kurz scheinenden Verse auf ein 
üblicheres Maß zu bringen suchen und daß die echte Lesart erst durch Aus- 
scheidung dieser Einschiebsel zu gewinnen ist. Diese Thatsache, die mir bei 
der Ausarbeitung meiner Untersuchungen über das Nibelungenlied zuerst ent- 
gegentrat, und der gemäß ich dann in den Ausgaben des Nib. und der Klage 
wie desParzival verfahren bin, die auch an derEneide sich bestätigt, ist neuerdings 
von Paul (zur Nibelungenfrage) bestritten worden. Ich halte sie auch jetzt 
noch für richtig und werde ein andermal sie in ihrem Zusammenhange und 
ihrer Verbreitung darlegen. Auch Lambel hat seinen Text ihr entsprechend 
an vielen Stellen gestaltet. So wird namentlich selbe häufig eingeschoben; 
s. Anm. zu V. 364. Diesen Vers schreibt L. mit Recht ddz kürze bUter 
hat. Die Hss. liefern, um nur die EinSchiebungen zu berücksichtigen: 

daz do kurze bleter hat W. 

daz krut vü kurzer bleter hat H. 

daz vil kurzer bleter hat d. 

daz selbe kurze bleter hat FDwGDr. 

Ein anderes Beispiel 416: daz er in schiere hat. So Lambel; die Hss. 
schieben ein [vil] schiere-^ [von im oder ab im oder abe] lätj oder [/areti] Idt, 
oder vertauschen Idt mit verldt. 

Ich füge noch ein paar Bemerkungen über einzelne Stellen hinzu. V. 85 
wird man die auch sonst (vgl. S. XVII) vorkommende Kürzung heizt vorziehen, 
da topdzjus oder topdzius die übliche Betonung ist. — V. 98 ist ottch wahr- 
scheinlich zu tilgen und nur zu schreiben swie vil dir wdere\ auch fehlt in 
Wd = DdL, also in Hss. beider Classen. Den zu kurz scheinenden Vers 
strecken 8 durch daz er (= tr) für dery dL durch ir doch, GDr durch ir 
Quch, — 112 wird wohl besser beidiu gelesen, wenn auch keine Hs. diese Form 
hat. — 132 wird durch als für also der Vers besser. — 136 das Längezeichen 
auf 6rjent ist zu tilgen. — 197. schon oben habe ich drei Stellen angeführt, 
an denen dar der folgenden adv. präp. zu präfigieren ist; so auch hier und 
ist von im selben dran (L. dar an)^ und noch 938 und mache drdz (L. dar üz) 
ein vingerltn, — 254 swer den in ein vingerlxn tuot, wahrscheinlich vingerl, und 
durch diese Form werden auch folgende Verse^ gefälliger: die teile si daz vin- 
gerl hat 332; die wtle er daz vingerl treit 798; V. 795 und 820 lauten wie 
254 und sind daher ebenfalls zu ändern. Daß vingerltn V. 822. 832. 855. 
902. 941 im Reime steht, beweist nichts gegen jene Änderung. — 272 daz 
er verstendet daz bluot ; L. nimmt verstendet als 3. pers. von verstdn im Sinne 
von sich in den Weg stellen . Allein da es sonst heißt daz bluot verstdi hört 
auf zu fließen', so wird verstenden wohl factit. aufzufassen sein 'aufhören 
machen zu fließen. Wenn auch sonst nicht belegt, ist es ganz correct ge- 



112 LITTERATUR: TAALKUNDIGE BIJDRAGEN. 

bildet, wie ahd. farjan, — 300 liest man besser tme; vgl. in L/s Texte 
€weme 693. Auch 584 wird ime zu schreiben sein. — 333 schreibt L. rM 
(adv.) auf der Hebung vor folgendem Vocal, entgegen dem Gebrauche anserer 
Ausgaben, alsdann rehte zu schreiben. Das gleiche bei läz 476. möht 562 o. 5. 
— 337 zitthet zuo im mit giner kraft, durch zim wird hier wie 589 und durch 
zir für zuo ir 611 der Vers besser. — 372 wol varende unde gesunt; unde 
scheint keine Hs. zu haben. L. scheint betonen zu wollen tttide^ was sehr be- 
denklich ist; vielmehr wöl vdrende und geaünt. Darauf deuten auch die von 
den Abschreibern vorgenommenen Änderungen. — 392 daz beseher d& lfi\ da 
W besehet hat, wozu zu vergleichen G hesicht, H vemimptf D hescheydety w 6e- 
tughetf so ist wahrscheinlich daz beaeh et da bi daz ursprüngliche. — 510 bei 
ndch wäre eine Verweisung auf German. 17, 296 am Platze gewesen. — 679 
8wie vil 80 ieman zoubem kan, für ieman haben er Wd = GDrDw, ein man 
H. er ist jedenfalls alter Fehler bemerkt L. Das beweist die Übereinstimmung 
der Hss. beider Classen. Auch hier wie 392 wird et die echte Lesart sein. — 
621 ff. und swelch frouwe der ir man mit nihte holt werden kan, diu 9ol etc. 
Zu swelch fehlt das Verbum, wenn man der als relat. nimmt. Wahrscheinlich 
aber ist der Artikel, und das Mißverstand niss erklärt die Änderungen der Hss. 
Man braucht nur frouwen (dat.) zu schreiben, dann ist alles in Ordnung. — 
869 1. die wile erz hat an der hant, vgl. oben. — 947 1. unde swelhe er 
ihtes bite. 

Die Interpunction ist nicht gleichmäßig genug; der Nebensatz wird vom 
Hauptsatz bald durch ein Komma getrennt, bald nicht; vgl. 87. 156. 469, 
dagegen 79. 130. 382. V. 167 steht kein Komma, in dem ganz gleichge- 
bauten Satze V. 169 steht eins. 90 ist der Punkt in ein Semikolon zu ver- 
wandeln; 539 fehlt ein Punkt; 671 ist der Punkt auch nicht gut. Y. 657 ff. 
ist zu interpungieren 

und blä dar zuo gemenget, 
als er si besprenget 
mit guldln trophen kleine, 
über h1 in dem steine; 
657 und 660 gehören zusammmen. 

Die Anhänge, bestehend aus dem Abdruck eines St. Florianer Steinbucbs 
und bezüglichen Sprüchen H. von Mügeln sind eine willkommene Beigabe. 

Wir heben schließlich noch einmal die entschiedene Begabung des Her- 
ausgebers für Textkritik hervor und hoffen ihm noch recht oft auf diesem Ge- 
biete zu begegnen. K. BARTSCH. 



Taalkundige Bijdragen van Dr. P. J. Cosijn, Prof. H. Kern, Dr. J. Verdam 
en Dr. Eelco Verwijs. Eerste deel. Haarlem, De erven F. Bohn. 1877. 

Es sind Namen ?on gutem Klang, die an der Spitze dieses neuen Unter- 
nehmens stehen. Wir haben daher allen Grund, uns über dasselbe zu freuen 
und ihm den besten Fortgang zu wünschen. Möge vor allem in der Heimatli 
der Herausgeber die Theilnahme eine recht lebhafte werden, damit aas den 
Bijdragen eine wirkliche Zeitschrift werden kann ; bis jetzt erscheinen dieselben 
nemlich in zwangloser Weise, wenn den Herausgebern Stoff zur VerfBgiang 



LITTERATUB: TAALKUNDIGE BUDRAQEN. 113 

steht. Bei uns in Deatachlaod, sind wir übeneugt, finden die Bijdragen gewüS 
regen Beifall. DafEr bürgt die Reichhaltigkeit und Gediegenheit des ans vor- 
liegenden ersten Bandes. Vielleicht geht die Reichhaltigkeit sogar etwas su 
weit: größere zusammenhängende Abhandlungen fehlen fast ganz; dagegen er- 
scheint eine große Menge kleinerer Untersuchungen besonders zur Wortgeschichte. 
Ausser diesen] mehr lexicalischen Arbeiten begegnen wir Aufsätzen zur Laut- 
phjsiologie; Etymologisches^ Textkritik, handschriftliche Bfittheilungen sind ver- 
treten. Begreiflich ist es, daß das Niederländische selbst den Bfittelpunkt der 
Forschung bildet; doch findet keine Beschränkung auf dieses Gebiet statt. Ich 
erwähne besonders einen gprößeren Aufsatz von B. Sijmons »Over Oud-Noorsch 
en oud-noorsche studio ''^ sowie Angelsaksische Rleinigheden von Kern und die 
Erklärung der burgundischen Runenschrift zu Charnay von Cosijn. Dem hoch- 
deutschen Gebiet gehört ein einziger Artikel von Sijmons, worin eine Reihe 
von Stellen nachgewiesen werden^ wo die Kaiserchronik beim Rolandsliede An- 
leihe erhoben, und zweitens es wahrscheinlich gemacht wird, daß der Dichter 
des Biterolf das Nibelungenlied in unserer heutigen Gestalt gekannt hat; damit 
fällt ein Theil der Ausführungen von Muth's zur Chronologie des Biterolf. 

Reine Berücksichtigung hat gefunden die Syntax^ abgesehen von wenigen 
Bemerkungen. Ja es scheint, als ob die Kenntniss der Syntax noch nicht 
sehr verbreitet sei; wenn ich nach folgender merkwürdiger Anschauungsweise: 
,, der Artikel een wird öfters gebraucht oder weggelassen, wo er weggelassen 
oder gebraucht werden sollte (p. 51) und besonders nach der Darstel- 
lung auf p. 61 scbliessen darf. Ich komme damit zu einigen einzelnen Be- 
merkungen, die ich mir beizufügen erlaube. An der angegebenen Stelle wird 
nämlich eine Erscheinung beaprocheoy wonach ^ für i«, die Conjnnctivform für 
Indicativform stehen soll in einem Zusammenhang, „der jeden Gedanken an 
einen Conjunctiv weit ausschließt*^. Geht man aber die reiche Liste der Bei- 
spiele durch, so ist man höchst befremdet über die eben angeführten Worte. 
Da ist vor Allem die Thatsache verkannt , daß in den Nebensätzen von Auf- 
fordemngssätzen sehr häufig der Conjunctiv steht; so in folgenden Stellen: 

Niemanne versmaden en seldi, omdat hl arm ende verworpen st D. Doct. 
I, 836. Die sine vrecheit niet dwingen encau; hondt in onrasten bi, aldat in 
•inen huse st ibid. 11, 496. Nemt enen pot van motale, ende enen anderen 
daer bi^ die van erden ghemaect tt II| 588. wi seien ontsien talre stont den 
ghenen die wel machtech n ods lijf te nemene, wille hi 678 (ibid.) Femer 
St. Am. I, 4308. Sp. 11^ 16, 8. L. v. Jesus C. 185. Runsb. 11, 165. 

Diese Erscheinung geht in die älteste Periode der germanischen Sprachen 
sorück, so weit wir davon Denkmäler besitzen; für das Gotische cf. Bernhard 
in der Zeitschrift für deutsche Philologie VUI, p. 26, 33, 37, 38; für das 
Alts, meine „Modi im Heliand" §.45; für Otfrid Erdmann, Untersuchungen 
fiber die Syntax der Sprache Otfrids §. 64. Sogar die Benedictinerregel legt 
Zeugniss ftlr diesen Gebranch ab (Hattemer I) p. 426: quod sibi quis fieri 
non vulty alio non faciat = daz imu hwelih wesan ni welle, ni tue. p. 80: 
qnae jubentur cnstodiat = dei kepotan sin, kehalte. p. 84: si qui majoribus 
Qtilitatibus occuparUury ceteri sibi invicem snb caritate serviant = ibn welihhe 
ineroom piderboom sin piheftit. — Um auf unsere Stellensammlung zurück zu 
kommen, so gehört ein weiteres ^ einem Relativsatz an, der Nebensatz eines 
conjnnctivischen , wohl eines Heische satzes, wo also wieder der Conjunctiv ge* 
anOUNU. Hm« IUUm. IL (XXm. Jtkif .) 8 



114 LlTTKRATirU: TAALKirNDUSK BIJDRAGEN. 

fordert wird: dat hi ti gcve die magct tH, die u das ontfoert ti I^orr. 1, 62&. 
Aid merk würdigsten i»t «b^r, daß nach Verbi« srnfiendi der Conjunctiv m aicbi 
uU berechtigt aiigetehcn wird wie in folfrt*ndcn Stellen : llet dunkt elkea aaa. 
dat al valtch m onde barart Teett ir»8, ferner in Brab. Y. VI, 10016. 
S|>. r. 43,33; 44,5, Kijmb. 17534. Freilich, vum Sundpunkte des NessdL. 
wu nach Verben des Suf^enii und Meinfna kein ConjunctiT mehr oracheiiit, ist 
ein solcher Conjunctiv unerklärlich. Kijmb. 218H5 gehört wohl xur gleiches 
Kategorie wie die ConjunctiTc nach Anfft>nlerunf;ii:itx. 

Über einen großen Theil der Stelhwi kann ich nicht entscheiden, weil 
nur der Vordenatx mitgethcilt ist und mir die Quellen meist nicht xogiagliek 
sind. Ich bin fest überzengt, daG bei niihcrer Hetnichtung ü)>crall eia Orud 
für den Conjnncttv xu linden ist. Kine Erhaltung des germanischen Potentialii 
des Praesens im NifMlerländischen halte ich für unmöglich* 

In dem Artikel (p. 7) über diu Praelix i = yf wäre xu erwähnen g<e* 
Wesen, daß diese rmgestaltung schon in älterer Zeit erscheint; so findet sieb 
in den Merseburger Cilositen (Heyne, kl. andtsch. Denkm.) Z. 19: tlftene, 
ivullistian, iwrgde, idumde. 

Wenn Kern p. 52 meint, das Ciotiscbe hal>e das i der i-8tämme gasti«. 
mahtis, früher ausgeworfen iils die übrigen Dialekte und xur Stütze ags. mihi 
= meaht -f- i, ^st = snst -\- i, gist := gast -f- i aufÜhrt, so steht die Bewri*- 
führung auf scbwachi-n Füssen, d:i der Umlaut in den Nominativ sehr gut mos 
den obliquen Fonnen kann eingetlrungt'u sein. 

Sehr interessant ist der Aufsatx von Kern Ober das ndl. dp, 175 ff. 
Bekanntlich ist im ndl. d d:ii gerni. tßt und das germ. d xusammengefaJIm ; 
ubi*r es bleibt ein L'nterichie<l tlcr Articulatiun bestehen: d =r grrm. lA wird 
dental * , </ i= germ. d wird lingual ausgc: pnichen, und dieser Unterschied be- 
wahrt sich sogar im Auslaut. E* entspricht als€i einem «dentalen* d ücs 
Niederländischen hochdeutsches </, einem lingualen ndl. d ein bd. t. Wenn aber 
Kern ui«;int, in nhd. »i^ht , ^fA/, hattet lieg«* im Auslaut eine Abweichung von 
der Kegf*l vor, indem ein gotisches M, ein ndl. dentales d entspreche, so 
berücksichtigt er nicht das Aunlautsgesetx , wonach jede Media auslautend xur 
Tennis wird. Uauiit verliert er auch die Möglichkeit, den Auslaut in kij in«l 
neben dem in yrhttord zu erklären; im rrstrn Falle entspricht die Schreibung 
genau der Au»»prache uml dfin Aushiutsgesi'tz. Wenn in gervkeud, gehoorU. 
bloed, band etc. die t.'tymoloi;iiich(: Schreibung angewendet wird, so ist dies der 
Einwirkung der obliquen C*a«iis ziunM-hrribrn. rf. nhd. Wflt und Geld. leb 
scheue mich fast, so eiiifai h»* Dinge eint ui Mann wie Kern gegenüber geltend 
zu mach«?n. Auffallend ist die Mittheilung von Keni, da& in roifcr und 
minder der «dentale* Laut gehört wird . während tonst das vorhin aoage' 
•priichene Gesets ausnahmslos gilt. Es wäre interessant zu wissen, ob diese 
AuMprache die allgtiueioe ist, oder nur die indiviilurile von Kern: er erklärt 
ausdrücklich, daß jt-ne Angabe* nur auf »einer t-igoneu Aussprache beruhe 

p. Ihti ff. t:ibt C<'siju eine Anzahl von Verbesserungen zu den kl. all< 
niederd«*ut«chen Ueukmäirrn. denen irrgenüber ich die lueinigen in Gem. X\l, 
*Jo2 titeit weise zurücknehme. Mit Vertrnügm rnehe ich aus Cosijns Mittheilung, 

*i d. b. door de luof tegru de boventte rij tanden aan le slan. 



LTTTERATUR: F. M. BÖHME, ALTDEUTSCHES LIEDERBUCH. 115 

daß das von mir verlangte harmquethandon für harmonethaudon bei HeTne wirk- 
lich in der Leidener Handschrift steht. Übrigens ist ein großer Theil der 
Conjecturen für uns nicht neu, sondern von Scherer vorweggenommen in seiner 
Recension von Heynes Ausgabe der kl. andtsch. Denkmäler (Zeitsch. für österr. 
Gjmnasialwesen 1867, S. 662), was ich selbst früher übersehen. Man vergleiche 
noch den Neuabdruck der Merseburger Glossen Zeitsch. für deutsche Philologie 
Bd. VI, p. 291. Etwas gar zu scharfsinnig ist die Vermuthung zu kl. andtsch. 
Denkmäler p. 89, 34, wo Cosijn ans dem gedruckten prtus als Lesart der Hand- 
schrift — somir reconstraiert! ^de lange 8 met de o is als p, de minder dui* 
delijke m als ru, de r als z gelezen^. Wo bleibt das i von somir? Und Cosijn 
wirft einem Anderen achlechfe achool vor, weil dieser zwei Buchstaben zu der 
Überlieferung hinzufügt! 

Schließlich noch einige Bemerkungen zu dem Neuabdruck von Piramus 
und Tbisbe (cf. Haupts Zeitsch. XIII, p. 348 ff.), womit die andere verkürzte 
Bearbeitung verglichen ist, die im Belg. Mus. X, 89 ff. steht v. 161 gibt 
keinen Sinn: 

Aey, lede muer, onsalich deel, 

Waerbi bistu dus gheheel? 

hoe dicke hebdi ons benomen, 

dat wy te gader souden conien, 

tnde der minnen gerne plagen. 

Hier hat wohl die andere Bearbeitung das Richtige , welche die drei 
Verse so gibt: 

dat wy te gader niet mögen comen. 

du heves goet spei benomen 

van minnen, dies wy gerne plagen. 

V. 168 1. in geseit u niet für en geseit u niet. — aeitsi in y. 196 und 
205 ist unzweifelhaft interpoliert, um den Wechsel der redenden Personen deut- 
lich zu machen. Das gleiche gilt von v. 215 und v. 221 — 22, wo beidemale 
die Lesart der zweiten Bearbeitung vorzuziehen ist. 

Zu V. 338 bemerke ich, daß Martins Abdruck gewänne bietet. 

So möge denn das neue Unternehmen seinen Gang gehen; mochten wir 
vor Allem recht bald nähere Kunde erhalten über die Dialecte des Mittelnieder- 
ländischen; dann erst wird man auch zu wirklich kritischen Ausgaben der 
mittelniederländischeu Literaturwerke vorschreiten können. 

HEIDELBERG, den 7. November 1877. OTTO BEHAGHEL. 



Altdeutsches Liederbach. Volkslieder der Deutschen nach Wort und Weise 
aus dem 12. bis zum 17. Jahrhundert. Gesammelt und erläutert von Franz 
M. Böhme, gr. 8. (LXXII, 832 S.) Leipzig 1877. Breitkopf u. Härtel. 

So zahlreiche und treffliche Sammlungen alter und neuer Volkslieder wir 
auch besitzen, so enthalten doch die meisten derselben und gerade die wissen- 
schaftlich bedeutendsten, doch nur Texte^ keine Melodien. Das Volkslied aber 
kennt nur halb wer nicht die Musik dazu kennt, da beides, Text und Melodie, 
von jeher im Volksgesange untrennbar mit einander verbunden war. Liliencrons 
historischen Volksliedern ist daher als 5. Band ein Melodienbuch beigegeben, 

8* 



IIG LITTKRATrR: K. M. BÖHME, ALTDEUTSCHES LIEDERBUCH. 

uiiil erst dadurcli i»t ili««v treffliche und mutterbafte Sammlung innerlidi «ic 
iiiiQerlicIi votliitäDilif; und ah^oschloiteii worden. Der Natur der Sache amch mn- 
faßt Lilienrnint Werk nur einen kleinen Theil der Melodien; den gansea SckHti 
ultdeulicher Volktnielodicn in «'iner kritischen Sammlung aua den Quellen ta 
irfr<'iui|;en, war Böhme vorbehalten, der mit hingebender Treue und 
Liebt* hcit einer langen Hcilie von Juhren au der Verwirklichung dieses 
gearl'eitet li»t. Den Au«gan>;«|)unkt der Sammlung bildeten die Melodien aod 
man hütte »ieh, wenn diener UetichtHpunkt der herrschende geblieben, eine gnai 
tintlrre Anordnung; des Materials denken können , nämlich nach der Zeitfolg« 
der Melotlien. Su wrrthvoll diese Anordnung ftir den Musikfreund geveeen 
wjire, iM> glauben wir doch, daü H. nn'ht grthan, die Texte für die Anordnnng 
ifiiiG^t-lK'nd Hein /u lu^^(■u. Srhnii ilif Ulm liehe Anordnung der bereits vorban' 
drnrn Tir\(-:iinniliin^i-n, denm H.'s Werk als niUHikHlisehe Krgäniung sieh an- 
reiht, «-ni|dalil <ii«* <iru|i|ii('run^ nach dem Inhalt. Vielleicht hätte das Interesse 
iler Musikln uiide durch einen clironul«i);ihcht'n Index der Melodien^ soweit deraelbr 
•«ieli iiiit «ini^'i'r Sicherheit licrittellcn laut, genährt bleiben können; die Scbwie* 
ii|:k«it einer pnieht-n C'lironologie mag l\. aUMerdt*ni auch von der Anordnuni? 
n;ieli Milt'dlen uli^focliicekt Ilaben. 

N.ich einer treflfliehcn Einleitung über den Charakter und die Geachicbtr 
der» Volk»liedeH in mu>«ikiili»chiT und textlicher Hetiehung folgt das Liederbuch 
Hilbht Hl fol^'cnden ir* Abttchiiitten: I. lialladen und Komanxen. IL Tage- niid 
\V.ichterlieder. 111 Liebellieder. IV. Abschicils- und Wanderlitnler. V. Källiscl-. 
Welt-, Wun»eli- unil Lii^unlieder. VI. Tanz- und Kranzlieder. Vll. Trink- und 
/relilii iler, inci. Fastnachts- und Martinslieder. VIII. Einige historisch-politiacbe 
Licdi-r. IX. Landknecht- und Keiterlieder. X. Jägerlieder und Jagerromanaen. 
\I. Littlcr auf verschietirne andere Stände, als Hauern. Handwerker, Stndentea, 
Monc-he rtc. XII. .Scherz-, S[Hitt- und Schandlieder. XIII. Gemischter Inhalt. 
XIV. Linige Kinder-Keime. XV. (teistliche Volkslieder. Verseichnitee der 
i^uellen , der Strü|ihenfi>rnien , der geistlichen l = mdiclitnngcn, der Lieder visd 
Melotlien und ein SairlirrL'ii^ter bild**n den Schluü. Den einzelnen StQckeo aind 
iEuni Tht-il »ehr aunführliche litterarische Eriirterungen beigefügt, so beim llil- 
debrand»licde, IL Ernst etc. Eb«'nso sind l>ei jeder Nummer die nach der- 
selben Melo'lie gehenden Lieder ang(*schlüssen. Im litterariscben Theile lei^ 
der Verf. sieh gut bewandert, wenn man ihm auch den Mangel an faehminni- 
hcher Schulung anmerkt. I>a6 der Ilildt-brandston älter sei als die Nibelongen- 
•trophe ^S. 6) »ini ihm kcliwnlicli jemand glauben und daß die unter KBren- 
bergs Namen überlieferten Strophen mehr der lli Idebrand- ala der Nibe* 
bin^'enitrii|ihe gleichen . S. 7) ni«*eTite Herrn IL schwer sein SO beweiam. 
Al|»liarlii ToJ wird S. IG untfr dt-n im Hildebrandstun abgefaßten LieUem 
angeführt, währeml f» doch, auch in der jungen Ifs. noch, die Ponn der 
NilN.'lungenitro|ihe tr^gt. Das in Berlin erschienene lleldenbuch acheint B. 
nicht zu kennen. <ia t r nur v. d. llanens lleldenbuch eitiert. Daß das deutacbe 
Vulkabuch von IK-rsof: Ernit eine I'rosaautlöfung st*i (S. *J&) ist unrichtig; es 
ifl vielmehr (*l>rr>eLzuiig der alleren lateinischen l'rusa; diese 'vielleicht noch 
vor drm 1*.*. Jahih. abgefaßt aiixunehbien ist ftänzlich unerlaubt. Kaiser 
Kriedrith' (S. '2^) iit sicherlich kein andere« Lieil als das Üänkelaingerlied 
von II Ernit und ein verhifen gegangenes in derselben Weise tu tennntbcB 
ist grundti»«. 



MISC£LL£N. 117 

Indes wenn man auch diese und manche andere Unrichtigkeit und Un- 
genauigkeit aus dem Buche wegwünschte, so kann dergleichen den eigentlichen 
Werth desselben doch nicht beinträchtigen und unsem Dank nicht mindern. 
Seinen Schwerpunkt hat es, wie schon angedeutet, im musikalischen Theil und 
nach dieser Seite hin ergänzt es eine oft und schmerzlich empfundene Lücke. 
Wie schwer hält es bei der Seltenheit und Zerstreutheit der Quellen sich einen 
Einblick in die alten Melodien zu verschaffen. Hier hat man sie in urkundlicher 
Beglaabigung schön zusammengestellt. Wir haben also alle Ursache, Herrn B. 
fSr seine mühevolle Arbeit herzlichen Dank zu sagen und empfehlen allen, die 
sich für das Volkslied interessieren, das Werk aufs angelegentlichste und wärmste. 

K, BABT8CH. 



MISCELLEN. 



Zw51f Sätze über wissensohaftliohe Orthographie der Mundarten. 

I. Gleiches ist immer gleich zu bezeichnen. 

U. Verschiedenes ist immer verschieden zu bezeichnen. 

UI. Ahnliches ist wo möglich ähnlich zu bezeichnen. 

IV. Die Nebenzeichen über und unter den Buchstaben müssen möglichst 
einfach sein und sich untereinander leicht verbinden lassen. 

V. Für die akustischen Erscheinungen deren Darstellung für die Dialek- 
tologie am nötigsten ist, muß man die Zeichen und Zeichenverbindungcn so 
wählen, daß wenn nicht alle, so doch die allermeisten sich in jeder größeren 
Drackerei bereits vorfinden. 

VI. Jedem Buchstaben der gewöhnlichen Schrift wird derjenige Einzellaut 
zugetheilt, welchen er in der neuhochdeutschen Orthographie gewöhnlich be- 
zeichnet. 

VII. Die herkömmlichen Zeichen ä, Ö, ü sind durch die bequemeren a, 
0f y zu ersetzen. 

VIII. (oder ) über einem Buchstaben gibt an, daß ein Laut zu sprechen 
isti dessen Verengung oder Verschluß etwas weiter nach hinten in der Mund- 
höhle liegt als bei dem Laut, welchen der Buchstabe ohne bezeichnet. 

IX. hat die entgegengesetzte Bedeutung von . 

X. Die Nasalierung wird mit dem polnisch-litauischen bezeichnet. 

XI. Neueinzuführende Buchstaben sind: 

1. 9 für den Mittellaut zwischen a and &', den Vokal der meisten 
deutschen Nebensilben. 

2. 1} für den Nasal mit Gaumenverschluß. 

3. X für den mediopalatalen Reibelaut. 

4. j für das tönende x. 

5. V für das tönende /. 

6. ^ für den faukalen Schlaglaut, 



11 g MISCELLEN. 

7. X oder 9 für den antepalatalen Reibelaut. 
js oder p für den stimmlosen interdentalen Reibelaut. 
1/ oder S für den tönenden interdentalen Reibelaut. 
XII. Die Länge wird durch bezeichnet. 

Zur Begründung^). 

§. 1. Sowohl praktische als auch wissenschafth'che Bedürfniase haben 
schon längst dazu geführt eine neue Orthographie zur genaueren Bezeiehnang 
der Laute aufzustellen. Überblickt man^ was in dieser Beziehung bisher ge- 
schehen ist, so überrascht vor Allemi daß die gemachten Versuche zahllos sind 
und die allerverschiedensten Ergebnisse gehabt haben. Der Fall, daß jemand 
die orthographischen Vorschläge eines Vorgängers ohne die leiseste Verände- 
rung zu den seinigen macht, kommt beinahe nicht vor. Die Ursache dieser 
unglaublichen Zersplitterung springt sofort in die Augen: die grenzenlose 
Willkür und Principlosigkcit, mit welcher jeder Einzelne verfahren ist und das 
häufige Fehlen aller orthographischen und physiologischen Vorkenntnisse; die 
Arbeiten eines Andern finden ganz beliebig in einigen Theilen Beifall, in an- 
deren Mißbilligung^ meist ohne daß ein anderer Grund vorläge als zufallige 
Gewohnheiten oder sonderbare Grillen. Sehr Viele treten an die Aufgabe 
heran ohne nur im entferntesten zu ahnen^ daß sie nicht die Ersten sind, welche 
dieselbe zu lösen versuchen. Am meisten Ansehen haben sich die Vorschläge 
von Lepsius errungen, trotz ihren nicht geringen Mängeln; aber kaum jemand 
der sich mit der Sache nicht bloß theoretisch beschäftigte, sondern sa prak- 
tischer Verwertung überging, hat dieselben unbedingt gutgeheißen; Jeder hat 
daran zu ändern gehabt, der Eine da, der Andere dort; zur Einigkeit ist mta 
nicht gelangt. — Daß es besser werde, ist nur dann zu hoffen, wenn man 
allgemein die unerfreuliche Sachlage klar erkennt und die Lehren beherzigt^ welehe 
sie uns in unschwer verständlicher Weise gibt. Es ist naturlich sehr leicht ans 
der Unzahl der möglichen Sprachlaute willkürlich einige herauszugreifen imd 
dafür ebenso willkürlich irgend welche Zeichen aufzustellen; aber wird man 
auf diesem Wege eine Verständigung erzielen? Ganz gewiß nicht. Man maß 
sich bestreben allgemeine, fest begründete Principien zur Anerkennung zu bringen, 
aus welchen sich die Entscheidung für jeden Einzelfall mit zwingender Sicher- 
heit ableiten läßt. Nur dann werden sich, was zum Zweck der Einigung an* 
erläßlich ist. Viele dazu bequemen auf ihre zufällige Gewohnheit zu Tersichten 
und Neues, Fremdartiges anzunehmen. Um dieses Ziel zu erreichen genügt m 
natürlich nicht bloß einige Thesen aufzustellen, sondern dieselben müsten tob 
einer ausführlichen Begründung begleitet sein. 

§. 2. Vor allem sei ausdrücklich bemerkt, daß die hier gemachten Vor- 
schläge lediglich nur die Zwecke der Wissenschaft im Auge haben ; auf Schriften, 
welche zur Unterhaltung des großen Publikums dienen, können und sollen tie 
keine Anwendung finden. Eine wissenschaftliche Orthographie ist durchaus 
unmöglich ohne die bisherige Gewohnheit des Auges sehr schwer zu verletsen; 



*) Die Eintheilang in §§. hat keinen anderen Zweck als die Erleichterung dl 
Citierens. 



ldISC£LL£N. 119 

in dieser Hinsicht darf man sich keiner Täuschung hingeben. Fremdartigkeit 
kann durchaus kein Grund sein eine sonst gute Schreibung zu verwerfen. 

§. 3. Von einer Schrift ^ welche ein wissenschaftlich treues Bild der 
Sprache geben und zugleich praktisch verwendbar sein soll, ist zu fordern: 
1. Treue, d.h. sie hat darzustellen a) Gleiches durch Gleiches. 

b) Verschiedenes durch Verschiedenes. 

c) Ahnliches durch Ahnliches. 
2.£infachheit. 

3. Wohlfeilheit. 

Den Forderungen 1 a und 1 b ist mit unerbittlicher Strenge zu genügen ; 
2 und 3 müssen sich ihnen unterordnen und 1 c ist durch 2 und 3 ein- 
geschränkt. 

§. 4. Die Sätze I und II geben allgemein als unerläßlich Anerkanntes 
in knappster und zugleich erschöpfender Fassung. Nach I darf z. B. der 
Reibelaut des Vordergaumens nicht bald durch CH, bald durch G^ bald durch 
J dargestellt werden, wie dies in mitteldeutschen Dialektproben oft gesdiieht. 
Femer der ä-Laut nicht bald durch ä, bald durch sß oder &, bald durch e. Ferner der 
stimmlose S-Laut nicht bald durch S, bald durch SZ, bald (in Verbindung 
mit T) durch Z, bald (in Verbindung mit K) durch X. Femer die größere 
Schallstärke nicht bald durch Beistrichelchen, bald durch Anwendung ganz 
verschiedener Buchstaben wie etwa „P'' für starkes „B** u. s. w. u. s. w. 

§. 5. Nach Satz II darf z. B. für den stimmlosen S-Laut nicht f wie 
für den tönenden geschrieben werden. Femer darf £ nicht bald dem e-Laute, 
bald dem fi-Laute, bald (wie in Pein) dem a-Laute, bald (wie in badete) 
dem a.Laute, bald (wie in euch, heut) dem o-Lante dienen. £ndlich darf 
für P nicht PH stehen, da P die labiale Tennis, H den gutturalen (im Kehl- 
kopf, nicht am Gaumen gebildeten) Reibelaut bezeichnet; aus ähnlichen Ghründen 
sind auch TH für den interdentalen, CH für den palatalen Reibelaut unzu- 
lässig n. s. w. n. s. w. 

§. 6. Nach Satz III dürfen die verschiedenen Abstufungen einer und 
derselben Eigenschaft nicht durch ganz verschiedene Zeichen daxigestellt werden, 
z. B. nicht ein Grad der Schallstärke durch \ ein anderer durch . Auf die 
Bezeichnung der verschiedenen Lautarten kann Satz HE nur in beschränkter 
Weise Anwendung finden; es ist z. B. nicht möglich die Gleichartigkeit der 
mit P, T, K bezeichneten Laute graphisch hervorzuheben ohne das lateinische 
Alphabet aufzugeben. Wir haben nur darauf zu sehen, daß die notwendigen 
neuen Zeichen zu den beibehaltenen alten in einer leicht erkennbaren Bezie- 
hung stehen; z. B. für den Mittellaut zwischen i und e ist eine Darstellung 
zu wählen, welche dessen Verwandtschaft mit » oder mit e anzeigt. 

§. 7. Gegen Satz IV sündigt man häufig in der unbegreiflichsten Weise, 
so daß man ohne Not das Auge durch Überladung und Fremdartigkeit be- 
leidigt und die Satz- und Druckkosten erheblich vermehrt; man denke sich 

z« B. zu dem au sich schon ungeheuerlichen a (:= Mittellaut zwischen ö und a) 

die Zeichen ^ " hinzu! Verwerflich sind daher &, e, a, o u. s. w. als Zeichen 
für Vokalklänge. Femer alle Striche und Halbkreise, deren Längsaze nicht von 
oben nach unten läuft; stehende Zeichen lassen sich sehr leicht und raumsparend 
verbinden, liegende aber nicht; auch nehmen letztere natürlich einen breiteren 



120 inSCELLEN. 

Raam ein, was über schmalen BuchiUben wie i leieht störend werden kmmm 
nnd einer allfällig nötigen Verl&ngening des Zeichens im Wege steht. £•••* 
fschheit ist aach deshalb unerllOlich, weil es bei der Menge der za beHIck« 
sichtigenden akostischen Erscheinungen Oble Verschwendung ist zur Daratellang 
einer laotlichen Eigenschaft ein Zeichen anzuwenden, das ans mehrerrn b#- 
steht (wie z. R. ^ nnd ^ aas ; femer ^ ans " u, s. w.). ~ Zulissig sind also 
bloß ' * • • ' und *. 

§. 8. Satz V ist für Jeden selbstTerständlich der jemals in die I^Age ge- 
kommen für den Druck eines Werkes die Herstellung ungewöhnlicher Typen 
fordern an mQssen; die Herren Verleger verhalten sich solchen ZnmotiiDgea 
gegenüber sehr ungeberdig, auch wenn sie Besitzer von Schriftgieftereieo oad 
▼on großen, reichausgestatfenen Druckereien sind. Wie oft liest man io de« 
Grammatiken von Missionaren, sie hätten die I/epsiusschen Schreibungen nicht 
rerwenden können und andere annehmen müssen, weil die Drockerei niehl 
darauf eingerichtet war. Wo bleibt dann die ersehnte Einheit? Die Veroflent- 
lichung wissenschaftlicher Dialektschriftcn gehört ohnehin nicht zu den eiatrig- 
iichsten Kapitalanlagen. Der Verleger von Frommanns Zeitschrift .die de«t* 
sehen Mundarten*, auf deren Verhalten in dieser Frage sehr riel aakoasBrt, 
hat fBr das Unternehmen bereits große Opfer gebracht und weigert sieh ganz 
bestimmt noch riel weiter zu gehen. Je kostspieliger man eine Orthographie 
macht, desto hartnäckiger werden sich die Schriftsteller, Verleger and Drvektr 
gegen deren Annahme sträuben, so daß alle Beratungen und Besprechuagf«, 
welche diesen Verhältnissen nicht genSgend Rechnung tragen, schließlich leeras 
Gerede sind. Wer es entwiirdigend findet, daß die Wissenschaft auf Geldfrage« 
Röcksicht nimmt, der möge einige tausend Thaler hergeben, um allen wiaaea* 
schafUichen Bearbeitern von Mundarten die Mehrkosten einer ganz uiiabliftB* 
gigen Schrift zu vergülen ; will er dies nicht thun, so ist seine Entifistnag eine 
sehr wohlfeile. 

f. 9. SelbstYcrständlich ist es ein IHng der reinen Unmöglichkeit ei»e 
Schrift aufzustellen, welche allen BedBrfnissen der Wissenschaft genügt «nd 
dennoch nicht mehr Aufwand erfordert als dtr Satz irgend eines DreipfeuDig- 
romans. Aber dies Tcrhindert nicht, daß man die Zeichen, welche Tor%iia* 
sichtlich am häufigsten gebraucht werden müssen und der Dialektforscboag mb 
unentbehrlichsten sind, so wähle daß ungewöhnliche Typen möglichst rermiede« 
werden. Von mehreren in wissenschaftlicher Hinsicht gleich guten VorsehUgea 
muß derjenige unbedingt den Vorzug erhalten, welcher in den meisten Draekereiea 
am leichtesten ausführbar ist. Dieser Grundsatz ist nicht etwa bloß ein noi- 
wendiges Cbel, eine zur Tugend gemachte Not; wenn er nicht durch die Un- 
■tände gebieterisch aufgestellt würde, mßßte man ihn ans freier Willkttr er* 
finden, denn er gibt eine Entscheidung in hundert Fällen, wo man sonst ratlos 
und unentschlossen zwischen iwei, drei, vier Vorschlägen schwanken würde. Dm 
ein noch so sinnreich erfundener Buchstabe eben immer nur ein konventio- 
nelles Bild des Lautes geben wird, so ist es doch besser dieses Ronveationelle 
werde durch historisch itegebenes, statt durch willkürliches Belieben bedingt; 
genau betrachtet erscheint uns hier das Hegeische .Alles Seiende ist veraüaftig* 
nicht so Terannftlos und brutal wie man auf den ersten Bliek meinen sollte. 

f. 10. Man sollte hoffen dürfen, daß die Sätze I bb V Jedemuna 
Billigung finden werden; ihre Beurtheilung ist reine VeratnndeesnclM «nd wM 



BOSCELLEN. 121 

nicht durch die zahllosen Vorurtheile and Zufälligkeiten beeinflußt, welche bis- 
her jede Einigung vereitelt haben. Wer nicht stichhaltige Gründe dagegen vor- 
lubringen vermag, der verzichtet auf jede Berechtigung gegen deren konse- 
quente Anwendung Einsprache zu erheben, mögen dadurch seine orthographischen 
Gewohnheiten verletzt werden oder nicht. 

Die Sätze VI bis XII sind die notwendigen Folgerungen aus I bis V. 

§. 11. Eine nagelneue Schrift, wie die von Brücke (Sitzungsberichte der 
Wiener Akademie der Wissenschaften, phil.-hist Klasse, Band XLI, S. 223 
bis 285) vorgeschlagene, ist, abgesehen von den schweren wissenschaftlichen 
Bedenken die sich dagegen erheben, schon wegen Satz V verwerflich. Durch 
die Anlehnung an das Herkömmliche erreichen wir nebenbei den Vorzug leich- 
terer Erlernbarkeit 

§. 12. Unhaltbar ist die Forderung es dürfe in das neue Alphabet kein 
Bachstabe aufgenommen werden, welchem irgend eine der germanischen und 
romanischen Orthographien eine andere Bedeutung beilegt ab die übrigen. Wir 
brauchen uns um dieselbe um so weniger zu kümmern, da diejenigen, welche 
sie stellen, selber in der gröbsten Weise dagegen verstoßen. Nehmen wir 
I. B. die Schreibungen von Lepsius. Er verlangt S für den stimmlosen S-Laut, 
aber in Deutschland ist S das Zeichen für den tönenden Reibelaut; sa lesen 
die meisten gebildeten Deutschen als französisches za; der Buchstabe S wäre 
also für die neue Orthographie nicht brauchbar. — z soll den tönenden S-Laut 
darstellen ; aber in Deutschland bedeutet es (fy in Italien tt und df, in Spanien p» 
-— U für den dunkelsten Vokal widerspricht der französischen Orthographie, in 
welcher es die Geltung y (d. h. ü) hat. — V für u; verträgt sich nicht mit dem 
deutschen Gebrauch, welcher ihm den Wert / beilegt. — W für unsilbiges u ist 
unzulässig, weil es im Deutschen und Holländischen nur den tr-Laut bezeich- 
net. — H für den Kehlkopfreibelaut taugt nichts^ denn bei den Romanen ist 
es stumm. — P, T, K dürften nicht für die reinen Tenues verwendet werden, 
weil sie in Deutschland und in Dänemark als Vertreter der Lautverbindungen 
phf thy Ä^, kx gelten. — B, D, G wären zur Darstellung der tönenden Medien 
durchaus untauglich, weil sie in Süd- und Mitteldeutschland als reine Tenues 
gesprochen werden u. s. w. — Streng genommen müßte man jeden Buchstaben 
verwerfen der in irgend einer der genannten Orthographien mehrere Werte 
bat; z. B. A = a, denn engl. A oft = ^, d u. s. w.; E = e, denn engl. E 
oft = f und d; I = t, denn engl. I oft = oi, o, i; = o , den dänisch 

ofl = u; U = II, denn engl. U oft = »u, o, it; G = ^, denn ital. G oft =: df, 

franz. G oft = /*, span. G oft = re; D =* cf, denn span. und dän. D oft = Jl» 
oder d n. s. w. u. s. w. — Ein Grundsatz der von seinen eigenen Verfechtern 
mit Fußen getreten wird, kann keinen Anspruch auf Beachtung erheben. 

§. 13. Man hat eingewendet die neuhochdeutsche Orthographie könne 
nicht zur Ghrundlage einer wissenschaftlichen Schreibung gemacht werden , weil 
die Geltung ihrer Buchstaben in den einzelnen Gegenden Deutschlands oft sehr 
verschieden ist. Dies ist ohne Belang. Mehr als die Hälfte aller Deutschen 
spricht E und I für Ö und Ü; aber deshalb zweifelt niemand daran, daß die 
LftQta t, e mit I, E zu bezeichnen sind, und nicht mit Ü, Ö, oder daß den Buch- 
stabeo O, U die Laute Ö, y als eigentlicher Wert zukommen. Ebenso wenig 
kann 8treit darüber entstehen, ob G ein g und nidit vielmehr einen CH-, oder 
J-, oder K- oder U-Laat a. s. w. darstellen solle. 



\22 MlHCKLl^N 

1^. 14. Wäre t* nicht brtMr von <ier iUliäoitchon Ortbog;r«pliic muuuigcbcn 
statt von der ucuhoclideniiclien V — Durchaus nicht! Im Wesentlichen wärdeu 
beide Wege lu demselben Ziele fQhren; aber in manchen Füllen reicht die 
iialiinische Schreibung nicht aus und müßte man dann ohnehin auf die neaboch- 
deutsche luriickgreifco ; s. li. die Gaumcntcnuis betciehnet der Italiäner mit C, was 
▼or K und 1 niiGlich wäre; für die Laute ci, / ^tönendes S) hat er keinen be- 
sonderen Buchstaben; die Laute h, y^ U kennt seine Schriftsprache nicht Keine 
Orthographie eignet sich so gut Eur Grundlage einer wissenschaftlicheo Schrei- 
bung wie die deutsche. 

{{. 15. Die liuchfttaben, welche wir nach Sata VI anranchmeD babea« 
sind folgende : a, rtf, 6, </, e, /, /;, A, i, A, /, m, m, o, «, p, r, /, s, f, m, «, ir. 
Über f als Zeichen ftir den tönenden S-Laut, s. Herrigs Archiv 1877, Bd. LVI» 
S. 327—332. 

§. 16. Von diesen Zeichen können drei nicht gutgeheiGen werdcA, 
nämliih ä, u, m. 8ie veratoOen gegen Sata IV erstens weil der Doppelpunkt *' 
aus twei Zeichen lusamuiengeeetat ist, iweitens weil er unbequem iat und sich 
mit anderen Zeichen schlecht verbindet. Mit Sata V sind fi, 0, « unverträglich» 
weil Bie in Verbindung mit den einfachsten und über allen Vokalseichen ge- 
bräuchlichen Beistrichen und in den Druckereien nicht vorkommen. Der 
Vorschlag von Lcpsius den Doppelpunkt unter den Buehstaben aniubringeB, 
kann natürlich nicht befriedigen. Ffir U gibt ee einen Eraaii, tvekhea die 
drei eben gerügten Fehler nicht ankleben und welcher bereits mehr oder we- 
niger üblich ist: in griechischen Fremdwörtern und in der Orthographie des 
Angelsächsischen, Altnordischen, Schwedischen und Dänischen finden wir den 
U Laut stets mit y beteichnet. Diesem Vorgang müssen wir uns unbedingt 
anschlic6en. 

Hingegen für Ü und f ist die Abhülfe nicht so leicht; denn welehe Zeichen 
wir auch wählen mögen, S4i sind deren Verbindungen mit den nötigalen Bei- 
strichen in den Druckereien nicht vorrätig und ist es daher unmöglich den 
Hata V 2U genügen ; wir können also bloß auf Satx IV Rüeksicht nehmen. Das 
Zunächstliegende sind Verschleifungen von a und o mit ^; da nun aber die 
bereits üblirheo le, <f au groGer Uubebolfenheit leiden , femer in der Kureiv. 
»chrift leicht mit den zweilautigen oc und oe verwechselt werden, bleibt nichla 
übrig als diis f in dat 'i uml o lu stellen und die Zeichen von 8ati VII anin- 
nehmen. Dies ist übHgrns in dem hier vorgeschlagenen Sjstem der einaig« 
Fall wo ein eigentlicher Ruchstabe neu |:«'schnitten werden mu0. — Daft durch 
(itrit'h«>n** «i« ", m unsvftteniati»i-h. unh«M|ui*ui und obendrein unschön sind, bedarf 
k^tum di*r Kr Wohnung. rii»jstematisch und unpraktisch sind auch die e, o, ■ 
tiMt Finki'rlmng links. 

%. 17. Am wichtigsten für die mundartliche Wissenschaft ist lunächat 
di«* Mt>-rirhnung der gebräuchlichsten Vok;ile, für welche die herkömmliehe Or- 
tlw(M iphi«* k< ine besonderen Buchstaben besitxt. Die meisten Vorschläge, welehe 
Vi > . . i;fMf>irht wonicn. vcrsti^Crn grpeti einen oder swci der Sätae III, IV 
»*M t V ' •)• T trar gegen alle drri und leiden obendrein an swei Fehlem: sie 
,.. i,«»..fv<.-n eine Menge v n Neheuieichen und lassen die Mittelstufen iwi- 

,,.|,. I ,in.| /. /*. o unb«-riirk«ichtigt. Die eiiixi);r nsch allen Seiten hin 

fir?*'. f^i*.-!*!«* Ht*reiehnungsweit*' itt dir von Hchmeller in seinen «Mundarten 
1^^;. \ ,,«it Rumpelt in seinem höchst verdienstlichen aSjrateai der Sprnck- 



MISCELLEN. 123 

Imnte* (Halle, Waisenhaus 1869) angewendete: der Gebrauch des (Schmellers 
and Rumpelte für den „alphabetischen^ Lautwert der Buchstaben ist über- 
flfisng und mit Säte VI unverträglich). Nach Satz VIII Teryollständigen sich 
die Vokalzeichen folgendermaßen: 
uüobäadäkeli Zugleich erhalten wir für den Laut des deutechen SCH 

^ das Zeichen «, für das französische J: /*, für die am 

hintersten Gaamenrande gebildete Tenais: k a. s. w. u. s. w. 

y 

§. 18. Daß dem ' die dem * entgegengesetete Bedeutung beigelegt wird, 
ist beinahe selbstverständlich; übrigens wird ' bei Vokalzeichen vorläufig kaum 
nötig sein. — Die durch Anwendung von und ' erlangte Vokalbezeich- 
nuig ist an Systematik, Einfachheit, Bequemlichkeit, Elegant und namentlich 
«n Reichthum und Ausgiebigkeit jeder anderen bisher vorgeschlagenen weit 
überlegen. 

§. 19. Das von Rapp, Lepsius u. A. für die Nasalierung vorgeschlagene 
"ist unbrauchbar, denn es ist zu kompliciert (aus '^ und "^ tusammengesetet), 
nimmt als wagrechtes Zeichen zu viel Raum nach rechte und links ein und 
verbindet sieh schlecht mit irgend einem anderen Beistrich (sieh oben §. 7). Es 
ist daher unvermeidlich das von Rumpelt, Sievers u. A. angewendete polnisch- 
litauische ^ anzunehmen. 

§.20. 9 ist seit Schmelier und Rapp in der wissenschaftlichen Dialekt- 
•ehreibung so gut wie eingebürgert. Von dem Lepsiusschen e kann schon 
wegen Säte V und §. 8 keine Rede sein. 

§. 21. Aus denselben Gründen ist für den Nasal mit Gaumenverschluß 
mir das von Rapp und vielen Anderen eingeführte tj zulässig; tj allein hat 
den Vorzug, daß es mit den nötigsten Beistrichen * und {rj rj) in jeder 
größeren Druckerei vorhanden ist 

§. 22. Stett des von Rapp, Lepsius u. A. vorgeschlagenen x ^*^ ^^ 
▼on Winteler und z. Th. auch von Rapp und Sievers verwendete x vorzuziehen, 
weil es auch in der kleinsten Druckerei zu haben ist und vor % überdies den 
Vorzug hat nicht unter die Linie herabzugehen. Nach Satz VIII ist damit 
sogleich X für den am hintersten Rande des Gaumensegels gebildeten Reibe- 
lant gegeben. 

9. 28. Gegen j als Zeichen für tönendes x wird sich schwerlich ein 
Einwand erheben. 

§• 24. Ebenso wenig gegen v für das (von unserem w scharf zu son- 
dernde) tönende /, welches im Niederdeutechen und Romanischen vorkommt und 
in der Orthographie dieser Idiome mit V bezeichnet wird; die Holländer und 
die niederdeutschen Dialektschrifteteller halten V und W und F auf das strengste 
aufeinander. 

§. 25. q ist das zunächstliegende Zeichen für den faukalen Schlaglaot; 
io ergibt sich nach Säte VIII zugleich auch q für die Kehlkopftenuls. 

9. 26. In Betreff von Säte XI 7 und 8 kann die Entecheidung ver- 
■ehieden ausfallen, je nachdem man Säte III und IX oder aber Säte V zur 

Geltung bringt; x t f sind systematischer, ^ P O üblicher. 

§. 27. Von ^ und von ~ als Dehnungszeichen kann keine Rede sein, 
man gegen die Sätze IV und V (vgl. §. 7 und 8) keine schlagenden 



124 lfI8C£LL£N. 

VerniiBftgriinde vorsubringcD weiß. Sie mdcI oiebt nur an sich nnbeqi» 
d«ni konmen in Verbindung mit Konionantenieicben und mit anderen Bei* 
strichen in keiner Druckerei ror. Femer itt '^ eine ZuMunmensetsung. Ob«r- 
die« wird mit der Zeit da« Bedörfni«« eintreten nicht bloft eine, «onder« 
mehrere Stufen der Lunge zu unteracbeiden ; die« kann in Berack«icbtigttng mm 
Satx III ^Tgl. $. 6) 1. Tb. nur durch Verlängerung de« Debnung«ieicheiia |ce* 
«cbebcn, s. B. müßte eine größere Dauer ab ~ beseiebnen ; wie «oll aber 
Qber vinem «ebmalen Buchttaben Platz finden? — Sehen wir wa« f&r Liogen- 
bezeichnungen , welche nicht gegen Satz I rerztoßen, «on«! noch fiblicb aiod, 
«o finden wir in der Orthographie de« Altnordischen, de« Ungarischen, des 
Böhmischen, de« Iri«chcn und ricler lateinischer Inschriften den Querstrich • 
Die«er bietet alle die Vortheile, welche wir bei ^ nnd ' rermissen. In der pol- 
nischen, tschechischen und litauischen Orthographie und in dem Lepsinesebea 
SjTstem kommt fiber den allermei«tea Konsonanten vor; Qber Vekalieiebea iel 
es in jeder Druckerei Torrfttig außer Qber i nnd ö; aber in dieser Verbia* 
düng findet man auch keine ^ und '. — NatQriicb maß jeder Bacbstabe, der 
nicht mit dem Längezeichen rerseben ist, entschieden knrs gesproc h en wer de« . 

<». 28. Auch wenn wir davon absehen, daß wir mit der Verwendvnf 
▼on ' und in der oben erläuterten Bedeutnng nicht etwas Unerhörtes ans der 
Luft greifen, sondern uns an den längst gemachten Vorschlag de« Altmeisfen 
auf dialektwi««en«chafUichem Gebiete nnd eine« angesehenen Grammatikers wmI 
an den hergebrachten Gebranch mehrerer Kultnnrölker anlehnen, so awingt nas 
schon Satz V diesen Weg einzuschlagen. Zu welchen Zwecken bedarf die 
mundartliche Orthographie am nötigsten nnd am häufigsten der Anwendmsg 
von Nebenzeichen V Um gewisse Schallfärb ungen und um die Länge dar- 
zustellen. Welche beiden Nebenzeichen finden sieh bereits in Jeder Dfvckerei 
allein oder in Verbindung mit einander Ober den meisten der znnäcbsl in Be- 
tracht kommenden Buchstaben? Die Beistriche und (welche sieb ra ^ wsem* 
mensetzeni. Kann man diese beiden Thatsachen nicht in Abrede stellen, so 
twingt die unerbittlichste Notwendigkeit zur Annahme der Sälie VIII «id XII« 
mag man sich drehen und wenden wie man will. 

d. 29. Wenn man auch die Bezeichnung der .Betonnag* Ar aaerÜA- 
lich erklärt, so ist dies ein schwerer Irrthnm. Erstens betoaen die TetieMo- 
dcnt'n Mundarten, die in proto lischer Hinsicht «ehr «tark von einander abweicbea, 
im Wesentlichen ganz gleich. Zweiten« i«t innerhalb de« einfachen Wortes 
beinahe immer die Stamnuilbe «tärker ab die Qbrigen Silben; wer nun aat 
dem Denischen rertrant ist. weiß in den meisten mien den Sinaun als sollen 
zn erkennen: obgleich unsere herkömmliche Orthographie in WorUrfldeni wie 
begeben fiber die dvnamischeo Verhältni««e keinerlei Aa«k«all giebC, enist e bt 
trotzdem nur in den «eltensten Fällen ein Zweifel darilber was StaaMi aad was 
Nebensilbe i«t. Dritten« haben wir ^ nur in schwachen, die Qbrigea Vokale 
meistens nur in starken Silben; die genaue DarstoUnaf des Rlaages amdil 
also (rewöbnlich anch die Tonsilbe dem Aoge keaatücb. Vierteas koeimea ia 
schwachen Silben selten lange Selbstlaoter vor; aaser Läageaseieben ' wird also 
in den meisten Fällen auf die Betonung binwcisaa. Voa eiaen driagendaa 
Bedörfniss nach Accentbeseichnung kann also aickt eatferal die Bede sola« 
Dnram fiadca wir ta all den sahllo«en Dialektprobea , welebe Ms Jolat ter* 
älhatlicht wordea, immer eiae dorcbgäagigOi weaa MHh oA 



MISCELLEN. 125 

Qod iDkonseqaente Darstellang der Prosodie, niemals aber besondere Beistriche 
fQr die Stärkeverhältnisse. Soll übrigens eine solche angewendet werden, so 
genOgt es der Wissenschaft durchaus nicht bloß die dynamischen Verhältnisse 
innerhalb des vereiozelten Wortes kenntlich zu machen, sondern sie muß auch 
diejenigen innerhalb mehrwertiger Sätze berficksichtigen : daran wird meistens 
gar nicht gedacht. — Die herkömmliche Accentbezeichnung ist ohnehin un- 
syttematisch und gänzlich ungenügend und bedarf einer gründlichen Umge- 
staltung. Auch handelt es sich darum zugleich eine Bezeichnungsweise der 
Schallstärke aufzustellen, welche geeignet ist die in unseren Lehrbüchern der 
nhd. Metrik immer noch grassierenden Knrzlangschemata zu verdrängen. 

§. 30. Die in den Sätzen VI bis Xu vorgeschlagene Schreibung reicht 
ans für die dringendsten Forderungen der Wissenschaft; hat man sich in diesen 
Punkten geeinigt, so werden die übrigen, welche man in Frommanns deutschen 
Mundarten, Bd. VII, S. 313 — 315 besprochen findet, wenig Schwierigkeiten 
mehr machen*). — Das ganze System ist bis in seine kleinsten Theile nach 
allen Seiten hin reiflich durchdacht; die Lauttheorie auf welcher es beruht, 
habe ich ausführlich erörtert in Reicherts und du Bois-Reymonds Archiv für 
Anatomie und Physiologie (1873, S. 449 — 477), in meiner Recension von Sie- 
vers* Grundzügen der Lautphysiologie (Steinmeyers Zeitschrift für deutsches 
Alterthum 1877, Anzeiger III, S. 1 — 22) und in meinem Buche „Zur Laut- 
verschiebung". Noch sei bemerkt^ daß wenn auch zunächst die Bedürfnisse 
der deutschen Dialektologie ins Ange gefaßt worden, die vorgeschlagene Ortho- 
graphie dennoch auf jede Sprache, also auch auf die romanischen Mundarten 
mit Leichtigkeit anwendbar ist. Daß sie an Folgerichtigkeit, strenger Syste- 
matik, Eleganz und leichter Anwendbarkeit unübertroffen dasteht ^ wurde mir 
schriftlich und mündlich von den verschiedensten Seiten her rückhaltslos be- 
aeogt; sie ist von einem hochverdienten Veteranen der deutschen Dialektfor- 
•chongy Prof. Schröer in Wien, ab , wohlüberdacht und in hohem Grade be- 
mehtenswert" bezeichnet worden (Germania XXII, S. 246 ff.). 

Zum Schlüsse wiederhole ich, was man immer nicht genug wiederholen 
kann: soll in der wissenschaftlichen Orthographie irgend welche Einigung er- 
sielt werden, so lasse man sich nicht durch beliebige Gewöhnungen und Zufälle 
leiten, sondern durch klare und wohlerwogene Vemunftgründe. 

Alle Freunde der mundartlichen Forschung bitte ich dringend meine 
Vorschläge und namentb'ch deren Begründung einer eingehenden, unbefangenen 
Prüfung zu unterwerfen und das Ergebniss zu meiner Kenntniss gelangen zu 
lassen. Jeder Ausdruck der Zustimmung, jede ausführlich und verständig be- 
gründete Verbesserung wird mir willkommen sein. Jedenfalls wird es sich sehr 
empfehlen Gegenthesen nur nach erfolglosen Verständigungsversuchen zu ver- 
öffentlichen, sonst wird Kraft und Zeit nutzlos vergeudet; oft beruht eine 
Meinungsverschiedenheit nur auf leicht zu hebenden Mißverständnissen. Und 
dadurch, daß auf jeden Vorschlag hin zehn, zwölf leider oft recht unüberlegte 
Gegenvorschläge hervorpilsen^ wird das Werk der Einigung nicht gefordert. 



*) Ebendaselbst (S. 816—880) habe ich vor den Fehlern gewarnt, welche ee- 
wühnlicb bei dialektischen Beobachtungen begangen werden nnd auch die beste Or- 
thographie wertlos machen. 



12C MISCELLEN. 

In bohem Orade wüoacheotwert ist roündlicber MdounguMtAiitch« Dit 
best« Oelef^etibeit biertu bieten die Pbilologen?ersaminlungen (die nftehsle wird 
ini September 1878 su Gera stattfinden). Nor moG man unsere Angelefc»- 
beit nicbt in .SektionsHitsonfcen lar Spraehe bringen; die Erfabmngen auf den 
Tübinger und auf dem Wiesbadener Fbilologentag baben , wie ieb es sa Ti- 
biugen ausdrücklicb roraussagte, auf das Qlüntendste bestätigt, daß die Pra^ 
der mundartlichen Orthographie bis jettt noeb tu wenig reif und tu sekr nm 
Mißverständnissen umgfben ist, als daß sie in einer vielköpfigen Versamainng 
eingebend und sachgemäß erörtert werden könnte. In diesem Sinne hat denn 
auch die sehr stark besuchte Qernmniste&sektion zu Wiesbaden Bab«cii eia- 
stimmig die Absetzung des Gegenstandes von der Tagesonlnung beschloesea. £• 
siebt also nur der Weg privater Besprechung offen und diesen zu betret«a wird 
man mich wie in Tübingen und Wiesbaden, so auch in Gera immer bereit finden. 

SAAKQEliCNl). J. K. KKXIJTER 

Zorn Staiiibtteh. 

S. XXV, Z. 3 V. o. 1. dL, — XXVI ist durch ein mir nnbegreifliclies 
und sehr bedauerliches Vervehen die Bemerkung ausgefallen, daß ich Dank der 
gf?wöhnteu Gefälligkeit des hochw. Herrn Bibliothekars A. Csemj die IIa. 
des St. Florianer Steinbucbes mit aller Bequemlichkeit selbst benutsen konnte. 
Möge VT den verspäteten Dank auch jetzt noch freundlich aufnehaMn. — 
XXXI hätte neben den Verzeichnissen aus Kuland u. s. w. (Z. 16 v. o.) die 
Stelle aus Lambrechu Alexander 0890 ff. W schon wegen der ZwWsabI Er- 
wähuung verdient. — In der Anm. ergänze nach 18432 ist. — 36, Z. 17 
V. o. I. MHpfipivai. — &&, Z. 25 ff. V. o. vgl. llaupU Zs. 3, 974. — 59, 
Z. 21 V. o. vgl. HaupU Zs. 3. 176. Ol, zu 44C vgl. noch Ackermann 

aus Böhmen 18, 4 f. *ifi, 1 ytd. J. Knicschek); Heinrich v. Freiberg TrisUn 303. 
— üb, tu 618 vgl. noch Kul. *i2H, 50; aber auch 6<;. 16 f. ^ 73. zu 633 
vgl. I^ambrecht Aleinndrr Diemer 2(»7, 13 (1063 W). -- 89, Z. 4 v. o. 1. 
•ecuuilum. — 128, zu XXIII, 4 wäre l>esser auf Germ. Vlfl, 499 Terwieecn 
worden. -• Vogt in ticr Jen. Lit Zeitung 1877, 8p. 739*' bemerkt, daß tm 
Apparat zu 586 zweimal d für ein Wort aufgeführt ist; es ist statt dDr sn 
lesen dDr (d hinter i»*tro*9m iit richtig). Auch macht er auf ein Verseben 
in den Var. zu 684 aufmerksam. 5^'«^ fehlt W; diese Bemerkong ist beim 
rmschreiben der Stelle leider ausgefallen. Durch sie wird erst die Anm. vßllig 
verständlich. 683 ■«tllte r% genau heissen tck (se w. «M Dr); die von mir 
ben&Ute Abschrift von i\ war hier nicht deutlieh. H LAMBiU^ 



Anfraf« über TemeiBÜieha Lttthereprieht. 

1. In dem Anzeiger für Kunde der deuUchen Vorzeit 1877^ 8. 199 
habe ich mit der Bitte um einen genauen Quellennachweis der Tradition ge- 
dai*ht, wonach in einem freundschaniicheu WetUtreite folgende Tiscbgebele 
entatanden wären : 

Bugenhagrii- Dit uuJe (Ist, drop* und uat, gf'segen* uns Oott. 

Luther: Komm, Herr Jesu, sei unser Gast, und gesegae, was dn be- 

scberet hast. 

lancbtbon : Benedictus 



MISCELLEN. 127 

VoD dem letzten, nach der Überlieferang dem besten Sprache theilt mir 
Herr Prof. Martin-Prag brieflich mit, daß derselbe das Tischgebet im Corpas 
Christi College zu Oxford ist, „wie ich selbst 1870 es mit angehört habe". 
Zo dem zweiten Spruche erfahre ich mündlich durch Herrn Superintend. Dr. 
Ohl-Neustrelitz die Variante: Christus Jesus sit potus et esus. Ich wiederhole 
nach diesen Ergebnissen um so dringender meine erste Bitte. 

2. In meiner unlängst erschienenen Schrift: Publieistische Wahrheitsliebe. 
Erfahruogeu und Mittheilungen aus dem neuen Reiche (Posneck. 0. Latendorf)» 
habe ich S. 23 ff. eingehend der von dem Abschreiber einer deutschen auf der 
Heidelberger Universitätsbibliothek befindlichen BibelQbersetzung des 15. Jahrb. 
beigefügten muthwilligen Verse gedacht: 

gott durch deine guete 
beschere uns — — — — — 
schoffe vnd rinder 
vil frowen vnd wenig kinder, 

Verse, die man seit zwei Jahrhunderten von Zeit zu Zeit sich gemüßigt findet, 
auf Luther sei es als Verfasser, sei es als blossen Schreiber zurückzuführen. 

Aus einer Handschrift der Gesta Romanorum vom Jahre 1476 hat bereits 
Hocker biblioth. Heilbronnensis Norimb. 1731, p. 124 den ähnlichen Spruch, 
gleichfalls zur Ehrenrettung Luthers, mitgetheilt: 

Hie hat das püch ein end, 
gott vns sein gnad send, 
darzü ochsen vnd rinder 
vnd ein schon frawe on kinder. 

Einer brieflichen Mittheilung Jacob Franck's vom Neujahrstage danke 
ich die Kunde, daß diese Handschrift jetzt der Erlanger Universitäts-Bibliothek 
(Nr. 139. 4) angehört. — Sollten ähnliche frivole Grelüste, resp. Worte nicht 
auch sonst in deutschen Handschriften des ausgehenden Mittelalters wiederkehren ? 

SCHWERIN i. M. 9. Jänner 1878. FRIEDE. LATENDORF. 



PersonalnotizeD. 

Dem Gymnasialoberlehrer Dr. F. B e c h in Zeitz ist das Prädicat Pro- 
fessor verliehen worden. 

Dr. Otto Behaghel hat sich an der Universität Heidelberg für ger- 
manische und romanische Philologie habilitiert. 

Der Professor Dr. F. W. Bergmann an der Universität Straßburg ist 
auf sein Ansuchen in Ruhestand versetzt worden. 

Dr. W. Braune, bisher Privatdocent an der Universität Leipzig, wurde 
zum ausserord. Professor ernannt. 

Dr. R. Henning hat sich zu Ostern 1877 an der Universität Berlin 
habilitiert; seine Probevorlesung handelte über das germanische Haus. 

Dr. J. Jollj, bisher Privatdocent an der Universität Würzburg, ist zum 
ausserord. Professor der vergleichenden Sprachwissenschaft und des Sanskrit 
ernannt worden; für dasselbe Fach der Privatdocent Dr. G. Meyer an der 
Universität Graz. 



128 lfI8CELL£M 

Dr. Fr. Neomann hat Mch alt PriTatdocent Ar RoBaaiteb «ad Eaf 
Ibcb an dfr Univariität Heidelberg habilitiert. 

I>r. H- Oft ho ff, frflher Priratdoceot an der Uoiveraitäl Leipaif, Oatcni 
1877 all auMerord. Profeteor dee Sanskrit und der Lingniatik an dia UniTcr- 
•itilt Heidelberg berufen, ist snm Ordinariat ernannt worden. 

Der bitberige antterord. Profettor an der Unirertität Frdbvgi Dr> H. 
Panl, ift tnm Ordinariat ernannt worden. 

Dr. A. Reiffertcheid, bither PriTatdocent an der Uai?eraitil Boas, 
warde alt antterord. Profettor an die UniTtrtität Qreiftwald bervfen. 

Profettor Dr. W. 8c her er folgte im Herbtte 1877 eiaefli Rofa an dia 
Univertität Berlin; an teine Stelle in Straßbarg itt Profeitor Dr. £. Marlia 
aut Prag berufen worden. 

Dr. W. SchlQter, bither Cuttot an der UniTeraiUUtbibliothak an Heidal- 
berg, hat einen Ruf ab Gjrmnatiallchrer in Dorpat angenommen. 

Dr. B. Seuffert hat tich alt Privatdocent für neuere dentaehe Philo- 
logie an der TniTcnität WQnburg habilitiert; teine Proberorletang balimf dia 
romantische Schale und deren Einwirkung auf den Qang der denttchen Littarmtar. 

Dr, Ph. 8 1 ra u c h hat tich an der Unirertität Tflbingen ab Pri?aldo€aal 
niedergelatten. 

Dr. K. Verner in Halle bt tum Amanuentit an der dortigea Uaifar- 
titättbibliothek ernannt worden. 

Dr. K. Vollmoller, bbher PriTatdoeent an dar Unifaraitlt SCrallbarg, 
bt Ottern 1877 einem Rafe ab antterord. Profeator der neueren Sprachaa aa 
der Universität Erlangen gafelgt. 

Der Profeator Dr. E. Wiaditeh an dar Universität Strafibarg iai ia 
Herbtte 1877 ab Nachfolger von U. Brockhaat an die Uairaftität Laipaig ba- 
rufen worden. 

Dr. £. WOlcker, etater Secratär am Archir au Weimar, itt tarn Ar- 
chivar ernannt worden. 

Am 15. April 1877 f in ZSrich der antterord. Profeator an der dortigatt 
Hochschule Dr. Ludwig Et tm Aller. 

Am i\. Man t in Oldenburg der OberbibUothakar Dr. Th. Maradorf. 

Am 20. Juni t in Drcaden im 77. Lebentfahre Dr. Philipp Waaker- 
aagel. 

Am 5. Dect-mber f in Prankfurt a. M. Profeator Dr. Thaodor Creiaa- 
nach im 60. Lebensjahre. 

Am 19. December 1877 f in Stockholm J. E. RjdqTitt iai 78. La- 
benajahre. 

Am 7. Januar 1878 f in Iserlohn Fr. Leop. Waaala iai Allv was 
70 Jahrea. 



POr die lahlretchen Beweise voa Anhänglichktit • die aür aa 19. Märt 
gegeben wurden, sage ich metnea Freandaa aiattatHaa , bb ich ea dirakt aa 
thun im Stande bin, an dicaer Stelle wirmstea aad laaigtlaa Oaak. 

UEIIlKLBKRO. 17. Min 1878. K. BAKTSCH. 



BRUCHSTÜCK EINER ALTNORDISCHEN BEAR- 
BEITUNG VON PAMPHILUS UND GALATHEA. 



Dieses interessante Fragment ist uns nur in einer Handschrift 
aufbewahrt: Cod. Delagard. Membr. 4—7 foL auf der Universitäts- 
bibliothek in Upsala, welche ich voriges Jahr mit freundlichst ertheilter 
Erlaubniss des Oberbibliothekars, Prof. Styffe, über vier Wochen lang 
in Kopenhagen benutzen durfte ; zuerst beschrieben ist dieselbe Antiq. 
Tidsskr. 1846—48, p. 97 ; dann ausführlicher in Keyser und üngers 
Ausgabe der Strengleikar (Christ. 1850), p. XVIII. Es ist dieses Ma- 
nuscript vor allem deshalb so ausserordentlich wichtig, weil es eine 
der wenigen norwegischen Handschriften ist, die wir besitzen, und ver- 
dient aus sprachlichen wie sachlichen Grtinden vollständig heraus- 
gegeben zu werden. 

Das hier zum ersten Male bekannt gemachte Stück, in dieser 
Hdschr. Bl. 3 — 5 bildend, in 2 Columnen geschrieben zu 41 Zeilen, ist 
eine Prosa-Übersetzung des neulateinischen Gedichtes Pamphilus : leider 
ist nur die größere Hälfte, v. 1 — 490, der nordischen Fassung erhalten. 
Über die lat. Hdschr. vgl. man: Albrecht von Halberstadt und Ovid 
im Mittelalter, edd. E. Bartsch. Quedlinb. und Leipzig 1861, S. X f. 
Die neueste Ausgabe von A. Baudouin (Pamphile ou Tart d'etre aimö, 
com^die latine du X*^ siele. Paris 1874) bietet leider alles andere eher 
als einen kritischen Text und ist von Gaston Paris: Revue eritiquo 
1874, Nr. 39 mit Recht sehr scharf getadelt worden. Trotzdem habe 
ich geglaubt, Baudouins Text, als den zugänglichsten, bei der Ver- 
gleichung von Original und Übertragung zu Grunde legen zu sollen; 
demnächst wurde die Ausgabe von Goldast (Francof. 1610) (G), die 
bei Leyser: Historia poetarum etc. Halse 1721, S. 2071 ff., abgedruckten 
Varianten einer älteren Ausgabe (L) und die Bresl. Papierhdschr. IV, 
2*. 42. Bl. 184— 90 (B) berücksichtigt, und in den Anmerkungen citiert 
überall da, wo die nordische Prosa (A) gegen Baudouins Text (E) 
mit einer von ihnen stimmt. Es ergibt sich aus der Vergleichung, 

eKlUCANIA. Nene Reihe. XI. (XXIII. Jahrg.) 9 



130 K- KÖLßlNO 

daß keiner der mir vorliegenden Texte die Grundlage Air das Nor- 
dische gebildet hat. Krst mit Hülfe einer noch zu erwartenden kritischen 
Ausgabe wird bicli auch feststellen lassen, ob die ebenfalls notierten 
Stellen, wo «ler nordische Text ausftlhrlicher erscheint, als der latei- 
nische, der Vorlage, oder dem i^berhetzer angehören. Ersteres ist 
mir wahrscheinlicher. < offenbare Schreibfehler der Membrane lieUen 
sich meist durch Zuzi<*hung des Originales verbessern; doch ist die» 
nur in den Anmerkungen geschehen, während der Text seilest genau 
nach der Ilandschtift abgedruckt ist. Abweichungen im Sinne von 
der Trschrift zu bt•^sern habe ich auch da Abstand genommen, wo 
dies ohne <iewaltsamk<'it angegangen wäre: ich möchte mir den spöt- 
tischen Vorwurf eines Kec<'nsi*nten meiner Uiddaraxögur , ich sei nicht 
berufen, di»n N<»rwegern ihre Pensa zu cnrrigieren, d. h. die von ihnen 
selbst verschuldeten Übersetzungsfehler auszumerzen, nicht aufs neue 
zuziehen. 

SchlieDlich stelle ich noch eine Anzahl Worte in alphabetischer 
Ordnung zusammen, die theiU selten sind, theils sich als Smü^ liyo^iwa 
in unserem Stücke finden. Auf die meisten hat Cl. Vigf. im Icel. engl, 
dict. schon Kticksicht genommen. 

athygli Aufmerksamkeit, 133, 13u. 0. auch Sks.aumkan Klage, 141.5. 
bragdsamr listig VU), 29. finimielgt - tiolmii-li l.Hr», 12; om. Tl. Vigf. 6rir^ 
madr Vorfahre, 1 .'UM S; v^l Hp.I,733. tlierdsamr falsch 134,28; auch Ski. 
gmettast sutlicere 1.'m.2], om. Cl. Vigf. grannkona Nachbarin, 137,4; auch 
N(J.L ga'l Lorkun;:. SclimeichrK*i l.*)H. i>o. haltkvedit ord. ein nur an- 
giMl« utites Wort, \MrJ2. handlan .Vrb-it, 14o,2«>; hosson, Ausruf 134, 1 ; 
Cl. Vigf. hosun. kyng'ifgudr kyng«itigr 1 vgl. kyngofgari 131, 28j 139, 
17. (»m. Cl. Vigf. lafdi Herrin l.'U. ->3; auch Sks. leika Genossin; 139, II* 
so «»t'ters. liikblandin mal hch<*rzhafte Hedi* 132, 34: la^visliga listig. 133. 
23; niikilLita^t Inihinüthig »ein, 13><, 2<». niiedeligr = mo^duligr mQhsAlig 
137,"^; um. <*l. Vigf. na\istar kona Nachbarin, 131, 22. mering Nahrung, 
131.4; auch .<ks. ötiofr rusticu> 13i(, 32. onu'frleikr rusticitas 139*6. 
hnarl<-ikr Munterktit IIVJ. In. titra zitteni 132, 1 ; vanlestr schlecht befe» 
sti^t 1.'^»,]'); selten. |»ui«a— |»essu, 137,1*. norw. öfters, veis wehe, 14U;24. 

E<* KM S.KKDK r«r her ec gaf|lak undir hiarta minu. sar oe 
harmr v«*x m<T iafnan. «^ iti \ dirfumz ec at segia nafn bog|gaanda 
"T a'i Istr sialft sar hvnaz. ))ui ven'ti ec ))ar ma*ira baska minow 
«cada. (*r .Titgi lirkning man gcra ha'iisu hialp llucria gsjto seal 
5 rc bf/.ta ;;ri{ia. eda huat scal ec til Ca ka huergi ma ec vrugr fara. 
Ke !«egi til ma-i na minna fK er »ok cil hina rettasta- Gnott er j ngi 



PAMPHILÜ8 UND GALATHEA. 131 

rads mer. [sem ])seiin er mart er at maeini. | t^orf gerir margs at 
frseista ^) oc v^l hialpr oft sinom | drotni. [En mitt sär birtir sec med 
rettri skilpan^) huilict })at er. eda huadan |)at kom. oc | mon sär vaxa 
on Isknis. En ef sar fellir^) med | ollu asio sina. oe noriDg harms 
5 sins. })a mon sdr | enga hialp finna. oc ^ui ofra mon })at verra 
ver|da. oc }>adan af mon mer brät bana fa. ])uiat | selldr er baeisk- 
ari i utkomo en innibyrgdr^). \oc a^ngi er | lauss medan bunnd- 
inn er^). })ui man ec nu msela vid | venerem. kuenna gydiu er 
[bani er lifs^) mins. | 

10 ENGA '^) von lifs mins dyrleg venus. hseil se })U | er l«tr alla luti 

Vera unndir J^inu vallde. J)ik | rsediz halaeitt kowwnga vellde oc })iona®) 
))er. Vseg })u hin | millda litillatliga minom bönum. oc seigi vert ])u | 
bord [vid mik^j. oc seigi scalt ]3u moti standa minni nautjzyn. 
hffilldr ger J)u })at er ec bseidumz. ^igi bid ec j J)ec storra luta. 

15 [kued J)u oc a)igi stora vera *®). en J)o | synaz mer storir vera. En 
])er er })o mer ])etta at | gefa sei alltorvelligt. Seg at a^ins at ec iatta. 
oc }>e|gar mon ec saell vera. oc ]3a ^egar monu mer ko|ma allir hog- 
v«rir lutir. Ein er su i grend vid | mik. er ec villda ajigi at mir 
vaeri. oc ef seigi stodar | m^r miskunn ydur. [])a tyni ec henni J)ung- 

20 liga^'). J)ui | at selldr J)yngir mseirr ^seim er a liggr. en hinom \ er 
fiarri er. mik myndi oc minnr saka ef hon fiar|ri vseri. ])uiat })at er 
sagt, at hon se sein fegri. ol|lum nauistar konum sinum. an^iat huart 
er at mik | blekkir ast. eda er hon sein yfir pllum. Sia hefir") | 
giognum lostit min innyfii. visu gaßaki. oc |)au | vapn ma aeigi })adan 

25 föra med minu afii. [iirir | sakar sars mins '^). Harmr vex ae iafnan i 

1*' ollum I tidum. oc litr ])uerr. oc afl minkar. oc min fegrd. I oc ]3etta 
sagda ec engom oc sei nefnda ec []3ann er^^) mik | sserde. oc rett 
var 8ok oc sogn. oc ]3at er satt, oc ec iata | at hon er kyngofgare 
mer'*). Somd oc tilgiof er aßigi | til med mer. ne gn6tt fiar. en })at bidr 

30 ])o hennar | seigi er annat med mer. en ec afia med aerfidi mi|no. 
Nu ef ssel er ordin ein navtreka dotter. kyss | ^ann er likar or 

*) Der Übersetzer hat v, 11 nicJU juvant, sondern nocent geleseriy wie G. L. B, und 
ßüschlich die Warte sed- nocent dem Sinne nach zu v. 10 genommen, ') v. 13 scheint 
die Vorlage fiar si sed, SKAcie denudat gehabt su hohen, ') Man erwartet felr, vgl. Lat. 
V, 17: 81 tegat. *} Lat. v. 21 f, bietet den entgegengesetzten Sinn: ob im nord. Texte 
ein Schreib- oder Übersetzungsfehler vorliegt, ist nicht zu entscheiden. ') Diesen Worten 
entspricht im Lat. nichts. *) Lat, : mors vitaque. '') Für einga. *) )>ionar? lat. : servit. 
*) Die Vorlage las mit G,B.L mihi fiir meis in v, 29. ") Lat,: dixi non magna. 

■*) Okne ParcdleLe im Lat, ") fir sehr verlöscht, **) Lat, v, 43: Vulneris inde mei 
i§t tMfiverstanden und zum vorigen Satze gezogen worden, *') Lat: quas, *^) v, 48 — 50 
OM» A, kurz angedeutet tn en— hennar, welchen Worten an dieser Stelle nichts entspricht. 



132 K. KOLBING 

)iU8huniidrat bidla. oc af tra'gd henjuar Utrar niitt huert iMeio. o€ 
80C luteinadi nier at | sej^iu |>etta. TrauHt fra*«^ilar. ^etr oft hugneyaü 
iui|kla. o€ »i^i liftr i lia*tti üina clrotuiiig. oc frwUtada | cc or mt 
riDda iiiiiiu hiarta |icH8a roct. eii | |)ui liapitare hn^nnr asi i nicr. 

f) |>u veiiiift IUI uiat | ]»u sia. livcrKU illt i*c |>oli. (luiat |>er er kuniir 
lia^lki varr. |)ui hi«! oc |)ec. Ter |>u ho};va*r boiium iiiinum | \oc «i^i 
))U i inoti uier ina-l. uc |>iii hiu fogru auj^u j liavi iiiina syn '). Aniiat 
huart tak |>u orvar |)i|nar. or hiarta luinu. eitm for |>a grimt 
tfilr iiieit I ])iiium liattufu. liurr matti rokt |>ola 8ua mykils | atarfs. 

10 er fiigi lauii parti gratande drutiii. [rctt | bidiaiide til |>in*). {»uimt 

augrsamt starf |>rr>ij}^U'r , iikt. |<>c nialfr g«*tr oft saumu Imuar':. | 

llOfilegt starf ttigrar alla luti. inr |>u »callt liafa | huoria 

<T |)er likar ef ]>u villt starf a l<*ggia. | Oc tircr eiigarri »calll )>u 

lira^daz ]iitt 8cu|» at H\Da. | traut inaD finiias a*iii i^) |>U8uiidratte 

ir> bii «T |>t'r in«»n \ iiittaz. < >c ]>(*88 er )iu moiit bidiaiide la*ita. nc iiird 
atburd. |»a uioii hon fyriit hiiarrliga nitta. eii snarjlaäkr hoDaar hi*vir 
Irtta byrde. i»c vordr hu varlla j haifvirde ka*yft. er fytl er dyrtt 
iiietiu. nitMi I huoriiiim a-idum. Oc engi iiiynde ytir haf fara | er h<tiiN 
fyrhta |irütiia baro ra*«tizt. rr hki|>i inritir. | Nu tirer |)ui er hon 

2l) iattar a*ip fyrht ]>iiiiii rodo ^). |>a | ha;;a 8ua med v<*l. eda )>ioncaii 
at hon iatti. ||>tu'fit | vt'l fyl^ir h'viftum nianai^J. v^l la*gir bardaii. 
hu^ \ vel brytr btorar borgir. \i\ feUir stora Molpa. vel | lyftir }>ungri 
byrde. #/<• lurd vel er fiskr tekini« \ «*r under skirri baro er. oc med 
vel ferr mattr |)urrom fotuiii um haf. oc*; morgum lutum stodar | 

25 maiifii vel. *»c |uoiikaii. med vel fodiz margr madr. | vad la*gir 
haufdingia ni*:dt*. oc med vel gH*tir \ »ekr madr haufuds tins oc fear. 

V^ itc med vel gledz | 8«ll. sa er vanr var at grata veftalL «^ 
med I vel ridr nu sa prudr. er vanr vur at gauga j fatokliga. Oc 
]»at er engl fr.Tiide ina gefa \ |ia gefr |)at iduliga idu. or )io al hon 

•Ul hafni < fyrbt |iinfii ]»ioncau. |>a vert )mi buina at ))it>jiia heoNi. Met 
|»uiKA matt ]»u sigra hot haitjsamrar **) viiiu. ttc mou bu giTaz vina 
jun. «T I adr var annscoti Til |>e8s Htadar 8calt |»u oft t koma. aem 
|»u vieizt hana vaiia Vera, ttc ef j |mi matt |>a fodt |>u haiia mett 
orduni. t-c la*ik | |iuiat öska a-Ukar glede iahian oc [la*ik[blaiidin 

«k") mal*. )>a '^ fvhir hug «'»hku inauiia | til a^tar. Syn {»ik henni iafnan 

'i 1';/. /«».' r f.:/.: N< n ti4ichi rr^ipofidr» tit>r diciu porriftii «tirem. Nee lua rlar« 
m^um luniiD« luaeii liAh«*!!!. ' r. *':*: .lunta prccmodo tiliMr./i. L. ') \*jl,r, 7«^.* 

AMidoJU4}0^ \r^crs Cfitit-ipit i|i«r üulur. '» in nullo O.B. 1-,: ex millr /.*. S r. St : 

lu4|iirlu ti.h L ; i|urrrli* E * OA«^ iWtilUU im Lai, ') Smek oc BcMmi i 

m eryamseu \ tur hatUAnirar /in»«- vkA mmh b»ilMUi&rar /cvm. Ktmm beitnunrar f 

IM, tmlsyrükt: raiiMutit K. gra»sAiili» L. *) lodkra Tcrlaa («./..; U»m £, **) ^tT 



PAMPHILÜS UND GALATHEA. 133 

gladaD. oc i | hug godum. })uiat huerr madr syniz ho|nom fegri 
gladr [en rseidr ^). Eigi scallt })u | mioc })egia. oc still \iO roda |)mni. 
fogr roda | norir ast. oc fogr roda stillir grimman hug. | [Oft 
hafnar msfer manni fir^r litla sok^. Oc ef | stadr er til. |)a Ut hana 
5 afls i Iseiki kemia. | ra mon roorg })er ])at vteita. er })ik venti | sBigi 
adr. Skammaz stundum konur at segia | vilia sinn, oc ])at oft er 
})ser vilia vist hava. | ])a monu ])aer ])o nitta stundum. fasgra | 
])yckir') oc inaßydom at lata med afli en | segia sua. ger af mer 
vilia })inn. |)etta scallt | })u oc vist varaz. ef })u att fe litit. at ])u | 

10 Ifeyn hana vesold })inni. oc fatokd. Snotr | hefir fagra medferd |)o 
at litit ceigi. Oc J)0 | fram forir gyllta rodo. at i briosti grätr *) bui. | 
Seg ])ek med ordum audgan vera. ])uiat stojrir lutir audlaz 
med at hygle*). oc verolld hejvir marga luti ))a er [allir vitu*). 
oc af sliku | msetti henni mart segia. Tru })U })ui at | morgum 

15 stodar mykit at liuga. Storum | spillir manni stunndum satt at segia. 
finn |)a | er mälvinir hennar ero. })a scallt ))U oft | giaufum gola^). 
oc med (fagr mili®) foda. at | }>«ir rodi huerr vid annan gott um 

1" J)ik I oc |)8eir ma*li vid maeyna med lofe }>inu^. | en |)a er hon 
ihugar huart hon scal eda seigi. | })iun. vilia gera. ))a scallt ])U hellzt 

20 hana med | ordum vasca. at ))u megir astar sigr af henni fa | Oft 
rennr hugr mannz '®) til oc fra. af litilli rodo. | ))ar er adr var ifan a. 
Latid ykr lica tulk at | hava. })ann er huaii; tueggia kunni. fyst 
leuislelga at segia. })uiat aufund sink »lli. firer dom^r | tiltoki »sko 
manna. oc })at m^inar vitt^') at | ma^la. er til osiettar er. Ger ])ik 

25 ftillhugdan | en fatt mon ec flseira vid ])ec msela. gsßtt | nu minna 
rada. er |)U8undrut vega liggia bnBidjdir })egar })er til })ins mals. 

RETLIGA vseitir hteil huggan. gledc siukum | manni. oc at 
minnr kennir hann sinnar sottar. harmi | linar litt med mer. af god- 
rsedum kuenna gyd|io. hcUdr rikir i ryggu briosti ast min. von 
30 var I mer oll i hcndr fengin su sem til hialpar lä. | En nu er folgin 
v6n. oc i brott farin. oc harmr i | stad kominn. |)ui mon ec a^igi 
unndan ganga. | Mik hefir skipari minn a firde &rer latid. oc ec 
hafjnar lä'ita. oc ma ec tßi fin/m. Huat scal ec til | taka. min v6n 
litr nu til hcn/tar. mer hoiir | bratt hana at finNA. j 

*) Ohne Parallele im Lot, ') Übersetzung von v. 106, aber nach v, 108 gestelU. 
•) «. 113 088C puUit G,B.L. est Uli E, *) Ms.: gratt (?). ^) v. 120: Maxima »ore 
(pars B) parvo (nimio G) contigit ingenio. Also ungenaue Übertragung. *) Vor allir 
iai wohl Biigi ausgefallen ; vgl. v. 121 : sua qae vicinia nescit. ^) gola = goela ; also o 
ßb' oc geschrieben ; vgl. d. Anm. p. 141. ") v. 126 : colloquiis G, B. L. pollicitis E. *) v, 128: 
UÖM G.L. tuam E. '•) v. 133: hominis Ö.Ji.; hominum E. *») So Ms,: = vid. 



134 ^' K6L1UN0 

O ko88on hueäsu fogr hon sitr med bero hin. oe | hue gott nn 
vscri um ]>at ut roda viit liajna'). hyppa*) oDgi er med mer ne 
ord huartki. | afl ccki. lipundr') skialfa. fotr bifaz. mer hamBiol|num 
samir icngi klxda buimdr. ra*zla nittar | )>at at *) miela. er adr hugt 
r> hafda. fcip cm ec Ha er | ec adr var. traut kann ec sialfan mik. 
ttif^i fyllj^ir rodd im» raunt, eu jxi verd ec at rodA. \ 

.VAS rrttiidkona ur bo audrum nendi |>er ])u|8und kuediu. hon 
bau<t )»er med^) mer \ |>ioukan nina. oo kann hon )>ec at nafni. oe 
80gu I manyia at sins. or hon |>ik TysiBk at fiiina ef stadr | VH»ri til. oc 

10 ))ar villdu miuir.fra'iidr mik mar^ir ; hefta. |iar var borg füll minwa 
beztu friennda. | oc \yttir hetu mer allfagri mmy med micklu fe | oc 

2^ mart annat )iat er ai<;i )>arf nu at 8t*pa. | ok huit vetna hafiiada*) 
ec. |>u sin likar mer. haf|na niynda ec firir o^ina |)ik. allt \Mi er i 
ha*imi | er. mslom Ixikandi. [oft ^erir ast sua lieikblan|dit. at kIsc« 

15 noriz*). Segi kuart audru huat | i kiarta byr. cd ))at er vit rodnro 
|>at scal en|gi antiar vita. IlandBeli huart ockart audm ))at | )>a 
mon ec »epa. ec hof upp. *tc mon cc fyrst um | roda. [cn ))u hmyr 
skilvislega. oc er |>otta mitt | nrende*). 

Vit nu bftMli Bcolom Bamjsatt vera. oc satt «itt roda. engt er 

20 8U i ! |>iirim ha»imi er mer betr likar en \>u. sia er | hinn |>ridi vetr 
»idan geuginri er ec Asi a ))ik la^jda. oc )>orda cigi |>er at »agia 
vara ast. (vitr | kann nkilia liulfkuodit ord*). at sinni scolom vit , )>mt 
aiui lengra r«»d». |)er ann ec Htadfantle^^a. \ en na vil ec ))er ffigi 
flieira i^egia. fyrr en |)U I se^ir mer huat um |>at licar |>er. 

25 .HIJA hava marpr uiargar suikit med | mykilli fneistni. («tu 

Huikrmar}^ bra^^d j samr '" >. |>u hugdiz ha^imsca gera mik med |>iDNi | 
vel eda n»di>. |ia er a-igi hAfir )>cr at 8uikia. | Finn )>er adrmr 
ospokum sidom. holilegar. |iaer er I )iu meg«r. med |>iuni flaprdaamri 
tru. Iia*im»ea ^'-riu \ 

.*((! Oh 8pillir"j firir audrum godum maunnom | sjndir illra. sen 

nu hpijlir tiPr mer anlnarn lo8tr. en leigi minn. helldr lydi mer 
pid ;;i;irnrilig.'i. mi^cunN ydur. oc l«ifa mer at roda | nockuot vid 
lafd«li mina. ff^ |>at Hu«*r ec vid bim na gud oe helga iont. at ffigi 
mall eo {ntta vid {»ik af »uikum nt* Tel. engt er i |)e8fi rerolld. 

I»r> iam ka*r nitrr ^• ni |mi. i )v it hu min buglatiding oc j hyggia. Ho 

•) r. j:,5 om A • r. /.'.^r mcu G.li.L. toi K. »i hft.na A. •> at «Ur 
f/T Z^ile tuM-h^f'rO'ffn. * A hat med niril *) lU uher dtr XtiU —tfü^^ftfin. 

* rn^en'iu* f'K4^,^f^n, txHi r /:.//. * FrMt im fmt Te^t DU VcrUft tfkcmd 

HaeK r !7*» ^»n /am*i>'.'Mi ri^-'t- "f.^U tu httt'cn •• § mi. r, /**?.♦ Tempore hob loago 

liH|uitur «A| troiia «iirdo tr^i'-" oA ** Ijtf r. I^S: Et Bulfat fallil iof*Bi<MOt umitT 

*M »liilU? Lt. r. t:*3: tmpediuat; rieiUieki rtrtcMdm «nyca dm /tißmim ifiUllr. 



PAMPHILU8 UND GALATHEA 135 

ofirir synio rodda ec nu sua mart | })uiat hyggia }){n er sua bemsk. 
oc alldr at traut | kann skynia huat ])er höfir. ))uiat qsku alldr er | 
liosari hinum ofra. [})uiat mart sia ungir vel. | en flseira vitu gamlir 
veP) Oc ))oat ])u ser ung | ])a haga ])0 sua at }>u kunnir skilia 
5 huerr ec em. | eda huat ec a. eda huer min ast er til ]3in. ])ui|at 

2** leuisi allra luta nemsk med veniu. Oc venia | kennir \>4r allt ])at 
er madr kan/i. Ganga. | [maela. koma^). oc rpdaz vid. oc vera saman. 
\)esB I bid ec ])ik at \>\x lofir. ])uiat af vidrodo. vseit | huarttueggia 
huat i annars hiarta byr. ])at | matt pu mer segia« huat er ])er likar 

10 af ))ui. I 

GANGA. oc m»la. oc koma. ))at mon ec \ier \ oc engom 
mseina. huerr madr a vida vego. | ))0 höfer mer at suara hueriom 
))8Bim« er orda | [krefr"). \>m iatta ec at })u oc huerr er vill kojmi 
hingat oc \io 6ua at ec halldi sömd minni. | lofat er mseyiom at 
15 lyda ordum manna. oc | ordum suara. oc \iO höfer at stilling se a. 
ef I ))u rodir gott til min. laßikandi mon ec 8ua|ra ])er. £n ef nockot 
er mseinsamt i. ])a man | ec ))at vist m ])ola. En \)\x bseidiz at vit 
sem tuau | seinsaman. \nxi nitta ec. ])uiat »igi dugir | okr tuaeim 
8einom inni vera. ))uiat af sliku vex | maByiom. amseli'*). | 

20 EIGI gaft ))u mer nu smam ^). ])uiat storar | giafir ])ycki mer 

vidr mseli })it. gnöttiz | mer at seins })es8a hseims virding. Get ec 
sei j ])er ])ackat sem vert er. }>essa uirding. ma ec | seigi med ordum 
giallda. [ne med atburd^). })a | mon tid koma. er syna mon ])er 
sannan vin | [lat aeigi nu ))er fyrir ])yckia^). ])uiat aeigi })ori | ec 

25 J)er nu flteira at segia. )>oat ec villda. en J)o | vil ec j^ek nockors 
bidia. at vit masttim fagr|Iiga fadmaz. oc kurtseisa kossa va^ita. 
huart I audru. ))a er stadr er til höfilegr. [at fadman | fode o 
I«yfd aast'®). | 

At opt suiki kossar oc fadman unga rasey | [))a mon ec nu 

30 at seins ))at })ola ]3er. en | })u') lat sei flseira fram koma. Oc ))etta | 

mynda ec oc aungum nema })er ])oIa. En nu I mon fra ktVkiu coma. 



*) y^^- V' 2^>^.* Nam cum mnita senes, plura vident juvenes. ') Vffl v. 209: 
loqui G.B,L. tibi E. ") v. 216 om. A. *) v. 226 om. A. *) v. 227: 

paira. Fehler der Ahschriß fiir smÄ? •) Für ne i»^ en zu lesen und die Worte 

zum folgenden Satze xv ziehen ; vgl, Lat. v. 231 : sed fortassis adhnc vemet tempusquc 
diefque. ') v. 233: displiceat G.B.L. displiceam E. *) Durch ein Versehen de» 

Abeehreibers (oder fTbergetzertf) sind in A diese Worte zum vorigen Satze, nicht tum 
folgenden gezogen irorden, tcohl wegen des at , das hier für JxSat steht = Lat, quamvis 
c. 237. •) V. 239: patiar GL. patior E B.; sed G.B, si E.L. 



136 K. KÖLBIKG 

fadir minn oc modir. | oc liofir mer nu hirfm At ^anga. at ee Terdi | 
ttigi a sakad. |)uiat cun moDU tider p^nogar ') | ganga. er tiI megum 
vid rodaz'). 1 

2^* ENUI er oc engi var i ollum hH*imi. | iafn feginn sem ec var. 

5 at fastr er ordinn | vili varr i brioBti heuni. |Mik hefir allbratt | na 
Rslan frort ^). )miat ee ferr nu Ba^ll *) hseim | <*n ec for fiitokr h«im«n. 
Vm |)orf framni | bad hon at^) ec scyllda hennar minnaz. })uiat | eii|n 
lutr ma henni or minam hug rinda. | a'igi kennir hon med mcr. ot 
ttigi vsit hon | buersso roioc ec fysumz hana. [oe mon mer | 

10 Vera sem var*) at mieiuar mer. oc nnn äa*i|ra )>rongir. |>oi 
kann ec sigi sialfr rad tirer \ mer at sia. ef cc em idinn a. 
(x; a ec oft I vid hana ord oc l&*ik. )>a mon fiolmielgt | iirra ockra 
fyndi. en ef engl oiUemi | festir vara vinatto. ))a med atburd mon i 
aat rccna^) af hennar henndi. |oc minn harmr | vaxa*). oll aat res 

15 med venia« oc med venia | ))ucrr. oc oll fyniniz vanfest itX. iafnao 
vex I ftlldr at a lognum vide. dreg vid af olldi. ))a | mon bratt «pUdr 
ttlokna. sorgfullr cm ec na | dreginn med margfalldri ahyggtu oe 
hahca. I sua at ec kann ft:i at i»kynia. I }):t'ima lut | bc cc mer euga 
hogvKri. i>c hyggia min. | heßr engi uragg tiltoki. |)aiat imoti atendr| 

20 Btandam. skcpna karla verkam, oc hctr we\ \ «flau i statt vera. sua 
liotir hon stanndam I ma^iusom verit. en »ama 8&*la gort oe a > |>a 
lund lifir baerr madr. i verolld {»essi | [nema audna rindi )»ai*). at* 
gud Htiornn oc \ tttyri madr starf« miiiH. oc hann »tyri olla | verki 
miiiu. Tulkr minn Hcal a'igi vrra | brodir fte am brodiir »unr. traut 

2r> rinnz üa er i | slika er trur. Med tru eda folagi kann «i.gi garU 
fraMindi. frsenda. m* brnder brudur. i )>a er sa od«* komr. litil aok 
>|>illir btiindum. | n<*ma vitr variz ]>:it er spellx er von. )>ui | br»fir 
o.-<s ailrii ^aiitu fara. Kc vnit at | Ikt i nand byr kelling «in. tib 
t'iill <M* |)ii hra;:it*«on). ['x* v.t! fallinn ^ loHta at |H'ojna kuennia gyd* 

:M) in***» U^* bnitt nindit ollum | saukum "). til hennar mau cc na snaa 
f'ot sporum niinufi«. *ßc h<*nni man rc fä rad mitt. | 

' I. Ji-r -M r.it L imm E. *) r S44 om. A *) Dem Saiae ßtkii 

>itu .Sff-J"'. !•;' r. Jt7 >t- «ul>itu tiimium (Irn« at f«>rtuna |njUura 0\ bcavit. 

Ihu :«<!'.' 1 Omj ft .. ri ift!. r, Jt'*: Ut G. »|U*ii» K. H, L. *) Lmi r. ?5J.- 

{•Itiribii« t\p%'\\'rr rt%{»frr* /, 11 •!, i\ 'JSt'j nm, A. *• fiiiA =- rcnnAtV-; tyi. c. l^-^: 
abihit. •) Ohnr /'.i. ■; ', .*. hit. '. Itt^ifl.: r. 1*7 S /. om. A. '•» Vfi. 

r. -"*-*■ A.'ljl «i-» vi Vi i.t ri-i .i|.*. % tiitni<»trA *ntis. Ihr Sinn Aar norriUehen Worte iM: 
^Ttd W0U ■/'<*;*i€i ti''' L'i! der- IrM-.f :. •{»rt*ft% lotia -* rirfiA**) ; kveDiiui 
Km Jtii kv»niiV ") y-fl L'it r. :'•»,;• rf^tpotitu com. 



PAMPHILU8 UND GALATHEA. 137 

2*^ FRseii^d lofs |)iD8. oc nafii gozku ))innar. send! | mik hiDgat til 

)){n. firer racts sacar. oc lyäit | ])ui er ec ma3li. milldi oc miskunn 
ydur^). oc lat | })u me\) \>er engan ncma mik vita. [oc ann^ | vel 
graDYikonu ))in7ii. ))eirri er ])u kant galathejam. oc hon ann mer. 

5 nema ec se suikinn af hennar | ordum. »igi mseli ec sem ec villde. 
)iuiat ec rsB|domz |)U8UDdrat hasca. Ec sorgfullr hrsedomz | huet- 
vitna. ])at er i ha^imi er. ])uiat af litlu vex | oftsinnum frsegd. ))oat 
logit se ])U8und illzkur^). | oc starf hins fatpkia. er i modelegri von. 
Nu i ser \>\x vanda miun. rad ])ui8a medal beggia | ockar. oc ])e8S 

10 bid ec at \)u Iseynir. lost huarstueQia. | 

ANarr ann })ui er }>u ant. oc ))ess er ))u bidr | |)a bidr annarr. 
en^) eu?i hefir hann seigi til ])es8 | vilia minn. bann er vel rseyndr. 
oc verdugr er hann | dyrrar konu. en mer ))ecciz seigi ])at er hann | 
baud mer. hann het mer fornt skinn oc skinnrock | \>m dro herfileg 

15 giof. vilia minn fra honom. [sua | verdr oft })8eim er litit gefr. at 
hon forir oc fra | tekr fuliting mannz^). oc nidr brytr rett log. oc 
fiiU|ting manna med sinu athygii. en \>(U er ])u btti|diz. ))a mon 
engi fa nema ec vili. [])uiat hon | üggr undir minu valldi oc hon 
fylgir mer iafjnan^) oc ec va^it ailt med henni. oc hon Isetr miok | 

20 at minu rade. en SBigi mon ec nu Üa^ira rpda. | fari huerr })ar er 
rad )>yckir. | 

EN er mer ecki hdgra. oc sei ])rongguir | mer annat starf. ef 
))U })etta vseitir mer. | })a er sem \i\x gefir mer huetvitna. oft höHr | 
med fe at kaapa annars starf. oc at kaeyft erti|di havi verdaga 
25 laün'^). tru |)umer starf })itt | scal cc ])cr launa. ef ))U villt sia fir^ 
mer um \)at \ sem ec ])arf. ))at eina bi]) ec |)ik seg mer huat | |)U vill 
}>iggiA«). I 

Mart vilia { oc flseira bseidaz. \)mr er margs | |)urfu. sua margs 

sem ec })arf })a scaum|mumz ec at segia. Ec atta fe mykit. \)Sl 

30 er I var ung. en nu er gn6tt ffar fbrott farin •) oc \ |)urft i stad komin. 



') V. 287: auscultet; also lydi zii lesen, pictas et g;ratia vestra O.B,L. modo 
gratia vestra beiilgne E. ') r. 2fi,0: dili^ro; aUo Ec sti lesen; der Ahschrtiher las 

O ßir E, die sefw ähnlich sind, und schrieb dann die abgekürzte Form: d:. *) v, 295: 
oitferos mala mille (mo G.B.L.; multa £J sequiintur. Nach illzkur müssen mehrere 
Worte fehlen y uxu den Schluß der Zeile erklärlicher macht; zu ergänzen etvM: fylgia 
fatoBkiuin. *) cn fast unlesbar. ^) v. 305: Si datur ad temptin, dat et aufert 

(Q.B,; aftert E) commodo munus. Der Übersetzer scheint anders gelesen zu haben. 
*) «. 308; Nain nimis imperio subjacet illa raeo (j\ B. L. Nam Galatea michi semper 
•miea fait E» ') LeU. v. 316: prsemia digna; also wohl verdug tu lesen, 

*) V 320 om. A, ') «. 324: dcceDsit G. diacettsit B,L.y decreTit E, 



138 E. KOLBIN(; 

oc vauhsilsa oc alldr. haua | inik ejdda. en yA mfn oe tlArf kumr 
3*' ocki at | hallde. Nu ef |hi vacizt ord min duga. ))a | bid ec )>ik mt 
hÜ6 (litt 86 opit fireT iner. hcdan j ifRa. 

Iledan i fra scal liiis roitt |)er | optt vera. or alll rirt |>er i 
5 bodc oc oll iniu j ivi^u undir |>ina valldi. med ollu hefir no | Tinatta 
okr samten^, ftc okr' saroan bundit | Oc )>e8s bid ec ))ik. at v^l 
\}in oc Htarf v<*kizk liedaii ifra. oc at vdl )>in so mer til hug^^anar. | 
roet \)\im\ »kynsemi. Iii^iiisi lytr bicdi upp haf 1 o^ cnda. oc |>o berir 
Rsnnda lyct allra luta lo^t. ' oc allra somd. Ht a uppjhaf mih oc 
lü ennda lyct. | at ]»ii mepr |>a bctr rpda fir^ ctlat mti. \ 

IIKK er i {»teima bu ceitt iingmenRi allfa|ijt | oc })at Tex i oUan 
soroilegum sidtim. or engl | var betri nc kurtsisari. um vara daga. 
oc bann | tok vel vid varri fntokt. oc bann yfir stigr alla | med lufi 
ftinu. iafn alldra »iua pamphilus | ifir keror alla afna felaga. hanii 

15 er hieimskr bu^irnUkum. oc h6g>'err. bogverum. sem lamb. ritt 
roadr j stondr i moti lia^imtikum. med retto. Engl otkojinaAr er 
iamvel rondr i liorg \io^b\. hang afl «j|der »i ofdryckia. bansi er 
vel sidadr. )>uiat godr j var uppruni bans. sTitt «ppli fellr af a6to 
tre. I kynfylgia hirtir oppt buadan kominii er. oft | likii sonr fedr. 

2<) [Nu ^ft*l ofmart mon ec nu | mellt bava*). ec se galatheam standa 
bia ^antx | lidi. kann vera med atburd at hon hafi bsryrt. | mfna 
rodu. Vit )iAt galatbea at ec bu^da engan | i uand vera. en |>o hefi ec 
eeki logit. Pamphilu« | birtiz vist yfer ollum maunnom i borg |>easi. 
men/i | vieit fagrli^a vardveitir bann sina at fcnt. sina | somd oc 

2o (lyrd f*r lot' vi*x m«>d honom iafnan. oc med | rettu ma bann eogi 
aufniiftda. Iianti er vel stadr I oc mykylla*tis Ikinn )>o ecki af \tm. 
ftr lianH audr \u'{cr \ enp:an lont. )iat villda ec galatbea at bana 
Vieri I buande )Mna. [minfi domr dumir ykrbxde saman*). | oe |iat aama 
myndir |)U vilia. ef |>u viKsir srm | ec. Oc vilia minii Mgda ec eo 

l\fi) .li b.'Ml' |)rti8 mik. kyn ^^ ko»tr huarstueggia. domir ykr httdi 
»amaN. 

.%u lydu*) Vit tomom ordum um stund, en oft ko|ma stormafli^ 

3*' af litlum lut. mykyll «*lldr vt*rdr | oft af litlum gncista. litit upp* 

liaf gerir stuiidum [ a;:«*tt ni«lrla^. bugr minii «etlade med ser )ietta. j 

upphaf )»esfia male. '«^ |>ui nnere ec minni r<>do til }){n | ( gafni 

miiiu. Kn ef hup- |iiiiM. «da hugHCot. komz | oockot vid |>eMa rode. 

') ok Mi. • Ohne ParuiMe im Lot. *; Smek Ud kmi A •€. & mI 

dmfiir hauii 9tmm»t:ieu . ry/. t. /M.i; »«d ooD ttwn \p— rofaWL ') 1/4« 

«iMitlirh ^ r. J7'» itrandiA //. f»odia Q.L.K* 



PAMPHILUS UND GALATHEA. 139 

\)9L bi)) ec ))ek at })U segir | mer. huat er })er likar. eäa »igi. i 
minni rpdo. | en ord \iin manu »igi i huers mannz hseymYi. | 

Helldr monu vist med mär alivel Iseynd vera. ])at | er ])u villt 
la^yna. })m mon ec Iseyna. oc \)&i er | ])u villt at sagt se. ))at mon 
5 eo segia. seg mer | vilia \>wn. oc scammaz sei. orugt mon ec Iseyna. | 
))uiat sia rsezla komr af onofrleik. en aei af audru. | 

iGIGI velldr onöfrlseikr. oc engi hseimskiseikr. en | huadan 
kom \ier })es8i rpda. }>at undra ec seigi | minnzt hui |)u komt her. 
eda sendi pamphilus | ])ik hingat. eda s^r rpda ])in til nockorra 
10 am|buna. 

ILLzka vanndra manna spiliir iamnan | verkum godra. oc oft 

gelldr madr |)es8. er hsrnn hefer \ sei gort, en ))oat ec se fatpk. \>sl 

f» ec seigi \)0 sua | mer fiar. ])uiat et & litit ))a er »igi^) mer 

litit I orit. Sua er \io sem ec sagda fyrst hugr minn | hat |)6tta^. 

15 ))u vaeizt med mer oc engi flseiri. | 

I^a ma vel vera at ]3itt sed bsede saman. ef ))itt | vilit oc ])a 
ma huarttueggia yckart })ola scam|laÜ8t. kyngofgudr er bann, oc 
aeigi \nx sidr. firirjmenn huarstueggia ero mer kunnigir. bann er | 
fridare. felagum. en ))u laeikum liosari. fagrt | vid faugru Kkar. oc 
20 er audr oemm^) med ydr oc*) \ glod oska. ok siolf myndi sanna 
fegrd^) ef vissi. | oc met })ui at ]3it erot iofn. |>a mego ])it med | 
rcttu felag^) seiga. ecki scortir med ykr nema | ast sein. 

rat er }>u mseiir vid mik. | }>at skilldi m^It vera vid frsendr 
mina. | oc med |)feirra rade. }>a fysumz ec nu bonda | huilu. msl 
25 ))at vit |)a. })U eda pamphilus | [))a mon lutr sia fegri verda. ]joat 
bans vili | verde'). 

f^at höfir at })itt rad se i sam|r8ede vid frsendr ])ina oc ))inn 

ast Iffiiki. I medan vid bans ast. folginn losti. ])at er nat|tura ösku 

3^^ manna. oc buerr med sinu atbygli | sannar })e8sa idn. losti vekr 

30 bugskot manna | oc sambundin dst fylgir glede. oc batar rygjlsbik. 

[engi man talt fa barm bans oc rygglseik % \ nema |)u vsegir. selligar 

mont |)U iafuan on5fr | vera. 

Med losta veniu tapar mter sama | sinum bratt |)uiat su sellig 
ode kann aeigi | b6f hava. Grimm vapn astar gydiu. hava sei | lett 
sär*). }>au vapn ottaz huer mar illa at suikiaz | oft rögir frsegd med 

*) aeigi ist dem Sinne nach falsch; vgl v, 388: oam mihi sufficiens est mea pau- 
p«ritas. *) h^t \)e sehr verwischt. *) Das Wort cem verstehe ich nicht. Nach dem 
laL Texter. 391 tcürde man ein par entsprechendes Wort erwarten. ♦) <£• zweimal m A. 
. *> «. 898: fama; also fegr^ fmr. ßir frttgd. *) selag A. ') Res crit ad libitum 

pnlcliior ipsa suum G,L.B. mcum E. *) Lat. v. 411: Nararet nnllns quantum 

Yeneria valet usus, weicht ab. *) v. 415: pondns. 



140 ^^ KÖLBINO 

lygi. ovcrdtigar mffyiar. | oUudo aufuond Ictter mi allt al gripa. 
iatta I niynda cc |)ui er |>u ba*ictiz. ef ec ncddoms m \ vannta*. 

(Allniiok er slikt onl. latid | rikari saniiondo ^). or cf «alt vr 
uppi. [)>a gleite | sa er aclr var ryggr. af Att'\ oc mon med h^*rv - 
f) fr^egd or rczlo loggia. or ykr med levisi l»yna. oc \ yckamn l«ik. 
|)uiat ver kuontim vol han« losta | veuiu. oc sa mon lutr anragr 
Vera, med minu | rado. en )>a er ee se hann. rad mer baat ec acal | 
sepa. |)a mon ec diarfliga mspla. ))at er )>u | hetir rott tirir mer. | 

IVatz mioc vili minn. I.rynda luti mina |>rr | at tegia^). en {x* 
10 »eal VC nTViia. Iiuart tunga |>in | se tru eda »igi. or tua til liuert 
dr€>^r mik ]>in | nnta. Pamphilus baeidiz astar minnar. en hui^) | scal okr 
oaman tenpa sonn vinatta. en )>ui | srallt )mi )io mioc Utyna. oe 
8aa honorii teinum | segia. en bans scallt )»ti )>o fyrst med mikilli ! 
fnelstni frci»tn. en er cc sagda )>a ni(»n bann | m<*d atbiird )»or 
15 iK'^ia. f*n |iu far nii brott m^t*^ | Imn miniii. ftr ^er allt med leuifti 
fjr allt l^at nvm \ bann roder iirir ]>(*r. |ia seg mer a morgin^>. j 

AST |»in er starf roitt Pampbile. er :i'i | komit sem ec villda. 
rc var kaullod of,8illa. )>t*r til lids. jniiat huartki mon nu stojda )>er 
8tarf nt' vel. (lalathee er nu ;;iftar | ord biiit sua Hern oll })iod »egir. 
2^> (H- uiiiidra )ianii | unihunad. er benni rr biiinn. viut bundrat lo|ta 
Ktannda i moti |>ui w ec vennta. Kn )»o lay|iia |»au fader r^* moder. 
ok )>(*iiA bid ec )>ik. at ! )>u berr {letta vitrlega. er ec segi )ier. oc 
lat I lau^t )>at er rcki ma v«*ra. ttr lipita |>e88 er vrra ma« | 

.T' VieiH sc m<T buiu* vr all niitt komit. or bug-^an lifs niiiia. 

2.') VM-if<H rr mer venloni. ecki <t | me;;in i limuni minum* buerr limr 
nittar ftinni , |iionnhtu. [totrgaun^u. b'Midr bandlan. tunga | mali augQ 
»UiU. ivyrn h:iyruri. bukr ma a.*igi berd,uni bullda. ne baU baufde*). 
vmu iM'fir mik birctaii | v/m befir mik med angri. oc ergi fluttan. dq 
er I Von langt i brott fariun. [ftr bn^nnande aat i stad koroia*;. | 

.'iO .\u ma vartt 8«';:l ««nji^a liofu '**; i»ia"). or vartt ackeri ma | buergi 

land kfiifia. «^ varr barmr va'it »er buergi | bialpar von* «Kin- 

• vAur<Iii ^«•«•. Pi mn \orArr . H'iu-hter^ .In/^Mutfr. I*i^, Lat, r. 4tiß : Fs»« 
T^rbm. V 4S*f oai. A ' /><i/. r 4tt f.: K«*bui in liU nuijor nimit t^\ infasüa 

▼rn. •«<! pretUt vrium. iHt mltn. Ifcrf? hriC^*: Gor atkr ytmrktH (UUit, iif «m 
•olehf MWf .'kt. der Vrrluuuktiut^i' ; täf*r miithsi'jrr ift c/iV HoArArif. •■ r 4:f^: 

tinor ft ip«r L, et inio<»r ip»« *S. rtiifi'ir rt iy%v K. U. *\ Lat r. 4*Vt om» A- 

'i \>tt * Vyi. /,«!.'. r. ■#-/•#. N'.iMjJir ftiiiiul ver* inMi: amiritU. •» mi .!/• 

') /«/. «. 44/ i/m. .1. •' />!«#€ y.j»»sr >!fiU fthU im lai, Tt^g, *i Lmi, r 4.'»*:: nt€ 
Umeii 1^01« ftb«»! fr U.L. rt maiiri ipM dolor K. '*i Lmt. r, 4A7: porta* O.B,L; 

Ttntot K *') crmont G Fi. L tani^iBt E. 



X 



PAMPHILU8 UND GALATHEA. 141 

saman Galatbea hevir huggan | mina oc harms mins. oc hon er 
8ok bana mins. oc hon | er v6n haeilsu minnar. ])ui ef ec ma seigi 
hennar niojta. ))a likar mer at dseyia. | 

Heyr })U f6I hui oediz tu. huerr U8h')kiligr ') harmr | )>ronguir 
5 ))er. |){n aumkan aflar })cr enga am|bun. })u seallt stilla harmi 
])inom vel oc leuisi*). oc hygg ( at huat )>u seallt gera. mykil 
fatokt gerir manni | vid mart at Iseita. idn oc \i\ mannz sigrar^ 
mykinn | hasca. enn msetti med atburd starf oekart. med villd | 
endaz. oc med hiolp koma. | 

10 Ho kuad bann huert starf myndi sigra mega. sua | mykinn 

haska. von min er oll firir farin. ])uiat nu | er komit giftar kuelld. 
seigi mon hon mer giftaz. | medan buande hennar lifir. Synd er mikil 
huilu at I saürga. munnde keypta. })etta mitt starf er aullunjgis. at 
engu ordet. oc minn kuunasta hefir hialp tapat ) sinna völa. dagr 

15 ne nott man sa engi koma. er | mer hogia huilld geii. fä nytsemd 
mon » med mer | vcslom liggia. 

Oft fellr mikill harmr | a litilli stunndo. oc mykit vcdr fellr 
med litlu regni. | oc biartr dagr er myklu at })eckri. at bann komi 
eftir I mykit myrkr. oc siolf bsBilsa er ]jeckri eftir langa sott. | 

20 Andvarpar^) ))u nu. oc harmr langt i brott fari. })iiiat | i nand 

er storlegr. fagnadr |)inum ryggiseik. Galatbea | ))in ma gera ockarnn 
vilia. hon hefir gefit sek | med oUu under vart valld. | 

SVa scm milld moder. med hegomlegum ordum | oc hmium 
hugga^) sin bornn er grata, at ])au |)egi. | sua at saumu. fpder ])u 

25 mik med flserdsamligu^u | bugganum. at rygglaeikr oc harmr. brott 
faRI«). I 

BRESLAU, October 1877. E. KÖLBING. 

*) Ursprünglich zwei k, deren evnes wieder entfernt wurde. *) v, 466'' om. A. 

*) t). 469: superat G.B.L., vitat E, *) v. 483: tu modo respira; daher wohl 

•ndTjupa zu lesen. ^) v. 488: admonet; also toohl hug^ar 2»« le$eru *) Hier 

•ckUefit Blatt IIL Der Rest fehlt. 

Amn. Der obige Druck soll diphmtUisch genau sein. Die Abkürzungen sind auf- 
gelöst, aber durch Cursivdruck bezeichnet. | bedeutet den Schluß einer Zeile, Für oe 
finden sich die Schreibungen a*, 0, ujid 6. p und f sind graphisch sehr ähnlich , doch 
glattbte ich vor t fast stets sicher f zu lesen (nicht p. 14f, 13 in keypta). Fett gedruckte 
Leitern bedeuten Initialen; für f p. 13t), 16, 23, 27 fehlte diese Form in der Druckerei. 
Auch die Accente bietet das Ms., bei i sind sie schwer vom i-Pttnkte zu unterscheiden. 

ErklKrung. Die in derselben Ifs. eiühcdtene EIi:$.saga ok Rosamniidii hohe ich schon 
smi Jahren fast druckfertig in meinem Pulte liegen. Arbeiten anderer Art haften mich 
hU jetzt verhindert^ die letzte Hand an dieselbe zu legen, E. K. 



142 F. BECH 

ZUR BRAUNSCHWEIGISCHEN CHRONIK. 



Durch die neue Ausgabe der Braunschweigischen Chronik in den 
Monumeuta Germanise historica tom. U. fasc. U, S. 430 — 574 hat sich 
L. Weiland ein bleibendes Verdienst um die deutsche Oeschichte nicht 
nur sondern auch um die deutsche Sprache erworben. Zum ersten 
Male ist hier die vortreffliche Hamburger Handschrift dem Texte zu 
Grunde gelegt worden, welche um das Jahr 1300 geschrieben, also 
jedenfalls noch in die Lebenszeit des Verfassers der Chronik fklit 
Ihrem ganzen Äußern nach trägt diese den Charakter eines Pracht- 
exemplars. „Alles in Allem", sagt der Herausgeber in der Einleitung 
S. 453, „scheint die Vermuthung nicht gewagt, daß wir es mit dem 
Originale der Chronik in weiterem Sinne, d. h. einer durch Schreiber- 
hand besorgten Reinschrift der Kladde des Verfassers zu thun haben, 
welche wohl den Söhnen Herzog Albrechts des Großen als Hand- 
exemplar dienen sollte. '^ Die wenig brauchbare Ausgabe, welche Leib- 
nitz im 3. Bande seiner Scriptores S. 1 — 146 veranstaltete, ist dadurch 
völlig entbehrlich geworden, noch mehr der imglückliche Versuch 
Schellers^ der im Jahre 1826 erschien unter dem Titel: De Eronika 
fan Sassen in Rimen, worüber vgl. J. Grimm, Kl. Schriften IV, 385 folg. 
Was die sprachliche Erläuterung betrifft, so hat Weiland ftlr das erste 
Drittel des Werkes Vorarbeiten von H. Elard Meyer benutzen können ; 
am meisten hat indessen Philipp Strauch durch sein dem Bande bei- 
gefügtes sorgfältiges Glossar zur Erklärung beigetragen. 

Ohne die verdienstlichen Leistungen der zuletzt genannten Ge- 
lehrten schmälern zu wollen, werde ich hier versuchen, einige sprach- 
liche Erscheinungen dieses in mehrfacher Hinsicht interessanten Denk- 
mals von rein philologischem Standpunkte aus anders zu bestimmen als 
es die Herausgeber gethan haben; namentlich auch die Frage er- 
örtern, ob es nicht möglich sei dem Namen des eigentlichen Verfassers 
der Chronik auf die Spur zu kommen. 

Gleich auf der ersten Seite berichtet der Dichter, daß er besonders 
um ^ines Mannes willen seine Chronik entworfen habe (V. 46 folg.)i 
und fährt dann fort: 

8wem hehendicheyt icht wone hi 

dher 8ol merken wer her si: 

in brunste neymanne sicich her 

tzo gheveiid alleine, brechten dher 

erdhe steyne im silhers ghemezeliche. 



ZUR BRAUN8CHWEIGI8CHEN CHRONIK. 143 

So der von Weiland aufgestellte Text mit der Erklärung dar- 
unter: „Der Sinn dieser verzwickten Verse, in welchen die Wörter 
brungte, moich^ alleine und brechten den Namen des Helden Albrecht von 
Brunetwich enthalten, ist: in der heißen Begier zu geben lieü er allein 
Niemand im Stiche (d. h. unbeschenkt), wenn ihm nur der Erde Steine 
genug Silber brachten^. 

Gegen diese Auffassung habe ich manches einzuwenden. Zunächst 
ist das Wort aüeine hier seiner Stellung im Satze nach unzweifelhaft 
die in nd. und rod. Sprachdenkmälern so häutig auftretende Conjunction 
deine = wenn auch , obgleich , wie sie in der vorliegenden Chronik 
selber z. B. V. 775, 805, 1491, 9185 noch vorkömmt; das Komma war 
also nicht dahinter, sondern davor zu setzen. Femer kann sicich kaum 
Indicativ-Form sein für stoeich, es ist vielmehr Conjunctiv; auch Strauch 
muthet hier nach dem Glossar S. 695 dem Dichter wohl unmögliches 
SU. Ausserdem ist brunste nach meinem Dafürhalten ganz ohne Noth 
in den Text gesetzt für das von der Hamburger wie von der Wolfen- 
büttler Handschrift gewährte brüste, schon deshalb, weil das für den 
Namen Brune-swich bestimmte n oder vielmehr die Silbe ne offenbar 
erst durch die Anfangssilbe des folgenden Wortes — neymanne — hat 
ausgedrückt werden sollen. Der Ausdruck in brüste ist freilich mehr- 
deutig, imd für den ersten Augenblick hält es schwer zu bestimmen, 
welche von den möglichen Bedeutungen die hier allein zulässige sei. 
Eine Zeit lang glaubte ich in brüste einen Conjunct. Präteriti von bresten 
annehmen zu können, so daß in brüste sich gleichsam zusammengezogen 
hätte aus in enbruste, was oberdeutsch lauten würde im enbraeste, im 
gebraeste = nisi egeret; vgl. Schiller und Lübben I, 253* s. v. bersten] 
auch bei Heinrich v. d. Türlin in der Krone 29559 hat die eine Hand- 
schrift nach Scholl gebi^üste {iXv gebraeste-^ dazu nehme man die Analogie 
von vuchte = vaehte in Weinholds Gramm. §. 332 so wie si luschen^ 
das Präteritum von leschen^ im Martyrium Jenense fol. 58' nach Sievers 
Mittheilung. Indessen fehlen mir für diese Auffassung die beweisenden 
Belege. Weit näher lag es, in brüste das Substantivum zu suchen das 
da bedeutet Bruch, Abbruch, Mangel, defectus, iactura = mhd. breste^ 
so daü in brüste hier etwa so viel wäre als : in egestate^ in miseria, in 
bedrängter Lage, im Nothfalle. Allein auch für diese Annahme fehlt, 
genau besehen, alle Analogie. Das Wort steht nämlich nie so allein, 
ohne alle weitere Beziehung, sondern hat fast immer eine nähere Be- 
stimmung bei sich zur Bezeichnung dessen, an welchem sich ein Mangel 
findet; so in der vom mhd. Wörterb. I, 256^, 46 citierten Stelle aus 
dem Büchlein von der Tochter Syon 148 ed. Schade: des muoz dir 



144 F. BECH 

werden brtist; ebenso in Boehmers Urkundenbueh von Frankfurt 
S. 668 (a. 1355 — 58) des enwaa auch der hrust an xins nicht \ S. 758 
(a. 1381) oh an deheime artikel brost worde] beim Mönch von Heils- 
bronn im Buch der sieben Grade 2110: der freuden habent si prust 
(: gelust) ; 2151 darzü tu dir selber prust (; gelust) und ähnlich in Elsäßer 
Weisthümem des 15. Jahrhunderts bei Orimm Weist. IV, 194; V, 471 
und 472. Ebenso würde man irren, wenn man brüst , wie Ettmüller 
zu Frauenlob an mehreren Stellen vermuthet hat, so auch hier gleich 
braust fassen wollte. Wenn der letztgenannte in seinem Ereuzleich 4, 3 
sagt: Davit in geiste gicht Mir: in begin der engel licht Min brüst dich 
bem ve)*bar do nicht ^ h Lücifer ndm wesen und ichty so hat man hier 
brüst nicht als „Sitz des Willens'' anzusehen, noch weniger als eine 
dialektische Form für brunst'^ seine Bedeutung ergibt sich vielmehr aus 
den Worten des Psalmisten 109, 3 auf die der Dichter selbst hinweist; 
ex utero genui te ante Lucife^mm. Durch diese Stelle wird zugleich 
eine andere in das richtige Licht gestellt, in der Ettmüller das von 
einer oberdeutschen Handschrift gebotene brunst für brüst, die Lesart 
der Jenaer Handschrift, in den Text gesetzt hat, in dem Sprache 233, 
12: dinglestlich vunken richer kunst (?) enzundet waH ir brüst. Von der 
Bedeutung, die an diesen Stellen brüst angenommen hat, steht in unsem 
mhd. Wörterbüchern nichts vermerkt. Was indessen J. Qrimm im 
D. W. II, 445 angibt: y^h-ust, die Brusthöhle, die Wohnung des Herzens, 
übergehend in die Vorstellung von xoXicog, sinusy barm^ welche sich 
tiefer herab erstrecken und eigentlich ausdrücken was niederwärts der 
bimst liegt, den schoz^ gremium^: das wird durch die 2 Stellen ans 
Frauenlob auch schon für das 13. Jahrh. bestätigt. Aber auch ander- 
wärts finden sich noch Beispiele dieses Gebrauches. So bei Eonrad 
von Würzburg , Frauenlobs Vorbilde in mehrfacher Beziehung , in 
dessen Liedern und Sprüchen ed. Bartsch 32, 52: tcol der engen brütUy 
darin sich bare der hohe gast; ferner bei Rumeland in MSH. III, 67^, 3: 
den (sc. got) umbeslöz ein kleine brüst getwenge gar sunden bldz. Dem 
ganz gleichbedeutend findet sich an anderen Stellen herze, so in der 
goldenen Schmiede 1971 er vlouc durch diner oi'en tor Dar in dt» herze 
lise\ 1239 wan er sich in daz herze dm besliezen hie gemachte = 1229 
din sun tele einen spimnc her abe in dine reinen brüst ; 1031 dd eich daz 
veter liehe icart Van himel in diu herze warf; einige Varianten haben hier 
und V. 1971 schoz oder hnist für herze. Die filteren Dichter, selbst 
Wolfram und Walther, hierin natürlicher und weniger zurückhaltend, 
bedienten sich bekanntlich statt dessen des Wortes icamhey das indessen 
Frauenlob nur von Thieren braucht, so im Kreuzleich 7, 1. Noch sind 



ZUR BRAUN8CHWEIQISCHEN CHRONIK. 145 

aber 2 andere Stellen bei Frauenlob übrig, in denen Ettmttller eben- 
falls brüst als Nebenform von hrunst verstanden wissen will; auf sie 
ist darum hier näher einzugehen, weil die Bedeutung, in der dort brüst 
auftritt, fllr die Stelle in der Braunschweiger Chronik gerade von Wich- 
tigkeit ist*). In Spruch 435 spricht die Minne zur Welt: 

80 du materjen forme zilst, 

zehant ir liebe und ouch ir tust 

giuz ich in m, dar nach si beide sint geziü. 

An ewiclichen dingen ewic ist nun listy 

sivaz aber du zegenclich hiUt, 

deni ist zegenclich ouch mm brüst, 

an steten dingen stetekeit mich nicht verviU. 

Zegenclich loas 

dtn forme und dtn materje an Gamurete, ich las, 

des muoste ouch im zegenclich sin 

lieb unde last: die schulde ist din. 
Hier ist brüst nicht mehr nur Sitz der liebe unde lusty sondern 
metonymisch zu fassen als die liebe u, lust selber, ganz wie das lat. 
pedus. Ahnlich verhält es sich mit Spr. 260, 18 durch herzen brüst. 
Auch hier mag Konrad von Würzburg auf Frauenlob eingewirkt haben, 
denn in der goldenen Schmiede sagt er V. 1161: doch nie mohte fiuhtic 
vcn dir werden mannes brüst ^ so daz unkiuschlich geluvt im uiiehse von 
der klärheit dm: in Trojan. 2726 sie liezen vür des herzen brüst schaz 
unde wisheü wenken\ ebenso im Reinfried 79: unfuoge im nie bekrenket hat 
mnes vesten mannes brüst] bei Nicol. von Jeroschin 804 got stercte ires 
herzen brüst. Wie schon das gotische brusts zur Übersetzung von 
CxXdyxva^ viscera verwandt wurde, so findet sich auch das mhd. brüst 
bei Konrad und andern Dichtern zuweilen ganz gleichbedeutend mit 
herze = animus. Inneres gebraucht; ich will nur auf Trojan. 130 noch 
hinweisen : von der brüste (aico ötii^ovg) ze liehte dringen ^ Frauenlobs 
lünneleich 20, 6 Hz dtner brüst, 

*) Nicht anders verhält es sich mit EttmüUers Erklärung von bnistlich, das für 
brututliehf brennend, stehen soll in dem verdorbenen Verse des Minneleichs 28, 3 wer 
aert brustlich vroun Minne guotf Ich schlage dort vor zu lesen: wer zieret (oder a^e^f) 
hrmUlXch uf vrauwenminne guotf (vgl. MSH. III, 77*, 12) und sehe in bruateUeh 
(= ieelieh brüst Sprüche 269, 2) dieselbe Zusammensetzung wie in mänlich (Weinhold 
Gramm. §. 279), aller degenttch, dingelich^ allewochentiche (E. v. Kirchberg 707), (dler 
mngdXUh (v. d.Hagens German. X, 179), liddUh, tegetich, teüetich, tierlieh (Frauenl. 302, 6). 
In dem Leben der Heiligen Magdal. fol. 80* steht zwar mii inbmstigem willen, gleich 
darauf aber fol. SO** mit inbrünstigem muote. Auch Otfrid in kindo inbrosti (I, 4, 42) 
laßt fich nicht fUr EttmüUers Deutung herbeiziehen. 

QEBMäMk. Nene Reihe XI. (XXUI. Jahrg.) 10 



140 F. BKCH 

Nach (Ii<*ser Auscinandt'rsfttzung glaube icli steht der Obenetzang 
ilv» ohigni in hrunff mit in ;wc/*/rf, in animo = an herzen 9 dem Willeo 
Dach v^'hron. 101^$, v^l. 1027) nichts Erhebliches mehr entgegen. Nur 
über ifhrmrZf'll hf noch einige Worte. Es ist fraglich, ob man e» = ge^ 
rnrzrficht' «nlrr = *jfrmrzz*'nHch*' zu nehuifii habe. In «ler Elisabeth ed. 
Kieger «(142 ist da» Adjectiv *jfmi*zzrnltrh im Sinne vou mittel mäi^Kig 
gebraucht; dazu würde sich //^tii#cc#7«VA verhalten wie etwa r.u dt*m 
gleichgebildeteu tjtUijt'nUch die Form 4^l«yrlich bei Ernst v. Kirch l>erg 
S. t>42 u. t)4)(> und im Ilenneberg. ITrkundenb. III, 12ti, 15 *in gelegeiirhr 
8t*U', 21 vff tjrUtjrlichiti tfujiti (a. 13ö.*J^ allfv gaUyIirhiMt l>HAkteu II. 
1 ;')!•, 2.*>; anilererseits hteht ijenuzrlichf neben mrzrl'rhf {mafzUcfif, mfilike\ 
wie grufmdikt^n = nominatim z. H. im Urkuutlenb. vou Qufdlinbnrg ed. 
.lanickf l.'^f). 2t* (.*i. l.'^fil > neben d<*m ;:eW(ihnliehen»n nefnrliken. Da» 
eine wie das andere, hier zumal mit dem (lenetiv verbunden, kann 
uur wenig, nicht eben viel, haud abunde bedeuten. 

Naeh meiner AiiflffiHsung nind nun die in Rede stehenden Verse 
etwa auf folgende Weise darzustellen: 

in hrfi**f n^gnwnn»' Hirtrh her 
txo yhex'vnd, allein^ brecht*-» dher 

erdhe sieynf tm HVItfr» yhemi^zrlUh*', 

so daü für das Auge leicliti-r hervortreten die vom Dichter kllnstlich 
verslockten Worte: in Brünnftrich hertzwjhe Alhnrht dher ernte im »igke. 
Ich überi^etze aUdnnu wiirtlich wie folgt: in ^ncinre yanimo^ volmntaU) 
nmiiiii* ttminiMürt im Itinjiri ^ *finm»i rtddrrent terrae metalla ei argenti 
haud ahttndf. Man vergh-iche hiermit was der Dichter von demselben 
Albreeht im V. 1^32 sagt: im umbrach vil tnc gutes an menger siunt 
tren huhf* mntrji. 



Di«* so eben be»|)rochene Stelle erinnerte mich beim Lesen 
gleich an einen bekannten Dichter, der ein Zeitgenosse des um 1300 
lebendt-n dinmisten war. («ich < iM-nfaÜH in Kraunschweig längere Zeit 
aufhii-lt und mit dem Hofe dai»t Ibst in Berührung kam, auch sonst 
einrr <rf!*chmAckshchtunc huldigte, die von der des Chronbten sich 
wenig uiitertfchird. Ich nifine di'u Spruehdichter Rumeland und denke 
hi«*r zunächst an M-im-n ."Spruch in MSH. III, ,'kV, Nr. 12, in welcben 
er auf gh-ieh künstlich«* Wii«e den Namen reines (iOnner», des damals 
viel :r**f*'i«*rtf*n Kraunschwriger Fürsten Albrecht versteckt und dem 
L«'H( r zu errath«*n üb«'rla»(»en hat. Diefier Spruch lautet, nach einer 
sorgfaltigen Vergleichung der IlautUchrift die ich Sievera iu Jena Ter* 
danke, hdgendennassen : 



ZUR BRAUNSCHWEIGISCHEN CHRONIK. 147 

Wer ich in kunsten vnse also Plato was^ 
Eyn Ariatoiiles unde eyn meister Ypoci'osy 
Oalimus unde eyn Socraies, die wiaen, 
Virgilius kunstj BoecivSy Cäio, Seneca mylCy 
5 Donättts, Bedä, het ich al ir kunste syfe: 
Dennoch sone kundich nymmer vollen jyiHsen 
Des hoch gelobeten vursten loh volbvechtich nicht ^ syn ist 

me unde ie mere. 
Ich htm von JBriines mtinde und ouch von manigem man 
Gehört, daz stn loh nyeman gar volachten kan. 
10 Wich von ym, Schande, swä hei* hynnen kere! 
Nach der handschriftlichen Überlieferung steht der Äccusativ des 
hoch gelobeten vursten loh im 7. Verse ano xotvov, ist sowohl zu prtsen 
als zu vol hrechtich Ohject; vgl. die von M. Haupt zum Eree gesam- 
melten Beispiele S. 393 folg. Doch fragt es sich wohl noch, ob man 
dem grammatisch zugeschnittenen Stile Kumelands eine solche mehr der 
Yolksmäin'gen Sprache zusagende Satzfügung zutrauen dilrfe. Auch 
steht das Wörtchen al im 5. Verse, welches sonst der Leser mit brecht 
im 7. Verse zu verbinden hätte um den Namen Al-hrecht herauszulesen, 
etwas zu fern. Sollte es daher nicht statt volhrechtich nicht gelautet 
haben al brecht ich ichty d. i. etiam»i quid efficerem f Indessen wage ich 
nicht zu ändern. Auf die eine oder die andere Weise will auch dieser 
Dichter den Leser herausfinden lassen den Namen seines hohen Gön- 
ners: Ähhrecht von Brünes-wich*). 

y. 1 in der Handschrift wis, ^ 6 hei ich al ir hm steht auf Rasur von erster 
Hand. — 7 Hinter volbvechtich nach dem h ein z ausradiert. — iej e. 

*) Nach dieser künstlichen Anspielung liesse sich annehmen, daß Rnmeland auch 
in dem 6. Spruche S. 62" in MS. HI eine vorsteckte Nennung des Namens Albrecht 
beabsichtigt habe durch die Worte: also ich prCibe , aö Irdioe ich daz er dax xcolken 
breche (V. 7 — 8) ; ebenso glaube ich, daß der Vers der jnemehen zuchl ^Hchen heldet 
im 7. Spruche auf der folgenden Spalte nur gemacht worden ist^ um aus den Anfangs- 
bnehstaben der einzelnen Worte herauslesen zu lassen der Men-z-ir. 

Beiläufig will ich noch folgende Erscheinungen hervorheben , in denen sich der 
Verfasser der Reimchronik mit Rumeland berührt. Sowie bei dem ersteren die 2. Person 
Pluralis sehr häufig auf -en ausgeht (vgl. Weinholds Gramm. S. 341), ebenso ist dies 
bei Rumeland der Fall. Von der Hagen freilich hat diese Form fast immer zu ver- 
wischen gesucht und nur da stehen lassen, wo sie vom Reime geschützt war, so MS. 
in, 68\ 10 daz ir ^en bam (: vom) = daß ihr aller Ehre bar seid; aber sie ist 
nach der Handschrift wieder einzusetzen auch an folgenden Stellen 55% 14, 3 dost ir 
äkt nieht vergezzen (: beaezzen) ; 67*', 12, 7 tpan das ir mir in McUu irüwen biten 
(bietet) uwer heUen; 57*', 12, 9 ich weiz xool daz ir (Uh ze mtnie tchaden vrovoeii 
(:§Umwen); 68% 1, 7 *o HU ich daz ir umme tt%n; 68% 1, % da ir vurliesen utoem 

10 ♦ 



148 F. BECH 

Rumelands Lobspruch ist nun aber noch in anderer Hinsicht fbr 
die Braunschweigische Chronik von Wichtigkeit. Wer ist, so fragt 
man sich billig, jener Brün oder Brüne, aus dessen Munde Rumeland 
das Lob Albrechts vernommen haben will? Und dies ftlhrt mich auf 
eine zweite und zwar noch verzwicktere Stelle in der genannten Chronik. 
Gegen Ende derselben beginnt nämlich der Verfasser in längerer Rede 
zu klagen tlber den Tod des ihm theueren Fürsten und über den Ver- 
lust, den er und andere durch ihn erlitten haben. Dort heißt es von 
V. 9216 nach dem Herausgeber: 

war is nü dher Tu bevoren 

80 we>*dichlichen lebete, 

daz sin lob oben allen loben swebete, 

von Bräneswich herzöge Albrecht f 
9220 dhisse name ist gar siecht 

und hat doch bedütunge me behalten. 

daz merke der junge nach dem alten : 

swich daz brüne albe recht, 

so Wirt dhin lob klär unte siecht'^ 
9225 albe recht was tz an im 

dhen mi hat dhes todes grim, 

her was dhes wurzegarten hiinne, 

noch klarer dhan dhe sunne; 

und der wazerhaphte bach, 
9230 dher so sozes smackes plach, 

sin smac ist nu ghesuret 

und dhes umrzegarten ruch gheturet. 
Hier handelt es sich vor allen darum, welchen Sinn man den 
Versen 9223 — 26 abzugewinnen habe, ohne der Sprache und den In- 



halk; wahrscheinlich auch 68^, 5, 1 ir morder , prdben iuioem mart. Femer findet sich 
wie in der Reimchronik so in Rumelands Gedichten nach der Jenaer Handschrift öfter 
Verwechslung des Dativs mit dem Accusativ, so MS. UI, 53% 6 got der eol m^ andern 
an dich rechen; 59**, 23 der mich durch singen lieber gibe wen durch wemen; II, 
368% 3 daz sie dich wol heheite) nicht selten steht in statt im, gerade wie in der 
Reimchronik z. B. 660, 644. In der Reimchronik 7120 heißt es der mdne eiek eMme 
ringhet (:hrifnghet); dieselbe, sonst nicht weiter belegte Ausdrucksweise bei Someland 
MS. U, 370* (V, 1) 9wen der mdne ringet, daz er heizet meie^ wo ringen swy. s= mhem 
fieri. In der Reimchronik 686, 1C68, 1789 zo mOze von feindlicher Begegnung ge- 
braucht, ebenso bei Rumeland III, 67^, 10 die gierigen im zu müze, mhd. m emote. In 
der Reimchronik 3930 scSne nnthei/zen giplU hohemdt dem toren unde selten g(U s= Ba- 
meland MS. U, 60% 28 So wer den toren dröuwen wil, der sol m schöne entheiaem, eB 
wirt er fir6 in herzen vnde gutes mütes. 



ZUR BRAÜNSCHWEIGISCHEN CHRONIK. 149 

tentionen ihres Verfassers zu nahe zu treten. Sie bieten noch weit 
mehr Schwierigkeiten als die besprochenen Zeilen aus der Einleitung 
der Chronik. Der Herausgeber hat davon folgende Erklärung unter 
seinem Texte gegeben : „Hier ist ein Fremdwort, das lateinische albtUj 
zu Htllfe genommen, das sonst nicht zu belegen ist. Der Sinn ist also: 
wenn das Braune das Weiße (albe ist Dativ) im Stiche ließe, so wird 
dein Lob klar und schlicht; an ihm, der jetzt gestorben ist, war es 
(das Lob) ganz weiß.^ Diese Deutung bedarf aber selbst wieder eines 
Commentars. Ich wenigstens bekenne offen sie nicht zu verstehen. 
Daß cJbe = albus stehe y ist kaum glaublich. Überdies wäre das un- 
motivierte Überspringen von der zweiten Person auf die dritte eine 
Unbeholfenheit ^ die man dem Dichter nicht zutrauen darf. Für dm 
fehlt nach dieser Erklärung die betreffende Person , auf die es sich 
beziehen könnte. Albrecht kann es nicht sein, von dem gleich darauf 
in der dritten Person geredet wird. Ich schlage daher folgende Le- 
sung vor: 

9uÄch daz, Brüne, al bereckt 

80 Wirt dhin loh klär unte slechty 

al berecht was iz an im u. s. w. 

In dieser Constitution des Textes ist der Überlieferung weiter 
keine Gewalt angethan, als daß einige Silben anders vertheilt worden 
sind, es ist damit das unerhörte alhe ohne Milhe beseitigt, sowie flir 
das aufi&llige Pronomen dhin eine Anlehnung gefunden in dem Namen 
Brüne. Stctch halte ich für mnd. Imperativ von steigen = mhd. siotcj 
berecht steht für berichtet oder berechtety kaum flir bt rehte, Brüne selbst 
scheint der Name des Verfassers zu sein, der sich hier auf versteckte 
Weise verewigt hat ; möglicherweise ist es derselbe, aus dessen Munde 
Rumeland an der oben angeführten Stelle bekennt so großes Lob über 
Herzog Albrecht vernommen zu haben. 

Leider ist es mir nicht gelungen, einen solchen Brüne auch ur- 
kundlich sicher nachzuweisen. In dem Urkundenbuche der Stadt Göt- 
tingen Nr. 156, vom Jahre 1344, erscheint ein Capellan Meister BrunOf 
der von den Herzögen Otto, Magnus und Ernst mit dem tcouste bleck, 
dar de capeUe to Hessenem uppe steyt, von Göttingen aus belehnt wird. 
Dieser Bruno fällt zu spät, als daß man ihn hierher ziehen könnte. 
Anders verhält es sich mit einem Bruno, der Cleriker zu St. Blasien 
in Braunschweig war, auf welchen O. von Heinemann in Wolfenbüttel 
mich aufmerksam zu machen die Güte hatte. Seiner freundlichen Mit- 
tbeilung nach liegt es nahe, einen solchen unter den Stiftsherren zu St. 
Blasien zu suchen; obwohl aber von 1290 an die Reihe der Präsen- 



150 P* BFXH 

tatioDSurkundcn zu den Aint<*ni und Pfründen doi« RlasiuBStiftes noch 
vollständig vorhanden ist, ho rrsrhcint doch ein Bruno i^nt im Jahrr 
l'i3(}, IX Kai Aprilis, nacii oinc^r Originalurkunde zw Wolfcnbllttel, 
freilich aber aIk damals bt*reitH gefitorbcn: 

fhfo duj' in Jinintwnrh suo nnmini' ff /»ofetittife tibi per patmAes 
Hmrimmy Ernfnfnm rt Withhinim rnntmia/ia Unhmdnm rlrricum dirtum 
Crvnesften f ßh'um Da villi« CnHif^lK-n ^ pratifnfat ad praebrud^tm in er- 
ch'jtia inttirtk lihmii jht moiif^i maglMrl lirunonts varantewu 

Diei^er Bruno k^inntc virlK^idit drr von mir (roiuchtc sein. Wonti 
man annimmt, dal) derselbe bei seinem Tode -- um 13.H5 — Mwa 75 
bis f^) Jahre alt gewesen, so ktinntt* er sehr wohl su Anfange der neun- 
ziger Jahre des 13. Jahrhunderts die Itrimehronik verfaßt haben. Leider 
scheint von ilim , wenn er auch (Icriker in St. Blasien war, nichts 
weiter bekannt zu sein. 

V. 75 vrnt ich nr*iz »ol invurrn. d. Ii. weil ich viel — nicht wie 
di«» Anmerkung will: ^in groüartigrr Weise" — einfahren werde. Diese 
Bedeutung von tjruz ist nicht ganz selten , wenn auch in den Wörter* 
büchem nur spärlich vennrrkt. So i»t4*ht ni\ grtiz -= tatdum, so viel, bei 
Herbort Troj. 5222 d^l g^ticharh unde-r in zirrin Stich uiiA? »l^g^ $6 grvs: 
J. Tit. HIO, 4 ßit t^ritz der houht: Striek«»r Karl 53S*8 ffoldst m proe: 
Stadtbuch von Augsburg <*d. Moyrr S. 2iN) n/x ^rc nmalideg geitem als 
d^s Mtf>s Wfu; Frauen lob Spr. 22. VJ die rine hat gntz leiden Hmal die 
ander in i^ri'mdrn lachen, wo EttmiilliTH gewaltüame Änderung unataCt- 
haft war; Chronik drs St. nar«*nklnHtcrs zu Wrissenfels ed. Opel S. 3KM 
do Mit he ijritz ij*-lt, dtiz he Irdic wurde i Job. Kothe (*hron. ti32 dd 
tarp unjtf frech' ieh gruz Vfilk ; IVJ d**r kriegk' hatte *ie groz geko$i\ 
von Salft*ld •»*.», 24 daz her ijruz hi gn/te *'rarnet hefte; 7ft. 16 A« troUc 
hevt*f^ vi ijrttz df-r furikfr mit finrm hri^itjen Irhin r*frtiint kt^te, — Zu 
lariir^fi, mhd. inrii^ntt vgl. Wricand im 1). W. IV, 441, wo schon aaa 
Otfrid und dfu Nibflungrn ß«*ispi«'lf bi*igebrnrht sind, in denen ßUrem 
soviel ist als mittrlMt «-inc^ Fuhrw<>rk«*s oder Fahrzeuges fortschaffen, 
also wieder die H«*doiitiing Kf'in«*!« Miitti*rworteK vam := lat. rehere hat; 
vgl. noch St ririchs Leben VJ^ll üf finent sfit^'H er sich füeren Aalet; 
Strnlil». Kecht bt-i <Saiipp D. U. des Mittriaiters I. 1^ die vi*chere »uUeni 
dfn hißchote in deni icazzn*- fii*r»'n (^in mfita rehere''fi Stadtr. v. München 
i*d. AutT art. 478. wo drm h'trman, den furliutrn aufg«*grbfu wird« daC 
»ie daz tpiot filerm #fi//'«i; I*ai*s. K »i*i, *» *t liez n ch rüren einen Hngem; 
Koodit/ r. Salffld 7**. 4 .«i* /*'; »i*'h nff einem trei9^c füre; in «*iner Witten- 
b««rgi*r l.'rk. vom J l-'J**» bei K^p».* Bericht v. J \M^} S. 21 uf 



ZUR BRAUNSCHWEIGISCHEN CHRONIK. 151 

Eiben kam holen adir fdren lassen, ebenda jüren (fahren) umh Ion ; Joh. 
Rothe 188 her Uez sich alle tage füren uf eime wayne\ 650 man sulde 
on (= iis) nicht zu fören noch tragen\ Nürnberger Poliz. 245 der wein 
(vinum) von dem fören sich setzet ; 306 daz holz fören ; 307 wer kolen^ 
pütenholz föret oder tregt; Zeitzer Copialb. (15. Jahrh.) fol. 306** und 
406' das mistfören. 

V. 133 verlangt der Zusammenhang ftlr gut gerichte zu schreiben 
gut geruchte^ wie es sich V. 7355 findet. 

V. 734 wigentlichy im Glossar übersetzt: streitbar, streitlustig, ist 
wohl in vigentlich zu ändern, das wiederholentlich in ähnlichem Sinne 
steht, so z. B. 1541, wo es auch mit vormezzen verbunden ist, femer 
1666, 1561 ; vgl. 452, wo die Hamburger Hs. ebenfalls wursten schreibt 
statt vursten. 

V. 791 dhes müz im noch wol gelingen, e wen er izzo ends bringen'^ 
hier sehe ich in wen nicht die Verbalform waen, sondern die Conj. 
wanne, wenne^ nd. und md. wen, die auf nd. und md. Gebiete sehr oft 
für danne, denne nach Comparativen auftritt, wie auch in vorliegendem 
Denkmale z. B. 97, 934, 3924, vgl. Rilckert zu Koeditz 15, 14 ; e wen 
ist also prius quam, wie German. 14, 70', 37 in dem md. Blanschandin: 
S wan die crone ime werde gesät; Joh. Marien werder im Leben der H. 
Dorothea S. 198 e wen her syne sache unrecht irkennet\ 217 e wen di 
varrdcte natüre sich an ir ougiln mochte; 222 e wen di kirchin ufgislos- 
9in wurdin; 234 e wen si ein so getan gezügnis behtlt; 248 e wen si 
voUinbrochte ; 253 e wenne her gewinnet einen sweis süner hekülunge. Hier- 
nach kann bringen nicht Infinitiv sein, sondern ist 3. Person Singul. 
des Präsens Conj., hier durch den Reim sicher gestellt. Die Nasalierung 
der Endung ist in diesem Falle eine ähnliche wie die der 3. Singul. 
Präteriti von Weinhold in der Grammatik §. 385 vermerkte. Auch 
togen (: mögen) gehört wohl hierher, das für tage steht in V. 106: daz 
izo disser redhe togen dhe tumphet/t unser sinne, wo tumpheyt schwerlich 
ftor den Pluralis zu nehmen ist; femer sin fiir « in der Unterweisung 
zur Vollkommenheit Germ. 22, 170, 137 daz sd deine sin (: din); Frauen- 
lob Spr. 49, 11 mit stolzer tat, diu menlich sin (nach der Handschrift); 
in Tyrol und Fridebrant ed. Wilken S. 7, V. 55 sO waent ez daz ez 
nieman sehen (: spehen), ebenfalls nach der Überlieferung; Sachs. Welt- 
chron. 142, 26 ed. Weiland: u^ dam siu (sc. diu vrowe) nü werden lüt 
de logene irdenken] Heinr. v. Krolew. 3561 des müz ich gotes helfe gern \ 
unde biten, daz er mich gewern (wo gere : getoere möglich). 

V. 988 — 990 innefi dhes greijph in groz hrancheyt^ so daz her an 
vil selicheyt vorchte sinen ende. Fiir selicheit gewährt die jüngere Hs. 



152 F. BECH 

sichlicheit] letzteres oder sichUcheit war in den Text zu setzen; TgL 
siechlich bei Lexer II, 909 und siechelheib in Wackemagels Wörter- 
buche. 

V. 2103 dher kumt her gehowen an den kreyz^ im Glossar über- 
setzt mit: ^kommt mit mächtigen Hieben auf den Kampfplatz''. Das 
will aber der Ausdruck gehowen hier nicht sagen, auch nicht in V. 2748. 
Vollständig hieß es: daz roa mit den Sporen houwen^ wie im Rolandsl. 
6471, Diemer 73, 16, Herbort Troj. 6432; dann mit Weglassung von 
roa und sporn bloß houwen im Sinne von anspornen, rennen, sprengen, 
so im Trist. 9166 e?' hiu unde sprancte; Witzlaws Spr. IV, 15 ed. Ettm. 
hin hiew her in daz füre = MS. III, 79', 4; Diocletian 1615 nu hauwet 
drin! und 3279, 4423, 6024; Nie. von Jerosch. 20767 anhouwen an- 
rennen, angreifet! ; vgl. D. Wort. I, 370 s. v. anhauen und 339 s. v. an- 
gehauen , IV, 580 s. V. hauen. Auch in der Ghidnm 1540 läßt sich 
durchhouwen nehmen im Sinne von durchrennen, durchreiten. 

V. 2756 folg. dhes wart ouch de mäze dhä \ vil kurz. Stich unde 
ald I wart dhar eyn gemeyne wort. Hier ist mdze = das Messen , d. h. 
das Zielen, Besinnen und Vorbereiten zum Elampfe. Stich und da 
fasse ich als Imperative. 

V. 3039 daz (her) mit rauhe und mit brande dhen herren soUe 
locken von der veste: der Dativ dhen herren durch beide Handschriften 
gestützt und auch sonst bei locken üblich, vgl. Eonr. von Megenberg 
254, 23 die vischer lockent ir mit wispeln auz dem wazzer\ 286, 12; Oerm. 
7, 335 der adalar lokt sinen kindern zu vUegene\ Frauenlob Spr. 169, 11; 
242, 2; Mynsinger S. 5, 20, 35, 36 u. s. w. 

V. 3182 dhe byscoph mit dhen sinen \ von Colne, her wold iz dkä 
pineny dazu die Anmerkung: „er wollte sie strafen; iz ist eine Ver- 
allgemeinerung des Begriffes de borgen^. Schwerlich richtig; ez jümm 
heißt hier: es durch- oder dransetzen, es wagen, wie denn pinen in dem 
altniederl. Glossar von Bern (Diut. II) 207*^ mit conari und 224^ mit 
niti übersetzt wird. 

V. 3899 e der ortelichen zit wird in der Anm. richtig übersetzt: 
vor dem jüngsten Tage; im Glossar ist bemerkt^ „ortelich adj. äaßerst^, 
als ob es von ort gebildet wäre und nicht vielmehr von ordel; vgl. mbd. 
urteilUche zit. 

V. 4339 folgende heißt es vom Falken: 
sin houbet hUn, sin khele blanc, 
sine zasvidheren im so lanc 
zo Urkunde zen herabe^ 
daz in sin vater habe 



ZUR BRAUNSCHWEIGISCHEN CHRONIK. 153 

uph hdher ast gezogen; 
wol ZOT köre sin gebogen 
im sine kld und sin snabel. 

Die zdsvidhei'en = „Schwung- oderSchlagfedem" werden in Strauchs 
Glossar wohl nicht richtig von zasen, nd. lasen, zeisen abgeleitet; eher 
hat man mit Woeste bei Schiller und Lübben IV, 27' s. v. sasvedder an 
sas = sähs zu denken; dort werden darunter Federn verstanden mit 
denen die Luft durchschnitten wird. Ich kann das Wort noch aus 
Heinrich von Mügelin ed. W. Müller S. 27 nachweisen: die sachsenfeder 
und die schelle verlorn \ in irem dinst ich habe] bei Mynsinger S. 3 steht: 
die flilgel (des Falken) riirent sich hinden an mit den lengsten obem vedem 
an der sachs] in der Wappenkunde bezeichnet die sachse nach Sanders 
am Adlerflügel das Inwendige, den großen Federn entgegengesetzte^ 
vgl. auch Förstemann N. Mitth. IV, 4, 94 Adlersflügel^ ihre Sächßen ein- 
wärts kehrend. — Uf hoher ast ist vielleicht zu ändern in uf höher rast? 
vgl. Lexer s. v. reste, — Korey kor, halte ich für einen weidmännischen 
Ausdruck, ursprünglich == spöcwZa, Warte, dann die Lauer, das Auf- 
lauem des Wildes, insidiae, vgl. Hildebrand im D. W. V, 2785 unter 
kur und 2803 unter kuren = spähend schauen, lauern^ nachstellen; femer 
Schiller und Lübben II, 602*" und die deutschen Mundarten VII, 443; 
vielleicht hat man auch Frauenlob in seinem Frauenleich 9, 1 hiernach 
zu deuten, wo er Maria sagen läßt: ich binz diu gröze von der kür, d. h. 
de specula = de Syonef vgl. Büchlein von der Tochter Syon V. 7 und 
Graffs Interlinearvers. d. Ps. S. 214. 

V. 4497 folg. her Tancharde vinc den jungen, \ darzd ouch eynen 
konig her \ dei" roubere algelich daz mer\ nach der Anmerkung soll al- 
gelich daz mer abhängig sein von dem in roubere liegenden Verbal- 
begriflF; ich möchte rouhete für roubere lesen; so heißt es V. 5299 daz 
lant roubeny ebenso Pass. K. 571, 87; die helle rouben in Bruder Hansens 
Mar. 925 ; die stat, daz hüs, die sträzen r. Würdtwein Dipl. Mag. II, 548, 
OrtloflF I, 195, Rumeland in MSH. III, 57', 7 = ausplündern. 

V. 4791 eyn ors — daz an vil mengem spTrunghe ginc \ und leyph 
durch spoi-en vlucht. Was soll hier sporen vlucht bedeuten? Ich lese den 
Vers so : unde leyph durch spornt envlucht, vgl. Frauenlob Spr. 52, 8 du 
were ein spiegel gi*dzer vuoge und aller zucht, \ die gen in vlucht \ vcw* dir 
sam si s^n wilde; Pfeiffers Altd. Beisp. bei Haupt Zeits. VII, 362, 53 

da er von einen Unzuchten | immer get in flüchten; Demantin 5577 

Orian — on in vlochfen komen sach (vgl. 1735 mit vluchten he darjagete)] 
Ortloff n, 101 in flüchten sin und ebenso Berthold ed. Pfeiffer 554, 4 
und 15 und 22 ; vgl. mhd. enfluge. 



154 F. BECH, ZUR BRAUNSCHWEIGISCHEN CHRONIK. 

V. 5010 bedeutet unveylich nicht wie J. Grimm Kl. Sehr. IV, 391 
wollte „unfeindlich "^ sondern nicht gesichert, nicht ohne Gefahr; vgl. 
Magdeb. Schöppenchron. 310, 18 men scholde se berdvet hebben ores Rvet 
und güdes also dat se allerwegen mosten unvelich sin; Lexer III, 54. 
V. 6794 folg. «t(?er the hochzU obersconen 

soUe, dhd im gab dhe krönen 

dher pabes an sd grdzer ere, 

sver daz zo thonde teere — 

ich der rhede volgen mite. 
Nach V. 6797 meint der Herausgeber sei vermuthlich ein Vers- 
paar ausgefallen, da der Nachsatz fehle, der etwa den Gedanken ent- 
halten hätte: „der milßte Bewunderung erregen'^. Die Stelle ist wohl 
anders zu fassen. Man lese: swer (oder swär) doz zo thdnde ioere und 
übersetze mite im folgenden Verse durch vitarem, omitterem] vgl. V.7752 
svär mir daz zo sagene were [Bartsch: solt ich d. rh. volgen mits]. 
V. 7649 folg. her scüf daz dhe tmrsten baÜ 

dhahir zo Dhudeschen lande 

dhe her an dem köre irkande^ 

daz an dem anderen järe wart irkoren 

eyn vorste hohehoi'en. 
Für daz dhe wird vom Herausgeber mit dhen vermuthet und dha- 
hir ist von ihm in den Text gesetzt für das überlieferte dha hin* Mir 
scheinen beim Abschreiben die Zeilen vermengt worden zu sein. Ur 
sprünglich lauteten sie wohl: 

her scüf dha hin de vursten baUy 

dhe lier an dem köre irkande^ 

daz zo Dhudeschen lande 

an dem andern järe wart irkoi'en 

eyn vorste u. s. w. 
Jemand dha hin scaffen = dahin, dazu bringen^ veranlassen. 
V. 8090 folg. her lejjz dhen herren wolgeboren \ an eynen galgketi 
hengen dö \ bi dhen hessen; letzteres heißt nicht, wie aus Versehen im 
Glossar vermerkt ist, ^bei den Hosen, kopfüber aufhängen^ ebenso 
wenig in der Anmerkung zur Sachsischen Weltchronik 87, 44 in M dm 
hässin uf lassin hangin ; vgl. vielmehr Schiller und Lübben 11, 259 8. v. 
hesse, mhd. hahse^ hehse; unter letzterem Worte wird hier voraugsweiM 
die Achillessehne zu verstehen sein. 

V. 8359 iz ne halph al nicht eyn wint (: sint) ; aber die ältere Hand- 
schrift hat ganz richtig twint fUr wint ; vgl. Kiliani Etymol. ed. HtMalt 
689^ twint y twynty ttvent^ nihil, nihilum, nihili, non, minime und twää 



C. M. BLAA8, 8IF UND DAS FRAUENHAAR. 155 

achten y flocci pendere^ dazu J. Grimm Gr. P, 498, wo twint aus quint 
{quentlein) abgeleitet wird. Scheller veränderte das Wort in seiner 
Kronika fan Sassen S. 272 in twink und übersetzte es im Glossar mit 
„Pfifferling*^ ; ebenso scheint er es in seinem Laien doctrinal S. 193 ge- 
macht zu haben, wo man wohl zu lesen hat: de toise bedrovet sich nicht 
ein ttoirU (ikint)' vgl. noch Partonopeus und Melior ed. Maß mann 17, 
19; 34, 13; 86, 28; 88, 9; 110, 6; 118, 20. 

V. 9109 dhe ro8 men r&t'te zo dher vlticht, nicht zo hohorte; 

die Änderung war unnöthig, behorte, wie die Hs. hat, ist eine gut be- 
glaubigte Form, wenn auch Schiller und Lübben versäumt haben sie 
zu belegen, vgl. Zarncke-Müller I, 735; dazu bShurt in Livländ. Reim- 
chron. 11735; Ernst von Kirchberg 808 ei übeten vil behorden (: wor- 
den)] Berthold von Holle im Demantin 634, im Grane 2190, 2199; 
dahin gehört auch Fraueulobs Minneleich 30, 5 die sich hievor durch 
frawen garten y an tumei, tzschost mit strtt behorten, wo die Erklärung 
Ettmüllers kaum das Richtige trifft; lehordlreny torniren bei Lambert 
Müblhaus. S.57. 

ZEITZ, im Januar 1878. FEDOR BECK. 



SfF UND DAS FRAUENHAAR. 

VON 

C. M. BLAAS. 

„Das Gold der Sonne ward in Fluß gebracht, 
um dieses Hauptes Locken draus zu dichten." 

Rfickeri 

Rutilae comae keunzeiehneten nach Taeitus Germ. c. 4 alle Ger- 
manen und dies gepriesene Attribut germanischer Schönheit ist auch 
die Ursache, daß die römischen Imperatoren deutsche und mit Gold- 
staub gepuderte Haartouren zu tragen und die römischen Frauen ihre 
Haare mit germanischer Pomade blond zu färben pflegten (s. Roch- 
holc, Deut. Glaube und Brauch II, 219). Caligula indessen trug einen 
goldenen Bart um den goldbärtigen Jupiter Capitolinus nachzuahmen 
(Sueton , c. 52) und wie der letztere ebenso besaß (nach Rochholz 
a. a. O. II, 220) auch der sonst stets als rothbärtig erscheinende Thor, 
nraprünglich einen goldenen Bart sowie goldenes Haar. Solches Haar 
halte übrigens auch dessen Gattin Sif und von diesem berichtet Uhland 



15ß <^. M BLAAS 

in seinen Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage IV, 
Kino der vielen Benennungen des Goldes in der Skaldensprache war: 
Sifs Haar (iinddr Sitiar). Der (irund derselben wird so angcgeb^ii 
(SiiorraKdda lUauit Skaldu <*te. ütgef. af U. Kr. Uask, Stockh. l'^I^. 
l.'^i— l.'iJ): Li)ki. Lauft*ys Sohn, hatte trtlgerischer Weise Sifs Haar 
alle« ahp*j»chnren. AU Thor, iiir Gatte, densen gewahr wird, ergreift 
er Loki und würd«* ihm alle Knoein'n zernchlagen haben, wenn er 
nicht g<*schworcn hfitte, von den Schwarzalfen zu erlangen, daß sie aai 
(folde dtT Sif t-in Ila.ir machen, das wie natürliches wachse. Hierauf 
begibt «ich Loki zu den Zwer;;en, die Ivaldis Söhne heißen« und diese 
machen <la!« Fraueniiaar L(»ki bringt i*8 dem TiiOr und dasselbe wächst 
fest, sobahl r* auf Sifs Haupt kommt. 

Zu haddr Sitiar hfuierkt Uhland a. a. O. 44, Note 1 : Haddr, m. be- 
deutet nach Sn. Kdd. 2i)r>: Fraut-nhaar; doch ist zweifelhaft, ob eigent- 
li<*h odrr nicht, indem das Wort an einigen Stellen auch fbr Haar* 
tuch , Haarnchleirr gebraucht («ein kann; vgl. Kdda Saeroundar hin» 
Fröila etc. vx rccens. Kr. (*hr. Itask euravit A. A. Afzelius. Holn. 
1X18. 213 a. 1^67 b, K«»rmak!« S. 2«). ('her den Ausdnick: ^sem annal 
här** rSn. Fild. 130) ». .1. Grimm. Keinhart Fuclm iHcrl. 1834) rCLVU. 

Hrkaniitiich lialtni ili«* KrklUrer die goldhaarige Sif zu Ceres, au 
der ^tiv^Pfi ./i|\u»;r»;p (11. .*>. fMNO. und Mone nagt in seiner Geschichte 
dfs HfMdi'iith. 1, -\\>^: I^ii* Haarsehur der Sif i»t nichts anders als 
ilüi^ Sclin«'i<len di**« tit-tn-idi's. ihn? goldi'nen Haare, die sie daHlr be- 
k«>ninit , >ind ;:li'iclili(*f|i>uti'ii(i mit der goldenen Mähne des Kosses 
'(fiillfaxi]. di«' n-ife Saat, l'nd das Gi>ld ist liitT nicht etwa eine hlos 
iiicht«*rir»ehi\ iiiib**drut«'iide Ausschniiickiiii«; «HJer Vergleichung. sondern 
•'ine rielitiiTf Folge der teutsehen NatiiranHchauung. tiold and reife 
Saat sind beitle ;:«'Ib. j«-Mes i«*t di*> firuiidlage deh unorganischen Le- 
hi'iot. di«>e drit nlt■n^^ll!iclll■ll. - Di-!>;;leich« ii erseh**int auch nach 
rhiand a. a. n. 4,') 4i; .^f in dem ang«'filhrten Mythus als das Oe- 
treidt^feld. ileF>eii ;:iild«'ner Schmuck in di-r iilut det« S|ijltiiouiners ab- 
geüchnitt>n. dann aber vnn unsichtbar \%irkeniien Krdkraften neu |pe- 
wohen wird 

Amlere For8ch«-r, niiti zwar Keyi«er f Nnrdmaendenes religionsfor 
fitnii);; .Vm und W. MulN-r • Altiieut. Religion 2<*0) fassen die Vor- 
>t*'iliin:; zillgi'mi-iner aui. unt] iM-zit-hen sie auf das Gras, die Ftlanxen 
und dio lUatter. welche im Herbst»' «:«ib wt-rden. 

Sif berührt nieh lihrip ii?> mit Frikk» und Frouwa und Urimm 
tMyth. 2'*t> Htellt ihren Namen mit >ippia. Verwandt»chaft stisammeD; 
daFU b«Mnerkt er: dies«>m Wortvinn nach scheint Sif, gleich Frig^ umI 



SIF UND DAS FRAUENHAAR. 157 

Fre^rja, Göttin der Schönheit und Liebe. Nach Rochholz (Deut. Glaube 
und Brauch II, 220) bezeichnet ihr Name die Ehegöttin und nach 
Sif wird noch heute auf Island ein lichthaariges Kraut Sifs Haar (haddr 
Sifar polytrichum aureum, Magnusen, Lex. rayth. 691) genannt. Gleich- 
wie diese Pflanze auf Sif weist, ebenso deutet das sog. Frauenhaar, 
adiantum (döiavxov) rein lat. capillus Veneris auf Frouwa, Freyja und in 
Weigands D. Wörterb. I, 489—480 heißt es: das Frauenhaar, mhd. das 
vrouwenhär, dän. Fruehaar, isländ. Freyjuhaar, d. i. Kraut leuchtend 
gleich dem Haar der heidnischen Göttin der Liebe Freyja, ahd. Frouwa, 
an deren Stelle die christliche Zeit die, höchste Schönheit mit himm- 
lischer Liebe vereinigende Jungfrau Maria als unsere liebe Frau 
setzte, auch hier in unseren Pflanzennamen, wie die Benennung Marien- 
gras, norweg. Marigras zeigt; — ital. der capelvdncre, lat. der ca- 
pillus Veneris, wobei die Venus wieder zu Freyja stimmt (vgl. Grimm, 
Myth. 280). 

Das Frauenhaar besitzt überdies nach dem Volksglauben wie so 
manche andere Pflanze übernatilrliche Kräfte; denn es gilt als ein 
besonders kräftiges Zauberkraut und man glaubt einerseits, um ihm 
die rechte Kraft als Mittel gegen allen scbädlichen Zauber zu ver- 
leihen, müsse es in heiliger Zeit, bevor es gepflückt wird, mit einem ge- 
wissen Bannsegen „angesprochen" werden (Alpenburg, Tirol. Myth. 488). 
Anderseits wurde es wieder benützt, um in der Liebe zu befeuern, und 
zu Zaubermitteln mußte es an einem Freitag geholt werden. Man flocht 
es in früheren Zeiten in den Brautkranz, schrieb ihm verjüngende Kraft 
zu und die Leute glaubten, wenn jemand eine Lauge aus Frauenhaar 
bereite und sich mit dieser die Haare wasche, so würden diese lang 
und dicht (Montanus, Deut. Volksf. 142 und Perger^ Pflanzensag. 217). 

Nach Simrock, Myth., IV. Aufl., 233 und 379 ist die schönhaarige 
Sif Erd- und Regengöttin und nach der Meinung des Volkes befördert 
der erste Regen im Mai das Wachsthum der Kinder, besonders der 
Haare, wenn sie sich mit entblößtem Kopfe beregnen lassen. Daher 
stellen sich diese z. B. in Niederösterreich beim Regen im Mai ins 
Freie und rufen: 

Mairegn, Mairegn, 

mäch ma mai Hoar läng und ebn. 

Gleich Sif hatte ferner auch Allerleirauh, die Gänsemagd (in 
Orimms Märchen Nr. 65 und 89) sowie manche andere märchenhafte 
Jungfrau goldene Haare und erst kürzlich wurde mir eine Sage von 
der Entstehung des Frauenhaares mitgetheilt, welche lebhaft an den 



158 A. EDZARDI 

oben angeführten Mythus von Sifs Haar erinnert. Dieselbe entspricht 
überdies der dabei erwähnten Deutung und lautet : Es war einmal ein 
ungarischer Königssohn und dieser verliebte sich in eine Bauemdime, 
welche als größte Schönheit prachtvolle blonde Haare hatte. Das 
wurde seinen Eltern verrathen, welche die Dirne aufsuchen, ihr das 
Haar abschneiden und auf dem Felde verstreuen ließen. Daselbst 
faßte es Wurzel, wuchs und man nennt es jetzt noch Frauenhaar. 
Das Mädchen aber steckten sie in ein Kloster. Der Königssohn war 
trostlos darüber und kränkte sich so lange^ bis sein Leibdiener es 
ausfindig gemacht hatte wo das Mädchen verborgen war. Da eilte er 
hin, befreite es, dessen Haare inzwischen wieder gewachsen waren und 
heirathete es doch*). 

Dabei möge hier schließlich bezüglich dieser Sage noch erwähnt 
sein, daß nach der Edda (Grimnisuiäl und Gylfaginning) aus Ymirs 
Haar die Bäume geschaffen wurden und daß nach einer altfriesiscben 
Sage (in Haupts Zeitschr. 1840, I, 1) Gott bei der Erschaffung des 
Adam, Gras zum Haar nahm (vgl. Simrock a. a. O. 22 und dessen 
Altd. Leseb. 1859, S. 41). 

STOCKERAU in Niederösterreich. 



KLEINE BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE UND 
ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 



I. 

Unter diesem Titel sollen hier verschiedene anspruchslose Be- 
merkungen, die sich mir bei wiederholter und eingehender Beschftfti- 
gung mit den Eddaliedern aufgedrängt haben und die mir immmerhin der 
Veröffentlichung werth erscheinen, in losem Zusammenhange an ein- 
ander gereiht werden. Für die Geschichte und Erklärung der Edda- 
lieder bleibt immer noch so viel zu thun übrig, daß, denke ich, eine 
jede, wenn auch noch so unbedeutende Förderung hier willkommen 
sein muß. 



*) Diese Sage verdaDke ich der gütigen Mittlieilung des Fräalein Clarm 8cha- 
bcrth (Tochter des k. k. Notars Dr. 8. in Stockerau), der sie von ilirer aat dem nie- 
derösterr. Waldviertel gebürtigeo Tante erzählt wurde. 



BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 159 

1. Zu den Helgeliedern. 

Helgakvida Hiorvardssonar. 
Im ersten Abschnitte der durch Prosastilcke verbundenen Liedfrag- 
mente tlber die Sage von Helge Hiorvardsson ist die richtige Anordnung 
offenbar ge8t(!^rt. Das Gespräch Atles mit dem Vogel [Str. 1 — 4*) mit der 
einleitenden Prosa Z. 10—14] steht offenbar nicht an riclitiger Stelle. Dar- 
auf weist schon der Prosasatz nach Str. 4: pettn vai* ddr Atli fceri (d. h. 
vor der in Prosa Z. G ff. erzählten Werbefahrt Atlo's). En er kann kom 
heim (vgl. Prosa Z. 10 ok fdr Atli heim) ok konungr spurdi kann tidinda, 
hann kvad (Str. 5). Darnach würde — nach der Ansicht des Sammlers 
— das Gespräch zwischen Atle und dem Vogel vor Prosa Z. 6 oder 7 
gehören. Doch fielen die Einzelheiten dieser Scene dem Sammler zu 
spät ein; er schrieb sie nun^ wo sie ihm einfielen, und suchte das mit 
den Worten petfa var ddr u. s. w. auszugleichen. Auch Grundtvig 
hat dies bemerkt und — wohl von der Annahme ausgehend, ein 
Schreiber**) habe durch Unachtsamkeit die Umstellung veranlaßt — 
Prosa 140, 7 — 10 hinter ddr Atli fceri gestellt***). Doch glaube ich, 
daß nicht SchreiberflUchtigkeit, sondern mangelhaftes Gedächtniss des 
Sammlers die schlechte Anordnung verschuldet hat; darin bestärkt 
mich die Beobachtung, daß die Strophen 1 — 4 da gar nicht passen, 
wohin sie nach der citierten Prosabemerkung des Sammlers gehören 
Bellen und wohin Grundtvig sie setzt. Wozu die langen Verhandlungen 
mit dem Vogel, der schließlich helfen will, wenn doch kein Erfolg 
bei der Werbung erzielt wird?) Diese ganze Scene kann also nur 
auf die zweitef) Werbefahrt (unter König Hiorvards persönlicher Be- 
theiligung) sich beziehen (d. h. ihr vorausgehen), wobei Atle den Hüter 
der Sigrlinn, der in Adlersgestalt auf dem Hause sitzt, tödtet Das 
muß der Vogel ftir den in Str. 4 ausbedungenen Lohn dem Atle ge- 
rathen haben, wenn das Gespräch einen Sinn haben soll. Dies Ge- 
■präch ist demnach offenbar am Schlüsse lückenhaft, indem noch die 
Zusage der Bedingungen und der Rath des Vogels folgen mußten : dem 
Sammler aber fielen nur die ersten vier Strophen ein, weswegen er 



*) Ich eitlere nach Hildebrands Ausgabe. 
**) Dies ist mir nicht wahrscheinlich, da sich die Umstellung sehr wohl aus 
mangelhaftem Gedächtniss erklärt, ein äußerer Grund für Abirren des Auges aber 
nicht ersichtlich ist. 

***) Derselben Ansicht war schon Rosselet. Viel kfihnere und jedenfalls un- 
nOthlge Umstellungen hat Ettmüller in seinem * Altnord. Lesebuch' vorgenommen. 

t) Man wird also 1, 1 — 4 besser nicht als Frage auffassen, sondern als Hin- 
weis auf die erste (erfolgte) Werbefahrt Atles. 



160 A. EDZARDI 

sie irrthtimlich auf die erste, vergebliche Werbung bezog. Darum meine 
ich einerseits, daß die Umstellung Grundtvigs ungerechtfertigt ist; 
andererseits aber scheint mir diese Stelle, wie kaum eine andere*) ge- 
eignet, das Verfahren des Sammlers zu beleuchten. 

Str. 28. Hier kann ich nicht mit Ettmüller (Lesebuch p. 7) in 
Vers 1—3 eine vollständige erste Halbstrophe sehen, zu der die zweite 
fehlt; vielmehr muß (vor? und) nach 1 etwas fehlen: prennir niundir 
meyja \])6 reid ein fyrir**) gibt einen ungenttgenden Stabreim, denn 
e in ein müßte Reimstab sein. Ebensowenig kann ich Vers 4 — 9 filr 
eine vollständige Strophe halten, denn 1. würde diese Strophe auch 
nach EttmüUers Änderung holdum noch metrisch unrichtig sem, da 
ihr die Cäsur in der Mitte fehlt; 2. ist es wohl begreiflich, daß Von 
den Mähnen der Rosse' derValkyrjen 'Hagel in hohe Bäume ftllt', 
nicht aber * segnen der***) Thau in tiefe Thäler. Vielmehr muß 
letzteres irrthümlich aus einer verlorenen Strophe über Hrimfaxe (vgl. 
Vaf J)r. 14, 4 — 6) hierher gerathen sein. 

Str. 33—35. Zu Str. 33 meint Hildebrand, daß Vers 7 f. und 
11 f. Zusätze seien und dies wäre schon möglich, namentlich 11 f. sieht 
darnach aus. Indessen, wenn wir von der Prosa hinter Str. 34 die 
Zeilen 6 — 9 betrachten, so scheinen dieselben aus einzelnen Andeu- 
tungen verschiedener Strophen vom Sammler zusammengestellt zu sein 
und zwar als Erklärung für Strophe 33(— 34) : Alfr (39, 5) hit hmungr 
(33, 5) ' [sonr Hrödmars], er Helga hafdi voll haaladan (33, 6) d Priggja 
ndtta fresti (33, 7 f). Daß Alfr Hrödmars Sohn war, dafür fehlt 
ein Anhalt in den uns erhaltenen Strophen; indessen konnte das der 
Sammler wohl auch ohne Anleitung dieser Strophen wissen (vgl. p. 142 
Prosa Z. 9, p. 143 Prosa nach Str. HZ. 6). Wir werden also an- 
nehmen müssen, daß schon der Sammler Str. 33 mit den Versen 7 
und 8 kannte. 

In der eben besprochenen Prosa Z. 9 f. heißt es weiter: Par vor 
O7*ro8ta mikilj ok fekk Jjar Helgi banasdr. Diese Worte stehen in R 
unmittelbar vor Str. 36, wohin sie auch unbedingt gehören. Hildebrands 
Grund für seine Umstellung [^vegfR-f) — das Präter. konnte Helgi 
nur nach dem Kampfe gebrauchen"] verstehe ich nicht, denn veginn 
mundi heißt doch „daß erschlagen werden würde". Freilich stehen 

*) Ähnliche Stellen werden weiter unten besprochen. 
**) Vgl. H. Hiorv. p. 142: II. Prosa, Z. 3. 
*•*) padan kömr med oldum Ar, 
t) A, so ist statt R (= Rask) zu bessern. 



BEITR&GE ZUR GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 161 

die Prosastttcke p. 148; 6 — 10 in engem Zusammenhange und Par kann 
Bioh auf d Sigarwelli (Prosa Z. 8) ebenso gut beziehen wie auf d 
SigarwoVum (Str. 35^ 8); aber gerade das weist uns auf den rechten Weg. 
Es ist nämlich klar, daß Str. 35 ursprünglich nicht inmitten der 
Prosa gestanden haben kann, vielmehr wahrscheinlich nach Str. 34 und 
vor pat kvad Helgiy pviat etc. Dahin haben sie auch außer AM neuer- 
dings Bugge und Grundtvig gestellt, jedoch ohne weitere Begründung. 
Die Str. 34 spricht Hedin unzweifelhaft '^), imd doch muß nach der 
Prosa P(U kvad Helgi vorher Helge gesprochen haben. Umstellung 
von Prosa 1—5 vor Str. 34 (= AM) wäre ungerechtfertigt und be- 
seitigt auch nicht alle Schwierigkeiten. Verwechslung der Namen aber 
ist hier dem Inhalte der Prosa nach unmöglich^ vielmehr bezieht sich 
dieselbe deutlich auf Str. 35. Ich nehme an, daß sie vom Sammler 
richtig zwischen Str. 34 und pat kvad Helgi etc. gestellt (vielleicht am 
Rande nachgetragen?) war. Der Schreiber von R (oder einer älteren 
Hs.) ließ die Strophe durch Versehen aus, ward aber bei den Worten 
der Prosa d Sigaravelli an die mit d SigarsvoUum endigende Strophe 
erinnert: er merkte, daß er sie ausgelassen und schob sie mit den 
Worten pd kvad Helgi (anknüpfend an pat kvad Helgiy Prosa Z. 1) in 
die Prosa hinein. — EttmüUers Umstellung, der die Str. 35 zwischen 
41 und 42 setzt, ist hübsch aber unnöthig kühn. Kesselet, will die 
Strophe da einfügen^ wo die Nr. IV einleitende Prosa (Z. 6 — 8) offen- 
bar eine 35, 1^4 ähnliche Halbstrophe benutzte. Auch dies finde ich 
ungerechtfertigt, doch fährt es mich auf einen anderen noch zu er- 
örternden Punkt. 

Ich befinde mich hier nämlioh im Widerspruch gegen die von 
Symons gelegentlich (P.-B. Beitr. IV^ 182 f) ausgesprochene Ansicht, 
daß die Prosa der Hkv. Hiorv. nicht auf verlorenen Strophen be- 
ruhe. Aber für die Einleitungsprosa von Nr. IV wenigstens erscheint 
sie mir nicht zutreffend, denn hier liegt meines Erachtens die Be- 
nutzimg verlorener, schon vom Sammler halbvergessener Strophen 
deutlich am Tage. Wenn ich nun im folgenden mich bemühen werdoy 
dies wahrscheinlich zu machen und zu diesem Zwecke eine Recon- 
straction der vorauszusetzenden Strophen wage^ so könnte ich hier wohl 
wieder bemerken, daß es sich dabei nur um ein „so oder ähnlich^ 



*) Daß Helge Str. 34, 6—8 spreche ist nicht wohl anzunehmen, es mttßte denn 

Bwisehen Yen 4 nnd 6 eine Lücke sein. Aber unser Text gibt guten Sinn, wie ihn 

■ehon AM richtig verstand: jetzt aber ziemt es dir mehr, das Schwert (an mir) zu 

rtMüD alt deinen Feinden (als deren einer ich mich gezeigt habe) Frieden zu gew&hren*. 

emunA. Nene Reihe XL (Xim.) Jalurg. 11 



162 A. EDZARDI 

handeln kann^ daß es mir nur auf die Möglichkeit der leichten Her- 
stellung einer Strophe aus den Worten der Prosa ankommt, nicht auf 
die Sicherheit der Herstellung in allen Einzelheiten. Indessen habe 
ich mich in ähnlichen Fällen hinsichtlich der mhdd. Gedichte 'Klage' 
und *^Oswald' überzeugt, daß auch die bündigste Erklärung solcher 
Art bei denjenigen, denen gegenüber sie besonders nöthig erscheinen 
könnte, nichts fruchtet. Ich beschränke mich also hier darauf zu be- 
merken, daß ich mit meinen Keconstructionsvcrsuchen nicht mehr and 
nicht weniger bezwecke als z. B. Bugge mit den seinigen. Die Prosa, 
welche ich durch Zusätze in [ J und durch Ausscheidung prosaischer 
Zusätze in ( ) zu Versen und Strophen umzugestalten suche, lautet: 

Hedinn var hcima med (fodur sinum,) Hiorvardi (konungi, f No- 
regi). (Hedinn) for [hannj einn saman (heim or sk<Sgi) [um] iölaaptan | 
(ok fann troUkonu; su) rcid fä|vargi |= 35, 1| (ok) hafdi [v]orma at 
taumum, (ok baud fylgit siiia llcdni;) [dafür vielleicht = 35, 3 f. fliod 
eitt, er Hcdin fyigju bciddi.J (Nci, sagdi hann. Hon sagdi;) \dafür: 
.... I .... I jiess skaitu (gialda) \dafilr: boeta] at bragarfulli (= 32, 6). 
(Um kveldit oru heitstrongingar, var framiciddr sönargoltr*), logda 
(menn Jiar) A liondr fsinar) ok strcngdu mcnn (jia) heit (d. i. & logda 
liendr ok heit strcngdu, budlungs (V) mcnn| at bragarfulli). 

Ilcdinn strengdi heit til Svävu, | Eylima dottur, unnustu Helga 
(brödur sins). JHe zweite Ilalhsfrophe ttfeckf in idradisk — fann Helga. 

Es fällt mir, wie gesagt, nicht ein, derartige Herstellungen fhr 
auch nur cinigermasscn sicher auszugeben, denn es kommt mir nur 
darauf an, das Durchblicken verlorener Strophen, also einer poetisdien 
Quelle zur Anschauung zu bringen. Sicher beweisen läßt sich so 
etwas natürlich nicht. Wer übrigens den Wortsehatz und Stil dieser 
Prosa vergleicht mit den Stellen, die des Sammlers eigenstes Prodoet 
sind oder wo er doch keine halb vergessenen Strophen amschrieb, der 
wird finden, daß jene abgerissenen, ziemlich unbeholfenen Sätze, deren 
Wortbestand nicht über den dürftigsten Vorrath hinaus geht, wesent- 
lich verschieden sind von Stellen wie unsere Prosa 5 — 13: utmadOf 
villiatigr^ sönargoUr^ bragarfull u. dgl. sind Wörter, die nicht danuch 
aussehen, als ob sie dem dürftigen Wortrepertoire des Sammlers ange- 
hörten**). Zu beachten ist übrigens, daß die auf poetischen Quellen 

*) In Um kveldit . . var fram. »on. steckt die erste Halbstrophe. 
**) Bestimmter wage ich mich nicht auszudrücken, weil noch durch keine «n- 
gehende Untersuchung annähernd festgestellt ist, wo wir Zusätie des Sammlers und 
nicht Auflösung von halbvergessenen Strophen, mit Wahrscheinlichkeit in 
haben; eine solche Untersuchung erst würde die Möglichkeit gewlhreii| den 
gebrauch des Sammlers festzustellen. 



BETTRiOE ZUR GESCHICHTE UND ERKLÄRUNO DER EDDALIEDER. 163 

beruhende Hervararsage (FAS I; 531 f. = Bugge p. 233) in den letzt- 
genannten sonst nur vereinzelt belegten Wörtern und überhaupt in 
der ganzen Schilderung vom Gelübde beim bragarfull mehrfach fast 
wörtlich übereinsimmt. 

Str. 39, 5 f. : 

Alfr man Bigri t><^tt |)etta sinn 

ollom r&da, )>orfgi vaeri. 

„wenn es auch diesmal nicht nothwendig (d. h. bestimmt) gewesen 
wäre, wird Alf überall den Sieg (jeden Sieg) haben^. Das Verlassen 
der fylgja hatte Helges feigd angekündigt (Str. 35). porf geht zu- 
weilen fast in die Bedeutung 'Schicksalsbestimmung' über, z. B. Sig. 
sk. 45, 4. 

Str 42: Svava: 

MsbU hafda ek ))at uiyndiga ek lostig 

i monarheimi, at lidinn fylki 

}>& er m^r Helgi iofur ökunnan 

hringa valdi: armi verja. 

Hier hat man*) einmal; indem man okunnan = 'mir unbekannt' 
deutete, eine Zustimmung Svavas dazu sehen wollen, daß sie auf 
Helges Wunsch sich seinem Bruder Hedin vermähle — gewiß mit Un- 
recht; denn das gibt einen sehr matten Sinn bei gezwungener Erklä- 
rung* Oder aber man**) hat darin eine unbedingte Abweisung 
finden wollen {iofur ökunnan = überhaupt keinen Mann ausser Helge) 
— aber das liegt nicht in den Worten und widerspricht der ganzen 
Anlage des Liedes. Sollte dies wirklich das Ende sein^ wozu dann 
Hedins Gelübde, wozu Helges Entsagung und des Sterbenden letzte 
Bitte an Svava, dem Hedin zu willfahren? Alles läuft offenbar darauf 
hinaus, daß Hedin schließlich die Svava besitzen soll. Geschieht auch 
im Leben vieles zwecklos, so doch kaum in einem alten nordischen 
Volkslied. Man könnte sagen ^ die Weigerung Svavas trotz aller 
aufgewandten Mühe solle die Größe ihrer Liebe zu Helge hervorheben. 
Ich bezweifle aber, daß es dem Charakter der altnordischen Helden- 
dichtung gemäß wäre, wenn Svava dadurch ihre Liebe zu Helge 
erweisen wollte, daß sie dem Sterbenden seinen letzten Wunsch ab- 
sehlägt. Indessen ist das mehr Gefühlssache. Entscheidend ist^ daß 
einmal der Text sich nur schwer der in Rede stehenden Erklärung 
filgt, sodann aber, daß bei dieser Erklärung die letzte Strophe (43) 



*) So LOning. 
••) So Wis^n. 



164 A. EDZARDI 

kaum verständlich wäre. Alles kommt darauf an, wie man (flfctiitii-r 
zu verstehen hat. Dies bedeutet aber hier wohl ^unbekannt durch 
eine Heldenthat^ unberühmt'''); Hedin ist aber noch jung und 
unerprobt« Dann stimmt vortrefflich die letzte Strophe: 

Kjstu mik, Sy4ya! &dr ek hefnt hefik 

kern ek eigi 4dr Hiorvards sonar, 

Rogheims k vit l^ess er badlungr var 

nd Rodalsfiallai beztr und sola. 

Also Hedin verzichtet nicht unbedingt, er kann demnach auch 
nicht unbedingt abgewiesen worden sein. Er will nur berühmt durch 
eine Heldenthat (die Rache für den Bruder) öder gar nicht wieder- 
kehren — doch wohl; um sich mit Svava zu vermählen. So gewinnt 
auch das kystu mik, Svdval (welches bei der von mir eben bestrittenen 
Auffassung in Hedins Munde unverständlich wäre, dem Helge aber 
aus verschiedenen Gründen nicht in den Mund gelegt werden kann) 
eine besondere Bedeutung: es ist der Brautkuß (vgl. Zamcke, Beitr. 
z. Erkl. etc. des NL.'s p. 217; Gr. RA«. 432, 15; Weinhold, Altn. Leben 
p. 243; Fiolsvinnsmäl (Bugge) 48,3; Helg. Hund. H, 13,5?). Alao 
Svava verlobt sich dem Hedin, sie will ihm aber — ihrem Gdübde 
gemäß — erst angehören, wenn er (und zwar durch die Tödtung des 
mächtigen (39, 5 f.) Alf, an dem er Helge zu rächen hat) sich Helden- 
ruhm erworben hat. So erweist sich die bedingungsweise Ablehnung 
der Svava als ein wichtiges Motiv in der Fortentwickelung der Sage: 
Hedin muß — seines Gelübdes wegen — Svava besitzen oder sterben, 
und nachdem durch Helges Tod die erstere Möglichkeit gegeben 
ist, wird diese durch Svava an die Bedingung geknüpft, daß Hedin 
zuvor (durch die Bruderrache) sich als Held erwiesen haben mOsse. 
So wird Hedins Bruderrache veranlaßt, und der Übergang Svavas 
an Helges Bruder wird durch dessen letzte Bitte schön vorbereitet 
und begründet. Wie Hedin die Rache vollbringt und ob er lebend 
zu Svava zurückkehrt, das läßt der Schluß unseres Liedes freüich 
unbestimmt. 



*) So mehrfach noch kudr = 'berühmt' in der Poesie (siehe die Belege 
Egiisson). Man denke übrigens an Brynhild, die nur dem unerschrockensten neh ver- 
mählen wollte, und Gunnar nur angehören mag, wenn er (durch Signrds Tod) i(^wr 
odrum mdri geworden ist (Sig. sk. 11, 9 f.). 



BETTRiOE ZUR GESCHIGHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDAUEDER. 165 

Helgakviäa Hundingsbana 1,22,5 — 8: 

idgnögan brognum bioda 

6gnar liöma ok buram ))eira« 

Man faßt hier ognar liömi = 'Flußglanz', d. i. Gold, ebenso 
noch in Fifn. 42, 8 (so Egilsson 616^ der doch selbst zu schwanken 
scheint). Sonst heißt ögnar liömi 'Schreckens-Glanz^ Kampfglanz, d. i. 
Schwert, Schild oder allgemein: Waflfen*). Diese Bedeutug nun scheint 
mir an unserer Stelle eben so gut zu passen wie * Gold' : der König 
läßt seinen Mannen, die er zum Kampf entbietet, Waffen bieten; 
Goldvertheilung sollten wir erst nach beendetem Kampfe, zur Beloh- 
nung erwarten. Jedenfalls brauchen wir nicht um unserer Stelle willen 
eine von der gewöhnlichen abweichende Bedeutung von ögnar liömi 
anzunehmen, und es ist die Frage, ob wir tiberhaupt berechtigt sind 
die kenning = 'Gold' zu fassen. Freilich ist unter den ca. 70 Fluß- 
Benennungen in Sn. E. auch eine ögn (1,577,2**); aber diese Fluß- 
namen, die unbekannteren wenigstens, dürften wie die meisten der 
„reguli maritimi^ doch nur als letzter Nothbehelf heranzuziehen sein, 
und da sonst ögn meines Wissens nicht = 'Fluß' gebraucht wird, 
werden wir die andere mögliche Erklärung mit der gewöhnlichen Be- 
deutung vorziehen müssen. — Auch in Fdfn. 42, 8 paßt diese Bedeu- 
tung sehr gut und besser als ^Gold'. Die Strophe lautet: 

Salr er 4 h4vu |)ann hafa horskir 

Hindarfjalli, halir um görvan 

allr er hann ütan or odükkura 

eldi sveipino; ognar lioma. 

Der Saal, den die Flamme umzügelt ist aus leuchtenden Waffen 
gebaut, d. h. es ist eine Schildburg. Vgl. Ilelreid Str. 9 f. und be- 
sonders die Prosa vor Sigrdr. Z. 2 ff.: -/l fiallinu sd hann liös mikity 
9vd sem eldr brynniy ok liömadi af Hl himins. En er hann kom at, pd 
9iöd ])ar skialdhorg etc. 

Str. 30 — 31. Bekanntlich gibt die Prosa in der sog. Helg. Hund. 
n nach Strophe 16, Z. 1 — 27 in gedrängter Form den Inhalt von H. 
H. I, Str. 22—53 wieder, nämlich: 1—2 {Helgi-skipaher) = Str. 22 
bis 26; 2—4 (— mannh(rtt) = Str. 27—30; 7—9 {ok kendu—lands) = 
Str. 31; 9-14 (- seglum) = Str. 32***); 14—22 = Str. 33—47; 23 bis 
24 (— hersogu) = Str. 48-49, 24 ff. = Str. 52 f. 

*) fiögnar IJömi bedeutet 'Gold'; es könnte auch * Schwert' oder Waffen über- 
hMipt bedeuten**, Lüning. 

**) 676, 7 steht oyn schon einmal, aber wohl mit Unrecht; vgl. die Lesarten. 
***) Vielleicht war der in der Prosa benutzte Text der Helgakvida (I) hier 
Doch Tolbtändiger als die manche Schwierigkoiteu bietende Überlieferung des Regins 
in Str. 32 (vielleicht standen hier ursprünglich zwei Strophen?). 



166 A. EDZARDl 

Nur die Zeilen 4 — 7 der Prosa pa kvdmu leiptr yfir pd^ ok ttöiu 
geialar i skipin, peir ad i loptinu at valkyijur niu*) ridu (pk kendu peir 
Siginmu) iinden in der Strophenreihe I, 22 — 53 keine Entsprechung; 
wohl aber entsprechen die unvollständig überlieferten Strophen 15 — 16 
der Helgakvida (I). Daher ist es einerseits wahrscheinlich, daß 
der Verfasser der Prosa an dieser Stelle^ zwischen Str. 30 und 31 eine 
oder zwei den Strophen 15 — 16 ähnliche kannte, daß also das Er- 
scheinen der Valkyrjen an beiden Stellen in formelhafter Weise mit 
nahezu denselben Worten geschildert war; andererseits, daß die 
Ergänzung der Ltickc zwischen 15, 4 und 16, 3 wenigstens theilweise 
aus den Worten der Prosa peir ad i loptinu at Vcäkyrjur niu ridu zu 
entnehmen sein wird**). 

Helgakviäa Hundingsbana \U 
(Volsungakvida in foma). 

Str. 21. Des verschiedenen Versmasses wegen ist die Strophe 
möglicherweise Fragment eines Parallelliedes in Ijödahittr, wenigstens 
hat die Verbindung zwischen ihr und 20 durch einen Prosasatz (pd 
ffret Sigrun'j kann kvad) hergestellt werden müssen. Doch glaube ioh 
eher, daß eine Entstellung aus ursprünglichem kviduhättr vorliegt***). 
— In Vers 1 halte ich lißia nicht für Acc. PL eines aus lifnum (46, 8) 
zu erschließenden lißnn (wie Egilsson und C. V.)^ sondern fiir den 
Infinitiv von lifna 'in den Zustand des Lebens eintreten (C. V. 388** 
^reuive). Die Strophe 21 enthält nämlich eine deutliche Anspielung 
auf die Hildensagc, wie Simrock (6. Aufl.^ S. 429) schon bemerkt 
hat: Sigrun ist auch die Tochter eines Hogne und veranlaßt auch ihren 
Geliebten (Gatten) zum Kampf gegen ihren Vater. Daher heißt es 
Hildi' heßr pu aas vent 'du bist für uns eine Hildr (wie Hilde) ge- 
wesen. Die Verse 4—6 schreibe ich mit den älteren Ausgaben gegen 
Bugge (Tilläg), Grundtvig und Hildebrand der Sigrun zu, namentlich 
weil ich in dem lifna munda ek nu kiöaa er lidnir eru mit Simrook 
eine Anspielung auf die Erweckung der Todten durch Hilde sehe: 
^ich würde wählen, daß sie wieder auflebten, die gefallen sind^ dürfte 
ich dir doch am Busen ruhen'. 



*) Vgl. Helg. Hjorv. II, einleitende Prosa 2—3. 
*♦) {..d hannj Vcdkyrjur niu \ til vaU(fJ rida (ridu)f 
♦**) Vers 3: tnmia-< skioldungar akopum [nomaf] = Fifa. 44, 7 f.; Vsfi 6: 
ok ek J)h p6 i fadmi \felcuk l-nreUaf Mit Umstellung von hugUa. 



BEITRÄGE ZUK GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 167 

Helgakvida Hundingsbana IP. 
Str. 35, 5 ff.: 

nema at lidi lofdungs renni und visa 

liöma bregdi, VigblaBr hinig eto, 

lid hat hier Schwierigkeiten gemacht. Man hat zumeist dahinter die 
Bedeutung* Grabhügel' gesucht*) und deshalb 2ez(fi lesen (Scheving) oder 
lidi = hlidi verstehen (Grimm), oder auf noch andere Weise durch 
Änderung hellen wollen (wie die AM. oder Grundtvig); indessen er- 
klärt Bugge mit Recht 'lijri R, af lid Folk'. Vermuthlich denkt er sich 
also dieselbe Erklärung, die ich hier gebe: 

Von einem flammenden Grabhügel kann hier gar nicht die Rede 
sein, denn Flammen zucken um einen Grabhügel anscheinend nur zur 
Abwehr — was hier gar nicht zutriflft — und zwar kommt das vor 
bei Unholden, die in ihrem Hügel hausend gedacht werden (z. B. Her- 
yararkvida, Hrömundarsaga in FAS. II, 368). Helge aber ist nicht 
in seinem Hügel, sondern in Valholl, von woher er Str. 39 f. ausnahms- 
weise durch die Luft ifltigatig 48, 4) in den Hügel zurückkehrt Daß 
▼on diesem Ritte durch die Luft hier die Rede ist, zeigen die fol- 
genden Worte renni und visa VigbUer hinig. Helge reitet also denselben 
Weg, wie die Valkyrjen, wenn sie von Valholl aufs Schlachtfeld herab- 
reiten. Beim Ritte der Valkyrjen wird aber mehrfach der von ihnen 
moBgehende Glanz erwähnt und zwar in Helgakv. (I) 15, 1 mit den- 
selben Worten wie an unserer Stelle: pd hrä liöma. Also der Glanz 
•oll, an unserer Stelle, ausgehen von Helges Ritt, wie von dem der 
Valkyrjen. Hängt das vielleicht damit zusammen, daü Helge nach 
48,2 rodnar hrautir reitet, d. h. Bif-rost, den Weg vom Himmel 
zur Erde, den doch auch wohl die Valkyrjen reiten müssen, und auf 
dem nach Grimn. 29, 7 f. [und Gylf. Cap. 15] Feuer brennt?**) lid 
werden wir nun unbedenklich auf Helge mit seinem Gefolge zu 
beziehen haben, denn er kommt nicht allein: 39,4 heißt es: rufa 
menn daudir (vgl. vir 40, 5; oss 40, 4; er 39, 5) und auch nach der 
Prosa reitet Helge til haugsins med marga menn, — Die Verse 5 — 6 
heissen also : 'es sei denn, daß am Gefolge des Fürsten (an der Schaar 
des Fürsten) Glanz strahle' (eigentlich: es Glanz schwinge***). 

•) Einen flammenomzuckten Grabhtigel wie z. B. in der Hervararkvida. 

••) An durch Morgenroth *geröthete Wege*, wie Lüning meint, ist nicht «u 

denken, da Helge vor Morgengrauen (*ehe der Hahn das Siegesvolk weckt*) 'westlich 

[man reitet also nach Valholl in westlicher Richtung] der HimmelsbrÜcke' sein maß. 

Vindhialms (des Windhelms, d. i. des Himmels) Brücke ist Bifrost (= rodfiar brautir), 

•♦♦) *Wenn nicht ein Glanz hervorbricht, at lidi lofdtmga^ bei dem Gefolge des 

? Lüning. 



168 A. EDZARDI 

Str. 45 fr. Hier scheint auch (vgl. oben p. 160) durch Venehen 
des Sammlers (oder eines Schreibers?) eine Umstellung vorgekommen 
zu sein. Es heißt: 

45, 9 ff. nü eni brüdir lofda disir 

b3rrgdar i haugi, hi& oss lidnnm. 

Sigrün bi6 sseing { hauginum: 

46, 1 f. Hör hefi ek p6r, Helgi, hvilu görva eic. 

Auf die tieftraurige Klage Helges in Str. 44 folgt in unserer 
Überlieferung Str. 45, in der Helges Stimmung auf einmal in die 
hellste Fröhlichkeit umschlägt; ohne daß eine Veranlassung ersicht- 
lich ist*). Der kurze Prosasatz Sigrun — hauginum weist uns den Weg 
zur richtigen Erklärung. Man übersetzt ihn: ^Sigrun bereitete ein 
Bett im Hüger, aber dazu hatte sie in diesem Augenblicke schwerlich 
Lust und Muße. Es heißt: *Sigrun hatte [nämlich] im Hügel ein 
Lager bereitet' (vgl. oben p. 159 f., unten p. 169 f.). Wir haben 
also hier wieder einen der kurzen Prosasätze ^ die andeuten, daß 
der Sammler eine durch Strophenauslassung veranlaßte Unordnung 
wieder in Ordnung bringen wollte. Vor 45 muß demnach eine Strophe 
erzählt oder angedeutet haben, was der Sammler hier berichtet , das 
aber trifft zu bei Str. 46 , welche der Sammler dem in Rede ste- 
henden Prosasatz folgen läßt. Ich glaube also, daß Str. 46 vor 
45 gehört und daß der Sammler (oder ein Abschreiber?) die Aus- 
lassung bemerkte, weil Str. 47 nach Auslassung der Str. 46 schwer 
verständlich war, wohl auch weil er, da 46 nicht vorherging , ein 
Mißverständniss der Verse 45, 9 — 12 befürchtete^ welche lauten: jjetst 
wollen wir froh sein und des Leides vergessen , denn] nun sind Frauen 
im Todtenhügel, menschliche**) Frauen bei uns Todten (d. h. nun 
ist mein Weib lobend mit mir dem Todten im Hügel vereinigt). 
Lofäa disir geht also natürlich auf Sigrun^ was nach Str. 46 gar 
nicht zweifelhaft sein konnte. — So haben wir nun einen triftigen 
Grund für Helges ümstiramung: auf seine Vorwürfe in Str. 44, daß 
Sigruns Trauer ihm kummervolle***) Nächte bereite, erwiedert sie in 

*) Daß Helge der Sigrun nicht etwa hier seinen (bisherigen) Aufenthalt in Val- 
hoU zu ihrem Tröste als einen angenehmeren schildern will, folgt aoa den Worten 
skulum (1) und mi eru . . . i haugi (9 f.). Daß Helge der Sigmn etwa im QegensatM 
zu ihrer in Str. 44 geschilderten Trauer ein anderes Verhalten empfehlen wolle , UM 
sich aus den ersten Worten des Textes ebensowenig herausdeuten 

**) lofda disir 'nymphao humanao* AM, im Gegensatz zu lidnum (nicht * KSoigi* 
Frauen wie man zu übersetzen pflegt). 

***> ekka pnmgit (Vers 11 f. wird wohl besser auf briSst als auf hoerl beiogiD). 



BETTRiOE ZUB GESCHICHTE UND EBKLÄRUNO DER EDDALIEDER. 169 

Str. 46: Her hefi ek per^ Helgij hvÜu gäi^a angrlausa miok; sie hebt 
also ausdrücklich hervor, daß er hier eine kummerlose Rast bei 
ihr finden soll. Nur so wird es verständlich, warum dies hier noch 
besonders betont wird. 

2. Zur Volundarkvida. 

In der Prosa zwischen Str. 16 und 17 haben wir einen dem eben 
besprochenen ähnlichen Fall. Ich gehe von Bugges Ergänzung der 
lückenhaften Str. 16 (nach der Parallelstrophe 30) aus, welche bei dem 
formelhaften Stil des Liedes"^) sehr natfLrlich, ja nothwendig ist, zumal 
diese Herstellung alle anderen gezwungenen und doch keineswegs ge- 
nügenden Erklärungsversuche unnöthig macht und alle Schwierigkeiten 
auf din Mal beseitigt. 

Also in Str. 16, 7 f. spricht die Königin. Daran schloß sich 
Str. 17, in der auch die Königin spricht, in der ursprünglichen Über- 
lieferung unseres Liedes unmittelbar an und so waren beide auch 
dem Sammler als zusammenhängend im Gedächtniss; aber ehe er 



») 4, 1—4 = 10, 1—4; 21, 1-4 = 23, 6—8; 29, 6-8 vgl. 38, 1-4. Die- 
selbe Form in Frage and Antwort findet sich 40, 1—4 = 41, 1 — 4; Volund berichtet 
die in Str. 24—26 erzählten Ereignisse dem Könige mit den gleichen Worten 34, 6 
bis 86, 4. Dieser ParaUelismus spricht dafür, daß mit Str. 23, 6 und 24, 6 eine neue 
Strophe xu beginnen ist; 26, 1 — 2 gehören zu 26, 6 — 8, darauf fehlen 2 Verse. So 
erbalten die gleichen Partien einen durch den Gegensatz wirksamen Abschluß: Jbd nam 
BodvUdr bisugi al hrosa gegenüber dem nSt gengr Bodvildr bami aiukin. Vor 26, 6 
fehlen demnach nicht 3, sondern 6 Verse. Vor 23, 1—4 aber scheint eine Halbstrophe 
so fehlen, etwa „als sie am anderen Morgen erwachten** oder dgl. 

Auch Str. 23, 6-8 (= 21, 1-4) und 29, 6 ff. (= 38, 1 ff.) werden neue 
Strophen beginnen. Das sehr hübsche Verspaar 29, 9 f. darf man gewiß nicht mit 
Grondivig entfernen, da es — zart genug — durch fridiU andeutet, was zwischen 
Yoliind und Bodvild vorgefallen ist. Darnach scheint ein Verspaar zu fehlen. Ebenso. 
fehlt wohl vor 29 eine Halbstrophe (die Herstellung der Flügel?). An der entspre- 
chenden Stelle 38 ff, finde ich Grundtvigs Conjectur sehr einleuchtend; denn wie 
8tr. 39 dasteht, findet man in den 6 Versen nirgends die nach je einer Halbstrophe 
sothwendige Strophencäsur: nach Grundtvig's Vermuthung aber gehörte 39, 1—3' zu 
88» aber 89, 3**- 6 (4 Verse) zu 40. Von 41, 7 f. und 9 f. halte ich das 6ine Vers- 
paar für eine in den Text gerathene Variante der mündlichen Überlieferung. Ich 
machte also von Str. 21 an so theilen: 21, 1—8; — 22, 1—8; — 4 fehlende Verse + 28, 
1—4; — 23, 1—6 + 24, 6—8; — 26, 6-8 + 26, 1—2 nebst 2 fehlenden Versen; 

— 6 fehlende Verse + 26, 6—8; — 27, 1—8; — 28, 1—8; — 4 fehlende Verse 
+ 89, 1—4; — 29, 6—10 nebst 2 fehlenden Versen; — 30, 1—8; 31, 1-8; — 32, 
1.^ nebst 4 fehlenden Versen (?); — 2 fehlende Verse + 38, 1 — 6; — 38, 7—14; 

— 84, 1—8; — 36, 1—8; 36, 1-8; — 37, 1-10(?); - 38, 1—4 -f 39, 1— 3»; — 
89,8^-6 4- 40, 1-4; 41, l-8(?). 



170 A. KD/AKOI 

Str. 17 Bchricb, tici ihm ein, dalS dieselbe in seiner Niederschrift oa- 
ver8tündlii'li sein würde* ohne «'ine orientierende Prosabemerkang, deno 
%iv setzt Struphrn voriiud, in denen erzählt ward, daü Nidud den ge- 
raubten Kin;r sriiirr TnchtiT ;^ab, das Schwert VolumU aber aelbcr 
tni;;. Diese Struph« ii hatte er nicht mehr im (ledaehtniss; sie liod 
daher in seiner Nieder^ehritt nusfrefaUen . wold vor Str. 16. Diesen 
ManL'i-l suchte er zu ersetzen ilureh die IVi»snbemerkun|; vor Str. 17: 
Xitfit'h' kontnujr tjtt/ (hat tu gegeben • thtiiiir itinul Inifvildi tfuUkrimg, fnum 
n- kitmi ^'X (ireiiDunneii \\i\iic) af Intfitinn *tt Volaiiilar; enn hnnm mnljt 
l'iit' nv*»'*it ii' Vii'untlr *itti (p'habt hatte); r h dvutfntnij kvad (Sir. 17> 

An S(r« 15, 5 H liat man in diesem Zusammenhang' mit Rt^cbt 
Anstol3 pMinmnien^. Vit^Ueicht stand hier eine andere ebentalh mit 
II^*i*ftfn>fr 'Hj IltrV'n' be^rinnende IIalbstro|ihe, statt deren der Sammler 
irrthümlich auf die andorswnhin gehürij^e llalbstrophe gh-ichen Anfang« 
%'ertiel. Ist dies richtige so gehörte diese llalbstrophe vielleicht hinter 
Str. 1. Krstens sollten wir nämlieh ilort eine Nennung der Namen er- 
warten (und ausserdem die Krwiilinung cler Sehwanenhemden*», ferner 
aber seheint die einleitende l'rntf;i an dieser Stelle etwas iihnlichea ge- 
kannt zu haben. 

I)iese Prosa int niinilieh vnn /. f) ab eine oA wörtliche Wieder- 
gabt- d'T tilgenden Strn|ilieii : .'» »» \Sn>'mmn -Vuk) ^^ ^\v. 1**); •> — 7: 
ftnr i'iint hi*i /'tim ti^^^ftn hmn r /" (Vfi , i-ttt Vfiru vafkvrJHr <ohne Ent- 
hpr eliung im IJrde ; 7 — ',•: fmr vir\i trttr ihrtv Hhffvf» hmvwj». ///äff- 
*/#/ 'i- *r,iiJifft *tk ll*t»-ijy ii viti . ' /( hrtiljfi ritr O^rnn Ki'irt ti'iifir tif 
I^I"/^/l'^" i - 1.'». .*» ^: Ilftifiji'-fr r,'. l/»rt"§- 1"»rin vav lfl*ntvr\ kunn rar 
nfrfin hin» ^i'.ftir,: '.» 11 i ; , // A'rifnn . Str. 2*'Vk 11—12 (/.an 
lii.H ritfi' -rr. Str •'{ f ; \'J : "L i.rmmt r ijt nifUials) apfr ^obnc Entspre- 
ciiUiiu^ im LitMle»: iL' -liii/Mr f'/tltJ^tm) iht fast wörtliche Wieder- 
i;ahe vnn Str .'>: 14 uiii>elireibt Str •». 1—4. 

So Aiisfiklirlieh haiiil -It di- Pp«-» über den ersten Tlieil, Str. 1 — 6 
Ant tleii zwi ittti Tht'il wci>t nur die kurze Bemerkung Xittwfr ko- 
mintfr '•'' /"PI« h"Hiinm ttiht , j*r*i .%>m h*'r r r um krr*fit: ca folgt 
ab«*r /unaeht nicht, wie man nach diesen Worten doch erwarten 
.**i>llte. dii* beschichte Niduds und Volunds, d. h. Strophe 7 ff., sondern 
was di'* PrM>a >eh>»n er?. iihlt**. aber, wie wir sehen, nicht so 

** I. .'i <> ««T'Urfl'rx»-«/ =- -1 rtifmt'rort'iu I, S dtrt hn tpmnnu -^ o4r »ftmnmm iim. 
t .'i, 1 I. mtiu . . 'it.". f' 'ii.';7u «Miy ttir; 3, \u vrUtj tUy^gfu ss fli 



BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 171 

▼oUständig. Darf man hier nicht die Vermuthung wagen, daß Str. 1—5 
überhaupt nicht vom Sammler herrühren? Kann man sich die Sache 
nicht 80 denken?: Dem Sammler war der erste Theil (Volund und die 
Valkyijen) nur noch unvollkommen erinnerlich; er gab daher diesen 
Theil in Prosaauflösung und ließ mit dem Hinweise svd sem hSr er um 
kvedit nur die Strophen des zweiten Theiles (Volund und Nidud; 
Str. 6 oder 7 bis Ende) folgen, die ihm besser erinnerlich waren, wie 
denn in der That die Strr. 6—41 noch leidlich unter sich zusammen- 
hängen. Ein Abschreiber aber, dessen Gedächtniss besser war^ er- 
innerte sich der meisten vom Sammler in Prosa wiedergegebenen Strophen 
des ersten Theils und fügte ein, was ihm einfiel. Einen gleichartigen 
Fall haben wir vielleicht beim ersten Gudrunliede (s. u. p. 186), viel- 
leicht auch beim „kurzen^ Sigurdslicde (s. ebenda). Diese Frage hängt 
aufs engste zusammen mit der anderen, wie man das Verhältniss von 
Prosa und Strophen in den Sigurdsliedern aufzufassen hat (vgl. u. 
p. 186 f., Anm. ***). 

Str. 14, 7—10: 

Gull var }>ar eigi fiarri hugda ek vart land 

& Gr&na leidu, fiolluin Rinar. 

verbinde ich wie Bugge, Grundtvig, Hildebrand mit 14, 1 — 4 als Worte 
Niduds. Eine völlig genügende Erklärung scheint indessen bisher 
noch nicht gegeben zu sein, denn die von Wisön*) und Lüning**)^ 
die beide 7 — 10 von Volund sprechen lassen, wollen mir nicht gefallen. 
Bugge aber drückt sich nicht ganz klar darüber aus, wie er d Grdna 
leidu versteht, meint aber in der Hauptsache gewiß das richtige, wenn 
er sagt : „Guld var ikke der (i ülvdale) paa Granes Vei [diese Worte be- 
dürften einer Erklänmg]; det Guld, som du har, kan du ikke have 
faat der; det er vort Guld; men hvordan er du kommen i Besiddelse 
af dette^ da vort Land ligger Qaemt fra Rinens Qselde?^ — Nidud 
sagte vorher: „Volund, wie kommst du zu unserem (meinem) Golde 
in ülfdalir?** Und nun fährt er fort, wie ich übersetze: „Dort (in Ulf- 
dalir) war nicht (niemals?) Gold auf dem Wege des Grane, [denn] fem 
glaubte ich unser Land den Felsen des Rheines^. Nidud meint: die 
Felsen des Rheines, wo Sigurd auf Grani mit Fafnis Horte 
ritt, liegen unserem Lande fern, d. h. Granes Weg ging nicht durch 
unser (nordisches) Land; du kannst also das Gold nicht auf Granes 



*) ,det var intet hittegods eller med svek vunnet, sisom Fafiiirsskatten , atan 
VOfaind bade ftrft det efter sin fader". 

*^) fleh habe nicht wie Sigurd miuh eines Goldhortes bemftchtigt, anf den der 
Hsmcher des Landes vielleicht Ansprüche machen kbnnte**. 



172 A. EDZAKDI 

Wege gefunden haben: es ist mein Qold [vermathlich hat auch Bugge 
seine Erkliinin^ so verstanden wissen wollen]. Damit ist ein Beweis 
gewonnen, datt die Voluudarkvida den Schauplatz der SigardaMigv 
noch mit deutlichem Bt^wustsein nach Deutschland (an die fernen 
Felsen des Uheines, im Gegensatz zum nordischen Land des Nidad) 
vorlogt. 

Hei dieser Erklänmg bleiben zuniiclist noch zwei Schwierigkeiten, 
die »ich aber leicht beseitigen lassen: 1. muü man unter raW biMl das 
Land de:« Nidud vrrstehen (=: vira aura 14,5); es muß aber auch 
Ulfdalir mit bezeichnen (nach 14, t». \\ , Kh hind<*rt aber nichts, Llf- 
dalir sls im Lande Niduds liegend zu denken, ja ohne diese Annahme. 
sieht man nicht ein, wie der König auch nur mit einem Schein- 
gnindf An<>pruch auf Volunds Gold erheben konnte; 2. ist ftar (d. k. 
I Vljdnlnm) etwas aulTailend, einmal neben n (irfina (eütti (: war dort 
niclit auf dem Wege des (irani) und dann en%'artct man Qberbaapt 
hn\ denn die SetMie spi<*lt in Ulfdalir. Ich m<M*hte daher ftlr pnr vor- 
Hehlagen fnit . wcirau» sehr leicht fmr verlesen oder verschrieben sein 
kann, also: t^utl var ftaf rnji^ ursprünglich wohl*) gtiU ram pai «i 
fn-fimt f**iifii , d. h. dies (told hast du nicht auf <iraneK Pfade ge- 
fund«'n, dies <inld kann Gram* nicht \um Fafnishorte verloren haben, 
d«'nn drssiru W«-^ hegt, feni von unserem I^ude, an den Felsen des 
Klieines. 

Str. 311, i r. : 

iii h.inn ik fal(r:ir«l sc^ttibk Mt hviU»k — 

WiM-n s:ii^l (IIjelti.säiiLTiTnf 1, J^) : ^nnftjnfh' , m. septum aidac. Lft- 
iiiiig inva'iidor niot d<'iina t"lkiiin;r. alt di*t var omtijligt (or Nidad, 
som befann .•^i;; inn«* i li-isi*t. att samtala ni<'d Vi'dund, om han haA 
sin platri pa gardsinliÜLMiaden : det lir dock uppenbart, att Nidud mäste 
tiinka> it. ex. mellan Str. 2*.* och *i4>|3l und \\2\\ hafva g&tt ur hnaeti 
ty annars künde lian ünnu mindre li;rga iiine i honingon och se, hnni 
VoIuimI .sviifvad«' bland >ky:inp' '•^c Str. .'»ä [.37])*^. Icli halte dieae 
Se hl uüfol gerillt;: Wi-ii'ii's nicht tilr 7.wiii;;ond Die Situation ist viel- 
It-irlit 7.\\ dtMiken wir in Sn. K. 1. 2>1 ÜiaisMin 1*5, 2^) AT.), wo es heißt: 
L*ika htif'fi Jftt A*-n' , pn »r h*tnn ßtvf*j ... '«♦*' ratiArim Frigiffar , nt 

nh n*tfiz \f»nr *i n './, *"' inn '»/ 'j^ut^tj (durchs Fcnster)| enn Gtir- 

* \V. il fi.i ,ti 'l'-n .ilti'nii Litf'Ii'Hi und Slropb«o im 8uhr«*ini (tler allrin h«- 
w« 1*111 kAiiii) W'iLI iiir)fri)ii< _ hiclit', »Müdem iinr ^ uicidaU* (irvi-yi, nfi' -f' c ■ "^ ^^*9 



BBITR&GE ZUB GESCHICHTE UND ERKLÄRUNQ DER EDDALIEDER. 173 

ToS/r leit i möti honum ok mceUij at taka skyldi fuglinn okfcera honuroj 
enn sendimaär körnst nauduliga d hallar vegginn: svd var kann 
hdr^. Hier sitzt Loke als Vogel offenbar auf der Wand des Saales 
{salgardr) oder der Halle {hallar veggr)] er sieht durchs Fenster 
hinein und wird von innen gesehen. In gleicher Situation konnte Vo- 
lond, auf dem hohen salgardr im Fenster sitzend^ von dort aus mit 
dem im Saal befindlichen Nidud sprechen; auch konnte ihn dieser vom 
Fenster aus auffliegen sehen (37, 9 f. : par er pü akollir vid sky uppi). 
Dadurch erledigt sich Wis^n's Bedenken. — In Str. 37, 5 f. heißt es: 
erat svd mcutr hdr , at ])ik af hesti taki^ nattlrlich = Maß er vom 
Bosse aus dich erreichen könnte' (von draussen aus, ist doch wohl 
gemeint). Zur Situation vgl. die eben angeführte Stelle der Sn. £• 

Str. 31, 1—4: 

Mseltira pn ()at m41, n6 ek |)ik vilja, Volundr, 

er mik meirr tregi verr um vita. 

Hier verlangen die letzten beiden Verse noch eine Besprechung. 
Man darf nicht tibersetzen: ^noch möchte ich dich, Volund, härter 
strafen^ ; das könnte doch nur heissen : ich will es bei den Schädigungen, 
die ich dir zugefügt^ bewenden lassen — aber um eine plötzliche groß- 
mflthige Anwandlung, die übrigens unerklärlich genug sein würde, han- 
delt es sich hier keineswegs, wie das folgende zeigt, sondern um die 
Unmöglichkeit der Bestrafung*). Der Sinn muß vielmehr sein: 
ich möchte dich so hart wie möglich bestrafen. Diesen Sinn erhalten 
wir, wenn wir das relative er auch auf Vers 3 f. beziehen und davor 
ergänzen: er ek pik verr um vita {nita) vilja, er (näml. mdl er) ist in 
diesem Falle abhängig von um: 'um welches Wort'. Also der Sinn 
des Ganzen ist: 'du könntest nicht ein solches Wort (eine solche Rede) 
sprechen, die mich mehr betrübte, noch um das (die) ich dich schlimmer 
zu bestrafen wünschen möchte"; demnach müssen wir den Text so 
ergänzen — in Gedanken natürlich nur — mceltira pü pat mdl, er mik 
meirr tregi ne [pat mdl er] ek pik verr um vita vilja. 

Bemerkt sei noch, daß Str. 33, 3<~6 die Eide „bei Schiffsbord 
und Schildesrand, bei Rossesbug und Schwertesschneide" den Verwün- 
schungen der Sigrun in H. Hund. II, 30. 31 entsprechen: Schiff, Roß, 
Schwert [und in der fehlenden Halbstrophe wahrscheinlich : Schild, wie 
Ghrundtvig sehr hübsch vermuthet], daß also 33, 3— 6 schwerlich ab 



^) Damm darf man auch nicht etwa bei obiger Übersetzung Terstehen wollen * 
ieh will dich nicht härter bestrafen, weil es keine härtere Strafe als die dir zugefügte 
ffl»t — übrigens wäre der Tod zum mindesten eine noch härtere Strafe, als das Durch- 
■ehndden der Kniesehnen. 



174 A. EDZABDI 

Zusatz zu betrachten sind, wie Hildebrand meint* — Endlich sei be- 
merkt, daß Str. 8, 1 — 4 aufFallenderweise die regelmässigen 6 Silben 
des dröttkvsett zeigen, doch nicht regelmässige Reimstäbe; sonst wäre 
es hättlausa (Sn. E., J()nss. p. 223). 

3. Cber das sogen. ,,kurze" Sigurdslied. 

Sigiirdarkvida in skamma. 

Daß dies Lied uns nicht in seiner ursprünglichen Gestalt über- 
liefert ist, darf als unzweifelhaft gelten; wahrscheinlich entsprechen 
Str. 6—52 dem echten Kern des Liedes (s, Symons, P.-B. Beitr. III, 
260 ff.). Die Strophen 1 — 5 sind fast nur aus Anklängen an andere 
Lieder zusammengesetzt*); der Schluß aber, von 53 ab bis 64 nebst 71, 
hat die späten Lieder Oddrünargrätr und Gudrünarhvot benutzt und 
gibt nach der Weise eines späteren Geschmacks in Gestalt einer Pro- 
phezeiung eine Übersicht über den folgenden Theil der Sage. Die 
letzte Bitte Brynhilds in Betreff ihrer Verbrennung (65 — 70) konnte 
ohne 53 — 64 und 71 dem alten Liede auch nicht wohl angehören. 
Einleitung und Schluß sind offenbar jünger als der mittlere Haupttheil 
6—52; doch zeigen sprachliche Übereinstimmungen**), daß auch dieser 
Theil seine jetzige Gestalt vom Verfasser der Strophen 1—5 erhielt, 
der wohl mit dem Verfasser des Schlusses identisch ist; mit anderen 
Worten: ein Bearbeiter des alten Liedes von Sigurd und Brynhild 
dichtete Anfang und Schluß hinzu. 

Str. 5 lautet: 

U6n sdr at lifi Tamm p&t er vseri 

lost n^ vissi eda vera hjgdi; 

ok at aldrlagi gengu pess k milli 

ekki grand, grimmar urdir. 

6, 1 Ein sat h6n üti etc. 



*) Der Dichter der Strophen 1—6 muß das der VS. in Cap. 26 und 27 zu 
Grunde liegende Lied (oder waren es zwei?) benutzt haben: Str« 1, 1 — 4 ist = VS. 
p. 142; Str. 1, 6- 6 = VS. 143, 22 f.; Str. 1, 7—8 = VS. 148, 4; Str. 2, 1—4 = VS. 
143, 19—21 fmey budu hdnum vgl. med hodij; Str. 2, 6—8 = VS. 148, 28 flf. fdrukku, . 
dcßgr mart »aman Sigurdr . . vgl. ^odsda . . stöd marga daga; drekkr Sigurdr nA Ir&dr 
layp . ]; Str. 3, 1—2 — VS. 144, 2 [ihidid Brynhildar] und 6 flf.; Str. 3, 3—4 = 
VS. 144, 3 f:mun Sigurdr rida med ydr] ; zu Str. 3, 6—8 (wo ich der Strophenc&ur 
wegen nach iinni ein ; und statt 7. härm mit Anderen haena lese) vgl 146, 8—8; Str. 
4, 1-4 = VS. 146, 8—11 (zu Str. 4, 4-8 vgl. Helr. 12, 6—8); Str. 5 ist wohl eine 
Bemerkung vom Verfasser des Prologs. — Nach Cap. 27 hören die Entsprechungen auf, 
so daß mit Cap. 28 wohl die Umschreibung eines neuen Liedes (Sig. langa?) beginnt 
**) Z. B. das sonst in den Eddaliedem und auch anderswo, soweit ich sehe, nicht 
belegte fnimungr (4, 7; 6, 7; 26, 7), Sigurd heißt h^tn»hi 4, 8; 9, 8; 19, 7; 66, 7; 
67, 1, sonst in keinem Liede, ausser in Atlam. 97, 1 in der Erklärung noch sehr be- 
dürfendem Zusammenhange; < nnni 8, 4 = 12, 2; m«y : mei^na 2, 1 f. = 16, 7 f. u. s. w. 



BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 175 

Mn kann nach dem vorhergehenden nur Brynhild meinen , die- 
selbe, die in 6, 1 ebenfalls mit hön gemeint ist. Kommt es aber hier 
darauf an, daß Brynhild schuldlos ist und fleckenlos? Ich dächte 
nicht. Vielmehr pflegt dies von Sigurd hervorgehoben zu werden; 
80 gewinnt auch hier der Zusammenhang unbedenklich, wenn wir, 
wie schon Holtzmann vermuthete, statt hön lesen kann, d. h. Sigurd. 
In Str. 4 ist berichtet, wie Sigurd dem Könige an Brynhild die Treue 
bewahrt hat« Nun heißt es weiter, wie man gewöhnlich übersetzt: „er 
wußte an seinem Leben keine Schande noch Makel^ u. s. w. Die- 
selbe Verbindung, sogar mit ähnlichen Worten, kehrt 28,3—6 
wieder: 

en vid Gannar |iynnda ek siQum, 

grand ekki vaoDk; svornum ei dum. 

Ziemlich dieselben Ausdrücke wie hier finden sich auch in Grip. von 
Sigurd gebraucht, vgl. Grip. 23 ei^a med los tum logd cevi ]tir\ 49 
vidr pü godm gravid aldngi'^ ebenso in Sigrdr. 22 cU pti vid framdr 
pina vamma laust verir. Das wichtigste ist aber, daß man at aldr- 
lagt ekki grand ohne Zwang nur bei der Beziehung auf Sigurd genü- 
gend erklären kann. Nicht Brynhild wird ermordet, sondern Sigurd; 
man müßte also, wenn man hon beibehalten will, ai aldrlagi = ai lifi 
fiassen, eine Bedeutung, die doch nur für unsere Stelle erdacht ist; 
iddrlagj aldrlog heißt sonst immer 'Tod', til aldrlagi *bi8 zum Tode' 
(wie Wenzel an unserer Stelle übersetzt, was natürlich aber at aldrlagi 
nicht bedeuten kann). Vielmehr wird at aldrlagi ekki grand heißen: 
'zum Tode keine Schuld, keine todeswürdige Schuld'; das aber paßt 
vortrefflich, wenn wir kann (Sigurd) lesen. Auch ist Str. 5 von Sy- 
mons*) zu den ersten 4 Eingangsstrophen gezogen, denen sie in Ton 
und Stil gleichsteht^ während Str. 6 in ihrem kräftigen Ton und ihrer 
knappen Darstellung sich als Strophe des alten Liedes erweist. Es 
wird sich daher eher die Verbindung von 5 mit 4 als mit 6 empfehlen. 

Str. 26 : 

4 ek til UDgan peir 8^r hafa 

erfinytja, 8v4rt ok d4tt **) 

kann-at hann firrask en nsar numit 

or fi4ndgardi; nylig rkä. 

*) Lüning spricht nar von den ersten vier Strophen, wogegen Ettmttller Ober. 
iMiiipt nichts von hinsngedichteten Eingangsstrophen wissen will. Dabei passiert Ett- 
Bfiller das arge Versehen, daß er die ersten vier Strophen als im „Cod. R fehlend and 
fliner Papierhs. entnommen'* bezeichnet, während doch nur in der Prosaauflösong der 
YS. (bei Hildebrand ist V statt a zu lesen) die ersten fünf Strophen fehlen! 

»♦) ddU von dar (därrj zu dao- in det/ja f wie fdr(r)^ f&U von /a«-, got /aa-#, 
TOD fiav, got. nau-a u. s. w. 



170 A. EDZAKDI 

Die zweite Halbstrophu macht Schwierigkeiten, namentlich ai 
nor, Bu^ge versteht trti (llog. <rnii) = 'abcr\ Holtzinann-Holder 'ndlmc. 
anipiius*; nar verbindet K^iUsou mit atr, *8uo ingenio convenienter : 
lifir «rr =- *8ich zu iialie, zum Schaden', läßt sich wohl nicht belcgvo; 
iiffi* j^ ']iro|)e*| Iloltzuiaiin. nylu^ rwf fassen Lttning und Simroek 
= 'Uath beim Neumond gelaUt\ mit anderer Beziehung auf den Hood 
Kumulier; besdcr =- novas' (neuer, unerhörter (?) Kath) EgilMon, Holu- 
manu; new, recent (C-Y.). JedeufalU ist «tV betont| wie der Stab- 
reim zei^. Man kann nun übersetzen entweder: ,,810 (die Feindet 
haben, sieh sen»t nach Wunsch (zum Schaden?), neuen (unerhörten?» 
Katli g('fal:t (vernommen?) in schlimmer und verderblicher Weite, also 
Jttir haf'i niwtr s*'r nijh'ij nvt (IMur.) numit ttvtiri ok dM. Hierbei 
macht die Stelluu«; von mir und 9vr und namentlich daa en {emm 
Schwierigkeit. Oder unin muli ül>ersetzen: „Sie haben in fllr aie 
selbst schlimmer und verderblicher Weise noch eben {?eH wer) neaen 
Uath getaut (neuem Kath (ielmr gegeben?)^, indem man ««r von «cvrrf 
ok tlnft ubhiin^en liiüt. llierbti macht mvr == 'eben Schwierigkeil. 
In beiden Fiilleu mul3 man »vurt ok Mit als Adverbien faBten. Eine 
dritte Krkliirun^ die auch Hu^^^e vurzuziehen scheint (indem er «an 
:= *aber^ fahfrcn willj entspricht dem eddischen Stil besser: .Sie haben 
ftlr ^ieh (ihnen ist ei^en; schlimmes und verderbliches (also: et ist von 
ihnen «iJW ok tiitt zu erwarten); dann aber müßte man entweder Ao/a 
ergänzen «ulrr wuhrselu-inlieher statt #'A iifir lesen tmn trro („noch, 
niederuin sind neue KathsehlU^e ^efal:t*') oder niii rr mimtt n^igi rrfif. 
— VS. j;ibl Vi.r> .')- ^ wietler; nk iVa hafn )»rir fyrir winum klui Mf, 
was der zweiten Krkliirun:: am näelisten kommt, [/yrir fehlt bei Hild.| 



HIr. 37— 41 ;;eliüren, wie schon llildebrand bemerkte, nicht eigent- 
lich in untter Lied. Sie widers|irechen dem und wiederholen daa« 
waA vvirher schun ge>a^t int. Sie sind nach Hildebrand statt einer 
älteren Strophe ein;;« -^clmben, wie <iie YS. zei;;t. Wenigstens entsprechen 
Stn-phe :J7— :J*», •; dt r rrn.a, die VS. an anderer Stelle gibt (Cap. 29, 
bei Hu;:;:*' |>- l*^^' jv^l. auch Nachtrag ]|. Diese Prosa lautet: 

.. er Buttli k(»nun;;r ^^af nier. . , er \ivr (fjiikungar komud til 
h:in» ok hetuii. at lierj.! ed:i brenn.'i, nema }>er ua*did mer; [sidan leiddi 
hann mik A tal *j fk ^|lvrr; hvvru ek köra af |ieim, sem komnir vini; 
|en ek biidunist til at verja landit *) ok Vera hcfdingi yfir |iridjiuigi 
lidif; fvarii )>ä tveir kostir fyrir liondi, at ek munda )>eim verda at 
gipta^t, seni hann viliii '<. |edj Vera an alls Qar^) ok haus vinitttt. . • ; 
[|ia hugsada ek med mtT^), hvärt ek skylda |hl>dal hans vilja^ [eda 



BEFTRiOE ZUR GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER 177 

drepa margan mann''), ... [ok }>ar kom, at ek hätamst^ []>eimy er 
ridi hestmum Orina med Fiiinis arfi ok ridi mfnn yafrloga'') . . . 

Diese Prosa stimmt in den Hauptzttgen und z. Th. wörtlich mit 
Str. 37—40 überein, nämlich *) = 37, 1 f.; ») = 38, 4—6, besonders 6; 
») = 37, 6; *) = 37, 3—8; *) = 38, 1 f.; «) = 38, 3; ^ = 38, 4—10; 
») = 39, 1 f. ; •) = 39, 3—6 [= 36, 1—4] . Sie zeigt uns die richtige Erklärung 
mancher Verse, sie zeigt uns namentlicb, daß die Auffassung der Sage^ 
die in unserer Episode herrscht, dieselbe ist wie in Oddr. 16 — 17, wo- 
mit wieder VS., Cap. 24 (bei Bugge p. 136) zu vergleichen ist : Bryn- 
hild sitzt in ihrem Gemache und stickt Sigurds Thaten; ebenso ist 
in Oddr. 16 Brynhild mit Sticken beschäftigt. Da 

iord ddsadi 17,1 )>& var vfg vegit 
ok upphiminn, volsku sverdi 

pk er bani F&fniB ok borg brotin 

borg um pktü. sü er Brynhildr &tti» 

Qemeint ist offenbar die Erwerbung Brynhilds fiir Gunnar durch 
Sigurd (wie das folgende zeigt), wovon auch VS. in obiger Prosa, 
entaprechend Sig. sk. 37 — 39 handelt; zu vergleichen ist Gudr. I, 
2&-26. 

Die zu Grunde liegende Sagengestalt ist also diese: 

Bei Atle (Budle, nicht Heimir!) ist Brynhild mit Sticken beschäf- 
tigt, da wird die Burg angegiiffen von Gunnar, Hogne und Sigurd 
[imd erstürmt, Oddr.]. Um sich der Angriffe zu erwehren, sucht Atle 
seine Schwester zu bestimmen, freiwillig sich einem der Könige zu 
▼OTmählen, indem er ihr Erbe ihr zu entziehen droht. Sie ist schwan- 
kend ob sie nachgeben soll*) oder ob sie [fllr ihren Bruder, um brödur 
9ck^ Sig. sk.] kämpfen solle. Sie entscheidet sich für das erstere, 
weil Sigurds Schatz sie blendet (?so Sig. sk. 39; Gudr. 1,26, vgl 
auch VS. 148, 15). Es scheint indessen, daß nach älterer Auffassung 
nicht das Gold sie lockte, sondern daß sie am Golde Fafnis den 
SU erkennen glaubte, welcher den Faini erschlug**), der also ihrem 



^ wga 88, 3 kann nicht richtig sein; denn he&ri — eda entspricht genau dem 
kodrt^eda der VS. ^ entweder— oder. Also wegja^i = Rask, Gmndtrig? 

**) Vgl. VS. 162, 20 f.: eigi reid Qinmarr (sondern Sigurd) eUtrm tu vdr, ok 
eigi gaU kann mir at numdi feldan val (sahlte nicht als Mablschats mir den ge- 
tSdteten Fafiü?]. Fafnis Tod war die notbwendige Bedingung fQr [das Dnrehreiten 
der Waberlohe (19elr. Br. 10, 6—8) und] die Erwerbung der Brjnhild und konnte 
dalwr ala ein ihr gezahlter Mahlschats bezeichnet werden. Da nun Sigurd in Gnn- 
Bars Q est alt wegen des Durchreitens der Waberlohe und wegen des mitgeftlhrten 
Oddet Tom Schatze Fafiüs (Gudr. I. 26, 1—4; Sig. sk. 86, 8 f.) der Brynhild mit 
OgBHAKU. NtM Selbe XL (XXUL) Jahrg. 12 



178 ^ EDZARDI 

Gelübde entsprach^ daß er sich nicht ftLrchten könne (vgl. 36, 1—4; 
Helr. 9—10). Ausserdem glaubte sie an den strahlenden Ang^ Si- 
gurd zu erkennen (36, 5 ff.; vgl. VS. 152, 22). 

Die Strophen 37 — 39 bieten also hinsichtlich der Erwerbung der 
Brynhild eine wesentlich andere, anscheinend jüngere AnffaBsnng als 
wir sie sonst in Sig. sk. und den meisten Sigurdliedem kennen. Diese 
Auffassung, die auch in Oddr. sich findet und deren wesentlicher Zug 
die Anwendung von Gewalt ist, kennt auch das färöische Brmhild- 
Lied, indem es — freilich in ziemlich dunkler Weise — eines KampüsB 
vor der Erwerbung Brinhilds gedenkt (43 f. H). 

Gudr. I, 25 f. stimmt dem Inhalt nach zu den in Bede stehenden 
Strophen der Sig. sk. und wie es scheint zu Str. 37 — 39 besser als 
zu Str. 36, indem die Schuld dem Atle beigemessen wird. Ob in- 
dessen in Gudr. I, 25 f. eine gewaltsame Werbung vorausgesetst wird, 
läßt sich bei der dunkeln, anscheinend verderbten und jedenfalls («wi- 
schen 26,4 und 5?) lückenhaften Stelle schwerlich entscheiden. Der Sinn 
ist: „als wir beide (Atle und ich) das (FafniB-)Qold an dem Helden 
(Sigurd in Gunnars Gestalt) sahen [...], das hab' ich später gebtlßt*), 
diesen Anblick: stets hatte ich ihn (im Geiste) vor Augen'' (?)• Zwei 
andere Erklärungen hat neuerdings Kichert**) gegeben, indem er 1. 'einen 
privativen Zusammenhang zwischen sdmk und dem Genetiv pebrair 
synar annimmt: 'ifrän den synen sag jag alltid bor^ oder (mit besserem 
Sinn, aber ey negativ?): *ifrän den synen künde jag aldrig (si gfima 
jag an ville) vända mina ögon bort' ; — 2. indem er sdmk peirar tjfnar 
wie z. B. fara ferdar sinnar faßt: den synen fbljde jag alltid med 
mina ögon (min blick gick ständigt fram pä denna nOtta strit/. Beide 
Erklärungen scheinen mir allzukühn und dem verlangten Sinne nicht 
ganz entsprechend. Nach der gewöhnlichen Erklärung würden die 
Worte auf Sig. sk. 39, auf das später hart bestrafte Wohlgefallen an 
Sigurds Golde, gehen — falls nicht etwa eine Lücke zwischen 86^4 
und 5 anzunehmen ist, was ich vermuthe. Übrigens wird die Benehme 
auf Str. 39 durch folgende Erwägung zweifelhaft: Daß VS. die den 
Strr. 37 — 39 entsprechende Prosa in ganz anderem Zusammenhang hat. 



Recht als der Tödter Fafbis erschien, so mußte sie glauben, daß Gnnnar diassThsl 
▼ollfUIirt habe. Ihre Enttäuschung darüber, daß dem nicht so ist, spricht sich in obigM 
Worten aus. 

*) Zu 26, 5 {.pCM h^ ek gang» goldit Hdan vgl. FtiSp. in Ettmllllan 
p. 62: pesa hefik gang» um goldit [ptU hefik gagn» FAS]. 

**) Föraök tili belysning af mSrkare och oförstidda stfllen i den poellake 
(Upsala Uuiy. Arsskrift 1877), 49—62. 



BEITRiOE ZUR GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 179 

spricht dafHr, daß die in VS. benutzte Hb. den Einschub von 37—39 
noch nicht kannte; da nun aber aus anderen Grttnden, wie gleich ge- 
zeigt werden soll, wahrscheinlich wird; daß Gudr. I den alten Kern 
des Sigurdliedes benutste, so wird sich auch die abgerissene und nur 
eben andeutende Bemerkung Quär. 1 , 25. 26 auf Benutzung des Si- 
gurdliedes zurückfuhren lassen, und dann müssen — wenn 37 — 39 
erst in der handschriftlichen Überlieferung derSammlung eingeschoben 
ward — Str. 35. 36 sowie etwa ausgefallene Theile der alten Über- 
lieferung (= 37, 1 ff.*) benutzt sein. Vielleicht ist 25, 1 — 2 unecht, 
25, 3 — 6 + 26, 1—4 ursprünglich eine Strophe, dann vor 26, 6—8 die 
erste Halbstrophe ausgefallen, in der vielleicht von Sigurds Eintritt 
(ga/ngr) und von seinen glänzenden Augen die Rede war**), so daß 
Peirar a^nar sich auf die ausgefallene Halbstrophe bezöge. Unter dieser 
Voraussetzung könnte man vermuthen, daß s^n hier nicht 'Anblick'^ 
sondern 'Blick' heisse, eine Bedeutung die ftir «idh[ir] häufig belegt ist. 

Ich bin der Meinung, daß Hildebrand mit Recht 41, 5 — 6 ftlr 
'Best der ausgemerzten Strophe' hält; aber auch 40, 1 — 4 gehörte 
meiner Ansicht nach dazu: 

40, 1—4 Unna einum 

n^ ymissmn; 

biö-at am hverfan 41, 5 — 6 })& man k hefbdam 

bog menskogal; harma müina. 

In der angedeuteten Lücke muß allerdings Brynhild ihre Absicht 
la sterben ausgedrückt haben. Die Worte der VS. : ok engwn oärum 
entsprechen 40, 1—4; dann folgt: ok eigi mun ydr farast, pött 
ek dejfja. Demnach könnte in der angenommenen Lücke gestan- 
den haben: 

man-at ydr hnat 

))dtt ek de3rja oder p6tt ek fiorvi l&ta, t^^^ 53, 5—8. 



*) Man kOmite deDken, nach Str. 36, 1—8 sei [^folgt: 1. eine Strophe, deren 
ente Halbetrophe verloren wäre (1 f. = 37, 1 f., ▼gl.VS.)-f-86, 1—4. — 2. Eine Strophe 
M S7, 6—10 4- 2 febid. Versen. — In VS. 160, 7 ff. lauten die entsprechenden Worte : 
ok aüada ek engan ydam minn »kyldu verda pd er p4r ridud par at gardi pHr ko- 
fmmjfor (= Str. 86); sidan leiddi Atli mik d tal ok »pyrr, ef ek vilda pann 
€iga [er ridi Grdna^), fsd vor ydr ekki Uhr*), ok [pd häumH ek^) tyni Sigmundar 
kommge [ok enyum odrum^ Hier entspricht: ^) = 36, 3 f.; ') = 36, 6 ff.; ^) = 86, 1 f. 
<— Die ipesperrt gedruckten Worte finden in Str. 86 keine Entsprechung. *) ist «-> 40, 
1—4 (a. oben). 

**) Daa wSre besonders au erwarten, wenn nach obiger Ausführung die Str. 36 
(in Ihrer Siteren Gestalt) hier von Gudr. I benutst wftre. 

12* 



IHO A* ED/JIRDI 

Dii5 Verse 44 K :">— 8 + '^'i 1 — 4 mUssen nacb ueiuer Auffaiwing 

Eusammvn eine Strophe*) bildeu: 

allt Diuii |>ut AÜi at |»eygi tkal 

üptir fluua, puunged kou* 

i*f hau II Uli na spyrr aniuirrar vor 

monlfor giirv:i ; iildri Icitla. 

Hier kann uWr /ttmmjft kona \*\n zartsinni^oH Weib* wohl nur 
Uudriin loeineu**}, wclrhe Si;;uril <(Iou Br. als ilireu ihr beatinunU'D 
Uatti'ii betrachtet) 'als (lattiii im Lehen herleitet' hat. Das war aber 
nicht die Schuhl Atles, sondern Si^unU und (ttinnarB. Alles Schuld 
war nach dem vorhergehenden nur, da 13 er Br. zur ViTmüblung zwan^^ 
wodurch er doch h<'>chstcn8 indirect an jenem unglücklichen Verhftii^ 
niss Schuld ward. Wenn man af wie llildehrand verstehen darf, wQrde 
die Schwierigkeit geringer. Aber auch an werden nicht alle Bedenken 
beseitigt : wie ist d(T Zusammenhang des Sinnes zwischeu 4l\ » — S 
und 41, 1—4 herzustellen? |VgI. noch d. HiW). BrinhiMli.Hl IfiG IL] 

I)a.s (lesagte fasse ich noch einmal so zusammen: indem ich mich 
in der Ilauptsachi- llildehrand anschließe, fllhrc ich seine Ansicht dahin 
aus, tlal: Str. .*J7— .'W [und 40. T)— 41,4? diise vom Interpolatur 
zugefb:;t?; aus anderem Zu sanwnen hange hierher gcrathcn sind« in- 
dem 37--31> zwischen 3»» und 40 vielleicht statt dir vor 36, 1 ausf^e- 
lassenen Ilalhstri^ph«*) . die Strophe 40,5 — S - 11, 1—4 aber statt 
der vor 41 ^ f) au*(gelasäeni*i) Worte d. id>en 17i* in die Strophe 4U, 
1 — 4 -f- • ■ -f 41. f) f. eingeschoben ward. |Vgl. ni»ch Nachtrag I.J 

Fassen wir wir nun das Verhiiltniss des ,,kurzeu*' Sigurd- 
liedes zu ander«* n Liedern ins Augr, so haben wir bcsoudcrs auf 
zwri Liedrr uusiT Aug«*nnierk zu Hellten: 

1. Aiit das Bruehstikck eines Sigurdliedes, dessen Anfang VS. in 
IVosa \iied«'rgibt und das mit ziemliclicr Sicherheit als das durch die 
Bczi'ii'hiiun;: in ^A'iiiipfKi Mir uiisit Li«Ml vorausgesetzte lange Si- 
gurdslied zu betrachten iat***i; liehlhrungeu zwischen beiden sind 
unverkennbar. Wenn wir nun von den jüngeren Partien («. ob. p. IH) 



*• Virl. auch KUmiiMor, Ovrm. IH, 166 f. 
**) Muri •••liti* intloA^fU rnd.irtrii. i1ai'> Rrynhil«! irrmriiit tci: mumatmr wm' ki'ionlr 
*M' SiiTtir'l. 'li r l<t>i •'.t-r Wi rSdiiif \nt <iiiiiiiar »ohi»ii «l#r ÜuJniu c^bürtc, wukU nciuitn 
'v^-l. Si^v «k. 7. .i - ntx-r ii>W' i Ui*.» p.ut iUiiii iiicbt: »«illleu die«« Wuft« irf«»«l«rir 

*'* l»^r Hr>|ii< miiciik- it ha.i'rr brtlicui» icb ■üch dvt llcnvauuiig«« dm kimc 



BEITR&OE ZUR GESCHICHTE UND EBKLiRUNQ DER EDDALIEDER. 181 



des „kurzen«" Liedes absehen, so finden wir folgende Berührungen mit 
dem Bruchstttck des „langen*" Liedes fBrot') 

eiDu pYi Hogni 1 18, 1 f. ; 45, 1 f . = Brot 7, 1 f. 
andsvor vcitti. | andsvor veittu Sig. sk. 50; 4. 



pogdu allir I 50, 1 f. (wo gewiß die stabreimloBe Losart der Hs. mit Bugge, 
vid ()vi ordi J Grundtvig und Hildebrand zu berichtigen ist) = Brot 15| 1 f. 



Ferner wenn die Strophe in VS., Bugge p. 154^ dem 'langen' 
Liede angehörte^ wie wahrscheinlich^ ist zu vergleichen: 

VS. Sig. sk. 

üt gekk Sigurdr 47, 1 f. hvarf s^r 6br6dugr 
andspjalli fr& andspilli fr& 

holhinr lofda 13, 1 f. reidr*) vard Gannarr 
ok hnipnadi. ok hnipnadi. 

Vgl. fibrigens auch Gudr. IL 11, 1 f. hvarf ek ein ))adan 

andspilli M (unten p. 186,Anm.*). 

Besonders beachtenswerth sind aber die folgenden beiden Fälle: 
Sig. sk. 20, 1 heißt es: 

ef v^r) fimm sonu foedum lengi ete 

^Wir lu fOnfen', nämlich die vorher genannten /tcfnr f;er (Ounnar, 
Hogne, Guthorm und — Gudrun?) ok ad inn hünski herbaldr (Sigurd); 
also: Venn wir fünf uns Söhne lange aufziehen . An eine Verbindung 
von fimm und sonu ist hier schwerlich zu denken ''^''^) ; dennoch lag 
bei gedankenloser Benutzung dies Mißverständniss nahe, und dem Ver- 
fiftsser des 'langen' Liedes ist es passiert; es heißt nämlich da: 

11^ 5 ff. er bann [Sigurdr] fimm SOnu gunnarfiisa 

at folkrflBdi getna bafdi. 

Woher hier die fünf Söhne? da doch sonst überall (so in Sig. 
sk. 12, 1 ff.; 26, 1 ff.) Sigurd nur einen Sohn hat. Auch die Lesung 
hefdi wtlrde die Sache nicht viel besser machen; man müßte doch 
immer fragen, warum gerade fünf. Ich sehe keine andere Möglich- 
keit der Erklärung, als daß der Verfasser des Uangen^ Liedes in der 
Gestalt, die das Bruchstück zeigt, unser 'kurzes' Lied benutzte und 
obige Stelle mißverstand. [Vgl. jedoch Nachtrag 11.] 



*) reid^ R; hrcMr (Qrimm) ist die leichteste, Reim und Sinn genügende 
Anclenuig. 

**) Oder höchstens wenn man versteht: jeder von uns fünf ^inen. 



182 A. EDZABDI 

Die andere Stelle ist 

Brot 

30,1—4 H16 pk Brynhildr 8,1—4 H16 pk Brynhildr 

Budla d6ttir — beer allr dundi — 

einu sinni einu sinni 

af ollum hug, af oUum hug: 

Die Hs. hat die Strophe des Brot schwerlich an richtiger Stelle 
und es ist mir wahrscheinlich, daß sie dahin gehört , wohin sie nach 
Bugges Vermuthung von Grundtvig und Hildebrand (vgl. auch Lttning) 
gestellt ist. Ist dies aber richtig'*')^ so erfolgt hier der wilde Ausbruch 
der Freude Brynhilds bei der Nachricht vom Tode Sigurds, während 
er im 'kurzen Liede durch den Schmerzensschrei ihrer Nebenbuhlerin 
Gudrun veranlaßt wird. Es ist kein Zweifel, daß letzteres allein der 
nordischen Auffassung der Sage gemäß ist: über den Tod Sigurds 
kann Br. nicht wohl in so wilde Schadenfreude ausbrechen, denn mit 
dem Tode Sigurds, den mehr ihre übergroße Liebe**) als ihr Haß ver- 
anlaßt hat, tritt die Liebe wieder in den Vordergrund und damit der 
Schmerz über seinen Tod. So heißt es 

Brot 

1 5, 3 ff. f&r kunni gördisk at segjSi 

()eiin fiiödal&tum, pat er blsjandi 

er h6n gr&tandi holda beiddi; 

und ebenso verstehe ich Gudr. I, 27 (er hdn sdr um leit \ d Sigurdij. 

Die beiden besprochenen Stellen machen es fUr mich wahrschein- 
lich, daß auch bei den anderen Berührungen das ^lange* Lied das entr 
lehnende ist, daß also die älteren Theile des 'kurzen Liedes (auf 
welche sich die erwähnten Berührungen beschränken) in der uns er- 
haltenen Gestalt des längeren benutzt sind. 

2. Das zweite Lied, dessen Verhältniss zum ^kurzen Sigurdsliede 
wichtig ist, ist das erste Gudrunlied. 

Wenn wir von dem dr vor pats am Anfange beider Lieder ab- 
sehen, so bleiben hier zwei wörtliche Berührungen zu nenneUi nämlich: 

Sig. sk. Gudr. I. 

48, 5 hii6 vid b6l8tri 15, 1 pk hn^ Gudrun 

b6n k annan veg. bell vid bölstri. 

Die Vergleichung mit Sig. sk. 23, 7: 

hendr ok hofad hn^ & annan veg 



*) Bei der SteUung der Hs. gilt das von mir geltend gemachte erat raehi. 
**) Oder genauer das Qefübl, daß Slgnrd der ihr bestimmte Gatte, 
Bo lange Sigurd lebe, Qidbrfichig sei. 



BEITBiOE ZUB GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDAUEDER. 183 

spricht fUr die Ursprttnglichkcit im Sigurdsliode und — falls man nicht 
sofidlige Übereinstimmung meint annehmen zu können — ftlr die Ent- 
lehnung in Oudr. I. 

Dasselbe Verhältniss wird durch die zweite Stelle wahrscheinlich : 

Sig. sk. 29 beißt es: so gewaltig schlug Gudr. I, 16 bricht Gudrun endlich in 
sie mit ihrer Hand *) — als sie vor Thränen aas und wciiit so gewaltig, 
Sehmerx andu varp, daß die Thränen durch das tresk(?) 

at kv&du vid fließen und 

kalkar { vr& 

ok gullu Tid gullu vid 

ges { tdni. gses i tüni 

msBrir fuglar 
er maer &tti. 

Hier muß an diner Stelle Entlehnimg vorliegen^ und mir erscheint 

68 nicht zweifelhaft, daß die gleichen Worte in Gudr. I entlehnt sind. 

Von dem gewaltigen Händeschlagen erklirren die Becher und die Gänse 

auf dem Hofe gerathen in Aufregung — das ist durchaus natürlich. 

Was aber hat der gewaltige Thränenstrom mit dem Schreien der 

Gänse zu thun ? Man kann sagen : Gudrun schreit natürlich dabei auf, 

aber davon ist hier gar nicht die Rede: im ganzen Liede dreht sich 

vielmehr alles darum, Gudrun zu Thränen zu bringen. Alles ist klar, wenn 

wir in Gudr. I eine Erinnerung des Dichters an die Stolle in Sig. sk. 

sehen: die Becher, welche vom Weinen natürlich nicht erklirren 

konnten, ließ er fort und fügte dafllr die matten Schlußverse an: 'die 

herrlichen Vögel, die die Maid besaß' [vgl. Jessen, Z. Z. III, 53]. 

Daß das erste Gudrunlied sich auch sonst als ziemlich jung erweist, 

ist ja verschiedentlich schon betont worden, am nachdrücklichsten von 

Jenen (a. a. O. 52 f.), der aber hier zu weit geht**): das Lied ist — 

gans abgesehen von der Altersfrage — gar nicht übel, wenn wir die 

vielleicht jüngeren Übertreibungen von Str. 4 und 7 ausnehmen. Dem 

Liede scheint ein alter Sagenzug zu Grunde zu liegen, wofür die 

Ähnlichkeit mit NL. Bartsch 1068 f spricht Beiläufig sei hier auch 

aof die ähnlichen und doch auch wieder verschiedenen Schicksale der 

Herborg, Hünalands dröttning mit denen der Gudrun in unserem Epos 

Gudrun' hingewiesen, wenn Herborg klagt: 

9 pk vard ek hapta skylda ek 8kre3rta 

ok hemnma ok sküa binda 

samt miBseris hersis kv&n 

8fdaD verda: h?erjan morgin. 



*) ^gl« ^3* 1^^ ^^' <^^ ^^ **^ horda wd at aundr gtkk. 
**) Vgl. auch Symons, Beitr. III, 261 f. 



184 A. EDZASDI 

10 lloo n'^tVt iniSr fana ek 

af afbrvtli bvergi in bctra, 

ok hor<!uni iiiik cii hÜBfrcyja 

hoffgum keynÜ; livcrgi vcrri. 

Sollte dieAo Ilorbor^ in einer älteren S;i^enge«talt der dcuUclieB 
Gu<lrun entHpreclieii? Ilerburc iiml Ilerwic würden den i;cfi;enttber llelrl 
(//(e^/iNii) und Hilde su erwartenden Stabreim bieten. 



Naeli flem l)isher f^esa^cn wiin* der illten* Kern du« 'kunen' 
Siptrdsliedes in der erhaltenen (testalt des 'lanf^en Sigunlalicdc*« 
und im ersten (fudruuliode benutzt. Kea<*liten^wertho BertlhranfTPo 
mit anderen Eddaliedern uind, wenn wir die jüngeren PartliieQ mi#- 
schließen *), noch: 

6, 1 ein aat b<m liti VHp. 2, 1 ein Mt h6n \\ü 

*i4, 5 en hon viikuaili ^ Völ. 1:?, 3 ok hann vaknaili 

vilja fini, viljalaius ; 

27, 7 f. ein vcMr Rrynhililr ollii iMilvi 
GiKir. I. 25, :\ vcMr ciiin Atli f^u bolvi 
II. H. II. 33, 5 cinn VL-Mr Ofliim «»llu bolvi. 

Wenn hier (ibcThaupt in Uudr. I eine Entlehnung vorliegt, so 
doch nicht nothwendi^ aun Sig. bk. entlehnt zu haben, denn auch sonst 
zeigt Ciudr. I Benihrunp-n mit dem zweiten Thoil der 'Ilelgakvida 
Ilund. ir. der ei;;i>ntlich ein Kelbstiindiges Lied ist 

4. (f udninarkvida I und LI. 

Auch das erste und zweite <iudrunlied zeigen morkwttrdige Be* 
rtlhningen mit einander, die sich nur durch Entlehnung crklftrcn 
an äner Stellt* findet sich zugleich Berttkrung mit II. IL II*: 

Guffr. I. GuAr. II. 

|K 8vii var min Sipmlr 2 SvA mr Sifpirtlr 

hia tonnui Giiika, of •onum Giiika« 

»i>m vKfi ßcirlaukr «cm va*ri gitran laakr 

nr prasi vaxinn, nr gnui vaAinn, 

f*<1a va*ri hiartr itcinn r<ta hiortr babeinn 

k hand ilrrf^nn um hvoMun ciynim, 

i.trknait«inn ('«la gnll glö«!rautt 

ytir öillingum. of gri silfri. 



*. Hier «ri nur auf 71, t - muwi »of/'tti ek, mmrndm wk ßtwi -^ Ilyadl. Sl. 34 J9 

wkMiw* atijjmm f»^, ok «Miniiai fit%r\i liiU|*e«pic«eii. 



BEI TRiOE ZUR GESCHICHTE UND EBKLÄRUNQ DER EDDAUEDER. 185 

In H. H. Ily 37 lautet die entsprechende Stelle: 

8t& bar Helgi dogga sltmginn, 

af bildinguin er öfri ferr 

Mm ftnkapacb ollum dynun, 

askr af lijxm ok hörn gl6a 

eda 8& dyrkalfr vid himin sialfan*). 

Daß diese Stolle die älteste und die mittelbare oder unmittelbare 
Quelle der anderen gewesen ist, wird wohl niemand bezweifeln. Die 
Vergleiche sind in H. H. II aus dem Pflanzenreiche (Esche) und Thier- 
re]che.(Hirsch) entnommen ; in Gudr. II aus dem Pflanzenreiche (Lauch), 
aus dem Thierreiche (Hirsch) und aus dem Steinreiche (Gold); 
in Oudr. I aus dem Pflanzenreiche (Lauch) und aus dem Steinreiche 
(Edelstein). Daraus würde man schließen müssen, daß Gudr. I durch 
Vermittelung von Gudr. II, also indirect auf H. H. II zurückginge — 
wenn nicht die zehnzeilige Strophe dort aus unvollständiger Über- 
lieferung sich erklären könnte (so daß das Bild vom Edelstein nur in 
unserem Text der H. H. II fehlen und doch von da in Gudr. I ge- 
kommen sein könnte). Wahrscheinlicher aber nimmt man mit Jessen 
(p. 53) hier Benutzung des zweiten Gudrunliedos durch das erste an. 

Eine noch genauere Berührimg zeigt Gudr. I. 1, 3 f. mit Gudr. II. 
11, 5 ff.; 12, 3 f.: 

5. gerdi-t h6n biüfra gerdiga ok hidfra 

n^ hondum sik n6 bondam h\& 

n6 kreina um b^ kveina um*^ 

Mm konor adrar 8em konur adrar, 

3. er b6n sat sorgfuU [\ik er ek sat soltin 

yfir Sigordi um Sigurdi.] 



er ek s&rla satk 
yfir Sigordi. 

Qnär. L 1, 1 f. entspricht dem Sinne nach Gudr. II. 12, 5—8. — Es ist 
sohwer zu entscheiden^ wo die Worte ursprünglich standen, doch will 
es mir scheinen, als sei Gudr. I aus den beiden Strophen von Gudr. 11 

•) Vgl. S61arU6d 55 (nach Bugge): 

861ar hiort foetr bans 

leit ek srnrnna fara, sidän foldn i 

bami t^mda tveir saman; en t6ku horo til himin s. 

Za doffgu Mlungnm vgl. Orfmn. 26, 4—6 über den Hirsch Kik]>ymi (s. Lex. 
UjÜu mitor*861arhiörtr* und ' Eik))ymir ; Simrock, Myth. 370—74. Sollte dem ent- 
qiraoliend bei dem Vergleiche mit dem eukr itrakapa^r das erhabene Bild der Weltesche 
Torgetehwebt haben? [Ich sehe nachtrilglich, daß Grandtrig, Ssem. Edda *, 225, die- 
■elba Vermnthmig ausgesprochen hat, wie auch neaerdings GOdecke, Edda 337.] 

**) An beiden Stellen wird man mit der Hs. hoeina «er (statt um) lesen müssen. 
Was Biigge p. 842 seiner Aasgabe für um geltend macht, kann nicht aom Abweichen 
von der Ha. bestimmen. 



186 A. EDZABDI 

znsammengestellt; anssordem findet sich das nicht eben häufige gera 
mit Inf. als Umschreibung des einfachen Zeitwortes in Gudr. 11. 21, %*), 
nicht aber in Gudr. I wieder. Also auch hier ist die größere Wahr- 
scheinlichkeit fllr Benutzung des zweiten Gudrunliedes durch das erste. 

Schon Jessen hat darauf hingewiesen, daß die Bezeichnung des 
zweiten Gudrunliedes im Reg. als in foma im Gegensatz zum ersten 
Liede gemeint sein müsse (p. 53), der Sammler also das erste Gudrun- 
lied für jünger als das zweite gehalten habe. Das ist gewiß riehtig, 
wenn schon der Sammler Gndr. I aufgenommen hat, was allerdings 
das wahrscheinlichste ist. Es gibt indessen noch eine andere Möglich- 
keit, die ich wenigstens andeuten will. 

Die Worte am Schlüsse der Prosa vor dem ersten Gudrunliede: 
petta er enn kvedit (nicht sagt) um Oudrünu 'folgendes ist ferner 
gesungen von Gudrun sind nämlich auffallend, denn es ging kein 
Lied von Gudrun vorher. Wohl aber sieht die Prosa sehr darnach 
aus, als gebe sie den Inhalt eines dem Sammler nur ganz unvoÜBtändig 
im Gedächtniss gebliebenen Liedes kurz wieder. Das Versmaß des 
lj6dahättr scheint noch durchzuklingen: TU gengu bcedi konur ok harlar 
at hugä hana, en pat var eigi audvelt (dies Wort gehört kaum dem 
Wortschatze des Sammlers an [s. ob. p. 162], sondern ist wohl dem ver- 
lorenen Liede entnommen). Das verlorene Gtidrunlied müßte sich zehr 
nahe mit unserem ersten berührt haben, wenigstens mit Str. (1 und) 2**). 
Die Worte: pat er sogn manna^ at Ghidrün hefdi etü af Fdfnü hiariOf 
ok Jufn skildi pvl fugls rodd erklären sich, so weit ich sehe, gentlgend 
nur unter der Voraussetzung, daß in dem verlorenen Liede dieser Zug 
irgendwie verwerthet war. Sonst stehen sie in der Prosa ganz auf- 
fallend und zusammenhangslos; daß damit Gudr. II, 38 ff. motiviert 
werden sollte (wie Simrock^ Edda ^, 445 meint), ist bei der Stellung in B 
unmöglich. Die VS. hat den Zug wohl unserer Prosa entlehnt (vg^ 
Symons, Beitr. 3, 218. 232). — Ist meine Vermuthung richtig, so wire 
es nicht unmöglich , daß ein Abschreiber das ihm einfallende dem In- 
halte der Prosa ähnliche erste Gudrunlied eingeschoben hätte mit den 
Worten: petta er enn kvedit um Gudrunu*^), 

*) Ansserdem ist Oadr. II. 11, 1 f. = Sig. sk. 47, 1 f. = 8ig. lang. (i. oll. 
p. ISl) wie auch andere SteUen von Gndr. II (e.B. II. 5, 6 nnd 7, 1 hmip t mMj ^sfS^ 
sk. (13, 1 f.), 8. ebenda. 

**) Man könnte denken, daß Qndr. I, wie in Str. 1 (and 18) dai Bwoita 0«- 
drunlied, so in 8tr. 2 das verlorene Gudronlied benntste, ans dem die Piroaa m 
Gutlr. I einige Züge mittheilt. 

***) Vgl. ob. p. 171. — Auch ist es möglich, daß sp&ter von Sehreiban er- 
gänzte Auslassungen nicht immer aus mangelhafter Erinnerung iich erkUreiii 



BEITRlOE ZUR OESCHIGHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 187 

Haohtrftge (in Big. skamma). 

L 

Die oben p. 176 ff. von mir vertheidigte und weiter ausgeführte An- 
sicht Hildebrands hinsichtlich der Strophen 37 — 39 ist von Symons, 
P.-B., Beitr.- 285, Anm. 3 abgewiesen worden. Ich halte es für noth- 
wendigy an dieser Stelle die Gründe vorzubringen, welche mich hier 
der Ansicht Symons nicht beistimmen lassen. 

1. Symons denkt sich (wie auch wohl Bugge), daß Sig sk. und 
Sig. 1. hier »fast wörtlich^ übereinstimmende Strophen hatten« In den 
von Symons hierfHr angeführten Beispielen glaube ich einseitige Ent- 
lehnung annehmen zu müssen , die Strophen des Scheltgespräches in 
H. Hund, n aber sind, wie Symons, Beitr. IV, 171 nunmehr sehr glaub- 
lich gemacht hat, nur eine ältere Gestalt des in H. Hund. I enthaltenen 
Gespräches. Wo sonst ParalleldarstelluDgen sich finden, z. B. in den 
Atlamal und der Atlakvida, finden wir doch überall wesentliche Ab- 
weichungen. In unserem Falle aber schließt sich die Prosawiedergabe 



dsfi loweUen Lieder absichtlich nur theilweise dtiert waren, obwohl der Nieder- 
Mhreibende mehr von ihnen kannte. Ich glaube nämlich, daß die Sig^dslieder einen 
Abaehnitt für rieh bilden, der anders su beurtheilen ist als die ttbrigen Theile der 
Sammlimg; eine lusammenhKugende und in chronolog^eher Folge fortschreitende Prosa 
ist hier nicht an verkennen , und in diese sind die Lieder gewissermassen eingefügt. 
leh sehe in diesem Stücke mit Bugge (EinL XLID) die aaga Sigurdar ^ auf die 
Noni-)>. (bei Bugge p. 66) sich beruft Demnach bestand dieser Theil vielleicht schon 
vor unserer Sammlung und ward als ganxes derselben eingefügt. Daß in dieser 'Sigurds- 
Mga' die Strophen den Umfang der Prosa weit überwiegen, darf man nicht dagegen 
galtend machen, wenn man s. B. an die Halfssaga oder die Hervararsaga denkt. 
AvHardem würde es sich fragen, wie viel an Liedern etwa durch den Liedersammler 
oder noch spiter hinzugefOgt oder erginit sein kann. Es würde nämlich, wenn meine 
yemathnng richtig ist, dem Verfasser dieser Sigurdssaga nicht auf eine Sammlung 
mOgliehat voUatibidiger Lieder angekommen sein, sondern auf eine lusammenh&ngende 
Dantettang, in die er an passender Stelle ganze Lieder, oder so viel er von ihnen 
bnaehen konnte, einschob. Daraus ktfnnte es rieh erklären, daß es vor Sig. sk. heißt: 
BrjpMldr ... Ui drepa Jmda dina 6Ua ok fimm awh6tUr; pd lagdi hon nk iverdi til 
komm, 99d tem tegir i Sigurdarkvidu inni skommu, womit auf 42 ff. (oder gar 
nur 48 ff.) verwiesen wird, während doch das ganie Lied folgt. Wenn der Anfang 
das Liedes etwa später vom Sanmiler oder von einem Schreiber ergänat sein sollte, 
ao wäre eine solche Ergänzung eines ursprünglich nur theilweise citierten Liedes durch 
ainen Abschreiber in der Geschichte der nordischen Poesie bekanntlich nichts weniger 
alt beispiellos; vgl. a. 6. die Überlieferung des Grottasongr in r und le/?; der Hiko- 
aaraiil in Hkr. {ok er petta upphaf) u. s. w. — Beachtenswerth ist auch, daß wir 
■aeh dem Hinweise 9vd «em tegir i Sigfordarknidu tnm »kommu keine Überschrift oder 
Sis^irdarkvida in akamma erwarten sollten; es steht aber in R Quida Si- 



1R8 A ROZARDI. ZUR ORBrHirHTf: UND ERKLÄRUNG He 

clor vcrloroni'n Strophon der »Si^. L ho ^onuu atirli an die Str^tph*: 
d(*r Si^. skammu an, rIalS mau nicht umhin kann, als Quelle gcLa . 
dicHolbcn Strophen auch in Si^. 1. vorausBctzcn. 

2. Daraus fol^, da(.' nicht an erster Stolle Budlc der die Wr- 
Inbnn^ HrynliildH erzwingende sein kann, \viihn*nd es iu Sig. sk. AH- 
ist; die Strnphin würden dann wohl wcHcntlich anders ;;clautc*t hatwL 
Auch wird Hudle ^on6t zur Zeit der Werbung Ounnard «chon ^•'^. 
f;edaeht (so aubilrücklich in Oddr. und wahrHcheinlich in Atlamal\ aacL 
in (ludr. I, iV» >eliirht Hrvidiild dii* Schuld auf Alle Die Stollen, »i- 
noeh Itudh' in der Kolle de» Atle erKoheint, VS. Cap. 27 Anfang an-) 
Schhitj, erklärt Symons selbst p. 2>^2 ftlr ^Zusiitze des Verfaancr«*. 
Ich glaube demnach, dal.' VS. ITA 4 Ihutfi absichtlich*) oder unab 
t^ichtlieh t'Ur AtU f^eschriehon ist, oder doch IfiO, fi hann auf Atlc h&ttc 
brZ4>;;<*n Wi'rd«'n i^idlen. 

.'». Dil- VS. pht von einer {genauen Wiodorfcabe der Str. 36 (wo si« 
iKM-h ein«*n voll>tiindi;rcrenText gehabt haben map:, k. ob. p. 170, Ann.* 
unniitt«lbar zu Str. 40 über. SvmonH erklürt sich dies »o, daß drr 
Verf. iler VS. hier ^den Inhalt von .'(S— 41" [sollte );eiuiuer heisseo 
.'17- .*VJ: 44t, r> — 41, 4J .tlberp-ht, da er Um schon vorher niitipctheUi 
hatte**. Das ist allenlin^s die Art des Bearbeiters , wenn et sich ob 
Krziihlungon von Bej^ebenheiton handelt, die er schon frahcr be- 
rieht* t hatti* r'z. ß. Si^. sk. 1-5); da(.' dies aber auch bei Strophen 
cine.s < ie.*ipräeheä geschah, deren Inhalt früher schon in einem Oeaprftclic 
vor^ekninnieiu-.s wiiMlerholt, dafür wUüto ich kein Buispicd; liat er doch 
cbenhier Inii. f». tU<7 in l^iii, K.«) und Ifitl. 14 f. in U\(K \0 f wiedcrholL 

4. Str .'H— .'II* knnnen nicht ursprünglich auf Str. *W ^jnfolRt leiB, 
weil .-if, dt-n in Str. 3*» ausp'spntchencn Ent<iehluü Brynhildt Trillijr 
igni>ri«Tentl , dfUM-lben Kntschluü in Str. HO — ausfllhrlich motifiert 
durch Str. 37 — 3<s — noeh einmal bringen. 

II (zu p. i'^n. 

Di'' I^-w•■i^kraft d<r I'bereinstinimunf; von Si^. sk. 20, 1 ff. mit 

Brot ll.fiiF in dem //mm ^jhh wird vi«'Ileicht dadurch etwa» gt* 

schw.-iclil. wi nn auch ^ewitj nicht aut';relinlK*n , dali ^/fmm iu der eddi- 

sch«'i) Ileli]**ndi(*iitunt; mf'hrfach fornielhaft p*braucht wird: Jmm dcwgt 

(Sudr. M. \X 2: fmm hm 'fr A'lm. 02, 1; ßmm atiMffir Sip tk. ICX 3; 

tlmm /iiij«»'!!* VS 14.^, 1.'»: fiu.m knu%nuj*i VS. \IA\ 10; femer Am. 29, Si 

r r:««.tiiin,r fu!^ ) 
I.KlPZn;. im Fchnjir 1^7«. A. EDZARDL 

* >■» i«t aii«-h in tirr \Vi< «IrrffiiK» iler Str 214 (Iah '^ Heti hröAmr Voa VS. !■ 
fii/.- t. 'r -linuBi ^'.raiflrr*. — iV^*i. noch Wilkrti. |iri>ii KtltU XLVII.| 



A. HOEFEB, NACHTRAG sn 8. 17 B. L 1-4. 189 



NACHTRAG zu S. 17 fl. L 1-4. 



Zu der ersten Namenart sind hinzuzuftigen: Bemickcl; Bonn. 
Franzmathes , Mainz. Fränznick, Würzbg. Qötzfried, Regensburg. Hu- 
goth, Frankfurt, vgl. Hugdietrich. Janclaes, Frkf. Paulfranz, Wrzbg. 
Uhlotty Wiesbaden. — Else, Eis ist alter Name des sagenhaften Wald- 
weibes, daneben aber auch, von Elze abgesehen, Herr Else an der 
Donau. — Zu Adamsam usw. vgl. auch Sahm, Wiesb., femer von 
Fölkersahm, Wrzbg., ib. Ulsamer, das auch neben Ulzhöfer in Er- 
furt , neben Uelsmann in Mainz begegnet , schwerlich als Ulsheimer 
denibar. 

Zu der zweiten Art gehören noch: Carlebach und Castendyck, 
MainSy Clausmeyer, Lilneburg. Eickemeyer und Franzreb, Mnz. Han- 
nappd, Wiesbaden, kaum zu no. 1, denn umgekehrt Appelhans s. 
HO. 4. Hannawacker, Wzbg. Ib. Hanspach? Hennermann und -muth. 
Heinefetter. Heinmttller, Frkf. Hugentöbler, Ulm, noch unsicherer Hugen- 
Bchütz, Mainz. Michelack, Mnz., nur Ableitung wie Petereck? Ott- 
müller^ Wiesb. Ottenthai, Mainz. Peterfreund, Mnz., -feldt, -hoff, Berlin. 
Philippar? Wiesb. Walterspiel, Freiburg, für -sbühel? 

Für die dritte Art ergibt die Nachlese nur noch: als Var. Gross- 
pitsch. Erik de hardo, Ehrentraut. Honickel, Wzbg. Jungnitsch, Lieg- 
nits. Eleinhenz. Lüttgering, nach Hofimann v. F. in Braunschweig. 
Langenheineke, sonst ohne n. Lamottte wird frz., Neugirg in Frkf. 
entitellt sein. 

Zur vierten Art sind nachzutragen: Appelhans, Mnz. Baurhenn, 
Emmelhainz, Wiesb. Var. — Feldhinkel^ Wrzb* Fuhrhans genannt 
Fuhr, Wiesb. Herdejost, Frkf. Hockenjost, Elsaß. Hergenhahn? Daneben 
Herchenhein, Frkf. Pott 75 denkt bei Hergenröther an altes Ilcrio, 
doch ist zu beachten, daß jenes dem jungen Goethe eigene dem. 
gen : chen am Main und Rhein hundertfältig in Namen begegnet, dazu 
wgh s. B. ül-, Uhlherr, Vogtherr und meine no. 29 S. 85. — Hir-, 
ffiersemenzel, Hiemenz, Frkf., beide unsicher. Hofheinz. Kiesewalter, 
Liegn« verderbt? Kuhlücke, Kuhmichel, Wiesb. Machnitz kenne ich 
aar als Ortsn. vgl. aber Machwirth, Wiesb. Mandavid, Mainz. Oehl- 
fits hier, vgL 'der kleine Fitz' im W. Meister. Pinkemeile oben, auch 
in Lllneb., wird bedenklicher durch Pinkemeil, Bremen, doch vgl. 
Sdbamiely Liegnitz. Pitt-, Retters-, Reutershan, Wiesb. Ringel-, Welu^ 



190 H. LAMBEL 

haiiii, Licgn. ScLneiderhcnn^ BInz. Sternickel, Autor 1806, aoeh WoH 
Viurnickci, Wzb. Watzelliahn ? I lieher schon Wolfdietrich. ZiHlhan 
Dan 8. no. 4 zu Ende an^enihrte Wapeiihensch könnte leicht wapea- 
hanschcii meinen, das als Wort bei Niesert 3,262 slehtp wie 
Stahlhantscli Wort und Name ist 

GRlüFSWALD, 20. Jaiiuat IHIS. A, 



ZU VELDEKES SERVATIÜS. 



W. Braune wollte (Zachers Zs. IV, 270) dahin gestellt 
ob man i) vtm den 9 Stellen im Scrvatius, in welchen nach der Chcr 
liefening S:ä reimen soll, mit Erfolg verbessern kOnne; mit Reckt 
schreibt er sie aber slLmmtlich dem Überarbeiter so. 

Es ist auch mir bis jetzt nur ftir ^ino dieser Stellen gelugei, 
eine wie ich hoffe, Überzeugende Verbesserung lu finden, die ich nicht 
zurückhalten will. 

II, 266 ff. liest man in der IIs. und Ausgabe: 
Sinte Seiraes dat si baden. 
Den heilighen voersprekere, 
I}at hij haer hwle wert 
Te gode tan hiemtlrikt\ 
270 Dat hij ghenadelike 
User noet bekende, 
Ende vrede ouder hon sende, 
Want hijt walc vermochte te d«»en. 
Si baden Sinte Servatium 
27r> Un$ hiJ8 hode iresr 

Tot gode^ On$en lieten Hemr\ 
Dat hij doer gocds ontfermicheit 
Stillen woude haer grote leyt 
Wer die Stelle im Zusammenhange Überblickt dem kann die 
selif^e Wiederholung, namentlich in V. 275 f., nicht entgehen; 
J. II. Bormans bemerkt zu 274—276 'Herhaling ran V. S66— KR, 
dat by Veldeke nietH nieuws is*. Allerdings fehlt us gerade in Senralina 
nicht an Wiederiutlun^en ; aber eine so schlimme werden wir dem 
Dichter umsoweniger aufbOrdou, als auch der Reim wifikärm in ao 
unmittelbarer Nahe von dem fQr Ueinricb richtigen toAns: 



zu YELDEKES SERVATIUS. 191 

sie verdächtig macht. Ich glaube wir werden daher V. 275 f. unbe- 
denklich streichen dürfen; auch die Construction kann dadurch nur 
gewinnen: V. 277 schließt sich an 274. V. 273 wird man aus me- 
trischen Gründen wohl schreiben mochte doen. 

Ohne auf die zahlreichen Unebenheiten , welche eine hoffentlich 
bald zu erwartende kritische Ausgabe noch zu glätten haben wird, 
einzugehen, will ich für diesmal nur noch auf eine Stelle aufmerksam 
machen; wo entweder Interpolation oder Versumstellung stattgefunden 
zu haben scheint. Freilich was der Herausgeber zu II, 2349 f. be- 
merkt^ hat -Bartsch Germ. V,431 mit Recht zurückgewiesen. Aber 
unpassend und ungeschickt ist es doch, wenn der wieder zum Leben 
erwachte Stlnder, nachdem er erst erzählte, wie er zu Pulver verbrannt 
wurde (2428—2435) und wie man ihn dann mit Kälte marterte (2436 
bis 2438), wieder auf das Feuer zurückkommt um ausschließlich dessen 
Qualen, nicht auch die der zweiten Pein, zu betonen {Dat ich soe 
bemde inden viere, Ghenade was mich diere 2439 f.). Nur wenn man 
die Verse irgend so verstehen könnte, dass im Vergleich zur Qual 
der Spalte die Feuerpein als genäde bezeichnet werden soll% hätten 
sie an dieser Stelle Sinn. Davon sehe ich aber keine Möglichkeit und 
80 sind sie an dieser Stelle nur störend. Wer sie nicht im angedeuteten 
Sinne zu bessern weiß, oder für einen späteren Zusatz halten will, 
dessen Motiv leicht verständlich wäre, wird kaum umhin können sie 
awischen 2434 und 2435 zu setzen. 

Zu den Verbesserungsvorschlägen die Bartsch (Germ. V, 422 ff.) 
gemacht hat, bemerke ich nur, daß I, 2300 die Interpunction des Her- 
«UBgeberB doch richtig ist 2301 ist vorangestelltes Subject, das 2305 
wieder aufgenommen wird. Wegen der angefochtenen Construction 
1, 2905 verweise ich auf Lexer I, 194 (vgl. mnd. Wb. I, 255*), wo- 
durch auch wohl die Nothwendigkeit einer Änderung entfällt. 

PRAG. H. LAlfBEL. 



*) Im hoehdeatsehen SenrstilQB heißt es in der That V. 3482 f. (Za. V. 180) dar 
mäch kom ich we §ölhem garHe dam diu hitne tra# da toider ein tou. Das latei- 
nitehe Original ist mir im Aogenblick nicht inginglich. 



litt K- BAKT8CU, KUSINE HTTTHEILUNOEN. 



KLEINE MITTIIEILUNGEN. 



1. Kindcrspr Aclio. 

In seiner Susannn hat Paul Rcbhun luolirmals die kleine Jabri 
SiisanntMiH Tochtcrlcin , die Kindcrsprachc nachahmend reden laMcfi 
»So sagt Bic Act I, V. 277 zu deui abreiHunden Vater: 

Mic auch| mie auch, lieb vater mcioi 
Bringt was, das gülden ist und fciu; 

und noch hübscher Act II, V. 271 au Susanna: 

Li«b mute, wed ich such inn hymel thamen? 

Nochmals im 4. Act, V. 25G: 

Ncn nen, yo wod yc cttwas thon. 

Ein viel iüteres Beispiel der Nachahmung der Kinderaprache 
gewiüirt eine kleine lateinische Kretthlung in der Heidelberger Hand- 
schrift 314, Bl. 9t)% derselben, aus welcher E. Martin in der Zeitachrift 
nir dt^utsches Altcrthum IS, 578 f. zwei Lügenmftrchun TeröffsnUickt 
hat. lias Geschichtchen lautet: 

Nuta de astucia fcmellarum proverbia inveniondo. 

Erat quidam vir habens pucrum masculum, coius mater obiit, 
et altiTain uzorem nupsit, cum qua Kliam genuit. Contigit aotam in 
spacio trium annorum quod mater pistilia semel frizavit et ■aewto 
convocans filiam puerum suum verum (1. uuum) piatile vel dno dadit« 
dicens: festiiui. comede ne fratcr videat, quia edam Teilet 
Po»tquam autem comedit femella nomine Juslina ad masenlnm i 
Yunc masculus inquit *GusUnlin, wx isst du/ Ipaa respondit 'ieh jü 
ain nUbliu*. Eccc prima astucia, rappam invenit pro proTerbio loco 
pistilitf. Krater autem inquit *Nun gycht es doch nit knischien knaniohtnn 
lin*. Soror inquit 'da hauii ichs erkuitt*. Et fraier itenun ■objoniDt 
Nun pifltu doch schmalczig um daz mauf. Soror reapondh 'leh pin 
lecht (I. leicht) nuezig'. Ecce 3* aMtucia lemelle, ant^van achril 
piTtV'ete luqui, maseulum decepit perfeele. 

K. RAKTHCH 



K. VON BAHDEB, DEB KÖNIG VOM ODENWALDE. 193 



DER KÖNIG VOM ODENWALDE. 



Mit dem Verfall des Ritterstandes in der zweiten Hälfte des 
13. Jahrhunderts findet auch die höfische Minnedichtung ihr Ende. 
Zwar versuchen die Dichter , die jetzt vorzugsweise dem bürgerlichen 
Stande angehören und sich namentlich aus der Klasse der fahrenden 
Spielleute 9 die während der Blüthezeit der höfisch-ritterlichen Poesie 
in den Hintergrund getreten war, zusammensetzen , wohl noch im 
alten Stile fortzudichten, aber das sind Minnelieder , in denen nichts 
von wahrer Empfindung zu finden ist und denen auch die Reimkün- 
steleien und das Wortgeklingel keinen Werth verleihen können. Daneben 
tritt eine neue Richtung auf, die recht in bewußtem Gegensatz zur 
alten Minnepoesie steht und nichts wissen will von Frühling und Vogel- 
sang, sondern realere Oenüsse feiert; dieser Richtimg entspringen die 
Herbst- und Schmauselieder Steinmars. Und man ging noch weiter: 
man gab jede kunstmässige Form auf und erfreute sich allein an der 
Aufzählung leckerer Gerichte; diese Stufe repräsentiert uns der König 
vom Odenwalde. Dieser Dichter hält es fUr eine schreiende Unge- 
rechtigkeit, daß man bis jetzt nur Nachtigallen^ Drosseln, Amseln, aber 
noch nie die Gans und das Huhn verherrlicht habe, daß noch niemand 
das Lob der Kuh, des Schafes, des Sehweines, von denen uns so 
mancher leckerer Bissen und so manches warme E^leidungsstück zu 
Theil wird, gesungen habe. Seine Gedichte sind deshalb größtentheils 
dem Zweck gewidmet diese nützlichen Hausthiere zu verherrlichen, 
deren Vorzüge er in ernsthaftem Ton und mit größter Ausführlichkeit 
hersählt. Andere seiner Gedichte sind rein didaktisch und der Schil- 
derung von Sitten und Gebräuchen gewidmet; auch die in dieser Zeit 
80 beliebte Fabel fehlt nicht. Hier zeigt sich uns der Dichter von 
Achtungswertherer Seite, indem er der entarteten Ritterschaft, deren 
Ehndwerk Raub und Brand ist, schonungslos zu Leibe geht. 

Schon hieraus ergibt sich, daß wir poetische Schönheiten in den 
Gedichten des Königs vergebens suchen würden; aber sie nehmen Theil 
an den Vorzügen, die wir all den Gedichten aus der Verfallzeit zu- 
erkennen müssen. Erst diese Gedichte geben uns ein klares Bild über 
die deutschen Dialekte, denn in der Zeit der Iiöfischen Dichtung sind 
alle Dichter durch die höhere Literatursprache beeinflußt und zwar die 
oberdeutschen in dem Grade, daß es fast eine Unmöglichkeit ist aus 
dem Dialekt auf die Heimat des Dichters zu schließen; bei den nieder- 

eiBIUnA. HfM lUIht XI. (XXm. Jahig.) 13 



194 K. VON BAHDER 

und mitteldeutschen werden wenigstens manche charakteristische Züge 
gemildert und verwischt. Für die bürgerlichen Dichter aus dem Ende 
des 13. und dem 14 Jahrhundert ist diese höhere Literatursprache 
kein Hemmnis mehr sich ungestört ihres Dialektes zu bedienen. Der in 
den Gedichten des Königs herrschende Dialekt ist der ostfrftnkische. 
Ostfranken ist auch die Heimat Konrads von Wtürzburg, aber welchen 
Aufschluß geben uns dessen unzweifelhaft noch in Würzbarg entstan- 
dene Jugendgedichte über den ostfränkischen Dialekt ? Auch Hugo von 
Trimberg, an dem einzelne md. Eigenthümlichkeiten wie die Iii£ auf 
-e wahrzunehmen sind^ steht doch im Wesentlichen noch unter dem 
Einfluß der höfischen Sprache. Anders beim König vom Odenwald: 
in dessen Gedichten herrscht uneingeschränkt der in Ostfranken ge- 
sprochene Dialekt. Aber noch einen anderen Vorzug müssen wir den 
Gedichten aus der Verfallzeit zuerkennen: fehlt es den Schöpfungen 
der höfischen Poesie gar zu sehr an jedem realen Boden, so treten 
jetzt die Dichtungen in die derbe Wirklichkeit ein und liefern uns Züge 
zur Charakteristik der Zeit, die wir in jenen vergeblich suchen. Ge- 
dichte wie die des Königs vom Odenwald, die recht eigentlioh der 
Schilderung von Sitten und Gebräuchen gewidmet sind, liefern natfli^ 
lieh eine besonders reiche Ausbeute. 

Man hat den Gedichten des Königs vom Odenwalde, die iuib in 
der Würzburger, jetzt Münchner und einer Gothaischen Hs. überliefert 
sind, schon früh Aufmerksamkeit geschenkt. Von der Hagen erwähnte 
sie zuerst kurz im Altd. Museum I, 146, er versprach dort auch Proben 
aus ihnen zu geben, was aber nicht geschehen ist. W. Grimm ver- 
öffentlichte darauf in den Altd. Wäldern II, 84—88 das Gedicht tm 
den berteil nach der Gotfaaischen Hs. Wackemagel, der das genselob 
im Altd. Lesebuch (*, Sp. 1137-1140) veröffentlichte, ist auch der Ein- 
zige, der sich über die Gedichte im Allgemeinen ausgesprochen hat; 
er weist sie der Hcroldsdichtung zu (Literaturgeschichte S. 294j. Endlieh 
hat Franz Pfeiffer in seinem Altd. Übungsbuch S. 155 — 158 die beiden 
Fabeln von der mitine rät und ^Thierbeichte^ abdrucken lassen. Roland 
in seinem Aufsatz über die Würzburger Hs. (Archiv des bist Vereines 
für llnterfraukcn, Bd. 11. Zweites und drittes Heft S. 1-66) führt 
die Gedichte auch an und thcilt die Anfaiigsverse mit. Ich gebe asn- 
niiclist ein Verzeichniss der Gedichte nach der Reihenfolge der Wün- 
burger Hs., nach der ich im Folgenden eitlere. Sie stehen hier auf 
fol 192'-20P und (von anderer Hand) 277*— 280^ 

/. Von der küetve, IL Von dem huon und dem ei. IIL Vom der 
Ixense. IV. Vom schdfe. V. Von den herten. VI. Von dem h*^de. VIL Vom 



DER KÖNIG VOM ODENWALDE. 195 

itrd. VIIL Von der mtuae rät. XT. Von dem smn. X. Von dem wolfe 
und dem Kunde etc. XI, Von dem übekn toibe. XIL Vom widereffen. 
XUI. Vom ungelimph. 

Die Orthographie in den beiden Parthien ist wesentlich ver- 
schieden. In der ersten wird uo^ ile^ iu bezeichnet, allerdings meist 
gleichmässig durch u, in der zweiten wird meist bloß u geschrieben, 
wie auch f Air t«, das der erste Theil beibehält, ae wird in beiden 
Theilen immer durch e gegeben, ou durch au. Das mhd. ^ ist durch 
eu, wiedergegeben nur in dem Worte heu^ sonst ist es durch au ver- 
treten. $ und z werden häufig vertauscht, für :;; findet sich ze bloß in 
der zweiten Parthie. Für ewer awenne swd steht fast durchgängig 
wer wenne wä^ doch finden sich noch vereinzelt die alten Formen. 
Jedes der Gedichte ist mit einer Überschrift von anderer Hand ver- 
sehen , die man dem Dichter nicht zuschreiben darf; z. Th. in Prosa 
z. B. vorl Hie get an die rede von der kiiwe; meistens aber in metrisch 
ziemlich regellosen Versen z. B. vor IV Diz ist ein rede von dem schafe 
die 8ol nieman nit uil strafe. Am Schluß ist in der Regel auch noch 
ein Vers angebracht z. B. nach IU (steht erst am Anfang von fol. 200 
vor dem Gedichte VI, da die fol. 197-^199, die die Gedichte IV und V 
enthalten, versetzt oder später eingeschoben sind) Hie hat die rede von 
der genae ein ende nieman sol mich darum phende oder nach VI Ade' 
ade' ade' ade' diz ist uz vom bade. Die 13 Gedichte umfassen im 
Ganzen gegen 1700 Verse. 

Das Gedicht Nr. V von den berten findet sich ausserdem noch in 
der Gothaischen Hs. Ch. A. Nr. 216 auf fol. 93. Die Hs. stammt aus 
dem 15. Jahrhundert und enthält auf fol. 74 — 110 vermischte deutsche 
Gedichte. Den übrigen Inhalt der Hs. bildet das Landrecht und Ab- 
schriften Würzburger Diplome, vgl. Jakobs und Ukert, Beiträge ziu* 
älteren Literatur, viertes Heft oder zweiten Bandes zweites Heft, Leipzig 
1837, S. 294 f. Die Orthographie ist im Wesentlichen dieselbe wie in 
der Würzburger Hs., doch findet sich bereits eu ftir iu durchgeführt. 
Aas dieser Hs. ist das Gedicht abgedruckt in den Altd. Wäldern II, 
84-88. 

Sprachliches und Metrisches. Unser Dichter bezeichnet sich 
selbst als den König „vom Odenwald^; dieser Beiname weist uns auf 
mitteld. Gegenden. Eine Betrachtung des Dialektes, die sich auf die 
Reime stützt, bestätigt es, daß wir hier die Heimat des Dichters zu 
Buohen haben. Beim klingenden Reim, den der Dichter im Großen 
und Ganzen noch ftür 2 Hebungen rechnet, tritt uns zunächst jene 
Eigenthttmlichkeit des Md. entgegen, die in der späteren Sprache herr- 

13* 



]% K. VON BAHDER 

sehend geworden ist : vorletzt*; betonte kurze Silbe, auf die eine Silbe 
mit tonloKcro r fol^, wird lan^ (Wcinliold, Mlid. Uram., §. 59. G9. 73. 
71*. >^5). »So reimt h'lufr : trrhrr II, .'n. gnhfitwahe V, 18. gewmemzgt- 
Htjirn VIII, 13. frrtjeni nndrnceijen XIII, 36. lu anderen Pillen wird 
der kurze Vocal an diesfr Steih* durch Venloppelun^ des folgenden 
CoHRnnanten poRitionslaii^, so buttern (ffUt^m lls.) : Salem 1,21. wr- 
n^nm^ih-mm^ ffUr hnnU) IV, U7. InutAiküttel {kiltef Hb.) IV, 100. Mietr 
(Mite \U.). dritte XIII, 15. 

n reimt auf d bloü im Iteime auf hnn und dessen Flexionen, 
niimlich hdnihm II, 107. HS. idrnn II, iri2. : an IV, 63. Atlf : &af V. 
47. hdn wurde im Dialekt tlen Dichters mit kurzem a gesprochen. t|^ 
Weinhold §. 377. Dazu kommt mieh Tu4ikdH\nn XII, !V3. Der Über- 
l^anp; von d in o kommt zwar auch in anderen Dialekten, namentlich 
dem Uairisohen, vor, ist aber auch dorn Md. nicht fremd (Weinhuld 
§. SO). Im lieimi« nVenihr^Mm II. L>f)0. nfn^idoWl, 1 TJ. : ii^l VII, I'Jl. 
ffrstoznt : firfstzifi X, ^'S. dn : fro XI, 21. h^hitjneh XI, 28. Es kommt 
auch auHHcr dem Keime in der 11h. M*hr hiiutif^ vor; mitnnter wird u 
l^schrieben. 

Die vemchii'dcnen r gind nicht p'^nz Htn*ii|; mehr auseinander- 
gehalten, rti reimt IMnal ^: ^', nftmheh ir^ :y>Acrf 1, S3. vrtch \ fhnnktit* 
rh^U'rh II. H\. tjrrm' lern*- II, Ifil. kn^chtv itjthr^hte \\, 177. r lecke l hlecke 
IV. 73. v«*m»nnmt : k^nnur IV,i*4. Ltrh' : rreche VII, l.')Oi fffen : trfßm XIL 
10. (lÜ. Trotzdem if«t d.iH Hestn-brn »ic :LU»pinander zu halten doch 
noch erkennbar, denn p-^en (liei^e It Beiiipiele von r:r kommen 44 wo 
#> : f uml 31 wo «" : r rcinifn. 

f pliogt v«)r tollendem r in spiiteren Mundarten, namentlich dem 
Md. (Weinholfl jf. til») ;;edchnt zu werden. Denhalb reimt e:S in be^ 
mrr-t:mt 111.3*». Hoi Ar-rrr>ii : v/irmi X, lot lie^t es näher erhaltene 
alte Lttn;:*'. »1« m-m* Dt-Iinun;; vor r anzunehmen, e und e vor r reimen 
aneh aut n-, «iah wiu im Md. Uherliaupt (Weinhold §. ()7) mit r zusammen- 
tidit. Kflejfc: tj^-v'/r: j»r/»*» V,4ri. utvj'ltf'nlr : tct-nU VI, 41. gerrrde ipk^rde 
VII. 27. ^iipTH : H-c-m X. s. Indesfteii irtt e» beachtensworth , daU dies 
HU- «r ent.*«taiuli-ni- •* niemair* aut das andere f reimt, simdem nur auf 
dAh durch tnip-ndei« r verlan^Tte «, S(»wie auf das dem md. Gcaeta 
p-mai: lani; gewordene * im khn;:i*ndeii Kenne. 

Dil* Ableitun^Hhiibe ->> mlid. arr iMt durchweg betont, da sie auf 
SLimm^ilboii n-imt uml zu.ir Hownhl auf lange als auf kurze; in letalerem 
Fall iht wnhrMcheiulicher. daü d<T kurze Vocal vor r gedehnt worden 
i»t, altt daL> «lii- Abl«'itun^d!(iibe -«-r kurz anansetaen ist -er reimt a) auf 
lange ^9llben •tnU-r :urr 1, 40. achriher : lir I, f>8. etkepJSr : g ewSr IV, 6C 



DER KÖNIG VOM ODENWALDE. 197 

«oSr : diener Vlll, 81. bugkel&i' : gewer IX, 60. — h) auf kurze Silben saw 
mSm : enbem I, 76. her : huckeUr I, 125. enper : weckter III, 83. : schuoch- 
worhter IX , 74. t^d^Ti^er : «cAer IV , 36. gern : schuldem VI, 45. reter : 
her Yllly 64. m6ler : ger IX, 76. Jedenfalls kurz anzusetzen ist -er in 
huUmm : Salem I, 22. nwrser : her II, 166. stem : liuhtem IV, 147. 

Auslautendes -e in Flexionssilben wird zuweilen abgeworfen, am 
häufigsten im Dat. Sing, der Masc. und Ntr., aber nur nach langer 
Stammsilbe, was schon frühzeitig bei guten Dichtem vorkommt (Wein- 
hold §. 461). Es begegnet hüsiüzl, 13. kezzelhuot : guot I, 129. rüch: 
sehuoeh IV, 118. Hr8 : fro VII, 7. : tod VU, 191. komU : wvt Vn, 127. «pfe- 
müs : hü8 VIU, 16. sin : stein IX, 6. sweiz : Aetz IX, 15. krephdin : 8ti;in 
IX, 40. scharsach : sach IX, 67. Einzelne Feminina werfen ihr -e ab, so 
sHur : fiur VII, 9. yt«>r : Sachsenfluor VII , 183. ^rwoi : huot IX, 86. ^unt : 
munt XIII, 13. Diese 4 Wörter lassen sich bei guten mhd. Dichtem 
ohne -e finden, bieten also nichts Eigenthümliches. Die 3. Sing. Praes. 
Conj. verliert ihr -e nach Liquiden wie Regel z. B. fnim : kam II, 58, 
sonst ist ein sicheres Beispiel der Abwerfung nur y^oz: rtJ«; IX, 24*). 
Wie die Ableitungssilbe -aere stäts in der gekürzten Form -er erscheint, 
BO anch -a^ere in Stammsilben als -er z. B. sireler : wer (esset) I, 146. 
schepeler : gewer IV, 162. gewer : scher V,45. : hngkder IX, 62. swer : diener 
VIII, 81. enpemiwem^, 8. Ferner ist äne zu an gekürzt, wie durch 
den Reim r?n : ^yef^n V, 49. VI, 49 erwiesen wird. Dagegen bewahrt 
mite als Adv. stäts sein auslautendes e, obgleich in der Hs. häufig mit 
steht Es reimt auf site I, 55. II, 48. 102. III, 58 u. ö. : unslite (Dat.) 
I, 27. : gerite VU, 29. Eine Ausnahme macht goUsmit : mit IX, 80. 

' e scheint auf i zu reimen in mil {yoMi) welY 11, 161, indessen ist 
hier ohne Zweifel wel zu lesen, das Weinhold §. 404 aus dem Gebiet 
des Md. belegt. 

eiii scheint zu reimen in erweiz * spiz IKy ^^ y indessen wird hier 
statt erweiz erunz zu setzen sein, das im Mhd. Wb. I, 56* belegt wird. 
Die Ungenauigkeit beschränkt sich dann darauf, daß i und i reimen. 
Ein ähnlicher Fall liegt II, 223. 224 vor, wo die Hs. liest daz er künde 
die ztt des nahtes sd man sich nider leit] es liegt aber hier sehr nahe 
$6 man nider lit zu bessern. 

Die Ableitungssilbe -lieh erscheint unflectiert immer mit kurzem t, 
so getriulich {getrilich Hs.) : milich H, 83. sicherlich : ezzich H, 88. : sich 



*) Im Verse VII, 60 der mich noch nie bewü halte ich es nicht fUr nothwendig 
ein verküntes Praet. beoilt für heviUe anzunehmen , sondern sehe in befjüt das Praes. 
Der Dichter weicht auch sonst aas Reimnoth yon dem herrschenden Tempusgebrauch 
ab, Tgl. unten 8. 202, Anm. 



198 K VON BAHDER 

II, 184, daf;ogcii iu ilecttortcr Form mit langem i, so erenirichem : tBk- 
teclichen V, 10. offenlirhefi : riehen XII, 13. 

Das mild, in wird in md. Mundarten Hchr hftufig in i1 vereinfacht; 
vgl. Wninliold §. 8(). In unsorcn <j«*dichton liegt jedoch kein Ctnind 
vor, dioftc Ven'infachung der Mundart doH Dichtent zueuschiriben (di« 
IIb. hat r«, Belt(*n im i'/i, in der zweitt*n Parthie aueli bloß u\ im Uc 
gcntheii fteheint der U«'im hiufrl : kiitfel IV, 1()0 die nach i geneigte Auf- 
Bpracho deR ti« zu erweinen. in als Flexionsendung in diu und «i« 
(uom. sing, fem., nom. aoe. |d. ntr.) wird durch //; vortreten wit: im 
Md. Regel (Weinhnid §. 4r>9. 4r>4. Paul-Kraun«-, Heitrilge II, l&^>j. Zwar 
begegnet in der Hs. vereinzelt dv mhd. diu (nom. sing, fem.) ausser 
dem Keime, aber der Keim iV : «iV (acc. pl. ntr.) zeigt, daß rfiir, $t€ dem 
Dialekt des Dichtem entspricht. Als Flexionsendung der Adjcctiva 
wird IU durch <r vertreten. 

Das Md. hat eine Vorliebe dafür goineinmhd. o iu u zu senken; 
vgl Weinhold {S. fil. Deshalb Kndet sich in unseren (ledichten durch- 
gXngig A'iimm ftlr kmn*^i (Inf. und Part. Praet.), 7fMvi-riiim'*ii Dir 'nomun 
(Part. Praet.). Reweitfonde Keinii« sind kumtfi ifntmen (Inf.) il, 1^- 
pttUium : kum (Inf.' IV, U^V fnnnfn : kumni (Inf.) VII. 221. Ausaerdem 
reimen hitntni : numrn unter Kirh in kiinifn (Part) : vt^rntimrn 1, 117. kumm 
(Part.) : 7#»nfim^n VII. 3. ahhimm Part) : vt-rHumm XIII, «U). Dagegen 
hat die Hs. VIII, II knnwn (VKXiA \ tj^nomt^n. 

h:h kommt nur im Keime An/: »// VII, S\ uf:hitf\^Ki vor. 
Die Praep. ii/ wurde im Md. damals wir noch jetzt kurz ausgesprochen. 
I>rrs«'lb«' Keim wird hei Weinhnid §. f/) mehrfach belegt; er findet sick 
auH^ordem auch in der md. Vrouwcnzulit (cd. L:imbeli V. lt>8. Der 
Ki-ini ti : un kommt einmal ntun! : phul 1, 131, fi : un zweimal ruch : BckuceM 
IV. llH. Juoz:ruz imoz II v) IX, 23 vnr. Ich halti* diese 3 Beispiele, 
vtm denen das rrhti» weniger ins (ii-wicht fällt, wril phitl ein Fremd- 
wort int, da» in mannigfacht-n Fnmx'n erseh^int, nicht hinrt*ichend f&r 
die Annahme, dal) in dt-r Mundart dfs Dirht«Ts uo und n zusammen- 
gefalh'n wün*n , ohglfMch dil'^ für» Md. grwidinlich als Regel ange- 
nomnit'n wirfl (Weinhoid §. >^7i. Der Diphthong iV ^ md i, der mit ho 
auf ein** Linie zu .ttilN-n iüt. rvinit immer nur wiiwlcr auf iV, nie auf i. 
Irh halte C!^ nicht fUr brrechti^l, j«*th-ni m«!. Cndicht «Jine awingende 
Keim«* fli«* Diphthong«^ "^> iV abzuerkennen. 

FUr den 0>nHnnanii!«mus bind aun den Keimen weniger Ucsullate 
zu ziehiMi al(i tllr d«n Voralismus. Die Mutae ^telleIl auf gemeinnibd. 
Stule. 6 wird in der IU. /.u p gfwaiHl*-lt nur nach auRgefallenem f. io 
ahper dir nhthr, rnft^r ftir mtprr, mpor fUr mthnr, i Weinhold §. 143). 



DEB KÖNIG VOM ODENWALDE. 199 

Das mhd. Gesetz, nach welchem auslautende Media in die Tenuis über- 
geht, ist nicht streng durchgeführt. Äusl. d zwar geht immer in t über, 
was auch durch zahlreiche Reime bewiesen wird, z. B. gemeüileüly 
224. hm '.bat VI, 48. nit : ffit VII, 145 , aber für p = b:p fehlt es an 
Belegen, ftir c ^ g:e ist nur äin Beispiel twanc : gedanc X, 91 (twang: 
gedang Hs.). Das Wort sctc, das mehrmals im Reime auf Wörter, die 
mit g auslauten, begegnet^ wird wohl in der Mundart des Dichters sag 
gelautet haben, wie die Hs. auch meist hat. Es begegnet pfeffersag: 
^AerUig I, 199. tootsack : tak 11,221. strosag : mag 11,271. mag : sag X, 118. 
Die Verbindung mb wird im Md. gern zu mm assimiliert (Weinhold 
§• 170), daher vememme : kemme IV, 98, ferner ausser dem Reim I, 145 
trummen und tammiB*en flir trumben und tambüren'j überwiegend erhält 
sich jedoch mb, stäts im Worte umbe. 

Sehr gewöhnlich ist es im Md., daß j zwischen 2 Vocalen durch 
w vertreten wird. In unseren Gedichten ist es zwar nicht durch den 
Reim zu belegen, gehört aber ohne Zweifel dem Dichter an. In der 
Hs. steht fast durchgängig küewe für kUejey ebenso müewe, brüewe, immer 
drauwen, mauwen^ nautoefty sauwen fUr draefetiy maejen^ naeferiy aagen^ 
vgl. Weinhold §. 167. 

9 und Zy das in der Hs. überhaupt schon sehr vermischt ist, findet 
sich auch im Reime verbunden in hüs : üz I, 14. drüz : grüz 1, 195. doz : 
glas I, 209. Üiz : hüs IH, 29. 

Der consonantisch ungenaue Reim von n : m findet sich ziemlich 
häufig. In der Hs. ist in diesem Fall theils m in n verwandelt worden, 
tbeils stehen geblieben. So findet sich bodem : roden I, 227. Ehenheim : 
klein II, 245. tuon : ruon V, 66. am : ervam V, 111. hein : bein VII, 83. 
halm : maln VII, 117. an: quam X, 22. stein : heim X, 126. 

Der Infinitiv erscheint ausserordentlich häufig mit der Endung -e 
statt -en, die dem Md. angemessen (Weinhold §. 335. 382) und fUr 
das Fränkische schon aus frühester Zeit belegt ist; vgl. Müllenhoff- 
Soherer, Denkmäler ^, S. 560. Ist die Stammsilbe kurz und geht auf 
eine Liquida aus, so schwindet die Endung ganz; dasselbe ist bei 
ti = sin und überhaupt bei vocalisch auslautender Stammsilbe der Fall. 
Belege: vermüche : slüche I, 79. kle : ge U, 30. gütze : nütze II, 39. bescheide : 
beide H, 59. scharte : warte II, 134. sweize : erbeize II, 192. ttLO : zuo II, 197. 
enitxe : sitze 111,18. müewe : briiewe 111,25. abe : habe 111,48. scheide : kleide 
Uly 72. enper : wehter IH, 83. schäm : ram IV, 31. snüere : rüere IV, 96. 
vememme : kemme IV, 97. paUium : kum IV, 156. künde (subst.) : künde V, 2. 
Use : underwise V, 20. gewer : scher V, 46. trage : sage V, 76. minne : sinne 
V, 85. strafe : gesldfe VI, 1 1. drinne : minne VI , 34. tilge : müge VI , 43- 



200 K. VON BAIIDER 

hiute : bediute VII, 132. türme : tüllrme VII , 133. hende : iMMb VII , S9a 
rill : man VIII, 21». rrkUntjr : volh'nbrimjt' VIII, 32. bedenke : amketJce VIII« 
41*. ifpiir :ßir VIII, Till, bi : »t VII 1, 74. schuochwcfrhfer : eMper IX, 76. ^ 
fr-rii«' : tjrrHt' tjr'rrn : r/r-r/i lU.) X, 3. ct//i!z« :y/c2e X, 23. n/ncie : künde {bat- 
dm IIb.) X, 72. dHrvfujriinde ifünd*! XII, li*. ntov : nniere XII, 39. «of : 
hol XIII, 2<). fci* i^/r-W XIII, 2«. 

Audi im Dut. riur. diT stark flocticrtcii Nomina steht -€ statt -ai 
(nach Liquiden ^ar ki'ino KiHlung), wad ich bei \V(*inhuld nicht bele|^ 
finde, bii hrihjvf ißütjtl II, 17.\ i/t*ririfm/«*r (iii«-rfruHf/em Hs.): viiciflr I\% 121. 
tjcvinl*' : ph^nl** Wl ^ 2^, tft'izr : im'ze WH , Xi, HIoÜ ausser dem Rein 
kommt Od vor, daU der Acc. der starken Adjcctiva sein -n verliert, 
2. B. Miif für «i/irii Vlly 44. 4pi/e für ^f'/ni XI, 1. 

Eine nid. Kip-nthUmlicIikuit ist es ferner, daU die 1. Sing. Praec. 
in der bchwucheii Conju^ation auf -rn aus^rf^ht (Weinhold §. 378) was 
einmal belef^t int, rutn-hm : kwtchen II, *J7. 

In dt-r 3. Tlur. IVae«. Ind. bieten die Reime gemäß dem md. 
Sprai-Ii;;« liraucli ( Weinhidd g. 375) durchweg -«i. So iclhm : bMben I, €\. 
frirn : mhru-n II. 172. b'n* : min 11,20;'). 21i(. ir<W«*ii : hinden IV, 27. iAnllen : 
ti-l*n IV, N). nhi : I« IV, IfHL If^Hijt'n : hantjrn IV, 134. nriMn : ktin V, llti. 
(nifjm : ft #/»n V, 21. f^chrit : htichfn VII , 13*1. Ai/r«*!! : genrifzen VII, IfWV 
irfrrd»n : »rdrH VII , 211. /»/i/«-»! : ^-i/w'ii VIII . 79. df^nnndrn : kinden VIII. 
IM. riirhüiihtt : riiuhik IX, 60. tcirrrrn : iirrm XII, 4r>. r/r*'!! itrrßrm XII. Hll. 
Der Krim sinf : kinf ]r-i^^< III, K^ XII, 21 ist ohne Beweiskraft*). 
Au.s.ner d« m Keiim- tindi.t hicli in der II». h.'&utig -«ruf, was hiernach 
keine Bereehti^un;; hat. 

Ii'li erwähne bchlit l3lieh noch einige WiVrter. die in der Gestalt« 
in welelii r >'u' in den (ii'diehten auftreten, speeitisch md. »ind. ob und 
t^hr^ 2 \V<'>rter die natur;:eMiiiü nieht im Keime vurkomraen, erscheinen 
in diT Ilt«. üi»\ dureliw«-;; als ah .11.*.*. VI, 4< und adW* (I, *>1. II, 173. 
III. Ml VII. 147). v;;l Weinhold i$. :Ui7 und 314. fragen, diese md. 
Ni-hi'ntnrm zu Ji-'iifn i Weinliohi §. ('m) erscheint im Keim lund^nmgnt 
XIII. .Vi. ttu^^l■rd«-nl //*';;/ X, »Vs. Pn^^cgon begegnet /ni^fli O^rri^im) 
V. 1.» i*in bildet sein Part. Vtavl, g»'irtjit (:»i^^Il, If). VII, I75V Wein- 
linld nS. 3^1^ ni-niit diese nnl. Neben form von gnc^ien eine .plebejische* 
Fnnn. in der Tliat hAbeii ^icll I>icht«*r, die unter dem Einfloß der hO- 
tiM'lifn Sprache standen, wie lltig«» vom Trimberg, ihrer enthalten. 



* vir» tin<! ni.' tr h «*}!.• ii in «Irr Muiit]art ilr« Pirhtrr» fMUK |rl<*ichbvdcoleii4 
riiiAi.'lrr tHstAXiiUn lu ttuM . «in Kteht f <mo)iI für den Iml., ab §int für dwm CoaJ. 
^im K'izu«' I, 2«'rt i:n<l auMcr demscUieu bauti,; . I>i« llnoiUrt lialie abrrb«ipl 4ca 
l'ntTMrhiril g«U<.Ufii lud uu\ Cuuj. in der 3. Tlur. Tsrlorrn. 



DER KÖNIG VOM ODENWALDE. 201 

trotsdem erweist sie sich als eine echt fränkische Form schon dadurch, 
daß sie sich bis heute in diesen Gegenden erhalten hat. 

Diese Zusammenstellungen erweisen zur Genüge, daß unsere Ge- 
dichte dem md. Sprachgebiet angehören, aber in welcher Gegend 
Mitteldeutschlands sie entstanden sind, dafür hat sich noch kein Finger- 
zeig ergeben. Indessen negativ können wir doch zu einem gewissen 
Resultate gelangen. Es ist nicht der geringste Anhaltspunkt vorhanden, 
daß die Gedichte etwa dem mittelfränkischen (niederrheinischen) oder 
thüringischen Dialekt angehörten. Namentlich nöthigt uns der Um- 
siand| daß die im Md. so beliebten Reime von g : ch ganz fehlen, eine 
südliche dem Oberdeutschen nahestehende Mundart anzunehmen. Selbst 
das Südfränkische kennt diese Reime (z. B. Friedrich von Hausen 
MF 48, 25. 54, 38), nur das Ostfränkische nicht, das in Bezug auf 
den Consonantismus im Wesentlichen den oberd. Mundarten gleich- 
steht. Auch im Renner kommen Reime von g : ch nicht vor; im Übrigen 
ist die Sprache Hugos von Trimberg so sehr von der höheren Literatur- 
sprache beeinflußt, daß sie uns wenig Aufschluß über die Eigenheiten 
der ostfränk. Mundart gibt, nur die Inf. auf -e erscheinen häufig 
im Reim. 

Dafür daß unsere Gedichte in Ostfranken enstanden sind, zeugt 
auch das Auftreten des Suffixes -lech mit der Function den Plural der 
Deminutiva zu bilden, was ausser dem Schwäbischen und Bairischcn 
nur noch im Ostfränkischen vorkommt. Vgl. Weinhold §. 262 und 
besonders Grimm, Gr. UI, 674. Es erscheint in phanküechelech {: frech 
II, 82) und haubtloch I, 180, dessen Emendation in hdvbtlech ich für 
unbedenklich halte. Grinmi weist besonders auf die heutige Sprache 
hin. Ich fiige hinzu, daß Pfanneküchlich z. B. in Mürnberg noch heute 
gang und gäbe ist. Die Form -lech gieng der heutigen abgeschwächten 
Form 'lieh, die sich schon im Renner V. 1354 findet, voraus. Sie 
findet sich auch sonst in fränk. Schriften, so megelech im Buch von 
guter Speise Nr. 91 , weckelech , kneffelech in den Setzen und Geboten 
des Bischofs Otto von Würzburg von 1342 (herausgeg. von Ruland im 
Archiv fhr Unterfranken, Bd. 1 1, S. 74 - 108). 

Ich komme schließlich noch auf einige dialektische Eigenthüm- 
lichkeiten zu sprechen, deren Erklärung Schwierigkeiten macht. Ich 
erwähnte schon die Formen drauwen^ mauweriy nauwen, sauweriy in denen 
nach gewöhnlicher md. Weise w an die Stelle von ;' getreten ist; aber 
wie erklärt sich au für zu erwartendes df Schwäbischer Einfluß, an 
den man zunächst denken könnte, da die Hs. nicht weit von der 
schwäbischen Sprachgrenze abgefaßt ist, darf nicht angenommen werden, 



202 K. VON BAHDER 

da nicht oin und dasBolbn Wort zugleich eine md. und BUi^Iaich eixke 
ftcliwüliisrho Ei^enthUnilicIikoit an sich tragen kann. Vielmehr «ird 
Hich da» u in finttncf^n etc. nti» dorn folgenden ir entwickelt haben 
\Vi-inlifild §. KN) pbt eini^n^ BeiBpielc aus JcroBchin^ in denen am r- 4 
i>t, bi'KondiTs rfmurf = ^-^/l/v wdrtlo unRorem Fall entsprechen. Enet 
dir 4 Wfirtrr tiM<l(*t hIcIi im Copialbuch dcH Stiftes Mosbach (Moof, 
Zt. 3, *tOA) in drr Form stnucen, pinz ont8pn*clicnd, ausser dafi uaaerv 
II>. (li*n I 'miaut doH ni/ in ru nicht kennt. Ob man dies cm Hkr s 
dem Pic'btor, «mUt blol: dem Selirriber zusehrfiben muQ. Iftßt sick 
nicht entM*hi-iden. In eini^'en anderen Füllen möchte ich es heatiinnit den 
Schreiber zurechnen. VI, K*. 20 findet sich der Keim tinhtiwte : l^tf 
ßtiiimr. I)ir Andcruii;: in ltwtj»fhut' \\i%\ sehr nahe, erklärt aber die 
auffüllende F(»nn Innffnnume nicht. Icli vermuthe, daß der arsprüni;- 
liehe Keim wnr fMuime : lufitf-^thnti, wa» vom Schreiber entstellt worde. 
Ein iihnlif'h«'r Fall bi'i;i*^net VII, (il). 7n, wo die Hu. liest iihir frii ist 
ftro in tlfii k^ntth dnL, fr hi fiiifi»ff*'r hbinh. Auch hier halte ich es ftr 
sehr wahrscheinlich, daÜ der Heim im Orijnnal itU& : 66li = UfA : 
hW& lautete. Man kimiite hie^epMi einwenden, daß bleib hier nicht 
als Ind. IVaet. sondern als <*nTij. Praos. aufzufassen sei, also Ar bN^ 
stünde. Allerdings wi&n* zuuUehst der Conjunctiv zu erwai1«*n; aber 
hei unserem Ktuii^, der so utl kla^t. wie schwer ihn das Dichten an- 
komme, dürfen wir k«'in Hedenken traji^en, anzunehmen, daß Reinnoth 
ihn hier veranlagt hat den Ind. Praet. zu wählen. Auch sonst findet 
man den Ind. rra«-t. wo man den (^mj. IVaes. erwarten sollte; »e 
iV, 71- 12 fi'trhüfij» h*i»f nftf'rr**if ilaz man mit fwtch^ hrtjreif^^. Nichts 
liereeliti;;t uiin AMzuiifhmen, dnll in die Mundart des Dichters bereits 
der n«*uc Vocalismus ein;;ednm^«*n sei. Derselbe findet sich allerdings 
vereinzelt in ostfriink l'rkundcn schon um I34N) (Weinhold §. 99): 
daraus {st aber durchaus nicht zu Hchli«'üen. daÜ die Volkssprache il 
damals schon p-ksuiit habe. In di-r WürzburpT Hs. selbst, die 
die Mittf des lt. Jaliih. ab^efal:t ist, findet Rieh ri flir i zwei- oder 
•Ipiiiird in df-M (■• .lichten des Iv«*lli;r^, im Kueh von fn>ter Speise und 
den St t/en uihI tii-botin d«*» Hi«i«-||iifH Otti» i^t mir kein ei flir i aaf 
^'esto^si-n. Deshalb darf e» auch t'Ur die Mumlart unseres Dichten 
nicht an^i'iii»mn]«-n wenien; nir bleiben also bei der Erklärung Ton 
k^mih - kW> - kUih al.. Ind. IVa.-t. 



* A'Kli III <'ini,:*n Mi'irrfn K»lliri «nrbt d«r Oirtilrr aut lUianotll Vo« 
hrrrtrh. r.irii M'du* un>l 'l\ n.; :»;• !>rAUcb ab. »o ttebt VII, 30 Cu^j PrSlI. lUlt Co«i 
!'f»i'«. VII. ••» I1.4 l'fsri %\.\\\ \iA IVaet. IV. |0 lud I'ratt tUtl lud Vfwm, 



DER KÖNIG VOM ODENWALDE. 203 

Es scheint mir noch ein Fall von ä =: ei vorzuliegen. 11, 163. 
164 liest die Hs. so versteige ichz dennoch dol man versiut {vsvt) ein huon 
M mol. Man könnte in der ersten Zeile dol als toi fassen, so daß der 
Vers etwa heissen würde: ich wäre toll wenn ich es verschweigen 
würde ; jedenfalls ein sehr gesuchter Ausdruck , auch bliebe dennoch 
onübersetzt Besonders spricht aber dagegen, daß man einen Reim 
wie d(d : mal unserem Dichter nicht zutrauen darf. Ich lese deshalb : 
§6 verswtge ichs dennoch tdl: man verstut ein huon ze mal. Der Schreiber 
▼erwandelte das von ihm nicht verstandene tdl = teil in doly wie mdl 
in mal. Der Sinn des Verses ist so vollkommen zutreffend. 

Durch diese Beispiele scheint mir erwiesen , daß unser Dichter 
die Zusamroenziehung des ei in d bereits kannte. Gehörte nun seine 
Mundart zu den oberdeutschen , so wäre hierin nichts auffallendes, 
denn bei diesen findet sich die Zusammenziehung des ei wie des ou 
zu ä bereits in früher Zeit, v^I. Weinhold §. 56. Für das Md. dagegen 
gilt eine andere Zusammenziehung, die des ei in e und des ou in o, von 
der Weinhold §. 65 Beispiele gibt. Ziehen wir dagegen die heutigen 
md. Mundarten heran, so finden wir, daß in den südlichen, also den 
■ttd» und ostfränkischcn^ die Zusammenziehung des au in d durchgängig, 
die des ei in d vorherrschend eingetreten ist. Über diese auffallende 
EIncheinung hat vor kurzem Ernst Wülker in seiner Abhandlung über 
die Lauteigenthümlichkeiten des Frankfurter Stadtdialekts im Mittel- 
alter, Paul-Braune Beiträge IV, S. 25 f. gehandelt. Er belegt e für ei 
nur mit einem Beispiel aus dem Jahre 1463; bei dem ou ist Zusam- 
menziehung in d häufiger, aber auch d findet sich nicht selten, am 
firfihesten aus dem Jahre 1355. Wülker constatiert ferner, daß im 
heutigen Frankfurter Dialekt die alten ai (ei) und (m gleich klingen 
und ein Ton entwickelt ist, der die Mitte zwischen d und e hält (dies 
mag eine Eigenthümlichkeit des Frankfurter Dialektes sein ; in anderen 
md. Mundarten hört man aber ein reines d). Er fahrt nun fort: „die 
Fortentwicklung des alten Doppellautes beruht ebenfalls darauf, daß 
man aus der Stellung des Anlauts nicht mehr entschieden in die des 
Auslauts übergieng, sondern auf halbem Wege stehen blieb. So ent- 
stand ein nach i oder u hin gefärbtes a, also ein e- oder d-artiger Laut. 
Die immer grössere Entfernung vom Auslaut, die immer geringer wer- 
dende Energie in den Auslaut hinüberzuleiten, brachte einen immer 
mehr dem d sich anähnlichenden Klang zum Vorschein und mußte einen 
gleichen Laut für beide einst so femstehende Diphthonge herausbil- 
den*. Diese Auseinandersetzung trifft insofern gewiß das Richtige, als 
fie das 8 der älteren, wie das d der jüngeren Zeit dadurch erklärt, daß 



304 K. VON BAIIDKR 

dftff Hauptgewicht auf dem ersten der beiden den Diphthoof? bildendec 
Vocale ruht, aber entscliioden unrichtig beurthoilt Wfllker das alle ^, 
wenn er es als eine Mittelstufe zwischen fi (das er als ai faßt) und ä 
betraeiitet und als ein nach i liin ^eftlrbtes a bezeichnet. Meine Asaickt 
i^t virliia*lir diese: die md. Form des i-Diphthongs war in mhd. Znt 
rt\ wnbt'i der Ton in der Weine iiuf dem f ruhte, daÜ er häufig zwar 
nielit in der Sprache (denn im Keime auf altes S kommt dies € nur 
biU-hst vereinzelt vor, v^l. Weinhold §. 06), wohl aber in der Schrift dnrrk 
#* wiederp*;r(*b<'i] wurili*; im Lauf«* des 14. Jahrh. wandelte sich dies 
t'i dunli die MittrUtuf«* iii in tii. Dit'ser Ilber^^anf^ geschah vielloicht 
nicht pan/ ohne üu^mt«* Kinwirkun^. Ktwa gleichseitig; fällt das Eicr 
dringfu der ncum Dipbtlionge tit tat für i u in den md. VocJÜismOAb 
leli rrinncre nun an den im 14. Jahrh. namentlich in Österreich befr- 
hchendt'n (itdiraueli d«-n nlt«*n I>iphthon|; durch di, den neuen darrh 
ri AM br7.«'iehn(*n tWi-inhold, Hair. (irani. ^. 1^), dem gewiß ein wirk- 
licher rnt«-r.**ehifd in di-r Aussprache zu (irunde lag. Im bairisches 
<iebii*t hat nun wuhl der i-Dipht)iong von jeher die Aussprache «u ge- 
habt; in Mitti-Ideutr>clilHiid war das anders, hier herrschte ei und der 
iii'U «•iiidrin;;**iidi' Diphthong ti -r- i hlltte deshalb mit dem alten n 
/ini.'inimenlalleii nHifcsm, wniii nicht l(*t/teres die Kntwickolung nach 
dem '14 hin t-ingeschlagen hiittc. Dal: diese Kntwickelung durch den 
der Sprache inhewii|ineii(I«-n DitferenziiTungstrieb befiirdert wurde, halt^ 
jeh nicht filr unmöglich. Die m<l. Neigung auf den ersten der bt*id«n 
den Diphthong bildenih*n Vncal«* den Ilaiiptnachdruck su legen, die 
da> 'i' mit '' h.'itt*- wiehüi-ln lah.^en. tkbertnig sich nun auch auf das 
*ii uhil fiilirte srhiieulich zu dem jetzt herrschenden n. Es ist zu be- 
aclit«:;. daü ki-inesuigN alle mil. Mundarten d fUr ri haben: viele kalten 
an d*-m alten *" t'i-st, so namentlich das Kölnische, das Thüringisrliey 
ilie das alte t beibehalten und in Fnigo den auch keine Verschiebung 
bei d« m 'i' haben eintreten las^sen , \^'l. Weinhold §. 92. Aber aaek 
manche Mundarten, iln- (/ fitr i linreligefuhrt haben, wie das PflÜsiscbe. 
da- < M)erslichhihcli«- bieten '" (itr 'i' und nicht d. Bei dem d ttkr an» 
• IsH eine weitere Ausdehnung als d fUr ^i hat, ist der Vnrgan|^ ein 
anal«»::cr. 

In d«-r Mund;irt tht* heutigen Frankens herrscht ii sowohl für ei 
ai-> Mir nH . \\:\ die lV<>ben bei Finnenich II. 3^;') ff. Ks ist mir nun, 
•i:i di«- I'rkundeM au-* di*-«*T tifgmii ««rst in geringer Zahl vurlie^rn, 
niiht ni> •unlieb zu euLi^clieiden. ob liier ein altes «ii vorliegt oder ob die 
«•.•«ttranki*«!-!!!' Mumlart ili'U l'bergang dt*s ri in rai, der flir die sUdfrin- 
kischeu Dialekte anzunehmen ist, mitgemacht hat. Letzteres Tormon* 



DER KÖNIG VOM ODENWALDE. 205 

gesetsti darf es ans nicht Wunder nehmen bereits bei dem König vom 
Odenwald Belege zu finden ^ daß sich der Übergang in ai vollzogen 
hat; denn wie auch der neue Vocalismus im Ostfränkischen erheblich 
firOher eintrat als in den südfr. Mundarten, so wird dasselbe auch mit 
dem ai fttr ei der Fall gewesen sein. Der Schreiber der Würzburger 
Hb., der das aus ai zusammengezogene ä überall entstellt, sprach den 
Diphthong wohl als ei aus; auch in der heutigen Würzburger Mund- 
art (bei Firmeuich II, 410) findet sich e für ei statt des zu erwartenden 
ä, das die übrigen fränkischen Mundarten haben. 

Resultat dieser sich auf die Reime stützenden Dialektuntersuchung 
ist also, daß wir einerseits durch den ganz auf oberdeutscher Stufe 
befindlichen Consonantenstand, andererseits wegen des Auftretens des 
Suffixes 'Uch in deminutiver Bedeutung, nach Ostfranken geführt 
werden. Die Kennzeichen des Dialektes sind sonst die allgemein md., 
nur zeigen sich bereits Spuren der später durchgedrungenen Mo- 
nophthongisierung von ei in ä. Die Mundart des Schreibers der Us. 
war also im wesentlichen auch die des Dichters; deswegen sind keine 
gewaltsamen Änderungen vorzunehmen. — Ich bemerke schließlich noch, 
daß mit Berücksichtigung der dialektischen Eigenheiten die Reime 
als durchaus genau bezeichnet werden müssen Wirkliche Reimun- 
genauigkeiten sind — von den Fällen wo u:uo, ü: iu reimen, abgesehen 
— nur die Verbindungen von m und n und auch hier mag häufig im 
Dialekt wirklich n für m eingetreten sein, wie es z. B. in der oben 
genannten Würzburger Polizeiordnung heißt: von den die phel kein 
tragen (a. a. O. S. 86). Ehe wir hieraus Schlüsse auf die Abfassungs- 
zeit der Gedichte ziehen, müssen wir die Metrik derselben einer Unter- 
Buchung unterziehen. 

Der Vers, wie er in unseren Gedichten erscheint, ist im Wesent- 
lichen noch derselbe wie in der Blüthezeit der mhd. Dichtung. Der 
Unterschied zwischen stumpfen und klingenden Reimen ist im Großen 
und Ganzen noch festgehalten. Die wenigen Beispiele, die ich oben 
anfahrte, in denen ein Wort, das in der vorletzten offenen Silbe einen 
kurzen Vocal und in der letzten ein stummes e hat, auf ein Wort 
reimt^ das lange vorletzte Silbe und in der letzten ein tonloses e hat, 
müsaen als Ausnahmen angesehen werden gegenüber den hunderten, 
in denen das richtige Verhältniss eingehalten ist. Es ist beachtens- 
werth, daß nicht allein die Ableitungssilben -heit -in -lech "lieh aus- 
•ohließlioh im stumpfen Reim verwandt werden, sondern auch die Silben 
-Ä* -er, sowie -aZ -cZ -ich in Fremdwörtern noch vollkommen aus- 
reichend sind den Reim zu tragen. Für -er -er verweise ich auf die 



206 K- VON BAIIDER 

oben angeführten Reime ; aber es ist kein Beispiel vorhanden wo dioie 
Abloitun^sAilbcn im klin^^endon Kviin verwandt wären. Aber auch bd 
-«]/ 'tt 'ich iflt dasBoIbc der Fall. Ko erscheint Bicherlteh : eaieM II, 8&. 
hei : mnr9^l III, 14. tq,pich : ich IV, 127. i^cAfi/ia/ : übcral VII, 179. EbiMO 
wird die lat. Silbe -um bohandolt pallittm : kum IV, 155. 

Dan BeHtrebcn llrbun^ und Senkung regelmässig abwechaeln sa 
laAiien, JHt im Allgemeinen nicht zu verkennen ; trotzdem fehlt ea Dicht 
an UeiKpioicu, daü die Senkung fehlt und swar nach allen 3 Hebungen. 
Verse, in denen unzweifelhaft die Senkung nach der I. Ilebnng fehlt, 
sind: I. 111 von ntfrrn ein hrntjel, 11,34 mit roMcn bedecken^ 55 gmaUr 
gt^rihh, :i\y< th-r brrfrr der hat diu knifftm. Häufiger pHegt sie nach der 
2. Ilcdiung zu fehlen z. H. I, 42 v^rttpilt mang huobe $tn vd, 85 mmi 
die J'tchrit'mfn y l.'iH in dein houg^nd^n irnqen und so noch II, 82. 233. 

2;V,. III, 1. IV. 72. 113. VI. ir,. VII, 12l'. VIII, 76. 123. XI, 28. XIL 
by<. XIII, 47. Am häufigsten kommt Auslassung der Senkung nach 
der 3. Hebung vor, hier sind die BeLnpifle ausserordentlich imblreidi 
u. a. 1, W2 K'i int sie für d^n irint guftt^ VJl tcheideii über dmiftnijf , lli 
113 tfinV dann i*t rin man trunt, v;;!. noch HI, 4H. IV, 15S. Vp 121. 
VI, 4i;. VII, 172. VIII, 34. IX, XI XI, 1«. 

Por Auftakt kann entweder V4irh:mden sein oder fehlen, beides 
kommt ungefähr gleich häutig vor. Dagegen ist zweisilbiger Auftakt 
selten: wo fr erKrlicint, wird er meint durch 2 leichtbetonte Silben ge- 
bildft, ^i» I, \W daz int auch »'in tptttfvr pf'jffrsag, II, 231' so *ir darrm^ 
uimmrr gunt int, III, K-| #; ißt nurh fin gnofi^r trrht/r, IV, 38 <lcs gt- 
trinii't rz *iH und*r^chtit. Kben.so diirfen wühl unbedenklich als Anf 
takt ;renommen werden dii* 2 erxten Silben in II, 76 rr aleht rier über 
griff rn^ IV. 1*4 h***'U*»f»l invg^minf und fut»ch, IX, 4 kiinig fihte Kai 
rin getviuu'rz, XI H. .'W juttrfm rittf-r undr knap^trn. Zwei^ilbig(^ Hebung 
i.**t nueli in i'ini;;en Fälh-n an7un<'lini*-n und zwar nicht allein an erster, 
sitndrrn nurli nn 7.w«-iti-r und dritter »Stfllr. Lrtzten* Fälle alt Ab- 
wrif*liiitiL'>'n Vi in d'-r nihd. ne:;«'l führe ich an I, 213 «iV besüken ir 
ir f. «l^^ 1*1 1^", II, Ti» d>r mV»»«/ ti*r in rifiAvii, 7'.* und riirr mirz mmd^r 
'in f !/!'/• r, III.l'.S ♦//'■ /fi'" n drundrr ir »Vr httcart, IV, \^^ rniiy-ii nnsUi kaypm 
und /ir/r.f, *'1 irh %inj»z rirhrn ti9ii nnm^H ^ VIII. fitl wrr der katsem dte 



* Grl.t ilrr StAinni ai:i nur l.ii|iiiiia «ui, »o wird «ift ■choa in 4sr Hil 4as • 
•li-r Kndiiiii; auKirrMorfrii. lu vtrLt VIII. *si teiln 'in di-r Scakan^ , daraack bl aa 
bcMrni II. IV:! iri.^« für u-Uen, II, ■.•06 woln für voIUh, VII, tl5 kLirm f(U 



DER KÖNIG VOM ODENWALDE. 207 

Haben uns die bis jetzt angeführten metrischen Beobachtungen 
im Allgemeinen nichts von der mhd. Regel Abweichendes gezeigt, so 
tritt uns dagegen im Folgenden die Verfallzeit klar vor Augen. Es 
läßt sich nämlich nicht verkennen, daß in den Gedichten sowohl 
stumpfreimende Verse von 3 Hebungen, als auch klingend reimende 
von 4 Hebungen, wobei der klingende Reim nur noch eine Hebung 
trägt, vorkommen. Interessant ist es nun zu beobachten, daß die Ge- 
dichte sich in 2 Gruppen scheiden, in der einen sind ausschließlich 
Verse mit 3 Hebungen, in der anderen nur solche mit 5 Hebungen — 
um diesen Ausdruck der Kürze wegen zu gebrauchen — eingestreut. 
Ich erwähnte schon am Anfang, daß der größere Theil der Gedichte 
dem Zwecke gewidmet ist nützliche Haustbiere zu besingen; hier spricht 
der Dichter ganz im Volkston imd gestattet sich deshalb auch Verse 
von 3 Hebungen. Dies sind also die Stücke I— IV (IX bietet zufidlig 
kein Beispiel)| woran sich VII vom stro anschließt. Die andere Gruppe 
bilden die didaktischen Stücke^ denen ein gewisser kunstmässiger Cha- 
rakter beizulegen ist, also VI. XI— XIH, woran sich die Fabeln VIII. 
X schließen, in denen die Regel aber nicht consequent durchgeführt ist. 
Das Gedicht Nr. V, das seinem Inhalte nach hierher gerechnet werden 
müßte, bietet nur regelrechte Verse. Hier folgt der Dichter dem in 
der Kunstpoesie herrschenden Gebrauch und rechnet deshalb den klin- 
genden Reim auch bloß fUr eine Hebung, obwohl in seiner Mundart 
die Endungen noch hinreichend betont waren um auch eine Hebung 
SU tragen. 

Die Zahl der Verse von 3 Hebungen, welche die Hs. bietet, läßt 
sich nun allerdings bedeutend reducieren, einerseits indem man Aus- 
lassung der Senkungen annimmt, andererseits indem man Verse, welche 
mit 2 kurzen Silben reimen, nach md. Weise als klingend gereimte 
auffaßt Indes haben wir gesehen, daß die Auslassung der Senkung 
wenigstens nach erster und zweiter Hebung doch nur beschränkt auf- 
tritt und daß es ferner keineswegs berechtigt erscheint Reime auf 
2 kurze Silben durchweg als klingende zu betrachten ; und selbst wenn 
man beides \\\ ausgedehnter Weise zuließe, bliebe doch noch eine be- 
trächtliche Anzahl von Versen, die nicht ohne gewaltsame Änderungen 
mit 4 Hebungen zu lesen sind Folgende Verse haben nach meiner 
Ansicht unzweifelhaft nur 3 Hebungen: I, 11. 12 lüter und gelebt der 
man sich Uherhebt^ 71. 72 mtte stifel guot derm leder rehte tuot, II, 159. 
IGO sd ist nü unverboten er habe ein huon gesoten^ 185. 186 dem ist alsd 
gdeh und sliufet hinden nach , 203. 204 die muoz man danne holn und 
tnerfen ilf die koln , III, 89. 90 und bindenz Hf den heim darunder stiubt 



208 K VON UAHDEK 

der me/iti, 111. 112 hilrger und gebur die rede tcart mir 96r^ IV. 31. 33 
«fV trö//i sich auch nicht schäm sie sjttuinenz an die ram^ 143. 144 dm 
man ig fr wirt g^fnnnt und wrdtllchen kumt^ VII, 7. 8 danme die vom jM 
maehrn die Hute frö, lUT. 1U>< vom striiire kumet heil stcd man hdt hitr 
teil, 111. 112 von sfrmce ilstln teert die man zucm {suo dem Ht.) wak» 
hnjert^ 14i>. 14<) c/<iz retU ich wie nit mit stro man guot üf gti, ZuveUcn 
reiui(*ii nucii V'erse von 3 Ilebungcu Auf Verse von 4 Ilebangen. Zirmr 
lie^t C8 hier noch nüher AuHfall von Senkungen anzunehmen, aber ibad 
wird auf diese Weiric nicht alle Kftlle bi'seiti^en können, i. B. II, 141 f. 
fliuU g^'dihft z*' ostt-rn ß^isch gtwlltet, III, tiU. 70 ez ist ungelogen wun kiX 
diii kil znuni sttinUttgen^ VII, 127. 128 ^/r*) in komU füert man in dm 
landen vlt, Isl, 1^2 ftru tif halme füert man in dem melme, 

I)ii- V<T(i(* von 5 Ilebunfi^en treten in den (icdichten der ztrcitcn 
üiiip|ie nicht so vcniuzelt Auf, wie die von 3 Hebungen in denen der 
«Toli-n. l)e^halb ibt ch auch nicht erlaubt sie durch Annahme einet 
du|»|M*lti-n Auftaktert zu be.^citi^en. l'berdieB untorflchciden sich diete 
(letiiehte von den anderen durch rep'lniäsBigorc Abwech»lang von He- 
bung und S<*nkunf: und durch dab Fehlen von Versen mit 3 HebimgeD" 
Uli'l: VI. \ III und X bieten auch vereinzelte Ueispii-lc von VerMü 
mit 3 Ili*bun;;eii jrdocli nur im zweisi!bi;;en Keim, den man hier «ohi 
aU klingend In trachten darf. z. B. VI. 1. 2 Miner künste lade mmtm 
tihten v*tn drm /«i/A-, VI II, N*. Ni tuot hin die vrderUsen tc€r wil mit den 
g^-ntjten, I)ie kiin;;i-nden Keim«*, die nur eine Hebung tragen, treten 
nun in d^-n vi*rM-hii*di*ni.'n OrtliehtfU nicht in gh*icher Anzahl auf. 
VI li.it nur iiii ^i(.h«-t^^ Ii(*i^|)iel f)!. 52 nii ist duz Uit so manigvalde 
daz fihtr iU'v kiinitj vnm thUmraltl»' g(*;;iii 10 der anderen Art. VIII hat 
W M»le)ii- Iii-inii* A\^. ii^* und fjmich du ^olt auch hetlenkr teer der katien 
diu »chrhi anh*nkr, (iT. (i*^ uuihign' git dem nudrr^i rrtr ihn er selber mdie 
tt'tt', 7*J. *^* h»'f»f du die iii iuch blUm und sich niht bin ton inch trihen 
;;e<;en '.* «Ii-r anilrn-ii .\rt, XI «u^ar •">, während in ebenfalls 5 FftUen 
2 Hfbun^iii aut di-ni klin^iiiden Keim ruhen. XII hat 4 klingende 
Kt'im«*, dir nur t-in*-, 7 dir (irren zwei tragen, XIII hat nur einen 
kliii;:rniien Krim, di-r rinc Hrbun;: trägt (.Vi. 'M\). 

liiklireniic Keimt* ki>nimen in den Uediehtm vereinzelt vor, davor 
ist rr;;elrri*iit II, VJ *^i viidf-r tin and^r : sflb'iwlrr, \\ 1.2 künde (SubsL) : 
kiindv (Vrrb. I — die») r Krim nur in d«*r Würzburger Hs., die Uothaer 
li«»t /»tndr : kttndr — IX. ♦17. •> -rharhiich : sach^ während blosse Wie- 
drrholunu' dniäflbm \Vi»rtr.<- i^t I. In«. 1(M solzsol^ VIII, 33. 84 iraH : 
uart Km lireifacher Krim In-gegort nur einmal am SeUuli VOD XII 
und auch hier tcheint er bloU vom Schreiber heraurOliivn. 



DER KÖNIG VOM ODENWALDE. 209 

Welchen Schluß auf die Abfassungszeit der Gedichte dürfen wir 
aus der Betrachtung der dialektischen und metrischen Eigenthümlich- 
keiten ziehen? Der termiaus ad quem steht zunächst fest, denn die 
Würzburger Hs. wurde um 1350 (die Setze und Gebote des Bischofs 
Otto sind von 1342 — 43) auf Befehl des Michael de Leone verfaßt, 
vgl. Ruland a. a. O. S. 42 f. Sehr erheblich früher dürfen wir die Gedichte 
ihrem ganzen Charakter nach auch nicht setzen. Eine nähere Be- 
stimmung gibt uns vielleicht die Vergleichung mit einem anderen 
ostfränkischeu Denkmal , dem Renner, an die Hand. Erwägen wir 
nun folgende Punkte, so wird sich ergeben, daß die Gedichte des 
Königs vom Odenwalde an Alterthflmlichkeit nicht hinter dem Renner 
zurückstehen. 

1. Reime (nach den ersten 1500 Versen des Renner). In unseren 
Gedichten reimt a : ä nur bei hart und dessen Ableitungen^ im Renner 
findet es sich auch sonst gar nicht selten, gewan : hän 6. war : hewar 30. 
war : gar 72. etat : hat 105. 237. an : hän 241. här : entar 393. man : hän 
618. 770. hänt : et^kant 892. här : bar 972. jär : gar 1014. : dar 1066. Der 
Reim e : e fand sich nur, wenn das kurze e durch folgendes r oder als 
in vorletzter offener betonter Silbe stehend verlängert worden war, 
ebenso im Renner smehen : sehen 310. versehent : versmShent 680. aJUper : 
der 1097. Den Reim o : o kennen unsere Gedichte gar nichts im Renner 
konunt vor gebot : not 127. got : tSt 498. wort : gehört 937. tör : vor 1064. 

2. Die Ableitungssilben -er -heit -lieh -lin sind in den Gedichten 
des Königs durchweg im stumpfen Reim verwandt, im Renner ist dies 
nur bei -heit -lieh der Fall, während -er -lin ebensowohl und fast 
häufiger im klingenden Reim stehen. Im stumpfen Reim steht -er (die 
Hs. bietet in diesem Fall -^e) in buttiglere : lere 651 . swere : luginere 963, 
im klingenden in kamerer : hamerer 638. Schreiber : scheiber 640. speiser : 
weiser 646. neider : sncidei* 1 142. swegler : bregler 1 159. lechler : hechler 1 169; 
-er ist in diesem Fall sicher als kurz anzusetzen. Die Silbe -Im er- 
scheint im stumpfen Reim z. B. in büechelin : mm 18. vogelUn : zeichenUn 
1101, dagegen im klingenden in locklmibockltn 412. kindtin : gesindtin 
1327. Es ist indes zu beachten, daß der Dichter es liebt im Reime 
Wortspiele anzubringen , z. B. capellän : kappen an 642. bvttiglere : butte 
Ure 652, daraufgehen wohl auch die angeführten Reime zurück; immer- 
hin läßt sich aber soviel daraus erschließen, daß es dem Dichter frei- 
stand -er beliebig als lange oder als kurze Silbe zu gebrauchen. Über 
die Behandlung des Reims bei Hugo vgl. noch W. Grimm, Zur Ge- 
schichte des Reims S. 599. 

•niUKU. Nene R«ihe. II (XXIII. Jahrg.) ^ 14 



210 K. VON BAH DES 

3. In Bezug auf das Metrum stehen sich beide Dichter insofern 
gli*ichy als sio beide nach Silbi'iiziihluug streben, aber doch Aualiuaiuif: 
der Seiikungvu in gcriugi*ni Masse zulassen. Im Übrigen kann man 
weder dvu Kimig vom Odenwalde vor den Kenner stellen, weil dieaer 
d«^u klingenden Reim überwiegend nur fllr eine Hebung rechnet^ noch 
den Kenner für iUter halten als die (iedichte des Künigs, weil hi«T 
Verse mit .*( Hebungen vorkommen. Die Verse mit 5 Hebungen wurden 
eben!«owi>hl von dem vermieden, der in der Weise des Volkes dickirte, 
aU die Verhe mit li Hebungen, die im Volke gewiß schon Iftngo lebten. 
von einem Kunt»tdichter. 

leii glaube liirdurch bewiesen zu haben, daß der König rom 
Odenwalde etwa als Zeitgeuosne Hugos von Trimberg zu betrmcktrn 
ist, idine daß bei der principiellen Verschiedenheit der Dichtarien feste 
Kriterien zu gewinnen sind, ob seine Gedichte vor oder nach den 
KiMtner rntHtanden. Wir müssen deshalb Wackernagel Unrecht geben, 
di*r den König im LeHebuch erst hinter Boner stellt; dann mflßta er 
gbiehzeitig mit dem Schreiber der Würzburger Hs. gelebt haben, was 
Hehr unwahrsclieinlieh i»t, da in der Hs. vielfach gekflrzte Wortformen 
Vorkommen, die den (ledichteu ursprünglich nicht angehören. Fttr 
eiren Tln-il der (lediehte weuigsteurt halte ich es jedoch fllr wahrsckein- 
lieli, daij ^il• «Tst nach dem Kenner, nämlich in den ersten Jahrzehnten 
il'H 14. .lahrhunderts entstanden sind. Es finden sich nAmlick im 
12. <i ff liebte, wo uuh der Dichter das Itfiuberlebeu des Adels schildert« 
• lio Ver^^• (:ü\. :V|.): 

Lauipirti-ii Priuzen fpruxMf) uml TaMkAn, 
<!« ki'reii sie sieb wf*nig aii. 

Wiilltf man ilie .Mdassung dieses (Sedichtes um 1300, also inr 
Z«*it Adtdfn von Nassau «mIit Albrechts i. annehmen, so wftre ea aaf- 
t'allend, dal: L«iiiiburili-ii und Tnnkuner aln Krbfeiude des Reiches, gegen 
wrlelii' Hl- in«' WatFen /.ii rieht«'n. Ptiicht des Kittcrs ist, genannt werden, 
ili-nn Italien war daiiiaU >flir ansMThalb des Uesichtakreiaes gerflckt. 
Krht unt«T II' inricli VII. kamen die KünitTzUge wieder auf. Ich ziehe 
ilf'Hlialb \<ir >ii<- AbtafiMin^ dieses und vielltMchi auch der anderen di- 
flaktiM'lii-ii (n'diehic tT<»t in den ««nften Jahrzehnten des 14. Jahrkon- 
({•'rt<i an/.tiii<-liini'n: tüf amliTfU Uedichte, die übi*rhaapt ein alterthlUn* 
lM*hi-p'n (ii'priige tragen, mögen früher eutstanden sein. 

llir l*er«*Anlirhkrit de«» Dirhterf». KUmiy vom UUmwaltU oder 
blitü Lünitj iirniit hieb unürr Dieht«*r in den Schluß Zeilen die er beinahe 
jrfl«-m <ti'dicbt«* anbiiDL* in i-iiii;:eii (l\. V.i fehhn zwar diese SehloA- 
/iil*-ri, tl'-r Dichter tritt abrr im (iedichte selbst mit aeinem Namen her- 



DER KÖNIG VOM ODENWALDE. 211 

vor. In Xin nennt er sich selbst nicht, die Überschrift aber legt ihm 
das Gedicht bei, in XI dagegen ist der Verfasser überhaupt nicht ge- 
nannt. Aus dem Namen künig vom Otenwalde geht unzweifelhaft her- 
vor, daß die Heimat des Dichters der Odenwald ist Das Resultat der 
vorhergehenden Untersuchung, die uns nach Ostfranken führte, steht 
hiermit nicht im Widerspruch. Der Odenwald gehört allerdings seinem 
überwiegenden Theil nach zum südfr. Gebiet, aber seine östlichen Aus- 
läufer, die bis zur Tauber reichen, gehören bereits dem ostfr. Dialekt 
an und vielleicht haben wir gerade hier die Heimat des Königs zu 
suchen. Es steht uns indessen noch eine andere Annahme offen: der 
ihm beigelegte Name „vom Odenwald^ weist entschieden darauf hin, 
daß er sich nicht in seiner Heimat aufhielt, sondern in einer anderen 
Gegend, wo man ihm als einem Fremden diesen Beinamen gab. Es 
ist nun nicht unwahrscheinlich, daß er obgleich aus dem eigentlichen 
Odenwald stammend, in Folge seines dauernden Aufenthaltes in Ost- 
franken jene charakteristischen Eigenthümlichkeiten des Ostfränkischen 
angenommen hätte, die uns in seinen Gedichten begegnet sind. Daß 
er nun wirklich in Ostfranken gelebt hat, läßt sich mit Sicherheit dar- 
thun; er nennt nämlich mehrere ritterliche Geschlechter, die in der 
Gegend angesessen waren, wo sich die heutigen Länder Baden, Wür- 
temberg und Baiern berühren. U, 243 f. heißt es : 

80 sin dann die vedern guot: 
dar üz sd wirt ein quaste, 
stdt üf dem helme vaste. 
▼OD Seckendorf, vod EhcDheim, 
die füerenz gr6z unde klein. 

Seckendorf ist jetzt ein Dorf gleichen Namens in Baiem, Mittel- 
franken^ % Ml. nördlich von Cadolzburg. Über die Herrn von Secken- 
dorf, vgl. Biedermann, Geschlechts-Register der Reichs-Frey-unmittel- 
baren Ritterscha£ft Landes zu Francken (Bamberg 1747), Orts Steiger- 
wald Taf. 99. Ehenheim heißt heutzutage Ehnheim und ist ein Pfarr- 
dorf in Baiem, Mittelfranken, l^s Ml. nordwestlich von Uffenheim. 
Über die Herrn von Ehnheim vgl. Biedermann a. a. O. Orts Altmühl, 
Taf. 182. Das Wappen derer von Seckendorf und Ehnheim, das sich 
in Siebmachers allgemeinem und vollständigem Wappenbuch (Nürnberg 
1772) Bd. I, Taf. 100 und 101 findet, zeigt in der That bei beiden 
eine Quaste von Federn auf einem Hut befindlich als Helmzierde. 

m, 85 f. finden wir die Stelle : 

oiit dem vederwische and bindens üf den heim. 

kert man benke und tische .... darunder stinbt der melm. 

14* 



212 K. VON BAHDEB 

der mirz niht gelaubet ein, und die von Finnauwen 

ich ziugz an die von Niuwenstein: län sich in 6ren schauwen: 

die haben drunder ir ^re bewart die fiieren hals und haubet, 

vor den reinen frauwen zart; daz in lang ist derlaubet. 

Niuwenstein wird wohl sein: Stadt mit Schloß Neuenstein in Wür- 
temberg, Jaxtkreis, ^4 ^'' östlich von Öhringen. Über die Herrn von 
Neuenstein, vgl. Biedermann a. a. O. Orts Odenwald, Taf. 394. In Sieb- 
machers Wappenbuch Bd. V, Taf. 256 findet sich das Wappen derer 
von Neuenstein unter „Schwäbischen Hall ehrbare Geschlecht", es hat 
einen sog. Flug als Helmzierde in Übereinstimmung mit den obigen 
Versen. Finnauwe ist vermuthlich der Weiler Veinau in Würtemberg, 
Jaxtkreis^ */4 Ml. nordöstlich von Hall. Das Wappen derer von Veinan 
findet sich auch unter „Schwäbischen Hall ehrbare Geschlecht" a. a. C 
Taf. 258. Nach den obigen Versen sollte man Hals und Haubt einer 
Gans als das eigentliche Wappen erwarten^ aber auch hier ist bloß die 
Helmzierde gemeint. Das Wappen hat nämlich eine Gans als Helm- 
kleinod, aber in vollständiger Figur, nicht bloß Kopf und Hals Es 
ist nicht ungewöhnlich, daß das Kleinod in dieser Weise erweitert 
wird. Die letzte Stelle ist endlich VI, 181 f. 

stro üf helme und sint auch die von Sahseufloor 

füert man in dem melme. in der herferte. 

daz ist ein weidcliche fuor. hat man schaube herte. 

Sahsenfluor ist ohne Zweifel das Kirchdorf Sachsenflur in Baden, 
Unterrheinkreis, 1 Ml. nordöstlich von Boxberg, aber das ritterliche 
Geschlecht gleichen Namens muß sehr frühzeitig ausgestorben sein, ich 
habe wenigstens keine Spur desselben auffinden können. 

Diese Stellen erweisen nicht nur, daß sich unser Dichter wirk- 
lich in Ostfranken aufgehalten hat, sondern sie beleuchten zugleich 
seine ganze Lebensstellung. Zunächst geht daraus hervor, daß er ein 
Wanderleben führte; denn nur so erklärt es sich, daß er in dem einen 
Gedicht 2 ritterliche Geschlechter, die dem jetzigen würtembergiscben 
Franken angehören, lobpreisend erwähnt, in dem anderen 2 aus dem 
heutigen Mittelfrankcn, in dem dritten ein Geschlecht, das wieder einer 
ganz anderen Gegend Frankens angehört. Aber auch das darf daraus 
geschlossen werden, daß er in Abhängigkeit von der Ritterschaft stand 
und nur deswegen jene ritterlichen Geschlechter nennt um sich bei 
ihnen in Gunst zu setzen. Auch sonst sagt er wiederholt| daß er auf 
ihre Milde angewiesen ist, so 11^ 5 f. 

liez ich nü kunst (kvnstc) verderben, der Herren gunst und auch ir gaot, 

wie sölte ich danue erwerben der ritter kuchte höchgemoot? 



DER KÖNIG VOM ODENWALDE. 213 

Und mit dem ihm eigenen Humor IV, 149 f. 

der kanig sagt von schäfen vil, nü wol so begdn ich mich: 

der im doch keinz beklibe wil. die sie haben da bin ich. 

Überhaupt spricht er häutig von seiner Armuth und Dtlrftigkeit ; 

bei Aufzählung leckerer Gerichte entfahrt ihm oft ein Stoßseufzer, daß 

er dergleichen auch gerne einmal essen möchte, z. B. IX, 51. 52. 

ein spetlin an die vische, 
daz mich daz iht verwische ! 

Es ist nun das Nächstliegende in unserem König einen Spiel- 
mann zu sehen, der von einer Burg zur anderen ziehend, seine öedichte 
vortrug, wobei er nicht unterließ den Namen des Ritters, von dem er 
gerade seinen Lohn erhoffte, in sein Gedicht zu verweben. Es ist 
aber keiner von jenen Spielleuten, die das ganze deutsche Land durch- 
ziehen, sondern er bleibt in seiner fränkischen Heimat, weshalb wir 
auch in seinen Dichtungen ein so treues Abbild der Sitten imd Ge- 
bräuche des Frankenlandes finden. 

Wackemagel hat dagegen in seiner Literaturgeschichte S. 294 die 
Ansicht aufgestellt, daß die Stellung, die der König der Ritterschaft 
gegenüber einnahm, die eines Herolds war. Er äußert sich darüber: 
9 der König vom Odenwalde, der schon vor der Mitte des 14. Jahrh. 
eine Anzahl Gedichte über den Nutzen einzelner Thiere, sowie des 
Strohes, des Badens u. s. w. verfaßt hat, wenigstens lehrreich fQr die 
Geschichte der Gewerbe und der Sitten, liebt es diese Auseinander- 
setzungen an Wnppenbilder oder sonst wo an das kriegerische Leben 
anzuknüpfen: noch einmal also die Heroldsdichtung auf didaktischem 
Gebiet; der Name König mag auch in Deutschland dem Obersten im 
Heroldsamte zugekommen sein.^ Wackemagel gibt also selbst zu, daß 
der Name „König** für den obersten Herold, der in Frankreich imd 
England vorkommt, in Deutschland sonst nicht nachzuweisen sei und 
and in der That findet sich gar kein Anhaltspunkt für diese Annahme. 
Es ist aber schon an und fUr sich unwahrscheinlich, daß unser Dichter 
eine so hervorragende Stellung, wie die eines Wappenkönigs immerhin 
war, eingenommen habe: nur an fürstlichen Höfen kommt es vor, daß 
dem Obersten im Heroldsamte dieser Titel verliehen wird ; er ist dann 
in ein besonders prächtiges Gewand gekleidet, handhabt einen zepter- 
gleichen Stab und trägt eine Krone auf dem Haupte (Bernd, Haupt- 
stücke der Wappenwissenschaft II, 13 f.). Der Herold, dem es gelingt, 
diese hohe Stellung zu erreichen, hat nicht mehr nöthig, wie es unser 
König thun muß, auf den Ritterburgen umherzuziehen und sich durch 
Gtosang oder Vortrag seinen Lebensunterhalt zu verschaffen. Die An- 



214 K. VON BAHDES 

sieht WackernageU , daß wir in unserem Dichter einen Wappenkönti; 
zu sohon haben, ist also nicht su halten; es könnte aber noch dif 
Fra^i* aufgeworfen wcrdon, ob er nicht eine unter|i^ordnetere Stellung 
im Heriildsdicnst cinnalim. Auch die Steilunf^ der Herolde und dereo 
(lehttlfen, dor P<*rRi*vanton , war noch eine angesehene; man nahm in 
denselben ^nirht leicht andere als rittermAÜige Leute** (Primisser» Pctrr 
Siichrnwirt» Werke XIII). Kb ^ab aber noch eine niedere Clasao. au« 
Nichtadelichen zusanimen^eKetzt, denen alle Verrichtungen und INenst 
leistungen beim Tuniier, als Boten u. s. w. oblagen; dieser Claase ge- 
hiVrt z. B. Peter Suchenwirt an. Einer von diesen «Knappen roo den 
Wappen, die von den Wappen Dichtens pflegen** könnte nun aach der 
Kiinig sein, wenn er, wie Wackernagel behauptet, wirklich liebt .an 
Wappenbilder oder «onstwo an da^ kriegerische Leben anzuknüpfen*. 
Kh ist nicht zu läugnen, dal> in den (tedichten nicht selten von heral- 
ilisehen Oegcustiiiideu die Uede ist. so /. B. in den oben angefllhrtf-n 
St«*llen. Spricht aber hier ein Wappendichter, der sich bemUht da» 
Wappen seines Herrn allegorisch auszudeuten, wie es s. H. Peter Suckeo- 
wirt thut? Keineswegs, sondern er erwähnt bluli kurz das Helmklein«>d. 
das der oder jener der von ihm gepriesenen Ritter in Wirklichkeit fthrt. 
Dabei drückt er sich so durchaus unheraldisch aus, daß es geradezu 
unmöglich ist in ihm einen Herold zu sehen. Besonders gilt diea fllr 
die zweite Stelle, wo er von derjenigen Helmzierde spricht, die in der 
Hemldik als „Flug'' bezeichnet wird; unser Dichter spricht hier einfach 
von (lansflügidn und das mi'tgen sie in Wirklichkiii auch neiatens ge- 
wesen sein; aber in der Heraldik gelten sie als AdlerBügel und ein 
wirklicher Wappeiidichter hätte pie auch nur als solche bexeichnet. 
Viel kunstgerechter spricht Konrad vnii Würzburg im Tumci von Nant* 
heiz ed. Bartsch 44<> 44. 452 «i^ übi-r diese Helmzierden. Auch wo 
sieh der Knnig sonst über heraldische (tegeusiände verbreitet, nöthigt 
nichts dazu in ihm einen Wapi>endichtcr zu sollen. Da er .illes 
bringt, was von dem Thiere, das er l>esingt. Nützliches und S< 
herkommt, ist i*s ganz natürlich, daß er dabei auch Theile der Rü- 
stung u. dgl. n'^nnt. So erwähnt er noch eine andere Art der Hein* 
Zierden IV. 145 f. 

uf drin helnr it^n di« widrr, 
bri'le hAch andt nider. 

Vgl. hierzu Tuniei 1^4 — 1^7. Eine weitere Art des Helmichmackea« 
die in I Deutschland sehr verbreitet ist, BoiTelhnnier (Bernd a. a. O. 409) 
wird I, 77 neben Anderem das von der Kuh kommt, knn erwibot: 



DER KÖNIO VOM ODENWALDS. 215 

helmshorn. Femer spricht er von der Helmdecke und deren Gebrauch 

1, 119 f. 

ich sage von einer decke: swft man sie füeret durch den melm, 

üi hinten macht man secke daz ez schöne belibe 

über hüben nnd den heim, and den rost vertribe*). 

Von dem Helme selbst handelt er an mehreren Stellen. Seit der 

2. Hälfte des 13. Jahrhimderts begannen die früher von den Hittem 
getragenen zierlichen Helme oder Hauben — hier gewöhnlich beckel- 
hüben oder slappen genannt — durch die großen unförmigen Topf- 
oder Kübelhelme verdrängt zu werden, welche unser Dichter als kezzel- 
hüete bezeichnet. In seiner Zeit waren beide nebeneinander im Gc- 
braach. Die ersteren beschreibt er HI, 62 f. 

man hftt den kil znor hüben, 
daran sd hangt ein slape, 
die füert ein frischer knape. 

Daneben waren aber auch schon die Kesselhüte allgemein in 
Gebrauch gekommen, wie es I, 129. 130 heißt 

der riemen ame kezzelhnot 
fQeren ritter knehte gnot. 

Gegen die letzteren richtet er im 13. Gedicht seinen Spott, indem 
er höhnisch bemerkt, sie seien zwar gut zum Schutz gegen Sonne und 
Regen, aber ftlr einen Ritter eine schändliche Waffe. Dies Gedicht, 
vielleicht auch die Stelle im zweiten, wo die Heerfahrt gegen das Huhn 
humoristisch geschildert wird, veranlaßte wohl Wackemagel hervor- 
suheben, daß der König ^^an das kriegerische Leben anknüpfe"". Dies 
nOthigt jedoch keineswegs ihn Air einen Herold zu halten; auch ein 
Spielmann, der dem Heere folgte^ war recht wohl im Stande diese Schil- 
derungen zu machen. Überdies ist zu beachten^ daß das Bild, das er 
von dem Leben und Treiben der Ritter entwirft, dieselben in einem 
keineswegs günstigen Lichte erscheinen läßt; setzt uns dies schon bei 
einem Spielmann, der auf die Freigebigkeit der Ritterschaft angewiesen 
war, in Erstaunen, so ist es vollends bei einem Herold ganz undenkbar. 

Wir müssen also nicht allein die Annahme Wackernagels, daß unser 
König ein Wappenkönig ist, abweisen, sondern dürfen ihn überhaupt fttr 
keinen Herold halten; vielmehr halten wir daran fest in ihm einen fahrenden 



*) Aoch diese Stelle, so wichtig sie für die Geschichte der Wappen ist, lälH 
keineswegs heraldische Kenntnisse bei unserem König voraussetzen, da er ja nicht yon 
der Helmdecke als Bestandtheil des Wappens — was sie eu seiner Zeit wohl kaum 
fehon war, ygL Bernd a. a. O. 368 — sondern yon ihrem wirklichen Gebrauch sum 
Belnitae des Helmes redet. 



216 K. VON BAHDKK 

S&nger zu sehen. Ks tra^ sich nun ob aus dem Kamen .KAniff* 

nicht (ifich <*in Schluß auf div Lcbensstollung zu ziehen ist. d 
scbfint mir sehr wahrHchvinlich. dalS wir in ihm einen Spielraann»k6rij; 
oiiien küni;; (I«*r VHrndfn lititc /u sehfn habiMi. Wack(*mii|r«h| ^b-i 
hielt das für nio^^lieh Altt'rnnz. IJeder und Leiche 104. Anm. Einec 
rex ju^latonini Hnden wir in Frankreich auH dem Jahre 129*i btfz#*u|:i 
I Du Canr;e III. 1*21') und aus drm 14. .lahrliuudert habtMi wir auch tur 
Deutschland mehrlaeh«* Hfh^p* tUr das Ilrrkominen. daU von dem Lan- 
desherm i*iner der SpifiU'Ute /.um < )b«*r.<>ten über nlle fahrenden Leute 
in der ganzen Gegend ernannt wurde: mit diesem Amt. da« aN KOn:p 
thum bezeichnet wurdf. waren vcrrichicdf-ne Keidiie und Einkünfte Ter 
knüpft, vgl. Spit'IIeut»* KtiniL^ bei Ilaltaun glo8s. 17U\ 1.*t.V> finden w r 
einen rex omuiuni hi«trionuni in Mainz an Kaiser KarU Hofe. IS<* 
ernennt tl«*r Kr/bisrhof von Mainz seinen Pfeiffer und Diener Breh;«* 
zum König fahrend*T Lrute durch das ganze ErzbiHtlium. 1«>V3 «*r- 
nennt Pfalzgrnf Ruprecht der Altere zum K^nig üliei alle fahrend »-r. 
Leute in allt'm seinem Land untl (itd)iet den Weruher. Pfeiffer vi^n 
Alzei auf dt•^.<>(■n L<-ben!*z<-it, vud. Thiaud in der Oennan. ti, 32Ö. DW 
f), 1R97- Man fiiid«'t auch bi*i anderen Oenossenschaften Könige, !»•* 
gab eh einen kiinig der seiler (Weint. 1. o«'^3'<, eini*n kUnig der acker 
und rebliute ^a 1421 au^» Ki>lui:ir''. abt-r dieber Gebrauch ist spater 
und nffi'iibnr d<-ni li^-i den Spii'llrut«-n h«*rrsehendeii naehireahmt. Fttr 
unüep'u Konig blfibi nur die Annahme nffen, daÜ er ein König der 
Spielli'Uti' wiir: ich li:ilt«' ni«; :iurh für '«•'hr w:dir8cheinlieh, ohne da£ 
ich aus den (ii'dii'litcu N'-Ib^t «*iiu* Stfllr anführen kann, welche dafür 
Hpricht. — lliiltrh wir die>e Anii.'ihioi* fer*t, su wird sich der Heiname 
^vom Uilfnwniilr' in anderer Wri'^i* erklären, als es oben versucht 
wurde. Aus ilcn angefuhrtiii Sti-lif-n ci-ht hervor, dal! ein Spielmaons- 
kiinig immer für «-:ii<*n ^ran/.iii Mezirk ernannt wurd«-; vii-lleicht war 
nun auch uii-«*r K<»ni;; d«T nhrr.'^ti* di*r Spi* ileut*' im ganzen Oden- 
wald und liat:e ili-«iwej<'n seini'n Beiiiaint-n. 

t'hamLtrrifitik rtrr (iertirlite. ich habe »chon bei der Be- 
traehtun;^ der metri.^chfii Kigi-nthundichkeiti*n darauf hingewieiien. daü 
die (ffiMÜchte in 2 < m uppi ii zi-rf.illfu. in m»K*Ii**, dii* mit ein^r gewisi^n 
Kun."tmas!*i;:keit au!*g>-!!ilirt sind und in **nlcli«*. di«* ir:inz im Volkston 
grhalten sind. I)ii—e «.ii.d o^. in ileui-ii m( h dt-r gi-.-^unkt'ne Kunslge- 
i^chmnck der 7,**'il mehr al* »ionst wo nusspricht. »> Gedichte v«»n be- 
trächtlichem L*uifang >iiiil t'iu/.i:: ui.i alb-in dem Zweck gewidmet, 
nützlich*' Hausthit-re, nämlich dir Kuh. das Huhn, die Gans, das SchaC 
daft Schwein y ferner d.».-« Stri<h /u behingen. Dali diuaeibcn sorial 




DER KÖNIG VOM ODENWALDE. 217 

Beifmll fanden — und daß es an demselben nicht fehlte, lehrt ihre 
Aufiiahme in die Würzburger Hs. — rührt z. Th. wohl auch daher, 
daß wir eine Menge praktischer Anweisungen und nützlicher Regeln 
darin finden, aber nicht zum geringen Theil war es gewiß die derb 
realistische Tendenz an und für sich^ die so allgemeinen Beifall fand. 
Der Gang in allen diesen Gedichten ist fast ganz derselbe. Jedes der- 
selben eröfihen einleitende Verse, in denen der Dichter erklärt, was ihn 
zum Dichten oder speciell zur Lobpreisung dieses oder jenes Haus- 
thieres veranlasse. . Hier macht es sich nun fast lächerlich Reste 
des alten Minnedienstes zu linden. So hat er sein Gedicht auf das 
Schaf zu Ehren einer Frau gedichtet, deren Namen zu nennen er ver- 
weigert IV, 1 f. 

Getihtes h&n ich iiü derdftht, die bat ein edellichen man 

darzao bat micb ein fraawe bräht, ich nenne ir niht, sie laub mirz dan. 

Ein andermal wird der König durch Leute, die gern etwas Neues 

von ihm hören möchten, zum Dichten veranlaßt IX, 1 f 

Wenne ich nü niht niuwe bin, wir seiden haben ein ninwez, 

sd sprichet maniger: nu wol hin! künig, tihte ans ein getriuwez! 

Die gewöhnlichste Art aber, wie der König seine Gedichte ein- 
leitet, ist die, daß er ein „geteiltez spiP aufstellt, so daß das weitere 
Gedicht als Begründung des von ihm gewählten zu betrachten ist. In 
den Reden auf das Huhn imd die Gans stellt er nun den Satz auf, 
daß diese Thiere weit höher zu schätzen seien, als die Nachtigallen, 
Drosseln und die übrigen von den Minnesingern so unendlich oft an- 
gesungenen Vögel. Im ersteren Gedicht beginnt er sogar mit einer 
ausgefilhrten Frühlingsschilderung, ganz im alten Stil, imd geht dann 
plötzlich mit den Versen: 

nü wil ichz allez abetuon: 
ein achper vogel ist ein haon 

SU seinem Gegenstand über. Die Kuh erlaubt er sich sogar in dieser 

Weise über die alten Weiber zu stellen, I, 1 f. 

Maniger lobt sins herzen trüt, swenne sie tot beliben. 

■6 mnoz ich stille und überlüt daz ist ein micbel milewe: 

klagen, daz man glockcn guot man solt der guoten küewe 

den tugentlosen liuten tuot: Hüten wol mit flize etc. 
man Hut den alten wiben, 

Nach dieser Einleitung führt der Dichter in trockener Weise alles 
das auf, was von dem Thiere, dessen Lob er singt, für den Menschen 
von Nutzen ist. Er geht hier in der gründlichsten Weise vor und weiß 
von jedem Körpertheil irgend etwas Nützliches anzuführen. Dazwischen 
er kurze Lobpreisungen des besungenen Thieres. Das Lang- 



21 ft K VON RAfIDKR 

weiliK» (lieHer meiBt ohne jed« Verbindung an einander gereihtn Aid- 
Ktthiiingcn unterbricht zuweilen ein gesunder Humor. Namentlich lei^ 
iirt sich hierdurch das ätück Nr. II aus, in das eine Schildanmit im 
ritterlichoti Thaten , die nicht gegen Feinde, sondeni gegen harmlet« 
IIuhn<*r gericlitet sind, eingewebt ist Für die Oescbicbte der SittcB 
und (fobräuehe sind sie alle von nicht geringem Wertb. Wir werden 
(tb<*r Dinge belehrt, Über die wir sonst schlecht unterriebtet aind, wv 
rrhait4>n Hinblick in die mittelaltrige Kochkunst, die einseinen Tbeik 
der Kleidung und Rüstung werden uns vorgeführt, wir lernen nannic 
farh«* Voiksgebräuche kennen*), lliebei wird uns eine Fülle von tccb 
iiiM-lii'ii Ausdrücken geboten, die wenn sonst überhaupt erat ans ricJ 
s|iati'rer Zeit belegt sind. Unsere mhd. W^trterbücher erhalten dnrck 
ilifH«* (icdiohte eine nicht unwesentliche Bereicherung. 

Das Kndr ist wie der Anfang in allen Gedichten ihnlich. Der 
DichttT fllhrt sehließlieh etwas an, was eu dem von ihm beaangenea 
(legenstand in Resichung st«'ht und zu kirchlichen Zwecken verwandt 
Hird. Sogar vom Schwein weiU er etwas anzuführen, das sum kirck- 
lichpu (lehrauch dient IX, 83 f. 

»ö «in .lüDoe die bürsten edel: den man oQtiet auch doreh gnet. 

man tuot lie in den wfhewedcl, dai uns got habe in tiiier haeC? 

Killen wesentlich anden*n Charakter haben die rein didaktiachea 
«^tih'ke. Das erste ist das von den langen Bürten der Leute. In di eaem 
i(«t dif Kinklfidung mit weit mehr Ausführlichkeit behandelt, ala ia 
den übrigen. Das (tedieht hat die Form eines Dialoge« awischen dem 
Dichter und einer Frau, die ihn um Auskunft bittet, weshalb man die 
langen Bftrte trage. Auch di*m Metrum nach w eicht es von den Obrigea 
ab: 1*1% hat bloß regi'lmaiiüig«' Verse zu 4 iIi*buiigon und aeigt Aus- 
lassung d«*r Senkung in sehr geringem Maü. In den 132 Versen des 
tiidichtes begi*gnet nur ein sicheres Beispiel von Auslaasung 59 eist 
fz hrditit [h^litiht W) dif m'inhrit. .Auch fehlen die ungewöhnlichen 
\Vort(*r, von denen dii* ülirigrn (inlirhte voll sind. Kur der Dialekt 
irtt ganz derselbe wie in diesen ; t*» kann deshalb nicht aweifelhaft sein. 
daü i«ie von demselben Verfasser henithren. — Bei diesem Ot:dicht 
ist nun noch das Vi*rhA]tniss der Ilandsehriften fcataustcllen , da ea 
in zweien, der (rothaer und Würzburger überliefert ist. Die Abwei- 
i'hungon sind nieht sehr bedeutend und wo solche stattfinden, bietet 
t:i-«t «iurrhweg die Würzburger IIs. die beasere Lesart. Es liegt sogar 

"I Aiii-ti lur Getrhicht» dr* dcuUrhen Reckiss Ucfmi um da» t. «ia4 T. O^ 

dirht ^iBifrr iu«'ht unwicbtifr B«lr((^. 



DER KÖNIG VOM ODENWALDE. 219 

die Annahme nahe, daß dies Stück der Gothaer Hb., die ja wahr- 
scheinlich in Wnrzburg geschrieben worden ist (vgl. Jakobs und 
Uckert a. a. 0.)^ einfach aus der Würzburger abgeschrieben ist. Dafttr 
spricht besonders, daß die Überschrift in W 

von den langen berten der lute 

die sie von zehen sachen tragen bute 

sich beinahe wörtlich auch in 6 findet. Dagegen sprechen nur die 

Anfangsverse; hier liest W 

Hort der spehen künde 
die wil ich ueh kande. 

G liest dagegen : bort die spehen funde, was ich für das Richtige 
halte; die Lesart in W will wohl den rührenden Reim vermeiden. 
W und G; resp. die Vorlage von G, sind also selbständige Abschriften 
des Originals. Ich führe noch folgende Lesarten an, welche mir den 
Vorzug vor den in G zu verdienen scheinen: 11. war stet din ger. 
12. daher. 25. du solt mich unterwise. 31. einer treit 38. im] ieman. 
61. daz er des barts niht wil werde an. 63. also fehlt 67. ey] ie. 85. 
daz er ein wil minne. 97. herzen. 98. lat. 103. weist du. 107. wer. 
108. durch got so lit er arbeit. 121. da liez ichz guot sin. 132. unbe- 
woUen. Ich bemerke noch, daß in der Hs. vor jeder Frage der Frau 
eine Überschrift steht, z. B. worumb der erste treit den hart u. s. w. 

Das Gedicht Nr. VI von dem bade hat denselben Charakter wie 
das vorausgehende und beschäftigt sich ebenfalls mit Sitten und Ge- 
wohnheiten. Der Versbau ist jedoch nicht mit der Regelmässigkeit 
behandelt wie dort. 

Die übrigen Gedichte sind von allgemein lehrhafter Tendenz und 
haben besonders die Verderbniss der Zeit zum Gegenstand. Auch den 
beiden Fabeln liegt derselbe Gedanke zu Grunde. In der VTII ange- 
hängten Moral werden die Fürsten vor schlechten Rathgebem gewarnt; 
hier zeigt sich wieder der auf die Milde der Großen angewiesene Mann, 
wenn es heißt V. 81 folg. 

wan ir frumen diener 

die haben ellenthaften mnot: 

den solt ir miteteiln inwer guot. 

In X spricht sich geradezu derselbe Gedanke auS; der auch 
das Thema von XII und XIII bildet^ V. llö cdso gSt gewaü nü für 
daz reht 

In diesen 3 Gedichten entrollt sich uns ein Bild von den socialen 
Zuständen, wenigstens in dieser Gegend Deutschlands, das uns die 
schrecklichen Folgen des Interregnums deutlich vor Augen ftüurt. Alle 



220 K. VON BAHDER 

Bande sind gelöst, das Rind steht dem Vater, der Bruder dem Brader, 
die Frau ihrem Mann feindlich gegenüber; Meineid ist an der Tages- 
ordnung. Vor Allem ist es aber der Ritterstand, gegen den sich der 
Dichter wendet: Raub und Brand ist jetzt sein Handwerk, um die 
Feinde des Reiches kümmert er sich nicht mehr. Dabei hält er nicht 
einmal mehr die allgemein ritterliche Form des Absagens vor der Fehde 
ein. Und schon an der äußeren Erscheinung glaubt der Dichter den 
Verfall des Ritterstandes zu erkennen; er ereifert sich deshalb heftig 
gegen die Kesselhüte, die ihm eines edlen Ritters unwürdig erscheinen. 
Es ist in der That unserem König zu hoher Ehre anzurechnen, dafi 
er obgleich von der Ritterschaft abhängig doch in entschiedenem Ton 
ihr unritterliches Leben und Treiben verurtheilt. Seine Schilderangen 
passen übrigens ganz besonders auf die östlichen Gegenden Frankens, 
hier war die freie Ritterschaft durch keinen mächtigen Vasallen nie- 
dergehalten, hier finden wir auch die meisten Fehden und Händel. 

Das Gedicht XI ist nun allerdings wesentlich anders gehalten. 
Es befaßt sich nicht mit socialen Fragen, sondern schildert die Leiden, 
die der Ehemann eines bösen Weibes zu erdulden hat und gibt diesem 
den guten Rath sich desselben je eher je lieber auf etwas gewaltsame 
Weise zu entledigen. Das Gedicht trägt zwar den Namen des Königs 
vom Odenwalde nicht, doch ist es zunächst wahrscheinlich, daß es ihm 
gehört, da es mitten zwischen seinen Gedichten steht. Beachtenswerthe 
Reime sind ddifro 21. höchigoch (gach Hs.) 28, also d ftlr ä, was mit 
dem Dialekt der übrigen Gedichte übereinstimmt, aber nicht von ab- 
soluter Beweiskraft ist, da es auch sonst nicht selten vorkommt. Mehr 
Gewicht möchte ich auf den Reim galgen : balgen 48 legen, da die un- 
umgelautete Form balge fUr beige, die sehr selten ist (Lexer belegt sie 
nur aus Krone 17697. Renner 18795) auch I, 103 vorkommt: btasbalgey 
allerdings nicht im Reim. Ein Inf. auf -e begegnet in den 52 Versen 
des Gedichtes nicht. Daß der klingende Reim zum großen Theil nur 
eine Hebung trägt, spricht nicht gegen die Autorschaft des Königs, da 
dies in XH beinahe ebenso häufig vorkommt. Wenn man den Abstand 
in der Erzählungsweise zwischen diesem und den anderen Gedichten 
nicht für zu groß hält (und er ist nicht größer als der z. B. zwischen 
dem Gänsclob und den Fabeln oder der rede vom widerefien), so steht 
in sprachlicher und metrischer Hinsicht nichts im' Wege es dem König 
vom Odenwalde beizulegen. — Unser Gedicht steht in nahem Ztnam- 
nienhang mit der Erzählung vom Zornbraten, die in Laßbergs Lieder- 
saal Bd. 2, S. 503—531 zu linden ist. Diese ist wieder eine Ober- 
arbeitung der Vrouwenzuht, von einem Sibote verfaßt, die in dem 



DEB KÖNIG VOM ODENWALDE. 221 

Gesammtabenteuer I, 42—57 und zuletzt in den Erzählungen und 

Schwänken hgg. von Lambel^ S. 313 — 331 gedruckt ist. Letztgenanntes 

Gedicht, das nach Mitteldeutschland weist und von Lambel noch der 

besseren Zeit des 13. Jahrhunderts zugeschrieben wird, hat mit dem 

unserigen keinen Zusammenhang. Die Verse 12 — 15 

si ist mir alsd undert&n, dar an k§ret si ir vliz^ 

spreche ich swarz, si sprichet wiz: and tut daz 8§re wider gote 

enthalten zwar eine ähnliche Gegenüberstellung, dessen was der Mann 

imd was die Frau will, wie in unserem Gedicht, aber doch bloß kurz 

angedeutet. Ganz anders in dem von Laßberg herausgegebenen Stück. 

Dasselbe enthält das ältere Gedicht fast ganz, aber mit bedeutenden 

Zusätzen vermehrt. Der, von welchem die Zusätze herrühren, nennt 

sich selbst V. 957 

ich schrlber gib min stiar da zao. 

Gleich am Anfang wird die oben angefahrte Stelle der Vrouwen- 

zuht erweitert 15 f. 

Sprich ich swarz, so spricht si wiz: wil ich koufen (koffen Hs.) si wil 

daran kSrt si iren vliz. verkonfen, 

wil ich nein, so wil si ja, wil ich sldfen , sd wil si roufen 

wil ich hie, so wil si da, (ro£Pen Hs.) 

Vergleichen wir diese Stelle mit den Versen 20 — 37 unseres Ge- 
dichtes ^ so leuchtet der Zusammenhang ein. Aber noch evidenter ist 
er in den Schlußversen 971 ff. 

Wann wer ein übel wib hab, zw§n wolf oder dri. 

der tuo sich ir euzit ab, wer gesach ie galgen 

enphelche si dem ritten mit wirsern balgen (bälgen Hs.)? 

und lege si üf ein slitten, ez wser [denn] ob man den tiufel vienge 

und koufe ir ein bestli und in onch (och Hs.) darzuo hienge. 

und henk si an ein estli, hie mit si ein ende« 

und benk da bi daz got die valschen sehende! 

Um zu bestimmen, welches der beiden Gedichte aus dem anderen 
entlehnt hat, muß ich die Zusätze der Erzählung kurz charakterisieren. 
Während das ältere Gedicht von Sibote keine unreinen Reime enthält, 
ausser solchen, die der md. Mundart angemessen sind oder solchen, 
wie sie auch in der besten Zeit der mhd. Dichtung vorkommen, zeigt 
die Bearbeitung bereits recht zahlreiche auf. m:n ist sehr häufig ge- 
reimt kein : ein 293. 356. 938. : clein 573. man : vemam 300. gan : lobesan 
552. ng reirat auf nn gevninnen : gelungen 164. h: g in clag : hab 819. 
Consonantenausfall in woii: : vorht 431. zom : mom 631. Von Vocalen 
reimt ä : d ton : schon 290. i : ü kiinnen : sinnen 167. tu : ü f runden : sünden 
262. Nach diesen Reimen zu schließen, kann das Gedicht nicht vor 
der Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden sein. Aber auch wo es 



222 K. VON BAHDER, DER KÖNIG VOM ODENWALDS. 

entstanden ist, läßt sich unschwer feststellen. Die md. Sprachfoimen 
sind durchweg beseitigt, kein Inf. auf -e ist stehen gelassen. Daß der 
Verfasser der Bearbeitung in Mitteldeutschland nicht zu Hause war, 
geht auch daraus hervor, daß er den Namen HennenberCy der in der 
Vrowenzuht V. 440 und 586 vorkommt, nicht verstanden und einmal 
entstellt (666 und waere er gro€zer denn ein herc)j das andere Mal 
ganz übergangen hat. Der Reim hüebiin 323 führt uns nun noch 
näher auf alemannischen Boden (Weinhold AI. Gram. 23. 347). Da 
die dem Liedersaal zu Ghnmde liegende Hs. in der Schweiz geschrieben 
ist, so ist es leicht möglich, daß der Schreiber dieser Hs. auch zu- 
gleich Überarbeiter der Erzählung ist Ich bemerke noch die dem 
Dialekt des Gedichts eigenthümliche Form ^n = «t (1. Conj. Prae8.)y 
die 285 im Reime auf m steht und bei Weinhold nicht angeführt ist*). 
— Daß unser Dichter seine Verse nicht aus der Erzählung vom Zorn- 
braten entlehnen konnte, steht demnach fest; es wäre ohnehin un- 
wahrscheinlich, daß Jemand den Anfang und den Schluß einer längeren 
Erzählung zu einem kurzen Gedicht zusammengestoppelt hätte. Eis 
fragt sich nun, hat der Überarbeiter der Erzählung das Gedicht des 
Königs — angenommen, daß dieser der Verfasser ist — direet benatzt? 
Ich halte es nicht fUr nothwendig das anzunehmen. Die Verse vom 
bösen Weib, welches nie das will, was ihr Mann will, und der daran 
geknüpfte gute Rath giengen gewiß sprichwortartig umher und können 
von beiden Dichtem unabhängig in ihre Gedichte verwebt worden sein. 
Es bedarf kaum noch der besonderen Hervorhebung, daß alle 
Gedichte des Königs nur ftlr den Vortrag und nicht für den Gesang 
bestimmt waren. Er nennt sie selbst ^rede^ oder y^getihte*^ und be- 
zeichnet seine Thätigkeit als „tihten". Die gelungensten Stellen in 
seinen Gedichten sind offenbar die, in denen sein Humor zum Aus- 
druck kommt. So ist die Erzählung in den beiden Fabeln vortrefflich; 
es ist zu bedauern, daß der Dichter nicht mehr von dieser Art ge- 
schrieben hat. Eigentlich dichterisches Talent besitzt er nicht und das 
gesteht er, obgleich er hin und wieder mit Wichtigkeit von seiner 
Kunst spricht, auch selbst ein, wenn er klagt UI, 112 die rede wart 
mir 8Ür. Eines aber können wir unserem König nicht bestreiten: daß 
er uns ein treffliches Bild von der Sprache, den socialen Zuständen, 
Sitten und Gebräuchen des Frankenlandes im Anfang des 14. Jahr- 
hunderts entworfen hat. KARL VON BAUDER. 

*) [Vgl. dazu jetzt Bech oben S. 161. Danach ist aach im Demantin 95t (vgl. 
Anm.) tragen für tragß statUiaft. K. B.] 



O. BEHAOHEL, GOTTFRIEDS VON STSASSBUBO THISTAN etc. 223 

DTTFRIEDS VON STRASSBÜRG TRISTAN UND 

SEINE QUELLE. 



Im Jahre 1869 hat Heinzel eine größere Untersuchung veröffent- 
it: Gottfrieds von Straßburg Tristan und seine Quelle ^ Zeitschrift 
deutsches Alterthum XIV, 272—448. Trotz alles Scharfsinnes und 
isses konnte bei dem ihm vorliegenden Material das positive End- 
ebniss seiner Forschung nur ein verhältnissmässig geringes sein: 
,,zeigt uns weniger, wie die Quelle beschaffen sei; als wie sie nicht 
^esen sei^ (Bechstein; Einl. zu seiner Ausg. p. XXXVIII). Danach 
eint die ganze Frage ziemlich hoffnungslos. Dem ist aber nicht 
denn Heinzel hat etwas wichtiges übersehen, indem ihm die nor- 
chen Fassungen der Sage unbekannt geblieben sind. Es sind deren 
ei — beide in Prosa. Die eine, kürzere Bearbeitung ist nach der 
zigen Handschrift von O. Brynjulfsson herausgegeben in den An* 
er for nordisk oldkyndighed og historie 1851 , p. 1 ff. Von der 
3iten, längeren Bearbeitung existiert eine vollständige Papierhand- 
rift; cod. Arnamagn. Nr. ö43; sie ist noch nicht veröffentlicht; doch 
Brynjulfsson seinem Abdruck der ersteren Fassung eine Wieder- 
>e einiger Pergamentfragmente aus der zweiten angefUgt. Die beiden 
Girbeitungen stehen in keiner näheren Beziehung zu einander ; 
inso wenig hat die gedruckte Saga etwas mit Gottfrieds Gedicht zu 
n. Desto mehr aber die zweite, von der nur die wenigen Bruch- 
cke bekannt sind, nämlich aus Tristans Jugend und EntfUhrung^ 
rie aus dem Kampf mit Morold. 

Man prüfe folgende Gegenüberstellung: 

Inimaler p. 82 : 

In sem raectismadr fann thenna 

ard um sina fridu fru, p& maelti 

n, at skira skjidi barait, at ekki v. 1966: dd was dem kleinen kinde 

i oskirt, der heilige touf beieit, 

swie ez ime dar nach ergienge, 
daz er doch kristen waere. 
kom l^a kennimadr med krisma nu daz sin toofaere 

gaf baminu, ok segir hvat heita alles stnes dinges was bereit 

l; ok maelti: )>at syndist mer rad, v. 1989: seht, sprach er^ 

ir hann, at sakir harms ok hug- 

ar, hryggleiks ok pininga, angrs 

oroa, sarra ok margra sorga, ok 

börmuligum atburd, er a oss feil i 



224 



O. BEHAGHEL 



hans burd , p& sc sveininn nefndr 
Tristram. 

Ell i pQBau. mali er trist hrjggr en 
hum er madr, ok var ^vi snuit nafhi 
hans, at fegra atkvaedi er Tristram 
enn Tristhum ; pwi skal hann svo heita, 
segir raedismadr ; at hann var oss 
faeddr i hryggleik, hann hefir tapat 
gamni ok gledi, fedur sin um ^ vorum 
herra, maedur sinni, vorri fru^ ok saniir 
oss af ))essu at hrjggjast, at hann 
var i harmi ok sorgum faeddr, ok var 
hann pA Tristram kalladr ok skirdr 
med pvi nafniy ok af ))e88um sökum 
fekk hann })etta nafn, pvi at hann 
var i sorgum getinn ok sottum borinn 

ok faeddr med hryggleiks hörmum^ ok 
harmsfuU var öll hans aefi, pvi het 
hann Tristram i verdugum haetti, at 
hryggr vakti hann ok hrjggr svaf hann, 
hrjggr do hann, 

sem l^eir munn visir verda er fram- 
leidis hejra söguna. 

Pvi naest let raedismadr bera brutt 
bamit or kastalanum a launungu til 
hybylja sinna ok let vardveita hann 
virduliga fyrir ovinum, ok po lejniliga, 
ok vill hann aungum manni sveininu 
upp segja, at hann se son hans herra, 
ok band hann p& systur sinni at fara 
at hvila, ok er nokkur stund var lidin, 
l^a let hann hana i kirkju ganga ok 
let hvervetna boda, at hon hefdi ))etta 
barn getid ok faett i ))ann tima, })vi 
at hann vill ekki, at konungrinn verdi 
viss, at peBBi er son hans herra*); ef 
konungr maetti sannfrodr verda ^ pa 
mjndi hann skjott lata honum fyrir- 
fara, at hann fai ekki af honum o- 
frid ok skada, manndrap ne rikis- 
haska. 

Annal. p. 84: pvi naest bar so vid 
einu dag, at eitt mikit hafskip kom 



V. 1996: so nennen wir in Tristan. 



V. 1997: nu heizet triste triore 



V. 1998—2020. 



V. 1994: wie si diz kint mit triore enpfie, 
mit weiher triure siez gewan. 

V. 2089: sehen, wie trüreclich ein leben 
ime ze lebene wart gegeben. 



V. 2011 : sehen an den trüreeltchen tdt 
V. 2004: daz kiesen an dem maere. 



V. 1894: und bevalch ir Yerre und an 

den Itp, 
daz si sich in leite, 
v. 1953—61. 

v. 1928: hie wart ein maere sft zehaot 

diu guote marschalkinne 

laege eines sunes inne. 
V. 2029 : der getriuwe tete es umbe das: 

er vorhte Morgftne« hai: 

ob er daz kint dft wiste^ 

daz er ez so mit liste 

so mit gewalte verdarbte, 

daz laut an ime entarbte. 
V. 2148: in den siten unde do 

kom ez von aventiure alao, 



*) Di«) Überlieferung ist offenbar etwas zerrüttet: bautt kann syttur Hmd ftiiBHt 
uicht zu perma tUburd um sina fridu fru und femer sollte der Abschnitt Über das ▼0i^ 
gebliche Wochenbett vor dem Theil, der die Taufe behandelt, stehen. 



GOTTFBIEDS VON 8TRA&SBURG TBISTAN UND SEINE QUELLE. 225 



•iglandA 6k peir köstudu akkeri i böfa 
andtr kastalanum; J^essir vom reknir 
)>aiigat i laanf^m nordanvedram, nor- 
rmenir kanpmenn med mörgam varniDgi. 

Par yar a mikil gravara ok hvit 
■kinn ok bjorskinn, svartr safali, tann- 
▼ara <^ bjarnfeldir; gashaukar ok gra- 
valir ok margir hvitvalir, vax ok hudir, 
bokkatkiniiy skreid ok tjara, Ijsi ok 
brenniitein ok allskonar norraen vara ; 
ok komu ))a ))e88i tidendi til kastalaDs, 

ok maeltost }>eir vid, synir raedismanns, 
ok kölladu til sin Tristram. 



reir maeltu til bans: hyat skulum 
▼er at gjorai er ver böfüm aungva 
fogla ou til skemtanar^ en nu eru her 
komnir a skipinu margir ok binir fri- 
dnsto? En ef |>a vill duga oss, pa 
kemr ))a öllu aleidis, er ])er likar at 
bidja födnr Yora, pyi at aldri synjar 
baoD^ ne modir vor^ pesB er ])\i bidr; 



fjnrr kapa |>aa VII biiia vildastn, enn 

)>aa fja pik angraat; 

ok bada }>eir bann svo mjök, at bann 

bet peim til stadar; 

fem ))eir }>a til skips allir; 

|>eir leta syna Tristram fuglana; en 

kaqpBHmn Tom norraenir ok skildu bvor- 

ki breako ne völska ne adrar tungar^ 

wt &era saman kaup sin. 

Tristram var ))a fraeddr Dokknrom tun- 
gQm, ok gjördi bann kaup vid ))a um 
VII fngla, enn fostrfadir bans greiddi 
▼erd fyrir, ok fekk pm braedrum sinam. 



sa bann ))ar skakataflsbord 



ok apordi, ef nökkurr kaupmanna vildi 
tefla vid bann, 

OmiAHU. H«M Reihe ZI. (XXUI.) Jahrg. 



daz von Norwsage über sd 
ein koufscbif unde debeinez md 
in daz lant ze Parmenie kam 
und sin gelende dft genam 
und üz gestiez ze Kftndel 
vür daz selbe kastei. 
V. 2198—2207. 



V. 2 1 60 : vil scbiere wart dft ze bove geseit, 

waz dft koufrfttes waere. 
V. 2167: biz zwei des marscbalkes kiut 

under in zwein wurden enein, 

daz si Tristanden zuo zin zwein , 

ir wftnbruoder, nftmen. 



V. 2176: der edele Rüal lieze 
und baete ez note verlftn, 
ez enmüeze allez vür sieb gftn, 
des sin friunt Tristan baete. 



V. 2173: und bftten den behanden. 



V. 2189—93. 



V. 2231 : und sprach daz in ir zungen. 
V. 2218: Tristande biez man koufen sft 

valken unde smirlfn. 

die sine bruoder solten stn, 

den wart gekoufet ouch durch in. 
V. 2217 : von ftventiure ez dd gescbacb 

daz Tristan in dem schiffe ersach 

ein schftcbzabel hangen. 
V. 2228: ei, sprach er, edelen koufman, 

BÖ helfe iu got, uikl kunnet ir 

scb&cbzabelspLl? daz saget mir! 

15 



886 



O. BEHAOHEU 



ok eiiui for til ok nettu |>eir ok lögdu 
▼iA nikit fe. 

Sem foitri haot m, at hAon tmt at 
•kaktafltbor^i^ |ia inaelti hann til haof : 
■OD aüno, Mgir bann, «k geng heim, 
ea neiitari |>inn bidi p'm ok fylgi |ipr 
heiiDy )>a pn ert buimi; 
ok dTaldift pa med hooum einn kur- 
teif ok ha^renkr riddari. 



Eon kaii|NDean ondrada |>eiina aoga 
mann ok lolvda knimattii haiu, lift 
ok fegrd ok atgjörd, Tiaku ok laedferd, 
rr haoD app lek |>a alla: 
ok ihagda (>eir, at ef |»eir kaemi honom 
bnitt med eer, at ))eim mjrndi mikit 
fagn af etaiida haof knnniutu og marg- 
frmediy evo ok, ef )ieir vilja telja hano. 
|ia fa |>eir mikit fe fjrrir bann. 

Sem baon sat geymaadi leikfiiu, |»a 
drogn ptir opp •«•m leynilrgaat streDfri 
■ina ok akkeri. 



ok letn ot bera tkip or voginam; 
•kipil var tjaldat, ok rak fjrrir vin- 
dinwD ok ■traaminiim , «vo at Triet- 
ram vard ekki varr Tid fyrr can |>eir 
vom Qarri landi: 

)»a maelti bann til kaopmaana: heirar, 
bvi vili ))er ito gjöra? |»eir legja: 
(jnr |>ti at vpr riljnm, at |»o fyl- 
gir c. 

ra lok baoB |>egar at grata ok ilU 
lata ok ejalfaD tik bannaBdi 
ok iTo riddariaB, sakir asteemdar; 

ok p% lok« Nordmean mMtara batu 
ok leta a bat 
k leaga hoanm ar eiaa 



▼. mi : jK tpradi br 
▼. 2245: wol ber ed wU iek ImIi 
y. 2247 : nu liaea ei swte Ibar dai ipi 
¥. 2248 : der marwbale epndi: Tiimm 

ich «d 

wider Of se berbergea gia; 
T. 2252 : lö •! dia maiilw hi« U dir. 

der neme dla war aad kftate dia. 
V. 2257: aad eta meiiter^ der sIb 

TOB dem ich i« wol 

vQr wAr, ala vae dia 

dat koappe aie tob bgreichail 

oad Ton edelea benea art 

bas Boch fehdaer godelt wart. 
T. 2273 — 81. 



•fi 



T. 2296 : bii aber die werbeadca 
le HUe wnrdea oader ia, 
koadea si ia iemar briagea bia 
mit debeiaer slabte aiaaea, 
fi möhtea ela gewiaaea 
grosea framaa oad dre. 
oad bitea oach dd aiki Bdra« 
•i gebatea ir moderaenat 
das ti bermte waerea, 
aad aagea si selbe ir aaker Ia, 
ab ei der rede aibt eoMa üau 
81 itieieB aa aad laorta daa, 
■d Um, das es TrieCaa 
noch Knrrenal aie wart gevar» 
nax sie baetea tob deai var 
wol eiae grdie mfle btAktt 

T. 2823 : ach, sprach er, cdclca*i 
darcb got» wai gdl ir Mt 

T. 2827: dii eaaiac ae 
ir mfieset hiaaea mC 

T. 2330 : TrieCaa der ar«M der haop 4J 
sd JaeaMrltehea kkgca aa, 
< as KorTcaal sla firiaat 
mit IBM Toa beraea 

T. 2338: Karrwmlea satataa si da 
ia eia tA kleiae scbiflclla 
nad leitca sao sibm darfa 



er appi se güt ok skipit fallskrida. 



GOTTFRIEDS VON STRASSBURG TRISTAN UND SEINE QUELLE. 227 

Hier endet leider das erste Bruchstück; nun noch einige Stellen 
aus dem zweiten (Annaler p. 85): 



En ef engl finnst vildari til enn ek, pa, 
■kal ek sakir firaenda mins, konungs- 
ins, einn moti einum gjarna berjast 
med sliku afli, sem gud hefir mer 
led; 

en ef pessi er sterkr, pn. er gud raattigr 
at hjalpa mer. 



Ann. p. 86 : p& maelti Tristram harri 
rodda: hejrrit, herrar ok höfctingjar, 
lendir meaa ok riddarar^ yogri meDn 
ok ellii, er hem erut komnir. 

Morold er her nu kominn ok segir, 
at |>er eigit skatt at gjalda, ok p\\ at 
hann er vanr hvert ar at taka. 

£n bami var sottr ydr med raui, 
afli ok ofriki, ok gcngu |)cr andir anaud 
med raDgCDdum, ))a er Irir herjudu a 
ydr ok heldu ofridi a England^ en pessa 
landa menn gatu ekki varizt ne fridazt 
fyrir ser med ödrum haetti enn skatt 
gildast Tit |>a fjrir ofriki, 
ok hefir jafnan svo verit sidan 

p. 87 : ek em nu ekki buinn til bar- 
daga, ))yi at ek hefi her litinn her; 

|>a er ek lendi i Bretlandi, psi hug- 

diunst ek ekki sliks ]>urfandi 

p. 87 (8. Absatz): Nu em fest band- 
•51 )>eirra i milli til einvigis, 

ok gengr nu Moroldr til strandar ok 
herklaeditt. 



V. 6151: und ist, daz ir deheinen man 
niht mnget geherzen hier an, 
deiswftr, ir herren, sd wil ich 
mine jagent and mtn leben 
durch got an äventiure geben 
und wil den kämpf durch iuch bestftn. 

V. 6177: wan den ich eine sol bestftn, 
der ist von muote und ouch von kraft 
ein lange her bewaeret man: 
86 gän ich aller drest an 
an muote und an der krefte 
und bin ze ritterschefte 
niht alsd kürbaere 
als uns nu ndt waere; 
wan daz ich aber ze vehte 
an gote und ouch an rehte 
zwd sigebaere helfe hftn. 

V. 62G2: ir herren alle, beeret her, 
der künec, mtn herre und sine man, 
sprach aber der wtse Tristan. 

V. 6266—72. 



V. 6273—88. 



V. 6289: als ist daz michel unreht 

an iu begangen iemer fit. 
V. 6396 : min ist hie nu niht alse vil, 

daz ich ze lantstrtte 

ibt gewärltchc rite. 
V. 6404 : ich wftnde, ez sus niht solte ergftn. 

V. 6490: er bot ouch ime d& widere 

des kampfes bewaerde 

mit herter gebaerde. 
V. 6505: Morolt fuor wftfenen sich. 



15* 



228 O- BEHAGHEL, GOTTFRIEDS VON STRAS8BURG TRISTAN etc. 

Nach dem Vorstehenden kann es wohl keinem Zweifel unterliegen, 
dass Gottfrieds Werk und die Saga im Wesentlichen auf 
ein und dasselbe französische Original zurückgehen. Wir 
haben somit in der Saga ein ziemlich sicheres Mittel, das VerhältniBs 
Gottfrieds zu seiner Quelle zu beurtheilen. Welches ist aber nun jenes 
gemeinsame Original? Schon Brynjulfsson bemerkt, daß die Saga eine 
Bearbeitung, beinahe Übersetzung von Thomas ist; folgendes sind die 
Worte, welche Michel II, p. 1 entsprechen: 



Frn ! kva(t hun, daud em ek af sorg 
ok harmi; 

osyiija sa ek l^ann dag, er ek kendist, 
vid jdr ok Tristram unnusta ))inn, 
ok let fyrir sakir haDs ok ])in baedi 
fraendr ok vini, fostriand mitt ok mey- 
dom sakir ))ionar heymsku; 
gud veit ])at ek gjörda })at vegna saem- 
dar ))innar; 

en Tristram hinn vandi eidrofi, er gud 
gefi svivirdiDg a l^essum degi, sva at 
hann tyni sinn lifi. 



Dame, dit BreDgien, morte soi; 

Mar vi Türe que vus cunui 
e vus e Tristan vostre ami. 
tut mun pais pur vus gaerpi, 
6 pus pur vostre fol curage 
perdi, dame, mun pucelage. 
jol fiz, certes, pur vostre amur. 

Vos me pramistes grant honur 
E vus 6 Tristran le paijure^ 
ki den doinst ui male aventure 
e dur encumbrer de sa vic. 



Also: Gottfried und Saga haben im Wesentlichen ein und die- 
selbe Quelle : Gottfried und Saga stimmen in den vergleichbaren Theilen 
zu Thomas: ist also doch Thomas die Quelle fUr Gottfrieds Tristan? 

HEIDELBERG, den 1. Mai 1878. OTTO BEHAGHEL. 



Noch ein Wort von Berox. Heinzel hat mit unendlichem Scharf- 
sinn alles, was wir von ihm besitzen, in zwölf Lieder, bezw. Bruch- 
stücke' von Liedern zerlegt. In wieweit Heinzel für die Einselheiten 
seiner kritischen Sonderung Beifall gefunden hat, weiß ich nicht Das 
aber scheint mir unzweifelhaft, daß nicht jedes seiner Lieder in der 
Gestalt; wie er es uns herausgeschält hat, zu irgend einer Zeit, an 
irgend einem Orte eine organische , ursprüngliche und einheitliche 
Dichtung gebildet hat. Der Beweis liegt einfach darin ^ daß in min- 
destens zweien seiner Lieder sowohl normannische als nicht normannische 
Reime vorkommen: 

Normannisch — nicht normannisch 



Lied VII: 1966:67 desevroit : out 
Lied X: 3743:44 behordot : pout. 



2166 : 67 se dementoit : eitoit. 
3847 : 48 esgardoient : estoient. 
3891 : 92 ne m'envoie : s*apoie* 



A. HOEFER, ZU PFEIFFERS ABDRÜCK AUS H. KORNER. 229 

Dazu in dem letzteren Lied noch die Spur eines Dialektes, dem 
keiner der aufgeführten Reime angehören kann, so daß also in dem 
einen Lied drei Mundarten vertreten wären: 

4064 maistre n'en est dont la venait 
68 pavillons ont joie fait, 
was ich freilich nicht ganz verstelle. 

HEIDELBERG, den 14. Mai 1878. OTTO BEHAGHEL. 



ZU PFEIFFERS ABDRUCK AUS H. KORNER, 

GERM. IX 257 fl. 



VON 

ALBERT HOEFER. 



I. Die Hannoversche Hs. H zeigt in den von Pfeiffer der Wiener W 
entnommenen zwölf Geschichten Körners größere Abweichung etwa 
7 bis 8 mal, wo sie selbst doch nicht ohne Fehler und Versehen, mit- 
unter etwas verworren ist. Daneben berichtigt sie einige offenbare 
Verderbnisse von W, denen aller Sinn fehlte und entscheidet nicht 
selten in zweifelhaften Fällen. Unzählige kleinere Varianten, meist die 
Schrift betreffend, sind völlig gleichgiltig und wertlos, weil sie ohne 
Strenge und ohne Regel Falsches und Richtiges vermischen, o und a, 
ö und ü, e und ee^ ei, g und gh, gk, d und t, dt, s und z, seh 
und sc udgl. wechselt in voller Willkür. Leider fehlt der Anfang, 
denn H beginnt Bl. 20* = W 16^ Pf. 264 z. 18 mit dem Worte ut- 
vletenden, mitten im Satze, so daß was im Voraufgehenden falsch, 
von ihr unverbessert bleibt. Falsch aber ist hier manches, so gleich 
in der Vorrede S. 258 z. 4 denknisse was nicht nachweislich, fiir 
decknisse W, womit dechtnisse gemeint ist, dessen t manchmal 
fehlt, wie in anderen Fällen auch in W. Z. 6 gehört das Komma 
nach vor, in 7 vermute ich: vortsettinghe unde vorvolgheden se na 
eren tiden, indem ich das überflüssige na en streiche. Z. 16 edder? wol 
efte. Z. 19 ist der gennen herzustellen, vgl. 77, 15 (so schreibe ich 
auch nachher kurz für 277). Dasselbe gilt von 62, 37 junghelin und 
64, 38 so vro (H also vro) die beide Germ. 15, 76 — 7 in meiner No. 26 
gerechtfertigt sind. 61,4 ist vielleicht zu bessern: volgede erfliken in 
dat gut unde in dat rike; 62, 4 ist en falsch ftir en ihnen, ib. z. 5 ist 
lavenden übersehen, 63, 21 hem wie es nach Note 19 scheint, für 



230 A. HOEFEB 

hen gesetzt. 63, 37 f(ir herscupt das doch recht sein kann, erwartete 
man eher werscup. ib. z. 11 wolte:wolde. 64, 12 nap, den. Ebenso 
zeigen später die Randnoten , daß oftmals und ohne Not me in men, 
wart in wirt, wert und werd, wonet in wonent u. a. verändert worden. 
Die Abweichungen in H gebe ich nur im Anfange vollständig 
wieder, nachher übergehe ich alles Unbedeutendere ganz oder ver- 
zeichne es doch nur hie und da. 

64, 21 hadde vor ene t. apen 22 sik de enghel unde (doch ab- 
gekürzt) Amel-din broder 23 m. ereme bi. 24 1. eme wil nach he 
25 eDghcl vor van dar 26 Am. de rede h. ward 27 vor siner kinder 

8 fehlt gr. eme 28 gherne t. r. h. vor si. vr. 30 wenende 32 vrand 
here 33 hefst 34 ntsetschen. — m. eme w. 37 vorghaten blut 38 word 
also vro w. sund Am. (Pf. vord für vro W) 

65; 1 van einer krancheit unde eme 2 in fehlt 3 vroawede sik 
5 swareme 6 kammeren 9 strime ein rod aidenv. 10 venien 11 tenden tr. 
gnde gades 12 er alle Bchefte 13 sik god b. eme u. sime brodere hadde 
14 gode nach se holdende 15 das zweite und fehlt twe vor lev. 
16 in siner 17 hals umme dat se vor let in siner kranch. ande 20 godet 
24 deme 25 sone Loringo 27 misse efte 28 werscop 29 id sick 
godes 30 bnitlacht 31 tid hadd hadde wente 33 taffeien 34 boret 

35 stad (für stal) sick fehlt 

66, 1 hemelken 2 sende eft ienich 6 ginck 7 — 8 Witten waet so 

9 de sne grote 10 sime 11 bat vrantscup 12 wertscop twidede 
13 em to hope 14 sone 16 erb. olden kamen 17 sachtmodich vorgeten 
torn 18 entfinghen 19 erb. gast in taffeien 21 siner wort 22 w. bere 
tachtlicheit (also wollatenen? oder beßer unde bere w. t?) 23 sodaner 
vorwunderent = W (ob sodanet?) 24 allene ene 25 wart so ghevrowet 
unde vorblidet van 26 unde blid. fehlt 28 lustliker 31 wan se alle de 
leflike spise (ohne verb.) 33 gode ghed. orlef (ebenso 40) gast van 

36 unde nacht mit em 37 dat (für sat) 39 ik (für icht) 

67, 2 de in der taffeien weset 3 de olde erw. 4 sad wedder dar ap 
5 allen den setteden up up 6 he was brudegham kamen 9 schalt 
kusscher 10 schaltu (beide mal) kamen 12 schol an m. werscop 13 dat 
vor ghelavet 15 weren de lev. beide samende 17 sick to ridende 
18 kleinen 19 tavend wan d.h. zu Abend^ also! zu streichen, knm 20 inw 
käme 21 ick vor iuw 22 dcsse r. L. h. 23 witteu stan sette (chne sik) 
24 scedede van 25 bequemelicheit 26 schjre wese 28 buwet van e. 
29 agb. = W sick eme 30 apenb. ghekleidet m. also k. 31 ni vor 
33 gut!, hinter gast 33 em 34 ding 35 sen myer (meint ni er) 
An (undeutlich flir Van, Wan, was richtig, denn z. 35 — 38 lauten hiHio:) 
An der wunueliken lusticheit der borghere unde borgherschen ande des ghe- 
buetes worden sine oghen so sutliken ghespiset unde he vorghad alle liflike 
spise unde drenke, van deme wunliken overscherighen (d. h. überflieOendeOi 
reichlichen) soten sanghe der borghere u. der borgherschen, der 6chalmeideB| 
basuneu unde des seidenspelcs unde der mennichvolden vögele worden tine oren 
so vorvullct unde vordupet in vrouden dat he 



zu PFEIFFEES ABDRUCK AUS H. KOBNER. 231 

(8, 1 vorghat laten man 2 behagede 4 säst 8 en wile hir 
9 mineme h. 12 her 18 werde 15 schalta 16 dar do 17 mer an b. 
(Pfs lankmdr ist nichts, dachte er an nd. Tortmdr, engl. farthennore| Gramm. 
8, 595? W hatte offenbar nur richtiges lenck das dnrch oben daneben ge- 
setztes mer wol verdrängt oder erklärt werden sollte.) 18 deme 21 do Lor. 
appe 28 na sime 24 nppe 25 ieghen dar he stund 26 vor en 27 vaderes 
29 here n. (ob he sere?) 30 bedraghen en 31 drade 84 me = W (Pf. 
men wie oft) 35 port. langhe 37 lat 38 riden m. em van wenden 

(9, 1 kamen wet (für ich habe ich kein ik angemerkt) 2 wat ik 
segghen 3 ik nn vinde en kl. gheb. wat schal 4 antwerde de wat b 
5 mime 6 ghewest 7 ghewesen wol gheh. 8 vader Do sede Loringas 
9 di leve 10 de p. 12 brochte (wiederholt) deme gheseten 13 en weth 
14 vorwu. wor (ffir eft) 15 sint edder eft ik ef bj (für en sy^ enbin) 
16 men dit 17 morgene ick fehlt. 18 gist. 19 hir is SO to vollen 
wart verschr. 21 — 22 an em (nach wa. werk) stand an 24 ghe fehlt 

25 godesh. 26 unde salicheit 30 bete 81 dar 32 dat is enket (für m. 
m. s.) 33 dat wand. 35 a. alle mineme gherede 36 jeghen vader 
anderes 37 se do 38 bäte em an sineme 

7#y 1 sels. schichte 3 godes w. de dar van m. ghelavet 4 alle de b. 
5 abbate he fehlt 7 do den 9 gades 11 nen in s. m. 12 dat mark. 
18 est = W 14 ere willen hir v. m. gheladet antwerde 15 erstes noch fehlt 
16 don vor den jnw sprak de 17 enes betes uppe 19 an sinen m. 
a. den begand to 20 ginghen em alle s. natarliken krefte 21 einem 

22 grauw 2tes eme fehlt lang 24 pr. alle vorw. 26 me = W sacra- 
mente 27 entfing so vort gaf 

71, 2 up bet = W, ob best? nmme den ram (für tham) 4 vors« 
der bare 6 dans 7 bedudde 8 densende en den 10 presters 11 allike 
12 moygede 14 gedantzet 17 donde wert gode dat 18 ambed. de inw 
hutene also 20 bore schade do 22 dann. 25 anweder e alle qu. iegene 

26 to sl. (wie gew. getrennt) clawe 28 dot 31 selsen 32 scholde singen 

72,1 scholde fehlt hier bar Odb. 6 en (beide mal) 7 in der hilgen 
nacht in de k. 9 — 10 he ene wrake 12 so moten hele iar 13 den prester 
14 am 16 iar umme et. 17 nicht fehlt regen ande scho (nach kl ed. 
in 18) 18 en was 22 na ate w. 22 — 23 bischap H. v. C. wech dar heen 
in w. 24 danscne iamerlicheit 25 iaw (beide mal) 26 law 27 wegene 
namen amen 28 ande vor altare gode (ohne to) 29 a. de h. 30 tw. 
and« vroweu 31 konder (!far -den) 32 wecken 33 w. dat se bevede 
hende 34 konden me en 

73, 2 unde (nach M) satte 3 settede 5 verclaget vor deme keisere 
van d. f. 9 dar lange 14 werdes vrowe t. sone 19 hergeberge (vgl. 262, 19) 
21 en 25 de wiederholt vor de den 27 wolt 28 beweget 30 sin herte 
36 hemelken er 

74, 3 dat kint 7 der fehlt 9 bot er 10 vrantschap = s. 20 
11 sik fehlt 12 nacht was (des n. fehlt) 16 an deme 19 weder 
25 godes 26 enkede 28 moyicheit 31 efte id 32 dratt 

75, 1 — 2 Tond. zele ghenomen van sineme lichamme ghenamen also 
Vincencias sprikt (also verwirrt zele wiederholt and ghenomen f8r ghe- 
nomet) 4 en vor h. fehl) 5 ofte van 6 en ghingh nicht an de 8 Wo 



232 A. IIOKKKR 

fehlt 1) vriindr 13 — 31 AIko ic dn oncs daghrt icton otcr de 
Tiind. woMr wat iiiiac in tl<* inunt stekni , do hr itarfT t* mc di? hant Tor 
munde, mit d«me iitort<*dc hc dalo uppo de erden u. wiu dot. Do Irpe« de 
kurchte tu ii. nemeii wech de spise. Uar wart en ichri^ent u. hantaUfflmt 
van den vnindc u. tinen ncghesten u. de ^rhantfe stad becla^^heden den lyloaea 
u. «nellen dot de« riddera. Vun dcme mitwekenc au wente de« Bunnaveadca 
loch lit' lo iumeiliken dot u. unplif^raircn« Wentu in lioer luchtcrca aidcB 
der fiorit volden dv m^ystere noeh wi'rminglie u. bewcf^hinge iinea heitcfi men 
dat lic hi-iliiset wiiH [unde?| v:in proter swarer leede de livham »tilleC wmm 
Den Runmirfiiiic eiitvarp (^= tK') he aik wedder u. quam to iik BnUea ■. 
■uchtede U* malt* sere u. «ach over alle dat Volk u. sprak mit luder •tcmpiir 

to denn* lolke alle dat vvrMeh in deme lalterc: ob. f^od — drofniaae k 

du mi ^hewinet u. heft mi w. — — enlen httittu ml fchevuret u. wedder gbc^ 
seilet. Do (rhafi' lio dor ^»t armen luden i;he<'btlik u. wrrtlik allen! dal kt 
hadde u. (;hin(;h do meer to der korken n. drenilc f^inle vliti{{hen u. lavede — — 
Do hof he an u. ^prak allvnt wes he gheieen hadde: Do de icle acheide «t 
min'* lichiimme, du sach se encn untellikcn tael der unreinen gheeatc ac amme- 
vnn^hrn, de npreken to er: wilkome sistu un» «»tc. = W z. 33 •chullai 

33 Bo »ach 34 «chinen 36 fik err u. «prak: ^rot sistu Tondele (aMi hieoüt 
lüst »ich denn V(* wunfl«'r baren frrutz einfach anfincrütet, gegrüßeC Dean 
Cfi iit, i'twa wir ;:ri»tz grtfchriehcu, offenbar tlicaelbo Abkünang, die ich ra 
wetz = wrtet in meiner No. 37, Uerm. 1-^, 303 und im Nachtrage daie 
S. 309 fies Weiteren besprochen hübe, i 3(i antwarde 37 ut 38 en^elc 
nu hvMtu (wol filr hOteatu, hestu, heiatu'^ Denn daa fl. ghehöien fehlt 
II, wii* n:ielihi'r i k) 

76. 1 Eodder I van horsam 7 tn ileme I. 9 de nur 1 mal 10 aik 
cn gh.ifT 13 an to Ifi viil duttter was it bl. IG f^aa dat neuer via 
17 uppe dat sulft-r vi'ir 19 se di* st. 'Jn--21 vul ilepen dael de sere doater waa 
22 schri»: = *Jf< 2.S de de reckede 27 glat gbeiticket sere fehlt 
30 der ene srote lancbe 31 verninf^beH 32 vealye also cn b. 33 dcear 
veatigia h.idiln ene prute grt'sljke wide mimt undc was v. I. 34 teea' (ohne 
schar pon?. •'<•'» ijuum m smork unde 36 unuinsi-hl. stund 37 m. glojredea 
38 in de 

??• 1 ifreaelike m. 2 viitv.t i'c? Acheren 3 slinck veatiea ao 
4 tu vnr dl- *! Wat m. s. dar b thf dal 7 waa mvn- H au de fehlt aoUc 
8- ik kver bti. 9 to lideu em* «t. — lu des wart ■. aele reddet in der 
pine 'na ilemr f< hii 11 d:ir !• hlt ]'tve«le barmberticbeit vor (barmheil 
im Mnd Wtb , \>ii iiii-r * iitli lii.t, .*ii *trri«hen< 12 Do ({ueme wi 13 peeckei 
u. vuris 1 t bni. vevr vin^litr breet ilr 16 dor de v. de dar over ghingea 
1*) und !• er r • «1. fehlt JO bru. iler rover sik io nicht 24 an fehlt 
Bcrt'i^'hfii |<;i]<'^h^r* 30 •(hl 36 bernden uven 3H werlt 38—1 radcnd 
«o rH'lrbr.tk«iit 

7h, -J gpr. er lo n. -•■•]•• u. tr. 4 pine unde fehlt 6 bcetia = W 
Icie t'ehli 7 in nn*- 1^ kr-ini sekele 12 eitaft 13 spis gioighrn 
17 w. rukt-ndor avrr strt wit 2«J mer de 24 vi'ldr 96 d. vullenkamelikcr 
mer il u «- 3'J vlitlikcn 

7f , t'> vifihtT h. 11 t-' lehll 26 avervlodich 28 berd. dat 31 
i d f'-hlt — \V und :it amii'tiic 



zu PFEIFFERS ABDRUCK AUS IL KORNER. 233 

M, 1 ichte schO = W, ti oft = u 4 dos 8—9 de richte sik 
10 ene borne 13 alle nacht 21 lakens 24 recht 30 uppe dat 33 vinster 
34 alle 35 csschende (vgl. zu 62, 5) 37 en fehlt 38 ghevochtea 

81, 2 de störte de d. de led 3 de blef 4 sitteod 9 do alle 
10' den leten 11 me n. mer 14 dein 15 staltninse 17 gewrocht 
18 badelken 28 twisschen 24 u. stonede 27 at noch en 29 vaken 

81 oghen 

83, 4 nichtes 7 ghede wat und we id were 12 don fehlt sege 
13 me em 17 de fehlt 18 — 19 houisch (für homesch) 19 wonet 20 sc 
roget maket 23 nnsen werden 24 nntfeit 25 desset spnk (a gew.) 

82 ap de bodcne 33 is ein (dat fehlt) 84 to fehlt 35 andere 

88, 2 — 3 en nuch 8 en ghedecket 4 dat dar nppe dat do (erstes 
dat falsch) 6 anders — ylesche 7 de fehlt vor was 9 gheliden wont 
10 de hadde 12 Stard. 13 nomet R. ok wol 18 ene andero deghelkemc 
knechte ret dat R. dat 26 dar umme 30 Hermanne 33 Trisschö kn. 
wfl wi 34 scheidede 

84, 1 en weren des (abgek.) vitalien 5 cristenen 6 berichtedcn 
10 andacht (für ander) 15 ute der h. 18 nement 19 overst bor. 

85,9 er fehlt 9 — 10 stamper desse 13 wor werpen 15 stan nach 

17 so: do wart de iode vorvert u. sprak: wor wiltu heen? Des sede de duvel: 
wor etc. = 18 21 wedder fehlt 23 vakene 24 hoves 28 v. mecr nppe 
30 de kerkhof 31 Also he — begrof nach 32 de do sprak 34 der sted* 
liken st. 36 Also he 

88, 1 echt hir 8 gotliken 11 dar nein loven 12 desse weren 
13 bedreginge 15 aldns 18 de mi. fehlt 24 cristenen 25 men van 
S6 it it mi 27 wo eme 28 scheen was 30 dat do 31 sik fehlt? seltzan. 
37 bograven 39 papcn unde cristenen luden 

87, 4 over al de ludde also 5 np ute d. hostia 7 cnen sutcn sank 
hl der lacht unde de sank was dat 10 sulven fehlt 11 den market 

12 em Do den 14 so moet weghen fehlt 18 Do sede 21 werede 
23 n& n. 25 vmnde de berede were mit dy in den dot to gandc. wat du 
doch wnlt dat ik don schal dat wil ik alle gerne don. De bequemen wort 
28 de my ny arich 30 hebbet 31 nü hüte (d. h. u) 33 mögest u. ik ok 

88, 2 — 3 vor rome 4 hebbest de 7 de fehlt 10 wonliken = 14 

13 kande 17 to der sammelinge u. sede (ob Genitiv zu den hovetl.?) 

18 stille liggen groten win 21 wan 27 wur 36 mant 37 uppe 

89, 1 voreden 5 worden dov. 7 zweites de fehlt gehanghet 9 ere gut 
10 mit dene 11 horren 12 desser 14 erö eede*) 

n. Die Hannoversche Handschrift schließt fol. 241* p. m. mit dem 
Jahre 1438, ein eigentlicher Abschluß fehlt. Die Wiener IIs hat nach 
Pfeiffer S. 259 nur noch den Anfang des J, 1432, die Chronica Novclla 
bei J. G. Eccard, Corp. Hist. Medii Aevi H 431-1344, reicht bis 1435. 

*) In iwei oder drei glcicbgiltigen Füllen, wo meine vor fast 10 Jahren ge- 
■laehte Vergleichung der HS H mich jetzt über den Laut oder die Stellung eineit 
Wortes in Zweifel ließ, ist dies durch ein ? oder sonst bemerkt. Die HS von neuem 
•insasehen war leider unmöglich. 



234 A. ÜOKKER 

Da Komor laut VoiT<*(io 2M Hio deiitscho Brarbeitung, die er nacli 
der lateinisrlion, flkr dir OeI«*hrtrii bestimmten, Men leien 16 Utvordrite 
undr kortrwile* uuternommcn. im J. 14.'ll b(H*ndif^t habon will, so nttstr 
was über dar ^onaniitv Jiilir liinaus ^rlit, HpUtcrcr Zusatz sein, oder 
diff Zahl 1431 wän* unricliti^ und meiute violleicht 143i^ uder gar 1441. 
Die Spracht' dcA Schiuijrii zeigt keinerlei Unterschied. II seUieCl 
nttmlich mit dem Berichte über eine Fehde des Bischofs Johan vaa 
llaluertitat der mit tausend Pferden und zweitausend FuÜleuteu dachtr 
to reinendi* nver den harts ^s Hpütfryi iu dat laut to Doringen iegea 
greven Ilinrike van Ilonstcn de eme dal quik haddc genuinen tot 
Quedelingborch. Die Grafen von Schwarzburg und Stalberg welckr 
sicheres (leleite durch ihre Laude zugesagt, ihr Versprechen aber nickt 
gehalten hatt«*n, — untseden do deme biscoppe uppc deme velde, dat 

vi! riere was Wf*ddt*r ere ere unde den sege bebet! da greve 

van Ilitnstcn. Also wart id dt» besloten mit vulbort der grevea 

dat de vangene scholdeu geven d«>me grcven XVI dnsent schok oldsr 
grossen unde scholde twiKHchen en stan in vrede dre iar, waii de luniDf 
gekomen weren, so scboltio en islik sin «uneste proven. Bi aontc 
Mathias dagc wan Bemard Huer ir1ker!i des vt»er sin slot Niebas ge 
bpikfii wai«. dat slot Stavenuwe mit gunste unde hulpe siner vruadf. 
dat anders nicht mogelik em gewt^nen hadd«*. An dess«? slofe hadden 
deel d< l*li*üsen. de Ijuidsnweii undi' Lutzowen, der hc erors en deeb 
vient waK undf *\v m<*di'huIp«Ts hadden weseu, sine vesten to tot 
htorendi* Alle dt* he do uppc d<'me slote vant , de warp he an de 
veiikniüi^e und«' hfuiantiedtr dat mit i«in**ii vrunden. 

Sprarlif un<i Schreibart die ich mit manchen kleineu Fehlen 
zi«*nilich tn*u wiiMi«*r^f<;fb(»n /.u liahen glaube, sind hier dieselben wie 
in der ganzt-n iI:in(lBclirit't, nur daii eine int mir aufgefallen, daß jenes 
sonst beüihtt*. zwAi immer willkürliclitt gh hier ganz vemist wird und 
ub«*rhaupt gi'iren das Knd*'. irr ich nicht, immer seltner g<*wordenp was 
freilich urnig vitscIiIhlM. Aui:erdi*in drttngt sich beim Durchblicken 
meiner /nlilreich**n Au!«zii:;f di«* Bemerkung auf. dal) der Inhalt dieser 
fUr Lfien zum Zeitvrrirfib' gearbeitetfii Thronik im (lanzen ttberaas 
dtirt'iig und uiibeiif'Ut«*ud ist und is kann leicht sein, daü Pfeiffer mil 
glttck liebem <iriiTi> in hein<*n zwulf Krzühlungeu »chon das Beate and 
Anzi**h«'nd**itr herau.>»{r**!e!»en hat. AINmu durch diese unleugbare teil- 
weiüi* Durtliu'keit lieii Inhaltfc^ wini natürlich nicht die allgemeine 
kannte h^h" s^prarhliehe Hedi-utun»; boeiutriÄi'hti^t, weicht: Kom 
(Mininik vurinlhaft au!>zeichnet und ihre endliche vollstAndige Ver^ 
ütl»*ntiiehuiig dringfUil wUnschen lüüt. 



zu PFEIFFEB8 ABDRUCK AUS H. KORNER. 235 

in. Die Wiener HS schwankt in Betreff der Schreibung mehr 
leicht noch als H unentschieden und unstet hin und her, obgleich 
Dicht schwer sein dürfte, ihr selbst ftlr die meisten Fälle die Kegel 
entnehmen. Der Herausgeber ist ihr auch in diesen Dingen keines- 
^ sclavisch gefolgt^ er ändert z. B. köp, syne, dansz, husz, eerden, 
3^ meer, hee, gh&n^ möt, not udgl.. ; aber er schreibt offenbar nach 
an Vorgange nicht selten wieder see, hee, twee^ veer, deer, leep 
r spiis d. h. spitz^ nein^ kluk, gud^ smael, glaed, dael; waet, vor- 
ety koep, büer, selbst kruem, oftmals sick, vereinzelt auch macken, 
9cken, dann gingk, konningk, stad, bord, grod, id; gaff, straffen, 
tSy alzo, zele und unzähliges der Art, was doch alles mit anderem, 
st auch beßerem wechselt und dem Drucke ein möglichst buntes 
lefan gibt. 

Dem gegenüber wird man dann fast überrascht durch den nicht 
ir seltenen, aber immer mislichen, oft geradezu unmöglichen Ver- 
by durchweg die Quantität der Vocale zu bestimmen, wobei der 
tiUBgeber sich anscheinend wenig durch das reinere Niederdeutsch 
Gegenwart und seine vielfach gewis ungetrübten und Ursprüng- 
en Lautverhältnisse leiten läßt, sondern meist lediglich dem Alt- 
[ Hhd. folgt, dem denn nur eine bedingte Entscheidung zusteht. Er 
BTScheidet dar und dar, to und tu, vielleicht auch nu und nü, er 
reibt immer ok oder ock, immer dren und vif, altar und antlat, 
ler de, he, se, ju und juwe, sodann velinghe venalitas, H veil, wie 
eheit; neben sü behält er sud, schud^ schude, neben vordrdt wieder 
lupet; in ruken riechen findet sich u und ü, wogegen dem Conj. 
re, den Pluralen vloten, bleven, sneden, togen udgl. stets die Kürze 
^rt ist Nicht selten wird man freilich Druckfehler anzunehmen 
eoy so wenn vereinzelt were, sistü, kluk, derte : der udgl. vorkommt, 
ieber ob auch in twide i. e. twidede. 

Auf der anderen Seite treten hier regelmäßig als Längen auf: 
dl^ w!, gf, du und -tu, dann üp, aber uppe, in = mhd. hi, wit und 
m, H Witten, wändages, st§ch (neben steech, H stech) nnd grSse- 
Bf orlof und orlef, pelegrimme und h^r Hinricus etc. Ebenso be- 
kdig findet sich dann brächte u. brachte, dächte u. dechte, dechte- 
e» söcht u. söchte, kofte und gedoft, vordrüt u. gripstü, wüs und 
te, während in dem Adverbium echt die Länge verdruckt sein wird. 
sa kommen, um von moste, m6tte, r^dde abzusehen, femer rdst, 
ie und islik. Die flectirten Adjectiva auf lik: etlfke , kostllke, 
DUiO hSmeliken, H hSmelken, zeigen stets Länge, wogegen die kurzen 
wie mogelick oder lustlik, unbezeichnet bleiben. Endlich sind 



^lUy MTTKKATrU: I V. ZINGKKI.t::. RKISKKKCIINUNOKN WOLFGER8. 

iiocli zu t.TW:ihnt»n rlic .'l Vorlia 8i'Mt*n, iiiiriciiy mnien, lotzteret aber nebn 
iiifiidc uihI iiKtiehcit. 

Ich bin nirlit ciitli-rui «Icr Miriiiiini;: alle dii-se I>iii|^ Air fabci 
7s\i Ii2ilt>*ii, boi (b'U inriiitrii lit'^t ja auch (Irr Oriind deutlich Tor, der 
PfeitFrr bei ihrer Hrhaiidluti^ niali^^cbeiul war; aber Kwcifelhaft Wkd 
in hohem (irado bi'd<'i:klich Hchoinen nie mir Fämmtlich. Mnncbc« «»- 
zeliif wi(! vif. vcl, >L-huilr, vi>rdii|H*t, rbcuhM u|i, wit, »tt'ch, wAnda|rei 
mui: i'Utsi'liicdt-n aU unrii'liti^ u^rlten, dficlite aber, wemi cts dem Nir 
d«*id(.*utM*hcn je /iikam, «Idrt't«: \Vfni;;»teii8 für Körners Zeil so gut be 
stritten werden wie sucht, k^ft, <«cht ud^l. Denn das auch sonst wirk- 
siinie <ieM-i% der Keiiiiträehti^ning der LAngen durch ConsoDAnteiiTfr- 
bindun;; ibt wie es seheint im Nd. frühe von weit|i^rcifondem Kinflo^ 
p-weüon. Für eeht, liclit, wns etc. bKMbt die Zeit der VerkOniuif 
frei lieh nocli zu erforschen, pele^^rimnie aber war wul immer unerUabc 
nicht bloü übertlillji^ wie straffen oder herre, burreOt 

<iKKIKS\VAUl, Juiuiir 1878. 



LITTKHATUH. 



Rei^erechnougen Wolfi;ert von EUenbrecbtskirchen, Bischofs tob 

Patiinrcheu voii Äqaileja. Kin H<'iir.iK 2ur Waltturfrogr. Mit 

K.n •>iiiiilr. I(- litiifür^i'ticii vnii l^'iKi/ V. /ingerlr. Ilvinironii. Ilraaia|fr 

is77 \XV1II u. yi S. h 

I)ii r.l! 1^7 1 Uli (.'«•niinuiiiUiihivf vuii (*i\idulf dfl FfiuU eBtdscfctfls 
Tt 1^' tiiii iit)i!.itt> r iiiit ktTiiijiiii^tii iiii» ili-iii ll^iuliultr fiiivi Hiachofs« wdrks H 
|*ri»l'. /ir.u'*rli' fii-r \ • i- :f> tili- l.t liit, niinim wc^eii diT vi«lfAchcB Licbicr, 
wflrfii- ;iri- ihihii .i'it •! i- l'r A.itl* -^-ii liiif!« hohen ßtMitlich<*D HeireB aad Sil 
ifii* < 'ultiirvirli.iitui"»i di^ hvXr. .I.ilirhiiinlcrt« fallen. wi«> auch wr|r«B alMffi 
Hfxi' iiiii. jt li jur KficL^»*' «c liii-iitf »i.«!* !• bhjifti'st«- liii«Mi-Me L'rregt babca» sack 
Kl Uli iiii 1.1 k'ti.i'lr iti ihiii-ii • litliiL-h i-iumal W.illh(.*r» %i*ii der VogelwcMi 
iiik'iiiilit K Krir.iKij'iii j pTt-ciialii- .1« ti»*r ni»t'li<>t hat iiäinlirh S. 14 (*||« 9' 
.411 liii« m iL* N.\tHi*'. : ij.iiJ '/• i.'-ui'irum /«'ii^elmdUiT in (Uterreicb) Wii- 
then« r.nili-ri *# \' v I»»"'-!«!*' j»»" |" lÜ- ;•• '•. »"1. loii^o* jirbcn Isften. Ich 
r» nun Ani-riii .luhrini^'« }»*'ii n ]irüt'> ii . iuwirtrni dir»er htttoriachc 
tiir d:--' • W.t'lhf'rlr.ftp.'f" irii-)ifi,- wrrirn kmin, und wonn irh nicht irrOe is 
.AU* I. »iKuii jt'fti hf-l.fii. Itiitiit'r .\}**'t Wir«! es auih dafür , wie bei der 
h'Ut.i'j j> IST K* • hitiii j- r. liir ttilp:> iii'-uifri* Cii »irht»|«iiiiktf , in errter U 
darauf A'ik rMrrii M . -!.• /• .! ti. •«rÜrt:«! .:r»au fi-«t»'ii4tfl](*n , auf welche ■!• lach 
b«"iiMifu P*A hat ii'iii d'T Hi-'imi«*ber tu der Thal untemoninea ; ii 
to aeLr ich aurh iciue Vcrdieuite an die sweckoiaaaige und gsTAUif« 



LPTTERATÜR: L V. ZINGERLE, REISERECHNUNGEN WOLFGERS. 237 

IT Bechnimgen anerkenne , in dencm uns in jedem Falle eine interessante 
ille eröffidet worden, seinem chronologischen Verfahren kann ich mich nicht 
ohne Weiteres anschließen. 

Das freilich muß von vorne herein einleuchten, daß es Rechnungen eines 
shofr von Passau sind und zwar eines, der (wegen der Erwähnung des 
ligs Philipp) zwischen 1198 und 1208 regiert haben muß, mit anderen 
rten: entweder des Bischofs Wolfger oder seiner Nachfolger Poppo und Man- 
L Von Letzteren ist nicht bekannt, daß sie besonders beweglich und viel- 
shiltig gewesen seien, wohl aber vom ersteren und so kann man auch darin 
beistimmen, daß die Rechnungen dem Bischöfe Wolfger angehören, der nach- 
som Patriarchen von Aquileja berufen, für uns zum letzten Male am 
JqU 1204 als Bischof von Fassau erscheint (s. Philipp von Schwaben 
B07, Anm. 3). Nach rückwärts aber verkürzt sich ihre Ursprungszeit 
ureh, daß Wolfger um den 18, Febr. 1199 auf der Heimkehr aus dem 
igen Lande noch in Rom gewesen scheint (Phil. S. 165). Die Rechnungen 
mnen also aus der Zeit von Febr. 1199 bis etwa Juli 1204. 

Qier aber trennt sich mein Weg von dem des Heransgebers. Zingerle 

I nämlich bei der genaueren Zeitbestimmung von zwei Voraussetzungen aus, 
beide nicht zutreffen und von denen die erste die ist, daß die « Zeitangaben 

r anf das Jahr 1204 passen*' — es sind die beiden Daten in der Rückreise 
Bischofs von Rom gemeint, welche allein einen greifbaren Anhalt gewähren, 
55: feria IV vigilia s. Johannis = Mittwoch 23. Juni und S. 56: feria III 
die s. Petri = Dienstag 29. Juni — und fährt dann fort: ,|Daza stimmt, 
• nnzer Reisender am Sonntag Cantate (1204 am 23. Mai) in Rom weilte, 
ohof Wolfger befand sich am 22. Mai desselben Jahres wirklich in Rom^. 
' die letztere Behauptung beruft er sich auf mich selbst: Phil. S. 307, 
B« 1 — aber ich habe dies nicht nur nicht erwiesen, sondern nicht einmal 
;enommen, im Gegentheil die Hypothese aufgestellt, daß Wolfger 1203 in 
n gewesen sei. Vor Allem aber: jene hülfreicben Daten würden innerhalb 
ZÄtranmes^ in dem sich die Untersuchung bewegt, nicht bloß auf das Jahr 
)4y sondern ebenso gut, was Z. übersehen hat, auf das Jahr 1199 passen« 

II iet allerdings das Jahr 1204 vorzuziehen, aber aus einem anderen Grunde: 
I Wolter im Jahre 1199, wie wir wissen, gerade in den betr. Monaten von 
n nach Deutschland gereist ist, also nicht wie die Rechnungen ihn uns 
len, von Deutschland nach Rom gereist sein kann. 

Die zweite Voraussetzung des Herausgebers — und diese beiührt die nWalther- 
{e^ speciell — ist die, daß alle auf den 1 1 Blättern erhaltenen Rechnungen 
tUch zusammenhängen, so zu sagen einem Rechnungsjahre angehören; wenig- 
is ist nur aus solcher Voraussetzung seine Schlußfolgerung verständlich: da 
iHgßx am 12. Nov. Walther von der Vogelweide das Pelzkleid spendete, jener 
V in unseren Aufzeichnungen durchweg nur als Bischof erscheint, muß dies vor 
B Jahre 1204 ,,al6o 1203" geschehen sein. „Des Sängers Aufenthalt in Oster- 
dl im Spätherbste 1203 ist hiermit festgestellt.'' Qewiß nicht — denn wo 
der Beweis, daß das Blatt H, auf welchem allein Walthers Erwähnung 
ehiebt, in dem ursprünglichen Rechnuogsbuche den Rechnungen von der 
lieeben Reise des Jahres 1204 unmittelbar voranging? 

BL I und II, die wie der Herausgeber richtig bemerkt, durchaus zu- 
lÖren, zeigen uns den Bischof vom 22. September an durch den 



2:iR I.ITTERATrR: I. V ZIN(SKKLR. RKI8RRECHNITN0EM WOLPOi 

• ■ 

Prinzen Herbit in nsterreich, zu Weihnachten i^hnz knn in Pumib 
wiedvr in Österreich bi^ cIwa Mitte dei Januar (das lettte Datnni 6. Jaa 
Dies Itinorar ist nur 11^9 oder 12o3 möglich gewesen; deop 1S00 w 
Wolf^er am 1. Oct. in Niirnberf;, nachher in Mains und bei Koblcni^ ISCl 
etwa H. — 14. Sept. in Kaniberi;, 20. Sept. in Nürnberg — so daß rr am SS. ScyL 
nicht schon wl«*d(*r in <«öttwoib nein konnte — 1202 aber an 8. Xor. a 
Spei er. Ks frit^t sich« oh nicht sonst Anhaltspunkte gegeben sind, am swisckca 
1199 und 1303 eine EntHcheidiing zu treffen. Wir linden den Bischof a 
ilenilich Ichhaftf-m Htitpnvfrkehr mit den Herzögen von 2^ilhringeB| Baier« imi 
Österreich, d4>m Mark^raffn von Mähren, dem Konige Ton Böhmen: aolllr fr 
den Verkehr mit dvm Hithuicn und dem Mühren fortgesetxt haben, aachis« 
diese offen von Kiini^ Thilipp ahRcfallcn waren und ihn im Scnamcr Ifi^l 
mächtig in Thüringen bekämpft hatten? War die Zeit darnach angvthaa, der 
Königin von Höhmen artige Geschenke zu machen? 

Kern«T: wir bemerken S. 9, 14 tum 12. Not. einen aantiu Mogvatis: 
archiepisropi. Letzterer k:inn entweder der Erzbischof Konrad sein, der mii 
Wolfger im h. Lan*le gewesi-n war. gegen den Herbst 1199 nach llewts ih laai 
heimkehrte und *JO. fict. 1'JOO starb, u<ler — da von dem von der pftpttlirh- 
welAschen Partei erhobenen Sigfrid von Kp|>enstein nicht die Rede sein haaa — 
der von Philipp mit den Kecalien iIcn Krzbisthums investiert«* Lupoid tob Wocms 
Lieift nun an sich eine enk'cri* Beziehung Wolfgers zu seinem Kreazzugigefihrtm 
Konnid näher als zu Lupoid, würde eine Botschaft Konrads im Herbrte 1 199, 
wenn man nach eiin-m besonderen Anlasse forschen wollte, sich sehr |(nt am 
dessen Propaganda fiir die Beendigung des deutsehen Thronstreites »w iih ta 
Philipp und Otto IV durch die Beseitigung beider und die Erhebung Friedrichs II 
erklären, so kommt hinzu, daß Lupoid um 12. Nov. 1203 wahrscheinlich gv 
nicht liirhr in Meutscldand war. Ich hatte Phil. S. 356 angenommen, dal er 
1'J04 aU Kriehilrgat nai h Italim Kfg«ngen sei. jedoch bemerkt, daft er seil 
Hfrbat rjo;i durch seine eif^enen Angelegenheiten nicht mehr an Dealachlaad 
Ki'fffi4rlt war. Die C-hron. regia Cohui. nun, welche der nächste Band der 
Hcriptuies der Mnn. fti-nii. bringen wird, berichtet in der That, da6 I«apoU 
»chon 1*J03 (im l!«*rli*ie. da er im Summer noch an Philipps thflriagiachcm 
Keldsnge theilgenummrn) cum magno belli apparatu in Mitlelitalien anllrat. 
Ich geMche g«*m zu. dnü die üriinde, welche ich für den Urspran^ der 
l>eiden Kechnnn^ablatt'T ans dem Jahre l\*J\* angeßhrt habe, noch nschl 
darch«ch lagende sind, abi-r ich finde Nicht«, was nir das Jahr 1S08 
bracht werden kannte. 

Bl. 111, Rechnungen seit dem 1. .Juli aus Passau enthaltend, Metet hcii 
Anhalt für die Bestimmung des Trsprungsjahres, wenn wir nicht die S. 23 wieder 
auftrrfmde ^re^'ina lint-inie" heranziehen wollen. Darnach möchte ich flaaben, 
daü ••• nicht dem J.khre iL'o.'t Hngehurt : nieht 1204. weil Wolfgcr am 1. Jak 
1 2(M nicht in P.'u«.iii witr. 

Vun Bl. IV — VI II. litt- fu^ammencehüren und die Kechnungea der Rriw 
nach Knm und zurni-k rnih;il(*n. ist -rhon oben geaetgt worden, daß sie «irh- 
lieh «1** Z. will, drm Jahre l'Jdl • ntatamnien- 

Von Bl. IX »«'ni l'.i. Januar nu« Klagmfnrt lAfit sich nur sagen, dai e« 
nicht %i>m Jahre llif^ »nn kuin, «i*il W. m der Zeil wahrscheinlich tu 
war und nicht wn\ 120*.'. weil er in Halle war; Bl. X gibt gar keiaaB 



UTTERATUR: F. 8ANDV088, FREIDANK. 2S9 

pankt SoTiel aber steht fest, daß die sämmtlichen Blätter Dicht kunweg einem 
und demselben Jahre zugewiesen werden können und daß, wenn für einen Theil 
du Jahr 1 204 gesichert ist, für einen anderen Theil und zwar gerade für den^ 
in welchem Walthere Erwähnung geschieht, eher der Ursprung im Jahre 1199 
wahneheinlich ist^ während für einen dritten Theil der Blätter das Entstehungs- 
jähr überhaupt noch g^nz zu ermitteln bleibt. 

Diejenigen, welche die meiste Ausbeute für die Reichsgeschichte ver- 
sprechen , sind die Blätter IV — VIII mit den Rechnungen über die römische 
Reise 1. April bis 13. Juli 1204; es ist jedoch hier nicht der Ort näher 
darauf einiugehen und ich begnüge mich das Eine herrorzuheben, daß Wolfger, 
der von Rom nicht geradezu nach Hause, sondern erst noch nach Augsburg und 
Nürnberg ging, dies sicherlich deshalb that, um mit dem Könige Philipp zu- 
sammen zu kommen, der um diese Zeit von dort das schwäbische, bairische und 
oetfrinkische Aufgebot gegen Thüringen führte, Philipp ▼. Schw. S. 826. Er 
hatte wohl über seine Wahrnehmungen in Rom Bericht zu erstatten, vor Allem 
mber sich beim Könige die Zusicherung zu erwirken, daß derselbe seine während 
der Heise erfolgte Wahl zum Patriarchen von Aquileja genehmigen, ihn als solchen 
belehnen werde. Denn daß Wolfger von der Wahl schon wußte, darf aus dem 
Umatande geschlossen werden, daß er unterwegs wiederholt Boten von Aquileja 
empfing. Ja er muß unterwegs auch die Erlanbniss des Papstes zur Annahme 
der Wahl nachgesucht haben, da dieselbe schon am 24. Juni 1204 ei;folgte. 
Staatsking wie er war , wollte er sich gleichzeitig gegen den Papst und ' gegen 
den König sicherstellen, aber getroffen hat er letzteren nach S. 57: Garcioni, 
qni ad regem cucurrit, in Nürnberg wohl nicht mehr. 

Zum Schlüsse will ich noch dankbar der fleissigen Zusammenstellung von 
Naehrichten über das Leben des Bischofs Wolfger von Passau gedenken, welche 
der Herausgeber in der Einleitung gibt. Sie würde noch werthvoller sein, wenn 
er es vorgezogen hätte, Alles bei Seite zu lassen, was Qrion in seinem be- 
kmnnten Aufsatze über ihn als Archipoeta u. s. m. (Zeitschrift für deutsche 
Philologie Bd. II) vorgebracht und nicht ausdrücklich belegt hat. Das von dem 
Heraasgeber S. XXVII gerühmte schöne Lebensbild Wolfgers von Czörnig ist 
eben dadurch in seinem Werthe gemindert, daß es gar zu sehr auf den Phan- 
tasien Orions beruht. 

HEIDELBERG WINKELMANN. 



FtaU Bandvoß, Freidank mit kritisch-exegetischen Anmerkungen. Berlin 1877. 
Bornträger. 888 S. 8. 

Es ist ein peinliches Gefühl, wenn wir sehen, wie ein Mann mit emsigem 
Fleiß and liebevoller Hingabe sich an einer Aufgabe abmüht, die weit über 
seine Kräfte geht. Die „Männer der gelehrten Zunft" würden Sandvoß ja 
dankbar sein, wenn er mit seinem „natürlichen bon sens" Dinge vortragen 
würde, bei denen der Leser ausrufen muß: „wie ist es denn möglich, daß man das 
nicht immer gewußt hat?" und wenn er wirklich „das Unrecht begienge, Recht 
an haben*. Sie würden sogar durch das vornehme Mitleiden, mit dem er sie 
beehrt, sich nicht beleidigt fühlen, wenn nur das theilweise so schwierige Yer- 
■tändniss Freidanks durch ihn wesentlich gefördert würde. Leider können wir 



244) UITKKATITK: F. SAND VOSS, FKUDANK. 

nicht ^a^v^, «laß «lieaea iu vorliegendem Hache? getchehe. Daran Iffigl die 
IIau|itai-tiuM drr Uinttaud , dali ei dviu V(*rfujMii*r völlig an eiu«r b— ptta«>f>L 
kUn-ii )le(huilr tVhlt. Kr bemüht itich zwar uuatreitig, mctbodisek lu Wr/kc 
zii ^'ilieii uitii luit aii'h utl'cnbar den vun ihm hoc brer ehrten Krau i*fciflfer las 
MuBtvr ^t-noiituicii, ubiT im Grunde hat er nicht« von ihm gelernt, aU die Kaka- 
)ii ii briiii r Vrruiuthuii^'i-ii, ilif jriioch bei 8. fast immer lur Willkür «inL Voa 
Ai-lituu^' vor drr huiidbL-lirit'thcheii rberlieferuug ikt keine Kede^ charaktcriatiack für 
ki-iue Ahm h;iuuii^i»wi-inr »lud Hcmerkuugen wie folgi'ude: «n Uta lieh ist ea iiamcr, 
dii- llaltli^eltlitc^ll viiizuaclicn" 'p. ^72; oder: nabgeaehen von der handackntt' 
luh nicht U-zeu^ttu rari-nthrae^ (|i. 'iUäj. Von einer prineipielleu AuaciDandcr- 
■i'tdiung über ll.tiiil»i:hrittt'iiverhältJiiM oder die Cumpo»itiou dea Gauxen iat kciar 
Uirdcl aUntiTi^iichuMgcu über die urf|irüiiglichr Anordnung der BeackeidcftkctI 
uujuatt.lli'ii. i!)t ilo« G 1-8 c halt einea bcueidrniwrcrlh uiuaaigen Mannes" ^. 33*- 1. 
Andrrerftrits «ui-ht er iluch wieder aeine i'<inj«*cturt'n uua dein l'berlieferira her* 
zulcitru und VLTmuthtft daun s. U. : , heiligen siebt aus wie ein Lesefckler Tur 
Halchfii" ! )• ÖU*j. Hin weilen sind die ultdeut.ii-hrn Kenntnisse dea Vwrfssarn 
vuii bi-di-nklirhrr /uvi-rläasigkeit: p. 21*1 operiert er mit einem Wort recAr, wai 
niiitridriiiaehi.- oder iiiedm hcinische Fnrnt von ri*hr >dive« aein soll; su 1&2, 4 
ICörni* i'>t I in geleite aller trü^eheiti- bemerkt er 'p. 21^5 , geleite sei oiit Ni^ 
dl rlagr . liepoaituni ZU Übersetzen: .^'eleite verhält sich <:u legen wie galreitic 
.-.II tiii^'tii'. l'J.'i, l.'t 4e Ki'Uie und xAkera ist ein priuoe wird von S. ip. 291^ 
•laJunh \erbi>?ert, daü er an die Stelle Von priuoe das iutereasaut« Wort slowc 
.d. 1 liu Schlingen, ein Schlund^ einsetzt, woran sich dann I2&p 14 der iraer 
tiinn liät ^'fiiuue n.itürlich vurtrefilich aiiaehlielit. p. 306 ergibt sieb dnrck 
die .Kuii-udatiMii" vun S. der Vera: groezi-r ere wir «i jehen. Trotz alledra 
w.ire ffi j.i iii>«;:l!eli. dal» der ^'lüeklichi* Scharfsinn vielfach da Klarheit grbracki 
b ittf. Hii bii jrt/.t I>unkelbi-it lieii^ciite. Lei^lfr werden uft genug darck d«s 
Vi rt'a-Ki'ri Aitirrun^'eu und Krklärungen die belreffendfn Sielleu nur noch wirrrr 
liici •iiivfri»tauiii.i Im. Dafüi uud tur die Willkür, mit der S. verfährt, ainigc 
riulii'ii wrr versteht folgende Verse r 

]!', 13 viathe, vögele unde tiei 

diu enbünt niht geiates alse wirr: 
ir ^'L-ist bat <li'i« ti'des zant. 
iip und i;eist sterbent zi*«aut. 

l'i. i «liizu lienii-rWt S. p. lf)9: .der Zahn dea Tüdes iat an »ick deatlick 
ii'nl )i> i.irf keiiK r Mt ii-^-i> . die sich aus allen Litteraturea beibringen la*»ra*. 
/. I l*!. l *i der ijienstl.e ist i :ii bueser »ae, er hoenet aller «flnc suiac will & 
'• • r > Ml' ii^iii .aui Hcrtlidl i r.*ii: ii.il ili'ii in«*uaclii-n cnnanic der kurwigr 
ir>ii h «( I. p II . i.iz ff di'ii.iictii- wsi-ri-' und i'r Uii-int' ^drr ganze Spruch wird 
:i'if Itt-l ii.nt!«! 1 4ft ii.:t lf> iv ! i .'urüf krutlihrrn »•üi"* ip. Iiii>. t?!l. i&— 11» 
«if'l -•• •'ikUr? ]- 17 1 ri..»ii.-hrr ehrtf G>>tt int "^tillrn niiii vor drr Welt vor 
ftriiirr I'k k>'!.r'n.. 1. • iiii II. Muriiit. :tl" ntin . naehdiiii er fromm gewordra. 
in «il.ii Jibrni' Wa» }» iH VJ. !<»«.: 

vii r f:t*j^*: I«>fiie ulnmusfii bat, 
all fi>'> dir ii«!, di-r iz iii|if.ity 
alt \i\ fiii ist, *ds t »-.iuffj*- tt ijit 
ift!^ •Jiiiiit 9in iof in bungi rs ^It. 



LITTERATÜR: F. SANDVOSS, FREIDANK, 241 

45y 4 ez fliazet manegen liuten yals 

ftne kapfer darch den hals 
■oll bedeuten: „es saufen manche Leute so, wie man Wasser durch den Trichter 
(das Kupfer) in ein Faß hineinstürzt'* (p. 189; vals wird als Gen. von vai 
gefaßt). Das wunderbarste, was S. leistet , ist die theilweise Reconstruction 
eines Gedichtes von dem Endekrist als Quelle Freidanks ^ in dem er (p. 337 
bis 342) sämmtliche Sprüche vereinigt, welche die Schlechtigkeit, die Fehler, 
die Verkehrtheiten der Zeit zum Gegenstande haben. Auf diese Weise kann man 
10 liemlich aus jedem didaktischen Gedichte unserer Voreltern einen „Endekrist'' 
inrecbt zimmern, und die Zahl derartiger Werke müßte Legion gewesen sein. 
Walthers gewalt vert üf der sträze ist doch wohl auch einem solchen entlehnt? 
Indessen einige annehmbare Verbesserungen, einiges Gute findet sich doch 
unter der Ifasse des Unbrauchbaren; so die Änderung von 

38, 1 swelch guott&t d verdorben was, 

diu gruonet wider als ein gras 
in „Terdorret was** (die Handschriften haben theils verdorben, theils verborgen 
oder Yorlom). Oder wenn 38, 23: 

swer den menschen zündet 

mit rate daz er sündet 
statt titndet whUndel conjiciert wird. Femer scheint die Vermuthung zu 169, 19 : 

ich l§re wol einen man 

der wil lernen und euch kan 
fBr Urnen tmd niht kan brauchbar. Ein Verdienst erwirbt sich S. um 
die Benrtheilung der Grabschrift Freidanks. In Scheders bekanntem Berichte 
beißt es von letzterem: quem morcatores in urbe Patavina mortem obiisse re- 
ferebant. Dem gegenüber steht die Notiz, welche die Mittheilung der Grab- 
eebrift einleitet: Epitaphium Fridanci sepulti in Tarvisio, Grion versuchte nun die 
beiden Angaben so zu vereinigen, daß er annahm, unter urbs Patavina sei in der 
That Treviso verstanden. Er erklärte die Bezeichnung dadurch, daß die Pa- 
dnaner vom 2. Februar 1384 bis zum 14. December 1388 in Treviso geherrscht 
bitten, und meinte, also sei auch das epitaphium um diese Zeit zu setzen, 
daher nicht ab das Grabmal unseres Dichters zu betrachten. Mit Recht weist 
nnn S. auf den Widersinn hin , daß Schedel die Stadt Treviso als urbs Patavina 
babe bezeichnen sollen, weil ein Jahrhundert früher die Paduaner dort ein paar 
Jahre herrschten. Damit fällt natürlich die ganze Datierung, und wir können 
das Grab nach wie vor als die Ruhestätte unseres Dichters ansehen. Freilich, die 
LSsong, die S. selbst von jenem Widerspruch der beiden Angaben gibt, kann 
rnneh nicht befriedigen: er meint, sepulti in Tarvisio heisse: begraben in der 
trevisanischen Mark und könne somit auch als Bezeichnung für Padua gelten. 
Wir sagen doch auch nicht, Schiller sei in Thüringen begraben. 

Auch eine in einem Excurs beigebrachte Vermuthung zu der litterarischen 
Stelle im Wilhelm von Orlens sei erwähnt: S. glaubt nämlich , daß in 
.von Absalone" der italienische Name der Burg Seven, Sabiona^ stecke, daß 
also Leatold von Seven gemeint sei. 

HEIDELBERG, den 8. December 1877. OTTO BEIIAGIIEL. 



OBUfANU. Ntue Reihe XI. (XXIII.) Jahrg. 16 



242 LITTKKATirK: O. I.^CKK. AB8f)MJTK PARTICIPIA «Ic. 




Otto Lücke. Absolute« pHrtifiiHa im (totiachcii und ihr VfrhiUtiiiM san gric^ 
chii»chcn Original, mit hi'sundercr Berücksichtigung der Skeireioa (Gottiofvr 
InauguraMiMvrtationV Magiifhiirg IRiTi. R. 

In der vorließi'hden Abhandlunf; unterxipht LUcke die Fr^Ke einer 
l'riifnnf;, oh die abüolutv Piirticipialconatriirtion im (lotiftchen einr dem 
iirtpriinglich eigenthüinlivh«» nei oder eine entlehnte. Auf Grund des mit 
Sorgfalt geiammeltcn Mat^-riales leifft vr, dalS im <iuti)tchen niemali P«iticipial- 
conatru« tion 4*r»rhi*iiit, wo nicht dai fsrlcrhiiichi' Original aie auch aa^eiat, dafi 
Ültila« aber oft, ohne äussere Wranlamun;; , an ilit* Stelle der Fartieipuücoa 
■tructiun eine andere \Vei*iluiig goirt/t hat. So kunimt er ■chlieClich MVt Fol 
gerung, daü die fragli«-he ConBlnictii»n eine dem |)eutftchen urfprflnglich Bickt 
Kukouinicnde sei. Die Schwierigkeiten, welche die Skeircins bereiten könnte, löst 
er in annprecheu'ler \Vci»e dadurch» daü er dieielben mit Angelo Mai nnd Casti- 
glione al« l*benii*t£ung aus dem (iri<-cliiHchen annieht . unil i'i ist ein Mbacb« 
Ctedaiike, wenn er den cinielnen heitproehcnen Stellen eine Küc k ü lici aeiMng in 
da« (ffiict-hiiche bi-ifii^'t Sehr zu hiben i>i die /nrückhiillung. mit welcher et 
den »charfftinniKen <\iiijrctiireu älterer und neu«-rer llerau^^eher gegenüber »IckL 
Seine Krklärungen zeichnen hich v<ii vielen anderen durch einfaehc nnd 
liehe Aiitf4Mung>w« Ine aii^. Trotz die»er Vorzüge der Arbeit kann ich mit il 
Krgebni*j»en nirht einvi lotanden »ein. l>enn wäre die gntitche absoluta Farto 
cipialeoniitnietion wirklich unter «Icni KinHuß de^ Griechischen entstnaden^ 9t 
würe unbegreiflich. daC wir eimii ahfiuluten Uativ, nicht einen Gcniti« 
vnrtinden Wf-nn Lücke lur KrkUrung der Sithlage nagt, der Dativ sei der 
dehnbarste (-asns gewi-M-n , -o i»t diese AufFiusun^' d«K:h mehr als bedenklich. 
Und •elhpt das zugegeben, wie i rkliiren ■ich die (*«tn»tructiiinen mit at nnd 
Dativ? Die Deutung l.neke s iM widei M'hr .mlechthar .ich »ehe in 
Fällen keine rtsin ahsniute Stnictur des (tutivchen. «midem eine - wenn 
immer not-h nicht dem deut^« hen Miünie angt-nie^M'ne , mi doch bereite HMhr 
angepaßte -- Art der Wifdcrgrbuiii; der ^'riechischen gen. abs. (p. 29). Der 
Hnnptgrumi aliei . der mich abhält . LurkeH Ansieht l>eizutretcn i ist der vnn 
Lücke und auch von Hernhard in seinei Ui t en»inii uber Lucke's Arbeit gn ni 
übenebene ITmstand. dali in liuithaiis nnginaler ilcutsi-her Kede absolute Fnrtiriyinl- 
eonatmction, sogar mit at. vi*rknnimt. nämlich im Allmirdisrhen. was schon nns 
Gram. IV, 906 zu ergeben «ar: 

Harbardsl. f*H uka vi«l m1 ok • rtidi 

at uppvf-randi miIu, i-r ek get thana. 
GripisKpa 24 vei»t h>girjum thvi. 

lenlr at »kilja«k 

Sigurdr vi<l fvlki 

at »ngtiiu. 
Kinige spätere licup.* !e gil>t Dietrich /eiUclirift für denlechee Aher 
thum VIII, 82—83 und h*«M||.|,r* Lund. uldni>r>ii«k urdfüjoingslaer« p. 143 
und .'ii«6 — 97, womns ich n"i )i i mige Stellen untihcilen will, da das Bneh 
nicht in Jedermanns Hand ist at haltr>«!ln!im »:%•- (trat:. I, 'JH. that moadi eifi 
Vera nem ah au um naudgum ^nisi eo coacto) Komm. .\, i 7*.*. gleyptu tbn oaa ntjnn 
dum Alei. li;?. at öl aofandnm Alei. Ki. at sra fbllnn mnli Bnad.H, 



UTTEBATUR: A. SOHR UND A. R£IFF£B8CH£ID, HEINRICH RÜCKERT. 243 

Ist somit die urapriiogliche Deutschheit dieser ConstructioD sicher gestellt, 
so darf darauf hingewiesen werden, daß auch das Slavolettische einen absoluten 
DatiT besitzt, cf. Miklosich Gramm. IV, 615 ff. und die Vermuthung liegt 
nahe, die ÜbereinstimmuDg als aus einer slavodeutschen Periode herrührend 
SU betrachten, wie dies auch Hassencamp Über den Zusammenhang des letto- 
•layiflchen und germanischen Sprachstammes thut (p. 89). Aber nothwendig 
swingend ist ein derartiger Schluß nicht, wie ich an anderem Orte aus- 
geführt (die Zeitfolge der abhängigen Rede im Deutschen p. 14). Die Ent- 
wickelang kann aber auch, und dies ist mir wahrscheinlicher, in den Einzel- 
sprachen vor sich gegangen sein und zwar in ähnlicher Weise, wie der 
DatiTUs Possessivus sich in verschiedenen Sprachen gebildet hat, d. h. durch 
Erstarren eines bestimmten, ursprünglich in die Constructiou eingeordneten Casus. 

Zu p. 21, wo Ton dem nach Particip pleonastisch stehenden jah oder uh 
gesprochen wird, bemerke ich, daß die Erscheinung auch bei Tatian nicht 
selten ist, cf. K. Zacher in der Zeitschrift für deutsche Philologie VII, 408, 
dessen Beispiele zu vermehren wären. Auch aus späterer Zeit habe ich mir 
Belege notiert. Aus einer niederländischen Übersetzung der Apocaljpse : 12, 3 
in utero habens clamabat = in den buuc hebbende ende riep (Zeitschrift fSr 
deutsches Alterthum N. F. X, 113). Femer Niclas von Wjle Translatzen 
p. 279 (in der Bibl. des lit. Vcr. Bd. 57) des der herre noch grösser wunder 
emp£achende, und sinem diener hiesz zellen. Amadis (Bibl. des lit. Ver. Bd. 40) 
p. 48 der König, diss Jünglings gemüth hochachtende, und zweiflet, daß er 
seinen reden nachkäme, antwort im Amadis (Keller bemerkt: frans, doutant). 
p. 190 hiemmb er dann ihn allen Teuffein befehlende, und er dem Galvanos 
sfi hülff widcrumb umbkert. 

Für die neuere Zeit ist dies und jedenfalls dadurch zu erklären, daß die 
Partidpialconstruction des lateinischen oder französischen Originals der Sprache 
fremd war; fSr die ältere Zeit muß daran erinnert werden, daß auch nach 
einem vollständigen Vordersatz der Nachsatz durch und eingeleitet wird, cf. 
Kölbing Zeitschrift für deutsche Thilologie IV, 347, ein Gebrauch, der im 
SlaTischen (Miklosich IV, 260^, ß) und im Romanischen (Diez, Gramm. ' 8, 
p. 881, 2) wiederkehrt. Selbst das Griechische hat etwas Ähnliches^ wenn bei 
Homer nach temporalem Vordersatz der Hauptsatz mit xal r6t8 eingeleitet 
wird, Krüger, Griech. Sprachlehre II ^, §. 65, 9, Anm. 1. 

HEIDELBERG, den 10. Decembcr 1877. OTTO BEHAGHEL. 



Heinrioli Eüokert in seinem Leben nnd seinen kleineren Schriften dar- 
gestellt von A. Sohr und Dr. AI. Reifferscheid. Erster Band: Hein- 
rich Rückerts kleinere Schriften, erster Theil (370 Seiten). Zweiter Band : 
Heinrich Rückerts kleinere Schriften, zweiter Theil (430 Seiten). Weimar, 
Hermann Böhlau. 1877. 

Es könnte auf den ersten Blick scheinen als ob die vorliegende Ausgabe der 
kleineren Schriften H. Rückerts, wenn auch an sich eine höchst bedeutende Er- 
seheinnng, sich zur Besprechung in einer fachwissenschaftlichen Zeitschrift streng 
gSBOHmen nicht eigne. Fach wissenschaftliche Arbeiten R.s sind bei der Auswahl 

16* 



244 LITTKKATI'R: A. SOIIR TSD A. REIKFKRSCIiem, HEINRICH BCCKDT 

hier mit pitf-m 1lt-<lMcht iiut(;p«^')>'' >"'<•*" wonlcu. — Donnnrh hat, wie mir tor- 
kommt, Uii.' {{-uize Kncheiuun;: (Üibci- zwui Händu eine Seite, von der mm^ ibre 
WiiHipung (gerade an lolcbor SIpIIo gich cmpfi«*hlt. Ich meine den Zi 
hant; des griimllich dcnkrnden Gelehrten, alt «ion wir Kückert «acrk< 
nifiRsen , mit dfu wcltirrsch ich t liehen StrÖmuiifren dvr Xeit, der hier «rsicktlirk 
wird. Nichts kann frurhtharor wirkon auf den <Si*i»t der Mi tat rehenden, nichto 
knnn ihn mehr erheben und ermutip'n, die Knift iles mit groGcB Anfipabe« 
|{iit;;endi'ii tteif^ern, nlditfl ror dem Kntarren im ]iiirh«tHhen aicberer 
riU iliese ron Hoheit der (ieninnung und Wiirmc der Hef^ei^teninp 
Sehriften Kückertn. Wit bliebe unberührt ron dem krilftif^rn llerzBchlap, der ■« 
belebt? (jvtnip-n von dem Auablick niieh den liiiehften Kielen menacliliclMtt 
Tnif-)iten4 enthüllen nie naeb allen Seiten den Wert d^r bedeutendsten 
auf dem (lebiete der KrforachuuK dea Lebern und der Eutwickeinng sai 
Volki'4 und befrui-hten neue Bontrebuniren mit pmuil legenden GedankeUi dk 
Zurammenhanf; de^ Kinzelnen in einer Arbeit mit einem groDeu Gauca 
atellou und dadurch mit Lehi*niwiirme erfüllen. 

«Kr liebte es", »:if;t Dr. KeifTorscheid, der verdivnatvolle Mil 
im Vorwort, «die Wissen^ch^ift mit dem praktischen Leben la vemittofai 
über den enffi-u Riium des Citdehrtenb bens hinaus menschlich mit den 
wii.' er lu »a^rn ptb^te, zu verkehren." 

•fUa er durch vielfrlei stussere und innere Nötigungen ta immer 
Hvschr.ii.kui!K in di-r eigeut liehen wissen schuft liehen rrodoctivit&t 
wunle . »o war es für ihn eine Art von KrsaiZ| wenn er, anknüpfend •■ 
|)Oiitivr Urundiiip* ir^rnd cine<« anre^emlen oder wichtigen Bochea, in 
Zfitung Oller {H>pul:irt'n /eitaebrift das Kine nder das Andere ftus aeioea 8li^ 
di«n und Gedanken niittheilen und *n eine Art Kühlung mit den wi< 
allgemeinen Zeitschwingungen bristellen konnte." 

Wir I ninehntcn iler Vorn ik* -»o^li-irb auch dasjenige wm den 
die Kntstehung der voiliegiiiiten Au^^nbr «eitt r belehrt. 

^Kürki-rt sclbfet hat liiie Sanunlun^' nii*! Au^kwahl deraelben (kl. Sdirifln) 
gewiintrht und in feinen b tziwilligrn HeMininiungen , welche er am IH« Jvri 
1874 2M N'iUftcG ni«-ilrriehrii-b. «lii' Sorge diifiir d«*m Fräulein Amelie Soltfi 
iifiner un 1 »riniT Krau luii^'jtbiigen tremn Kiruudin, ül>ertragen. Dieee ksdh 
V* rtdirtr P.inir ;;.'ib ^icb iiutitit mit unt^rmüili-mlein Kifer an die Arbeit. Um* 
oiehtit: surfte ■if 7'ii..ii-l-t tut ilii* !(• ^-ih-itF-ii.;: <i« * ^'«'^amniten AufsatiBUitcrtAla. 
W.1I» ki'in** Ifirtit*' M* br w.u. il.i .-ith im N::i l.'iü «o {^nt nie kein Anball Caad 
und dif mi-iittt n A r-it^i* :iifii\iii rr*ehienen w:irrn." — ■ -- 

.N.iibdeni Fri. ^uiii *\iv V«>i.irbi itm miliirli abgeschlossen haltey wmMhc 
nif lieh an nr'!!". -o rry-ihlt Ur K« itii r-« In i'i. .mit ib'r Bitte, ich möcble ibr 
wi«!irn«il).iltlii li< 1 Jiiiutbfi iiinl Mitarbeiter sein. - Ohne langra BraiBBcm 

lieli iib liber ( ^lU et u' dt 'l* ui «erchrtfU Lehrer und Freunde ein Dcakmjd 
^11 i-rricbti n') int im eigeiit n Arb*itin, m« »i*br aie mir auch MM Ben |re* 
waehsen waren, in b n lü' **Tgriiifl tr«-t«n, inii rui'r«t 'fieser Pflicht der PietAt 
/u i'eii'i^en.'" 

..Ii'h trage kein Bedi-nki-n. auf die kleineren Schriften meinea bocbrit 
thrteu !«ehrers zu ülM-rtra^-i-n . wan er vi*n Walthcr von der VogelwcMt MftI 

„Ks handelt Mch nieht um ein Buch mehr iMler weniger 
dir wir haben . «onderu um i'inen der ffroOen I^eitsteme anf dem ao 



LITTERATUR: A. SOHR UND A. KEIFFEUSCHEID, HEINRICH RÜCKERT. 245 

and gefahrTollen Wege unseres Volkes. Einem solchen gebürt es alle mögliche 
Ehre anzuthun, weil man sicher sein kann, daß sie sich belohnt,^ 

Ich kann den Worten nur beistimmen« indem ich zugleich auf das große 
Verdienst hinweise, das sich sowohl Frl. Sohr, wie auch Dr. Reifferscheid er- 
worben haben, indem sie^ wie diese Bände zeigen, in der That eine uneigen* 
nfitiig aufopfernde Treue bewiesen habeu^ die Rückert wol verdiente, die aber 
nichts destoweniger eine seltene genannt werden muß. 

Sie stellen uns in einem 3. Bande eine Lebensdarstellung Kückerts in 
Aoaticht, in der besonders reichhaltig und interessant „die Briefe Friedrich 
Kückerts au seinen Sohn*' sind; eine Arbeit ^ der wir denn auch mit dem 
regsten Interesse entgegensehen dürfen. 

Die Anordnung, nach der die gesammelten Aufsätze zusammengestellt sind, 
isti wol mit Recht , nicht nach ihrem Erscheinen, chronologisch y sondern nach 
ihrem Inhalte und ihrer inneren Beziehung zu einander geschehen, so daß da- 
durch gewissermaßen ein Ganzes entstanden ist, das wol nicht in allen Theilen 
gleich ausgearbeitet erscheint, sich aber doch am besten in der gebotenen 
Reihenfolge liest und dann ein Bild gibt von der Gesammtanschauung Rückerts 
▼on dem Geistesleben des deutschen Volkes, seiner Entwickelung und seinen 
Zielen. 

Das erste Stück: Die gegenwärtige Bedeutung der deutschen Alterthums- 
knnde und ihre Fortschritte in den letzten Jahren ist in der Minerva erschienen 
und zwar im Jahre 1850. Schon in Hinblick auf diese Zeit des Erscheinens 
dieses Überblicks ist es begreiflich , daß er uns neben der 20 Jahre später er- 
schienenen Geschichte der germanischen Philologie Raumers in mancher Hinsicht 
wol verblasst erscheinen muss, zumal er ja schon zur Zeit seines Erscheinens 
nur eine populär gehaltene Skizze war. Von den neuen Zielen der Forschung, 
die theils auch von Raumer nur genannt sind, theils erst nach 1870 auf- 
tauchten, kann hier nicht die Rede sein. Dennoch muss die treffliche Zeichnung, 
die hier von der Art der Leistungen Grimms, Gcrvinus', Uhlands u. A. gegeben 
ist, den gebildeten Leser mächtig anziehen und wird sich selbst der Fachmann 
frenen wie durch den Blick des Historikers hier jene Seiten hervorgekehrt 
werden, die innerhalb des germanistischen Kreises nicht leicht zur Sprache 
kommen. Ich erwähne nur die Besprechung der sinnigen, dichterischen Natur 
Jacob Grimms, insofern sie doch der politischen Seite des deutschen Lebens 
in auffallender Weise abgewandt blieb, was besonders in den Rechtsalterthümern 
•icbtbar wird, wo mit so eingehender Genauigkeit die symbolischen Gebräuche 
bei Kauf und Verkauf gesammelt und „die Regierungsgewalt der Staatsober- 
häupter der Urzeit^, „die Betheilung des Volkes am Staate^ so kurz behan- 
delt sind. So hebt er scharf zeichnend hervor, wie das große Werk Gervinus\ 
ganz im Gegensatz zu J. Grimm, überall durch die Richtung auf das ethische 
Moment, das er über das ästhetische, poetische stellt, nahezu zu einer ,) Ge- 
schichte der in der deutschen Litteratur dargestellten politischen Ideen ** ge- 
worden ist. 

Auf das Gründlichste erörtert der nächste Aufsatz: „die ältere deutsche 
Litteratur und das heutige Publicum"* einen für unsere Bildung höchst be- 
deutenden Gegenstand: das Wuchern der Chrestomathien und Litteraturge- 
•chichten, das die Leetüre unserer Classiker zu verdrängen droht und wie diesem 
Übel durch Ausgaben der Schriften älterer und neuerer Zeit zu begegnen ist. 



246 LITTERATUR: A. BOHR UND A REIFFERSCHEID, HEINEICH BOGKERT. 

So begegnen wir schon im ersten Bande tief anregende ErÖrtenmgen über 
bedeutende Pankte unseres nationalen Lebens, wie die Beziehungen der dea^ 
sehen zur niederländischen, des deutschen Publicnms zur altnordischen lattermtur, 
über Walther von der Vogelweide, die Nibelungen , Heinrich von Breslau , Se- 
bastian Brant, Jacob Ajrer, Luther, über Friedrich den Großen und die deataebe 
Litteratnr, D. Fr. Strauß und seinen Einfluß auf Wissenschaft and Leben, Jacob 
Grimms Geschichte der deutschen Sprache, über Schriftsprache, Mundart nnd 
Sprachwissenschaft u. s« f. Alles Aufsätze, die schon gedruckt waren, die wir 
aber hier zusammengestellt und vor schneller Vergessenheit bewahrt sq aeben 
uns freuen müssen. 

Ungedruckt waren bisher nur zwei Stücke des ersten BiEindes: Über Hart- 
manns Iwein und über das Epos Gudrun; zwei Vorträge. Der letztere wurde 
1847 zu Jena in der akademischen Rosengesellschaft gehalten. 

Die Zeit, in der der Vortrag über Hartmanns Iwein entstand/ I8ßt sieh 
nicht mehr bestimmen, Dr. Reifferscheid hält ihn, wol mit Recht, lUr ilter 
als den über Gudrun. 

Rückert bespricht hier im Eingange zunächst die Bedeutung der bre- 
tagnischen Sagenstoffe für die Bildung und den Geschmack unserer hSfiaehen 
Dichtung jener Zeit und erzählt dann frisch und lebendig den Inhalt der Hart- 
mannschen Dichtung. Obwol die schon in dem Stoffe liegenden Mängel der 
ganzen Erzählung nicht verkennend , versetzt uns Rückert durch seine Dar^ 
Stellung doch in eine dichterische Stimmung, die von dem vernichtenden Urtttl 
Gervinus' über diese Dichtung ganz verschieden ist, wenn wir auch in der 
Sache Gervinus Recht geben, dessen Ansicht Rückert selbst in dem Vortrag 
über Gudrun theilt und wesentlich eigentlich ja auch hier nicht bestreitet. 

Anziehender noch ist uns der Vortrag über Gudrun, obwol derselbe vom 
Jahr 1847 herrührt. 

Rückert geht von der Ansicht aus, daß alles was nicht zur äußerliehen 
Form der Gudrundichtung gehört, nicht bloß der Grundgedanke, sondern anch 
die auftretenden Gestalten und „die Erzählung selbst in ihren hauptsächlichsten 
Zügen ^ in jener Zeit entstanden sei, in der die deutsche Bildung von fremdem 
Einfluß noch unberührt war. Er nennt die Dichtung „ einen der ersten Ver- 
suche eines offenbar dem Ritterstande angehörigen Dichters, einen Stoff in 
behandeln, welcher in seinem ganzen Wesen in geradem Gegensatz zu den 
Lieblingsgegenständen der romantischen Poesie steht". 

In Bezug auf die Entstehungszeit der Dichtung (um „1210 — 12"), anf 
deren Heimat, Österreich oder Steiermark, auf die Verwerfung des ersten Theils 
(ftventiure I — IV) stimmt Rückert ganz mit Müllenho£b zwei Jahre frfiher 
(1845) erschienener Kritik der Gudrun überein. Lesenswert ist besonders der 
Schluss des Vortrags, wo der tiefe Gedanke hervorgehoben wird, der den Theil 
des Gedichtes, der Hildes Jugeudgeschichte enthält, mit dem letzten, dem eigent- 
lichen Gudrunliede verbindet. Dieses verliert seine Tiefe, bemerkt B., .sobald 
jene Grundidee des Ganzen aufgegeben wird**. „Es ist eine durch nnd doieh 
tragische im höchsten Sinne des Wortes, denn was kann großartiger gedacht 
werden, als diese Art von Sühne der objectivcn Sittlichkeit, wie sie hier for 
unsem Augen geschieht.'* 

Der zweite Band gibt dem ersten an Gehalt nichts nach. Wir heben 
aus demselben besonders hervor als wahrhaft erhebende Worte einet fitllieh 



UTTEKATUB: A. BIRCH-HIR8CHFELD, DIE SAQE VOM ORAL. 247 

hochfkebendeii Geistes: 10. Deutsche Antwort auf die slavische Frage. 12. Zur 
Verständigung über: Der Alte und der Neue Glaube von D. Fr. Strauß. 
18. Erinnerungen an Fr. Rückert. 14. Friedrich Rückert als Gelehrter und 
15. Qeorg Gottfried Genrinus. Bei den Schriften Rückerts über seinen Vater 
wird der sittliche Adel des Sohnes in einer Weise fühlbar, daß wir nicht im 
Geringsten Anstoß nehmen an der unbegrenzten Bewunderung , die er aus- 
spricht. Wir fühlen, es ist nichts von Eitelkeit dabei im Spiele; es ist immer 
eine hingebende Betrachtung des großen Gegenstandes, bei der der Betrach- 
tende seiner selbst völlig vergißt. Mit Recht dürfen wir mit Spannung dem in 
Aassicht stehenden dritten Bande entgegensehen mit den Briefen Friedrich 
Rückerts an seinen Sohn. 

Und so sei es uns denn gestattet mit Worten aus Reifferscheids Vor- 
wort SU schließen, indem wir uns völlig seinen darin ausgesprochenen Wünschen 
anschließen: ;,Möge dieses Werk, welches einen der edelsten und besten deut- 
schen Männer in seinem Leben und in seinen kleineren Schriften darstellt, 
die verdiente Tbeilnahme finden und das Seinige beitragen sur Verbreitung 
liberaler und nationaler Gesinnungen^. 

Die äussere Anstattung ist eine durchaus des Gegenstandes würdige, wofür 
der Herr Verleger Hermann Böhlau höchste Anerkennung verdient. 

WIEN, December 1877. SCHRÖER. 



L-Hiliohfeld, Adolf, die Sage vom Gral, ihre Entwicklung und dichterische 
Ausbildung in Frankreich im 12. und 13. Jahrhundert. Eine literarhi- 
storische Untersuchung. 8. (VIII, 291 S.) Leipzig 1877. F. C. W. VogeL 

Der weitaus größte Theil dieses Buches (von neun Capiteln sieben) be- 
schäftigt sich mit den französischen Quellen der Gralsage^ und in ihm liegt der 
Schwerpunkt der ganzen Arbeit. Der Verfasser gibt ausführliche Analysen und 
Inhaltsangaben der französischen Texte, was um so mehr willkommen geheissen 
werden muß, als dieselben zum Theil sehr selten und schwer zugänglich sind. 
Nach einer kurzen allgemein orientierenden Einleitung (S. 3 — 6), in welcher 
wir jedoch die Behauptung (S. 5), daß allmählich jeder bedeutende Held der 
Tafelrunde in Beziehung zum Gral gebracht worden sei , als sehr übertrieben 
bezeichnen müssen, folgt S. 7 eine Übersicht der französischen Quellen, von 
denen zunächst der als Grand St. Graal bezeichnete Prosaroman behandelt wird, 
eine um 1200 verfaßte Composition voll theologisch-mystischer Elemente aus 
verschiedenen Quellen, deren eine die Queste du graal ist, die noch dem 
12. Jahrb. und zwar dessen letzten Jahrzehnten angehört. Der Verf. sucht 
nachzuweisen und macht es in der That wahrscheinlich, das der Queste bereits 
Chrestien*s Conte du graal vorgelegen habe. Dieses Gedicht wird an dritter 
Stelle analysiert. Daß der Eingang der Monser Hs. unecht sei, wird über- 
sengend und aus philologischen Gründen dargethan; für die Unechtheit hatte 
ich mich bereits 1870 (Germanist Studien II, 116) ausgesprochen. An Chrestien 
reihen sich die Fortsetzer an, deren Zeit genauer bestimmt wird. Ansprechend ist 
die Vermuthung, daß der Verfasser der einen Fortsetzung, Gerbert^ identisch sei 
mit dem Dichter des Romans de la violete, der sich Gerbert de Monstreuil nennt 
(S. 111 — 117). Im vierten Capitel folgt der Prosaroman Perceval li Gallois, den 



^-i» LITTERATCir A. HIKCII-HIKSCnFKLl), PIK 8A0E VOM OHAL. 

der Verf. etwa loa zwc-ito Vierte] di'^ i:i. Jahrh. setxt, was eher ra Mk ftb 
Sil 0pät i»t. Im füiiftrn Hnberta de Hnrnti Graalgcdirht, als l'etit St. Graal 
bezeichnet und de«i>en l'rofii.iuflÖKinifT. Hr. H. aucht dnnuthan, daA der pro- 
laiachc IVret'val niirlits aN dio Aullud un^; rinefi Oedicbtos von Kobert iit, welcW« 
die (Quelle Clirosticns f;«wi'«en s«'i. Im sechaten (*apitel weiit der Verf. die 
bretoniitf ho , provi-nzuli^cho und apaniscbc Heimat des Grali zurQek. EbeBM 
widi-rloßt er im fulL'^nden ru|iiti-l die Autorschaft dca Walthcr Mapes filr dem 
Grand St. Ora:il. 

Wenn wir lüahiT den Ausführungen dei Vt-rf. im Großen ond Uaiiata 
beitritt lip ao können wir dn-a nur in l>eflchriinktem MhG« in den beiden leUIca 
Cajiitfln. ilif die deutsche Graldiihtun^'. iii^<>iit!iThiit Wulfram, behandeln. I>er 
Verf. ^eht darauf au^, allea waa Wulfmui ül)cr leino zwfitr i^uelle, d«B Pro- 
vcuzuli-n Kyot, aa^t, aU Kictiun zu erweisen. Er findet einen Wideraprach bei 
W. in H.-ztif: auf Kyot zwiachm l'arz. I'i::. 2:t ff. und 454» 11 flf. (S. 251). 
un ji'iirr Stille li« h:iupt** er, dali ein Heide zuerst vom Gralo geschrieben, na 
dieser y d;ilj olini' Kyot diz maer noch unvernnmn wäre. Ich sehe darin 
kcinm \Vidrr>|>iUih : \V. fa^'t nur, iliiß wrnn Kyot nicht die heidnische Sc brift 
loaen ^'i lernt un>l d.ia in Toledo p-fundeiio hei'lniiehc Ms. studiert hüttr» vir 
nietit^ yf*ii\ Gr.il «iüten wür*lfn; woraua doch, hediulig geaagt, sich aacb er- 
;;lbt. daß für W. vitn ilen Itt-iili-n MicIitiTii, ('lirtntifn und Guiot, letiterer der 
ilteri' w.ir, «.k mit :m iin r Dtutuii^' der ScMulJ^trlli* \l'ariival 1, 8. XXVHI 
iilMTeiiibtiiiiiiit I >' n ■(-KIil'i nd>('*ii Mr*vi i<4 für dii- Niehtriiatrnz von Gniols 
Werke liipKt Hr. H. tu 'ieni .MiüviTvtandnl"--*, ilas W. beim gräl begegnet sei, 
iiiilfin ir aUH 'U'ui Ucf.i.sjo* i inen Stein ^•-iiiueht K.ihe. Mißventindniste sind 
frtilii li Im i W. vrlir ^'rwuhnliili, uml ln-i dir Heachreibung des Grals begegnet 
ihm I iit«( fiii'tien < iiH--, ilt nii tnit Keelit bemerkt di*r Verf., daß die beiden til- 
lieiiieti M' ««tT hl i \\ . .iuh ili iii fni/ffttr iVnn/^nf , dem silbernen Teller, mnf 
wi-!i In r:i li. i ri.r ii> r ;;r.i •! ^t* Lt, ent^tandm «ind. Mi'*^lu-h also, daß er nicht 
wul3tr W.14 Nr.ial war. und «la Im i Chr. dert>ellie ala tnit «-dlm SteinrU geschmückt 
er.Ai'hrint , d irati«« »'iiit-n >!• in marlite. i*lir. In nicht nur das Wort gmal für 
die^ <ti-t'.ii^. Hill wiili«t'lt iiiiht mit anderen Aii-<lrü(-ki-n wie i^issfua oder 
es^'u^IU, lli. 1*1 inriiit nun. liaü ;:t'arheh** Hl--!i-}ilii< h , wi'il er aich die Ami 
klärun.; M^ ai:« Ki: 1>' viTPpirm wnllte. Aber hedurfte ilrnn ein Kmniote mr 
/eit (*hr.'» I in>- .\ ii'k! min.- üln^r die Hcdi-nluni* dea Wnrlcs graal? Da e« 
nti'ht Mtiii Villi ilit4fin (■•('.iC'i* d^T Sap*. • n I-rn überhaupt in der Bedentnng 
Gi'laL' phrrirl.t wir-!. ••■ wir es ••in allL*«'n:'iM temt.ind'ichra Wort and Chr. 
L'>i.nt>* w<-M in d» :n t'^M« ;i i^-n SiM'iß** .VufkÜninir i:idii>n übi-r Geschichle nnd 
rr*|*rur,' -le* (■.fiL-*». :i*m r nirht üher die M'di-ituni: dos Wortes. Wenn €f 
V* a!*-) i.'ir LT i.il n* tint . -• iat d:ia nicht .Mt^ii-ht, aondern rntwe«ler Zofnll, 
odi r. wi« mir r:rl.ti^'t r -• !;• int, wir wiT'h ii «I trau« 14 achlitßen haben, daß tn 
(*hr.'t /< it »l\* in -1er >iji* %i>rkomnirn 1" <t«riß »chi^n vorzugsweise grnnl ge- 
ii.UM.t K :r'!f. iMnn i^t i-a aueh nicht uutTjüiiif. wi nn Cwuiot tricichfalls sich 
diese« Auvlruck**« )••:••!.!•'. An ili« Mi>;;tiehkt-it. diG Guiut das Wort graal 
nicht vrrat.ind*-n < !• r <1 ili < r i « ^ewt»! n , ilfr aui dem Gefäße eines Stein 
gemacht IS. 'Jl.^ f. -farf j tr nicht ^fd«i ht winKn. Abel W. konnte GnioCs 
Teit eh«-n«<*^Tit Tr.:Lwr»t.>hi>n wir lirn t'lir'*. CSi^it/t daß Guiot den Gmnl 
nicht als ein gi '!!•'!.• a m:T FMiIst^iucn cescImÜLkte«, tunderti als ein UM nincai 
Edelstein ce«chnttt**n«*« ilrf^G bezeichnete, dann erklärt sich der Staia bd W. 



LITTERATUB: A. BIRCH-HIBSCHFELD, DIB SAQE VOM ORAL. 249 

aoeh Tiel natOrlicher als aus der Beschreibung Chr/s. Man kann z, B. sagen 
der Bing war ein edler Rubin und ebenso auch *der Qraal war ein edler 
Stein, d. h. wie jener in Ringform, so dieser in Gefäßform. Aber, betont Hr. 
B*f ein Mißverständniss ist ja unmöglich , wenn W. Guiots vollendetes Gedicht 
TOr sich hatte, das an irgend einer Stelle solche Aufklärungen geben mußte, 
ans denen hervorging, der graal war ein Gefäß. Wenn das wirklich richtig, 
dann war es eine absichtliche Änderung Wolframs, zu der es an Parallelen 
durchaus nicht fehlt, auch wenn wir nur Chr.*s Gedicht als seine Quelle an- 
sehen. Ein Beweis von der Fictiou Guiots durch W. kann also daraus nicht 
entnommen werden. Überhaupt ist es sehr mißlich, die Frage nach der zweiten 
Quelle W.'s allein an die Gralsagc anzuknüpfen, ohne die ganze Parzival- 
dicbtnng und die Titurelbruchstücke (die der Verf. ganz bei Seite gelassen hat) 
SU berücksichtigen. So wichtige Punkte wie die auffallige Anlehnung des Gral- 
geschlechtes an Anjou, die Erwähnung der Dauphin^ und von Graisivodan im 
Titurel, femer die vielen Namen, von denen ein großer Theil noch erkennbar 
franiös. Form, z. Th. südfranzösischc (ich erinnere nur an den Hund garde 
Tias) trägt, ein anderer aus nicht deutschen Namen oft bis zur Unkenntlich- 
keit entstellt ist — sind hier gar nicht berücksichtigt oder doch nur flüchtig 
(S. 280) angedeutet. Wie ist es zu erklären, wenn W. nur Chr.*s Gedicht 
kannte, daß er Parzivals Gemahlin, nicht wie Chr. (und wie die Krone) Blanche- 
flor nennt, sondern Condwiramurs , ein Name, der so sicher wie irgend einer 
französ. Ursprungs ist? Wollte man in ihm und anderen, wie G. Paris geneigt 
scheint, Entstellung aus keltischen Namen erblicken, dann würde dadurch erst 
recht die Existenz einer zweiten Quelle erwiesen. Ist der Name aber fran- 
aosbch, so sind zwei Möglichkeiten da : entweder W. hat ihn aus einem anderen 
französ. Gedichte entnommen, oder ihn erfunden. Die Erfindung ist bei einem 
des französ. so wenig kundigen Dichter nicht sehr wahrscheinlich und der 
Ornnd nicht ersichtlich, da seine Quelle (Chrestien) ihm einen anderen bot 
(vgl. German. Studien U, 122). Die Deutung betreffend, so halte ich auch 
jetzt trotz G. Paris (Romania 4, 149) an der von mir (zu Parz. III, 1856. 
German. Studien II, 144) gegebenen Ideal wahrer Liebe fest Derartige 
allegorische Namengebung ist in den französischen Ritterromanen nichts seltenes; 
bei Chr. selbst li oryueilloua dt la lande y der Stolze von der Heide ; im 
Blancandrin heißt die Heldin OrgueiUouae d^amour, die Stolze von der Liebe'; 
ist das nicht dem Coin de vraie amour sehr nahe verwandt? Vom Namen Titurel 
meint der Verf., derselbe stamme aus Chr. 's Erec. Er kommt zwar bei Hart- 
mann (Erec 1650) vor, aber Chr. hat an der entsprechenden Stelle (V. 1702) 
nur den mitgenannten Bleoblebcris. Doch ich gehe auf diese Punkte nicht weiter 
ein und betone nur, daß zur Lösung der Frage nach W.'s zweiter Quelle die 
▼erliegende Schrift kaum etwas beigetragen hat. Das verhindert aber nicht an- 
zuerkennen, daß die Forschung über die Gralsage durch das Buch des Hm. 
B. eine erfreuliche Bereicherung erfahren hat. 

HEIDELBERG, im October 1877. K. BARTSCH. 



^a(» LITTEKATt'R BKIKFWECIISEL ZWI4CHKN J. QRimi UND QRACTES 



Briefirechiel zwiachen Jacob Grimm und Friedrieb David OrMttr 

Jabren 1810—1813. llorauflge(>vbtfn von Hermann Fischer. 8. (62 S. 
Heilbroiiii 1>^7 7. Gebrüiler llfiiiiiiif^or 

DioBc Hru'fr, *JU üu Zuhl , von denen die Grimmschtfu aaf d«r StaO- 
carter HiMintlifk sich betiiuii'n, die Graetenchen iiut J. Grimmi Nachlane voa 
llerui. Grimm zur Vtrfü^uii^ p'stellt wurden, liefern einen wortbvollen Beitraf 
zur (ft*0cliichtc drr dcutAchen l'hilolope. J. Grimm der damalige StaaUratW- 
Auilitor' iit <'P. iler biih, von Wißbegierde und ncf^iMstemDg erAIIt, aa dca 
iiltertfn Graeler (gt-b. 17i>8) wendot. Die Hauptgegeustände dea Briefwech«eb 
sind die :i)tnordi»cbe IJttenitur und Reinhard Fuchi. Da Graeter 181t d«a 
nl. Kfiiiacrt heraus^rab und auch J. Grimni damali ichon mit einer Augabt 
des Hrinhart (d. h. doa mhd.) umging, ao glaubte Graeter in ihm einen Con- 
currmten zu findm. I >]»•!« und rim* gpwiiie Eifersucht anf den genialen jn 
gert'n Mann bringt die erste Mißstimmung in das VcrhältniM. Ausdruck gab ihr 
Graeter 1812 in einer niiOgiinstigen Keccnsion über die beabBiehtigte Edda- 
ausgabe der Brüder firimiii, wodurch J. Gr. tu einer Erwiderung sich vera»- 
laßt sah. gegtn deren Abdruck in der 'iduna Graeter sich ■ichtlich ■träobt. 181S 
wurde die < 'orres|><indens abg«-brochen ; der letzte Brief iat von Graeter- Man 
versteht jetzt besser noch diis strenge L'rtbeil J. Grimms (D.Mjrthologie 8. XXDC). 
II. Fiseher bat siih durch ilie Herausgabe und die darauf verwandt« llflhc in 
Nachweisen und Erklärung der vorkummenden Beziehung den Dank aller Facb- 
genoisen erworb«'n. S. 37 ist statt Ihre R U. 3.' wohl zu leaen Ihre E. 
L. '/. und gemeint Ihre Regner Lodbrok Zusätie ; vgl. S. 35 darfenigc 
Bogen, der dii* /u^.itzl• zu dem Regner Kodbrok*gesang enthalt . 8. 87 anfi 
es natürlii-h hcissen animuni dnnantis. S. 54 ist auffallend das immer la 
|iriifrii hab' ich mir vurbchalten . K. R. 

The Lay of Onr Lady. Translated t'rom the Gennan of Frauenlob, with cs- 

pliiiiatorj noti-, hv A K. Kroe^'er. 8. '1*2 S.) St. I«fiuis (1877). 

llr. Krofk-i-r. wi li her \iir mehrrren Jahren eine Auswahl aus den Mii 
kingern in tret1Iirh«-r « iiglinthrr l'bt'r^etznng veruffentlichto, bietet ans jclat an 
rbt-rtragung vrm «lim l.i>(l,»t kuii«t%'oilfn l'uaer frouwen leicb , die die gi68ie 
Art'rkennuiig vmlit nt uml dalter an fliescr Stell«* nicht unerwähnt bleiben BMg. 
w«nti auch uiitt-r Siiiiliuni •!:« 'mcb nicht bereichert wird. Als l'robe gcba htk 
den dritten AI ^iti w mit man dan Ori;;inal bei Eltniüller 8. 2 vcrglaicbn. 
\ht not di'iiv. 

m 

|i»o shv. llie jiiv. 

«hrn ht> tht-e diii ply, 

tbe king. to gn iiito bis gardf-n ; 

•wert w.iriji*n. 

iht'f jrtiling: 

hiiw nuw. !nvr. imii'!. c« rn** 1« t us sweetlv leisnre! 

weil trcisure. 

II or nit-asiire, 

cur jov : swift wine with milk miied nwcetlv drinking; 

iiii&r<l 'tli. so rsre, 

bctitting. 



MISCELLEN. 251 

Comei dearesty say 
what gay sweet play 
love*8 lips wroaght that daj! 
when through your wall the watch came breaking 
aud taking 
Your mantle? 

What hnnt je, maid, so late around the citj? 
in pity 
teil, pretty! 

we^l bring your love^ with your wounds faint and sinking 
80 threefold fair, 
80 gentle! 
Sie wird hinreichen, um die seltene Kun8tfertigkeit des Übersetzers, der, 
soviel ich weiß, Deutscher von Qeburt ist, darzuthun. K. B. 



MISCELLEN. 



Entgegnung nnd Beriohtignng. 

Seit dem Erscheinen meiner Klageausgabe hat man sich von gewisser Seite 
wiederholt mit den kleinsten Kleinigkeiten meines Variantenapparates beschäftigt, 
als ob es auf dem Gebiete der deutschen Philologie nicht besseres und noth- 
wendigeres zu thun gäbe. Das könnte mir im Grunde nur schmeichelhaft sein, 
wenn ich es nicht für unbescheiden halten müßte, den größten Theil dieser 
Aufmerksamkeiten meiner Wenigkeit anzurechnen und nicht vielmehr dem, dessen 
Namen ich meinem Buche vorangestellt habe und dessen handschriftliches Ma- 
terial ich benutzen durfte. In dieser Meinung bestärken mich die kurzen 
Bemerkungen des Herrn von Muth in Z. f. d. Alt- u. d. Litt. 22 (10), 75 — 77, 
in denen der genannte Herr mit meinen p. 255 — 257 meiner Ausgabe zusam- 
mengestellten , von Lachmann abweichenden Lesarten , soweit sie A betreffen, 
auf Grund seiner eigenen Collation ins Gericht geht. Als Ergebniss stellt 
Herr von Muth folgenden Satz an den Schluß: „So ergibt sich denn eine 
kleine Reihe ganz dankenswerther Berichtigungen von Lesefehlem in Lachmann's 
Varianten (auf circa 1000 25 Versehen, oder 2V9 ^), keine einzige wesentliche 
Emendation des Textes und die totale Unzuverlässigkeit der von Edz. benutzten 
Collation* [Zamcke's nämlich] n(ctuf 50 Fälle 24 irrige Angaben oder 48 ^)*. 

Auf diese Anfechtung seiner Collation wird Herr Prof. Zamcke wohl 
selbst gebührend erwidern; ich meinerseits beneide Herrn von Muth nicht um 
die Art, wie er zu seinen '48 ^' gekommen ist: sind doch z. B. der Fälle 
unter III, wo Fehler der von mir benutzten Collation gegenüber Lachmanns 
Angaben vorliegen sollen, nicht 17, wie Herr von Muth angibt, sondern nur 14, 
nnd sind doch unter diesen wieder 6 Fälle, wo die Zuverlässigkeit der Col- 
lation, auch nach Herrn von Muth, gar nicht in Frage kommt! Herr von 
Mnth sollte bedenken, daß, wer andern ^leichtfertige oder wissentliche Verbrei- 



252 MISCELLEN 

tuug (liT L*u«alirlii-it* (Kinl. iu d. NL. p. *J10) vorxuwerfen sich erlanKt, telWs 
in divftcr IlinnicLt du|i|Hlt peinlich «ein lollte. — Irli kaiiii ubriKcut nur vn 
kichiTii, daß icli ülitTull ilii* rrütuiiiil iclic Surgfalt dvr ColUtiou su bcwaa 
di.'iu (iclcp-nlifMt gfhaht Imln-, wie denn auch dii* Zahl di*r vod lierm wmt. 
Ifuth nai-hp'wii'si'nen od(*r behaupteten, ubrigeDb hehr gerinKlfi^gen L*Bf 
nauiirkeiten fiih in der ganzen Collutiun auf hüchiten« 10 — 12 bc 
läuft*, von denru 5 — G lii'h auf t-in in I^chmanns IV&te irrthünilich bich*. 
durch»trichi'nf't r beziehen. 

W'jLh mich selbiit betritVt , &ii ni<«^e Herr vun Miith nieht erwarten, daii 
ich für M-ine v«-r»eliiedencn Anzüglichkeiten eine entsprechende Krwicdcffvar 
habe: iler vun ihm angekchla^cne Tun wird wohl nirgends Billigling und Naib 
ahmung limli'ii. Nur einig«* thatiäehlieh e Her ichtigu ügen gebe icb kirr 

1. Man Bullti- fi warten, dab lleir vun Muth meine lieanitaudeleu 
du er nie in Anführun^nzeielien eitiert , genau »«i gäbe, wie ich sie ge. 
Da» ifit aher nicht immer der Kall. Ich habe näuili«'h die wenigen Fälle, ia 
denen irh ein r de« f^ii'hmann»ehen Textet in «ler Collation liir irrthümlick bicki 
durchstrichen halten konnti- und In i uhnli« hen, müglicherweitM: ülN'raebviira Kiri- 
nigkeiti-n die Le»art diT (*olUtiun mit * udi-r V gef;ehen mit der BcncrkBaic 

mit * bereit hne ich die Lmarten nieini-^ M:il«riaU bei denen ich riD Vertebra 
oder riierhchen für nntglicli halte. -- l>a» gilt aber von dm Fallen: Lb. 

lll* hrt I Kdz. hrtf , (genauer in uieimT Ausgabe cull. ^kete* \ — 1U2C «4m- 
rii rn Kd/. . .. «Aii'nrrrH<. gi-n:iner: ^rhurnnrii \A\\ — 11^44 niäer i lult. M- 
ilrre, \ uüV , giiiaui-r in meint r Au>g.ihe. *uiiierr A (Vi; iMTil rr (Eds. rrw). 
genuuei : 'frn AV - Wi iti-i : *1*71 firt (luu Kdzardi grundh« briweifdt). - 
lOlt Jiri 'Kd2. wi. 1»7I '. Mtinir Angaben liml *hft \f\f und 'c/in A?I>V 

1'. l*Jl.'^ u'lfu (Kdz. fehlt bei L:tchui. , Ck pteht aber im Trit« ). Fn i 
lii h, abi f ertt in dt-r ilriltiii Ann^abf (1851) ist die lA*jiait eingneixl, docL 
Wühl als eine dei glaublieh»tt ii V<-r}n•«^erungen* (p. VI-, die Vollmer gegeben 
■ iu prini f Aup^'.ibe p. ^:>4 . Laihmuhu Ijh ntteh in der zweiten AulUge ^• 
tjtfMu: aU" mit L ae h m :i n n h Co 11 a t i u n h:it diif Lesart ';r6rn der 3. Aaflagv 
nichts zu thun. iMMit; ..\ Kilz. *fel:lt bei Lachm.'; »teht vielmehr im Texte'. 

Im Texte »t • h i % i I- 1 m •■ K r i'uch, Lachmanns Zeile tf(lOt> enthält niaüicb 
2Wei Ver«i- \ii'tli Mud lii4 nieimr Au>gahe ; beide haben in A ocA; in 
ersterem Vn^f ^'itit Lacl.iiunns Ti-xt "iirA« wozu ich Ivcmerkte 4373 v»0U6 
t'Hch] <>rh A lil:!t lit i I.tii.' It.iü nur tlii'^en erste i»*-h gemeint »ein kann, be- 
wriat liie Ver».:ahl ui e i n ( r Aufgabe 4'{i3; Herr von Muth hat sich aUo 
lue Mühe gl macht bi« .mi p *J'6^t meinet Huches zurürkxubUttem! — In 
dritten ähnlichen FaIU* wird Herr von Muth s«>gar nmh licbruswürdig : 1566 
Kdi. #1 m7 '•'hnnt-fi «i da» zweite #i gibt I^chm. nicht an ; er gibt ea aller- 
dingr» an S. 3i"J für •••Iche. die nicht nur lesen sondern nach 
denken gi lernt haben, durch dt u lliuwii« auf v. 1'J71>! Ich BoA hier 
zu meiner ^*eh«nde gestehen. daG mir trotz des liebeni«iiriligrn HtaweiMt dti 
Herrn von Muth auf 'v. lifi'.'? liic liiiiti^'e Lrkcnntuiis noch nicht aufgeben 



* Unn Lni. •'•■ni (f>.ri:'.rT, A 'tt.it.''. i:iid \'yM\ ni.rf. wi> da« y undnitlirb 
9o\], kann uh nirh: b't-rhi r rfrhn«-i. : in ÜMl iiml 94;* «her »cbeineD mir Hami Ton 
Muths L«tuii|;eo uiuuher. 



MISCELLEN. 253 

will, und ich muß daher den geneigten Leser bitten meiner hartnäckigen Denk- 
unfilhigkeit zu Hülfe zu kommen: 1566 lautet der Text bei Lachmann 

dcu man n mit brunnen vergoz; 

unter dem Texte steht man n mit brunnen A : man mit prunnen (loazzer D) 
m BCD. In den 'Anmerkungen S. 322 steht der wichtige Hinweis 566. 
Tgl. 1979'. Dort bietet der Text: 

ünz daz man ti mit wazer vergoz; 

unter dem Texte steht : dcLz man si mit wazer A : man mit wazzer n B C I h. 
In den ^Anmerkungen steht nichts über A, sondern nur : ii higoz I h. Da steht 
also sonnenklar die Angabe Lachmanns, daß 1566 A b'cst si mit brunnen ««, 
nicht wahr? Ich freilich begreife Herrn von Muth hier nicht ^ aber das liegt 
wohl daran, daß ich nicht denken gelernt habe. Im Ernst: ich yermuthe, 
daß Lachmann selbst, wenn er noch lebte, über diese Interpretation seiner 
VerweiBung auf 1979 nicht wenig verwundert sein würde. — '2132 $o (Edz. 
do)*. Hier hätte sich Herr von Muth leichtlich davon überzeugen können — 
wenn er nämlich die citierte Yerszahl meiner Ausgabe (4650) nachgeschlagen 
hätte, daß die nur zu bequemerer Orientierung daneben gesetzte Yerszahl Lach- 
manuB ungenau als 2132 statt 2133 angegeben ist: da aber hat die CoUation 
do ausdrücklich in $o geändert, und das wird wohl richtig sein, denn ich habe 
nirgenda Grund gefunden, die ausdrücklichen Angaben der CoUation 
auch in den geringfügigsten Dingen zu bezweifeln. — 1196 sind in der That 
A und B durch Druckfehler vertauscht worden, wie schon die Vergleichung 
meiner Varianten neben dem Text mit denen Lachmanns unzweifelhaft ergeben 
mußte; die Lesart Lachmanns bleibt hier trotzdem ungenau, aber die Unge- 
nauigkeit betrifft B. Der Fall gehört also gar nicht hierher; und doch ist auch 
dieser Fall, obwohl Herr von Muth den Druckfehler selbst erkannte, unter denen 
mitgezählt, welche die Unzuverlässigkeit der von mir benutzten CoUation 
von A begründen sollen! 

LEIPZIG, im Januar 1878. A. EDZARDL 



Bitte. 



Von der kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Wien mit der Her- 
ausgabe der Sachsenspiegelglosse (Land- und Lehnrecht) beauftragt, er- 
laube ich mir alle diejenigen um gefällige Mittheilung zu ersuchen , welche in 
der Lage sein sollten, über unbekannte oder verschollene Glossenhandschriften 
des Sachsenspiegels Auskunft zu geben. Als Anhalt für den gegenwärtigen 
Stand unserer Kenntniss dienen Homeyer*8 Verzeichnisse in seinen „Kechts- 
büchem* (1856) und der 3. Ausgabe des Sachsenspiegel-Landrechts (1861), 
resp. der Abhandlang über die n Genealogie der Handschriften des Sachsen- 
spiegels^ (Abhandlungen der Berliner Akademie vom J. 1859). 

KIEL, den 14. November 1877. Dr. jur. STEFFENHAGEN, 

königl. Universit&ts-Bibliotbekar. 



254 MIS('KLLKN. 

Nochmall die Eobatii. 

/ii Cirriii. XXII. 1*7. Irrtliiiinlich int hoincrkt, daß die Hi. B der EcbAti« 
in liiT Au^^Mtn* von Viti^t iiiclit volUtiiinli^ rollatinniert «ei. Vielmehr tind d:t 
1^:9.1 rt«' II von H livi Voi^'t gi'iiü^cnd vollitiindig p'geben. 

Vor-Ti lii-nrli* n«'rirliti:;nn^' . 211 welrhrr ich ilnrch einen im Sommer 167* 
wüljri'nrl nii'in-it Auf« ntlKillcü in der Schweiz erhaltcnm Kriof voD Dr. Voqrt 
vtTunl.ibt wutdr. wai heittiiiinit, h:ild nachdent ich die Kodaction der Qemania 
vriediT tili« rnomniru . ge'inu'kt /ii »«'rden, und itand tiebtt eiDigea and« 
beroita Aiif.in{; d. .1. im Satze, mubtf über wcf^en KauinmangcU . da ich, 
Wunbi'hi* •!• ^ Vcilt'pTh p'iiiüü. iiji' liiAiininite S<:iteDZHhl einet Heftee nie fiber* 
srhritt, hurh im Irt2t<'n Au^'cnblick zuiiickßfHtrllt wrrden. 

In/wi«i lii-n hal llr. Si-ihr Anhili g«*ntimuien im Anzeiger fBr d. Aller- 
thiim 4, 21(*i tr. linii ViTirlion mir vorzurnckcn. Ohne ee entaehaldigcn ra 
««illon. «Iirf ich «inch auf einige erklärende rinitänJe verweilen. Ich Ui 
Vui^U An^^ahc in i-iiu r Zeit •chwertT Krankhvit, vom ArbeiUtieche fem. «»d 
pcriinnn- /••it vtr^Mn^'. che ii h ilaran denken konnte, meine Bemerkangea 
aiitzuzfichni'n. In/.wi-ihi'n hüttf ich auch (trnn^u ■ Ver|tleichung von B gcleeca 
und itaraii-* ii<'n Kin«):nck i:«-wnnni*n. daß H nicht ^enau verglichen lei« So 
kam I .". il-iij. uU ich zur Nii-ili-iüi'hritt ^'chin^l«>. ich eine auf Urimmi Attftgabt 
bcxü^'iii hi Au-4rrnriL' :inf *{.*• y*u Voi^'t hrzi»^. DalMM fiel nan noch im Drucke 
d.i* Wxit \rrfin:flt \i>r vi r^'lirhfn :iu<t. Wir ki-iii Nnilinf; in llruckiacheii 
iat . wird winM-n . li.iG »i.x^ ti-l hti ji ili-m Hop'n einem Setier liegegnet, bei 
plfichcni AnhiMl 1 111 oiicr auch nichit r«* Worti> zu uhcnpringen. Nun frvilich 
hatte Itci der (' irectur dai ^eändort werden niiiitaen, und ich (lenke, wenn 
«irr Hi>;^'i-n iiherh.iii|it litinh ni* in* llinl ;:«v:ingi*u wkre, ich würde €■ nicht 
lÜM'riit-hfii l.ilien. AImt ich h.itte die Ki'itactinii auf längere Zeit icani abfreben 
mti^ii^n. \.' t'ällt mir nicht ein. dem treflliihin Freundi\ iler tie mir abnahm. 
au« drill l (•■ rteheii i-iii*'n Vitrwurf' zi iiiarh«-ii : iI.im weili Ji*der, daß daa Auge 
dei Auttift niimhi-' ^:l•ht. was eiiifui auch ikmIi m» aufmerksamen Corrector 
I lit|(tht 

I).*- H.i<i|ittr.t.'> — Uli 1 drtwi -1 n allein antworte ieli — bleibt: itt in der 
.^^ach»- lirr Vi>tuurt ui.^'i'ireht i-I*r niiht: daO Ii uiiviilNtäii«ti^ verglichen worden? 
V(tn der <tr"*«r fe( ).en C*<illAti<<ii »ihweigt Herr S cau/, uiiii er mag wohl eeinc 
(tfiiii'h* geK.iht h^bi-r. Atirh :int:en«iinmi'ii. d:ili hin uiiil wiviler Voigt richtiger 
alt (iroAike geU»eii. !"<• bleihiii iloeh eine Anzahl von Stellen übrig, bei denen 
Auilaaaun^ %iin L*-*4rt*n in l< niel.t zu ii^zwcifeln i»t. Voigt gibt an, er habe 
»Ämmtliehf Abwt iv-1. .ii.:t-n v>>n Ii mit Au"ii;ihine der «»rthojiraphiachen veneiehnet. 
Sehreibfeh 1er kaiin niAü k.r.n. untiT die '•rtlin^raphiiehen Abweichungen rechnen; 
• ie charukteritit-ren v u*- II ii:>ltcl.rift und »in 1 bei dim Verhällniat, in welrbca 
A und |t zu lin^n'ier «t*!.*!!. nicht i'hne Bedeutung. Aber nicht Schinibleblcr 
allein hat Vul^rt iiirht «• rz> i>^:n< t . ■•tn>iern uurh Ktärki-r«* Abweichongen. Ich 
h-ktti- mir allfs in mein K\>!:.|'i »r eiri^'«tr.it:en. aurii orthu^*ra|ihi»che Abweichnngea^ 
dii* vuu i|>r4i-hii< h* m li. !<!••••- -.ii>l . wir f.rtnur B »tatt rrer^aniMr 970, 
rfn-' itatt Ar-r.> I*i*.«. ■,i.''>nii «litt <,:.".' fn-: lo-jS u. ■. w. Ich fUhre nnt 
(irotae im K"!.:*-r.-)-'n i. i: : .> i':. m.^^ rur -i • iU-irthi ilun^ von B erheblich tat. 
1 .'i vifis, i'ii '^u.i. ii.<rri^*!i it •, . Ar. V k;ilit nur yuid au. 9S tfiU. 

'J'.iZ rralfjnts. 'J7'J .V" . 41^ üi-ii (■. '<«'i. V. irj«a: hier wird aehwer ra 



MISCELLEN. 255 

entBcheiden sein, ohne daß man die Hs. sieht. 446 fiUcica, 588 corUuias. 
780 eonfratrem, 788 Prtsidu, 842 tangity corrig. plangit, ist mir zweifelhaft. 
893 miperpressay nach V. suprepressa, 971 filomena, 1011 vulpis und noch 
emigemal in B kann kaum als rein orthographische Variante gelten. 1110 Suh 
latana. 1172 nurumf V. gibt mirum an; zweifelhaft. 1200 8erus\ V. gibt 
$eruu8 an. 

Wenn ich bei solcher Sachlage den auf Grimms Text bezüglichen Sats 
mit einer Modification auf den Voigts übertragen hätte, so wäre ich nicht so 
ganz im Unrecht gewesen. Das von mir geäusserte Bedauern kann ich daher, 
wenn auch gemildert, wiederholen. Eine Auegabe der Ecbasis wird sobald 
nicht wieder erscheinen; eine erschöpfende Ausnutzung der beiden einzigen 
Hss. war daher erwünscht, und erschöpfend kann ich die Ausnutzung von B 
nicht nennen. 

Welche Auffassung Hr. S. von Satire hat, darauf kommt wenig an. 
Aber welche Klarheit in dem Kopfe von Jemand herrschen muß, der, wenn ich 
Ton der Tendenz einer Dichtung spreche , mir den zu Grunde liegenden 
Stoff entgegenhält, kann man leicht ermessen. 

Die Conjectur zu V. 71 gebe ich gern preis; ich habe in meinem Leben 
■o viele Conjecturen (und ich denke, darunter auch gute) gemacht, daß ich 
eine unrichtige oder überflüssige ohne Bedenken opfere. Von Herrn S.'s Con- 
jecturen — im ganzen zwei — ist die zweite (zu 945) unnöthig, die erste 
(zu 781) mindestens nicht überzeugend. K. BARTSCH. 



Die Bibliographie der Oermania. 

Im Anzeiger für d. Altcrthum 4, 135 rügt Hr. St. den Irrthum, in welchen 
M. Heyne verfallen, die in der Zeitschrift 13, 517 ff. ohne Nennung eines Her- 
aotgebers mitgetheilten Glossen E. Sievers zuzuschreiben und spricht dabei die 
Vermathung aus, daß Heyne wahrscheinlich der hier wie sonst oft schlecht 
unterrichteten Bibliographie der Germania gefolgt sei. 

Ich kann nur wünschen ^ daß Herr St. mit seinen sonstigen Conjecturen 
glücklicher sei als mit dieser. Heyne schreibt mir: ^£^8 kann gar keine Rede 
davon sein, daß ich zu der betreffenden irrthümlichen Annahme dnrch Ihre 
Bibliographie veranlaßt worden wäre; ich bin vielmehr, wie ich mich genau 
erinnere, ganz selbständig darauf gekommen, weil unmittelbar hinter den nicht 
unterschriebenen Prudentiusglossen die Glossen zu Walafrid Strabus folgen, 
Ton Sievers unterzeichnet, während dann erst Glossen mit der Unterschrift Stein- 
meyers kommen. So lag die Annahme nahe, die Prudentius- und die Strabus- 
glossen seien von öinem Herausgeber . 

Hat Herr St an den Glossen das gethan, was er jetzt bestimmter angibt, 
•o hatte er ein volles Recht sich als Herausgeber zu nennen. Wozu dann das 
•eltsame Verschweigen des Namens? Birlingers Antheil war durch die Erwähnung 
im Anhange völlig Genüge geschehen. Aber es scheint zu den Wunderlich- 
keiten der Schule zu gehören, daß man dem Leser Rathsel aufgibt. Voran- 
gegangen war darin Müllenhoff, der für das Deutsche Heldenbuch den Laurin 
bearbeitete, ohne auf dem Titel oder am Schluß der Einleitung seinen Namen 
SU nennen; er schloß nur mit der mysteriösen Unterschrift *Düsternbrok den 4- Sep- 



25ß mSCELLEN. 

tcmb«r 1866*. Wer nicht wuGtc, daß M. Mine Ferien öfter in der Kibe vvn 



Kiel »brachte, der konnte lange rathen, ehe er dahinter kam, wer der Ben 
gcber, der fortwährend mit ▼omehmon wir redet, eigentlich eeL Waan Hr. St 
•ein *tchlecht uutei richtet' auf den Abgang solche« Witeens besiebt« dADO kabc 
ich nicht! dagegen: denn ich habe IleMeret au thun, alt lolcben Grilleo aack- 
luipüren. So ist denn tiuch Keller wirklich in den gans analogen Irrtkam vtr 
fallen, daß er den Lnurin Jänickc ziuchrieb, der allein auf den Titel gcnaaBi 
war, und den unmittelbar vorhergehenden Uitenilf heraoflgab (Tgl. Ocrmaoia ^. 
94. Anm.). 

Meine Bibliogniphie alt irrthuuifrei hinsuttellen kommt mir nickt Im dta 
Sinn. Wrr Qberhnupt etwns von bihliographiechen Arbeiten Terttebt, wird billiger 
urtheilen und die iJer Arbeit anhaftenden beinahe unvermeidlichen Mangal ftbcr 
den guten I>i<-n«trn übersehen, die meine Hibliographie unserer Winenackaft 
teiltet. Der Tadel Herrn Stuinmeyen ist daher, wenn er nicht noch BoawiUig- 
keit einschließt, unbillig und unverständig sugleich. K. BABTSCU. 



Hachtrige und Bmehtigmigeii. 

Zu Bd. XXI, 20ri. Eine andere Bearbeitung dieses Spmckee, 
die Seen-Sucht, steht in Kellers FaitnachUpielen III, 1283. — V. 143 L 
jucken st. tacken. J. BÄCHTOLD. 

Zu XXII, 34*2 ff. St-herer macht mich aufmerksam, daß die SoaaBaa 
schdn in der Nachlese lu Kellers Fastnacbtspielen S. 231 ff. nach deraclbca 
Ifs. gedruckt ist. — S, 380 i»t Williugshausen st. Wittingsh aasen tu Icmb. *- 
S. 41>0 tr. 1. V. 46 des; 102 wir hthm frid versen (?) : 124 in; 135 licckB; 
ITi? geoedi|;istc; 197 Genedigister ; "Jll zu streichen; 279 stcchlen; 321 friack; 
331 Genediger; 354 schöner; 355 puelen; 421 dir nemen; 452 gelob dyeia 
cxuc pey ; 459 Uute; 486 wahrsch. frauen vud man. 



XXXIII. Venammliing deutscher Philologen ud BehnlBlBBOr. 

Nach dem su Wieshadiii im vorifren Jalin* gefaßten Bcscklvsea wird die 
XXXIII. Versammlung ileutsther Thilolo^'n und Schulmänner in Oeri 
finden. 

Da Seine Durchlaucht der Fürst die statutengemäße kücbste GeBckaii| 
lur Abhaltung drs Cungrrssea erthi-ilt haben, tu srhreibcn wir kierdwck die 
Versammluni: auf dii* /<it vom 30. Sr|itrmber bis 3. Oetobrr 1878 •■• 
ladrn dit' Fach* und Beruf »genossen zu xahlreiihrr Hetheiligung eis mil 
Bitte, siih Wfc-gru Btsrh:itfuiif; guter und hilligrr (Quartiere niüglickat 
:in den Mitunterzeichm-ti-ti Dir. Dr. <«rumme in (■•-ra «enden in «oUca. Ver* 
träfTr UHil Thesen »owulil für die rienarsitiungen wie für die 8ecti< 
wir baldigst anxunieMm. 

OKKA ttnd JENA 

Director OKl'MMK i>rufes«>r DKLBKCCIL 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLINGSWÖRTER 

In der Vorrede zum zweiten Band der ^Sammlung von Minne- 
singern aus dem schwäbischen Zeitpunkte^ spricht Rlingesor-Bodmer 
von verschiedenen Wörterverzeichnissen, deren Herstellung er einem 
fkhigen Kopfe übertragen würde. Ein solcher könnte eine Sammlung 
verlorener Wörter machen, femer ^eine Liste anderer, die zwar in 
ihren Buchstaben noch bekannt sind, und noch gebraucht werden, aber 
deren erste Bedeutung vergessen oder mif Nebenbegriffen verändert 
ist; femer eine von Wörtern, die wegen einiger Ähnlichkeit des Tons 
mit andern ihr Geburtsrecht verloren haben, und mit diesen vermischt 
worden sind, nebst einem Auszuge von solchen, die durch die Buch- 
stabierart ein so verschiedenes Ansehen gewonnen haben, daß man 
eines derselben fyr zwei, drey und mehrere genommen und gegeben 
hat^. Wir Spätgeborenen lächeln vielleicht, wenn er zum Schlüsse sagt: 
,,wir könnten noch mehr dergleichen unschuldige Aufgaben entwerfen, 
wenn wir nicht fürchteten, daß wir schon mit diesen geträumt hätten^. 

Aber wir wären zu diesem Lächeln wenig berechtigt; denn es ist 
bis jetzt nichts gethan, um die Befürchtungen des Schweizer Dichters 
Lügen zu strafen. Noch ist keines der Probleme gelöst, die er vor 
mehr als 100 Jahren mit anerkennenswerthem Scharfblick hingestellt 
hat Freilich hat er von der Tragweite der von ihm gcwtlnschten 
Untersuchungen keine Ahnung gehabt. Die Geschichte der Entwicke- 
long zu schreiben, welche die Wortbedeutungen in irgend einer Sprache 
durchgemacht, ist eine der schwierigsten und zugleich interessantesten 
Aufgaben. Nicht minder anziehend ist es, den Gründen nachzugehen^ 
welche den Untergang zahlloser Wörter, ihren Ersatz durch neuge- 
bildete zur Folge hatten, Fragen, die fUr das Romanische Diez in 
seiner Grammatik und seiner romanischen Wortschöpfung erwogen 
hat. Besonders wichtig erscheint aber gerade in der Gegenwart die 
Betrachtung der von Bodmer zuletzt genannten Kategorie, wo im 
Deutschen an Stelle eines einzigen Wortes der älteren Zeit später 
mehrere Wörter erscheinen: der deutschen Doppel- oder Zwillingswörter. 

GSBMARU. Neu« Reih«. XL (XXm. Jahrg.) 17 



258 O. RETlAOnKL 

Sulcliü l>u|»|)flwörter tTbclicinuii ja uuch auf audercn Oebieten; 
fllr (liia LAtfitiiscIic hat Brral <lie weni^ ziililrciclieii Beispiele f^^Mini- 
iiK»lt in <l('ti iti«'inoireH iK* la sorict«* <lc liu^uiBtique de Paris I, 1()3, ftar 
(las Fraiizt'isisclio A. Kmclict, (lictidiinairt! dos doublets IHOH, mit bu|I' 
|il(^inetit in «Icu m<'in(iiri*s I, H:>H^ für das Portugiesische Coelho, Ko- 
iiiHiiia 11.2^^1, für das S|):iiiisolie Caroline Micharlis in ihrem Ruch 
Ubrr f,runiaMisrlii* \Vnrtscli«i|ifung^y wo si<* auch zahlreiche Nachträ^i* 
ans ilcni lirr«*ich des Franzosischrn und Ptirtugiesischen ipbt. AImt 
im l)cntst*hon lio^^t, weni^Ktt'nrt thcilweisc, das Vcrhttltuiss f^ans anders 
als in di'U ronianischrn Sprachen. In diesen ist die Doppelung fast 
durch^M'g daduri'li entstanden, dalS zu dem lautgesetzlichen Vertreter 
eines lateinischen Wortes das gh^iche Wort <ler Muttersprache noch 
einmal in späterer Zeit durch pdehrte Kntlehnung hinzutrat. Im Deut- 
selifu aber tritt häutig der Fall ein, daü innerhalb ein und deatelben 
Dialektes in di*r volksthUraiichen Kntwiekelun;; ein Wort sich in swie- 
faelitT Knt Wickelung spaltet. Tnd eben derartige Heispiele sind von 
prineipieller Wichtigkeit. Mehr und mehr winl in der (Jegenwart die 
Sprachtnrschung darauf hingeleitct, die unbedingte («eltung der Laut- 
gesetze anzuerkennen. Diesem Grundsatz scheinen nun die in Frage 
stehenden Doppelwurter zu widersprechen: denn wenn irgend eine 
Laiitt;ruppe wirklich sich in zwiefacher Weise entwickein kann, so ist 
nicht ein/useheM. warum sie nicht gelegentlich auch sechs- oder zehn" 
fache \'iTtretuiig fimien sitll: kurz, ein schlechthin verbindliches Laut- 
gesetz hilit hieb dann nicht aufstellen. Da es aber schwer fallt, den 
(tiauben an den Shtz aufzu:;ebeM , daÜ unter einer und derselben Be- 
din^run;; eine einzi;;e rr>ache nur eine «-inzige Wirkung haben kann, 
SU Ifhnt e?« ^ich der Muhe, zu prtlfen, ob bei der scheinbaren Doppel* 
entwickeliing nicht neb«'n dt-ni einen Lautgi*8cts, richtiger neben der 
einen Lautwan<ii-I wirkentUn Trsache noch andere Ursachen mit im 
Spieh* sind, oder uli. uenn wirklieh nur das Lautgesetzt wirkt, nicht 
die l'niätiinfie ver:«cliii-denf wan-n. unter denen es sich äuUerte. 

Noch eine zwi-ite Fraise inul: bei Betrachtung der Doppel Wörter 
aufgewiirtVn werden. Mti>t !*ind ia nicht nur die FurmeUp tondem auch 
die Bedeutungen aUM-inander L'*';:angen: so muÜ untersucht werden. 
warum der einen F^rm trrraile (lit-M-. rler andern jene Bedeutung lu- 
gefallen , unil leniir mui: die Zeit dieser Bedeutimgsscheidung feat- 
gt^stellt werdi*n. snweit sie nicht hclion vor der Spahung bestanden 
oder sich zugleich mit .ii-rs-llim ergeben hat. Bisweilen ist diese 
Differenzierunir bis auf den heutigi-n Tag nicht ilurehgedningen, nur daß 
wir für die eine Bedeutung diese Form, fllr die andere jene von 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWnjJNGSWÖBTER. 259 

oder auch es werden für einen Theil der Bedeutungen beide Formen 
gleichmässig benützt, in einzelnen Gebrauchsweisen aber tritt bestimmte 
Scheidung der Formen ein. Auf sehr unsicherer Basis steht die chro- 
nologische Ermittelung derBedeutungsscheidung, denn unser lexicalisches 
Material reicht dazu höchstens , so weit es in das Gebiet des DW. 
Bd. 3 ff. fkllt; bei Sanders fehlt es besonders an Belegen aus dem 
15. und 16. Jahrhundert. Ich muß deshalb für meine in dieser Hin- 
sicht zu machenden Bemerkungen um besondere Nachsicht bitten. 

Übrigens sind die bis jetzt erwähnten Doppelwörter nicht die 
einzigen im Deutschen. Das Neuhochdeutsche hat ja eine Fülle von 
fremden Elementen in sich aufgenommen, sei es aus andern deutschen 
Dialekten, sei es aus den romanischen Sprachen und dem Englischen. 
Da traf es sich denn oft genug, daß das Neuaufgenommene nur eine 
andere Gestaltung dessen war, was die aufnehmende Sprache schon 
besaß. Endlich kam es vor, daß ein und dasselbe Wort zweimal, zu 
verschiedenen Zeiten und nach verschiedenen Gesetzen aufgenommen 
wurde. 

Und nun zur Sache. Voraus stelle ich ein paar Wörter, bei 
denen man von Doppelgestaltung kaum reden kann, wo der Unter- 
schied nur in der abweichenden Orthographie liegt, indem ^unhistorische 
Grammatiker nach zufälliger äusserer Wortunterscheidung gestrebt 
haben^ (Gramm. I, Ö24). Es sind das — daszj Statt ^ Stadt und Miene 
— Mine. Betreffs das — dasz kann auf DW. 11, 811 verwiesen werden; 
übrigens findet sich die heutige Scheidung nicht erst in der Mitte des 
16* Jahrhunderts, wie dort angenommen wird, sondern sie begegnet 
schon in der Stretlinger Chronik, etwa ein Jahrhundert früher. Die 
Schreibung Stadt treffen wir schon bei Luther, aber entschieden ist die 
Differenzierung erst im 18. Jahrhundert. Noch modemer ist die Tren- 
nung von Miene und Mine; Steinbach (1734) schreibt fUr beide Be- 
deutungen Miene ^ Frisch (1741) beide Male Mine (s. Weigand s. v.). 
Ganz zufällig ist die Art der Unterscheidung übrigens nicht: der 
militärisch-technische Ausdruck steht dem allgemeinen Sprachgefühl 
weit fremder gegenüber als das andere Wort mit allgemeiner zugäng- 
licher Bedeutung. Daher hat jenes die fremdere Gestalt behalten, dieses 
sich deutscher Schreibweise gefUgt. 

Ob auch wieder — roider bloß auf einer solchen orthographischen 
Scheidung beruhe, wie Grimm a. a. O. will, ist zweifelhaft Denn 
auch unsere Aussprache macht einen Unterschied : das Wort fUr rursus 
wird mit langer Stammsilbe^ wider := contra mit kurzer gesprochen; in 

17* 



2ti0 O. BEHAQHEL 

einzelnen Compositis des letzteren wird Länge wie Kürze gehOrt^ to 
in widerlicii, widerwärtig, zuwider. 

Wäre di<» Verschiedenheit deH Stammvocalet wirklich eine in der 
lehendigen AusaprAche entwickelte, so mflüte man davon auigehent datt 
iriV^ je nach seiner He doli tu ng unter verschiedenen Accentverhältniasen 
stehen konnte. AIk Präpoititinn niuUte es proklitisch sein und die erste 
Silb«* blieb kurz; in ^üb«*r den Rerg^ wird kaum uber^ sondern wohl 
htets rVW Kei4proch<*n. Als Adverb und bei der Stellung in der Codi* 
position i)*t es betont und mulhe die erste Silbe dehnen. In den Zu- 
Manimensetzunp*ii mit vitlrr = rtmtrti wäre dann die Kürze durch eine 
FonnUbertrapmg zu erklären, die von der Präposition ausgieng. Allein 
solche rbertraguni^ p*schiebt in der That nur von Form zu Fonni 
nicht von Kedeutun;; zu Bedeutung, und es ist kaum denkbar, daii 
das unbewulhe SpraeligefUhl die beiden Bedeutungen von rurtus und 
rontra so genau und glatt habe scheiden kennen, ohne daß fonnale 
Vermischung beider üfbiete «-intrat. Es ist daher wohl eher anzu- 
nehmen, daü die orthographische Scheidung nicht auf der verschiedenen 
Betonung beniht. ^ondern eine willkürlieh gemachte ist. Wenn nun 
neben der lautgeMtxlicIien IJinge in wt'iifnriirtig etc. auch die Kürze 
vorkommt, so ist das oflenbar eine Rückwirkung der Orthographie. 
Die Festsetzung der abweichenden Sehreibung hat in der ersten Hälfte 
des 17. .lahrhiinderts stattgefunden. (iryphiuB scheidet schon ganz 
rein: (Hindus Stuardus «nach dem ültesten uns bekaimten Druck Ton 
]i*ii'iH ed. Tittmann« v. 13 df-r I>rummeln Widergalm. t. 66 widar uns. 
eb«. V. ITl« isi;. :\Jl, y. \m wider Recht v 2ril wider die. ▼. 654 
zuwid«T V. \^1 baut un<l bricht es wieder, v. .V>7 das trotze Calidon 
sucht seinen Kim ig wieder, v. tkVj und forderts wieder ein. Peter 
Squenz Se. I : Thi^bf* kommt wieder. Dagegen in Ouzmann Ton 
Alfarche It'»!.*) noch un^ftrennt: p. VJi^ wider mich. p. 198 widemin 
widerumb. p. \W widern mb. 

Die weitaus gmlSere ZshI der Doppel Wörter im Deutschen bt 
uhni* ein willkürliches auüer«*s Zuthun entstanden. Hätten wir nun 
heutzutage jede» deutsche Wort m der («estalt, wie es nach den Oe* 
setzen der Lauten twiekelung und Srhr<*ibung sich uns darbieten nOttte« 
so würde uns eine I »oppflunc sehr grossi» Schwierigkeiten bermten. 
Allein dem ist bekanntlieh ni«-lit so. sondern der KinfluD dar Laut* 
gesetze ist durch den der Fornitibertragung auAserordentlich oft dureb- 
kreuzt worden. Kbenso int bt*kannt, dal> dieses zweite Moment be- 
aonden energisch dann gewirkt hat , wenn ein Wort nicht isoliert 
•tand, sondern sich innerhalb eines Flexionssystems oder irgend aii 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLINGS WÖRTER. 261 

andern Bildungssystems befand. Damit ist die Möglichkeit einer zwie- 
fachen Entwickelung gegeben, denn neben der durch die Analogie 
hergestellten Form konnte die lautgesetzliche bestehen bleiben und sich 
nach Lautgesetzen weiter bilden. Es fragt sich dann nur, weshalb 
sie bestehen geblieben und nicht der andern völlig gewichen; wäre 
stets die lautgesetzliche Form neben der Analogiebildung erhalten, 
■o mttfiten wir eine unendlich grosse Zahl von Doppclwörtem be- 
aitsen. Für einen Theil unserer Zwillinge löst sich jene Frage ziem- 
lich einfach durch den Satz_ der Identität: diejenigen Wörter sind dem 
nSystemzwaug^ nicht unterworfen worden, die sich ihm entzogen haben, 
d. h. solche y die aus dem grammatischen System herausgetreten sind, 
dem sie ursprünglich angehörten. In diese Kategorie zählt zunächst 
man — Mann. Ausgehend von der coUectiven Bedeutung des Wortes 
man =: die Leute (Otfr. III, 4, 8 thie lagun fol al mannes sieches inti 
hammes. III, 6, 4 fon thcn gab follon muases finf dusonton mannes)^ 
findet sich man schon im As. (cf. Heyne, Gloss. z. Hei. s. v.) und Ahd. 
(Gramm. IV, p. 220 ff., Kelle Otfr. H, p. 369) in der Geltung des fran- 
aOsischen Ton ; es ist nicht mehr Substantiv, sondern bereits Pronomen 
geworden. Als nun die großen Anfangsbuchstaben bei den Substantiven 
eingeführt wurden, als an die Stelle der phonetischen Schreibweise die 
etymologische trat und die Doppelconsonanz aus den Formen^ wo sie im 
Inlaut stand, auch auf den Auslaut übertragen wurde, konnte natürlich 
nor das Substantiv man, mannes, nicht das Pronomen von dieser 
ftüBseren Veränderung betroffen werden. Zu welcher Zeit aber hat 
diese stattgefunden? Die letzten Jahre haben eine Fluth von Schriften 
über Orthographie gebracht; aber trotzdem wissen wir von der Ge- 
schichte der deutschen Orthographie seit der mhd. Periode noch so gut 
wie gar nichts. Betreffs der grossen Anfangsbuchstaben vermag ich 
jetst nicht mehr zu sagen als Grimm in der Einleitung zum Wörterbuch. 
Über das Eindringen der Doppelconsonanz in den Auslaut glaube ich 
behaupten zu dürfen, daß dasselbe etwa mit dem zweiten Drittel des 
16. Jahrhunderts beginnt und in der zweiten Hälfte des 17. so ziem- 
lieh zum Abschluß kommt. In diesen Zeitraum fiele also die äussere 
Scheidung von man und Mann, Zum Belege für meine Datierung 
wenigstens einige Thatsachen. In Sebastian Wild's Tragedj von dem 
Doctor, der den Esel je tryb etc., nach dem Augsburger Drucke von 
1566 herausgeg. von Tittmann (Deutsche D. des 16. Jahrhundert) stehen 
p. 209 — 34 folgende Beispiele der überkommenen einfachen Consonanz : 
Kaufman, Edelman, Bettelman, Hantwerksman, kan, kan, sol, dol, wil, 
soly wily wil, kan^ wil, dol, wil (9 mal)^ kan, gaugelman, wil^ sol, ein 



262 ^* BEHAQHEL 

man, die stat, kan^ kan, wil, die etat, wil, edelman, kaoAnaiiy bettal- 
man, wil, dol, den sin, wil, man (Vocativ), stal, hantwerkaman , den 
sin, 8ol, wil, der man. — Der Beispiele mit DoppelconsonanB sind es 
nar ganz wenige: tumm, tumni, will, BcbnclL — In ^Sieben Bücher 
von der Fttrstlichen WUrtembergiscIien Iloch/.eit etc., durch Nicodemum 
Frischliuum, in Teutsch trausferirt durch Carolum Beyerum*', Tflbingon 
1578, von p. 1 — f)0 fol^onde Beispiele i\lr einfache Cunsonans: kan, 
der Man, uberal, vol, Stat, vol, kan (5 mal), Mau. Für doppelte: Oott, 
Stamm, soll (2 mal), will (4 mal), Stamm, Statt, voll, hell. Mann, will, 
voll, glatt, will (2 mal), Qott, soll, Qott, soll, will, Gott, soll, Freuden- 
schall. — Frosch meuseler (cd. Tittm. nach der Ausgabe von 1608), in 
den 5 ersten Capitein des ersten Theiles vom zweiten Bueh einfache 
Consonana: got (3 mal», man (SubHt. », got, got, heilige man, gt)t, 
stat, got (4 mal), kein man, kan, kan, got, ein man, uahtigal, gut, sei, 
got (2 mal), wil, got. Doppelcousonanz : soll, will (3 mal), fall, überall, 
bann (2 mal), will, soll, sinn. — Ousman v. Alfarche, durch Aegidium 
Albertinum, München 1615, p. 1-52, 44^\^;iiV2 i*infaclie Consonana: 
Edclman (4 mal), wil (l\ mall, kan (2 mah, wil, gewan, entran, kan 
(2 mal). Doppelconsiiiianz: Schiff, Spott, Statt (2 mal), Todtfall, Oott 
(3 mal). Stall, Uott, voll und doli, anstatt, will, Sinn, voll und doli 
(mehrmals), voll, Statt, llauptstatt, (fott, Sinn. Moscherosch, Gesichte 
Philandcrs von Sittewald, Audrr TIkmI, Straüburg 1650, p. 1^40, ein- 
fache Consonanz: überall kan i'5 mal). Doppelconsonanz : inwill, blatt, 
will, toll und voll, Mann (2 mali, Gott (2 mal). Mann, Gott (3 mal). 
Mann, Spott, will {l\ mal), Gott, Spott, Mann, will. Schritt, Gott, soll, 
Gott (5mal\ soll, will, Gott, Spott, holl, Gott, will, Gott, will (3 mal». 
Kinc ändert* Art von LoMüsung aus dem ursprünglichen System 
tritt »in, wenn Adjectiva zu Substantiven w«>rden ; dnhor folgende Glei- 
chungen: fc7/*Tn r= tVti^m, th-r Jiinyrr = rf**r Jiingerf. Kftem und •lümger 
sind die den mhd. Lautg« -Hetzen entsprechenden Ftinnen und im Mhd. 
natürlich identisch mit dem Adjrctiv; im Nhd. wirkt auf das AdjecltT 
die Analogie der Wörter, dii* -«-/i bezw. -i* im Nominativ lautgetetalich 
behalten muüten, und zugKich wurde bei äitf^rm die — angeblich ety- 
mologische — Sohreibwei»e eingeführt. Die grammatische Scheidung 
gehört fllr beide Wtirter ^cllon dem Althochdeutschen an, indem schon 
dort aUiron und juntjint durchaus i\\n Substantiv«* gefühlt wenlen. Der 
Zei inkt der forroal(*n Trf*nnuiii; int wieder nicht leicht zu bestimmen, 
1 so weniger, al» wir es wohl iiieht allein mit der Entwickelung 
lalb desselb(*n Dialekte:» zu thun haben , si indem der Kinfluß 
ir Dialekte hereinspielfn knnn, bei welchen nicht die mhd. Qeeetae 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLINQSWÖRTER. 263 

über die Behandlung des e nach Liquiden gelten. Die Frage kann 
deshalb nur innerhalb einer zusammenhängenden Darstellung der nhd. 
Gh«mmatik gelöst werden« 

Durch die Substantivierung von Participien ergaben sich die 
Oleichongen Freund = freiend^ Heiland = heilend» Die Substantivierung 
hat natürlich stattgefunden, als das deutsehe Particip noch seine ur- 
sprüngliche consonantische Flexion besaß. Später, offenbar unter Ein- 
fluß des schon grundsprachlich vocalisch flectierenden Femininums, ging 
das ganse Particip in die Analogie der -ja-Stämme über; die Substan- 
tiva blieben aber davon unberührt, da ihr Zusammenhang mit dem 
Particip nicht mehr empfunden wurde. Got. frijSnds wurde nun laut- 
gesetslich zu friund] auch frijondi hätte wohl im Ahd. zu fHundi 
werden müssen; allein diese Form konnte sich nicht erhalten, denn 
daneben bildete sich stets wieder vom VerbumyW/on ein neues Particip 
firgSndi, unser nhd. freiend. Wenn Heiland das a der Endsilbe nicht 
SU e schwächte, so hat hier die Heiligkeit des Wortes conservierend 



Durch Verwendung eines Wortes in adverbialem Ausdruck ent- 
steht das Paar weg (apage) — Weg (via). Paul wird nächstens den 
Sats begründen, daß das Nhd. nur diejenigen Vocale des Mhd. laut- 
gesetslich gedehnt hat, die in offener Silbe standen. Die ursprüngliche 
Saehlage ist in den niederdeutschen Dialekten noch ziemlich rein er- 
halten, wo Bäd, Wog, Flug etc. gesprochen wird. Wenn nun das Ober- 
deutsche durchaus nur Bäd, Weg, Flug kennt, so ist das eine Übertra- 
gung ans den obliquen Casus, wo die Stammsilbe keine geschlossene 
war. Nachdem jedoch im Altdeutschen das Substantiv weg mit der 
Präposition in zusammengetreten und verschmolzen war zu enwecj 
wurde der zweite Theil dieses Ausdrucks nicht mehr mit dem Sub- 
stantiv in Verbindung gebracht, sondern offenbar als Adverb gefühlt^ 
wie die Umdeutimg in hinweg beweist, das analog mit hinab, hinunter, 
hinauf etc. Somit war auch keine Übertragung des langen Vocals 
mehri von Weges, Wege, Wegen ausgehend, möglich. 

In den bis jetzt erwähnten Beispielen war die ausserhalb des 
Systems stehende Form diejenige , welche die normale lautgesetzliche 
E^twickelung aufzeigt, während die Form im System durch Formüber- 
^■^1^8^? abgeändert war. Es ist aber auch möglich, daß bei der Los- 
löBung aus dem einen Systemzwang eine Form unter den Einfluß eines 
andern Systems geräth und dann selbst einer Analogiebildung imter- 
worfen wird. Die in der ursprünglichen Umgebung verbliebene Form 
kann dann ihrerseits entweder rein lautlich sich entwickeln oder gleich- 



264 O BKHAOIIKL 

falU durch Forniiibcrtra|:^inf; ihn* (fCtUlt verAndorn. Ilierhor gehören 
c/t Hpitzr^ f/^r hthn-nf mit doli ont»prechc*nden Sub8tantivi«*nukgeD der 
iSpitz, d*'r Urrr. Schon ahd. und uh. wird hmro zu herro, wie ditr 
l)iippi*lcom|iarutivc mro und mrriro zu trrroy mem», in corrccter latil- 
Itcher Kntwickolung. Durch die Substantivierung scheidet herini, hcrru 
aus dem ('utn|iaration68ytfteni au»; her aber unter dem KinfluU der 
übrigen C'ümparutivc bildet htetM einen mnicii (*umparativ auf -irD oder 
•oro, und so «Thalten wir nhd. hehr»nr. Wie wird aber herro, berre zu 
nhd. Herr? Man kimnti* denken. Herr sei eine Verallgemeinerung des 
mhd. hrr vor Kigfiinaim-n, das sich in Folge von seiner proklitiBchen 
Verwendung au^ hnTt Vi*rkUrztc. (iogm diese Auffassang spricht, dal} 
die Form htrr^ mit dem I)nppel-r. au i>rten vorkommt, wo die Doppcl - 
consonanz Monst noch nicht in den AuHlaut eingedrungen. Herr muü 
also auf ht»vrr zurtlckgehen , wie lUr Spitz auf der gpitze. Ist aber 
dies Zurückgehen ein lautgesetzliches, oder ist eine Form Übertragung 
im Spiele? Versuchen wir eine feste Norm zu finden ttber die nhd. 
Uehandlung eines älteren au^luutelldcn e. Oaiiz kann dasselbe laatgc- 
setzlich nicht abgefallen sein, da wir ja noch auslautende e haben und 
auch bei der weitgehendsten Wirkung di-H Systemzwaugs ohne einen 
Ausgangspunkt, ohne einzelne erhaltene <; keine Herstellung möglich 
war; direct für Krhaltuni; eines c zeugen die ausser jedem System 
stehenden Fonnen wii* (mmjr, l'nujr^ hrnte^ uhna, Kine zweite Möglich- 
keit, die durch Siever>' neu«*8te irntrrsuchungeii nahe gelegt wird, wftrc 
folgende Ftirmel : Ah füll des r nach lunger. Bleiben nach kurzer Stamm- 
silbe, Dil/ II wllrdeii die ebenfalls »usHerhulb jedes Systems stehenden 
Wörter wit> /»i'//, dm-nm, fa^t, off, »fhv htimnien. Unerklärt bleiben 
die vtirhih genannten Adverbien, hh*iben Kndf, Erbr , Qfhildt^ Oe* 
fUtU. Ferner inuüteii narh obiger Fassung; Miniint liebe ä - StAmme 
mit Ijiiger Stammsilbe im Nhd. aus ihrei (*lasi«e heraustreten, es müßte 
BiiU, Krd. Khr, Ci:ih ete. heiÜt- n , di'iin «las auslautende « mufite im 
ganzen Singular. miwI«* im N. Aee IM. ahtalifii: r» war also so gut 
wie ktliie Kerilhrung mit den kur/.Mibigen Stummen vorhanden, eine 
Ilerstellun;; lie^ «- uiann^lieh. Das r* im Auslaut der I. und 3. Pers. 
Sgl. der .•«chwaehi'U rrati'rita wäre ganz undenkbar, da die Silbe Tor 
dem ' ja ^tets lang ibi. Kine drittt* Mtiglichkeit : Abfall nach kurzer, 
Rli*i1i'*n nach lauger Silhi Iiat gar kein«« Stutze, l'nser Gesetz muß 
alsi» hiutiii: ein auslauttiid«*» r* dei« Mhd. bleibt lautgesetz- 
lich im Nhd. erhalten. I):izii >tini!nt di*« Flexion des Verbums: 
1. IV. S^l. Tr-. In«l. und riiiij.. :\. !*». S;;l. t onj. Priis. der starken wie 
der itehwaeht-n, 'J. I's Sgl. Inipi-r. und I. l's. l\ l'i». Sgl. Ind. und CoBf. 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLINGSWÖRTER. 265 

der schwachen Verba; die DecIinatioD des Nomens: N. Acc. PL der 
masculinen und neutralen a-StämmC; der Singular der ä- und ftn-Stämme, 
der Nom. Sgl. der an-Stämme, soweit sie nicht das n auch in dem No- 
minativ angenommen haben; die Declination des Adjectivs: Nom. Acc. 
PL der starken Form, Nom. (und Acc.) Sgl. der schwachen Form, 
endlich einige Adverbien, die vorhin genannt wurden. Auf verbalem 
Gebiet kenne ich nur eine Ausnahme des Grundgesetzes; die normalen 
Imperative von schauen, trauen sind doch wohl schau und trau: schau, 
trau, wemf sagt der Volksmund, und Niemand wird seine Verwun- 
derung mit schaue^ schaue, sondern mit schau, schau ausdrtlcken. Wir 
haben es hier mit einem lautlichen Vorgang zu thun; entsprechend 
werden frowe, ouwe, schouwe zu Frau, Au, Schau. Mhd. houwe = Haue 
widerspricht nicht, denn Haue kann Neubildung zu hauen sein nach 
dem Vorbild von Binde — binden , Feile — feilen, Schneide — schnei" 
den etc. ; baue und die doch auch vorkommenden schaue, traue entstehen 
durch Formübertragung. Beim Nomen ist im Allgemeinen der Abfall 
des e nach Liquiden zu bemerken, Gramm. I, 696, der freilich durch 
den Systemzwang vielfach wieder ausgeglichen wird. Doppelte Mög- 
lichkeit liegt vor im Dat. Sgl. der a Stämme, wo das e bleiben, aber 
auch fehlen kann. Das Fehlen ist entschieden heutzutage das Herr- 
schende; es erklärt sich durch Angleichung des Dativs an den Nomi- 
nativ und Accusativ, mit denen er ja in den meisten übrigen De- 
clination sciassen zusammenfiel, zumal da die größte Zahl der schwachen 
Nominative des Masculinums die obliqiie Form annahmen. Daß übrigens 
jene Angleichung des Dativs schon im Adtsch. ihren Anfang nimmt^ ist 
bekannt (Weinhold mhd. Gramm. §. 431). — Der Nom. und Acc. der 
ja-Stftnmie ist grossentheils in die a-Declination übergetreten, oder viel- 
mehr der Gen. und Dat. Sgl. und die Casus des Plural haben sich einen 
neuen Nominativ nach derselben gebildet: Weck, Antlitz, Bild, Eck, 
Elend, Gehein, Gedicht, Gedräng, Gefährt, Geraeth, Gestein, Gestirn, 
Bim, Heu, Kinn, Kreuz, Netz, Beich, Stück, denen sich die meisten der 
entsprechenden Adjective anschliessen: sie sind aus Grimms Aufzählung 
Ghramm. I, 748 zu entnehmen. Nur Weniges ist im ursprünglichen 
Stande verblieben: Hirfe, Käse, Ende, Erbe, Gebilde, Gebirge, Getöse, 
Cfekose, Gelage, Gelände, Geschmeide, Gewölbe, Gefilde', hloede, böse, ge- 
i^ige, gerade, kirre, müde, oede, schnöde, träge, triibe. Man bemerke, daß 
von diesen 23 Beispielen in 17 dem e eine Lenis vorhergeht, daß also ein 
lautlicher Grund mitgewirkt haben wird, wenn neben den auch vor- 
kommenden Formen ohne e die mit « die überwiegenden und correcten 
geblieben sind. Wir haben hier ein interessantes Beispiel von sich 



266 O. BEHAOIIEL 

darchkreuxender Analop^owirknn^. Das Flcxionsnystem der a-Stlmme 
strebte su Gebildes^ hloeden einen Nominativ Gebilde blotd oder phonetisch 
richtiger Gehiüf hloft zu schiiflcn. alK*» mit aunUiiteudor Fortis; inner- 
halb des Plexionssystoms d<T jaStämmc ft>rdcrto die Analogie die Lenia 
als Stammesauslaut. Dieso bi*durftt* aber zu ihrer Aussprache eine« 
nachklingenden e, und su trifft di«* durch den einen Systcmawang 
geforderte Form zusammen mit der laut^esetzlich noch bestehenden; 
der zweite Systemzwim;; allein bleibt daher die schwächere Kraft. 

Die Adverbien haben , soweit i-in zugehöriges Adjectiv daneben 
besteht, ihr 8chliel:end«'rt #* durchaus eingebUGt. Dali hier etwa der 
Accusativ des Neutrums an die St «•He des Adverbs getreten wäre, wie 
mannigfach im Kouianischen (Die/. II. '', |>. 4^(1). ist wenig wahrschein- 
lich. Viehnehr seheint rein fonnale Vermischung zwischen Adverb und 
dem unHectierten Adjectiv eingetreten zu sein, bedingt allerdings durch 
vorhergegangene Hertlhrun^ in einzelnen ( \instnictionswei8en : ich er- 
innere an die in älterer Zeit häutige Verbindung des Adverbs mit s^tn 
in unpersönlicher Form, wo später das Adjectiv eintritt Fftr die Ad- 
jectivA auf -lieh int diese Vermischung Mclmn ziemlich alt ; die Form 
des Ad%*erbs 8t«*ht mannigfach praedicativ ((iramni. IV, \KiS\. Lachmann 
zu Nib. lil»2, 4**j. Illr die unfleetierte Adjeetivfonn im A<lverb ver- 
zeichne ieh folu''<'tide Helege: Meihter Kckhart 11, H: diu k^/«* u/ naiimr- 
lieh nnrh tjot^ tphiUUf. 11, ,'12: /Vi wchdmHf in d^r helle bfihet drr mlel 
d^r natura tnrrrfirh. I*». 'J\)\ diu nu in der zif int ttyu'dtn undt^ wkH ttge- 
lieh tffhorn trirt. \t. Uli .'Jo: ä»i tu ixt kUenlirh lidi*\ 

Voll dt-n Adv«rbii-ii, neben tb'Urn k**in Adj«*ctiv mehr l>esteht, 
hat ein Tlifil da^ *- behalten: b'in[i'\ heut*\ bintj*', ohnr. In anden*n fehlt 
es: a/ü. ^mi «/, /''i>/. knt'vi, a«-/.!*. "/>. um. Wcillte man zur Krklärung der 
letztfTcn Kr^ellelnung zu d«'r Ainiahnie greifen, dal: di«* gekürzten Ad- 
verbien aus fbrr«iiiitM-iirii Dialekten in das Neuh<ieh(li*utsche gekommen 
seien, so wäre ibinnt niehtn (gewonnen, denn schon das Mndtsch. bietet 
vielfach ilie gekur/ten FiTtiii-n neben den ur^prUnL;lichen. Aber ich 
denke, e.-« Iäl>t ^ieh :iiieli ii. «-rlialb d*'««e|ben Diab-kts das Nebenein- 
ander der beiden Fi>ini( n «rklaren: vnr Vnealen wurde ilas schlioüende 
#■ nicht ge^pruchell. wnlil hIm r im Allgemein«'n vnr CNmsonanten; lautete 
flas dem Adverb f(»l;:iii(li< Wort mit dem t '«inüimanten an, der dem e 
des Aflverbü voran^ini;. ^*(> ^iini»- aueli bi>T umIiI das «* unterdrllekt. 
Kh i.-t t.un sehr natürlich, iialj die ph nn b«'->timmten St«*llen lautlich 
entwickelten Formen auch an ihn«'n urhprilnglich nicht zukommendem 
l)rt4* ai)^*-weiidet «unien. b'--i>niiiif d:ii: dii* Form vor Vi»calen auch 
▼nr <*on8rtnanten fttaml: iln« rin/i-kehrti* i^t auh euphonischen (i; 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLINGSWÖRTER 267 

wohl seltener gewesen. So begreifen wir, daß schließlich die Form vor 
Vocalen die allgemeine wurde. Daß eine solche nur in den wenigen 
Adverbien und nicht häufiger zur Geltung kam, erklärt sich ganz 
einfach« Denn ein solcher Vorgang war nur möglich, wo die Form vor 
Consonanten nicht durch die Stellung in Pausa eine kräftige Sttltse 
erhielt, also nur bei Wörtern, die durchaus überwiegend im Innern 
des Satses standen. Nun stehen als, fast, um niemals in Pausa, 6a2d, 
kaumf sehr selten genug; die Adverbien darum, herum richteten sich 
nach der Präposition, wie dies bei damit etc. gegenüber mhd. d&mite 
der Fall ist. Man sollte erwarten, daß auch dne uns in verkürzter 
Form vorläge; indessen ist hier die Stellung in Pausa nicht so selten, 
da es ja auch adjectivische Verwendung findet und fand. Zur Stütze 
meiner Erklärung verweise ich einmal auf Curtius' Deutung der grie- 
chischen Adverbia auf -ag Stud. X, 205 S. und auf Schuchardt, Rom. 
m, 1 ff., sowie auf L. Havet, M^moires de la soci^tö de linguistique 

III, p. 193, dann auf einige andere Fälle, die sich mir in ähnlicher 
Weise, durch Verallgemeinerung einer speciellen Entwickelung, zu er- 
ledigen scheinen. Unsem Adverbien ganz analog ist altfranz. or neben 
ors, neufranz. or neben encare. Bekanntlich muß nach französischen 
Lautgesetzen ein lateinisch auslautendes a zu e werden: so muß also 
or die vor Vocalen entwickelte Form sein. Auch die franz. Präposi- 
tion sur — aus süpra — wird nur auf diese Weise verständlich. Femer 
erklärt sich trij die kürzere Nebenform von inti^ die im Tatian oft 
begegnet und in den anfr. Psalmen fast ausschließlich steht, freilich 
ohne von Heyne anerkannt zu werden, aus der Stellung vor Dentalen, 
die sehr häufig sein mußte wegen der dental anlautenden Pronomina*). 
Zwischen den homorgancn Lauten fiel das i besonders gerne aus; 
dann wurde das t von int nicht mehr gesprochen und nicht mehr ge- 
schrieben, cf. Tat 34, 3 sie wanen thaz sie. Otfr. I, 4, 24 forahten sie. 

IV, 26, 16 wizzen sie V. V, 20, 17 sizzen druta VP. 

Auch is, die md. u. ndtsch. Form für die 3. Pers. des Verbum Sub- 
stantivum ist mir nur durch eine derartige Betrachtung verständlich, 
ferner der Dat. Plur. des Artikels im As. them, während sonst die 
Pluralendung des Dativs un ist. 

Endlich scheint sich auf diese Weise die schwierige Frage zu lösen, 
weshalb in «r, {der)^ wir^ ir das schließende s nicht, in Übereinstim- 



*) In Tatian steht mehr als die HHlfte der Beispiele von tu vor Dentalen: 
8, 10 in Santa. 87, 4 in qnad. 112, 1 in ist. 131, 21 in dinnal. 188, 3 in thio. 184, 11 
in manage. 141, 9 in thiede. 179, 2 in thu. 211, 2 in thes. 227, 1 in lasie. 



268 ^- HKIIAOIIKI. 

muDg mit den sonstigen Lautgcsctsen , abgefallen. Diese Wöitchen 
kamen in Pausa so gut wie gar nieht vor, sondern standen proelitisch 
im Innern des Satzes. Nun mulhe m vor Vocalen su r werden, wohl 
auch vor Medien , wenn man au8 Beispielen wie ratda — rarta dies 
folgern darf. Im Hocbdeutschrn hat dann die Form vor Voealen ge- 
siegt. Wcfthnlli im Niederdeutschen nicht die gleiche Erscheinung vor* 
liegt, ist freilich schwer zu sagen. 

Und nun noch eine principiello Beschränkung des Qeaetiea vom 
Bleiben des schlieüeuden #*. Es gilt nilmlich nur dann, wenn dma e 
unmittelbar auf die Tonsilbe folgt. Ist ein größerer Zwiscbenrmom 
xwivchen letzterer und der KchluÜsilbe , so Hlllt e ab (cf Hpt z. 
Erec 7703). Beweis die Substantiva auf *unge, -nisse, inne: EimigHn^^ 
BeiriAnis», hUnufin; die Participia PrAseutis: weitiende — weinend^ sowie 
einigt* Einzelfnlle: Hrrzffg^ Nachf^ar, ^hultheis, Steinm^z, 7ViM*Aa«M. 
Hierlier gehören wohl auch Beispiele wie Bauer, Geier^ Mauer^ Trauer, 
indem die mhd. Formen durch Ausbildung einer Swarabhakti, die be- 
sonders nach der Diphthongierung der Stammsilbe zur Geltung kommen 
mußte, driMsilbig \^urden. 

Nun können wir zu unserm Herr und ^pitz zurtickkehren, nach* 
dem wir die GewiÜhtMt erhalten haben, daß sie nicht lautgesetalich 
aus Herrr und Spitze entstanden sind. Es bleibt somit nur die MOg- 
lichkeit. dalS in Herr und Spitz ein Übertritt in die a-Tlasse vorliegt, 
wie in Fink^ (^raf, H*^'z, Lump, März, San-, lirif, Schenk, iSrAmerz, 
Srhr^k, Steril, Strt'tf, Thor, Tmpj, Wie hat aber diener Übertritt atatt- 
gefunden, da doch die Flexion der aStftmme und der an*StAmme keine 
Berührung bietet, und ausserdem der l bertritt zu den a-Stimmeo 
meist nur im Nominativ «tattfund, wuhrend in den obliquen Casus die 
sehwaehe Flexi(»n blieb? Nun. ein Vorbild dazu lag vor einmal in dem 
Verhältnistt des untleetierten und de» »chwach flecti(*rten Adjectirs, 
besontifr» aher in den Subutantiven, die aus lautgesetslichen Grflnden 
ihr «* den Nominativs ein;;ebtlßt haben: also die oben erwähnten Ammt, 
SchufthrM, Stfütm^tz, TnirhsrMB, dann Aar, Bär, Hahn, SehwoHf fjtaar. 
Th<-ilwei»e m<>g«'n die p* kürzten Formen aber auch aus oberdeutaeben 
Dialekten »tanino'n : da« ist z. B fUr Lump und .Vcirr zu vermnthen. 
dl** im Ndtsch. Wb. nicht belegt bind 

Den Doppelw«trtern , die sich in Folge von verschiedenem gram- 
matisehi-m <iebrauch eine« und desselben Wortes gebildet haben« sind 
nnch die Gleichungen des — tlfs^rn, drr — d^rrti — derrr^ flen — denen 
ansuschli**i»»en. Denn die verlängerte Fnrm hat sich — natürlich unter 
dem Einriul: der Substantiv- und Adjeetivtlexion — da entwickelt, wo 



DIE NEÜHOCHDEÜTSCHEN^ZWILLINOSWÖRTER. 269 

das Pronomen Air sich, ohne Substantiv stand. Die Einzelnheiten der 
Entwickelung sind DW. II, 955 ff. ausführlich genug gezeichnet 

Eine Art von kunstlicher Loslösung aus der organischen Ent- 
wiekelung findet dadurch statt, daß Appellativa zu Eigennamen werden. 
Sie bewahren dann theils die ältere Lautgestalt, theils unterliegen sie 
willkttrlichen Veränderungen. Auf solche Weise entsteht nun ein ganzes 
Herr von Doppelwörtem , bei denen natürlich von einem eigentlichen 
unterschiede der Bedeutung kaum die Rede sein kann : also Falke — 
Falk, Oötze — Göte, Kerl — Karl, Schmied — Schmiü — Schmidt etc. ♦). 

Aber auch ohne daß ein Wort in Folge verschiedener gramma- 
tischer Verwendung thcilweise seinem ursprünglichen System entrückt 
wird, auch wenn es an seiner ursprünglichen Stelle im Sprachorganismus 
▼erbleibt, kann durch Wirkung der Formübertragung eine Doppelung 
entstehen. Und zwar auf zwiefache Weise: entweder wirken die ver« 
schiedenen Formen eines und desselben Systems aufeinander ein, oder 
die Formen eines Systems auf die Formen eines andern. Für den 
ersten Fall stehen uns Belege aus der Nominalflexion zu Gebot; die 
beiden Ausgangspunkte für die Zwillingswörter sind einerseits der 
Nominativ, andererseits die obliquen Casus. Auch hier kann der Vor- 
gang wieder ein doppelter sein; die Differenzierung ist entweder eine 
unvollständige oder eine vollständige: unvollständig, wenn sich die 
obliquen Formen einen neuen Nominativ schaffen, oder anders gesagt 
den Nominativ nach ihrem Vorbild umgestalten und der alte Nominativ 
in seiner lautgesetzlichen Form weiter existiert, ohne sich jedoch in 
seinen obliquen Casus von denen des neuen Nominativs zu unterscheiden, 
vollständig, wenn die obliquen Casus eine Analogiewirkung auf den 
Nominativ ausüben und der alte Nominativ seinerseits sich neue oblique 
Casus bildet, so daß also an der Stelle eines Paradigmas zwei voll- 
ständige neue entstehen. 

Beispiele unvollständiger Differenzierung sind Franke — Franken 
(HtUize)^ Bappe — Bappen. Von vollständiger Scheidung führe ich 
sunächst Lump — Lumpen, Tropf — Tropfen an ; Lump und Tropf de- 
dinieren wie die starken a-Stämme: „nur die Lumpe sind bescheiden'', 
„ob die armen Tröpfe". 

Die Wörter, die im Adtsch. schwache Masculina gewesen, haben 
im Nhd. verschiedenes Schicksal gehabt. Ein großer Theil ist in die 

*) Gaoz eigenthtimliche Doppelentwickelung entsteht durch Übersetsung von 
Nsmeo: so sind die bekannten Familien IhvrierU und Lcmiey (= Tami) nraprÜDglich 
elD« Familie; so finden sich in französischen Colonien in Deutschland Berger nnd 
SekUfir, die auf gemeinsamen Ursprung zurückgehen. 



270 O. BEHAOHEL 

Declination der Feminina übergetreten, ohne daü überall der Anlaß hierso 
deutlich su erkennen ist Thcilweise wird das weibliche Geschlecht 
auf niederdeutschen EinfluU surückzufllhren sein, so in BIuwm^ AlfUf 
(Trockenmaß), Niere^ ^Schlunge^ /Schnecke, Traube*); bei andern tat der 
Umstand maßgebend gewesen, daß sie vorzugsweise im Hural vor- 
kommen, und es wurde der Artikel die des Plural auch in den Sin« 
gular übertragen: das gilt wohl von Imme^ Made^ Ocholle^ Wade^ Wamge; 
cf. Binse f Locke, Schläfe, Thräne, Tücke, Zähre aus dem Plural von 
der friru, /or, elaf tmn, tue, zah/r^^). 

Die zweite und häufigste Uestaltungsweise ist die, daß der No- 
minativ den obliquen Casus gleich gemacht wird und das Nomon männ- 
lich bleibt; drittens endlich verbleibt das Substantiv seinem ursprüng- 
lichen Qeschlecht, und es findet keine Übertragung des n in den No- 
minativ statt. Uen beiden letzten Entwickelungsformen gehören die 
vier vorhin verzeichneten Doppolwörter an. Weshalb kommt aber nun 
der einen Bedeutung der echte Nominativ, der andern der neugebildete 
SU? Um diese Frage zu beantworten, überblicken wir die Beispiele ftr 
beide Classen. Ich verzeichne einerseits: Bnck^n^ Balken, Ballen^ Bogem^ 
Braten, Brunnen, Daumen^ Fladen, Flecken^ Oarten, Gebrechen ^ Graben, 
Haufen f /lausen, Kasten, Klumj^en^ Kloben, Knochen ^ KnoUen, KnoUm, 
Kobenj Kolben, Kragen, Rachen^ Hasen, Rechen, Reigen , Rocken, Roggen, 
Samen, Schatten, Schinken, Schlitten, Schnupfen, Socken, Sporn, Stecken^ 
Stollen, Streifen, Striemen, Xtipfen, Zinketi; andererseits: Affe, Akne, 
Bote, Buhle, Bürge, l>r«iche, Erlte, Falke, Ferge, Gatte, Genosse, Hase^ 
Jude, Kämpe, Knabe, Knapjte^ Lnffe, htie, iJhce, ijchse, Ifaffe, I\Ahe, Rabe, 
Rappe, Recke, Riese, S^-herge, Schurke, Zetige, Dazu kommen noch die 
früher verzeichneten, die das e vorloren haben. Man sieht, diejenigen 
Sttbstantiva, bei denen das Paradigma der obliquen Casus auch f&r den 
Nominativ maßgebend gewesen , Kind durchaus Bezeichnungen von 

*> Auf iit«der<leQt«cheni Gebiet war drr (leBchlechUwechMl wohl dadwch b»- 
dteft, dsA d«r Artikel im II mc. und Kern, gleich hat, wie anch Jlnicke w 
ProfraouD, Ober die ntederdeoUchen Elcmeote in un«rrer tfchrifUprache p. ft« 
mvtbet Ee atinimt dasu, ilaü auf frani''>ii«rheni (trbirt be«ondert solche Wörter den 
Oeechlcchuwechtel unterworfen warm, die vocaliüch anlauteten, »o dafi such hier der 
Artikel in beiden Oe*chIrrbtera kriueo rutemchied iri)rtr. cf. Deliu« in aelBsr Re» 
c«Daiofi der Dtea'tchen (framniatik, Jahrb f. rom. u encl. I^it. Bd 9. p. 9i. 

^^) Der PfiUaer bildet au> iletn Plural dit h'isth (pi«cee.) einen 8inf«lsr dm 
t\»ck, nach dem Muter vi>n dtr Hu*<k — Hit His*'h , der Fu<k§ — die Flehs «Ic. 
Auf der f 'eichen Btldunfeweitc beruht ci, wenn (irimmeUbausvn Himpl. (ed. Tittm.) 
I, p. 9 von eeiner Mtmdfr »pricht: »altv hciäen die Mütter im Spcaeerl und am 
Vonbber««. 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLINGSWÖRTER, 271 

conoreten Dingen; diejenigen ^ bei denen der Nominativ stark genug 
war, um sich gegen die obliquen Casus zu behaupten, sind mit einer 
Ausnahme — März — Bezeichnungen von lebenden Wesen, besonders 
von Personen. * Daß gerade bei solchen der Nominativ große Kraft 
besitzt^ zeigt sich auch anderwärts. Ich erinnere an die griechischen 
und lateinischen Nomina agentis auf -rf^p und -tor, wo die schwachen 
Casusformen ja fast ganz verloren gegangen. Die wenigen Sub- 
stantiva der neuromanischen Sprachen, welche ein Nominativparadigma 
darbieten anstatt des sonst zur Geltung gekommenen Accusativparadigma, 
sind meist Bezeichnungen lebender Wesen, so neufr. chantre^ mairey 
pätre, peintre^ sire, aoeur, träUrej Charles , Pierre (altfr. acc. Charlan, 
JPierron). Femer gehört offenbar hierher, was Mikl. IV, 372 bemerkt^ 
daß im Slavischen vielfach der Nominativ durch den Accusativ ver- 
drangt worden ist, aber doch oft beibehalten ist, „um Belebtes gegen- 
ttber Unbelebtem zu bezeichnen^. Anders freilich Hübschmann, Z. 
Casusl. p. 117, der unsere Thatsache aus dem Begriff des Accusativs 
herleiten will als dem Casus, der den Begriff des Wortes in mehr zu- 
rQcktretender, unbelebter, sächlicher Weise darstelle. Diese verschie- 
dene Behandlungsweise bei lebenden Wesen und bei Sachen erklärt 
sich wohl daraus, daß die erstercn viel häufiger als Subject und dem- 
nach im Nominativ Singular erscheinen, als die letzteren. Das einzige 
Wort mit bewahrter Nominativform, das nicht Personenbezeichnung 
ist — März — widerspricht nicht meiner Auffassung, sondern paßt 
Tortrefflich zu derselben; die Zahl der Formen, die auf -n ausgehen, 
mußte hier ausserordentlich gering sein: im Singular ist ausser dem 
Nominativ nur der Dativ in häufigerer Weise angewendet, einen Plural 
gibt es nicht. So entspricht also in unsem Doppelwörtern der säch- 
lichen Bedeutung die neugebildete Nominativform auf -n: Franken^ 
Bappen, Lumpen^ Tropfen \ Franke^ Eappe, Lump, Tropf bezeichnen die 
lebenden Wesen. Wenn bei Lump und Tropf — deren* e wohl durch 
Einfluß der oberdeutschen Dialekte abgefallen — die obliquen Casus 
ganz aus der schwachen Flexion heraustraten, also die Form ohne -n 
hier noch besonderes Übergewicht zeigt (dagegen Herr — Herren^ 
Bauer — Bauern)^ so läßt sich auch hierfür der bestimmte Anlaß nach- 
weisen. Lump und Tropf sind Scheltwörter und werden als solche 
fast ausschließlich im Vocativ angewendet, während die obliquen Casus 
sehr selten sind. 

Ein fünftes Doppelwort, das dem eben besprochenen Gebiete ange- 
hört ist der Possen = die Posse, Bertlcksichtigt man, daß das zweite 
Glied dieser Gleichung eine Aft von Collectiv zum ersten ist, so wird 



272 <>• HKIIAGIIKL 

es wahrechciDlicli, daii das Feiuininuiii aus dem Plural doii Masciüint 
in der vorhin (|>. 72 < cmühnteii Weise entstanden ist. 

Auch auf dem Gebiete des Feminins finden wir einzelne Beispielf 
von derartigen Vorgängen, vt)n Doppelparadiginen , und zwar geht 
einer der Belege in zicmlieh hübe Zeit hinauf. Es ist bekannt, daü 
der Nominativ Sgl. d(*r a-Suimme im Westgermanischen nach den 
Lautgesetzen nicht auf n ausgehen kann (J. Schmidt Kuhn Zeit- 
schrift XIX, 2^3) und daU, wrun hier doch ein auslauteudea n er- 
scheint, dieses durch l'bertragung entstanden, entweder aus dem 
schwachen Femininum, wie Scherer. Z. (■. d. 1>. S. p. 494 will^ oder 
aus dem Accusativ, wie Paul <ierm. XX, KlTi, Beitr. IV, .^9 und 451 
meint. Klienso ist beksnnt. da(: sich Keste der alten Nominativfonn 
erhalten hab«*n (J. Schmidt a. a. <K Henning, Sanct-tiallisehe Sprach- 
denkmale p. 93. Paul Bt'iträ^e IV, p. 451) und zwar bei laugsilbigen 
Stämmen, bei welchen nach Siever?»* Untersuchungen im ganzen West- 
germ, das (I ganz abfallen mui:te. Fast immer aber besteht ucbeu 
einem solchen Beleg für die ulte Nominativform auch die durch Über- 
tragung entstandene, so dali wir eint* Keihe von Doppclwörtern erhalten. 
Solcher Keste gibt es übrigens erhebUch mehr^ als man bia jetzt an- 
nimmt. Von den Fallen, wo auch die lautgesetzlich verkürzte Form 
geblieben, verzeichne ich aul;er den movitrrten Substautiva auf *in. 
inne, und stunta ^ stunt folgende Cileichungen : 

'lÄ/** — «iht, «/'/f/ifif -- tjuum, hImI. ff'iM'i f nihd. /#•/*»• = mhd. /-rt», 
initn — (Sigi^/iii/*) , innrkf mtirk\ j'fahh- - jijiiht , MÜihtf — »Iaht, 

9m mf — KHitn , got. thnrfmi - as. tharf\ ags. ih'itrf, vVn — iri/. Auch 
as thi't'fti -- ihv^l gelmrt gewil: hiiTlier: got. thiiititt , ahd. dioiai au. 
fhi'Mi als i- Stamm ist offen bar gleichfalls aus dem a- Stamm her^'ur* 
ge;:angeit. der auch neben dem i-Stamm erscheint. 

Der AbfsU det» Stammau^gaIlgs hat ab<^r noch eine weitcrge- 
hendt* Diflferenzii-rutig zur Folge: der Nominativ des Feminins wird 
im Wf4tc«*rniani.schi'n <Iiirch d(*nselbt*n gli'ieh mit dem Nominativ der 
Maseuliiia und Niiitra, und es findi-t rb«Ttiitt in tliese (ieschlechtcr 
und iliri- Flexion >tatt. Siehfre Beihpiclc dii-set« Vorgangs sind die 
bek.innten abstractt n Maseulina auf -liiir bei Kero und lsidi»r, sowie 
hwtz i;i*b*-n hunzr , h'i'ji neben hit'l't\ i/'ij neben wi»*-. Ich fllge noch 
weiter«* GI«*ichun^eM hinzu {^*ir ;:eb«>n unti einen schlsgenden Beweis, 

* I'ir ii »\:^»r rix lt.« A .::t«-tii..* vtir ! I|i:.!> i.l.. if- »n nu'h »'twaa heilrnklickc 
Hrm^rknf!): Ma'ipt /•■lU« hriit \lll. .'«77 i.li rriti««ii: : .nur iiiiilj et 'liut) •!■ ■wvittr 
TSeil % iti )-!:.;riitiAiiirti im (*a«'.i.'« rn tii« n"*.Lwi'iiil>^ A'li«-'-MviK>h^ Form uiBebasB. 
dir iD drn frsiikMchru NAuini Ar.i Iimüi uuch br*on>lcr« •ivul.irh itt* 



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DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLINGSWÖRTER. 273 

wie ein oder zwei Casus das Muster abgeben können , nach dem sich 

ein ganzes Paradigma gestaltet^ [Zimmer a — ä-Sufiix p. 219]) : 
an. dögg f. Thau = ags. deav m., ahd. tou m,\ 
an. rönd f. Rand = ags., ahd. rand m. ; 
an. rein f. der Rain = ags., mhd. rein m.; 
got. akdra f., an. shür f. ^ as., ags., ahd. skOr m. (mhd. noch 

einzeln schüre f.); 

an. BlMra f. Trägheit, Schwäche = ndtsch. elender (Weigand 

n, 593); ^ ' - 

an. Strand f. = ags., ndtsch. Strand m.*); :. ».. 

aind. vänchä f., an. osk f. Wunsch = ags. vüsk, ahd. u}itHsk^iii.'**J\ 
ahd. fohna = ags. fohn f., as. folm m.; " ^ni«i 

ahd. herta = mhd. hert; ' '" * 

ahd. luoga = ags. loh, ahd. luoc n.; " ' 

ahd. mula f. = ahd. mul m. ; ' -' 

ahd. muoza = ahd. muaz m. oder n.; ' ' ' '' ' '*" 

an. ra f., ags. rah f. = ahd. re n.; ' ■niiiM'< j 

ags. straele, ahd. strala f . = ags. strael f. m., mhd.'yti^ iü. ;" ''' 
an. taug (habena, vinculum), ahd. gazawa f. = afr.'iati#,'ütt(McJh'. 

tau n. ■■.•. = 'l-.:f-..-" ^ :.'.ln/. 

Vielleicht gehört auch pine f. = pin m. hierher, wbnn üidtrt s6htiä 

bei der Entlehnung das Masc. pin gebildet worden ti^tör'd^m' Einfluß 

des synonymen, aber masculinen smerzo (über diesen Vorgang s^Wädke^ 

nage]. Kl. Schrift. IH, p. 308). ' ; ' '' "^^ '" " 

mhd. falte = ahd. falt m. ; wenn ahd. auch H^^vä^'^cOiä Hälej^ Öl; 

Bo läßt es sich doch mit Sicherheit aus dem RoiiiUimischeiif it. '^^2^ 

prov. fauda afr. faude erschließen; " '- " '" " ■■' ;"^'"' - 

ahd. ytio^a = mhd. tmoc m.; ' ' " "' ' " " 

ahd. kera = ahd. ker m.; '' '"' ' "" ''"' 

ahd. ruohha = ahd. ruoch m.: ■" ""'' '^ "' '' 

ags. sceav f., ahd. scouwa = ahd. scou ml; ' . "' ••»••/<-([.:»» i.i 

ahd. «40ÄAa = ahd. suoch m.; '■' ''"' ■'^^\' ' ■ ' 

ahd. tot//a = ahd. <(m/m.: .- :• I // ' .n li -^il.;! 

ahd. twdla = mhd. twdl m. (das letztere fasf'üu^ iiii' 'ädV^i^iiü^ 
Ausdruck: sunder twäl, sunder tw&les). 'J ' ■ "' ' "" 

'. . ' ■ 'IM 



*) Bei dögg, rönd, strönd könnte UbrigenB auch das M«|ic. d«# Ursprüngliche 
Min, €hrmmm. IQ, 660. ...,, , ,| : , , .^ ■.^ 

^ So behält abo Osthoff mit seiner Ansicht Pa!Ü'and':brätme !6^tr. m, p. '^ 
g«fen Zimmer Recht. ,,- v -«-^V'. \\y\ ■ -i } 

«KBMANIA. Neue B«ihe. XI. (XXIII. Jahrg.) 18 



274 O. BEHAOHKL 

Die Uleichungen, die zuletzt aufgeHlhrt sind — /o/to bis heAla 

— könneu nicht auf die gleiche Sicherlieit Anspruch erheben wie die 
vorht-rgehendt'n : denn es bo8tchfn neben ihnen Verba desselben Stamme», 
und 8o iHt immerhin müglicli. <iaü eines oder das andere dieser Nomina 
actionis eine Neubildung ist : am wenigsten zweifelhaft ist die Gleichung 
twiile — /kviV, da ttnil fast nur in «idverbialen Ausdrücken vorkommt 

— ebenso wie tr'ui und half»: b<*i einer Neubildung wttro dies sehr auf- 
fällig. Der Zeitpunkt des Übertritts von einem Geschlecht in das 
andere muü natürlich vor das Aufkommen des Artikels fallen. Man 
könnte fragen, wie es kommt, daß nach Abfall des auslautenden <i 
die a-Stämme nicht einfach in die Flexion der weiblichen i-Stämme 
übergetreten, also ihr Geschlecht behalten liaben. Darauf ist zu er- 
wiedem, daU die Berührungspunkt«* mit den weiblichen i-Stämmen noch 
viel geringe^ waren, als mit den a-Stümmen: es traf nur der Nominativ 
Sgl. zusammen: Strand — anst Mit den a-Stämmen war ihnen der 
Nominativ Sgl. gemein: wulf - Strand, ferner stimmte der Dat der 
&-StiUnme zu dem Instrumental der a-Stämme: wolfu — strandu* Nominativ 
und Aceusativ d«*B Plural kommen kaum mit ihrer Übereinstimmung in 
Betracht, da fast alle von mir oben aufgezäldten Wörter nur im Sin- 
gular erscheinen. Also immer noch Wi*nig genug, um den L bertritt 
zu erklären. Man darf deshalb vielleicht noch das Zusammenfallen 
zweier weiteren Fitnneu vennutlien. Ich halte es mit Paul für unzu- 
lässig, (jrlfu als echten Dativ zu betrachten und gleich got gibai zu 
setzen. Nun kann es aber doch einen lautgesetzlichen Vertreter dieser 
got. Form im Westgerm, gegeben haben, der (fefff lauten müßte, und 
9tranti wUrdi* dann auch in seinem Dativ mit den a-Stämmen zu- 
sammengi^tnifTen sein. 

Zu der elM-n besprochenen Kategorie von Doppelwörtem gehört 
nun im Nhd. QiuU*- i^rU. An eine Neubildung des sweiten aus 
dem Vt-rbum tjurlLm int nicht zu d«*nken, da durch eine derartigi' 
Bildungvweise in s«i junger Zeit («/kW ist erst im 15. Jahrhundert be* 
legt, ifurfir einmal im Ahd. in den Diutisca. und Mhd. in Dfg. eben- 
falls i*inm:d' Wi»hl Nomina aetioni^ mit deutlich abstracter Bedeutung, 
aber schwerlich (Joncreta gebildet worden. 

Auch die Doppi-lwOrter Fahrt Fährfr , SUttf - ^"Stätte gehören 
wohl hierher. in<leni auch hier aus einem Paradigma zwei neue ge- 
worden; aber hi«*r iM der Ausgangspunkt tur d<*n neuen Nominativ 
weniger im »Singular, als im Plural /.u suchen . mindestens bei FäkrU^ 
cf. Nibel. »ed. B ) 1*.'{2, «^ <^t: rr *IU vrrtr rrkf^tn* dt-r ttfTr d»trrh den (an. 

l'bi-r Tkiir/ - '/%/*r vergleiche Sievers lieilr. V, 111, Äi 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLINGSWÖRTER. 276 

Von adjectivischen Doppelwörtem^ die hierher zu rechnen sind, ist 
fald — falb ohne Weiteres klar: fahl — fahles etc. ist das Nominativpara- 
digma, wie mhd. tnely melwes zu nhd. MeJd — Mehls wird ; falb hat sein 
h ans den alten obliquen Casus empfangen. Ein vollständiges Analogen 
sa fahl — falb haben wir in dem Verhältniss von nhdtsch. gelb zu 
oberdeutsch gehl — gehler. 

Nicht ganz so einfach liegt die Sache bei ^ocA — jäh, Jah geht 
auf mhd. gäch zurück, das überwiegend adverbial gebraucht wird ; ein 
Ädverbium gähe existiert nicht. Wie kommt es aber, daß gerade hier 
ein Adverbium fehlt? Ist dieses adverbiale gach vielleicht der Rest 
eines älteren Zustandes, wie ähnlich wis, halp^ twal in adverbialen 
Ausdrücken? Und wie erklärt sich das ziemlich häufige Nebeneinander- 
bestehen von scheinbarem a- und ja-Stamm ? Die Antwort auf diese 
Fragen ergibt sich aus einer Betrachtung des Schicksals, das die go- 
tischen u- und i-Stämme im Germanischen gehabt haben: 

g. aggvus (an. öngr) = (ags. ange, enge) — ags. ODge, 

ahd. angi; 
g. hardus (an. hardr) = ags. heard — ahd. harti; 

ahd. hart 
g. hnasqus = ags. hnäsc — ags. hnesce; 

g. qairrus (an. cyrr = kvirr) = md. kurre; 

g. ]>aur8U8 (an. })urr) = ags. \>jt — ahd. dürre. 

Es sind lauter langsilbige Stämme, mit denen wir es hier zu 
thun haben. Nach Sievers' Gesetz muß also im Nom. Sgl. im West- 
germanischen das u abfallen, und f£ir einen Umlaut ist keine Stätte. Dem 
entsprechen hnäsc und hart; thyr stimmt im Auslaut, hat aber aus den 
obliquen Casus den Umlaut erhalten. In den obliquen Casus ist die 
u-Declination wohl überall in die Flexion der ja-Stämme übergetreten 
(fiGbr das An. freilich fehlen sichere Anzeichen dafür) ; die Formen fielen 
also — ausgenommen den Nominativ — durchaus mit der Flexion von 
wüdiy theilweise mit der von hirti zusammen; daher ist es sehr natür- 
Beb, daß die obliquen Casus sich einen neuen Nominativ nach Analogie 
der ja-Stämme bildeten, also angij hertSy hnesce , kurre, dürre. Ags. 
ange ist Contamination aus der lautgesetzlichen Form ang und der 
Neubildung enge. 

I-Stämme, deren Nom. Sgl. im Gotischen belegt ist: 
g. bleij)s = ags. blid (Gr. I, 120) — ags. blfde, 

ahd. blidi; 
g. brüks = ags. br^ce, 

ahd. brühhi; 
18 ♦ 



276 



O. BEHAU H EL 



g. hrains 

g. gamains 

g. (anda)Dem8 
g. reik» 



— aa. hreni; 
ahd. hreini, 
agi. gamaene, 
ahd. gimeini : 
ahd. ^ naetu«*: 

— westg. rikiy 



g. «eis (all. saell) 
g. Hkeirs 



= (Deoto) rieh 

afr. rik, mbd. rieh; 
= ags. 8«1, Hael; 

= aga. scir 
= a«. skir; 
g. suU (=? aD. saetr?) = ags. svet (Leo G3G, 2) — aga. ivete, 

ahd. taoBu 
Wieder uur langsilbige Stämme, in deueii das thematiiche i 
im WestgermaDiftcheii abfalleo mulSte; so tind also Uidp riek^ m4, 
tkir^ irvfi die lautgesetzlieheo Formeu, die auf i sind Neubilduiigen 
nach Analogie der ja-Stämme. Bisweilen ist die Form des alten No- 
minativs nicht diriK^t zu belegen; Meine Existenz verrAth sich aber aus 
der Art der Flexion. Dies ist der Fall im As. , wo bekanntlich auch 
nach langer Silbe j nicht ausAÜlt (einzelne Abweichungen des Cotto- 
nianus können natürlich nicht in Betracht kommen). Wenn also im 
Heliand in der Flexion des Wortes, das ahd. jpriAi entspricht, niemals 
ein j nach A erscheint, au können derartige Formen nur Neubildungen 
von einem Nominativ sp^ih sein; Heyne ist also im Unrecht, wenn er 
gpahi ansetzt als Form des Nominativs; siehe noch Jenaer Liter. Zei- 
tung 1H7H, p. XiS. 

Nach dem Gesagten unterliegt es wohl keinem Zweifel, daü 
aberall, wo bei langer Stammsilbe scheinbarer a-Stamm neben ichein- 
bareui ja-Stamm liegt, wir Entstehung aus einem ursprünglichen i-Stamm 
(oder auch u-Stamm^ anzunehmen liaben. auch wenn dieser nicht dnreb 
das üotischc zu enteisen ist. Also: 

ags. blead, as. bloth (Mon. 4x74) = uh. blo«ti (Cot. ibid.), ahd. blodi. 
ags. theorf = ahd. derbi (im Äs. der N. Sgl. 

unbelegtj ; 
ags. thyn*) ^ ags. thynne, 

ahd. dunni laind. tanos, gr. fvrtr 
{MimXo^), lat. tenuis); 
ags. fiist = ahd. fasti, 

as. ndtscli. und mdtsch. fast. 



*) l>er l'aiUat ttsnat an« dnk i»blM|urn CsMi«. 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLINGSWÖRTER. 277 

got hauns (nur der N. Sgl. belegt^ also Thema unentschieden): 
ags. hean = ahd. honi; 

ags. haest = ahd. heisti, 

ahd. heist; 

ags. hreov = as. hriwi; 

ags. cuse (Leo 357, 23), ahd. kusc = ahd. kuski; 
ags. Iah = ahd. (aba)lagi^ mhd. lacge. 

got leihts (belegt N. Sgl. u. G. Sgl.: leihtis*), lit. lengwus, gr. 

ilaxfig, lat. levis = 
ags. leoht = ahd. lihti, 

ahd. liht 

got rums (nur N. Sgl. Masc. belegt) = 
ags. mdtsch. rum -=£ ahd. rumi. 

ags. rip = ahd. rifi; 

got 8lei})s (nur flectierte Formen belegt) ?= 
ags. slid (Leo 321 , 50) = ags. slide; 

ags. tir, tjr = ahd. ziari; 

mnL traegh, mdtsch. trac = ahd. tragi; 

ags. vaer = ahd. wari, 

ahd. war; 

ags. vrad = mhd. reide, 

as. wred, 
mhd. reid. 

Überblickt man meine Zusammenstellungen, so zeigt sich^ daß 
die weitaus größere Zahl der lautgcsetzlichon Nominative dem nieder- 
deutschen Gebiet angehört, daß auf oberdeutschem Gebiet dagegen die 
alte Form sehr selten ist Nimmt man einfach in der bisherigen Weise 
Goezistenz von a-Stämmen und ja-Stämmen an, so bleibt es unerklärt 
weshalb die letzteren wesentlich dem Hochdeutschen zukommen. Von 
meinem Standpunkte dagegen — und ich betrachte das als eine Probe 
ftür die Richtigkeit meiner Deutung — löst sich diese Frage ganz ein- 
fiftch. Die lautgesetzliche Form wird natürlich da weniger einer Neu- 
bildung weichen^ wo sie häufiger zur Anwendung kommt, sich dem 
Gedächtniss fester einprägt Nun hat ja das ganze niederdeutsche Ge- 
biet drei flexionslose Formen des Adjectivs mehr als das Oberdeutsche : 
dem N. Sgl. M. blinder entspricht blifid, auch N. Acc. Sgl. Ntr. blindez 



*) Leihtis muß nicht Genetiv eines a- Stammes sein; auch der (}enetay der 
SrThemata lautet ganz correct so, cf. skeiris Sk. 46. Sievers in seinen Paradipnen 
Temnithet irriger Weisenden Genetiv hraineis. 



278 O- BEHAGHEL 

ist hlind. Es steht also nicht nur im attribatiTen Verhlltniss die fle- 
xionslose Form viel öfter; ■ondern vor allem erscheint in der pridi- 
cativen Stellung bei singularem Subject die flexionslose Form*): da» 
geutl^ wohl, um die bezeichnete Verschiedenheit von Oberdeataeh 
und Niederdeutsch eq erklären. 

Vielleicht läßt sich nun auch auf eine andere Frage eine Ant- 
wort finden. Den gotischen Adverbien wie alakjo, andaufgOi arvjo ete. 
(Qraro. III, 101) entsprechend, maßte s. B. das Adverb von seboene 
im Mhd. »eherne lauten; wie kommt es nun, daß die adjectivischen 
i-Stämmc niemals Umlaut haben im Adverbium? Darf man diese um- 
lautsloscu Formen als Neubildungen von dem alten Mominativ ans 
betrachten, der ja auch auf hochdeutschem Gebiet einmal muß bestanden 
haben? also tkono, ickone zu skcnt^ 

Zu der in Vorstehendem erörterten Kategorie gehört nun endlieh 
auch die Gleichung, von der wir ausgegangen sind: mhd. gaeh as ga$kej 
nhd jach = ^A. Eine erhebliche Bedeutungsdifierens swischen den 
beiden Wörtern besteht nicht; nur läßt sich sagen, daß jath «vor- 
nehmlich in Bezug auf Seelisches, Verlangen, Begierden** gebrancht 
wird (D. W. IV, 2, 2198), während jäh noch ein gutes Theil mehr 
sinnlicher Bedeutungen umfaßt. Das begreift sich leicht aus der Eint* 
stehungsweise der beiden Formen. Ich habe vorhin darauf hingewiesen 
(p. 271), daß der Subjectscasus mehr die Domaine lebender, speciell 
persönlicher Wesen ist, die obliquen Casus mehr das Gebiet der Sachen. 
Daher mußte jkicA, die Nominativform, häufiger mit persönlichen Wesen 
verbunden werden, als die Formen der obliquen Casos, und somit 
sich eher als diese su rein psychischer Bedeutung entwickeln. 

In den bisher besprochenen Beispielen war das ganse Paradigma 
oder wenigstens der Nominativ Sgl. verschieden. Weniger weit gehl 
die Differensierung in Fällen, wo su einem und demselben Singular 
verschiedene Pluralbildungen bestehen. 

So zunächst Buch ~ liücker, Loik — Lethe, Man — Matae, Ifmd 
— Pfunde f Stück — ÜtUrkef wo stets die erste Form in Maßbestimmangen 

*) lo Bet o|r snf den Non. Bgl. de« itarkta Feminiiui tleheo lieh NMwdsalBsä 
and Ob^rdrQttcb prinripiell fleirh: oarh lani^ilbifra HUffifflCD na& d«r snslsatij« 
Vucal aI fallco. In der Praiia aber bat daa ObcrdeaUche di«M laatfaMtsUeks F^m 
fani aufiTri^eben ; cb«n»o Ut m im Krietiacben antersegangen. 

** >rbwierifkciteo macbt da« VrrbkluüA« von weatf(crni. nemr — mtmri, wi» — 
irt#i IQ f 9T^r§ und -f^, wricbc a-Htänime »iod. Darf man »cboii im Oot. C baiUitt 
an* der n- nder {•Flexion in die a Klexion annebmen? Ferner wie Tarhih Mk 
(fiiye I ; g lag^9, da« a-SUBOB t»t? Mbd ear in mm^ mit fehlendem UmUllt 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLING8WÖRTEB. 279 

gebraucht ist. Die neutralen Plurale des Nhd. erklären sich bekanntlich 
durch den Übertritt in die Flexion des Masculins^ mit dem das Neutrum 
in den ttbrigen Formen ja zusammentraf. Wenn nun in Zahl- und Maßan- 
gaben der alte Plural erhalten worden, so liegt das einmal an der großen 
Hinfigkeit solcher Angaben; es mußte sich dadurch die Form dem Ge- 
dächtniss besonders fest einprägen. Dazu kommt, daß bei Zahlenangaben 
der Singular natürlich im Verhältniss sehr selten ist; ebenso findet der 
Qem Fl. kaum Anwendung ; es ist also der Dativ PI. die einzige Form, 
welche die Maßbezeichnungen mit dem Masculinum gemein hatten; 
diese reichte nicht hin, die Wörter in die Flexion der a-Stämme hin- 
Qberzofllhren; sie unterlag selbst der überwiegenden Macht des N. 
and Acc Plur., so daß heute deren Form auch für den Dativ gtdtig 
ist. Ja das so entstandene indeclinable Wort dehnt seinen Einfluß 
noch weiter aus: auch Masculina werden jetzt in Zahlbestimmungen 
ohne Flexion angewendet, während im Mhd. und noch im altem Nhd. 
der echte Plural steht. Dadurch erhalten wir weiter folgende Glei- 
chungen : Fuß — Fü88e, Schuh — Schuhe^ Zoll — ZoUe. Auch der alte 
Plural Mann bleibt erhalten neben den Neubildungen Männer imd 
MüKMn. 

Beide Pluralformen sind Analogiebildungen in Bande — Bänder, 
Dinge — Dinger, Lande — Länder, Tuche — Tücher ^ Worte — Wörter. 
Auf die alten flexionslosen Plurale der Neutra wirkten zwei Analogien: 
die der Neutra mit Pluralbildung auf ir, und zwar dies schon seit dem 
Mhd., sowie die der Masculina. Warum das eine Mal die eine, in 
einem andern Wort die andere gesiegt, wird sich kaum sagen lassen. 
Auch gehören beide Bildungen sowohl dem oberdeutschen als dem 
mitteldeutschen Gebiet an, höchstens ist der Plural auf -e mdtsch. 
etwas häufiger als oberdeutsch. Soviel ist jedenfalls sicher, daß der 
Plural auf -er das eigentlich Regelmässige und dem Sprachgefühl 
Geläufige ist, auch im Volksmund immer mehr Fortschritte macht. 
Plurale wie Bandcy Dingen Lande wendet das Volk nicht an, eben weil 
sie abnorme Flexion haben. Daraus erklärt sich schon, weshalb ihnen 
die gewähltere mehr poetische Bedeutung zukommt. Man darf sogar 
sagen, daß derartige Plurale gar nicht mehr als die Plurale der Ein- 
seidinge Band, Land, Wort deutlich gefühlt werden; daher kommt es, 
daß diese Wörter nicht sowohl eine Summe von einzelnen Dingen be- 
seichnen, als vielmehr collective Bedeutung haben. 

Für die beiden abnormen Pluralbildungen Männer — Mannen bietet 
sich mir keine befriedigende Erklärung, noch viel wenige/ für die 
Bedentungsvertheilung. 



280 O* BEHAGIIEL 

Zwei andere Paare von Pluralbildungon : Orte — Orter^ SehiUe -^ 
Schilder hängen zusammen mit dem zwiefachen Geschlecht des Wortes : 
der Ort — doJi Chi^ der Schild — dae SchiUL Die gleiche Art von 
Scheidung noch in der Aniheil — das Antheil, der Gehalt — das Oekali^ 
der Verdienst — dcu Verdienst^ der Zeug — das Zeug. Ort war im Qerm. 
unzweifelhaft Masculinum, da das Altnord, und das Westgermanische 
mit Ausnahme des Ahd. in diesem Geschlecht zusammenstimmen; im 
Ahd. ist wi masc. und neutr., Theil^ im ahd., mhd. masculin und neu- 
tral, ist ebenso sicher ursprünglich Feminin, cf. got. dails, lit dalis, 
altsl. dola, alle drei weiblich. IHenet ist ebenfalls schon im Ahd. mas- 
culin und neutral. Oehalt ist ganz moderne Neubildung. Sekild ist 
ursprünglich Masculinum, erst seit dem 16. Jahrhundert begegnet auch 
das Neutrum. Zeug ist Masculinumi das Neutrum findet sich nicht früher 
als im Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Art und die Zeit der Dif- 
ferenzierung ist also sehr verschieden, und es kann von einer einheit- 
lichen Erklärung der verschiedenen Ffille keine Itede sein. Überhaupt 
ist eine Erklärung derartigen Geschlechtswechsels sehr mißlich, da 
vielfach psychische Motive, Umgestaltung der AnschaunngeSy der Auf- 
fassungsweise hereinspiolen können (Gr. III , 551^. Nur filr zwei 
meiner (tleichungen mag vielleicht aus der (fcschichte der Flexion ein 
Grund nachgewiesen wenlen fllr das Schwanken der Geschlechter. Ein 
solches tritt nämlich dann besonders gern ein, wenn die ursprüngliche 
Flexion und das ursprüngliche Genus aufgegeben wird. Das gilt nun 
von teil, das sich zu g. dails f. verhält wie as. alah m. zu g. alk» f., 
ahd. aran m. zu g. aean f , as. hem st m. und n. zu g. kaiwu f., ahd. 
warn m. zu g. vetu f. (ags. ven f.), und diese entstanden wohl in Ahn- 
licher Weise wie die p. 27.'i besprochenen Masculina. Daß aaeh dih 
no$t seine ursprüngliche Position aus formalen Gründen verloren habe, 
wird dadurch wahrscheinlich, daß die zwei mit demselben Suffix ge- 
bildeten anguet und emuet ebenfalls Schwanken zeigen : anguet ist Masc. 
und Fomin., emusi ist im Ahd. M.» F., N.» im Ags. F.; An. entspricht 
wohl dss schwache Feminin orroHa, wie dem ahd. dianostf an. tkÜH 
nueta sw. f. Wir dürfen darnach auf ein Femininum als Ausgangspunkt 
schließen, und zwar eines, das nicht a-Stamm war — sonst halte sich 
kein u im Suffix erhalten — das auch nicht der i-Flexion angehörte, 
denn wir finden nirgends einen Umlaut im Suffix ; auch hätte das An. 
einen weiblichen i-Stamm kaum aufgegeben. Das gleiche gilt von einem 
consouantischen Stamm, denn die consonantische Flexion ist im An. 
noch in vollem Hör und hat theilweise sogar vocalische Stämme in 
ihre Analogie hereingesogen (cf merkr, spengr, stengr, tengr Wim* 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLINGSWÖRTER. 281 

mer §. 57, Amn. 1). Es bleibt somit nur noch der weibliche u-Stamm 
als Ausgangspunkt für die verschiedenartigen Entwickelungen. 

Für den Übergang von ort ins Neutrum könnte ende maßgebend 
gewesen sein, wenn nur nicht dieses selbst ursprünglich männlich 
wäre. Bei Schild ist das Neutrum wohl unter dem Einfluß von Bild 
entstanden^ dem das Neutrum ja auch in der Bedeutung nahe steht: 
wentum ist nur der Schild; affiche und überhaupt^ was mit Zeichen oder 
Malerei versehen, ist das Schild , soweit nicht auch hier das Masculin 
angewendet wird. Denn von einer vollständigen Differenzierung der 
Geschlechter nach den verschiedenen Bedeutungen ist bei keiner 
nnserer Gleichungen die Rede. Das Neutrum Zeug dankt wohl dem 
Einfluß von Gezeug sein Dasein; dieses selbst, ursprünglich auch mas- 
culin, wurde neutral unter dem Einfluß von geziuge, überhaupt der zahl- 
reichen mit ge- gebildeten coUectiven ja-Stämme sächlichen Geschlechts. 
'^ Auf verbalem Gebiet begegnen wir zunächst einigen Gleichungen, 
die durch das Fehlen oder Vorhandensein des Umlauts bedingt sind. 
Doppelte Praeteritalbildung liegt vor in sandte — sendete^ wandte — 
wendete. Die zweiten Formen sind die nach der gewöhnlichen Regel 
gehenden, die geläufigen: somit bleibt sandte^ wandte der gewählteren 
Sprache^ ohne daß eine eigentliche Bedeutungsdifferenz hervortritt 
Doppelte Gestaltung des Participiums Praeteriti haben wir in bestellt 
"^bestallt'*); durchleuchtet — durchlaucht] erleuchtet — erlaticht; gesendet 
— gesandt; getröstet — getrost; gewendet — gewandt. Hier sind die 
Formen mit Umlaut die echten, ursprünglichen, die Nominative ohne 
Umlaut sind Neubildungen nach den obliquen Casus (Seiler, Be- 
nedictinerregel, Beitr. I, 456). Zugleich aber sind die Formen mit 
Umlaut auch die vom Systemzwang verlangten, denn nach der ge- 
meinen Regel ist das Participium Praeteriti =: Präsensstamm plus et. 
So sind also die ältesten Formen doch die durchaus üblichen, fast 
ausschließlich zur Anwendung kommenden; daher werden die Formen 
ohne Umlaut gänzlich aus dem System des Verbums hinausgedrängt, 
verlieren die verbale Bedeutung und gestalten sich zu Adjectiven. 
(Nur gewandt, gesandt werden auch^ wenn gleich selten, verbal gebraucht) 
Ebenso zu beurtheilen ist die Gleichung gelehrt — gelahrt, die ich viel- 
leicht besser erst später aufführen würde , da karte, larte, gekart, gelart 
doch fast ausschließlich mdtsch. sind, wir es also mit Wörtern ver- 
schiedener Dialekte zu thun haben. 



*) Aus besialU wird neugebildet das Verbum hettalleny zu dem beHalU danu als 
Psitieip eneheint. 



282 ^ REHAQHEL 

Von den Doppelfonnen hub — hobf $elnpw — §chw&r lind wdneor 
und höh wohl als Analogiebildungen nach frefte — wob — gewobe n ^ 
wäge — tcog — gewogen zu fassen. Wieder haben die Neubildungen 
die urspri&nglichen Formen so zurückgedrängt, daß diese bald nur 
noch in der gewählten und poetischen Rede zu finden sein werden. 

Erhalten — erhoben %'erhält sich wie bettaUi — be$ieUi etc., d. h. 
die eine ist ausserhalb des Systems gesetzt worden und gilt nur noch 
als Adjectiv; erhoben ist gebildet nach gewoben^ gewogen. 

Bei tcard — wttrde ist eine wirkliche Scheidung der Bedeotmig 
nieht eingetreten; nur das läßt sich wohl behaupten, daß die neuge- 
bildete, somit gewöhnlichere Form wurde in poetischer Rede nicht sor 
Anwendung kommt 

Ganz anderer Art, als die bisher besprochenen Doppelwitater, 
die durch mannigfache Ausgleichung im Uebiete der Flexion ent- 
standen, sind diejenigen Fälle, die dem Gebiet der Wortbildung an- 
gehören, bei denen die Doppelung auf dem Verfalltniss der Ableitung 
zu dem Wort, von dem abgeleitet wird, der Zusammensetsnng sn dem 
Simplex beruht. Von Ableitungen gehören hierher /cul — /est (Adv.); 
eehon — schön (Adv.): Oulden — golden; hübsch — h9fwch^ an Zusam- 
mensetzungen .imiiuiiiii — j4fii/iiiaiifi ; als — also; DritUl — Driäkeil; 
jetzt — jetzo: Jungfer — Jungfrau; Urtel — UriheiL Jeweils die erste Form 
zeigt uns die alten Wortgebilde in der Gestalt, welche sie unter dem Ein- 
fluß der Lautgesetze annahmen; in der zweiten Reibe erscheinen die 
gleichen Wörter, aus donselb(*n Elementen bestehend, nach den nia- 
liehen Principien gebildet (ich lasse hier den dunklen Punkt betrefls 
dcH Rürkumlauts in den Adverbien ausser Acht), aber von urtprflng- 
licherem Aussehen. In der That jedoch enthält die zweite Reihe die 
jüngeren Formen, beruhend auf beständiger Neueneugung, auf tuiab» 
lässiger Wiederanlehnung an die ursprünglichen Elemente. Ana diesem 
formalen Verhältniss ergibt sich mit Noth wendigkeit die Thatsaebe, 
daß, soweit Oberhaupt Differenzierung der Bedeutungen vorliegt, die 
Neubildungen, die fortwährend mit ihren Bestandtbeilen Fühhing be* 
halten, auch die ursprünglichere, dem Simplex näherstehende Be- 
deutung haben; daß dem in unseren Beispielen wirklich so ist» brauche 
ich im Einzelnen kaum nachzuweisen. 

Noch im 16. Jahrhundert finden sich fast und sekom als die or* 
ganiscben Adverbien zu fest und sehoen , obwohl daneben schon fmi 
und schön bestehen; im 17. Jahrhundert sind die letateren allgemein. 

Die Bedeutungsschvidung von Ammann und Awänyum geht ins 
Mhdtscfa. zurück ; schon dort bedeutet Ammanm pUrtheilap r e ch ende 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLING8WÖRTER. 283 

QeriohtoperBon'', „Vorsteher einer Gemeinde^ (Lexer), eine Bedeutung, 
die AmJtmiomnj bo viel ich sehe, niemals hat. In unserem heutigen Nhd. 
itl Arnmann fast Fremdwort, zugleich mit seinem eigenthtlmlichen Be- 
griff aus der Schweiz überkommen« 

Auch als und also beginnen schon im Mhd. in ihrer Function 
sich zu scheiden, und zwar ist schon damals als die herrschende Form 
ftr die relative Bedeutung, also wird überwiegend demonstrativ ange- 
wendet; nhd. ist aUo gar nicht mehr relativisch, als hat in älterer Zeit 
noch in seltenen Fällen demonstrativen Sinn (Sanders in Herrig's 
Archiv XX, 61). als zu also verhält sich genau wie jetzt zu jetzo. Aus 
aUo und tezuo wird unter dem Einfluß der Tonverhältnisse alse — als 
und iete — tez; also und jetzo stanmien aus späterer Zeit, wo der Ao- 
oent nicht mehr den gleichen Einfluß auf die Umgestaltung der weniger 
betonten Silben hatte wie früher. 

Das DW. sieht in der Form Jungfer gegenüber Jungfrau eine 
Verkürzung der Sprache des gemeinen Lebens (TV, 2, 2381); das ist 
an sich möglich, aber nicht noth wendig, man müßte denn in Drittel 
Jmnker, Nachbar auch eine solche sehen wollen. 

Hierher gehört eine ganze wichtige Gruppe von Compositen, die 
Partikelcompositionen. Als Repräsentanten verzeichne ich zunächst 
■wei Beispiele: Urheber — Erheber^ urtheilen — ertheilen, Urheber ist 
Nouiinalcomposition , oder geht wenigstens von einer solchen aus, Er^ 
keber ist Ableitung der Verbalcomposition erheben; ertheilen ist echtes 
Velrbaloompositimi , urtheilen abgeleitet von der Nominalcomposition 
ürtheiL Daraus nun ergibt sich der Unterschied in der Gestalt der 
PrAefize, denn in der Nominalcomposition haben die Partikeln, in der 
Verbalcomposition das Verbum den Ton, so lautet ein Gh'undgesetz der 
deutschen Betonung. Aber dieses gilt nicht ausnahmslos, denn wir 
haben noch eine weitere Ghruppe von Doppelwörtem, als deren Ver- 
treter dienen mögen : bestehen = beistehen ; durchlSsen =- düreUesen ; 
MergSken =^ übergehen; umgShen = umgehen; unterstehen = unterstehen] 
verfallen = vorfallen. Wir haben somit 3 Momente in der Partikel- 
oomposition zu unterscheiden: Nominalcomposition mit Accent 
auf der Partikel, Verbalcomposition mit Accent auf dem 
Verbum, Verbalcomposition mit Accent auf der Partikel. 
Im ersten Moment liegt gar nichts aufiallendes; es ist hier einfach die 
bei aller Nominalzusammensetzung geltende Accentregel gewahrt, wo- 
naeh stets der erste Theil des Compositums den Ton trägt Um so 
aaffidlender, ist das verschiedene Verfahren in der Verbalcomposition. 
Wir dOrfen a priori vermuthen, daß der Unterschied auf zeitlicher 



284 <^ UKIIAGIIKL 

Differenz der Uilduii^eii beruht. Dazu stinimoii cli« hittorischon That- 
{»aclieii: tlitrh, uinir, nntnr sind im Ahd. tust durchweg; uutrcnnbar uiid 
tieftoni^ \fttri und umhi äiud äehoii schwankend), cf. Lachmaon, Kl. 
Schriften I. .'(titi ff., wülirond im Mhd. die trennbaren Compositiunen 
mit betonter Puilikel »ehon ;;Hnz ^gebräuchlich sind. Femer: im Nbd. 
ist es nicht mehr mn^lieh, aus IVaepositionaladverb + Verbum untrenn- 
bare Compositionen mit tieftoniger Partikel zu bihlcn — soweit nicht 
schon Vorhandene iiildun^en das Muster abp*bcn können; ein beilrgt^, 
varftihr ist undenkbar. Endlich: die Verba mit untrennbarer, tief* 
tonipT Partikel haben mehr ^eisti^e, der ursprunglichen Ueltung feme- 
stehende Bedeutung y diejenigen mit trennbarer die sinnlichere Be- 
deutung. Aus dem Allem ergibt sieh zweifellos, daÜ die Compostta 
mit untrennbarer y tieftoniger Partikel einer früheren, die trennbaren 
("umpobita einer jüngeren Kildungsperiode angehören. Die Entate- 
iiungszeit der crsteren lül:t sieh nocii etwas ntther umschreiben. Der 
Terminus /KJjrf «/ik-fh iüt natflilieh die germanische Accentvcrscbiebung : 
Bildungen vor dieser Zeit mUüten später den Ton auf der ersten Silb«* 
hab«*n. Der Tenniuus antir «pi^ni ergibt sieh aus einer ■yntactischcn 
Erwägung. Es ist woiil allgemein anerkannt. dalS jedes heutige Com- 
positum. fii>weit es nicht junge Nachbildung älterer Muster ist, auf ein 
un«prikngliches Juxtapo.situm zurückgeht. Ein (Kompositum wie du über- 
ircilmi ist also nur denkbar, wenn es eine Zeit gab, in welcher daa Ad- 
verb heiiieni Verbum nicht wie heute nachfolgte, tondcm voraus- 
ging. Di(»se durch unsere (Vimposita verlangte Wortstellung ist aber 
genau difjeni:;e. die un» noch heute im N(*beiisatz vorliegt, und wir 
erh:ilten ."^omit den wichtigen Satz: die ursprüngliche deutsche 
W urtstellung ist nicht die des heutigen Ilauptiatsos, son- 
dern die d«*:t heutigen Nebe n sat ze .•«. Die Ausbildung der spitercn 
Wnrtfiilge un llaupt^atz ist also der Zeitpunkt. v(»r dem die untrennbaren 
i*<impi»0ita sieh gebildit haben. Nun wisH(*n wir, daO in praepo- 
.*titi*iiiah*n Verbindu!igt*n keineswegs ursprUnghch die Prmeposition es 
ist. Wflelif z. U. die Trägerin einer bestimmten localen Beziehung ist, 
doiidrrn dal: di«*se ursprtln^lieh dem betreffenden Casus zukam; ent 
spater stellt!' »ich das Bedürfuihs heraus, dt-n etwas vieldeutigen Inhalt 
des Ca.-^u.'^ naher zu bentimmen, und dietio hpeeielle F^ärbung geschah 
durch ein Aiiverbium : ^ir haben somit folgende Wortgruppe: Nomen, 
Adverb. Verb, ganz wir wir im (triechischen die sog. nachgestellte 
Praeposition haben: vaöv am* /p|«rAi. In beiden Sprachen entsteht 
dann durch Juxtap«»siti«>n von Adverb und Verb das Compositum: iigAt 
— ajio«^X4fsu. Noch im heutigen Deutsch haben wir 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLINGSWÖRTER. 285 

■ 

näheren Deutung eines Casus durch nachstehendes Adverb; wir können 
sagen: er schlief die ganze Nacht, den ganzen Tag gteng er spatzieren^ 
aber auch: er schlief die ganze Nacht durch, er gieng den Tag über 
spatssieren. Stellen wir die alte Wortfolge her: er, der die Nacht durch 
9ehliefj so ergibt sich^ daß die zwei Haupttöne auf Nacht und schlief 
liegen, während durch nur einen Nebenton hat, und zugleich haben 
wir hier ein vollkommen treues Bild von der Art und Weise wie zu 
der Zeit, als diese Wortfolge die alleinherrschende war, unsere un- 
tarennbaren Composita entstanden. Denn der die Nacht durch schlief 
iit YoUkommen identisch mit: der die Nacht durchsehlief Durch die 
Annahme, daß die trennbaren Composita in viel späterer Zeit als die 
untrennbaren entstanden sind, erklärt sich nun auch, wesKalb im 
Participium Praeteriti das Praefix ge- eingeschaltet wird. Wären die 
trennbaren Composita aus den untrennbaren durch eine Verschiebung 
des Accents hervorgegangen, so ist nicht einzusehen, warum nicht aus 
überlegt ein überlegt sollte geworden sein, wie aus überlegen überlegen» 

Daß mit der späteren oder früheren Entstehung der Composita 
die Differenzienmg in mehr sinnliche und mehr geistige Bedeutung 
Eusammenhängt, ist schon bemerkt worden. Am weitesten geht in 
unserer Gruppe die Scheidong bei durchtrieben — durchgetrieben, indem 
die ältere Bildung hier nur noch Adjectiv ist und das zugehörige 
Verbum durchtreiben gar nicht mehr existiert. 

Eine vereinzelt stehende Art der Differenzierung ist es, wenn ein 
Stamm volksetymologisch an einen anderen angelehnt wird; so erhalten 
wir die Gleichung: {ver)theidigen = (be)thätigen (s. DW. I, 1699). 

Und nun eine Reihe von Doppelwörtern, über deren Ausbildung 
ich nichts Befriedigendes vorzubringen weiß: 

Bett — Beet: nach dem früher (p. 263) erwähnten Gesetz kann 
mhd. bette im Nhd. keine gedehnte Stammsilbe erhalten, also ist Beet 
lantgesetzlich nicht zu begreifen; auch für die Annahme einer Form- 
übertragung bietet sich kein Anhalt. Das DW. (s. v.) erklärt Beet für 
eine Erfindung des 16. und 17. Jahrhunderts, also für ein Product 
grammatischer Willkür, und es mag mit dieser Deutung Recht haben, 
da Beet im Dialekte kaum gebraucht werden dürfte. 

Knabe — Knappe imd Rabe — Rappe: die Entstehung des dop- 
pelten pp ist mir gänzlich dunkel. Wenn Weinhold Mhd. Gr. §. 152 
aagt: ^doppeltes p ist in einzelnen Fällen Verhärtung von b, so in knappe 
rappe zur Differenzierung der Bedeutung^, so ist das unrichtig, denn 
ursprünglich läßt sich auch nicht der geringste Unterschied in der 
Bedeutung der beiden Formen nachweisen, die formale Unterscheidung 



286 O. BEHAOnEL 

geht al0o der der Bedeatangen vormiu. Ebentowenig ist gewoDiMD, 
wenn man von conionantischer Steigemng sprieht 

Magd — A/aid: Paul meint , es könne vielleicht hier ein Ver- 
hältnist vorliegen, wie bei gibrennü — gebranUr^ alio : diu mag$d — dtr 
Wieide. Damit scheinen mir aber die Thattachen nicht su itimmaB. 
Denn die cuntrahierte Form erscheint an Stellen, wo dwrehaiu keine 
weitere Silbe mehr auf die Contractionsiilben folgt , auch eine Ober- 
tragung kaum denkbar ist, so in du 9ei$t^ er miV, du treitt, er Irfiir 
(■chon bei Notker, Qraff V, 498), so in ^eseif — denn fleetierte Fonneo 
dieses Particips kommen wohl kaum vor — so besonders in gmm fltr 
gegen. Gehört Maid den mittel- und oberdeutschen, Magd den nieder- 
deuUchen Dialekten an? 

Schauem — iSehaudem: die gleiche Entwickelung einea d vor r 
liegt vor in McUaudem = sluren und kaudem = huren; schwerlich ge- 
hört sie irgend einem bestimmten Dialekte in der Weise an, daO jedes 
alte ur zu auder in demselben werden mdUte, denn Bauder flir Bammr 
spricht man meines Wissens nirgends. Entsteht dieses d vielleicht nur 
unter der Bedingung, daß auf r noch ein Consonant folgt? Dann würde 
8. B. in Trauer sich kein d entwickeln können, und der Einfloß dieses 
Substantivs wtlrde den Mangel eines d in trauern erklären. In Bamer 
wäre der Nominativ fllr die Übrigen Casus maßgebend gewesen , wie 
wir dies ja schon früher bei Personalsubstantiven geüinden. 

Nicht ganx sicher bin ich , ob man Reiter — Ritter wirklich als 
Doppel Wort beceichneu kann. So viel ist jedenfalls klar, daß nan 
nicht sagen darf, wie man wohl gethan hat, in ritter sei I von fiier 
verkUrat; ein solcher Vorgang ist unmöglich. Oab es von Anfang an 
nur eine Bildung mit langer Stammsilbe, so verdanken wir die Kurse 
einer Kinwirkung der F^orm des Verbums nlf/m, wie es im Praeleritam 
Plural und im Particip erscheint. Einfacher aber ist es, geradaso 
swei Ableitungen anxnnehmen. eine vom Praesens, eine vom sebwadhcB 
Praeteritalstamm . 

Zweifelhaft sind auch die Oleichimgen, die sich aiu J. Sehmidt's 
Nasaltlieorie , aus Vocalismns I erg«*ben , also s. B. Uinkem — hlfickm 
(a. a. n. p 65), dumm — taub ip. 172), {G€)ring — leiehi (p. fi2X 
9€hbifen -- eehleiftm \\\. Iti3\ eeUingen — echleichen (p. 54), slatiW — 
tiapfen (p. 155). tunken — tauchte (p. lt>H). Noch mehr der Art bei 
Zimmer. ZeiUchrift ftlr deutsches Alterthum XIX, 409. Aber winn 
diese Aufstellungen anch Über allen Zweifel erhaben, so brauchtaa wir 
doch noch nicht wirkliche lautliche Dop pelent Wickelung anaiiDehaeB. 
Bs ist die Möglichkeit vorhanden , daß luter bestimmten Aeeeal^ 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLINGSWÖRTER. 287 

verlilltiiisBen der Nasal geschwunden, unter anderen^ in anderen Formen 
des gleichen Wortes sich erhalten. Jede der beiden Formenreihen 
ergänzte sich alsdann zu einem vollständigen Paradigma. Etwas Ahn- 
liches haben wir ja in fahea = fangen. Die Übereinstimmung sämmt- 
lieher deutscher Dialekte beweist, daß im Praesens der Nasal ge- 
gehwunden war; ebenso sicher ist es^ daß im Praeteritum, mindestens 
ftr den Plural, die nasalierte Form galt: fangen ist daher ein neu- 
gebildetes Praesens zu d^n nasalierten Praeteritum. Über das un- 
bewußte Streben ; die Formen des Praesens und des Praeteritums ein- 
ander möglichst zu nähern, spricht J. Schmidt, Voc. I, p. 49 '^). 

Alle bisher erörterten Doppelwörter waren der Art^ daß die Ent- 
wickelung beider Größen innerhalb einer und derselben Sprachgruppe 
vor sich gegangen war. Häufig aber tritt auch der Fall ein, daß ein 
und dasselbe Wort in Folge irgend welcher historischer Thatsachen 
zwei wesentlich verschiedenen Kreisen redender Individuen angehört^ 
somit abweichenden Gesetzen fUr seine Lautgestaltung unterliegt und 
sodann in der Form^ die es auf dem einen Gebiete erhalten , in das 
andere hinübergenommen wird: damit ist das Doppelwort fertig. 

Ein solches Paar von getrennten Sprachkreisen bietet uns der 
Gegensatz der Gebildeten und Ungebildeten^ aus dem sich der Gegen- 
sats von gelehrter und volksthümlicher Entwickeluug ergibt. Auf dem 
Gebiete der Muttersprache ist dieser Unterschied von verhältnissmäßig 
geringer Bedeutung; von Doppel Wörtern, die aus demselben hervor- 
gegangen, kann man Dinge wie sich ereignen — eraügnen^ Hülfe — 
Hilfe j wirken — würken anführen. Femer gehört hierher 

Abenteuer — Äventiure-, aUerdings gehen sie beide auf ein Fremd- 
wort zurtlck, aber die Entwickelung — soweit man von einer solchen 
reden darf — hat sich auf deutschem Boden ohne weiter fortgesetzten 
Einfluß des Fremdworts vollzogen. Abenteuer ist natürlich die volks- 



^ Am SchlnBse dieses Abschnittes mögen anhangsweise noch zwei ahd. Doppel- 
werter erwähnt werden: beide = hede und leisa = lerä. Das Compositum beide maG 
eptrtanden sein sa einer Zeit, als auslautendes ei im Ahd. noch nicht zu S werden 
maßte; neben beide muß dann bat fortgedauert haben bis zu der Zeit, wo jene Ver- 
dichtung eintrat: dann konnte als neues Compositionsproduct bede entstehen. Germ. 
loüo kann lautgesetzlich nicht zu lera werden, nur zu leisa. Neben laita bestand 
aber das Yerbum lautjan und hier ist die tönende Spirans am Platze, das Verbum 
ttbertmg diese auf das Substantiv in den Fällen, wo seine Bedeutung der des Verbums 
nahe stand, und leiza mußte nun zu lera werden. Also wieder die Verschiedenheit 
der Bedeutung das erste, die Formscheidung deren Folge. 



288 <>• HEHAGHKL 

thümliche UmgesUltUDg , Anrntiure beruht auf gelehrter Entlehnung 
auH untorer klteren Sprache. 

Am »türksten zeigt sicii jeuiT Uegonsatz in der Behandlang von 
Fri'mdwört«*m ; die vdlksthüiulicbe Entwickelung stellt deutsche Laut- 
gruppen , deutsch«' Betonung her, ändert das Uenus der Nomina; der 
(tchildettf steht unablüssig unter dem Einfluß des ihm bekannten 
fremden Wortes und sucht das deutsche Lehnwort seinem Vorbild 
möglichst ähnlich zu erhalten*). Hierher rechne ich folgende Wortpaare: 

AmjHst — Aiiofist : der Personenname ist im Munde von Jedermann, 
gebildet und un;;ebildet; f)lr den Monatsnamen hat der Volksmund 
vielfach andere Bezeichnung. l>ie Erhaltung des fremden Accentea in 
letzterem ist offenbar auf die Sitte der lateinischen Datierung aurllck- 
zuftihrcn. — Hanner — Pannitn-: woher das anlautende p im iwciten 
Wort? — iMmi Afltirm. — /W Moment — das Moment: der Moment 
hat sein männliches Uetchlecht wegen des gleichbedeutenden Augen' 
Mick, ' Drr liitin — r/iV limnf: es ist nicht mit Sicherheit au ent- 
scheiden, weshalb liuin männliches Geschlecht hat; Wackemagel ver* 
inuth«*t, wegen des synonymen stürz (Kl. Schriften III, 906). 

In den beiden letzten Fällen ist die verschiedene Form die Folge 
der verschiedenen Bedeutung, ebenso in Atigust — Angust. In Lärm 
— Allann liegt die Sache so — und das ist sehr natürlich — , daß 
die F^orm, die länger in Beziehung mit dem französischen Original 
gestand«*n. iiucli in der Bedeutung diesem näher geblieben isL An 
Bnnifr -- ranni»nr bewahrheitet sich die früher gemachte Beoierkimg, 
datS die dem Volksmund geläufigere Form, die der gewöhnlichen Kegel 
mehr entsprechende, auch die gewöhnlichere, hier die sinnlichere Be- 
deutung hat, währiMid die fremdere Uestalt, I^znnier, nur im tlber- 
tragenen Sinn f»der in der Poesie erscheint. 

Ich komme zu denjenigen Dopppelwörtem , welche nraprOngUch 
verschiedenen Dialekten nder Sprachen angeboren. 

Der Kntlehnung aus dem Mittel- und Niederdeutschen verdankan 
wir folgende Paare: Athrm - OtLnn. — i4ti«r(ochse) — Ur. — Bntmnm — 
liom. — Ihtune iPiinf, — ehe — eher: in mhd. Zeit schon gehOrt er 
wesentlich dem mdtsch. Ciebiet an, Mhd. W. 1. XM, « M, Weinhold, Mhd 
(ir. §. VXk jrut -^frtt. - KUifter - Lichter: ist zweifelhaft; Hilde- 
braud im 1)W. ö, inM hält an der IdeutiUt fest, allein das fehlende k 



*> Au^ diricm Widentreit «IcuUcber oiiil frcoider WeUc f«lieo aoek 4i« 
Sck«siikub^co ilcr Bctononir b^i den FirBid«Aricni in Mbd. honrur. 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLINGSWÖBTER. 289 

im Anlaut des zweiten Wortes macht doch erhebliche Schwierigkeit. 

— kneifen — kneipen : kneifen selbst ist wohl bloß in das Hdtsch. über- 
setEtes kneipen, so Jänicke (die ndtscli. Elem. i. uns. Schriftsp.) und 
Hildebrand DW. V, 1402. — Lache — Lacke. — lüften — lichten. — nah 

— (ge)fiau; s. Mülleuboff, Ztschrft. für dtsches Alterthum XIII, p. 575. 

— Natter — Ottei\ — nun das Nu : nun gehört dem Oberdeutschen, 
speciell dem Alemanuischen au, Weinh., al. Gramm, p. 293. Überhaupt 
„begegnet Nasalierung im Md. seltener als im Obd.^ Weinh.^ Mhd. 
Gr. §. 199. — Beihe — Biege, — {a.\xQ)rotten — roden\ rotten selbst ist 
wohl erst aus dem Ndtschen ins Hdtsche übersetzt ; mit mdtsch. 
roten, roden das hdtsche. reuten zu vereinigen, wie Lexer II, 472 thut, 
ist unzulässig. — sanft — sacht. — /Schaß — Schacht. — scheuchen — 
scheuen: die germanische Grundform ist skiuhvjan^ cf. ital. schivare^ 
afr. esquiver. Das Oberdeutsche erhält die gutturale, das Nieder- 
deutsche die labiale Spirans, s. Mttllenhoff, Zeitschrift für deutsches 
Alterthum XIII, p. 575. — schlecht — schlicht. — schleifen — schleppen. 

— schnauhen — schnaufen : das erste aus dem Md. snuhen , das zweite 
aus dem Ndtsch. snuven, Weigand II, 616. — Der Schnupfen — die 
Schnuppe. — Der See — die See. — Spieß — Spinet (Bugspriet) : woher 
der Ausfall des r im ersten Worte? — Staffel — Stapel. — sühnen — 
(YGr)8Öhnen. — Teich — Deich. — Waffen — Wappen. — Hierher auch 
Wahn = {kx^)wohnf — Wasen — Rasen. Werk — Werg. 

Über die Btjdeutungsdiffereuzen läÜt sich bei den vorliegenden, 
auf local getrennten Gebieten entstandenen Wörtern begreiflicherweise 
wenig sagen. In einigen wenigen Fällen : Athem — Odem^ Brunnen — 
Barn läßt sich wieder die Wahrnehmung machen, daÜ die dem Sprach- 
bewußtsein fremdere, d. Ii. die aufgenommene Form, auch seltner, in 
gewählterer Rede zur Anwendung kommt. Auch für schleckt — schlicht 
mag dies noch gelten und hierin der Grund liegen, weshalb nur das 
erstere, nicht aber das zweite Wort eine pessimistische Bedeutungs- 
entwickelung erfahren hat (zu dieser vgl. Bechstein, Germ VIII, 330)- 

Die Difierenz von ehe — eher läßt sich so fassen, daß die Form, 
welche die comparativische Gestalt noch deutlicher fUhlen ließ, auch 
die deutlich comparative Bedeutung hat, während ehe als Conjunction 
verwandt wird. 

Entlehnung des einen Wortes aus dem Englischen liegt vor in 
etreichen — streiken. 

Durch Paarung eines aus dem Lateinischen aufgenommenen Wortes 
mit dem urverwandten deutschen ergibt sich die Gleichung Vater — 

OBRIUMU. Neac Belhe XI. (Xim. Jahrg.' 19 



291) O. BEHAQHEL 

Batke ; Pathe aus pater erklärt sich in seiner LautgesUltong durch den 
Einfluß des gleichbedeutenden deutschen tote. 

Ein eigenthamliches Spiel des Schicksals ist es, wenn deutacfae 
Wörter in die Fremde gewandert sind, dort fremde Gestalt angenommen 
haben und wieder in das Deutsche surtickkehren , wo sie ihre Ue- 
schwister in oft erheblich abweichender Tracht wieder vorfinden. Aus 
dem Französischen hat KUckentlehnung stattgefunden in folgenden Pillen : 
Balhm — Balkon. — Breche — Bretche, — I^off — Trupp — Truppe: 
fr. troupe ist an. thorp (Komania 1,490«; derTVtipp wegen der Schwärm f 
Graben — gravieren, — Ijaube — Loge. — Leute — Lute. — Mark 

— Markr, ~- picken piquiertm. — BatA — Robe; aus dem franzö 
sischen Wort, dem sich it. sp. robu, prov. rauba zur Seite stellt, darf 
wohl der SchluÜ gesogen werden, daU ahd. rauba bestanden hat, aus 
dem sich dann roub in der p. 27.'> besprochenen Weise entwickelte. — 
Ring — Rang. Rock — Frack, — Wageti — Waggon : das aweite Wort 
ist swar engli»ch, aber uns durch das Franz. Übermittelt. — Warnen 

— Garnieren. ~ Wartr — Garde. — Wette — Gage, 

Aus dem Italienischen: friuch — fre$co. 

Aus dem Französischen und Italienischen: Schmelz — Eimail — 
Schmälte (it smalto). 

hl don bisherigen Beispielen gehörte immer wenigstens ein Glied 
der (tlcichuu^ dem Deutscheu an; es können aber auch beide Formen 
entlehnt sein. 

Dem Lateinischen und Französischen' entstammen: t'ompoei — 
dompot — (eoal loyal. Parabel — ParoU, Pfalz -- I\iUut, — 
proben - prüfen. — I*ulvt^' Pndtrr, — Quadrat — Carri. — real — 
rteli -' Spital'- Hotel 

Aus dem Lateinischen und Italienischen: Speise — Spe9e. 

Aus dem FrauzöHischen und Italienischen: Juppe - Schaulte. — 
Schaffot — Katafalk. 

Aus dem Lateinischen allein das schon dort beatehende Doppel- 
wurt cupa — cuppa: Kufe — Kuppe. 

Aus dem F'ranzötiachen allein die trauzösische Dublette: Möbel 

— mobil. 

Aus dem Lateininchen . (triechischen und Französischen: das 
Dnllin^swurt Ifafft — Pabni — J\tpa: die Abloitung von Päbei aus 
mittelgr. maxmat; ist der aun afr. pape mit Nominativ-« (Wackemagel in 
seiner (Imdeutsohmit^^ entrtcliiedfU vorzuziehen. 

Dem <4riechischeu unter KinfluD des Französischen verdanken 
wir: der Chor — doM Chor: da» Ni-utrum tritt im 18. Jahrhundert auf, 



DIE NEUHOCHDEUTSCHEN ZWILLING8WÖRTER. 291 

wohl unter dem EinfluÜ yon ir. corps; im modernen Deutsch wird 
nfimlich das französische le durchaus als neutral aufgefaßt: Banket, 
Bataillon, Bordell, Bouquet^ Canot, Compöt, Dejeuner, Diner, Filet, 
Fort; Journal, Modell, Palais, Piano ^ Regiment^ Salair, Souper etc. 
Der Parfüm hat sein Geschlecht wegen der Duft^ der Oeruch. Der 
Trubel ist männlich, weil die Endung -el dem Neutrum fast gar nicht, 
dem Masculinum sehr häufig eignet. Grotte, Gruppe, Rolle , Rhone 
sind Feminina geworden wegen des schließenden e. Man erkennt aus 
dieser Übersicht, wie verkehrt die gelehrte Pedanterie ist, der Louvre, 
der Rhone zu sagen. Zu der Annahme über die Einwirkung des fr. 
Corps stimmt die Vertheiluug der Bedeutungen. Das Masc. hat die 
des griechischen Wortes, gehört somit den Gesangvereinen an; das 
Neutrum steht, wo es sich im Allgemeinen um ein größeres Ganze 
handelt: das Balletchor, das Musikchor; ein ganzes Chor von hundert- 
tausend Narren. In der Architektur gilt überwiegend das Masculinum. 

Zwei getrennte Sprachkreise können also durch gesellschaftliche 
und auch locale Scheidung gebildet werden, aber ebenso gut durch 
zeitliches Auseinanderliegen, also auch in ein und derselben Sprache. 
Auch diese chronologische Scheidung kann die Veranlassung für Doppel* 
Wörter werden: wird ein und dasselbe Wort einer fremden Sprache 
von einer andern mehrmals, ;su verschiedenen Zeiten aufgenommen, so 
wirken häufip^ in älterer Periode andere Gesetze als in jüngerer , und 
die formale Differenz kann eine ziemlich große werden. 

Zweimal aus dem Lateinischen entlehnt sind: Brief — Breve. — 
Kandel — Kanal, — Kerker — Karzer. — ^öp/ — Kuppe: wenn Hilde- 
brand im DW. hier eine deutsche Wurzel annehmen will, so scheint 
mir das doch sehr anfechtbar. Ich bleibe bei der Ableitung von cuppa\ 
Kcpfi%i männlich geworden wegen des gleichbedeutenden «^ou/( Wacker- 
nagel, Kleine Schriften III, 308). — Pacht — Pact. — Pfarre — Pa- 
roehie. — Schüler — Scholar. — Teppich — Tapete. — Ziegel — Tiegel. 

Doppelte Entnahme aus dem Französischen fand statt: Palast — 
PaJaii. — Partei — Partie. 

In zwiefacher Weise aus dem Arabischen hergeleitet: 
Divan — Dotuine, cf R. Dozy, Oosterlingen ('S Gravenhage, Leiden, 
Amhem 1867) p. 33. 

Am Schluße meiner Untersuchung angelangt , glaube ich die 
Ergebnisse derselben in nachstehenden drei Sätzen zusammenfassen zu 
können: 

1. Die Doppelwörter widersprechen nicht dem Grund- 
satz von der absoluten Gültigkeit der Lautgesetze. 

19* 



292 K. VON HAIIDKK 

2. In der lebendigen Spraehe findet keine absichtliebt*. 
bewuüte Diffrreuzierunf; der Form zum Zwecke der Bi* 
d e II t u n ^ 8 d i f f'e r e n z i e r u ii g k t a 1 1. 

H. Dit* ViM'HciiiodtMiheit der Bedeutung ist nicht nur 
F^ol^e, Hundern miudeHtens eben so häufig Ursache der 
formalen Differenzierung. 

Noch allgemeiner kann ich sagen : auch hier zeigt sich wieder, 
eine wit* wiehtige Itolle das psychologische Element in der Sprachent* 
Wickelung spielt und zwar in durchaus unbewußter, absichtsloser Tbl- 
tigkeit; und ferner erhellt, dal> scheinbar weit auseinander liegende 
Forschungsgebiete aicIi doch wieder nahe bi*rühn*n, und daU manche« 
Problem der I<4iut- und Formenlehre rrht durch syiitactisehe Krwa 
gungen gelöst werden kaini. 

ÜKIllKUiKKG, den 7 Min 1878. O HKIIAÜIIKL. 



Ich bemerke nachträglich, daÜ Abel Bergaigin* die gleiche An- 
sieht ikb4*r die iirspHInglichc Wortstellung im Deutsi*hen ausgesprochen 
hat wie ich, Memoires de la socii^e de linguistique de Paris III, 
p. 144^ ohne fn*ilich «*iiien din*oten Beweis dafür beizubringen. 

Noch sei auf eine interchsante Folgerung Aufiiierksaoi gemacht, 
die sich aus der fikr die Wortstellung gefundenen Formel ergibt. ^Kr 
steht bei dem Hause**, hieü einmal, abgesehen von den Wortformen: 
hujie tu' ^^iiif/iV, wiiImm /'/ enklitisch oder proklitisch war. Betrachtet 
man naii dii* Sache vnin «Standpunkt der „phoiietif^ue syntactiqne**. 
wie die Fraiizoheii M*hr gut das p. )iki^ verwerthete Princip nennen, so 
ergibt Kich. dal: der Anlaut des Adverbs einmal unter dem RinHuü 
des Veriier*H€*heii iieseiite.s gt»standen hat Wir erhalten somit die 
M<»glichkeit, germ. /'# mit i^kr. ;/i zu vermitteln, und in i&hulicher Weii««* 
liilit rticli inintiit'hr g«*riii «/«i mit lat. f* ni Verbindung; bringen. 



(JKI)I(MITK l)i:S KÖNICJS VOM ÜDKNWALI». 



Villi (Jrr kiiewe tl). 

Mani^rrlobt tili ülirrz eilt rill. I'i*) I *<'.*' iii.ui liiit den alten wtlM*li. i» 

•«*» muox ich flillc iimi ul«« rlüt «riiuf »ir l***t beliUeu 

kla^^fii, «lax nun i;li»ckcn ^'M«>I «1 i/ i»t ein uiirhel luQrwe. 

tlea tii^eiiti('»4i-u li(iti*n tui*t lunu mtiie Jt*r ;/mo|i*ii kiirwr 

1 C b«nrbnfl llic ^rt au di« i'dr vuu «In ku««- • H nuc ' ku« 



GEDICHTE DE8 KÖNIGS VOM ODENWALD. 



293 



Unten wol mit flize.; 

die git die milich wtze, 10 

lütcr und gelebt, 

der man sich überhebt 

wol gesalzen in dem hüs. 

da werden auch guotc kese üz, 

molken dicke und dünne: 15 

daz ist der kinde wünno. 

Ton milich muos und brio 

ist auch ein guotc kric, 

•wenne man schrit: cz ist bereit! 

des wir! maniger d4 gemeit. 20 

darzuo die frischen buttern: 

zwischen Bolän und Salem 

vant man bezzer ezzon nie 

sicherlichen danne die. 

guote mursal die sie treit, 25 

die man zuo den ruoben Icit, 

d& phliget man wol der liuten mite. 

so liubt man mit dem unslite; 

würstc vome hirne; 

so werden üz der stimc 30 

zdhen flegel hüetc^ 

(daz ist auch ein güete) 

da mite man kern drischct, 

lüter und gemischet. 

der guot rintflcisch braten hiit, 3ö 

dem Wirt ein supp, hat er ein brät. 

sd treits ein mursal, heizet mark : 

da von s6 werden liutc stark. 

so macht mau üz dem beine 

würfe!, gr6z und kleine, 40 

die laufen üf dem brete snel: 

verspilt mang buobc sin vel, 

daz ime wirdct zonic. 

so werden üz dem hornc 

gnote strSl^o: 45 

swaz junger kiuder w6rc, 

der phlege man dar mite wol, 

als man billichen phlcgcn sol. 

vome hornc laterne, 

die hat man auch gerne; 50 



8 wenne man lieht drin tuet, 

so ist sie für den wint gaot. 

ich sage iuch von dem home me: 

sweme ist in dem rücke wd, 

dcme schrapfet man darmite. 55 

so hau die jeger einen site, 

den haben sie in üz derkom: 

sie vazzen in den riemenz horn> 

daz sie darmite blftsen vil. 

swer danne vögel ziehen wil, 60 

lerchen ader finken, 

den git man darüz trinken. 

sd bewirft man vome 

den bolz mit küewehome. 

so machet man mit krefte (fol. 192**) 65 

üz home mezzers hefte. 

so sehen die schribdre 

ir hömer noete Idre: 

sie schriben drüz den liuten. 

BÖ worden üz den hinten 70 

witc stifel guot, 

(dorm leder rehte tuot) 

fürfuczc unde soln, 

wotscckc unverholn, 

hiute über den saumern, 75 

(der wil man niht embern); 

brustledcr, triehter, helmshorn; 

so lidcrt man da mite die sporn. 

so wil ich niht vermüche, 

ich sage iuch vome slüche, 80 

da mite mau abe lezzt den win: 

der ist auch rinderin; 

und die silhalscn wert, 

da inne ziehen die phert, 

und die jochriemen : 85 

(daz verkert mir niemen) 

d^ ziehen auch die rinder au; 

des beg^t sich manig mau. 

gürtein breit unde smal, 

die man treit über al, 90 

üzem beine rinken dran 

tragen frauwen unde man. 



18 krey. 23 salui^n. 24 sicherlicher. 29. 10 him : stim. 35. 36 hat : 
brit. 36 sappe. 45. 46 strelcr : w. 49. 50 latem : gn. 55. 56 mit : sit. 

58 rieme daz h. 63. 64 vom : kuhom. 63 biwerft. 67. 68 schriber : ler. 



73 snln. 



79 vmuche. 81 lezzet. 



294 



K. VON BAHDER 



haaUchnoch unde ▼iDgerhuot. 

•wer des bedarf, dem iit ei guot. 

böigen unde tMcben; 96 

Difto nacht Az hinten flatchen, 

triebter nnde xapbcn drin, 

das beholtet den win ; 

fesiel nnde leheidei 

•wert und necser beide, 100 

nnd die weben fuotervaz. 

noch muos ich tibten ba/. 

die blasbalge mQezen her: 

daa i^t anch der •midc ger. 

•6 ist danne der xagel edel : 105 

das As wirt ein gnoter wedel, 

•wenn« man pbert betiahen lol. 

das man dar mite weren »ol. 

das orgeln bellen überlüt, 

das knmt alles von der hüt. 110 

von idem ein bengel 

in dem glockentwengel ; 

falkenhüben, winthant, 

armledcr, beingi*want, 

wApenbentacbnochey kinrin. 115 

das itt allex liderin 

und ist von der kQewr kumen, 

das wir alle bAn Temamcn. 

ich aage von einer decke: 

As hinten macht man eeckr 120 

Ober hüben und den heim, 

•wA man sie fiieret durch den melm, 

das es schöne belfbr 

nnd den m«t vpiirlbe. 

man übertiuht*t danne her 1 25 

mit Adeni »chilt und buckel^r 

nnd mit kiiewehiuten, 

das tage ich den linten. 

der ri«men ame kesxelhuot i(o\. 193*) 

Aaren rilter, knehte guot. 130 

von drr hiut«' eint n ttnol, 

das ist guot fOr den pbnl: 

•in bi»chof drAfe •itse, 

der pbliget guoter witse. 

wil auch niht vrnnidi-ii, l.i:» 

hAt die hüt zuo bilden. 



und wil iuch danne mAre sagen: 

in dem hangenden wagen 

macht man küewebinte, 

daruf Hitzen briute. 140 

ich sage m^re von der hüt: 

man maehet gröse büecber trüt, 

daran man singet unde list, 

waz von der biute knmen ist. 

tmmben und tambAren, 145 

da bi sol man niht trAren. 

(cz ensin niht träume) 

geisein, halftern, säume, 

•tigirder, bintriemen, aftorreif, 

fiirbüege, taschen man begreif; 150 

gegen (?) ledergurt: 

ein man deste bas gehurt. 

sd siert man setel reine 

mit leder nnd mit brinc. 

nü muos ich mich uocten: 155 

die kint die spiln der koelen. 

nii sol ich gedenken 

der kti»sin uf den benken: 

diu sint mit biutou übersogen« 

(hieran ist man umbetrogen.) 160 

die holsschuoche sint hie vor, 

Af den gAt man t*npor, 

sehuoche wftc und enge, 

die kürse und auch dir lenge, 

und lAneln sewArc. 165 

•6 macht man lis dem bAre 

bambiut. seil und (ils, 

»6 macht man säum, getils, 

den kinden bArs snom balle, 

damAch 96 laufen alle 170 

beide wider unde f&r. 

man th-bt den sagel in die tttr, 

dA mit«- man liubet Af und sno: 

daz kumt alles von der kno. 

n(*ch ist das lob niht voUebrAbt, 1 75 

dax vou der küewe ist erdAbt: 

•ie bringet junge kelber knus, 

da werden varren, obsen As. 

die veiiten kalbes kroese, 

die haubticch sint niht boese, 180 



104 «nndr ISS. 1:^4 hetnh vtffih. IS'.» nrin. 13S pfui. ISS biMcb«f< 

lASgroa. 14A 1 46 tammarn - tnini. 147. 14*« träum lAum. 15:i rein. 154 nit dem beia. 

MI holt seb^che. X^b, IA« :«ar:hAr. 16:^ tu nm h. 179 fi-ititen. Ift^ baubClock 



OEDICHTE DES KÖNIGS VOM ODENWALD. 



295 



gesoten und geroestet, 

wirt man ir getroestet. 

(daz ist alles niht gelogen.) 

annbrast UDde hürnin bogen 

toehte nibt ein balbez ei, 185 

es brdcb allez gar enzwei; 

wenne die zdhen ädern gnot, 

die man Ton der küewe tnot. 

zerfe dft mite man spennet^ 

einer der d& rennet, 190 

scheiden über armbrost, 

daz ist der selben gelust. 

s6 nimt man danne kl&iven, (fol. 193'') 

die swarzen und die gr&wen, 

ond dranwet pater noster dri)z, 195 

and macht man tinfel einen gras. 

ir wdnt, ich woite iuch rösen^ 

▼erg^e ich nü der bldsen: 

daz ist auch ein guoter pfeffersag^ 

der danne gelebt den viertag, 200 

•d wirt ez auch ein blftterspil; 

der danne hunde verjagen wil, 

der stricke ein blasen an den zagel, 

sd wdnet er ez si der hagel 

nnde schrit mit grimme. 205 

so lernen drüfe swimme 

beide knaben unde kint, 

swft sie üf dem wazzer sint. 



so tuon danne die linte daz, 

die niht haben Tensterglas: 210 

sie beginnen rdmen 

der vi\ guoten fldmen, 

sie beziehen ir venster mite 

nach dem altem guotem site. 

lebem, nieren, lungen, 215 

herze, gurgeln, zungen, 

milze, sülze, füeze, 

daz miulUn als6 süeze, 

manigyalt dermelin sd yin, 

wizer danne ein hermelin. 220 

86 künde ich nimmer voUenklagen, 

daz ich vergezzen hete des magen 

und des iuters alsd guot, 

daz man dft roestet üf der gluot 

und den veizten arsdarm; 225 

daz getünge nimt man also warm 

und bestrichet mite den bodem. 

der boese ecker danne wil roden, 

der bedarf des mistes wol darzuo. 

man sölt einer guoten kuo 230 

bi Hieben klagen Iren lip, 

danne ein übel alt wip: 

daz die jungen sin gemeit, 

daz was ie den alten leit. 

der gnftde, die von der küewe g6, 235 

der enweiz der künig niht m§. 



Von dem huon und dem ei (ü). 



W6r ich der künste niht ze laz, 

sd wölte ich tihten etewaz; 

swaz mir darumbe geschiht, 

ich lazze doch under wegen niht. 

liez ich nü kunst verderben, 5 

wie sölte ich danne erwerben 

der herren gunst und auch ir guot, 

der ritter, knehte hdchgemuot? 

nü wil ich tihten, ab ich kan, 

gein der zit s6 hebe ich an: 10 



der liebte sumer n&het, 

der winter hinnan gfthet; 

(den süln wir vam lazzen) 

des frauwen sich die blazzen, 

die d& trürig sin gewest. (fol. 1 94^) 15 

ieder vogel wil sin nest 

aber wider machen 

und lazzen trüren swachen: 

da legen sie ir eier in 

und brüeten junge vogelltn. 20 



206 schriet. 206 lern dmf. 213 ire. 219 dermlin. 280 hermlin. 

227 dem b. 236 genade. kS. Am Sehlaß von zweiter Hand: Hie get daz vs von 

der ky daz sol vch dvnken sin kein mv. 

IL Überschrift t Diz ist von dem hon von dem ej da vindet man rede manigerlej. 
t etwas. 3 dar \m. 5. kvnste. 18 trum. 



296 



K. VON RAHDER 



?:> 



:\o 



;i;i 



•6 graonen die wiirn 

beide jenen und disen. 

der walt der stc^t mit bicteni. 

oehcim undc Yctern, 

b««en unde maomen, 

freut iuch der bluomen! 

die springen nf dem ftng^r, 

er \%i ir worden •wanper. 

vialy blunmcn, griienrr kl«'* 

niht mmn dA bcr vür pO; 

und den moien blfiete, 

dai mrint drt sumert giietr. 

■ö wollen •ich die heckon 

mit roten bedecken; 

die beide int nimmer valwc. 

»«*> kumet fttoreh und Hwalwr, 

egietter unde heher: 

die mAehens dannocb w^ber. 

den fraocb den hoert man pitie. 

(daz iiit bierzuo niltie) in 

lerehen, trotebeln. narhtigal. 

waz die gesingen über iil ! 

und die kleinen vogullin, 

die liuzen Aucb ir HWtgen nin 

wennr tir »int mlsf'i freeb, 4f» 

in p''nt ir niiind«! «^ p«*2ech. 

daz »ie wol singen nü darmit«-, 

daz i<it eetn dem suroer titc. 

drr gi'nang wi'*r gur «'iiviht 

und g<*tzten dir htirnrr niht. .>*i 

nü «ril iifir. allez abi-tuon . 

ein arhper vogol int rin hni»n 

Yon dorn hiione kamt daz ri 

unde brenget manigerlei 

guotrr jrrriht«' . .».'• 

ilik von muoz irh tihti* 

wolt ir iiti »pn'rhrn irh wt r trum. 

waz piittJ*- von «Irm *'%v kuin. 

die «iilt ich heBchri'lr 

m»n und frauwrn bcidi*. hit 

drr • r*t tril itfr prvrrt«* 

um! m.ich«'t »in li ht-rtt 

drr 4ndrr Rprirhrt: tnitit. 

brAt mir min ei li'ilfr. 



der dritte wil tin toter weich, 6^ 

(:r git im ander« einen streich. 

der vienl wil drin niht »topfen, 

er macht ein kogelhopfen. 

daz dQnkt den filnften niblet wert, 

or sieht tin ei in den hert. i<* 

d«*r («ebtte wil »in in ein •mala, 

darüber wirf et er ein sala. 

der ttibeud eier in anken, 

da von wil er niht wanken. 

ila/. wil den ahten lieben : 75 

rr nleht eier über grieben. 

der niunile tpriebet danne: 

irich mir eine phanne, 

und rüer mirz under einander? (fol. 194' 

(darzuo bin ich selb ander). HO 

drr ZI' h ende ist al^d frreb 

umi riHchet phanküeehelecb. 

<li-r eilfte iNt so getriulich 

und »h'ht »in in ein miltcb. 

Im .-woll'te hAt im üz erkora A^ 

und wil »in eier verlorn. 
•i«T drizi'ndf cisehet sicherlich 
pfterlin und etzich» 
da KTiit IT sin eier in. 
tier vierz«'*ndi* ein süffelin : 90 

dem iht in dem haubtc w^, 
dl/. «V im dA von zerg#. 
drr fiinf£<''n<l der wil nehallen 
und eiM*ht rin bim«* wallen. 
tliT .«ech^end einm eierbri, •'•*> 

•U wil i>r sitzen bi. 
•Irr »irbzrnd gibt - iehn ruoehen 
und wil i'in cierkuoehen. 
•Irr .ihtii'nd wil rin ander* toon 
•Ulli k)i>|t:t »in ei an ein baon. 100 
iltr iiiunr>nd fulli*! hileiier mite: 
d «^ i«t :iurh ein ^aoter site. 
i|t r .'.wt'inzprst an ein molkenz ct. 
lihtf Wi'rden ire zwri. 
daz wil ich aiigen ir: 10^ 

.in hirn« wtirtti tuet man kie. 

• > wil minc aurh gefiillet hAn: 
d.i.* mai'hfl «int-r drr es kan 



Mt dC. 1^1 frlilt 3R roalit'-iii M inaii|;«'rlfir. litS. M rrf. AS «ine. W kul 
köpfen. 71 Ains. H3 getrilirk. M Moe. M7 driiehcndr u. •. f 97 ich enraucken 

tos twein^sett dai ry. lOft 



GEDICHTE DES KÖNIGS VOM ODENWALD. 



297 



eiermüeser, kftrchel(?)y mutzen, 

der eodarf man dA nibt tutsen: 110 

die macheu reine franwcn, 

die mag man gerne scbauwen. 

swie dann ist ein man wunt, 

dem ist daz ei gesnnt: 

dA wirt doch üz ein phlaster : 115 

das enist kein laster. 

man muoz daz ei zno tintcn bän, 

einer der d& scbriben kan. 

man pulvert mite und stirket 

hfillen, der ez wirket. 120 

man verwet win und armbrust 

mit den eiern , deist gelust 

mit den eiern machet man 

leder^ daz man tuet an, 

hentschnoche wize^ 125 

die man treit mit flize; 

wizc stival gemeit, 

die man treit durch klnokeit. 

man sieht sie auch an fische, 

die man treit zuo tische; 130 

krepflin und bastdde 

macht man üz eiern b^de; 

eier üf dem scharte, 

der mag man gerne warte. 

dannoch muoz eincz sin: 135 

man füllet junge wenstelin; 

haubtlin unde fiieze 

•ol man in eiern grüeze; 

morchen, krebze, junge swin, 

d& (ult man auch die eier in. 140 

[eierjflade gedibet. 

xe dstem fleisch gewibet 

ist mit eiern überslagen (fol. 195') 

und sibt manz after wege tragen, 

gebacket darunder, 145 

wiz und gel besunder, 

eier ge würzet. 

man hftt sie auch gestürzet. 

sd werden junge hüener drüz, 

die d& laufen alsd knüz, 150 

die nmn hftt alzuo gerne 

imd heizt ein niuwe erne. 



nü ist daz kein überlast: 

swer hftt einen lieben gast, 

er wil in friuntschaft manen, 155 

daz ndhest huon bim bauen 

hftt man für die besten: 

die brSt er stnen gesten. 

sd ist nü unterboten, 

er habe ein huon gesoten; 160 

mit pdterlfn ein brfiewe dran, 

swer ez rermag, der wil ez hftn. 

so verswfge ichs dannoch tftl: 

man versiut ein huon ze mftl 

und stoeztz in eime mörser 165 

und eischet danne ein tuoch her, 

daz manz dardurch winde: 

daz nützt ein krank gesinde. 

80 würd die berfart nimmer guot, 

swenne daz huon git höhen muot. 170 

grftfen unde frfen, 

die laufen unde schrien, 

sie sint gewdpent ader bldz, 

nftch dem huone get ein döz 

mit stecken und mit brügel, 175 

sie werfenz an die flügel. 

ritter unde knehte, 

die haben ein gebrebte, 

sie schrien alle: vfthft vftch! 

nftch dem huone ist in gftch. 180 

über ziune unde graben, 

swcrz begrifet der wilz haben. 

einer sprichet sicherlich: 

underz holz versliuft ez sich! 

dem ist also gftch 185 

und sliufet hinden nftch, 

daz er nibt selber hrüz kan kumen, 

einer helfe im dann zc frumen. 

so gcschiht in danne heil, 

daz sie ir hftn ein michel teil; 190 

sie fuerenz in dem sweize, 

biz sie wöln erheize. 

so sint sie worden mürwe. 

man tuot hin daz gehürwe. 

sd stdn sie unde lachen, 195 

biz sie ein fior gemachen. 



110. tutzen. 121 verbet. 
146 dnmder. 151 hftt fehlt 

164. TsU. mol. 168 kranke. 



t22 (Uz ist. 131 krepfelin. 132 beide. 141 fladen. 
155 im. 156 bi dem. 162 wilz. 163 dol. 

185 den. 186 sliefen. 192 wollen. 




29« 



K. VON BAHDER 



OMiii heilet «Ätzer über tue. 

d« »ebeo fUrsteo, grivcii zuo. 

biz man tie benofet, 

irebräewet nod bettinufct. 200 

90 Bchrift dirre oode der: 

•all und lebero und magen her! 

die muoi man danne boln 

ond werfen üf die koln. 

6 sie voln gebriten iin» 20.S 

ietlicher aprichct: der i»t min! 

and lückeni üi der ghiot: (fol 19r>^^ 

das git in hohen muot. 

den es brennt, der schriet : och ! 

das buon das machet manigen koch. 2\o 

fBese unde huener haubt 

sint den boob«;n ein derlaubt: 

de« tage« haben sie erbeit, 

•6 «int sie gein der naht gcmcit. 

«6 g^n sie unde raten, 21.*» 

bis die andern gcbriten. 

die heilt man dannc dar tragen; 

der bret^r der hil die kragen. 

die in über werden «in. 

dA «toeset man ein beae in 220 

and «teckt es in den wdtsag 

Übt bis an den dritten tag, 

das in aber not wirt: 

ir keiner danne vrrbirt, 

sno time knehte «prichet er; 225 

bol mir ein baon her! 

laogA wif* rötaam ich binf 

er tpricht tuo eime: serri hin! 

ond bint eime bi mir, 

«A gibe ich eime bi dir! 2:iO 

das Ut iocb wol behagen : 

man «etst den hanen uf den wagen. 

dai er künde die sit 

de« nahte« b6 man iiider lit. 

den hanen zoo glanse 235 

«etst man üf im tanse: 



dA «ibt man ombe «prioge 

meide und« getelinge. 

so er darsuo nimmer goot isU 

•6 hit man aber einen list, :lio 

daz man in abe tnot. 

•A sin dann die vedem guot: 

dar üz «o wirt ein qaastc, 

ht^t üf dem helme vaste, 

von Seckendorf, von Rhenbeim, 24'* 

die füerenz gröz onde klein. 

lind «fanne die kappAnen, 

die griwcn und die brünen, 

dir swarten ond die r6ten: 

daz »in auch gnote br<^ten; 2.^0 

«wer der selben vil hat, 

dsz ist ein guolei bdsrAt, 

daz vom huone kamen ist. 

sA muos man hsben noch den mulr 

dA von «o sol man machen 255 

die rcTschen lilaehen, 

die lege man aber und ander: 

•6 ist daz auch ein wunder. 

•d kündet daz bnoa den tag, 

des ich niht Tertwigen owg. 26« • 

für wir s«^ spriche ich: 

roanig fleisch leidet sieh 

/.im eimAl ime jAre, 

d.inni* liaz huon se wAre, 

«1.1Z ist guot durch das jAr, 265 

daz nage ich ioch offenbAr. 

aU ich inch bescheiden wil, 

mnn n«*rt dA mite das ▼ederopil. 

wntm«)! unde b«*stebaabt 

bringt das buon, des mir gelmabl. 27«t 

»n hAt das nahtkoon das rebl: 

•las nprechen ritter onde kaebt« (foL 1 96* ) 

dir eigen liute mite bebabm 

und herberg so sie sao drabea: 

daz hAt in got bescbaffea 2i.^ 

und kanz der künig beklaflen. 



tOb Tüll«» ?:(0 bea. 2M Mch oidrr Uit j:i7 rm. S74 berbeife. 

Ab .Seblu5 von sweatcr Hand: bi« endet sich die rtt\t ipit vom bon die Hisnig4 gil 
bobemal 



GEDICHTE DES KÖNIGS VOM ODENWALD. 



299 



VoD dem schäfe (IV)« 



Getihtes hAn ich nu derdäht, 

(fol. 197') 
dsnao hftt mich ein frauwe bräht, 
die bAt ein edellicben man: 
ich nenne ir nibt^ sie lanb mirs dan; 
man 8ol micbs nngefraget län, 5 

sint icb ez ir verlobet hän. 
sd hebe ich an schiere 
and sage von eime tiere 
und übte von dem schäfe: 
man wache oder släfe, 10 

§6 hdt mans nutz und ere; 
swer mir daz verkdre, 
der tdte mir unrebte. 
die herm ritt^re und knebtc, 
die sich der schäfe nü begen^ 15 

fursten, grdven darnach st^n, 
daz sie an den schäfen haben teil. 
nü ist ez niht ein grdz niiheil, 
swer ir bat den vollen. 
sie tragen auch die wollen^ 20 

die man weschet undc schirt, 
dft nü riebe wät üz wirt. 
die hiute man auch gerwet, 
die wollen zeiset^ verwet, 
sie kemmen unde spinnen, 25 

dft mite sie guot gewinnen , 
sie haspeln unde winden, 
vorne unde binden, 
sie spuolen, weben, walken, 
d4 mite sie auch wol scbalken. 30 
sie wöln sich auch niht schäm, 
sie spannenz an die ram^ 
sie smim, karten^ strichen, 
dA von sie sich geltchen; 
sd mezzen ez wätmeng^r 35 

und wirt geschom mit der scher. 
die snider schroten manig kleit, 
da gewinnet ez ein underscheit. 
fweme scbftf geraten wol, 
deme wirt kiste und käste vol, 40 



er bat auch golt und silber, 
stiere und auch die kilber: 
der manigez wol gedibet, 
daz manz zuo ostem wthet; 
sie sint groz unde klein 45 

und kleiden fueze unde bein 
mit hosen und mit socke, 
auch fuoter under rocke, 
sie kleiden baubet unde lip, 
sie zieren man unde wip, 50 

knaben und die meide, 
sie brengen äugen weide 
mit manteln und mit rocken gar. 
ir nemt der kürsenbelze war, 
die sint swarz unde wis. 55 

an tenisch leget maniger fliz: 
daz enist kein kluogkeit, 
Bwenne man sie vor die kelte treit. 
waz nutzes an den sch&fen lit: 
taphart, kutten, kotzen wit, 60 

münniche und nunnen schepeldr, 
die sie tragen vil gewer. 
man solz auch in der kirchen hän, 

(fol. 197»») 
swenne ez tuot der priester an. 
hüben, surkät, supfen, 65 

suknie, vilze, gupfen, 
tüecher übir bare, 
daz sag ich vor w&re; 
man henkit sie ober den wagen, 
dA von muoz icb sagen; 70 

fürbüege, setel, afterreif, 
daz man mit tuoche begreif 
und maniger bände flecke, 
daz die hüt iht blecke, 
mölke, ziger, schSfekdse; 75 

der milicb man auch wol genese; 
brüewe von kSsen herte 
wSren guot geverte; 
auch butem von den schäfen, 
die sol nieman str&fen. 80 



IV. Die Orthographie der fol. 197 — 199 (wahrscheiDlich später eingeschoben, s. 
oben 8. 195) weicht von der der vorhergehenden Blätter erheblich ab: meist u fOr uo, 
i Ar ie, Umlaut fehlt nicht selten. Überschrift: Diz ist ein rede von dem schafe die 
■ol nieman nit vil strafe. 4 loube. 6 michs] mich sin. 11 mans] man sin. 

18 ledte. 14 hem. 44 man ez. 57 daz in ist. 63 sol es. 66 gufen. 
71. 71 afterreTfe : begreyfe. 76 milch. 80 straphen. 



300 



R VON BAH DER 



lao vMten ez sich jongft. 

mit »chifeo auch man tungct. 

borrt der «£heo li«te: 

sie visehen mit dem mitte, 

da sieelic phcii üf atalleD, ^6 

daz tage ich iuch allen. 

noch miT uus dax ich meine: 

fleisch, füeze und beine, 

kroese, haubt, hini| 8u1z4Mi gnot. 

Zungen, iintlit, kappen und huot *K^ 

kumct von den schafeu vil; 

und manig siieze »eitentpil 

kumt von schüfe dannen, 

ich sagez riehen und armen. 

auch wollenslcbcr andere !^'» 

tüln sie vaste rüerc. 

ir sollet auch vcmcmen, 

man findet in den kramen 

hantschuoch. riemen, hiutel ; 

dartiE s<*> «erden küttel. \*H) 

nii vil ich bediuteu: 

so werden i'iz den hinten 

giirtel, tasehen unde schuoch, 

h<i«ene»tel, pergemint und tuocb, 

fuotervaz. «litaeeke, 10.^ 

darin mau kletder stecke. 

schefin h^der ist gesuut. 

sw«*r ist in dem ving«*r wuni 

tm-A dir hooKcn bl«'>tfl*ni »iii, 

i\k hocft rin wullin fadin in. 1 1 

swiT dann hÄt ein materaz, 

drr lit iif rriAcn dest4* baz, 

und int von vollen gemacht. 

ir hkt iler deekeUchen acht. 

geform«*t und gevierrt, 1 1 •'> 

dA mite man beste tierct. 

dA mite bat man sie auch rtirb, 

die legit man libir vor dem »ehuiHb. 

leiterUehrn malet man 

^dax tiiot «*iuf*r di-r daz kan l'J*' 

mit ticrt-n und mit mrrwundt-rn . 

man minnrt danife und dantnd« i 

der «flolrn frauven namen, 

dir wirken an den ramen 



mit Iren kUren henden 
tüecher bi den wenden, 
siechen unde teppich, 
stuollachen dax tage ieb, tfol. 
gurte haben sie ua derkom, 
und eins dran henket man daa 

von wollen manige tnüere kUr 
und die sie flechten in das hAr, 
die kurzen und die langen, 
und da die hiiete an hangen, 
so hAn sie brüeche wnlKn, 
<lä ziehen sie sich uuden in : 
de« hän sie sich berAten, 
daz noete ir veter tAten. 
von den schAfcn gemeit 
kumen riebe wApenklett, 
decke und copertiure 
von den schAfen gehiure, 
lies maniger wirt gefnunet 
und W4^delichen kuact. 
11 f d«'m helme st^ die wider. 
b«*ide hoch unde uider. 
krumb gehom tragen die stem : 
di«' sint guot zuo liubtem. 
der künig sagt von aehAfen vil 
und im d<H*h keinz beklibe wil: 
nu wo] sd begen ich mich : 
die sie haben da bin ich. 
ein ieglieh erzbischof, 
wil «T kumen in den hof, 
der üol bab<* ein pallium, 
dax muoz von den schAfen kum. 
daz si'baf vil inanigen riehet. 
Uli ho4*rt weme ez gelichet: 
KW«-nne mau «*z toetet, 
kiMiiA srhriens ez sich noetet; 
da^ habet iuch vor keinen epot: 
als«'» tete der edel got, 
willicliehen er ez leit; 
niii riebe wolle uns sio bereit. 
daz wir alle kumen darin, 
de» helfe uns die muotcr sin! 



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bore. 

1.10 



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14.» 



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u.s 



m uiche, *M -ullrnt 07 9tt «.rifitir kn-iii«' lf)0 kutel. lliA dtm\ 

den. 109 Moteren I3<i «inrr. 111 Mi r.Mi|H>rtur : gehur. 144 aMrr. 

ItiO chetns. I4S wiUirhlichen. 



Q£DICHTE DES KÖNIGS VOM ODENWALD 



301 



Von dem bade (VI). 



ö 



10 



llfner kfinste lade (fol.200*) 

maos tihten von dem bade: 

durch wie vil sache badet der man, 

das wil ich rdten ab ichz knn. 

die sinne haben mir geseit, 

einer bade durch reinikeit; 

der ander vor froste 

mdre dann vor roste; 

der dritte gedenket ez s! uiiz 

und badet für den urdrüz; 

wer wil den vierden strafe? 

er badet daz er gesläfe; 

der fünfte ist in der müze^ 

er bat daz man in läze; 

der sehste badet überlüt, 

das in jucket die hüt; 

der sibende badet gäbe, 

daz man imez haubet twahe; 

der ahte ist niht dabäme 

und badet langsame, 

bis man ime kleider wasche, 

darumb bat er niht rasche; 

der niunde badet üfer vart^ 

daz man ime scher den hart; 

der zehende get auch dar 

und badet daz er guot spar; 



15 



20 



25 



der eilfte badet üf den sin, 

daz man lone für in: 

der zwelfte der hat witze, 

er badet daz er geswitze; 30 

der drizSnd ist also behaft 

und badet durch geselleschaft ; 

der vierz^ud badet drinne 

und weut er sülle minne; 

den fünfzeud müet und badet auch 35 

daz er geruowe und fliehe den rauch; 

dem sechzend schuoche swachet, 

ei badet biz manz im machet; 

der sibenz^nd wunt und niht ze geil, 

er badet daz er werde heil; 40 

der ahtz^nd dünket ungeb§rde, 

er badet daz er nüchtern werde; 

der niunzdnd gibt: ez muoz mir tügc, 

und badet daz er getrinken müge; 

der zweinzigst muoz des bades gern 45 

vor sinen schuldem: 

swcnn er sie niht zuo rihte hät^ 

80 birget er sich in daz bat: 

herzöge von Sahsen schänden on, 

er giht, er habe ez auch geton. 50 

nii ist daz bat so manigvalde : 

daz tihte der künig vom Otenwalde. 



Vom stru (VII). 



Einer git geteilter vil, 

der ander nimet swelchz er wil. 

nü bin ich über ein kumen (fol. 200^') 

und hau mir ein geteilz gcinnnen: 

borten cl&r von siden, 5 

die wölte ich lieber niidcu, 

danne die vom stru; 

machen die liute fro. 



ez ist ein edelliche stiur. 

mit strö enzündet man daz fiur, 10 

da becket man den liuten bi; 

daz lazze ich also st. 

ez ist niht ein ungelaube: 

von strowe kumen schaube, 

da mite man nü decket 15 

und in dem ofen becket 



VI. Überschrift : Ditz ist von dem bilde daz ist nieman kein schade. 1 künsten. 

8 denne. 9. 10 nütze : urdrützc. 13 inozc. 18 ime das. 19 daheime. 

20 langsAunie. 21 wahsse. 21 darvni. 31 drizehende u. h. w. 35 muwet. 

36 fluhet. 38 imo gemäht. 43 muze. 45 zweinzigest. 47 wenne. Am Schluß 
▼on zweiter Hand: Ade ade ade ade diz ist uz vom bade. 

VII. Überschrift: Ditz ist die rede vom stro der sie sucht der vindet sie aldo. 
2 welhez. 4 geteilz 10 enkuudet. 14. 18. 24 u. s. w. stro. 



3Ü2 



K. Vt>N BAIIDKK 



■cho«Dex unde rückio. 

mit ttröwe Moget mau die tvio, 

iDAD ttoeset ia die bachen, 

die benkeu tie too dacheo. $<> 

luit stru tumu ttdbeu hiuet, 

mau lit dn'if unde sitzet. 

dannocb weiz ich eiuen litt : 

vom ttruwe kämet auch df*r mitt, 

man tünget ecker, garten, -^i 

dax tage ich den zarten. 

ich redez du gevörde, 

mit strowe »traut mnn |>berd«s 

man kert, wizchet, ribet mite, 

daz man dette baz gerite- 'iO 

man atrauwei eaelu and kttewen; 

(die Idten onde IQcwen) 

swinen, achdfen, geize. 

üf strAwe wehtet wetz«*, 

da werden wize temelu, 35 

die w^rrn guot bi hemeUi. 

üf ttrAwe wahaen rttpen, 

die siu bezzer danne itpeu. 

waz ufern ttröwe tt^. 

dax wil ich iuch tagen m#, 40 

n wer ander» gar verlorn: 

gertten, dinkel unde koni, 

beide kichern unde rit, 

(daz hehdtet iinen prit) 

erweiz. Unten, wichen. 45 

Ax «trowv kan man «trickrn 

teil, tik mite man bindet, 

twax umii niht drrviiidrt. 

dax «tro steckt man bi die huf. 

da mit bindet man dir reben Af &0 

(«lax rede ich öne hax). 

körbe onde fuoterraz 

komet vun dem ttröwe guot, 

tchaubin tezzel, tchatehoot ; 

vom ttrdwe badrhftete r»f* 

geben guot geauete; 

von ■tröwv tcHbcatüele. 

•emfle und niht küele; 

von ttrowe buckel^r und »ehilt. 

der mich noch nie bevilt. h** 



ttroewtn tcbapel onde ring, 

daz ist auch ein gaot ding. 

der matten üf den benken 

von atro toi ich gedenken. 

mit ttrowe bl^tt man bliaen wft. (;.'• 

»wA mau tie den kinden git. 

vonttroein kleines tchaubello (fol. VUti* < 

»tözen frauwen tpinneln in. 

mau trit daz ttrd in den klAb. 

daz er bi einander blAb. tO 

daz ttrü toi man reichen; 

mit ttro kan man zeichen 

tAteUy die man tanwet, 

die tnit man unde mauwet. 

üf ttrdwe brdtent vitche. 1'» 

vom ttrdwe ofenwitche, 

di mite mau den ofen kert, 

tiea «ich manig phitter nert. 

üfm ttrdwe backen wecke, 

die »chiuxet in der becke. HO 

von dem ttrowe kumet ranch. 

mit itn'i vertloezt man flatchen auch 

mit ttrowe liuht man nahtet hein. 

daz ieman itAxe tioe bein. 

irh tage von dem ttrdwe ni#* 8'> 

man ttraiiwetz daz man drüfe g^ 

üf dem ite (deitt ein litt) 

und twa der weg entreinet itt. 

einz mir wol gevellei: 

mit ttrö mau vögeln atellet. Mn 

ich wil ez niht verderben: 

ttrO xuo lialzkerben. 

daz tie oben tin behaot, 

mau ttrö iu butteu, tegeln taot. 

in dax ttrö machet man 95 

buckiiige, der ex kan. 

«wi man danne niht hAt lanb| 

man nimct »tr^ unde tchanb, 

tnaii biiiC drin wiltprdt, vitche, 

die ui^n treit luo tische. 100 

xwür ich wolle wett«*: 

•tn» under leite 

leitet mau. ilax weil ich wol, 

•Ue mau xe rehte toi. 



17 «t-t^aa. S« ttfauwel. ty. .Hl mit : Kvril 44 ua«. «•» 7(» kUub . blanb 
t ttro. »7 dax Ml. VX luoj vn. 104 



GEDICHTE DES KÖNIGS VOM ODENWALD. 



303 



mit itrd bewint man gerne 105 

sicheln in der eme. 

vom 8tr6we kumet heil: 

swft man h&t hier veil; 

dA steckt man üf ein stro. 

das manz erkenne dd. 110 

von ttrdwe üseln wert, 

die man zuo dem wahs begcrt, 

das man in tafeln rtbet 

und danne drinne schribet. 

dorch 8trd man laugen rennet; 115 

mit strd man liebt enbrennet. 

Bwer danne trinket durch den halm, 

das drüf st^t, daz mag er maln. 

der rede sölt ir gaumen: 

strd suo belzbaumen. 120 

man leget strö under vaz, 

das sie ligen deste baz. 

dannoch ist unverswigen: 

durch strd wirt gesigeu 

hefen, daz heizt grokölikin, 125 

das isset man bt dem Rin. 

strd in komit 

föert man in den landen wit. 

h£t ichz vergezzen, daz vv^r übel: 

Üxstr6we macht man vensterschübel. 1 30 

und stdz in die hiute, 

daz wil ich bediute. 

eins wil in mir türme: 

mit strowe toet mau würoic. 

str6 in den eschen, 135 

dA mite sie koln leschen. 

dannoch hän ich einz gespürt: 

mit strowe man die zene stürt. 

noch sol ich begrifcn: 

man hat stro zuo pfifeii. 140 

mit strd besieht man brötcn 

zuo ostem, die sie bötcii. 

mit strö man sie beraufet, 

einer der sie kaufet. 

daz rede ich öne nit: 145 

mit strö mau guot üf (;it; 

es sf hö ader nider, 

mit strowe Übt man ez iu wider. 



von Btröwe kumen keche, 

daz macht daz vibe freche. 150 

vom strowe kamen agen^ 

sol mau in ofen tragen. 

man hat auch ströbenke vil. 

mit strowe mizzet man die spil: 

mit dem halme zinhet man, 155 

einer gewinnt den andern an. 

mit strowe rüeren eier 

Sw&beu, Franken, Beier. 

ez ist noch niht berihtet gar: 

strö zuo dem nädelkar. 160 

swä man phert verkaufen wel, 

mit strowe zeichent man ir vel. 

strö man under setel leit, 

swä man pbert zuo vil gereit, 

iu überigen hitzen^ 165 

swä sie geswitzen. 

strö man in die büecher leit, 

da von wirt ein underscheit. — 

über strö tuot man win, (fol. 201**) 

der wirt klör unde vin. 170 

bambast unde strösag; 

der schuocbe ich niht verswigeu mag: 

da stoezt man strö in^ 

daz die füezc iht liden pin. 

stroewiu seteu unde nest, 175 

die sin lange vor gewest. 

zwar ez ist ein kluoger site: 

man zieret taschen, kappen mite, 

und die jungfrau-schapal, 

die sie tragen überal. 180 

strö üf helme 

füert man in dem melme : 

daz ist ein weideliche fuor; 

und sint auch die von Sabsenfluor 

in der herferte 185 

hat man schaube herte; 

maniger darnach gäbet 

und herberg mite v&het. 

man stüelt mit unde tischet, 

daz ist unvermischet. 190 

so hurten sie mit dem strö: 

daz sage ich hie und anderswo. 



106 eren. 114 drin. 131—168 am Rande nachgetragen. 149 keffche. 

166 mit di balm. 157 rum. 159 belihtet 161 wil. 165 dbegigen. 179 jnngfrauwe 
schaiMd. 



IHM 



K. VON BAHDEK 



8o«hU4 liget maniger drftf, 

mit lichten tchrien liv: heb uf! 

mit fetrowe kui man dempfeii. 195 

■wtt mau dann wirt kempfcn, 

utit fetröwo macht mau krci/i', 

driune wirt in heize. 

Awä uiAU duun turnierety 

mit ftröwe wirt gezieret 2<MI 

die wi'heu zäume und die ro*f 

die du waten durch das mu«, 

darüf mau ereu welt4*t 

und den pris behaltet. 

i«*h sprit'hf daz df miue zuht: lfU6 

11 f Mtrtiw«? wchaet rt*ini* fniht. 

da mit«! mau kamber biiezet. 

daz iitit't Ai ge^rii(-/ot! 

da iiiiiiuft mau »ich iilr, 

lUri'ix wirt ««in hiifi*. 210 



dA von liute werden, 

ez wehsef Az der erden. 

von atrowe kämet h6b«r muot, 

daz von der tideo niht eutuut. 

und dann der klörn obUten. 

der euiül man niht ger&tcu; 

(daz rede ich uiie eiHit) 

darin kumt der edel got: 

in reiner priester beude 

lezzet er zieh weude, 

darumb daz wir zin haben frumeu 

und daz wir zuu gott* kumeii. 

duz tülle wir im getrüwe 

und nit die minuer büwe. 

al»4i hat gi*iiproelien joeh 

der kiinif; vom Otenwalde doeh. 



J I :. 



:f'-*o 



•_• -j [^ 



Vom • w i u ^ I X ; 



\V«*uu ieh nü niht uiuwt* bin, 

»i'» Bprii'het manigrr: uü wt»| hin! 

wir auldfu haben ein niuwr/, 

künlg, lihtf unn ein fzctriiiwi-i:' 

Hidi'r ich tUnn muoz niuwf »in, ff 

»u »il irh tihten vonii* Hwin 

ir m-hrifu niaf; man billich dulii. 

\iin III kiiuifu Ii'b<-Mi»lu. 

^ffiillft iiinl ^rhrntt'ii, 

'iiu Will in dif ^\v liati*i!*| lo 

^rbriif*«i'l und ^t'brt'hi*!. 

i\vh Miiil -if un|e«*iwi*«'h«t 

nü <it ii li iM^truhlvu 

würntf* in >ier :ihl«'n 

\oni hirnt- und «um »wei«*, IT» 

uui'h Icberwiirstf hi*i<r 

lind würit«* vnnit- bri'ilt*. 

tlif brhclt man s|»«'jti'. 

hiät«' bi drr glüfte 

f'rb<'n HUih gi-müetr. !.'<( 



bet raufet Huiteu d runder. 

tlaz (Miiit kein wunder. 

h('»b«'t, ••mi, zagi'l, fti**i 

liinl riin'Z du iiiile vi, rni 

und dir \ier swinin beiu 'fol. l'it}*) *jr« 

in «'Zzi^ Ulli! in ^uln-in, 

luiit;**. niilze und ilen uiagm, 

■lU vuti uiuitz ich kiiuig ■a^m) 

du «on werden ilir gerihtr 

im iiii*rkrt w:i/ ifh tihti** .t** 

dir blÜNf'ii nutzet inaii auch wid, 

m.'irrui» iii:in nie nutzru sul 

so hat nriii «|>ec uf irwi/ 

in ii:«z huuii und an den »pia: 

nmU ^'i'Mitfu hiiwire «in, iL'* 

tlraii t'i'hiirret h|N*c und prterlin. 

daiiiMK'h \v^f irh finz darin: 

^•rifbiii in muot und uf die bri, 

phankui'fhen und«* krephelin 

kunii'ii :illi' von dem «wio, 4ti 



'.*«)7 kiiDirr 2I& klufi II. :f:il «III. 3VM L't-tnmr. Am Hcktab von ■«•ntvr 

lliixi llii- ifrl ui dir rrde Tum *U'» i^err plu' m tinr liui «ului» in t*eiu Coli» kr« 
• •• i.i «II h »iii fitl 277 i. 

I\ 1 lirrnrhriA: Uiti i"t •-iii rrd«* \*'it (lt*m ««iiii uimI .lurli «uu drui imlzc p4U üh- 
I. -i itiiirhi »11 bald« drf kiuiig vom IMruwaidf I \\ an & dannr. II. IS gebrrlii 

.«««ilit la. Uftweis:bcia. 17. In brul «pul. IV bie. 21 belffwil. 

i^ 4«« IM iM 29 Ue. M erwaU. U tpiea. M daran gebort. 



GEDICHTE DES KÖNIGS VOM ODENWALD. 



305 



45 



50 



55 



60 



kloese TOine biaze, 

die dünken sich bö hiuzc. 

edel wiltbrt^t sd ist daz. 

ich sage iuch vomc swinc baz: 

schultern nnde bammen 

uem meide unde ammen. 

Yom swfne kumen veiztc krüt, 

sie ezsen briutgam nnde brüt. 

CB ist ein gwonlicher site, 

man bezzert alle kost d& mite. 

ein spetlin an die vische: 

daz mich daz iht verwische! 

die zene nutzet swer ez kan, 

ez sint f ran wen oder man. 

die grdzen smerleib undc smalz, 

darzno muoz man haben sulz; 

man smirt dA mite an manigcr stat 

leitem, daz sie werden glat. 

büecher, setel, bugkelSr 

werden von der hüt gewCr. 

td haben danne die smide snel 

Ton der hiute schürzevel. 

riemen üf dem helmc 

Aem sie in dem melme, 



Vom übclen 

Swer niht mag haben guoten muot, 

dem geschiht nimmer guot; 

und swer da hftt ein übel wib, 

die im derret stnen lib 

beide sp&te unde fruo, 5 

wizzet, dem ist nähezuo 

ein freislich tier gebunden» 

ist iemau; derz befunden 

habe, der gelanbe mir^ 

daz ich sagen wil von ir: 

daz sie ist arges muotes 

und sich auch lützel guotes 

flizet naht und auch den tag. 

swaz Übels sie volbringen mag, 

dft sümet sie sich w§nig an: 

dk von muoz ir Sman 

Itden angest unde not 

biz an ir enweders tut. 



10 



15 



nehsten und vürbinden, 65 

swä sie sie veilc vinden; 

riemen zno dem scharsach, 

(daz selbe ich hörte unde sach) 

daz er daran strichet vil, 

8 wenn er die berte schem wil. 70 

sd viot man von der hiute bereit 

gürtein smal unde breit. 

ich sage iuch von den bürsten wor: 

da mite slihten sie daz h6r; 

ein ieglich schuochworhter 75 

mag der bürsten niht enper; 

web^r und auch die m616r 

haben zuo den bürsten ger, 

darzuo ein ieglich goltsmit 

wirket auch sin werk da mit. 80 

mit den bürsten machet man 

gleser schoene swer ez kan. 

so sin danne die bürsten edel: 

man tuet sie in den wihewedcl; 

den man nützet auch durch guot. 85 

daz uns got habe in siner huot! 

der künig hftt gemachet daz: 

swer ez nü künne der tihte baz. 

wibe (XI). 

sie ist im allczit gehaz: 

wil er ditz, sd wil sie daz, 20 

wil er hie, sie wil dö, 

ist er trurig, sie ist frO, 

wil er ezzen, sie wil trinken, 

wil er diuten, sie wil winken, 

wil er hoch, sie wil nider, 25 

wil er hin, sie wil wider, 

wil er nider, sie wil hoch, 

wil er gemach, ir ist gdch, 

wil er sitzen^ sie wil stftn, 

wil er stau, sie wil gän, 30 

wil er sl^en, sie wil wachen, 

wil er weinen, sie wil lachen. 

wil er Blieben, sie wil laufen, 

wil er slahen, sie wil raufen, 

(des kan sie sich alles flizen) 35 

wil er küssen, sie wil bizen, 



41. 42 buz8:hazs. 43 wiltbreht. 49 gcwonlicher. 70 wau. 78. 81 borsten. 
XI. Oberschrift: Ditz ist uon du vbeln wibe. 1 gute. 5 beidiu. 8 derc] des 

9 glaube. 21 di. 

QOMAXIA, Nene Beihe XI. (Ulli.) Jahrg. 20 



306 



K. VON BAHDER 



swem er wünscht^ dem wii bie iluuclieu, 

swcnn daz er sie wil versuoeheD, 

daz hilfet in allez niht; 

sie heizet in ein boesewikt 40 

8 wer derselben eine habe, 

der tuo sich ir enzit abe, 

und neme ein zehez Untbast 

und bind sie vaste an einen ast, 



und väh zwein wolfe oder drS 
und henge sie gar nfthe bi: 
so gesach nieman galgen 
mit ad argen balgen, 
dann der den tinfel vienge 
und in zuo in hienge. 
ir tugentlichen frauwen, 
lät iuch niht bi in schauwen! 



45 



50 



Von dem widereffen (XII). 



10 



15 



Könd ich getihte vinden, (fol.280*) 

ich wölte niht erwinden, 

ich tiht wicz in der werlde st^Lt: 

mit eren maniger sich begät, 

maniger auch nach schänden strebt ; 5 

und daz ist ungelich gelebt. 

von den snoeden wil ich varn, 

mit den bidern mich bewarn, 

die nilch steten triuwen st^n 

und mit tugenden sich begßn. 

86 tihte ich von der werlde list, 

der manigvalt verborgen ist^ 

und auch ist ofiPenlichen 

den armen und den riehen. 

ein list der heizt daz widerefiPen: 

(darumb so sol mich nieman trefifen) 

daz effen manigvaltig ist, 

daz nieman kan den selben list 

volschriben und durchgründe. 

alle tage niuwe fiinde 

vinden die üf erden sint. 

daz ist der vater und sin kint, 

die sten nach argen listen 

und heizen alle cristen. 

manigcn mag man niht getrüwen, 

daz ieman mag üf in gebüwcn. 

ein bruoder wider bruoder ist, 

(icgslicher der hdt sincn list) 

ein kiut ist wider den vater sin, 

darumb so muoz er liden piu. 

ein frauwe auch e£fet ircn man. 

swa er sich niht behüeten kan; 



20 



25 



30 



daz ist ein nngetriuwer list, 
des manig frauwe unschuldig ist, 
die man darzuo niht nennen sol: 
manig erber wib ist tagende yo1| 
die mannen geben gnoten guot 
und doch vor schaden sint behaot. 
ein widere£Pen muoz ich rüere: 
man swert nü die groesten swüere, 
des sie wSnig sin gebeten; 
got wolle die argen sweren jeten 
üz der guoten Hute sftmeni 
die von guoter art ie kämen, 
die süUen miden unreht swem, 
da mite sie die s§le oem. 
ein widereffin ich bediute: 
(daz effin tri£Pet gar vil liute) 
raub und brant, das ist ir site, 
da wöln sie lob irwerben mite: 
swer des aller meist nü taot, 
der ist fri und höchgemaot. 
Lamparten Priuzen und Tosk&n, 
da kSren sie sich w6nig an 
und wöln doch sin gesellen 
und graben under die swellen: 
hie vor man über swellen gie, 
drunder hin sliefen sie. 
daz ist auch ein widereffeD, 
da mite sie manigen treffen.' 
ist daz allez niht geeffet gnnog, 
80 wer der künig niht gar klaog. 
daz sprach ein alter ezzigkruQg. 



35 



40 



45 



50 



55 



60 



42 Kit IIs. , enzit .in der entsprechenden Stelle Liedersaal 631, 972. 49 den 

felilt. 51 la^zet. 

XU. Überschrift: Ein rede de.s kung^es vö dt? widereffen. 8 byd^m. S6 gebSwen. 

63 pruzHHe. 56 wollen. 



GEDICHTE DES KÖNIGS VOM ODENWALD. 



307 



Vom nngelimph (XIIl). 



Hie Tor was triuwe und ^renspil: 

(fol.280*') 
die iit auch noch und niht so vil^ 
funden ist ein niuwez reht; 
hie TOT was ritter oder knekt, 
er hiez den vinden widersagen, 5 

6 er üf sie wolte jagen. 
ein andern siten haben sie: 
ich sach sin kachelofen nie, 
giht einer unde brennet in, 
alsd st^t des selben sin. 10 

ein ander ist vermezzen: 
ich hAn keins phftwen gezzen 
mit im^ giht er zno der stunt, 
niht anders widersagt sin munt. 
das ist ein boeser sitte. 15 

86 sprichet dann der dritte: 
er enist min gvater noch min tote, 
ich bin als bald d& als ein böte, 
der im widersagen sol; 
ich wil sine küewe hol. 20 

hier vor ein werder fürste reit 
mit grftven, herren nnverzeit 
üf der beide und durch daz gras, 
al damftch er danne was. 
ein ritter guot der hielt da bi: 25 
wie manig ros mag dil gcsi, 



sprach er, der mirz wölte spehen. 
ein rischer sprach: ich wilz besehen, 
er reit zuo zin und besach, 
er quam erwider unde sprach, SO 

als er gebrüefet hSte, 
daz seit er im 8t€te. 
der rosse der ist vil abkumen, 
ein niuwe frag hdn ich vernumen: 
man sölt n&ch kr6nten helmen fragen; 

35 
die sint wol halbe under wegen, 
bcckelhüben, slappen, 
fuorten ritter unde knappen; 
sich wandelt ir gemüete, 
ez kumen kezzelhflete, 40 

daz man sie nennet über al 
und sie briiefet an der zal. 
nü wil ichz Uzzen underwegen: 
sie sint doch guot für den regen^ 
und geben für die sunnen schaten, 45 
innen haben sie badewaten(?) 
sam mir der heilige Crist, 
daz ez ein schemlich wöpen ist 
einem riehen ritter guot; 
in füert dann einer vor armuot. 50 
ez ist niht ein guoter schimph 
und heizet wol ein ungelimph. 



An merkungen. 

I. 

6 Die Hb. bietet wenne sowohl für das mhd. wanne , als für wände; 
man hat keinen Grund dies in wanne zu verändern (Weinhold §. 315). 
Anders bei danne: hier bietet die Hs. zwar auch überwiegend denne, daneben 
aber auch danne, darunter einmal im Reim danne : phanne II| 87. Ich habe 
es deshalb durchgeführt. 

11 Der Ausdruck gelebtc d. i. geronnene Milch begegnet sonst nur noch 
im Buch von guter Speise S. 10 wiltu machen ein gebraten milich so nim die 
do niht veiztes zu si kummen und die gelebt si etc. Abgeleitet ist das Wort 
von lap, „coagulum*', vgl. Lexcr s. v. 

12 sich überheben bedeutet sonst im Mhd. 1. sich von etwas befreien^ 
2. übermüthig werden. Nur das Letztere konnte hier passen, also etwa: die 



XIII. Obersebrift: Ein rede des knnges von dem ungelimph. 8 sinen. 13 site. 
16 sprechet. 17 gcuater. 18 do. 17. 18 toet : boet 29 zutz ia 34 vemum- 
men. 40 kument an k. 49 richer. 

20» 



3ll>^ K VON HAHDKK 



rC 



er iuiicnc .Miicii, .lUi du* man sich i-twas zu gute thut? Dem ZuMmmrnhani: 
nach behi'int jedoch HJi'h iihi*rh«rht'ii hirr „nich aufhüben" zu hoilcuten. 

1^2 lliutfr (irm Hahiti ni , (lau dk* IN. bipteC. kami nur Salem ttceketi. 
^Zwitcheii Bolaii uml Salfrn" ist eine imcr v-'c wohnlichen Bezeichnungen deut* 
Hchcn Landes^ irii- ^Tun drr Klbe unz :ui den PfAt*^, v|il. Germania VIK l^b. 

4J vel liat hier dicMillK* Hedeutiiiif^ wie unicr süaut^, w<*nn wir sagen 
„seine Haut zu Markte tra^'m*^. Kim* ^:inz ahnliehe Verbindung ist: hie 
umbe wugent nie ir vel SISH 1, i\ 

83 silhalse «Kiimujet' ist eine tautolopsche Zuttammensetjun^. sile be 
deutet ini Mhd. «(sescliirr bei Zucvieb*^. Eb«-UMu wird es bei Frisch 2. 277 
erklärt .8illen sind bei Kini^en das Strick- und UicmeDscug an den Kiamneteu". 
halse erklärt Leiir 1, 11.') 7 als .IfaUriemen des Leithundes", es hatte wokl 
auch die allgemeinere Bedeutung ^ Kummet^. 

88 sich begen eines dinges in der Hedeutung ,,sich durch etwa« seinen 
l««bens unterhalt Tervchafffn* kommt in den Ciedichtcn noch mehrmab vor« so 
IV. Ifi die sich der sehäft* iiü beg^n. IV, Iftl nii wol sA hegen ich mich. 
XII. M' und mit tugenden sich begen. 

115 kiuri ki>nnt4* man ausammenatellen mit Küreb 1>\V. 5,9061 «ein 
mantelartiges (Mierkleid", das nach AdWung von poln. ktreia , nach Scbaelter 
von franz. cun* heran' iten ist. Indennen ist es dem Zusammenhang nach 
wahrscheinlicher, daß kiuri dait frz. eourroii' „Kiemen. Gürtel** ist, dae aus 
lat. corigia entsprungen ist, vgl. Diez Et. Wh. I^. 130. 

13*J |>hul, diese Nebenform für mhd. phulwe begegnet auch sonst in 
md. Schriften, vgl. Lex er 'J^ 2(i*>. 

15«) kocte bedeutet eigentlich .Knöchel*^, dann die bierans verfertigten 
Würfel, namentlich die den Kindern zum Spiel dienen, vgl. I)W. 5, S081. 

165 luneln sind lie lunulae. die Isidor, Etym. II*, 31 erklärt werden 
als ^ornamenta mulieruui in similitudineni luuae bullulae aureae dependeates*, 
vgl. l)u Gange IV, 161''. Der Ausdruck kommt auch im schol. la Jnv. 7. 
193 vi.r iu der Hedeutung ..ViTzierungen auf den .^chuhen der Senaton'n**« 
vgl. Geurgef, lat. -deutsches Wh II*, 101. Aus dem Deutschen ist das Wort 
sonst nicht zu belegfn. 

I»'*7 b.iniha»t. 'l.i auch VII. 171 begegnet, ii»l dasielbc Wort wie Baus 
bei Krii»! h ] , .'i4 ^h*\ Sittiern ein Stück au einem Fuhrtattel**, vgl. auch 
Rambs. DW. 1, 10*.*:» Die Erklärung Adelungs ^dickes haariges Fell am 
Sattel** |ialjt vollki^ninieu fiir unser bamb.L>t. Die ursprüngliehe Form des 
WortiH , driacn Eiyn;('lugie duukrl ist, w.ir bambas , bambes, ans dem sich 
eincrarit« mit unorguni^ih angetreten eni t hauihast, ai;<!crerseita mit Verkflrsaog 
Hamb", n;iuis entwickelte. 

löH gctilz weili ich nicht zu irklären. Vielleicht ist daa Wort mit dilis. 
tilis .Uuges Meimr' verwandt. 

17'.' vgl die be«. .iitit«- Erz:fthlung hri |f<>uer XCIX. 

IM« zerfe? Das Wurt »chcint \crwauJt zu 'ein mit ahd. lerbjas ,|Vo- 
lutare*", mhd. zirben .i"i Kfi-isr drthen^. 

'Jl.' t!''u><- wird v.in Wii^-itul 1 , 400 a!s ^Diinutheil zwischen Kippen 
and Sihi-ukriu*. \"n GriUiOi .'i. l7o^ (hier fiUihlieh aU neutr. augesetit) als 
«Nicreufett Vi-n Schweinen, Gängen, Kischcu" erklärt: hier paßt keine diraer 
beiden Erklirung*-n. dagegen sehr wühl die, welche iu Friaiiia dicL Ut. gem. 



GEDICHTE DES KÖNIGS VOM ODENWALD 309 

(1556) von flemle gegeben wird ^die heütle und flemle, darinn die inneren 
glider des leybs ejngfasset und umbgäben sind^ als die läbem, lung, bertz etc.'' 
Auch an unserer Stelle bedeutet fleme die innere Fetthaut, die statt des Fen- 
sterglases verwandt werden kann. 

n. 

14 blazze ist ein Wasservogel ^ jetzt Bläßlein genannt, fnllica atra L. 
Vgl. Schmeller 1^, 830. 

29 In dem Nom. grüener kle sehe ich keinen Schreibfehler, sondern 
eine der volksmässigen Redeweise angemessene Construction ^ vgl. J. Grimm, 
Germania 2, 417 und L. Tobler, Über die scheinbare Verwechslung zwischen 
Nominativ und Accusativ, Zeitschrift f. d. Phil. 2, 375 f. 

39 gützen ist Bezeichnung des Lautes des Kukuks. Das Wort ist aus 
dem mhd. guckezen zusammengezogen. Die Verkürzung ist fränkisch, wie sie 
sich auch im Renner findet. 

50 getzen ist Bezeichnung des Lautes der Huhner, verkürzt aus gagzen 
(Lexer 1, 724), vgl. gatzen „schnattern" bei Schmeller 1^, 967. Der Ausdruck 
ist besonders fränkisch und findet sich z. B. häufig bei Hans Sachs. 

53 Diese und die folgende Zeile sind in der gegebenen Form schwerlich 
richtig. Ich glaube, daß nicht die Kürzung von maniger leie in manigerlei, 
sondern vielmehr eine Nebenform eie für ei, die zwar nicht hier, aber 62. 64 
in der Hs. steht, anzunehmen ist. Dadurch gewinnen sowohl diese , als auch 
die Verse 62. 64. 70 eine viel bessere Form. 

54 Die Form brenget für bringet, die sich auch IV, 52 findet, entsprach 
gewiß der Mundart des Dichters, vgl. Weinhold §. 32. Auch sonst zeigt die 
Hs. zuweilen im Praes. e für i, z. B. biwerft I, 63, sprechet XIII, 16. Die 
Reime geben uns keinen Aufschluß darüber, welche Form für den Dichter an- 
zunehmen ist. 

68 Das handschriftliche kolhopfen wird wohl verderbt sein, wenn man 
nicht eine Contraction annehmen will^ die sonst nicht vorkommt. Das an- 
lautende k in kogel, gewöhnlich gogel, gugel gehört dem Md. an. Weiteres 
über dieses fränkische Nationalgericht bei Schmeller 1^, 880. 

83 Das handschriftliche getrilich weiß ich nicht zu erklären , ich ver- 
muthe deshalb getriuwelich oder getriulich, dessen Bedeutung hier passen 
könnte. Milich muß dann nothwendig mit 2 Hebungen gelesen werden. 

86 verlorene eier bedeutet Eier ohne weitere Zuthat; ein noch jetzt go- 
bräuchlicher Ausdruck , vgl. in Coleri Oeconomia oder Haußbuch (Wittenberg 
1604) Theil 1, S. 167 ^Ein verlorenes Hühnlein zu machen^. 

109 Bei Lexer 1, 2259 wird mutze, mutsche erklärt ^Brod von ge- 
ringer Größe und Beschafienheit^. Es scheint mir wahrscheinlicher, daß dar- 
unter ein feineres Backwerk zu verstehen sei, vgl Schmeller I*, 1700 das 
Mütschclein (an einigen Orten) ^Art feineren Bäckerbrodes^. Das ursprüng- 
liche z zeigen noch: Mötzchen kurh. Idiotikon 273. Mänzchen, Müzchen, Müze 
^einc Art Backwerk^ Firmenich I, 188. 

110 tutzeu, das im Mhd. sonst nur in der Bedeutung „beschwichtigen^ 
nachzuweisen ist, heißt hier offenbar ^verschweigen^. 

119 Das früheste Beispiel, das Weigand 2, 798 für stärken in der 
Bedeutung „ein Gewand steif machen^ anführt, ist ans dem Jahre 1517. Die 



310 K. VON BAHDER 

Nebenform Htirken für tterken kommt in Diefvnbacht gloMAiiiim 141*, 286^, 
244* vor. Man braucht deshalb nicht den Keim tterket : werket aninnehmeA. 
121 Über die Verwendung von Eiern lur Weinbereitnng findet man eine 
Anweirang in dem gcnanutcn Hausbuch des Johannes Coler Buch 4. Vom 
Weinbau 8. 90: wiltu einen schönen Wein machon, so nim das Weiße von 
Ejem und schlahc es wol in einen Topf, thue es in Wein, das maebt in fein 
lauter und klar. 

138 ^soU man in Eiern willkommen heißen^, vgl VII, 208 das elrß ei 
gegrfieiet! 

139 Vgl. Coler a. a. 0. Buch 1,8. 136 n8«<^te Krebse in aaebaB** 
and Buch von guter Speise S. 9, Nr. 23, wo aueh der Auidniek morebeo 
seine ErkliUung findet. 

142 Auf den Gebrauch, daß Fleisch oder lebendiges Vieh lu Ostern 
geweiht wird , wird auch IV, 44 f. angespielt : stier und aueh die kilbar, der 
maniges wol gedihet, das manx xuo 6stem wihet, vgl. auch 6sterwtelie bei 
8. Helbling 8, 298. 

148 Auch diesen Kunstaasdruck der mittelaltcrlichon Kochkuaat fiad«n 
wir bei Coler erklärt Buch 1, S. 190 ^gestQrste Ejrer lu machen '^^ 

164 Eine pins ähnliche Anweisung findet sich auch im Buch v. g. Sp. 
S. 5 jft'm gut spise von huenem*. 

194 gehfirwc ,|Eingt*wcidc^. In dieser Bedeutung ist das Wort sonst 
nicht nachgewiesen; es begegnet überhaupt nur noch in der llartina 119, 1, 
wo es aber in der eigentlichen Bedeutung «Menge von Koth^ steht. 

235 Es ist hier von Wetttänsen um den Preis eines Hahnes die Scde, 
vgl. DW. 4. 2, 169 unter Uahnentanx. 

2bb Diese Anweisung itl wohl schershaft su nehmen, worauf aueh V. 257 
hinweitti Zu dem Ausdruck die röschen lilachen, vgl. man ein röschas bette 
bei I^ser 2, 490. 

271 Diese Stelle iat Mchwet verhläiidlich und scheint in der Mb. ver- 
dorben xu sein. Ut unter Nachthnhn da» Fastnachtshuhn tu verstcbea? Vgl. 
über «lie« (Srimm, KecliUaltert humer 374. Stobbe, Deutsches l'rivatrecht Bd. II, 
486, Nr. «iü. Wahrscheinlicher enchrint mir die Annahme, auf die mieb Herr 
Prof. Cohn gütigst aufmerksam fiemacbt hat, daß tu diesen Versen auf die 
Atinng angespielt wird, welche div ilrrrachaft auf Koben von dea Hdrigea lu 
fordern hatte, vgl. Grimm, KA. 3*>0. Die eine hier aus den Hob. boica 5, 
221 angt-führtc Htellc erw^hut auch ausdrücklich die Lieferung von Ufthnem: 
item wo unser amtleut sitzen, wan wir lu taidiiig reiten, su sullen wir min 
nahtxil haben und sullen unter leut füttern und hüner darbringen als von 
alter herkomcn ist*). Der Ver»- di«* eigenliute mite behalien bleibt dabei launcr 
noch unklar. Vielleicht ist auch an eine (fr^t-nltiituiit; dr« Herrn bei Leistaag 
von Abjrabrn lU denken, vgl. tirimm. ItA. I(1M, 'Jl 7 ; wie hier bri Überbria* 
gung \oii Kischrti durften di*' Kipenlrut«- %ii'lirirht :iut'h b<M Ülierbiiagaag 
von ilühuern auf Bewtrthunc un-l ll>-rherk-p rcrhii«>ti; V. l.'7S müßte dann aal* 
Sprechend erginxt werden > viellcidit >»t mivU »tatt uiiu- tu UsenV**). 

*) Eine ähnliche Stelln hu <•. L t. UsuftT. (St ..• Im-hit d^r Kruhnh^f* ste. 
lU, WS. 

**» Vgl. n>eh besonders Manrer a. a. O. p. SOS. 



GEDICHTE DES KÖNIGS VOM ODENWALD. 31 1 

IV. 

4 lauben in der Bedeutung „erlauben" kommt als Simplex nur noch bei 
Diemer 353, 8 und im Renner V. 8680 vor. Auch im Nd. kommt loven in dieser 
Bedeutung nur ganz vereinzelt vor, vgl. Scbiller-Lübben , Mnd. Wb. 2, 737^ 

30 Das mbd. scbalkcn in der Bedeutung „sieb wie ein Knecht betragen^, 
dann ^betrügen^ etc. ist hier nicht zutreffend. Vgl. auch bei Schmeller 3, 
357 Schalken „in Schalken (Scheite) hauen", sich schalken „in Schalken 
springen, entzweigehen". 

35 wätmeng^r „Tuchhändler**, vgl. Schmeller 2, 599 der Manger, Ma- 
niger, Menger „der Händler, Negociant" und Graff U, 807 mangari „mercator**. 
Das Wort wätmenger, hier latinisiert watmengarius belegt Schmeller 4, 194 
aus den Mon. boica III, 150 vom Jahre 1253. 

42 kilber „das weibliche Lamm", vgl. DW. 5, 203. Im Mhd. ist das 
Wort sonst nicht belegt. 

56 tenisch bezeichnet das aus der Haut des Damhirsches verfertigte 
Leder, vgl. das Dänlein „cervus dana** bei Schmeller l'^, 512. Der Dichter 
hebt den Nutzen des Schafpelzes gegenüber den Röcken aus Damhirschledcr, 
die vor Kälte nicht schützen, hervor. 

65 supfen scheint entstellt zu sein, wahrscheinlich aus schupfen, vgl. 
schope „Jacke** bei Lexer 2, 790 und Schoppen, Schöpplein bei Schmeller 
3, 377. 

85 stallen „harnen (vom Pferd)" findet sich in dieser Bedeutung nach 
Weigand 2, 273 zuerst im Teuthonista (1475). Doch gehen die bei Schmeller 
3, 627 angeführten Beispiele augenscheinlich vor diese Zeit zurück. 

88 Über den Piur. der Neutra auf -e, der sich besonders bei md. Dich- 
tem findet, vgl. Weinhold §. 437. Die Form beine ist wahrscheinlich auch 
V. 46 dieses Gedichtes in den Text zu setzen. 

95. 96 „Die Wollenschläger (wollensleher s. v. a. wollenslaher Mhd. 
Wb. iP, 380*) sollen ihre Schnüre fleissig bearbeiten". Die Wortstellung in 
diesen beiden Versen ist sehr auffallend. Vielleicht wird besser wollcnsleher- 
snüere als Compositum gefaßt, vgl. VU, 179 jungfrau-schapal. 

97. 98 Die Hs. bietet die Reime verneine : kreme (nicht kemme, wie oben 
S. 196 und 199 irrthümlich angegeben ist). Was unter kremme zu verstehen 
sei, weiß ich nicht und vcrmuthe deshalb als Reimworte vernemen : kramen 
(für kracmen Fl. zu kräm). Die Reimungenauigkeit wäre dann dieselbe wie 
in heher : weher II, 37. gewesen : genasen VIII, 13. fragen : underwegen XIII, 36. 

VI. 

10 Ein Masc. urdrütze, das der handschriftlichen Lesart nach anzunehmen 
wäre, ist sonst nicht belegt Man wird entweder ein Versehen des Schreibers 
annehmen müssen (den urdrütze für daz urdrütze) oder den Reim nuz : urdruz 
für das Ursprüngliche zu halten haben. Die Form nuz entspricht dem Md. 

13 mäze hat hier wohl die aligemeine Bedeutung „Art und Weise, Be- 
schaffenheit^, er ist in der mäze bedeutet also „er ist in der Lage*'. 

41 Ein Adjeetiv ungcbSrde „ungeberdig** kommt sonst im Mhd. nicht vor. 

49 Dies scheint sich auf ein uns nicht erhaltenes Lied eines sächsischen 
Herzogs zu beziehen , worin sich dieser in humoristischer Weise über seine 
Geldverlegenheiten ausläßt. 



;U2 K ^'<^N* »AUDKK 



VII. 

17 Hchocnoz brot bcdcatct Weißbrot, Waizcubrut. Im Bach v. g. äp. 
häo6g: S. 4. 9, 10 etc. Vgl. Haupt zu Nvidh. 43, 31. Der GcgcoMts i«l 
grobcz brot (Buch v. g. Sp. S. 4) oder rück in brAt, wie e« hier heißt. 

73 sAt ist hier entsprechend dem Nhd. swf. , trat im Mhd. Miwt nicht 
vorkommt. 

92 Die Nebenform kurb zu korb belebt Diefenbach im gloM. ans ^mei»! 
rheiniüchen Quellen"* und di*m Nd., Vf;l. DW. 5, 1797. 

108 V^'l. hierzu was Weigand in ILiuptb Zt. VI, 531 aus einer Ifs. de« 
14. Jahrhunderts mitpetheilt hat: rehd als der »trowin schoub vor dem wiahuse 
ist ein zeichen des wines in dem kcire, rehd also sind dv unseren werg ein 
zeichen des |;i*b«des in ticni hiTzvn etc. 

118 Dieser Vers ist mir nicht verfttiindlich. 

125 Dan Wort grokülikin weist schon durch das ableiteniie kin aaf 
den Niederrhein, es findet bich im Nirdcrläiid. als kruukelingy ist von hier aus 
ins Franziisische überpepingen cra«(uclin «ein kraehemles Backwerk", vgl. 
Dicz, Etym. Wh. II». 2r,r, 

133 Zu türme, vgl. bfi Lezer 2, 1582 tiirmel ,, Schwindel*', tQrmic „an- 
gestum^, turmlich .»ich drehend**. Vii-Ileicht darf hieraus ein Verbum türmen 
«bich im Kreise diehcn" erschlossen wrrden. Der Vers: eins wil in mir türme 
wäre dann zu erklaren: eins geht mir im Kopf herum. 

146 Über diesen weitverbreiteten Rechtsgebrauch verweise ich auf Qrimm, 
KcchUalterthümer 121 f. 

149 Der gewöhnliche Ausdruck für Spreu int kaf stn., vgl. Lexer 1, 1493. 
DW. 5, 20. Eine Form kach. wie sie hier der Keim fordert, ist sonst nicht 
belegt; darf sie als eine Nrhrnfnrm zu kiif betrachtet «erden? Wechsel iwiacben 
f und ch in dcm»elhen Worte kommt ja auch sonnt vor, vgl. slaf and slach. 
AnfTHllentl i»t, daß «las Geüchleeht in den beiden Wörtern verschieden ist. 
In dem handschiiflliehen kefTihe hat man wohl einen Versuch des Schreibers 
zu M'hen . ilas ihm ungewohnte keche der ihm geliiufigen Form zn niUiem. 
Den Keim kefe : vreche etwa für da^ Criptüngliche tu luilCen . geht nicht an. 
da solche Keimun;;enAuigkeiten in den Ctediehten nicht vorkommen; auch bliebe 
dann immer nueh di«- Ver^ehiedenheit des (tcschlcchte« zu erklären. 

15.% Das handM-hrihlieh mit di halm ii«t vielleicht beizubehalten; man 
müßle dann in di = mh<l. diu den Instr. (auf htro bezüglich) sehen, der auch 
V. 224 vorkommt, vgl. Weinhi'M i 465. TIkt den hier erwähnten Gebranch 
vgl. llaltaus giiiM. 7H2. 

161 Vgl. hierzu die b« i Giiuim, KA. 11*^» :iuit I^. 3, 544 angeführte 
Stellt* I>rr Strohwisch bezeichnete aber nirlit allein etwas Verkaufliches, 
sondern auch liie He«itzergrrifung, wiv aus V. IST. 188 unseres Gedichtes 
hervorgeht, vgl. (triuitii .i. a. <l. 

175 sete ..Kurb**« v^*l ahd .-tta satta ,|Cani«trum" bei Graff 6, 155. 
im Mhd. ist di« Wort nicht b« !« gt , fmdct »i^h aber im Nhd. Satte „Napf 
für Milch- Wev-and 2. 527. 

224 Falls die von mir angenommene Lesart die richtige ist , wäre der 
Ausdruck ..den nit büwen* in ahnlichem Sinne in nehmen, wie ndie m 



GEDICHTE DES KÖNIGS VOM ODENWALD. 313 

bdwen^ Tristan 12241. Indes kann nit auch = nibt sein, für büwen wäre 
dann die Bedeutung ^sich auf etwas verlassen'' anzunehmen. Über den Gre- 
brauch des Instr. vor dem Comparativ vgl. Weinhold §. 465. 

IX. 

8 Der Ausdruck lebersoln war bis jetzt nur aus dem Wahtelmaero V. 102 
naehgewiesen. Im mhd. Wb. 11^ , 466^ wird der zweite Theil des Wortes 
identifidert mit Snl, Snlch bei Schmeller 3, 235 ,, Wasser das von eingesalzenem 
Fleisch, Kraut u. dgl. zusammensitzt, Salzbrühcy salsugo''. vischsul ^^salsngo^ im 
Yoc. 1482. Für lebersol würde sich hieraus nicht ohne Weiteres die Be- 
dentong „Leberbrühe'' ergeben, wie im mhd. Wb. angegeben ist. Zudem 
geht ans unserer Stelle hervor , daß diese Erklärung gar nicht zutreffend ist; 
et handelt sich hier offenbar nicht um Leberbrühe, die man doch weder braten 
noch backen kann; wahrscheinlich spricht der Dichter von Leberklößen, an 
denen alle diese Proceduren vorgenommen werden können. Ein swv. bechen, 
gleichbedeutend mit bachen, das aus dieser Stelle hervorzugehen scheint, ist 
■onst nicht belegt. 

24 Ein Verbum ruzen in der Bedeutung y^brüllen, Geräusch machen^ 
findet sich belegt bei Lezer 2, 561 und bei Schmeller 3, 318 rußen ^schnar- 
eben'* und ib. 128 raußcn, anraußen ^einen anfahren, wild und ungestüm an- 
reden". Aus dem angeführten sprichwörtlichen Beleg (der raußt einen an wie 
die Sau einen Sack) geht aber hervor, daß die ursprüngliche Bedeutung des 
Wortes lybrüUen^ ist und zwar speciell vom Schwein. Daß nun rüz an unserer 
Stelle als 3 conj. praes. von diesem Verbum rüzen „brüllen" zu betrachten ist, 
•ehließe ich daraus, daß im ersten Gedicht V. 215 f., wo in ähnlicher Weise 
wie hier die verschiedenen Theile der Kuh aufgezählt werden, es heißt: milze, 
■iilze, fÜese^ daz miullfn alsd süeze etc. Einz da mite ez rüz ist nur Um- 
eehreibnng für den Rüssel des Schweins. 

41 Die Hs. bietet den Reim huss : buzs. Da husz nur das mhd. hiuzo 
•ein kann; so scheint hieraus ein starkes Masc. oder Ntr« bius gefolgert werden 
zu müssen. Dasselbe ist jedenfalls mit gebütze „Eingeweide" verwandt. Ob 
auch Bäuschlein „Eingeweide ^^ bei Schmeller I*, 298 hierher zu ziehen ist, ist 
aweifelhaft. 

51 Haben wir in spetlfn das mlat. spathula ,, Schulterblatt der Thierc" 
stt sehen oder bt speclin zu lesen? 

65 nehste scheint mir verderbt aus nestel, dessen Bedeutung „Band- 
schleife, Schnürriemen^ sehr gut zu riemcn und yürbinden paßt. Vielleicht ist 
auch an das einfache neste (Plur. zu nast) zu denken, das aus nastahit 
(RA. 906) zu entnehmen, aber sonst nicht belegt ist. 

XI. 
43 Vgl. über diese schimpfliche Todesart Grimm RA. 685. 

XII. 

42 An dieser Stelle scheint ein swm. swere ),der Schwerer^ , das sonst 
nur in der Zusammensetzung vorkommt (meinswere) belegt zu sein. Indes ist 
die argen tweren vielleicht besser als Relativsatz lu nehmen. 



314 A. RDZARDI 

56 Auch hier liegt ein alter Kechttgrbrauch tu Qnuidey Tgl. Grimm, 
KA r,79. Ilaltiiut. fiXon. ir>60 und die im mhd. Wl». 11*. 799^ au Bnidrr 
li« rtholi) anf^cftihrten Stellen. Der im Hause auf Irischer That ertappte and 
toiit ffcsch lagen u Verbrecher wurde unter der Schwelle darchsogen. 

63 Dieser Vers, der wohl mit Sicherheit als späterer Zosati au be 
triichten ist, vielleicht mit Beziehung auf Wahtelmaere 6. 

KARL VON BAHDER 



KLEINE BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE UND 
ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER 

IL 

S. Zu den Falkiisiiial. 

Ilior hat die VS. anerkanntermaßen den Liedestoxt sehr getreu 
wiedergegeben, und man hat daher hier auf die Abweichungen der Siaga 
bcbundereft Gewicht zu legen, wie denn auch dicBolbe mehrfacli voll 
ständigeren Text bewahrt hat, ao deutlich 3, 4 — 6. 18, 4^6. Kbenso 
gl.iuho ich, dai3 statt der Strophenordnung von 17—22 in R die in 
VS. benutzte IIa. nncli eine wesentlich abweichende und beßero An- 
ordnung hatte. Zunächst wird sich den meisten, die das Getprich Si- 
uMinid und Fnfnis bis Str. 21 losen, das Gefilhl aufdringen« daß das 
tirspräch mit 21. t) geschlossen haben muü*j, wie thatsächlich in VS. 
{nk It'i «/#!yr F'ifnir 122.8 bei ßugg«*). In R folgt darauf aber noch 
die Str. 22 in Fafnis Munde, während die dieser Strophe entsprechen- 
den Worte in VS. an anderer Stelle (121, 12 ff) und — wenn auch 
(ihne die ursprünglich umgebenden Stroplien, die Sigurd sprach — im 
iianzi'U doch, auf Stn>phe II und 1 1 folgend, passender stehen. Dioa«* 
Stellung in VS. flillt aber um so mehr ins (rewieht, als unmittelbar vor* 
her die Saga die Strophen 12—15, welche aui» einem den Vaf)»nid- 
ninmal verwandten**' mythologi&cheu Kepetitionsgedicht unpassend hier - 



* Aiid«r» denkt «ich Eicbfit Kfirv'k tili bt'lvMiiui; vio. p. 4S— 48 in l'p» 
riiiT. AA/»kr. 1877; die barbo. (I<ich kauo ich »ein« alliu itMacht« ErkllniBf aür nichi 
II t-i^i » niacben — »cbi'ii «fil für »u C'^mphrivrlo Wort«|iifIe die 8ita«titfa «mic 
aii^t tu (-*•«■ II ut. Aach Sjm-tti» III. *iSt scheint die StclluO|f Vt»ti Str. 9S ia II f^ dir 
uriiirünglirbrrt tu halten. 

**; Verwandt ia iahalt nod F»ra: die ralrainartifc Kialaitaair dar Fraf« ia 19. 
1 -3. 14. 1— S IM faal «Mlich a Val>r.. baaondm 8tr M, 1-S; 98. !• 



RTIBEAOE zur GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER, 315 



her gerathen sind, der Strophenfolge in R entsprechend wiedergibt: es 
wird dadurch wahrscheinlich, daß die in VS. benutzte Hs. die Str. 22 
Bwischen Str. 15 und 16 kannte. — Aber auch sonst, glaube ich^ hatte 
die in VS. benutzte Hs. noch eine andere Strophenfolge und vollstän- 
digeren Text, namentlich statt der Strophen 20 und 21 des Uegius. Ich 
setse EU bequemer Vergleichung den Abschnitt der VS. (121^ 23 — 122, 
8) hierher und die entsprechenden Strophen des Reg. daneben : 



9 rat r»d ek p^r, at pü takir best 
pinn ok rfdir 4 brott sein skjötast; 

|>Tiat )>at bendir opt, at 8&, er bana- 
8&r faar, befhir ein sj&lfr.** 

Sigardr segir: „])etta eru pin r&ct^ 
en annat man ek gera; ek man rfda 
til piuB h6\B ok taka ^ar pat it mikia 
gnll, er firasodr pimr hafa &tt/ 

F&fnir svarar: „Rida muntu }>ar til, 
er )>ü finnr 8V& mikit gull, at gcrt er 
um pintL daga; 

ok pst sama gull verdr ^inn bani [ok 
hTera annars, er ^at 4].** 

Sigardr stöd npp ok maelti: „Heim 
mmida ek rida^ p6tt ok mista pesss, 
ens mikla Q4r, cf ok vissa at ok skylda 
aldri dejja; 

en bverr frockn vill f6 rada, alt til 
ins eina dags; en ))d, F4fnir, ligg 1 
fidrbrotum, f>ar er ^ik Uel bafi.^ 



20, 1 — 3 raed ek )}<5r nü, Sigardr, 

en ])ü r4d nemir 
ok rid beim b^dan. 

fehlt. 

21, 1—3 r&d er ^^r r&dit 

on ck rida mun 

til ^es8 galls er 1 lyngyi liggr. 
feblt. 

fehlt. 

20, 4—6 it gialla gull 
ok it glodrauda f^ 
P6t verda ))oir baugar at bana. 

feblt. 



10, 1—3 Pd r4da 

vill fyrda (frrpkna) hverr 
SB til ins cina dags; 

21, 4—6 En J)ü, F4fnir, 
ligg i fiorbrotum, 
})ar er pik Hei liufi ! 

Die Verse 20,4—6, die in der Vorlage der VS. zwischen 21,3 
und 4 gestanden zu haben scheinen, finden sich schon einmal in 9, 
4 — 6, also vor den Versen 10, 1 — 3, welche in der Vorlage der VS. 
an unserer Stelle auch — allerdings anscheinend durch eine Strophe 
getrennt — den ersteren folgten. Wir haben es also hier mit formel- 
haft wiederkehrenden Versen zu thun, die dem Schreiber von R (oder 
einer zwischen dieser und der Vorlage von VS. liegenden Hs.?) auch 
in Str. 20, 4 — 6 irrthttmlich in die Feder kommen konnten, während VS. 
an dieser Stelle das richtige bewahrt hätte. Erwägen wir ferner, daß 
in R Fafnir viel mehr Strophen spricht als Sigurd — was ursprüng- 
lich schwerlich der Fall war — während in VS. die Rede zwischen 



316 A RDZABDl 

Sip^urd und Fafoir viel regelmftssiger wechselt, so werden wir uns der 
Ucberzcu^ung nicht wohl vorschliofien kOnnen, daß an tmserer Stelle 
die Anordnung der VS. auf einen rielfach vollständigeren^ ursprüng- 
licheren und besser geordneten Text des Liedes lurflokgeht ab ihn R 
bietet. Man wird also gut thun, diesen aus der VS. bis sa einem ge- 
wißcn Grade mit Wahrscheinlichkeit lu erschließenden Text mit R su 
vt*rgl<*ichcny um sich eine richtige Vorstellung von der orsprflngiiehen 
Gi*»talt des Liedes zu bilden*). 

Im zweiten Theil der Fafnismal. auf den übrigens dieser Name 
gar nicht mehr paßt und auf den auch die Ueberschrift des cod. R 
/'fvf daujtn /I<i/iiu] sich schwerlich noch beziehen soll, eraihlt Str. 25, 
wie Regin dem Sigurd erklärt, er habe in Fafni seineu (des Regin) 
Bruder gotödtet *^). Sigurd weist das in Str. 26 surOck, indem er dorn 
Regia selbst die Hauptschuld am Tode seines Bruders beimisst« In 
unserer Hs. folgt darauf ein Prosasats: Kegin schnitt Fafnis Hers aus 
und trank sein Blut, er sprach zu Sigurd: 

Str. 27 SittQ DU Sigantr, vitkold 

cu ek inuu sofa ganga, ek vil etia 14ta 

uk halt Fifuif hiarta rid funa; eptir peona drejra drjkk, 

Daran würde sieh dem Inhalte nach unmittelbar die Prosa hinter 
Str. 31 schlicsjten: Sigunfr tok Fdfni$ hiarta ok tteiläi 4 ieini etc. Da- 
zwischen aber stehen in R die Strophen 28^31, die nicht wohl hier- 

hfT gehleren kiVnnon. 

*) Man kmiire TennotbeSi daß die urapriinglichc Anordnnnf dw Stro p kaa 1 1 — >tt 
rtwa folfreiiile war: 

jl.> Sir II a:S— 16 onpaaaesdrr Eiiuchub). — (S.) Ein« Htropk«, die SlgaH 
4|.r«rh. f«*hlt |3.) FVafiiir;: Str. «3. — |4 ] ^igurd) fehlt — \b.\ F. Str. IS. — |Su] 
S Str. 17. (7.1 F Str. 18. 1 - 3 + V8.: at enffi ftorili ai hma i mAmd mit. •k mfi 
ni/m hr<rHäumui ek, « - |M.) 8. Su. 19 (fehlt V8., wo aocb Btr. 16 and IS aoMUDBiMif«- 
xo);rii «iiidi. 1» I r Str. SU, I — S -f VH. : /.rid/ f»ai kemdir opi, mi td, wr hmtm» 
h^fitir Wn »j^ifi-. |10.) 8. Sl. |~9 -|. VS.: ok Ukm pm- f^ Ü MttU yrntl, m 
y.inir A«/a 4U irtwa: mun ek mS- taka fii mikim yuUi <r f^ tüiu frmtit ^mir f). - 
1 11 I F. VS : Ri>ta mtmmiu )»at iU. er fm ßnnr «vd wUkÜ yWi. at g€H m mm /dM dmfm 
-i V\ 4 r>. = l*. 4 -6. ~ |1S.] 8 VS.: heim wmnäa ek Htfa, p6ti §k mitU ^mm m» 
millajj'ir. ef ek rwMi. ai ek et^lda aldn tUgja. - |13(?lSy)]. &=?/*# f^ddb mtt 
t'r'tkii^ htm «r tii ina eina datfi ; -r 10, 1 - 3) -f* 21. 4— S. Dies« Anordttiiaf, di« air 
«u< ilrr (*«»aitioativii drr VS. mit || aieh la eripeheo Bchrint, mAeht« kh hth m üf * 
al* nur ftirbrrc uod io allen Emirlheiten richfife aoa^beoi aber dar praehloaawt 
Trit warr jrdmfallt bca»«r («ordiiet uad volbtlndii^rr aU der von R. 

**) Wa« al*i» nach der Aoffattnug de« Dichten Hi^r«! vorhar B«eh aichl 
Nii::.tr. i»l)wiibl in nnterer Sammluni; Kif^rd die« trliou vorher (Refm.. DaMaallich 
lii-i:* mit ili-r Prosa) von Re|pn erfahren hatt«. Vfl. Zameka in daa Berichl— dtf 
brl •Ach*. rse*. d. Wiaa. phiL hiH. a IS70, p. IM. 



BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 817 

Daß Konftchst Str. 31 nicht hierher gehört, haben schon andere 
(Etbnüllery Bugge^ Hildebrand) erkannt: Es ist eine Strophe von 
gleichem Charakter , wie die Havamal, die wohl irrthümlich wegen 
Str. 30y4 hierher gerathen ist; in der Umschreibung der VS. fehlt sie. 
Aber auch Str. 28 — 30 erscheinen, wo sie in R stehen, als ein un- 
passendes Fragment eines Zankgespräches zwischen Sigurd und Re- 
gin. Es handelt sich nämlich hier wie in 25 — 26 um einen Wortstreit 
beider, und zwar hier darum , wer das Verdienst an Fafnis Tode 
trage, während in Str. 25 — 26 beide um die Schuld an seinem Tode 
stritten. Schon aus diesem Orunde liegt die Vermuthung nahe, daß Str. 
25—26 und 28 — 30 demselben Streitgespräche Sigurds und Regins an- 
gehören, während Str. 27 mit der ihr vorhergehenden Prosa pd gekk 
Begüin etc. auf Str. 30 folgen und an Str. 27 unmittelbar die hinter 
Str. 31 ttberlieferte Prosa sich anschliessen sollte. 

Zwischen Str. 26 und 28 muß aber eine Strophe (oder vielleicht 
mehrere) fehlen^ die Fafhi sprach. Der ursprüngliche Zusammenhang 
war dann wohl dieser: Regin, der vorher (in Str. 23) seiner Freude 
Qber Fafnis Tod Ausdruck gegeben; gedenkt in einer Pause des Nach- 
denkens (= VS. p. 122, 13 f.) seines eigentlichen Zweckes, den Hort 
des Bruders mit Sigurds Hilfe sich anzueignen. Er versucht dies zu- 
nächst, indem er Sigurd zum Schein als Mörder seines Bruders an- 
klagt — doch wohl nur, um als Bruderbuße den Hort zu er- 
halten oder doch einen Antheil an demselben*). Darauf aber muss 
Regin, da Sigurd ihm selber die Hauptschuld am Tode seines Bruders 
beimisst, andere Saiten aufziehen: Er nimmt Sigurds Entgegnung au 
and rechnet sich nunmehr seinen Antheil am Tode Fafnis als Ver- 
dienst an, deswegen ihm ein Antheil an der Beute gebühre. Der- 
gleichen muss Regin in einer zwischen 26 und 28 ausgefallenen Strophe 
geiaßert haben, worauf Sigurd in Str. 28 erklärt, er allein habe es 
mit Fafni aufgenommen, während Regin sich feige verborgen habe; 
auch Regins Grund, daß er Sigurd das Schwert zu der That ge- 
schmiedet (Str. 29), weist Sigurd zurück (Str. SO). So abgewiesen 



*) Sigurd braucht deshalb während seines Oespräches mit Regin noch nicht im 
Beiiftis des Hortes zu sein, was man allerdings nach 21, 2—3 erwarten sollte, wäh- 
read aber 26, 3 dagegen spricht: Sigurd wird sein blutiges Schwert doch wohl vor 
seinem Bitt zum Horte 'am Grase abgewischt* haben. Nach 40, 1 — 2 müßte allcrdingi 
Sigurd den Hort schon damals besessen haben (denn nur dann konnte er 'die rothcn 
Binge losammenbinden ), während doch erst nach 44 die Prosa seinen Ritt zum Horte 
bMiehtet Vielleicht darf man auch dies für die Unechtheit der Strophen 40—44 in 
diesem Zusammenhange geltend machen (s. unten p. 320 f.)< 



318 A. EDZARDI 

trinkt Regin, um sich dem Sigurd überlegen za machen, das Blat 
Fafnis und lässt sich zu dem gleichen Zwecke durch Sigurd das 
Herz braten ; denn er will inzwischen auf Mittel sinnoD; wie er Sigurd 
tödten könne. Der aber kostet selbst von dem Herzen und versteht 
in Folge dessen die Warnung der Vögel. 

Ich denke durch diese leichte Umstellung von Str. 28 — 30 (31\ 
oder richtiger von Str. 27 mit der vorhergehenden Prosa, erhalten wir 
statt der abgerissenen und schlecht geordneten Darstellung des Cod. R 
eine in untadeligem Zusammenhange sich entwickelnde Handlung. 
Meine Vermuthung findet aber darin eine wesentliche Bestätigung, 
daß auch VS. in der Hauptsache die von mir hergestellte Reihenfolge 
kannte. Dort folgt nämlich auf Str. 25 (= p. 122, 13-17), Str. 28 
(= 122, 17—21), Str. 29 (= 122,21-123, 1), Str. 30 (= 123, 1-3); 
dann folgt 123, 3 -5 1= 122, 13—15 == Str. 25, 4—6], dann die Prosa 
vor Str. 27 (= 123,5-6) und Str. 27 (= 123, 7—8) und unmittel- 
bar darauf die Prosa hinter Str. 31 (= 123, 8ff.). Also die VS. kannte 
Str. 28 — 30 (noch ohne die ungehörige Str. 31) vor Strophe 27 und 
der dieser voraufgehenden Prosa. Dagegen ist Str. 26 in VS. ausge- 
fallen und Str. 25 vielleicht mit der nach 26 fehlenden Strophe (26*) 
zusammengezogen. Die Verse 25, 4 — 6 scheint die VS. zweimal (das 
zweite Mal nach Str. 30) gekannt zu haben*). 

Auch 29, 6 glaube ich in VS. die richtige Lesart zu erkennen. 

In R heißt es Vers 4 — 6: 

ef J)ü sverds n^ iiytir, 

pess er ek sialfr görda, 

ok ])in8 ins hvassa hiors. 

Vers 6 sagt hier dasselbe^ was schon 4 — 5 sagten. Man erUirt 
das sehr künstlich : Des Schwertes, welches ich verfertigte, und welches 
nun dein Schwert ist' (Lüning). Aber das kann Regin an dieser Stelle 
gar nicht sagen wollen: es kommt ihm ja gerade darauf an, su be- 



*) Vielleicht erklärt sich das Überspringen von Str. 26 und die Zutammeaiis- 
hung von 26 und *26^ aus Abirren des Sagaschreibers (oder seiner Qaelle) von dos 
Schlossworten der Strophe 25 zu ähnlichen der Str. *26*. Man könnte rieh nlmBch 
denken, daß Vers 4 und 6 in beiden gleich lauteten, Vers 6 aber, wie er im im 
Str. 25 überliefert ist, ursprünglich der verlorenen Strophe angehOrtei wlhrend nSB 
in 25, G überhaupt andere Worte (etwa Regins Anspruch auf den Hort) er w a r te n sollte. 
[Hätte aber 25, 6 ursprünglich den Schluss der verlorenen Strophe *26* gebildet, eo 
k«^nnte sich die Umstellung von Str. 27 und der ihr vorhergehenden Proea Tielleieht 
durch Abirren der Vorlage dos Cod. R zu den (nach VS) hinter Str. 30 frfiher wi« 
kehrenden Versen 25, 4 — G (= «20^ 4 - ß) erklären, und müßte dann erst in 
G statt 25, G verschrieben tmd (vielleicht in Folge dessen) die Str. 86* ausgefallen aein]- 



BEITRÄGE ZUB GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 319 

tonen, daß Fafni mit seinem (des Regia) Schwerte getodtet ist. 
Offenbar hatte die Quelle der VS. noch die richtige Lesart, indem VS. 
die Verse wiedergibt (p. 122, 22 f.): ef eigi hefdir pü notit sverds pess, 
er ek gerda per minni hendi, ok eigi hefdir pü petta enn (lies: 
einn) unnit ok engi annara. Daraus ergibt sich die ältere Lesart für 
Vers 6: hefdir-a pü petta {hefdirattu patf) einn unniL Es wäre kaum 
zu kühn, diesen Vers in den Text zu setzen, statt der sinnlosen Les- 
art von R, die wohl aus einer Erinnerung des Schreibers an 6, 3 (ok 
mftin tnn hvassi hiorr) oder 28^ 3 (minn inn hvassa hior) sich erklärt. 

In diesem zweiten Theil der Fafnismal finden sich auf einmal 
eine Anzahl Strophen in kviäuhittr. Meine Ansicht*) von dem Vor- 
kommen verschiedener Versmaße in demselben Liede (zunächst abge- 
sehen von skaldischer Kunstdichtung) ist die, daß allemal in solchen 
Fällen Interpolation oder Contamination (Vermischung verschiedener 
Lieder y bezw. Liedreste) vorliegt Dagegen kann ich nicht glauben, 
daß der lj6dahdttr innerhalb einer kvida gebraucht werde ^sowohl im 
feierlich belehrenden Monolog ... als im Dialog im Sinne der Alten als 
regelmässigen Wettgespräches*; wie Dietrich (H. Z. III, 1(X)) meinte. 
Das Hauptbeispiel nämlich, die Hrimgerdar-mil (wie sie Kesselet pas- 
send nennt) in dem Liedercyklus von Helge Hiorvardsson , ftlllt fort, 
weil eben diese Hrimgerdarmäl ein selbstständiges Lied sind. 
Auch die wunderbar zusammengewürfelten, unter dem Namen Regins- 
mil zusammengefassten Liedfragmente darf man hier nicht anftihren 
and ebensowenig die Sigrdrifumäl , worüber unten noch zu sprechen 
ist Und warum wäre denn das bekannte Scheltgespräch in den Lie- 
dern von Helge dem Hundingstödter nicht im lj6dahittr verfasst, 
wenn dieser das hergebrachte Versmaß des Dialogs auch inner- 
halb einer Kvida war? Ich glaube also ein Recht zu haben, auch 
in Fifo. die Eviduhättr. Strophen 32, 33,35,36, welche die Vögel 
sprechen, und 40 — 44, die ein zweites Mal Vögeln in den Mund ge- 
legt werden, zu beanstanden. Es kommen aber noch andere Gründe 
hinzu, die meine Annahme unterstützen, es seien jene Strophen 
Reste eines verlorenen Parallelliedes in Kviduhättr*"^). 



*) Dio gleicho Ansicht bat noucrdings Symons, auch in Betreff des Torlicgen- 
den Falles, ausgesprochen in P. — B. ßeitr. IV, 172, Anm. 1. [Vgl. auch MObius (bei 
Hild«) sa Hamd (>tr. 28 und Bugge, Z. Z. VII, p. 40G]. 

•♦) Vgl. N. M. Petersen, Danmarks historio i Hedenold (2. Aufl.) III, 293. (Ich 
citire nach Qrundtvig, da mir Petersens Werk nicht zugänglich ist] 



320 A. EDZARDI 

Die Ausführungen Grundtvigs (in der 2. Aufl.), denen Hildebrand 
sich anschließt, daß drei Vögel*) zu unterscheiden seien, von denen 
die ersten beiden in ruhigem Tone und daher im Kvldabittr, der 
dritte aber in scharfem Tone und daher im lj6dahittr spreche, wollen 
mir durchaus nicht zusagen; übrigens spräche dann auch der dritte 
Vogel zum zweiten Mal auffallenderweise zwei Strophen. Schon Ett- 
müller hat die fraglichen vier Kviduhättr - Strophen ausgeschieden. 
(Qerm. 17, 13). Daß dies das richtige ist, bestätigen, denk' ich, die 
folgenden Beobachtungen von Stil und Sprachgebrauch. 

Wenn wir nämlich von der höchst wahrscheinlich (s. oben) hier 
unursprünglichen Strophe 31 absehen, die ganz im Ton der EUtvamal 
gehalten ist, so zeigen die Ljöäahättr-Strophen kaum eine kenning**), 
auch die eigentlichen Fafhismal nicht; dagegen in den fraglichen vier 
Strophen (32, 33, 35, 36) erscheinen folgende: 32, 6 spOlir baugoj 32j 7 
fiorsegi, 36, 2 hildimeidr, 36, 3 hei^s iadar [dagegen ist 33, 7 &o2Mifiiiurr 
kaum hierher zu rechnen]; also 4 kenningar auf 4 Strophen, in den 
andern 12 (23—30, 34, 37—39) und in den 18 Strophen der eigen^ 
liehen Fafnismal (1—11, 16—22) aber keine einzige. — Femer stim- 
men die Ljödahättr - Strophen auffallend untereinander und mit den 
eigentlichen Fafnismal überein : fara Hl heljar hSSan 34, 3 ss 89, 6 = 
10,6 (vgl. 21, 6); hofdi skemra Uli hann inn [hdrapul] 34, 1 f. 38, 1 f^ 
34,4 — 6 stimmt dem Sinne nach überein mit 38,4—6; rdia [== ver- 
rathenjt) 37,5 = 22,1.2; — riöda hiar, averd 1,4. 24,5. 28,2; ägr 
vega 30, 6 = 23, 2; blaudr 6, 6. 23, 6. 24, 4; fara (vernichten) ft) 5, i 



*) Andere haben die Strophen auf swei Vögel vertheilt (vgL Sn. E.); nooh 
anders denkt sich Jessen (Z. Z. III, 49) die Sache. — 8n. £. führt einen Vogel die 
Str. 32, einen anderen die Str. 33 sprechend ein; und da nur dieae beiden Strophee 
citirt werden, scheint Sn. £. nur zwei Vögel anzunehmen, doch ist auf die (hier auch 
von der Sammlung abhängige) Darstellung von rW nicht zu viel wu geben; anch m 
Färöischen Brinhild - Liede sind es fuglar tveir (H. 88); daa bedeht sieh freilieh 
auf die Str. 40 — 44 sprechenden Vögel, diese aber sind nach meiner AnffHaimg ida^ 
tisch mit den die Str. 32, 83, 35, 36 sprechenden. Unser Sammler acheJnt, indem er 
Welleicht diese zwei mit dem (oder den) in Ijödahdttr sprechenden combinirte, minde- 
stens drei angenommen zu haben, vgl. in Str. 35 yävar wyHra (woiÜr Grondtrig md 
llildobrund ykkar schreiben). 

**) Man müßte de^u außer noma dömr 11, 1 das dunkle cBwiboU hierher reehMB 
wollen. 

***) In nymiskvida 15, 1 f. (kvem Utu peir hofdu 9kmra) bennUt? VgL noch 
\Um. 4,7.30,3 mit FAfn. 85,3. 

t) Anders Richort, Försök til belysning etc. p. 48 f. 

tt) Oder ist ein fdra (nachstellen, vgl. mhd. värenj mit fara luauimeiigie- 
worf en ? 



BEITRÄGK ZUR GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 321 

23,3; hvatr 6,4. 24,5. 26,6. 30,4 [31,1.2, Veranlassung der Inter- 
polation]; lata c. part. pass. 27, 3 vgl. zu 34, 1 f. 38, 1 f.; sd inn 26, 5, 
minn inn 6,3. 28,3; pinn inn 1,5 (29,6). — Von allem dem findet 
sich nichts weder in unsern 4 Strophen noch in den 5 Schluß Strophen. 
Dagegen findet sich in diesen 9 Strophen horakr aufiallend häufig, und 
zwar im Stabreim 35,1. 36, 1. 42,5; halr 42,5. 43,7 (im Stabreim); 
beide Wörter sind den Lj6(tahättrstrophen fremd. 

Diese 9 Strophen zeigen nun aber auffallende Berührungen mit 
den Kviduhattrstrophen, die den Kern der zweiten Abtheilung (Str. 
13-26) der sogen. Reginsmal bilden, nämlich mit den Strophen 13—18. 
26, spärlichen Resten eines Sigurdsliedes : Fafn. 35,6 Htigin gleddi = 
Reg. 1«^, 2. Iltigm gladdi 26,8; Fafn. 36,8 kann odrum hefir aldrs 
of synjat := Reg. 15,4 er Eylima aldrs synjudu; sveitu stokkin 
Fafn. 32, 2 = Reg. 16, 6; [Fafn. 40, 2 bauga rauda = Reg. 15, 7 hringa 
rauda]\ Fafn. 35, 7 er mer ulfs van = Reg. 13, 7 er mer fangs vän. — 
Auch hinsichtlich der Häufigkeit der kenningar stimmen die Kviitu- 
hdttr-Strophen hier und dort überein. Fafn. 32, 33, 35, 36 wiesen 
4 auf, 40 — 44 ebenfalls 4 {ögnar liömi 42,8; lindar vddi 43,4; folk- 
mttr 43, 2 ; hw^gefn 43, 7) zusammen 8 kenningar auf 9 Strophen. Das- 
selbe Verhältniss zeigen die betr. Strophen in Reginsmal, nämlich auf 
7 Strophen 7 kenningar: Ratvils hestr 16,2; seglvigg 16,5; vdgmarr 
16,7; s(pfr4 llj2'^ hlunnvigg 17,7; hani Sigmundar 26,3; hilmis arfi 
26, 7. — Auch der Rhythmus ist in den Kviduhättr-Strophen von 
Regm. und Fafn. ungefähr derselbe. (Ich denke an anderer Stelle meine 
Beobachtungen über die Verschiedenheit des Rhythmus in den Edda- 
liedern mitzutheilen.) 

Aus allem Augeführten scheint mir die Wahrscheinlichkeit der 
Zusammengehörigkeit der genannten Strophen in Reginsm. und Fafn. 
hervorzugehen. — Vielleicht gehörte auch das, was den eigentlichen 
Sigrdrifumtli (Str. 3 ft. nebst Str. 2) vorherging, ebenfalls dazu, näm- 
lich Sigrdr. 1 und die in der Prosa p. 203, Z. 1 — 21 steckenden Strophen 
(vgl. Helreid Brynhildar 8 — 10): 1,2 hrd svefni = F&fn, 44,6 [aber 
auch = 2,6, wo 5 f. mit Fafn. 44, 5 f. zu vergleichen ist]; vielleicht 
auch 5 (s. u.) mit hrynpings apald/r. 

Daß in der bei Hildebrand zwischen Str. 2 und SderSigrdri- 
fumal gestellten Prosa Strophen enthalten sind, läugnet wohl Nie- 
mand, und zwar sind es deutlich (s. Hild. p. 203,9 — 12) Kviduhättr- 
Strophen wie Str. 1, während Str. 2 wie 3 ff im Lj6dahättr verfaßt 
ist. — Bekanntlich ist die Überlieferung von Sigrdr. 2 — 5 in R sehr 
gestört, namentlich ist die Anordnung der Prosa confus und auf keinen 

(ir.RMANIA. Neu.' Reihr. XI. (XXIII. Jahrg.) 21 



322 A. EDZARDI 

Fall die ursprüngliche. [Bugge], Grundtvig und Hildebrand haben durch 
zwei Umstellungen zu helfen gesucht. Sie setzen die lange Prosa, die 
Cod. R nach Str. 4 hat (= Hild. 203% 2—25) hinter die Worte Si- 
gnrctr settisk niftr oJc spurdi hana nafns^ die R nach Str. 2 hat Auf 
diese angeführten Worte folgt aber in R unmittelbar der Sats Hörn 
fok fni h(yim fuli miadar ok gaf hdnum minnisveig. Diesen Sats stellen 
die genannten Herausgeber vor Str. 4, was doch sehr willkürlich ist; 
und überhaupt bleibt bei der Anordnung jener Herausgeber das be- 
denkliche, daß Str. 2. die doch nach Versmaß und Inhalt zu Str. 3 ff. 
gehört, von diesen getrennt wird und ihrerseits wieder zwischen der 
Kviduhattr-Strophe 1 *) und der auf Kviduhittr-Strophen beruhenden 
Prosa 203*' , 2 — 25 steht. Wie man sich auch hier die Entstehung un- 
serer Überlieferung denken mag **)j ursprünglich muß, meine ich, das 
in der langen Prosa erzählte sich unmittelbar an Str. 1 angeschlossen 
haben^ Str. 2 aber unmittelbar an 3 ff. Ob wir darum ein Recht haben, 
in ehier Ausgabe der Sammlung die Prosa vor Str. 2 zu setzen, ist 
eine andere Frage. 

Eine besondere Erwägung verdienen noch die Strophen 40 — 44 
sowohl an sich als auch hinsichtlich ihres Verhältnisses zur Grfpisspi. 
Die Gripisspa, die, wie ich glaube, ursprünglich nur bis Str. (21 oder) 
23/24 reichte***), benutzte nach allgemeiner Annahme die Fafnismal f) 

*) Oder sind 08 Fragmente zweier StropLenV Vgl. VS. 126,7 — 14. 
**) Oliiic damit irgendwie diese schwierige Frage entscheiden so vroUen, wQl 
icli doch den folgenden Erklärungsversuch nicht zurückhalten: 

Zunächst muß wohl die Prosa 203^, 2 — i:> da gestanden haben, wohin ■• 
die genannten Herausgeber stellen. Doch wird sich an hekman (Z. 24) wohl dor Sati 
Hon t4k — minnisveif/ angeschlossen haben, da sich die Stellung dieses Sataes in R aoMk 
nicht recht erklären läC^t . und der Ausfall der Worte Z. 2—26 germde doreh Abimn 
eines Schreibers ron Hon zu Hön veranlasst sein könnte. Der betreffende Sehraiber. 
der dies Stück ausließ^ merkte sein Versehen erst, nachdem er Str. 4 geachriebent und 
trug das ausgelassene Stück dort nach. Die Worte Hdn tok — mirmimotiig mOchte ieh 
faiSen wie diu im ersten Theil dieser Beiträge besprochenen Prosasitie der Yohni* 
darkv. (p. 169 f.) der Helg. Hj. (p. 159) und der llelg. Hund. II (p. 168), d. h. ab 
nachträgliche Ergänzung des Berichts: ^sie hatte genommen' n. s. w. Der SuuB- 
1er, oder wer sonst diesen SSatz zuerst schrieb, würde damit auf den Inhalt Ton Str. 6 
deuten, die (weil im Kviduhattr verfasst) zu den Kviduhattr-Fragmenten gehören mag 
und von ihm zwischen Str. 1 und 2 vcrgeßen , später aber (da sie ihm naehtil|^ieh 
einfiel, von ihm selbst oder) von einem Abschreiber in das Ljödahattrlied eingesehobea 
sein könnte. [Eine andere Möglichkeit wäre freilich auch, daß Str. 5 ana Ijddlhlttr 
in kviduhattr entstellt wäre. Vgl. Ettmüllor, Germ. 17, 14|. 
***) Meine Gründe werde ich weiter unten darlegen. 

t) Vgl. Symuns. P.-B., \W\U. III. 'JriO ft*. (wo auch auf Bugge und Jessen ver- 
wiesen ist); Htldebrand >.a Grip. 15, 4. 



BKITKÄGKZI'R GERCHTCIITK UM) KRKI.ÄIM N(i HKK Kni)ALIEnF:K ,^23 

sowie die Sigrdriiiimal und, wie ich weiter unten zeigen werde, die in 
der Lücke des Cod. R verlorenen Lieder. Nach der Grip. nun tödtet 
Sigurd den Drachen, kommt zu Gjuke (13; 14,5 f.), erweckt dann 
erst Sigrdrifa und trifft Brynhild bei Heimir. Das auffallende hierbei 
isty daß hier Sigurd zunächst zu Gjuke und dann erst zu Sigrdrifa 
(15 ff.) und Brynhild (19, 1—4 [und 27 ff.]) kommt. - Nun findet sieh 
dieselbe Reihenfolge anscheinend auch in Fafnismal; anscheinend 
sage ich, denn die ersten beiden Strophen (namentlich 41) sind keines- 
wegs ganz klar und möglicherweise verderbt. Unzweifelhaft ist, daß 
42—44 sich auf Sigrdrifa beziehen (wie denn auch daran, durch eine 
Prosa verbunden , sich die Sigrdrifumal schliesscn) , während 41 an- 
scheinend auf Gudrun, Str. 40 ebenso auf Gudrun (oder Brynhild) sich 
bezieht. Ist nun 40-41,2 von Gudrun und einem Besuche bei Gjuke 
die Rede, der vor der Erweckung der Sigrdrifa erwähnt wird, so 
Hegt die Schlußfolgerung nahe, daLi Grip. auch den Schluß unserer 
Fain. in der uns erhaltenen Gestalt kannte und benutzte. Das umge- 
kehrte ist nämlich seliwer denkbar; dagegen begreift man , wie die 
fragliche Anordnung in Fafn. entstehen und von da in die Grip. kom- 
men konnte In E'afn. handelt es sich nicht um eine chronologisch 
genaue Prophezeiung wie in Grip. ; es konnte daher eine andere Reihen- 
folge gewählt werden, so daß die Vögel erst von der Maid singen, 
die ihm — in weitester Ferne — zur Gattin bestimmt ist (Gudrun), 
sodann von der, mit welcher er sich nur verloben sollte (Brynhild) — 
was ihm zeitKch näher lag als das Verhältniss mit Gudrun — , und 
endlich von Sigrdrifa, von der er nur Rath und Lehre erhalten sollte *) 
— was im Zusammenhange der ' Sigurd arsaga' sogleich folgt. 

Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, glaube ich, daß in Str. 40 
von Gudrun die Rede ist, während eine Erwähnung der Brynhild ver- 
misst wird; denn in Str. 41, 1 f. scheint noch weiter von Gudrun die 
Rede zu sein: 

liggja til Giuka fram visa skop 

groenar brautir, folklutondum ; 

wenigstens versteht man nicht recht, warum der lockende Weg zu 
Ojuke hier genannt würde, wenn er nicht zu der in 41,5—8 geprie- 
senen Maid führte, die dann also Gudrun wäre: 



*) Daß in der Tlint dies da^ VcrhältniflH Sigiirds zu Si^drifa (wohl zn nnter- 
seheiden von Brjnhild!) ist. eine Verlobung mit ihr aber der nordiachcn Sage ur- 
•prflnglich fremd ist, dus denke ich nächstens in anderm Zusammenhange 7U zeigen. 
(VgL SymoDS Beitr III. 256 ff.) 

21* 



324 A. KDZARDI 

|>ar he6r dVrr konunpr |>4 mundo, Sigvnir, 

dottnr alnA, mondi kaopm. 

fmr mHint. mag man es auf til Oitika oder tiiif Jmm beliehen, 
(ijuke's Hof, fltfrr konungr /i»i aUo Ujiikt*; denn fotkMonlnm ist Plu- 
ral, Vers 3 f. heissen aliM) vorwärts weint das Schicksal die Völker- 

< 

durch waller (wit* du, Sigurd, einer bist), nicht etwa .vorwärts ^nändich 
von Ujuk<* auft uoiter. Vgl. ilrip. 14, f) f.) w«Mrtt da» Schicksal dt*ii 
Völkerdurchwallrr (Sigurd). Der Sinn von Vers 1-4 ist also: 'tu 
Ujuke nUirt ein grilner (lockender) Weg; (wandh* dicHen, denn) das 
Schicksal weist dich (Miuin«*r wie dich) VitrwärtM. Also Str. 41 kann 
nur Gudrun meinen ' 

Br}'nhild aber kann nicht wold ilhergangen sein , da sie in der 
älteren nordischt*n Sag«* von Sigrdrifa unterschieden wird [Vgl. auch 
Urip. V^ <27 ] und in dtMn fäniisrlicii Krinhildlitnh* di<* Vilgcl auf sie 
hinweisen : 7 ruf Binj^Ui mar Juijfnr tvrir . . . vn n rr Ihinhild liwfla d^'ä- 
tir , /low ntvndftr a tin /timf ... /# «/ httfui' friil. Man muli also ent- 
weder annehmen, d:i. auch in 44 > v(»n tiudrun die Rede JHt, und nach 
41 etwas auf Brynhild bezllglich(*s ausgefallen ist — zu welcher An- 
nahme ich neige «u1«t Str. 40 miiU Brynhild meinen, Str. 41 Gu* 
drun. HO daü 41. 1 4 HJeh aut Sigurds Kitt von Brynhild su Ojuke 
bezöge. Dieser Ansicht ist Bugge «Ausg. p. 4ir>), während Symons 
«111. 2'k')) m<*int. <*s sei vicli«*ieltt absichtlich uneutsehieden gelassen, 
ob in 44), .'>— X Giidr ii oder Brynhilil geni(*lnt sei. Wärt» Brynhild ge- 
meint, so wäre t*H aufTalleiid. d:iü di** V«»g«*I das wichtigste in 2 (eigent 
lieh 1 '. ) Strophen abthun und dann den verhältnisümässig unwichtig- 
sten Besuch . ganz von neuem anhebend . in l\ .Strophen behandeln. 
Auch seheint in Str. 44). f» < "^ manehes vUvr auf 4 Sud run als auf Bryn- 
hild zu deuten **}. 

*i D«iin rtna an« tufhnifii. «lau cwi«t'h«>ii 41. 4 an«! .'i i-in^ Lücke «ei, ^I.S'-Ü 
aber KrTnhiM meinen — Mf't;**n '|i*r rh**r<Mt)«titiiiiititi^ vu<i 41. 7 f /*4 MUfMlH, Sigmr»tr, 
mvndi hiupa mit (tri}*. ^**, '• i ''tun €i me;/ ft*t mwuii kaupa wafp niifrrerht 
tVrtii^ «Ja ^*tr ^i «l«*r iSri|» dT^ii iw*'iti ni Iht-il aii^frluirt . «Irr hlrr «la» Terlur«*iir 
l«if*tl V'ifi SiKiir«!« H«*«urh l»vi llrtmi u* nut/t' :iii<l «|»ri-irtl lii«» trmirliclirn Wt»r1r .<in* 
«lrni«rll»pB ,\k1. \X 137, 14 1 •-iitl«*hiit ni hab. n «rhriiit. «. n. p .l:S7. 

'•j Wi*' Au»«lrü«*ke vW/i y 'a . r^i/j wiliu bf«itiiilt-r« von (tu«lriiii |;«braurlrt. 
*. H liiilf 11. 1. 7: .VtL.i. r..» .%f . VJ vi.l. S.f .k :•. l f. VS I4.r |0; ifreihrk 
•urli Sij. *k. .14. 7 von Hrynl"I-l. ^ "i < »-l-ln:!. » »,|,lf 1| 'i t . et jm *tria mtfitir. 
«••nn irh eiiir ermniitf rii'lr A>iiT>ir 1< r<ii»j i\.:> \it« .i i • ^•■hr ' «k«*iiii «In «lirk im 
Staiidr i^i^ru ««»IltiMt *u' in •'rl.iii." n . •l^rf niiit imlit ^i«* Itii/f»«' nitt Sif ak. 3, K 
«/ A«mi r«i^ kmrtii > wnii n |*' .!■• - «• i k ir x*«-!«-!«!« t*ii Ki<l«** Mrgrii| frdiirft kktte ; 
«uaaiiia*n«trHrii l>ir prophririPiiti«-' \ ■• : K'UiiTtn \i>bl itur (iiiitruii mriuro. da rr 
liie^r aiUiii flur Krau rrlauift \yf:*» 



BEITEÄG£ ZUR GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 325 

In Fafn. 40 — 44 ist also die Reihenfolge diese: Beziehung auf 
Gudrun (oder Brynhild?) 40, sicher auf Gudrun 41, [auf Brynhild, in 
einer Lücke Vj, auf Sigrdrifa 42 — 44. Grip. aber hat diese Reihenfolge: 
Besuch bei Gjuke (von Gudrun ist nicht die Rede), bei Sigrdrifa, bei 
Brynhild; dann im zweiten (meiner Ansicht nach späteren) Theil: 
zweiter (!) Besuch bei Gjuke und Vermählung mit Gudrun. 

Die Reihenfolge deckt sich also nur hinsichtlich des seltsamen 
(ersten) Besuches bei Gjuke vor der Begegnung mit Sigrdrifa und 
Brynhild, im übrigen aber nicht. Es scheint mir daher zwar möglich, 
aber nicht sicher, daß die Veranlassung zu dem Mißverständnisse in 
Grip. — denn ein solches liegt ohne Zweifel vor — gerade unsere 
Strophen gewesen sind. Man müßte denn annehmen, daß der Dichter 
der Grip. die Strophen 40—44 ebenso (d. h. nach meiner Auffassung 
lückenhaft) kannte und Str. 40 wie 41 auf Gudrun bezog; daß er die 
Strophen 42 f. kannte, folgt aus 43, 1 f. = Grip. 15, 1 f. Sehr möglich ist 
aber auch, daß das Mißverständniss anderswoher kam. Wenn näm- 
lich der Sammler (p. 202) schreibt: Sigurdr reid upp d Hindarfiall ok 
siefndi audr til FrakkUinds etc., so wird dem wohl ein alter Sagenzug 
za Grunde liegen, den sowohl der Sammler wie der Dichter der Grip. 
sehr wohl noch in einer Strophe gekannt haben kann, die vor der 
EIrweckung der Sigi*drifa Frakkland, d. h. Gjuke's Hof, als Ziel Si- 
gurds nannte (vgl. Grip. 13, 7 när fnl til Gjüka). Daraus läßt sich 
das Mißverständniss in Grip. ebenso gut oder, wie mir scheint, noch 
besser erklären. 

0. Zur Ciripis-spa. 

Die Gripisspa ist eine Zusammenfassung der Sigurdssage in Ge- 
stalt einer Prophezeiung. Das Lied, wie es uns vorliegt^ setzt den zweiten 
Theil der „Reginsmäl", Fäfn. und Sigrdr.. voraus, sowie das in der 
Lücke des Cod. R verlorene Lied von Sigurds Besuche bei Heimi 
= VS. Cap. 23 — 24, das verlorene Lied*) von Sigurds Besuch bei 
Gjuke und seiner Vermählung mit Gudrun, sowie der Erwerbung 
Brynhilds durch Sigurd für Guunar = VS. Cap. 26 — 27**), das Lied 
vom Zank der Königinnen = VS. Cap. 28 (wenn nicht das 'lange 
Sigurdslied* den Inhalt des Cap. 28 noch mit umfaßte, vgl. Symons, 



*) Oder waren es zwei Lieder? wie Symons III, 275 -282. 286 meint. 
**j Das dazwischeiistcheiide Lied von Gudnins Träunuu (= VS. Cap. 26), welches 
bekanntlich noch wörtliche Berührungen mit dem Nibelungenliede zeigrt (s. oben p. 98) 
fibrigens aber sich als ein Lied jüngeren Charakters (Symons III, 274 f.) etwa wie 
Sig. sk. 52 ff. verräth — ist begreiflicherweise nicht benutzt (s. u.). 



ffl 
fl 



32ti A. KI»/AK1»1 

III, 2H2 r. 2S4\ cndlieli «Ins 'bii^rc Sigurdnlicd* =r TS. Cap. 29 (30] 
4* Brot, vielleicht noch il.'iü trste (txhr zweite?) (ludruiilicd; oh auch 
Sig. ök. liiUt hieh uicht entscheiden, weil zwisehen Str. 50 und öl eine 
Lücke zu sein sclieint (h. u. |k «(27 f.). 

Im Einzelnen entspreehen die Stn>phen der Orip. in folgender 
Weise ihren Quellen (den erhaltenen LiedcnU oder der aus gleicher 
Quelle schöpfenden VS. : 

Grip. 9 = Regm. 15. 2«;, besonders 15 (VS. IIG, 14 ff.; vgl. 140, 21 ff.). 
„ 11 = Fafn. im Allgemeinen, 
, 13 = der Prosa Hildeb. 202, 7 - Sigrdr. IVosia Z. 1 (VS. 124. 

12—2«, vgl. 142, 1-3), 
^ lo, 1-4 = Fafn. 42-44 llo, 1 f.: Sr/r ä fiai/i fylkU daiiir 

^ Fafn. 43, 1 f. vtif ek *i finlU folkvill f(ofa), 
^ 1.5, 5—8 (+ 16, 1 — 4) = Sigrdr. 1 und Prosa •), 
17 = Sigrdr. im Allgemeinen, 

19, 1— 4 rz: dt'm Liode vom Hesueh«' hei llnmi (VS. Cap. 2S-- 24 
im Allgemeinen). 

Nun folgt eine jungen* Verhandlung, in welehcT Sigurd lohließlich 
den ffripi l>eMinimt . fortzufuhren , d h. die Prophezeiung auch ttber 
den ungtlnstigen Tlieil meines Schieksalh auszudehnen. Die Verhand- 
lung (Str. 20 — 2t)y theilt die eigentliehe Prophezeiung (7—51) deatltch 
in zwei Absehnitti* 7 — 1*.* und 27- öl. dir unter sich wesentliche Ver- 
•cbiedenheiten Keiirm. \\h* wir glneli st*hen werden. 

(irip. Str. 27-2*» /»M. :U - VS. t'jip. 2.H 21. 7.n ßiSd fagrf 
dUlum {21. 1 f.) vgl. VS. 137. (i f*9*ji'*t /. «» •=. VM\^ 24; zu kann Bfym 
hiMi hrtnjfifir Hf/nn (27. 3 f ) v;:l. V.S. I.Vi, \\\ f. BrynhUtir für med kjdlm 
ok hnfnjn nk ff^kk ■'• V'*jtiM , t*i , h'lft ft i- » knlhitf HrynhUdr, \Hftu 
mik ftfh'r # ll^yrndohtm Ulm nwi hia'mi^ hverr »r kanni Helr. 6]; zu dniiir 
Budht .27. 5' vgl. VS 137, >: zu hmtthuptujf Man '27, 6) vgl. V8. 137, « 
er m^Mtr ttkonifttfr ^* und 137. \^ f.: zu dtfrr konuttgr (27, 7) vgl. VS. 
1.^'>. 1« miWl hof.fmffi: zu Ilfimn- fnfir (27, H) vgl. VS. 13«. \bf69int 
htitiM llleimiß). Zu 21*. 1 f vgl. VS. 137, 2—4 kvi mtittn eigi gledi 
hilihi rte.; zu f'istra H^imis {2\K 4 — 31. « . vgl. VS. 13ß, 15 = Str. 
27. H; ZU 29, 5—^1. vgl. Gudr. II. 3. .'• f.; zu 29. 7 f. fjdfa fi n man na 
vgl. VS. I .*U». 2t» **k v i ! •** 11 tfti .• k r m f n n rt'rf menn e ig a ••). Zo 30. 

*■ Da:', tiirr d« r I *tait vvtt Kati 4.* i>it iiir) Si-^ilr I lu t'-iorr (»iropbe an- 
■MBmcogefabt «ir<l. «pnci •l«f'i' la.'. tri h .-t.i. r di« »t Mr •|itirn ikx b in ibr«ai chem 
ff. 3lf 1 • v«r]DuthfUD cof^r«! /u«4Uiifi«aijau|:r katintr. 
** Zu SV. :; H «^ aui ii IU% 11 I 



BKITKÄOK ZUK GESCriICUTE UND EHKI.ÄKTTNO DKH KDDAMKDKR. ^527 

5—6 mun ek mey ndy mttndi kaupa \*^\. VS. 137, 14 ff.: sind ek . . . 
gefa kennt gull ok nd hennar gaytim'*). Zu 31, 1—3 vgl. VS. 138, 
23 f.; zu 31, 7 f. m antat tu horaka IJcimis fdstru vgl. VS. 143, 5 f. 
ok viä pann drykk mundi kann ekki til Hrynhildav. 

Grip. Str. 33 (34), 35 = VS. Cap. 26. — Zu 33, 1-4 vgl. VS. 
142, 19-143, 7; zu 33, 5-8 vgl. VS. 143, 7-13 (35, 5 hiöäa = 143, 
13 biöda vgl. 143, 20 med hodiy 34, 1 f. = VS. 143, 22 f. (= 143, 2-4); 
34, 3 f. = VS. 24 f. Str. 35 = VS. 144, 1—6 (35, 3 f. mun hm Bryn- 
hildar hidja fyaa = VS. Grimhildr . . . yntclti . . hidid Brynhildar 
. . , ok eint allir fy sandig 35, 7 f. heitr /tu fliötliga foi* fylkis mödur 
= VS. 144, 3 ok mun Stgurdr inda med ydr. 

Grip. Str. 37-45 = VS. Cap. 27. - Zu 37, 1-4 vgl. VS. 143, 
22 f. (vgl. 143, 3 f.); 37, 5—7 = VS. 144, 22 {skiptfi nü litum = 37, 5 
pd ä lüum vixlkt. 38, 2 f. skipia litum)-, 39, 5-8 = VS. 145, 19—25; 

146, 4—7. Zu 41, 1—4 vgl. 146, 7-9, 42, 5 fmdr nwtr = VS. 146, 8; 
43, 1—4 {Saman munu hruUuup Inedi drukkin Sigurdar ok Gunnavs i 
9olum Gjüka) widerspricht der Str. 34, 3 ff. und der VS, 146,25 bis 

147, 3. 5 f.**); zu 43, 5 f. pd hommn vixlidy er it heim komid vgl. VS. 
146, 13 f. ridr kann brott i JHinn sama eld til sinna ß'l'CUfa , ok skipia 
peir aptr litum. Zu 45, 1 f. minnir pik eida, mantu pegja pö vgl. 
VS. 147, 3 minnir Sigurd allra eida vid Brynhildi ok hv.tr pö vera 
kyrt'j zu 45, 5 f. vgl. VS. 148, 22 f. uud andere Stellen; zu 45, 7 f. sndt 
^fidr velar^ sir***) at hefndum, vgl. VS. 148, 19 f. p^.r vt'ltnd mik ok pess 
vü ek hefna [Helr. 13, 5 ff. Jtd vard ek pfma vis ... at pau veltu 
mik i verfangt], 

Grip. Str. 47 — 49 = dem langen Sigurdslied. d. li. = VS. Cap. 
29 + Brot. - Str. 47 = VS. 155, 1 f.; Str. 49 = Brot. 19-20 (VS. 
160, 2-4). 

Auf Str. 50 scheint die Antwort zu fehlen, sowie auch die Frage, 
auf welche Str. 51 antwortet. Ich glaube hier eine Lücke annehmen 
SU müssen, weil sonst die Fragestrophen Sigurds niemals einen neuen 
Zug bringen, der nicht in der Antwort ausfilhrlicher besprochen würde; 
▼ielmehr recapitulieren sonst die Worte Sigurds entweder die vorher- 
gehende Prophezeiung oder leiten die folgende ein. Hier leitet Str. 50 



*) AIbo wird man wohl hinter nd besser ein Komma setzen, wie ich gethan. 

**) Woher kam die dem NL. entsprechende, der nordischen Sage widersprechende 

Dantellung in anser Lied? Die |>8. scheint (so weit mn ans der kamen Bemer- 

kuig p. 208, 11 — 17 etwas schliesscn kann) der nordischen Fassung ku entsprechen. 

***) «^ leite ich von »jd ab und setse Komma davor, wenn ich auch »jd at 

soDtt nicht belegt ^ti^e: fidr vilar muß hier heissen bemerkt den Betrag'. 



:{2K A Kli/AKPI 

ofleiibart*ii](* iVo|)|]«'7.eiiiii^ Uhi'rSi^^urrisTnd riii; ilicsfh wirlili;;t' Momi nt 
miili aber in «-iner <M;;t'iit'n Sti'n|ili(* hciinnrlclt i^rwrscn sein, w.ilir«*ii«I 
r>l nur ^anz p'K*p*ntlirli .'i — I *l<'s Todt^s Si;jurds «hiri'li «eine Srliw;ii:ti 
erwähnt l)rr ci^^entliclif Inhalt der Str. 61 ir«t oflfonbar dir Tran«T 
Uiulriind über Si^unis Tt»(l. Demnach niiil: Si;:unl in einer vfirli*r- 
^ebendeu Strophe p't'ra^rt haben: was wird iiudrun dazu iia;;en, ^-i 
bro-'fr henwir m»-r fil htum fnihtf mler dj^l. K» kann nun in d»T Lüeke 
noch mehr aiis;;efallen sein aU die Antwort auf li^) und die Str. :M 
eiuleiteude Fra^e; mir ist so^ar walirsehfinlieli . dalS v<in Rrynhild* 
Tude <li(* Ked(* ;;ewi'Aen t^ein wird. Tnler diesen Umstunden '\>X niehl 
mit Sicherheit zu ha<;en, aus wehdiem Li«'de Str. .')<) und die l'ehli*n«i« 
Antwortstrtiphe 8cho|it'ten , rbensu weni^ , fdi Str. 61 auf (luitr. I 
(1 AT. ll>— 21> oder Uudr. II (11 IF.) zurückj^ehm; wahr^eheinlieher i»t 
an »icli das cräterf*. 

Wwn, Vt-rliältni» drr (tii|ii>>|ta zu tli-n Kildalii'drrn. bezw. lier 
Pl(i^aauriü^un^ verlMfcnrr Luder in VS. \>\ in nitdirtiiehiT Hinzieht 
iIllere^»ant. Kinmal selit.-n wir die ho;;en. I«i-^in. Tafn Si^rdr.. ttuwü- 
dif* verlorenen I..iedi'r von Si;:urd liei lleinii. von Si^urd und <iudrun 
verbunden mit der Krwi'rbun;; Kryidnldn fUr CSunnar, i'ndlieh das lani;«- 
Si^urdnlicd in tier selben Ui'ilie nfnl^t- b< nut/t. wii* mc in R 
stehen, bezw. ;;e.^tanden habt-n mri.<«>en. Kein anfli-n-i« int benutzt, und 
von den in der Liicke vcrloimtMi ist nur da^ Lird von (fudrun« TrAn- 
men be^reiHieln rw«MM' iibtr^anp n , da d<T Inhalt (h'»KeIben nur in 
direet auf Si^unl H</u;^' hatti'") Oa nun di«* <Mt|i.. weil üelbst in R 
und der von VS. brnut/ti-n IIn. «*nthalti-n, unxre Lied«-rHanimlun(; niehl 
wohl benutzt hab* n kann, m* wirtl *-*« wahrr-chfinlicji, daü Hie die Si- 
^urdssaga* b^nut/tr, »N di*"*4'lb*- ri'<i-li tur mcIi brhtaud'*i. 

Sodann zei;;t <lie mehrtneh wortliejir rbereinf«liromun^ der 
Cirip. »o^^ar noeh mit <lt'r Pro-aautJoi-iiii;; ib-r verlorenen Lii-der, dat: 
die V>. >i('h dt'nM'lbi'ii vli-ltai-h m lir ^«-tn-u an.schlol}. \Vu nAudirh 
VS - <irjp., da mu.-.-«'!! bi-ifle Meli •li>r :;rnii'in!*anien (^Ufllf, den vi-r 
|op*n< 11 Liedern, anp >ehli'>.<«i n hab«'n An Meli ^ab«- «'a nu«-h i-ine zweiti- 
M*«^liehki*il, daü namiieh VS. »n dioM-ii St''i!en die Lirip. benutil 

* P.t^« ;;i!l AM li ,:• j* I •!• I. \i-ri W ilki ii i^r--". IM'U l.ll rib"ltrurii Km 
•raii'i i.*«-|C*'ii (ii** AU« *\*'f j!> I' '.• ■ Ik' !:• ir-<!.*i- ^r«* li!'-<**'ii' Itriitilinii;; il« r Saitiib 
luiic iii V> 

•• S .»• |. l?»l>! I»..r.t;. \.:. WIk.ii I».. |.|., Kl-Ii. |.. \| V. X VII f «ivdrr 
vonr«trac'ne. mriDrr Cbr'i«ii|pibf uArh unkailti.'irf Aii«i(-lit «Ia iiiil ilrr •«v;4 Si/nr^far 
4i« V«iUun|g»— ga ftavuii »ci, «erd* ich auch lu andcrf u ZuiaiumenbAUf« a«i!»ft)ir«cbea. 



BEITRÄGE ZUR GESCmCIlTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 320 

habe, aber diese scheint mir auszuschließen. Der Sap^asch reiber pflegt 
allerdings seine verschiedenen Quellen zu combiniercn *), aber nicht so, 
daß er, wo er in der Hauptsache dinem und demselben Liede folgt, 
gelegentlich einen einzelnen Zug aus einem anderen Liede entnähme 
— noch dazu aus einem Recapitulationsgedichte wie öripisspa! Und 
einzelne, oft geringfügige Züge sind es nur, die in Grip. und VS. über- 
einstimmen; und zwar hat meist VS. den ausführlicheren Text, der 
doch wieder — wie ausser sagengemässerem Inhalte, Stabreime und 
poetische Ausdrucks weise zeigen**) — aus dem in der Hauptsache 
benozten verlorenen Liede geschöpft sein muß. Zu einer ergänzenden 
Entlehnung der fraglichen Züge hätte also kein Grund vorgelegen, 
einerseits, weil sie nicht wesentlich genug waren, um aus einem sonst 
für die Darstellung des Sagaschreibers wenig ergiebigen Gedichte her- 
beigezogen zu werden, andererseits, da sie — weil in engem Zu- 
sammenliange stehend mit andern, die nicht aus Gripisspa entlehnt 
sind — ebenfalls in den verlorenen Liedern enthalten gewesen sein 
werden. Ich glaube also annehmen zu müssen, daß, wo VS. und Grip. 
zu einander (z. Th. wörtlich) stimmen , der Inhalt (bezw. Wortlaut) 
der verlorenen Lieder getreu erhalten ist. Das wird noch durch ein 
weiteres Zeugniss bestätigt, nämlich durch die Einleitung (Str. 1—5) 
zum 'kurzen Sigurdsliede', welche ebenfalls das verlorene Lied (oder 
die verlorenen Lieder?) benutzt haben muß, die den Capp. 26 und 27 
zu Grunde liegen [vgl. oben p. 174, Anm. *]. Auch hier finden sich 
ganz ähnliche wörtliche Berührungen mit VS., die auch schwerlich auf 
Benutzung der Strophen 1 — 5 in VS. zurückzuführen sind***;. In 
einzelnen Fällen stimmen Grip. = VS. mit Sig. sk. 1 — 5 überein, ohne 
daß doch Benutzung der Grip. in Sig. sk. 1 — 5 oder gar das umge- 
kehrte wahrscheinlich wäre. Diese Stellen sind Grip. 37, 1 f. et* niunmt 
aUa eida viima = VS. 143, 3 ff. 22 f. = Sig. sk. 1, 8 seldwtk eidar eljun- 
frceknir; — Grip. 33, 5 ff. miin hiöda pet- biarthaddat man^ döttttr 
«tna = VS. 143, 10 gipt honum dottur pina med miklu fi ... Z. 12 
a/ liöda franim div.ir sinar = Sig. sk. 2, 1 f. Mey budn hdnnm oh 
meidma fiold; — Grip. 35, 3 f. 7 f. = VS. 144, 2 f.; vgl. Sig. sk. 3, 
1«.4. _ Grip. 41, 1-4; 42, 5 f. = VS. 146, 7—9 [tekr sverdit Gram 



*) Lehrreich ist in dieser Hinsicht seine Compilation aus Atlakv und Atlam. 
**) Z. B. 137, .3 luMikar hntpa ok 9vd htstrinn (was gewiß nicht, wie Wilken 
p. XLII meint, Vorwegnähme eines Zuges der Gudr. II ist); 137, 15 gefa kennt gnIL 
ok nd hennar gamni; \^^, 7 f. (vgl. Sig. sk. 42, 3 f.); 143, 12 ff.; 146, 9 ff. u. s. u 
***) Meine Gründe sind hier im wesentlichen die gleichen wie die gegen ge- 
legentliche Benatzung der Grfp. in VS. Cap. 23 — 29 geltend gemachten. 



**k f *■ // <j r I I« titti f Jt #' I /■ *i ft #■ r ' Si^. i*k . 1 . 2 ff. ' u tj *' / * i* c r «f ii o k k v t ' 

l'iittriis oiidlich zei^t die obip* ZiihnininriiBtolluiif;, <Uü zwi 
^c'hcll (lein crbtfii und zwoitrn Tliril drr rro|iliezeiun|^ wesentlich«* 
l'ntor>cliir(lr hoMrhrn. Im rrstvn Tlicil Uü'ii »ie in knappOHter Form 
ilit' lliiu|)taii»clinittt* der Sn*iv /Aianmiiivu : die Vaterrache, den Tod 
Fafnis und l^•^ins, den Erwerb de» Hortes iund Kitt zu Ujuke\ di«* 
Erweckun^ der Si^rdrifa, die Belehrung durcli dieselbe, den Bestach 
bri Ileimi, alle» iu je einer Strophe. Im /weiten Theil daf^e^^n bf- 
han<lelt die Pruphezeiun;; die Hauptmomente der Sage in so b<*hac- 
licher Breite, dal: bic* iiueh aul' die Einzelheiten eingeht. Dem tui- 
>prielii eb. daü im ersten Theil nur ^an/ allgemein Benutzung di*r 
betr. Lirdcr und nur einmal wortlicher Ansehluli an eine bestimmti- 
Stroplie «'rtindlieli war. wuhn'ud im zweiten Theil fast Schritt fui 
Schritt dit' rbrri'in-^liminung niit einzelnen Stellen der VS., b«*zw 
dc> Brut ^.k\i na'liWi'iM'u liellv Schon dieiir Beobachtung laut die 
Mtigliehki 11 in.'« Au;;«* labilen, dai> der zweite TIm'Ü nicht vom Verf:i>-<«!»i-i 
di-8 erbten Theil<*b herhihr«*, bondern »paitrit* Erweiterung bei. K^ 
koninirn vcr^chiedcn^ tirunde hm/u. dicbc Moglichk«'it zur WahrHclieui- 
iichkeit zu erheben. 

Sch<»n da« unterbrechende Zwibchengcbpräch l^t — zum minde- 
>ivu in der Lange von 7 Strophen — auffallend. Sodann fällt e« auf. 
•iali im «Taten Th«*il Sigurd» Fragestruphen zuer»t die vorherige Pn>- 
phe/eiung wi«*derhn|en und meist (12, 7 f.; 14« 7 f.: IH, 7 f.) schlicücn 
mit dem l^*frain hvif miiti »mt vrva *rvi mittnnr'f dem noch in /wei 
Fiiih*n VI, .'» : . 1*^. /> t*. V« irangeht: Uii^ ai hu*/a ok ItHyra atty. Uiebcr 
Ketrain tin«iet bich nirgendb im zweiten Theil, dHgegen findet sich dort 
am Schhi?»s»' der Fragfbiruphen .'J>*, ^'i :')•>, S riifi ^t^tu, Gnpir\ 4S, h 
art^'fif, Uripir, ftn* \ 4-, 4 = 44, 4 intr f^ryttu^ (iripiv -- niemaU im 
t ibten Theil Mie Fragen «leb /weiten Theiles weist^n femer mehrfach 
direct hin aut das . wa» m t|en Antw<»rtstrophen gesagt werden Mdl 
• ». B. .'Ml. ''V2. .'5**. 4G. \y^ . Im erbten Theil wenlen die Fragen viel 
fach eiiii:«"|fit»'l mit iS-^/*'«. . . h»hinujr oder dgl. ^i». 5; s, 1; 10, 1 ; 14, 
1- 4t: im /^eitfu Theil findet >ieli d:o» nirgends am Anfange der 
>l ■■: ii-, dagegen /wt*iniai hvnrt *-» jui^ firiftir? //f*'''' fteu fjp' mrr 
./»!'. 1 t =- 4>. 1 1. 1. im «ritten Theil nirgends. Auch sonst f^reifen die 
B**ruhi-ini;«*n nn Aurtlruck gar nicht aus dfin einen Theil iu den an- 
•iciii! hinfili-i . wenn man den irrten Thed mit Str. 21 endigen labt: 
laut niHn ihn aber mit 24 endiifen . aus dem zweiten Theil uur in die 



BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE UND EKKLÄKUNG DKK KDDAIJEHEK. 331 

Strophen 23 und 24^). Mehrere seltenere Ausdrücke wiederholen sich 
nur innerhalb des zweiten Theiles, wie hers oddmti 41, 2 = 53, 2**) 
oder nur im ersten, wie hvgat mmla 10, 4, hugactarceäa 14, 2***), wo- 
von natürlich manches auf Rechnung des verschiedenen Inhaltes kommen 
kann ; vereinzelt finden sich solche aber auch in beiden Theilen, so fram- 
lyndr 14, 3, framlundadr 39, 6 (beide im Stabreim) ; vicetr 7^ 2 = 53, 9 ; 
und 8Ölu 7,2, und sölarsiot 53, 7f); GHpir lygt' eigi 37, 8; rtU segir 
Grfpir 11, 8. 

Demnach scheint sich mir mit Wahrscheinlichkeit zu ergeben, daß 
in der Mitte des Zwischengespräches 20—26 die Fuge zu suchen ist, 
und zwar entweder nach 21 , wahrscheinlicher nach 23 oder 24. Auf 
letzteres könnte die Vergleichung des norwegischen Volksliedes von 



*) Die wörtliclion Eiittiprochuugon sind diese: 24, 1. 3 — 4 = 40, 1. 3—4; 23, 
6-8 = 41, 6-8; 19, 5 f. --= 21, 8; 31, 1 f. = 37, 1 f., ferner die oben soeben ge- 
oannten. 

**) Fenier pengill "20, li. 41, 7; vcl, v^la 33, 8. 36, 2. 40, 6. 45, 7. 46, 3. 
49. 8; v^lum beüa 40, 6. 49, 8; Jiiott 62, 5, ßiotliga 35, 7; görva (Adv.) 26, 2. 28, 6. 
S5, 2. 47, 2; görlija 36, 3; hf/ggja 43, 7, viegwhggtifa 39, 4; ganum 29, 2. 44, 6; fuU- 
kcmni 84, 6, /ullfattliga 31, 3; vicarr [24, 7], 36, 5. 4t, 3. 42, 3 (überall im SUb- 
ram); Uuga 25, G. 37, 8. 48, 6; fyr hondum 26, 8. 36, 1; vixla (neben gkipla) 37, ö. 
43, 6; nirf (im Sg. u. PK, vgl. auch Kichert a. a. O. 44) 26, 3. 33, 4. 36, 4. 45, 4. 
Hierher rechn«* ich am-h, daß dem »jd fram in I: 20,2. 22,4 (Jranwiss 21, 4; yr^^a 
fremr 19, 7 f.), in U »jd fyrir entspricht = * voraussehen [wie auch 19, ^ fyrir vis- 
tak]. Ebenso glaube ich auch 39, 8 sir vntr fjp- pvi (: fdstfu) Tersteben xu müssen ; die 
flblicbe ErkUürung' nichts (d. i. niemand) hindert das' scheint mir keinen rechten 8inu zu 
geben: wer sollte denn auch Sigurd an der Verlobung mit Brynhild hindern? Ich lese 
^fyrr (Compar. zu fyrir in obiger Bedeutung), lasse davon den Dativ pvi abhängen und 
fibersetse: (nichts d. i.) niemaixl »ieiit weiter als dies, *8ieht über dies (eben gesagte) 
hinana'; also Gripi kommt auf seine Weigerung zurück, Sigurd sein Unheil zu ver- 
kfinden, weswegen dieser 40, 1 flf. mit denselben Worten wie nach der ersten 
Weigerung 24, 1 ff. seine Unzufriedenheit ausdrückt. Nur in II steht auch nuer (28, 2. 
29, 8. 80, 6. 34, 6. 36, 6. 41, 3) und man (33, 6. 27, 7), wührend brudr, v{f, m6t hidi 
auch in Str. 16 finden; vorwiegend in II steht gramr (5 : 2 mal) und dlit (3 : 1 mal). 
♦♦♦) Ferner /amadr 8, 6. 16, 7; nUtsp^kr 6, 3. 21, 6; hilmir 3, 8. 6, 4. 14, 1 
(immer im Stabreim); gladr 3, 1. 19, 1 (beidemal im Stabreim); fregna 19, 8; hitta 19, 1 ; 
leggjajyrir 23, 2. 24, 6 (vgl. 53, 3). Vorwiegend in I findet sich itr, iiartigr (4 : 1 mal); 
fyUcir (6 : 3 mal, 6 mal im Stabreim); piddkonung 1, 3. 19, 4, in 26, 2 ausser dem 
SUbreim; csvi 6, 8. 12, 8. 18, 8. 21, 2. 28, 2 und 62, 7. 68, 4. 

t) Es wäre nicht unmöglich, daß Str. 53 in etwas veränderter Gestalt aus 
dem Siteren, kürzeren Licde herübergenommen wäre und früher nach Str. 24 ge- 
standen hätte, wohin sie ihrem Inhalte nach (an Str. 23 sich anschließend) gut passen 
würde: gerade diese Str. zeigt im Ausdrucke auffallende Berührungen mit I {nuetrt 
flMÜ (= 22, 2 nicht in II), und solar »iot [ceoi\ und stimmt im Tone tu den besseren 
des ersten Theiles. 



832 A. EDZARDI 

Sigurd (s. u.) filhren, auch gäbe Str. 24 in ähnlicher Weise einen der 
Kinleitung entsprechenden Abschluß wie Str. 52. Alsdann müßte man 
annehmen, daß derjenige, welcher die Gripisspa von 25 ab erweiterte, 
auch den Schluß des alten Liedes sowie überhaupt vielleicht Theile 
desselben überarbeitete^), indem die Übereinstimmung von 23, 5 bis 
24, 4 mit 41,5 — 8. 40,1-4 sich entweder hieraus erklärte, oder 
daraus, daß der Bearbeiter Stellen des alten Liedes nachahmte. 

Da(> aber in der That der zweite Theil erst später hinzukam, 
das wird auch aus folgenden Qrunden wahrscheinlich: Sigurd hätte 
doch — schon Jessen hat das mit Recht betont (Z. Z. III, 56 f.) — wenn 
er sein unheilvolles Geschick vorauswußte, dasselbe leicht vermeiden 
können. Indessen gilt dies Bedenken im Grunde nur vom zweiten Theil. 
Dieser ist in der That abgeschmackt und wäre völlig unbegreiflich, wenn 
wir ibn als Theil der gesammten Sigurdssage auflTassen wollten: im 
Zusammenhange der Sage findet dieser zweite Theil allerdings 
keinen Kaum und kann nur in einer Zeit entstanden sein, wo die 
Dichter (^Skalden können wir geradezu sagen) irgend einen Punkt 
aus dem Zusammenhange der Sage herausgriffen , um denselben zam 
Gegenstande einer Einzeldichtung zu machen, in der es ihnen hMipt- 
säehlicli auf Entfaltung sageugeschichtlichen Wissens ankam. Anders 
aber steht es mit dem ersten Theil: daß Sigurd sich sein günstiges 
Geschick bis zum Höhepunkt seiner Heldenlaufbahn voraussagen läOt, 
ist auch dem Geschmacke einer älteren Zeit angemessen und es ist 
nicht unmöglich, daß der Inhalt dieses Theiles der Grip. einmal ein 
Glied in der Kette der Gesammtsage war. 

Es spricht sogar manches für die Wahrscheinlichkeit dieser An- 
nahme: daß Sigurd bei seinem Mutterbruder Belehrung sucht**) tritt 
nämlich auch in jüngeren Fassungen der nordischen Sage hervor, die 
vom Inhalt des Gespräches zwischen Sigurd und Gripi sonst nichts 
mehr wissen. Sivard snarensvend reitet von seiner Mutter zu deren 
Bruder, der nicht genannt wird, ohne daß wir freilich erfahren, was 
er von ihm erreichen will. Hier ^ibt einige Aufklärung das norwe- 
gische Volkslied von Sigurd, welches Munch als 'Asgardsreidin in 
Annaler 1846, 312 — 321 herausgegeben hat [bei Landstad p. 111 ff.j. 
Dies Lied hat offenbar Theile verschiedener Lieder in sich aufgenommen, 



*) Vgl. ohen j). 171 (las in dieser Hiiiäiclit über Si^. »k Gesagte. 
**) Hcfirmaiin (De.s Kclircn Sprüc.lie p. 151)) stellt damit troftcnd die Belehrung 
Odins durch seinen Muttcrhruder (114v. 130) zuhanimen, der nach Bergmann* 
eilender Vermutlmug mit Loddfatui identisch wäie. 



BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 333 

indem es theilweise mit dem färöischen 'Regin smidur , theilweise mit 
''Sivard snarensvend' — oft sogar wörtlich — übereinstimmt. Doch 
hat es auch viele eigene Züge: so wird der Matterbruder Oreive ge- 
nannt (d. i. zunächst nicht greifi^ sondern Gripir, vgl. 22, 1 greive kon- 
^); zu ihm schickt ihn die Mutter, damit er ihm den Namen 
seines Vaters nenne, was sie selbst nicht will — man sieht nicht 
recht ein, weshalb nicht. Sollte hier noch eine ältere Qestalt der Sage 
durchblicken^ in der Gripi den Sigurd ilber seine Abstammung zu be- 
lehren hatte? wobei er natürlich auch seine Mutter zunächst nicht 
gekannt haben könnte^ so daß deren eigenthümliche Rolle sich daraus 
erklären würde*). In Str. 21 ff. unseres Volksliedes kommt Sigurd 
zum Hofe des ' Greive , wobei die Berührungen mit Siv. Snar. augen- 
ftllig sind, wo aber Str. 24 f. an Grip- 5, 5 — 8 erinnern. In Str. 29 ff. 
fragt Sigurd den Oheim nach dem Namen seines Vaters , dieser aber 
weicht aus ^ bis Sigurd unzufrieden und erzürnt von ihm 
reitet: 

34 Ja skal ck her af gardi reisa 35 Sigurd reiit ifr4 greiveganleii, 

med skjendscl og med skainm, i hugiu so var han vreid. 

aldr* 8^r cg atter modcr ini'n 
og aldr* mit födeland. 

Dieser Abschied von Gripi (Greive) erinnert sehr an Grip. 24. 
Eis scheint demnach in dem norweg. Volksliedc ausser anderen auch 
ein Lied von Sigurds Besuche bei Gripi benutzt zu sein , welches Si- 
gurd unbefriedigt von seinem Oheim reiten ließ. Dies vorauszusetzende 
Lied könnte die alte, kürzere Gripisspa oder ein derselben verwandtes 
Lied gewesen sein |vgl. Grundtvig, DGF. I, 8|. 

7. Zu Guftriinarkvida II und III. 

Guilriinarkviila II, in forna. 

Der Thcil des Textes in R den wir unter diesem Namen zusam- 
menfassen, ist offenbar mit großen Lücken überliefert. Es kann sogar 
die Frage entstehen, ob der Sammler alle die uns erhaltenen Stücke 
als zu einem und deinaellxMi Liede gehörig betrachtete. Ettmüller sagt 
(Germ. 19,8): ^Das Lied ist aus zwei Liedern zusammengesetzt". 
Dem ersten, einem Selbstgespräehe, sollen die Str. 1 — 35 fl — 3GJ an- 

^) Nach einer anderen Sa°:enfa88nng^ Gel dieso Aufgabe wahr.H(.-heinlish der Si^r- 
drifa zu, wi<' ich dus In anderem Zusammenhange n.'ichHtens dar/ulegen hofle. Dem 
enUpricht die er^te Ke$>^i*^nung Sigurds mit lirynhihl in der pidrekKHa^a, während di*r 
Ckeive (Gripi) den nurweg. Vulk.Mliedos in der gleichen Rolle an den Eugcl des Sig- 
fildsliedes (Ptr 4R) i.Minnort. 



:;.';4 ^ Kl»/. \i;iii 

i^ch'inMi . clfin zwoitoii <lie Strophen *U> — 4.-M'^'!^ — 44|. DaÜ swiAcln-n 
.*!.'» iiii(| .'i<» «•ihr grnlit* LUckf* int iiiul flnl: lias Cf(*iipriirh .'»7 - 41 
nur in d^r Zeit iiaüli ilciii Tnd«* dvr Urikd(*r Wiulruni» iinrl vor i)ir«*r 
Rache an Ath* rhMikhar Ist. darin mul: ich tirnudtvi;; und llihudir.in« 
:;e;r«*n Bugge ii. A. h(>istimineii: eine andere Frage iitl eii aber, «^l» 
.*i7 — 44 Fragment ♦•ill*»^ anii«i'en ijede.H int. Die Strophen \l\ — 1."». 
di*- all'Tdings tMui-n anderen und jüngeren Cliaraktor tragen aU anden' 
Tiieili* deri LicdpH*>. hält KttniUlh-r tilr ^von SaMnund cingevchaltet''. 
Ich i^daube. wir müüen alles von Str. 1-44 llberli»'l'erl'' filr Fragnirntt- 
eines und desselben Liedes halten: denn ernten s hvhe ich in der 
I*ri»ä<a von Ih-'ip Xiflunga an bis rnr Pn»»H vor ^»udr. 111 einen Vi-r- 
.•«uch. die i*igt-Dtliche «Sigurdssa;;» bi^ nach dem Tode der Gjukun;:>- 
Wfiter 7M fi\\\T*ii in /usaninienhftngender Prosa, welcher die (iudr II 
und 111 einp*Keliobi'n (bezw. angehfingt) nind, gerade wi«* die Lieder 
in der iMgriitliehi-n Sigurdhsaga. Tni^er Li«M| wird demnach, d» di«* 
t'>»rt'.:iiit'«-n<h* rm^n keint* LUeki* zeigt, aU ganzes zwischen di«* 
I*rn>as:it7.i* 24i^ iiiifi 250' eingeschoben sein. Zweitens aber zeigen 
-ich b -achtcnäwcrth«* l'bercinstininiiingeQ zwischen allen Tlieilen de» 
Li''d«'.<« im Sprachgebrniirh . sn daß flas ganze Lied Heine lUB vorlie- 
::i'nd** Oostalt im weHxntliidien wohl von einem und demselben Ver- 
t'A^<er erhalten haben wird: ffhumr 42, 3 = •)<^2. wozu auch g^nfMa 
« .'i . I • * i: eh • • n • 1 1 u i rd : / . »v hj üwh fi)f*i l^"J,'A; 1 7 , *J = 44, 3 /» mg{ar%% ; hof U 
nttuin 4-». 4 ~ fi^'i* iftfuti .'Jl?, Il' beidemal mit Aec. d. Person; Hawfigr 
4L', 7 - .'14.1. l)t^> mit Vorliebe :;ebrauehte /«#/ .'l.'i, 4. 34,7 {holtyt JnUr 
*i2. 2y Hiidet nich aueh .'({*,:'> i^ttimuntt /i/41.4 : nt fnvnifr tlamt t 31,*^ 
ver;;l«Meht sieh di'Ui ftf ftintt J'**'hif tl^mhiH 2G. 4 nt iofur faUinn 2t\ ^• 
Ks ist aisii bedenklich, in '17 tl ein Fragment eiii«»« anderen Liedes zu 

Seilen 

lia;;»*gen glaube ich alleniingi«. dul: ver.-*ehitMlcnartige Klomeote in 
dem Li«'de zusaromengeHnssen. dul: Theile Alterer Lieder — wenigsten** 
iMni*< älteren Lied«^;« in dasseih«- autgenomm«'ii ^ind. Namentlich seich- 



*l Au^er iltrii v.iu Kuu* nltr h« tonten hrbe ich di# Annlheruiif ao ikaldüclir 
\ir«kiiii«t hrn>»r. dir «loli « .«ii*|il in «Irr dfiitlirli aiiirr strebten Silbent&hlaiif \i Sil- 
tirf. / lt. Str. Ii ■liir« bite,: . ab« r «iicb in Antlrirn Tb«'ilrn dm l«if de« herrortrctend 
i.ii-l •i<-i. h* it'liii^Ar /ri;;t. •• •• ii »i i -Itit.tLa 14. I: •yntn^r »fa/uar 16.4: hfr»lu 
tif •: * • r Ja * /i«/ er /.^ir Krr 'tui Si ./jn "k >i . «/cirr- |.'i fi 7 hi&rdrtiit. hialm- 
'i-.»'f Ktlmu fylfJH II. II f 

**i Wir Riidr** in •«'in«*r A'itj(^a(i'* [andi-n mi di-n 'lilU|;| rrklfirt huldr ug lytliK*. 
im iit.rifrii iii dirf<* •chMierifi? Malb«trii|ibi i nif nir^brn. untrffU«*r ich da icb aiiOeff 
iiiiMi't-i^i \ *ii iiOiui.«'i-i. f.. Ii*« i.< I* \iirriibiib/rn balti 



BEITHÄGK ZUR GERCHTOHTK UND ERKLÄRUNG HKR EDDAI.IKUKK. ;.^35 

nen sich die Strophen 1 — 12, besonders 4 — 12^ durch schwungvolle Dar- 
Stellung und alterthttmlichen Ton vortheilhaft aus vor Sir. 13 ff. (s. oben 
p. 334, Änm. **). Man könnte vermuthen, daß Str. 4—12 und andere 
Theile des folgenden, z. B. das Gespräch zwischen Gudnm und Grimhild, 
ursprünglich einem (oder mehreren?) erzählenden Liede angehörten, aus 
dem sie mit ein par ganz leichten Acnderungen in den Monolog der 
Gudrun aufgenommen wurden. In der That könnten Str. 4 — 12, 16 — 36 
(und auch 13 — 16) einfach durch Einfuhrung der dritten Person statt 
der ersten zu erzählender, bezw. dialogischer Dichtung gemacht wer- 
den*). Man kann aber schwerlich noch in unserer Überlieferung die 
Strophen 1 — 3 ausscheiden, da sie im Stil (z. B. 1, 6f. = 8, 4 f 21, 
2 f.) Aehnlichkeiten zeigen und sowohl Str. 2 wie Str. 11 f. in Gudr. I 
benutzt sind (s. oben p. 185 f.). Auch mit einem anderen Liede zeigen 
gerade die Strophen 1 — 12 (4 — 12) auffallende Berührungen^ nämlich 
mit Sig. langa', d. i. in der Hauptsache VS. cap. 29 -|- Brot. Ich sehe 
hier ab von den Übereinstimmungen von Gudr. II sowohl mit Sig. 1., als 
auch mit Sig. sk.; die oben p. 182 f. besprochen sind; denn dort muü. 
sofern Entlehnung vorliegt, Sig. sk. in den beiden anderen benutzt 
sein. Wohl aber stimmt die Sagenform unseres Liedes auffallend zum 
^langen Sigurdsliede. Beide zeigen die jüngere **) (deutsche) Sagen- 



*) Wie aach die VS. nur den Inhalt von Str. 1 — 5 als Monolog der Gudrun, 
das übrige aber erzählend wiedergiebt, ohne daß man natürlich daraus schließen dürfte, 
da5 dies auch in der Quelle des VS. der Fall war. 

**) leh halte diese Sagengestalt (in fTbereinstimmung mit Symons n. A.) für die 
jüngere im Norden nicht nur, sondern auch in Deutsehland ; dort zeigt sich die ältere 
nordische Auffaßung (Tödtung im Bette) nur noch in Spuren, und ist eben deshalb 
die ältere. Eine Verbindung diener älteren mit der jüngeren Auffaßung (Tödtung im 
Freien) bietet die {>s., wo Sigurd im Freien getödtet, aber der Grimhild ins Bett ge- 
worfen wird; und nur eine Milderung ist es, wenn im NL. die Leiche vor die Thür 
des SchUfgemaches gelegt wird. — Bngge freilich hält (Z. Z. VII, 889) die Tödtung 
im Bette für jünger, und dieselbe Ansicht hat neuerdings Wilken vertheidigt (Pros. 
Edda p. XLV f. LVII ff.). Welche Gründe Bugge hat, weiß ich nicht; die von Wilken 
angeführten aber erscheinen mir nicht stichhaltig. Es kann ja sein, daß *die Ermor- 
dung im Walde in einer Pause der Jagd, während Sig. im Halbschlaf ausruhte' das 
Ursprünglichste war und daraus sowohl die Tödtung des Schlafenden im Bette als 
der Mord an der Quelle sich entwickelte, und gewiss haben wir in Gudr. II und Sig. 1. 
[und Gudruns Träumen] Sigurd als auf der Jagd (im Walde, vgl. Gudr. II. 11, .3) ge- 
fallen zn denken. Aber daß diese älteste Auffassung in ^prosaischer Volksüberlieferung' 
im Norden sich erhalten und von da in die fraglichen Lieder gekommen, somit älter 
sei als die sonst in den Eddaliedern durchgehende Auffassung, das werden wenige 
gUnblicher finden, als daß in diesen (wie auch Gudruns Tränme) überhaupt der deut- 
sehen Sage nachstehenden Liedern spätere Einwirkung deutscher Sage (im 9 jh., s. 
ob. p. 86 f.) zu sehen sei. 



:;:;(; a ki»/.\ki>i 

tnrin. clie Sif^iinl im Frcit*n fallon lAÜt und zwar in (ludr. II fyr han- 
*lnn ivr i?.«»). *A*ohin man 'i BuiWrrtja (^,2) sclinut, aUo im h^üdcn d*'r 
Kliitli. jcnsoitK d<*r Flutli; gniau ilass«»ibc sagt Brut f), 1 f: Suliinn vanT 
•SV/finfr s Htm an II 'mar. Auch für hamlau r*»!' wird alrt4i jmHfilA «It- 
IMirinos* 8eiu« waH mit d<T deutsclien Sap;<*, wiv Hit* im NL. ersclMMii?. 
:iuflrallpiiil übortMUHtimmt, indem Ja auch hier Sigurd i«^nsoitM de« Khein^ 
lim Odenwalds fällt. Daü jenseits d<*A Rheines jtUHHaH limar int. 
••rkliirt sieh wuhl auH ungenauer gi*nirra|»hisrher Anschauung. - Auch 
in Sig. I. htehl (ludruu Sigurd i'rw:irti*ud dr:iiil:en. als «jic anderm 
allein /urdckkehren Brut (i — iiuilr. II. 4 f.). l>er «IrutAchen Sag«* 
«-ntspricht «'h aucli. daü llngne (Jen TimI SigunU der tludrun uifldet. 
nnil /.war in einem Tone, der dem TharakttT de** nonlisehen llngnt* 
idif-n.Hituenig entspricht . wie die gf;>en ihn grriohtete Vi*rwUniicliung 
(nidrnns dem Vi*rhiiltnisH derselben /.um llogn»* der ntirdischen Sag«*. 
I'nd g<-rade in tlie.8en beiden l'unktt>n stimmt wieder Brut v7— ^M au 
tnisi'n*in Liede, nur tiaij di«* VrrwUnscInnig (/.u der man NL. Inli^. 
\\^Ai^ Bartsch) vergleichen kann) gegen Ciunnar gerichtet ist Zu 
tltMu B«*nt*hmen (lunnan» und Hognes in Uudr. II. 7, 1 IT. kann man 
NL. 1011 \^\iMb) und 1001 vergleich« n: /u Str. :( aber 

iniz mrr fvruiunil-i it fk ;i'tt:i v<*i- 

m 

iiiiiiir l»rti(ir. itüiini frtiiir:i '/«-. 

vgl. Si:;frid«i|ioil 17*1—177, namentlich: 

.AN" mit ;:iiiHS<-r -ti-nki' i-r aih* ding bi-^ti-llt: 

l>:i^ Willi i|««r tnitli'l. <|irac)i <iunthi*r. dns man so wi-rdl hi«* hfld 

Kür andiT h«'ld **it knni'. di«* liii* nnii seui :^e«chmecht. 

I >!•• :iUii ;^i'it Villi A»i<'I. :il** •T ist vnn u«'*ii'!ih*cht ffr. . . 

. .Will i-r dji* laiid r«-;:i»ri*ii hi-rnitlfii an diin Kt-vn ffc, 

\''j:\ tIaKU nryiihiM<< \Vi»rt«' in Brot ]0 -]] . \\\\t\ dazu wieder 
l*«« p. -'•^^ L*I? l!t\nhi'tfi : Sti/tn f, i". //IM /.«#/#! hifiiftif tif y*far aem * itih 
vn 'ii f, fit nn *t ftittii «ir«f »^1 , it* * iif§ ufiti -iiihif fi»*^'in /fi^'f ifffr rn /•#■* 
ftmi.'.f tf' >, h>ttfi,t .1 .j.| Aii'li tiiiijniii- Schj|i|»Tniii; vi»n ihrrr glück- 
lichi'M M.uii litn/i-it in Sir ] friitii« rt m«lirt*irli au da-* NL.. nanient 
Iirli an Str. l.'i 1"*. /.»i tliidr. II. .*•. f» *• vl'I Bn't 7.7. zn <iudr II. 
7. ."» Bint 7. •'• 

W ]«■ klimmt iv iiun. iI.'il bi-ith- Lii*d*T ::iraili- in di*n Zügen, dir 
an il"Ui-»ihi- Sagi'ngf'-'talt u'' ni:ihni*n . --i autr.-ilh'n'l nlMTeinstimmen? 
I>ic w:ihi-«li«-inliih»t«' KrkhirunL^ j-t liiir \\*A\\ %\\*' . d.ili da^ «-ine der 
Lieder dii'^kt iintiT «h-ni Kiutlnü«* itin;:iTi r iii'iii^i-hi-r Sa^'«* >tand. da«« 
andtTf .ibfT dif-f*» iTNt«-rt- kaunti* und bi-nutzl«- Dali auch l bt^rein- 



BETTRÄOE ZUR GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER, 337 

rthnnwifigen im Sprachgebrauch *) und Stil **) sich beobachten lassen, 
ist geeignet^ diese Annahme zu bestätigen. Entlehnung nun werden wir 
cbt SU suchen haben , wo die Bertlhrungen mit deutscher Sage am 
wenigsten hervortreten. Denn es ist sehr unwahrscheinlich, daß ein 
unter dem Einflüsse jüngerer deutscher Sage stehendes Lied in einem 
andern benutzt wäre, das wieder seinerseits weitere (den Inhalt 
des benutzten Liedes ergänzende) Züge dieser selben jüngeren (deut- 
sehen) Sagengestalt entlehnte. Viel eher kann man sich denken, daß 
ein Lied, welches unter dem Einflüsse deutscher Sage stand, von einem 
anderen benutzt ward, so doch, daß dieses nicht alle jüngeren Sagen- 
sflge hinüber genommen hätte. Muß man sich in dieser Hinsicht fUr 
die Priorität eines der beiden Lieder entscheiden , so wird diese Ent- 
scheidung wohl zu Gunsten der Guctr. II ausfallen. Vielleicht ist aber 
eine dritte Möglichkeit nicht ganz ausgeschlossen, daß nämlich beide 
unabhängig von einander aus der deutschen Sage schöpften. 

Zwischen Str. 16 und 17 vermuthe ich eine größere***) LUcke, 
deren Ausfüllung dem Sinne nach sich vielleicht aus Dr&p Niflunga 
1 — 4 ergibt, wo es heißt: Gunnarr ok Ilogni töku pd ffidlit alt Fdfnis 
arf. Öfridr var pd i miül Gutkunga ok Atta; kendi kann Giukungum 
vold um andlfit Rrf/nhildar, rat var til scetta^ at peir skyldn gipta hd- 
num Oi(dninu. Da hierauf gleich der Inhalt von Str. 17 — 34 ange- 
deutet wird und im übrigen (außer Z. 13 f.) alles aus den folgenden 
Liedern in der uns erhaltenen Gestalt sich erklärt, so mögen obige 
Worte aus den zwischen Str. IG und 17 ausgefallenen Strophen ent- 
nommen sein. Daß Atle zur Buße fUr Brynhilds Tod Gudrun zur Frau 
verlangt — um einen Anspruch auf den Hort zu haben (?) vgl. VS., 
173^15—17, 21—23) — und daß dies die Veranlaßung zur Versöh- 
nung Gudruns mit den Brüdern ist, setzt auch unser Lied voraus; 
denn nur so erklärt sich der plötzliche Wunsch der Versöhnung und 
das dringende Verlangen, Gudruns Einwilligung in die Vermählung 



*) Olaums andvmii IG, 6 = Gutlr. 42, 3; ßorvi neema 1, 8 = Gadr. aidri neema 
SS, 12, hofdi ruemä 43, 4; fyrmtm 3, 5 = Gn<lr. 3, 1 /i/rmundu; einu nruii 8, 3 = Gudr. 
10,2; tpialla 13,2 = Gmlr. 6,4 spioll; »velta 16,3 = Gmlr. ,3,8; gramr (von Si- 
gurd) 7, 7. 8, 8. 19, 8 = Gudr. 6, 4. 

♦*) Hugda tk Wr IG, 1 (vom Traum), «benso Gndr. (40), 41, 1. 42, 1; >^ (io^ 
MUm {UOa 10, 7) 14, 4 = Giulr. 43, 7 ; faUa ^a 8, 8 = tvelta Uta Gndr. 3, 8 ; Hfi lyna 
lata 112, 8; — Die Wiederholung in 2, 2 f. IhI = Gudr. 1, 6 f., 8, 4 f., 21, 2 f. ; herglotudr 
18,8; 19,6 und yolwutr 9,8 vergleicht sich dem hvotuitr Gudr. 32, 11. 

***) Vgl. auch Ilildebrand. Eine Lilcko wird hier allgemein angonommeo. 

OEIMANU. Nene R^ihe. XI. (XXIII. SxYkx^.) qO 



33^ A. KDZARDI 

mit Atle zu erlangen. Auch ist Alle mit auf der weiten Fahrt *), darauf 
weisen die koHungar pmnnir **\ und nach Str. 35 f. scheiot er Gu- 
drun gleich von Däneniurk aus mit Hieb zu fllhren ; auch in LangburJr 
sehru manche den Atle (<»b mit Recht oder Unrecht, mag hier uneot- 
schiedcn bleiben). Dalier muU Atles Besiehung zu der 17 ff. beschrie* 
benen Versöhnungsfahrt irg<*ndwie angedeutet gewesen sein und swar 
doch wohl in dem in Dr. Nifl. angedeuteten Sinne. Vielleicht deutet 
darauf auch noch das vlgrisinn 3^\ 3 hin , welches Atlen meinen muü 
(so mit LUning u. A.) — *den zum Kampfe aufgebrochenen' (?) ***). 

Str. 22, S— M lieilSt es vom VergeUenheitstrank, den Onmhild 

der Gudrun reicht: 

|>st vsr um sukit •valkoldaa •• 

iar«lar') magni ok •6nsr dre/ru. 

*) ur^Hur R, ioTitur VS . Hjndl. ^ ') m» Hyndl. mta racUom R. 

Uanz dioKcIb«* Halbstrophe, nur mit megni statt mntjni tindet sich 
in llyndl. .'PS, 1 — 4. eine llalbstrophc, die dort ganz flir sich und kfinr«* 
W(*gs passend steht. Ich vcrmutlie , daü der Schreiber die Str« 4IS 
schreiben wollte, die. wo %\i* steht (auch nach Urundtvig 215* ), an un- 
rerhtom Platz«* steht f' und deren Verse 3—4 iaut*Mi: 

AÜ var aukiiin iarJsr mcgni. 

loh vemiuthe, daÜ der Schreibor d^r Flatcvjarbuk. der die mvtlio* 
logischoii »Strophen «•tTonbar »ohr lUekenliaft und in arger Verwirrung 
üh«*rli<-trrt hat. txU <*r Str. A'S nach 37 schreiben wollte, auf die ähn- 
lich lautende IIalb>tnipho unson*K (iudrunliedcs und datier aus dem 
Zu-^aniinonhango kam loh ;^|:iube dfmnach. daL die llalbstrophe in 

*. I>i«*»4' z^\i\ •lf>rh w*\\\ n««-li I)iiip*iii.irk : Me^halh auch Str. 13 - 16 io der er 
liftht-n«-!) (ientalt uii«crr« T.itilr« iil« lit «i.tht-brt nerdtn k«>iiii«ii. wenifvteiw 8ir. IS nicht 
**'i l'i'Mlr^k kfiiiiiiit niriit in !!• imrtit. « n. p %A\\ \\\*'\i Ojuke nieht naeh S€, 4. 
***! Kann in <Srip. W^ »tramr rn-rri^inn lieib«n vnm Kanpf (Bit Palnil Saf' 
frbntchriirr Kür«!' ' o.i«r i*t if/r imih *\oti nur Allfrenifin«*« lietwort eine« Helden* 
Oflrr rn«liH-h i«t in fi rwin/i U'.»r)i fin** ^pui •'rb.\itt-ii t.iU • :n«r »oitft Terdonkelt^n 
AiiflaMiinK . der lu K*>l)r^ Si,jiiril lu tcimilichrr Ati<»--til ll.A fn-iltcb yci^ nn et 
Oiuka' «II (SjukM ll'>f ritt' Man d«nkc an da*" i-ii:« ntl.iiuitichr Auftreten t^iffrida im 
N'ihrlun(;<*nli«dc liri ••»iner Ankunft in Worm« Str. 10? IM. vg^I. Wh. IlSHer. Cber 
dir LiiMlrr r i] Nili p. l^: V<. 14:5, 11 f. . r« irlirm: -li i1«*i b »ehr to, ab habe der 
Difht'T \« r«rhi''d«'n<* </nrllrn iM-ntitit und *Wn Wn)« r^prufh li-n^itif^m «nlleQ dvch 
di<» llrmrrk'ifi.: Ti l. 4 •/•' f^ddJ,fr ouch NlrnV iin i/k tH fttritrhen mW.' •*- frrilirh etviat 
«pit w ' UM ^i^'friil mn Kri<*nihil<I« WMIiii narh Wi.rin- i;«'k<>ii»U)rn war. 

. . .?'<lriif«lU frh>>ri «ti«* ...it l'at r«-iiiH /»^•riffi tirj^i IUI i-ud<* Strophe vuu Thor in 
d^ii«rlheii /.uiimni^nKanf ««•« di«* ^^ti llrimdail •'b^nf^M* mit Var^ «*ii*ii 'hhiim heyin- 
nende atrophe 3S 



BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE UND ERKLÄRUNG DER EDDALIEDER. 339 

GKidr. n ursprünglich ist und von dort in unsere Niederschrift der 
Hyndluljöd kam, während Bergmann (Rigs Sprüche und das Hyndlalied 
p. 150 f.) das umgekehrte annimmt. Soviel musste ich vorausschicken. 
Es kommt mir an auf die Worte sönar dreyra, für die ich eine 
andere Erklärung in Vorschlag bringen möchte. Wir müßen festhalten, 
daß es sich hier um einen Vergessenheit s- und Sühnetrank han- 
delt Was aber soll *Sühnblut\ wobei man etwa an das Blut des so- 
nargoUr*) denken könnte, neben den vorher genannten Elementen? — 
&hi war bekanntlich das eine der Gefäß e, in denen der Dichtermeth, das 
Blut des Evasi, aufbewahrt gewesen, und über denen (s. diese Beitr.III) 
nach Hiv. 13 der Reiher der Vergeßenheit schwebt. Mit einer An- 
spielung darauf kann also sehr wohl die Dichtkunst, d. h. die zau- 
berkräftigen, den Trank — außer den unmittelbar nachher 23, 1 ff 
erwähnten Runenzeichen **) — wirksam machenden Lieder sonar dreyri 
genannt werden, wie sonst z. B. loyr /Soiiar Sn. E. I, 244 = *Dicht- 
konst, Gedicht". Zu der absichtlich dunklen Ausdruckweise der Strophen 
22—24 würde das, mein' ich, recht gut passen. 

Gudrünarkvida III. 
Str. 5, 3 — 8: 

Hrinctu mik at braidrum brinctu mik at oUum 

ok at brTDJudum, hofudnidjam '). 

') aho/up nipiö R. 

Daß hrinctu (hrincto R) unmi^glich richtig ist, hat schon Bugge 
hervorgehoben und Grundtvig und Hildebrand anerkannt. Man faßte 
die Worte als eine Aufforderung an Atle], seine ^Brüder und Gepan- 
zerten' um Gudrun einen Ring bilden zu lassen behufs der Abhaltung 
des in Str. 7 vorgeschlagenen Gottesurtheils. Nun folgt allerdings Str. 6 
in R auf Str. 8^ aber es ist klar, daß sie dorthin nicht paßt und schwer- 
Höh anderswohin, als wo sie bei Grundtvig und Hildebrand steht, d. h. 
zwischen 5 und 7. Auf alle Fälle sind die Worte 5,5—8 vor Str. 7 
unverständlich, sofern man hrinctu liest: hringa einn at einum ist un- 
möglich und * umringe mich mit Brüdern wäre ein sehr eigenthümlicher 



*) Aach bei diesem Worte ist es kemeswegs sieber, ob tonar voo «^i 'Sübne' 
«bioleiten ist, ebenso wenig in adnarhUt^ einem mit Orakel verbundenen Opfer, Hkr. 
Cftp. 21 (Grundtvig denkt an #7/n* Sonne', aucb Petersen * solens blöd'. Diese Erklärungen 
•toben unter der Voraussetzung, daß die Halbstrophe in Hyndl. ursprünglich sei und 
demnach mit Heimdall zusammenhänge). Man konnte daran denken , daß es beim 
»dnatgoUr sich um Gelflbde, also um feierlichf» (doch wohl gebundene) Rede bandelte. 
**) Wie Runenzeichen und Runenlieder zusammengehören, vgl. Häv. 138 f. Sigrdr. 
18 (Simrock, die Edda 6. Aufl. p. 383). 

22* 



;i4() A. Ki>ZAKi>i. zn: (;KsrnK'HTK und errläritmo k« 

Aiudruck, da Atle doch nur 4 Brttder hatto (Atlain. 52, 1); AUÜerdem 
nind vou dioson zwtM (diircli Gudrun^ im KAinpfo ^egcii die Ojakunp* 
^<;tall<'ii (Atlftin. I^<. ryj.4) und (wie inaii Atlaiii. 52.3, 94,7 doch wühl 
vrrst<»hrn inul:, vj^l. Ur. 11»^. oMf.) zwei sohuii frilhcr (iu einem Bru- 
drrkrie;ri*. dessen Schuld dtT <tadrun beif;eme98i*n wird), sodaÜ Atle 
Oberhaupt keine Hrüd<*r nu'hr hat — nach der nordi«chen 
S:i^<». Dali aber dic»sr vorlii-^t . erfahren wir aUH Str. 6, in der im- 
drun den Tod ihrer Hiüder b«>kla>;t; sie sind ahto gegen Uudruu« 
Willen, d. h. durch Atle ;;etödtet. Kndlich spricht auch der ZuBaninien- 
hang gerben jene Autfnüun;;. Str. r> luul: den (tnind zu dem von Ilerkja 
verdächtigten vertraulich«*!! itesprilehe Gudruns mit riodrek angeben: 
beide klagten sieh ihr Leid: <|en);;«Mn:iU erzählen die Verse 6, 1 — 4. 
dalj Pi«idrek alle srine IV) Mannen verloren hat, und in 5, 5-^8 sollte 
man dieselbe Klage von <tudrun erwarten. Diesen Sinn erhalten wir 
aber durch Hu^tje's hübsche (,'i»njrctur hitoktu *), d. i. hmfJckt-pti von 
himkk, pf. zu hn*jijtijn (aus '^hnujtjvja) 'berauben (wie 0»gtji ' Atlam. HU, 7 
Von (*Mftj pf. Von ^'',',;//tf. 'i^/«/^*")« davon htuujinn wia farinn ai einn^ 
V4iifin at vVja Si;^. sk. 57. 7. Ilamd. 5, f). Ks heiüt also: 'Du verwaistest 
mich an Brüdern umi an Mannen, verwaistest mich an allen Haupt- 
verwandten. Daran srhiieljt sich wi«*d«*r Str. 0, die am wahrscliein- 
lieli.'*ten hier i*inzusrhieben ist: 

kfiiir*a IUI CSttnn.irr. kullifrii t;k llopia etr, 

und mit U, 7 i. 

IUI verit «»k .-i:tlf fyr inik tyiija IVta. 

;:elit ^ji- XU ihr«*m Vursrhla;: ties Gottesurtheils (Str. 7) über. 

Wir haben alsi» hier, wi** schon Str. 6 zeigt, deutlich die nor« 
disehc Sa^^t-ngcätalt : <fudrun hiilt dem Ath* den Mord ihrer Brttder 
vor - und doch spricht sie tVeundlieh und herzlich mit ihnii aod ibr 
ist an »einer Fretindiichkeit geleg«'n (Str. 1^, wie auch ihm über die 
Schuldli>:*igkeit seiner Frau Mas Herz iu der Brust lacht*. Das ist der 
Etzel un<I die Krienihild thr (Jüngeren) deutschen Sage; in die nor- 
disehf Sagi-ntaliung passt ein s«» herzliches Verhttitniss Atles lind Ga* 
drun** >e|i!r(*hteri]ings nicht liin«*in. und si» ist es klar, daU in dem 
klein« n LiimIi* tiie nordi>che Sa;;e von iler jüngeren deutsehen **) stark 
l>«*fi titln tit ist, daL> wir hier euie x-ltsauie Mischung deutsclier und 
niirdiseht-r S.i^i* haben (*>. aui^h üb. p. Hti). Nun